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Gedanken zum Schreiben und Leben und Leben vom Schreiben. Ein Artikel von Matthias Engels

Gedanken zum Schreiben und Leben und Leben vom Schreiben.

Ein Artikel von Matthias Engels

Es gibt rund 87.700 Zahnärzte in Deutschland. Marcel Reich-Ranicki sagte bereits vor einigen Jahren, dass vermutlich mindestens jeder zweite von ihnen einen Roman in der Schublade hat. – Das wären dann schon 43.850 Romane. Nehmen wir dann einmal an, es verhielte sich bei vielen anderen Berufsgruppen ähnlich: den Lehrern, den Friseuren, den Journalisten sowieso und vergessen nicht die Hausfrauen und Arbeitslosen, dann könnte man fast annehmen, Deutschland habe bis in die nächsten Jahrhunderte hinein eigentlich keinen Bedarf an Romanen mehr.

Stimmt auch.

Wie viele Romane liest der Deutsche im Jahr?

In einer Studie definiert der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Vielleser als „jemanden, der mehr als 18 Bücher pro Jahr liest”, und beziffert deren Anteil an der deutschen Leserschaft mit 25 Prozent. Es sollte also genug in den Schubladen der Zahnärzte, Friseure und Journalisten liegen …

Aber da war ja noch eine Berufsgruppe!!! – Ach ja: die Autoren! Diese verfassen von Berufs wegen auch Romane und das oft ausdauernd und regelmäßig. Viele Autoren schreiben ein Buch pro Jahr, und Autoren mit einem Werk von mehr als 18 Romanen sind keine Seltenheit, sodass ein Vielleser jederzeit ein ganzes Jahr nur mit einem einzigen Autoren auskommen würde.

Sehen wir uns die Vorschauen der Verlage an: im Frühjahr und im Herbst immer neue Romane und nicht wenig an der Zahl. Viele Lektoren und Verleger betonen immer, dass auf ein verlegtes Manuskript Dutzende, ja Hunderte von abgelehnten Manuskripten kommen. Gehen wir mal von der groben Zahl von 10.000 neuen belletristischen Titeln im Jahr aus, die aus Angaben unterschiedlichster Quellen zu generieren ist.

Auf diese 10.000 verlegte Titel käme dann ein Berg abgelehnter Manuskripte, der problemlos jedem noch so begeisterten Vielleser die Lust verderben könnte.

Wie kriegt nun ein Autor einen dieser Vielleser dazu, alle anderen 9999 Romane zu vergessen oder wenigstens 9983, damit eines der mindestens 18 Bücher, die er im Jahr liest, das SEINE ist?

– Gut, wenn man in einem Verlag untergekommen ist, der viel Geld in Werbung steckt und den Namen besitzt, dass seine Titel etwa von Frau Heidenreich oder Frau Westermann empfohlen oder in den überregionalen Zeitungen besprochen werden …Glück gehabt!

– Aber, wenn nicht? Wenn man in einem Kleinverlag erscheint, der kein Budget für Werbung hat und den jeder Ladenhüter an den Rand des Ruins bringt? (Wobei ein „gut verkaufte” Titel dieses Verlages wahrscheinlich bei ca. 350 abgesetzten Exemplaren sich bewegt …). Oder, wenn man selbst verlegt? (Dank der schönen neuen technischen Möglichkeiten heißt das ja jetzt selfpublishing und ist raus aus der Schmuddelecke.) Hier will man jetzt nicht an die Urheber der vielen abgelehnten Manuskripte denken, nicht an die Zahnärzte und Friseure …

Das Zauberwort lautet – wie so oft –: Internet!!

Man verschickt also einen großen Teil der kleinen Auflage als Rezensionsexemplare. Zwei oder drei Blogs schreiben darüber. – Schön! Man kann das auf Facebook teilen, aber wirkt es sich auf den Verkauf aus?

Man kann seine Bücher als elektronische Version für 99 Cent oder ganz umsonst anbieten und jubeln, wenn man ganz schnell Platz 3 in der Sparte: Romane – Sachthemen – Kunst – Klöppeln belegt. Man sagt sich einfach, das sei nur der Auftakt. Mit diesen Aktionen bringe man später die Leser dazu „richtig“ Geld für seine Bücher auszugeben …

Amazon-Rezensionen schreiben in diesem Segment sowieso oft Freunde und die Familie, sodass der Autor selbst dazu beiträgt, dass die Rezension als Richtschnur bei der Kaufentscheidung praktisch keine Rolle mehr spielt.

Und wenn dann mal eine dabei ist, die wirklich von einem Leser stammt, der nicht zum Kauf genötigt wurde oder ein Exemplar geschenkt bekam, dann fällt es nicht weiter auf …

In allen möglichen Foren und Plattformen richtet man ein „Autorenprofil“ ein. Auf Facebook wirbt man um jeden Klick. Autoren „befreunden“ sich mit – naja – anderen Autoren. Lektoren oder Verleger tun gut daran, entweder gar keine Seite zu haben oder ihren Beruf besser nicht zu nennen, um die Flut von Anfragen zu vermeiden.

Man stellt Leseproben ein oder ganze Texte und lässt diese loben oder verreißen, alles gratis versteht sich.

Aber wo ist der Vielleser? – Hat er seine 18 Bücher schon durch? Waren vielleicht 15 davon Übersetzungen aus dem Englischen und die restlichen drei Klassiker?

Hat er sich vielleicht vorgenommen, die Lektüre eines ganzes Jahres nur den produktiven Martin Walser oder Günter Grass vorzubehalten?

Oder liest er zwölf Monate lang jeweils die Nummer eins der Spiegel-Bestsellerliste und sechs davon zweimal?

Liest er überhaupt Amazon-Rezensionen von Indie-Autoren oder hört er nur die Mainstream-Besprechungen im Radio?

Reicht ihm vielleicht die Leseprobe des Bestseller-Thrillers im Bahnmagazin?

Sicher durchforstet er Facebook nicht nach Profilen mit der Berufsbezeichnung: – Freier Schriftsteller –, um neue Autoren zu finden.

Und der Verkauf?

Selten schnellen die Statistiken bei diesen Aktionen plötzlich nach oben, wie es im „richtigen“ Geschäft ist, wenn eine Marketing-Maßnahme greift.

Sitzt Herr Precht bei Frau Illner, kommen tags drauf die Leute eben in die Buchhandlung. Reichweite.

Poste ich ein Foto meiner Lesung im katholischen Diskutierclub der niederösterreichischen Rechtsanwaltsgattinnen, passiert: gar nichts, außer dass sich die darauf zufällig Abgebildeten wiedererkennen und freuen. Es ist einfach nicht das Gleiche.

Das alles sagt nichts, rein gar nichts über Qualität, aber zwangsläufig denkt der Leser, wenn er Amazon-Rang 2.899.738 sieht: „Das muss Schrott sein“, auch wenn der inhaltlich ähnliche Liebesroman auf Rang acht vielleicht intellektuell ebenso überschaubar bleibt.

Meiner Erfahrung nach krebst ein ganz normaler Roman, ohne die Reichweite eines großen Verlages im Rücken, bestenfalls irgendwo im dreistelligen Absatzzahlen-Bereich herum, und das ganz ungeachtet dessen, wie viel Mühe sich der Verlag oder der Autor dabei geben. Man kann Lesungen veranstalten und pro Abend drei oder fünf Exemplare verkaufen, aber das bitte ohne Honorar, denn es ist ja Werbung für einen selbst.

Alles klicken, posten, twittern nützt da wenig.

Man versucht, mit viel Aufwand, ein Profil, eine Homepage, ein Blog zu präsentieren, welches in etwa aussieht wie das eines professionellen Schriftstellers und den Eindruck von Erfolg vermitteln soll und investiert dabei vielleicht die Zeit, die man für den wirklich großen Roman bräuchte.

So scheint es ein wenig, als hätten wir weitaus mehr Schreiber als Leser. Und Schreiben ist großartig! Man braucht dafür keine Ausbildung, die die ersten vier Schuljahre übersteigt! Muss man sich da wundern, wenn gewisse Verlage und Zeitschriften immer die gleichen Autoren drucken, die gewisse Schulen besucht haben und in anderen gewissen Verlagen und Zeitschriften auch schon gedruckt wurden; dass immer diese Autoren die Preise kriegen? Muss man sich da wundern, dass angesichts der schieren Masse eine Art von Qualitätskontrolle notwendig ist, die früher einmal VERLAG hieß?

Und muss man sich wundern, dass diese, nachdem sie sich durch die Herstellung von Schrott selbst infrage gestellt hat, bei der ersten besten Möglichkeit vom Sockel gestoßen wird.

„Kunst ist frei, steht allen offen und darf von jedem konsumiert UND praktiziert werden!“ – hört man es rufen, mit gereckter Faust.

„Aber der Leser“, möchte ich flüstern, „denkt doch auch an den Leser!“

Denn irgendwie war die Abmachung doch immer schon: „Ich schreibe, damit du es dann liest!“ – Das scheint nicht mehr recht zu gelten, wenn Autoren maßgeblich von anderen Autoren wahrgenommen werden.

Ein Vielleser bräuchte 555 Jahre für die belletristischen Titel eines Jahres.

Ein Vielleser könnte 2436 Jahre lang nur Romane von Zahnärzten lesen.

Naja, wenn der Leser im Prinzip kaum noch Autoren braucht – eins braucht er noch weniger: jammernde Autoren!

Glücklich diejenigen, die behaupten, sie schrieben einzig für sich allein.

In diversen social-media-Literatur-Gruppen beobachtete ich in der letzten Zeit still (so wie ich eigentlich immer still beobachte), dass Werbung (auch „versteckte“) für das eigene Buch oder andere Druckerzeugnisse aus eigener Hand, geradezu als Affront gewertet wird.

Werbefreie Tage, einzelne, speziell für Werbung vorgesehene Wochentage und strikte Verbote werden ausgesprochen …

Dabei ist es doch, der aktuellen Weltmeinung zufolge, gerade das Internet, über das man seine Umsätze ankurbeln und optimieren soll? Hier ist, ohne viel Aufwand und Kosten; bequem von zu Haus aus die „Zielgruppe“ zu erreichen. Schöne neue Welt.

Wo liegt der Denkfehler?

In Autorenforen tummeln sich Autoren. Autoren haben Interesse an Literatur – soweit richtig!

Aber ein Mitglied einer solchen Gruppe brachte es kürzlich wunderbar auf den Punkt: „Autoren interessieren sich für nichts weniger als für die Bücher von anderen.“

Ist das so? Wenn einer schreibt, dann liest er doch auch, oder? Oder nicht?

Man sollte davon ausgehen, dass fremde Literatur eine der Hauptinspirationsquellen und Messlatten für das eigene Schreiben ist. Dementsprechend muss man doch lesen, oder? Oder nicht?

Befrage ich mich einmal selbst: Es ist wahr. Wenn ich selber in einem Manuskript stecke, ist der Appetit auf fremde Literatur praktisch erloschen.

Die Erzählstimme, die nicht die eigene ist, kann sogar schädlich sein. Das ist die Zeit für trockene Sachtexte und Lexika zwecks Recherchen.

Gerichtsprotokolle – wunderbar! Zeitungsartikel – großartig! Briefe – ja, gerne! Aber Romane, Erzählungen, Gedichte? – Hmmm, nicht unbedingt.

Zwischen den Arbeiten an dem einen oder anderen eigenen Text aber wird gefressen und inhaliert, was an Literatur auch nur so gerade eben zu greifen ist. Mal wieder Kafka – her damit.

Eine aktuelle Gedichtsammlung – immer! Ein interessanter neuer Autor – ja ja ja!

Dazu all die Neuerscheinungen des vorangegangenen Halbjahrs, die man wegen der eigenen Schreiberei auslassen musste – Hunger, Hunger, Hunger!

Aber das scheint nicht die Regel zu sein. Der einfache Schluss: – Andere Autoren sind dem Autor gleichgesinnt und potenzielle Leser – scheint nicht so einfach zu ziehen zu sein.

Ich zitiere mal wieder den großen Knut Hamsun, Nobelpreisträger und Verwalter eines ansehnlichen Lebenswerkes, der sagte: „Ich mag keine Bücher! Immer, wenn mir Freunde etwas zu lesen schenken wollen, bete ich: Lass es ein Lexikon sein oder eine Zeitschrift!“

Hamsun las keine Romane. Er schnitt Artikel aus Zeitungen aus, sammelte Berichte über Expeditionen und geschichtliche Nachschlagewerke.

Aber Fiktion? – Nee! Er kannte die Werke seiner Zeitgenossen (und dazu zählten Namen wie Zola, Wilde, Flaubert, Ibsen und andere) nicht. Lediglich Strindberg schätzte er ein wenig.

Je älter er wurde, umso weniger las er.

Oscar Wilde, der immerhin hunderte von Rezensionen schrieb und sich gut auskannte in der Literatur seiner und vergangener Zeiten, sagte einmal. „Literatur langweilt mich“ und allgemein bekannt war, dass er die Bücher, die er geschenkt oder zur Rezension geschickt bekam, oft nur flüchtig durchblätterte. Er verehrte einige wenige Autoren, ansonsten fanden sich in seiner Bibliothek eher Werke über Esoterik oder Freimaurerei sowie die alten Epen der Antike.

Gegenwartsliteratur? – Sehr vereinzelt.

Also: Autoren lesen sich gegenseitig nicht. Das Schreiben und Vermarkten des eigenen Werks scheint uns völlig auszulasten. Wir werfen den Amazon-Link zu unseren Büchern in die Welt, wo wir gehen und stehen, empfinden aber die Werbung der Anderen als lästig. Wir wollen, dass andere Autoren uns lesen – lesen selber andere Autoren aber nicht. Hmm.

Ist er denn so ein Haifischbecken, der Literaturbetrieb?

Die Aufmerksamkeit von Schreibern für das Werk eines Kollegen ist so gering, dass es manchmal schon beleidigend ist. Zumindest in vielen Feldern der wunderbaren Netzwelt.

Manchmal beschränkt es sich auf (letztlich sich aufhebendes) Lob und Gegenlob, das war es dann. Vernetzungen entstehen fast gar nicht.

Jeder steht allein. Schade, oder? Oder nicht?

„Ist ja alles gut und schön“ – mag der ein oder andere sagen. „Autoren schreiben ja auch nicht für Autoren, sondern für LESER“ – Soweit richtig, aber den Leser zu erreichen ist ähnlich schwierig, zumal er sich seltener in Gruppen organisiert und in seiner Erscheinungsform mindestens so vielfältig und schwer zu greifen daherkommt wie der Autor. Und ein Autor in einer Lesergruppe steht von vorne herein unter dem Generalverdacht, nur Werbung machen zu wollen. Schlimmer noch ist allerdings, dass die eigentlich naheliegende Annahme, ein Autor SEI ein Leser, offenbar nicht ganz richtig ist.

Und nochmal zur Werbung: In der Tätigkeit des Schreibens ist ja das Gelesenwerden irgendwie impliziert, wenn mich meine altmodische Weltsicht nicht trügt. Ist die Tätigkeit, ein Buch zu verfassen, also nicht zwingend mit einem gewissen Schritt auf die Öffentlichkeit zu verbunden? Ist der Punkt, an dem man sich entscheidet, sich fortan „Autor“ zu nennen und Bücher zum Kauf anzubieten nicht schon der Wechsel ins Marketing? Gut, man kann sich „Autor“ nennen und seine Texte verschenken oder gar nicht erst drucken.

Man kann mit den schönsten selbsterdachten Gedichten der vergangenen 500 Jahre im Kopf umhergehen und sich „Dichter“ nennen, ohne, dass eines davon je auf Papier gesetzt worden wäre. Das gliche dann der Selbstbezeichnung „Imker“ oder „Heimwerker“, solange diese weder Honig noch selbstgebaute Möbel zum Erwerb anbietet. Aber wenn die Bienchen fleißig sind und die Säge gut flutscht, kann irgendwann der Gedanke an einen Ertrag entstehen, der mit dem vielleicht mittlerweile zum wichtigen Lebensbestandteil gewordenen Hobby zu erzielen wäre. Und dann? Kommen die Leute von allein, aus einer vagen, mystischen Ahnung heraus an die Tür und fragen nach Brotaufstrich oder Sitzgelegenheiten der besonderen Art? –

Hmm. Eher nicht! Oder doch?

Bin ich jetzt unromantisch, weil ich Honig, Tisch und Roman zusammen in eine Schublade stecke, auf der „WARE“ steht??

Kurzum: Wir sollen also schreiben. Wir sollen unsere Texte bitte ungekürzt und kostenlos zur Verfügung stellen. Aber wir sollen bitte niemanden daran erinnern, dass man diese Texte auch alle schön ordentlich gebunden und gesammelt für Geld kaufen kann. Das ist scheinheilig. Wir sollen also romantisch auf den großen Wurf warten, auf das Entdeckt-Werden über Nacht und ohne unser Zutun.

Und was essen die armen hungrigen Kinder?

Womit schützen sie ihre zarten Füßlein vor dem Frost und was erfreut ihr Herz in den dunklen Stunden der Langeweile?

In einem schönen Text über das Leben als Autor von Marc Degens äußert ein „Freund“ des Verfassers die Meinung: „Jeder Schriftsteller sollte einen anständigen Beruf haben“ – Recht hat er!

Dann bräuchte man sich nicht anzupreisen wie Sauerbier. Man könnte mal wieder was mit Holz machen. Und Bienchen sind eine interessante Spezies … Glücklich diejenigen, die nur sich selbst schreiben können.

Abdruck und Fotos mit freundlicher Genehmigung des Autors. Copyright (C) 2015 by Mathias Engels. Besten Dank für den Text auch an experimanta.

Updated: 12. September 2015 — 11:57

4 Comments

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  1. Gedanken zum Schreiben und Leben und Leben vom Schreiben. Ein Artikel von Matthias Engels

  2. Gedanken zum Artikel „Gedanken zum Schreiben und Leben und Leben vom Schreiben“ von Matthias Engels:

    Schon der Titel lässt vermuten, dass es sich bei diesem Thema um ein verschlungenes handelt, bei dem es keinen Anfang und kein Ende gibt und erst recht keinen Ausweg.

    Die etwas „welligen“ Formulierungen im Artikel selbst beschreiben nicht nur inhaltlich sondern auch in Satz- und Wortwahl das Dilemma der meisten Autoren in Bezug auf Motivation, Öffentlichkeit und Tantiemen: Nichts Genaues weiß man nicht.

    Einzig das Fazit ist klar und ich stimme dem uneingeschränkt zu:
    „Jeder Schriftsteller sollte einen anständigen Beruf haben.“

    Ich will aber mal versuchen das Thema aus einer anderen Perspektive zu beleuchten, ob es dann klarer ist weiß ich auch nicht:

    Autor ist nicht gleich Autor. Es gibt keine normierten Vorgehensweisen, wie die Aufgabe, die Erstellung eines Skriptes, zu bewerkstelligen ist. Bei einem Bäcker beispielsweise ist das anders: Er hat in seiner Ausbildung bestimmte Handlungsabläufe gelernt, nach denen die Aufgabe, die Herstellung eines Brotes, zu lösen ist. Der Autor setzt Buchstaben, Worte und Sätze aneinander, irgendwie, um damit irgendwas zu beschreiben. Eine Regel dafür gibt es nicht.
    Wenn man dem unbekannte Wesen Autor gerecht werden will, kann man also nicht versuchen herauszufinden, nach welchen Regeln er sein Produkt fertigt. Aber vielleicht geht es über die Darstellung der Motivation:

    1.
    Der just for fun Autor: Er hat eine bestimmte Story im Kopf und bringt sie so zu Papier wie sie ihm persönlich am besten gefällt.

    Die just for fun Autoren kann man in verschiedene Untergruppen einteilen:

    a. Der Selbstzufriedene: Er schreibt sein Skript nur für sich selbst. Der Leser eines Buches hat seinen Spaß am Lesen, niemand anderes ist in diesen Vorgang involviert und niemand soll involviert werden. Genauso ist es bei diesem Autor: Er schreibt ausschließlich für sich selbst und es interessiert ihn nicht, ob andere sein Skript lesen oder nicht.

    b. Der eitle Selbstzufriedene: Er schreibt eigentlich auch nur für sich selbst. Aber im Laufe der Zeit führt er irgendwelche „unwichtigen“ Gründe an, „nur mal sehen“ und dergleichen, weswegen er sein Skript doch der öffentlichen Leserschaft zur Verfügung stellt und natürlich hofft, dass sein Buch gekauft wird.

    c. Der Eitle: Er schreibt das Skript zwar so, wie es ihm am besten gefällt, erwartet aber, dass die Leserschaft es genauso gut findet; Mainstream interessiert ihn nicht, seine Vorstellungen sind sein Mainstream!

    2.
    Der Sendungsbewusste: Er glaubt der Öffentlichkeit mit seinem Roman etwas mitteilen zu müssen, etwas, was er als sehr wichtig empfindet. Er schreibt noch viel mehr so wie es ihm am besten gefällt und ist geradezu empört, wenn die Leserschaft eine andere Meinung in Bezug auf gefallen hat und sein Buch deswegen nicht kauft. Nicht er macht etwas falsch, sondern die Leserschaft hat keine Ahnung!

    3.
    Der Erfolgsorientierte: Er schreibt sein Skript nicht so wie es ihm am besten gefällt, sondern so wie er glaubt, dass es möglichst vielen Lesern gefällt; er prostituiert sich sozusagen gegenüber dem Mainstream. Seine Motivation zu schreiben ist abhängig von seinem Erfolg.
    Die Auflistung hier erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und die Klassifizierung kann sicherlich auch nach anderen Kriterien vorgenommen werden. Aber egal wie man es macht: Es ergibt sich zwangsläufig eine weitere Klassifizierung:

    1. Die Autoren, denen es egal ist, ob andere ihr Buch lesen
    2. Die Autoren, die mehr oder weniger innig hoffen, dass möglichst viele Leser das Buch kaufen
    3. Die Autoren, deren Motivation in direkter Korrelation zum Erfolg steht.

    Die unter 1. sind die glücklichen, wirklich freien und künstlerischen Autoren.
    Die unter 2. und 3. sind die Unglücklichen, die stets scheitern werden.

    Denn:

    Der Erfolg eines Buches hängt nicht davon ab, ob es ein guter oder schlechter Roman ist; diese Klassifizierung halte ich ohnehin für unerlaubt, denn es ist schließlich Geschmacksache, was gute oder schlechte Literatur ist.

    Als Weltliteratur und „gut“ wird im Allgemeinen das bezeichnet, was erfolgreich ist. Der Erfolg hat aber nichts und wieder nichts mit dem Inhalt zu tun!

    Das Buch ist ein Konsumartikel wie Handy oder Kühlschrank. Der Leser hat ein Verlangen danach und wird sein Bedürfnis mit dem Kauf eines Buches befriedigen. Wenn es nur 20 Neuerscheinungen im Jahr gäbe, würden wahrscheinlich alle 20 Bücher ein Erfolg; in Ermangelung von Alternativen müsste sich der Leser mit dem begnügen, was angeboten wird. Bei mehreren Tausend Neuerscheinungen hat er allerdings eine große Auswahl. Da es ihm unmöglich ist, alle Rezensionen zu lesen tätigt er seinen Kauf nach anderen Kriterien: Er kauft das, was ihm als „gut“ dargestellt wird. Und er wird dieses „gut“ bestätigen genau wie ehrlichen Herzens versichert wird, dass der Modemacher zufällig exakt das Kleidungsstück kreiert hat, das dem Käufer gefällt!

    Diese „gut“-Beurteilung kann dem Leser in vielfältiger Weise dargebracht werden: Gutes Marketing, Werbung, als Angebot in Bibliothek und Buchladen, usw. Bei anderen Konsumartikeln ist das längst gang und gäbe: Das beste Produkt wird nicht gekauft wenn es nicht zielgruppenorientiert beworben wird und das schlechteste wird gekauft wenn das Marketing stimmt.

    Auch die großen Verlage haben aber nicht das Geld für jedes ihrer Produkte eine große Werbekampagne zu starten, und die kleinen sowieso nicht. Die üblichen Präsentationen auf Buchmessen und dergleichen werden natürlich getätigt, eine Kampagne wie für das i-Phon ist jedoch nicht finanzierbar. Deswegen spielen in der Literatur andere Werbewege die entscheidende Rolle: Rezensionen in regionalen und überregionalen Zeitungen, Besprechungen in Talk-Shows usw.

    Der Autor, der dabei berücksichtigt wird, dem ist der Erfolg sicher. Aber wer wird dabei berücksichtig? Der unbekannte Zahnarzt, der sein Manuskript in der Schublade hat? Mit Sicherheit nicht! Es sind diejenigen, die Verbindungen zu dem entsprechenden Metier haben: Journalisten, schon bekannte Persönlichkeiten, Politiker oder Freunde und Bekannte dieser Menschen. Wenn doch mal der unbekannte Zahnarzt berücksichtigt wird kommt das einem Sechser im Lotto gleich! Da die „Berücksichtigten“ schon so viele Bücher schreiben, dass der Konsumbedarf der Leser mehr als befriedigt werden kann, haben die anderen de facto keine Chance.

    Allerdings sehe ich noch einen anderen Weg ein erfolgreiches Buch auf den Markt zu bringen, ich werde ihn in den nächsten Tagen an dieser Stelle darlegen; jetzt will ich erst mal dieses Elaborat loswerden.

    Liebe Grüße, Günter

  3. Da bin ich aber mal gespannt, Günter. Auch darauf was andere Leute vom Fach zu diesem Artikel sagen. Ich persönlich halte mich lieber raus. Ich veröffentliche hier zwar auch aber zu welche Art von Autor ich zu zählen bin, weiss ich selbst nicht so rechtoe. Vielleicht liegt es auch daran, dass das bei mir des Öffteren auch mal wechselt oder von meiner Lust und Laune abhängt. Die Autoren, die eine feste Meinung von sich selbst haben, zu welcher Art von Autoren sie sich zählen, sind da meiner Meinung nach nicht ganz ehrlich. Warum sollte es anderen denn nicht genauso gehen wie mir? Schon wenn ich schlecht drauf bin, ist es mir schnurzegal was man von meiner Schreibe hält. Wenn ich gut gelaunt bin, weil ich vielleicht guten Sex hatte oder lecker was gekocht unf gegessen, hebt das alleine vielleicht schon mein Sendungsbewusstsein. Warum also sollte das bei anderes komplett anders sein. Kann ich nicht so recht dran glauben. Und wie bereits gesagt, glaube ich, dass diese Autoren sich oft was vormachen, weil sie denken sie müssten ein bestimmtes Bild von sich als Autor nach draussen tragen. Aber mal ehrlich: welcher Autor der ersten Kategorie, dem es angeblich egal ist, was andere von seiner Kunst halten liest dennoch nicht gerne ein Lob über das, was er da in die Welt geboren hat?

  4. Warum macht eigenltich meine Tastatur öffter mal ein „oe“ in den Text? Weiss das jemand? Kennt das jemand bei seiner Tastatur? Ich bin daon langsam echt genervt!

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