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FRAGEN AN DEN OPA – Shortstory von Mona Mee

FRAGEN AN DEN OPA

Shortstory

von

Mona Mee

„Opa, was macht eigentlich das Wesen des Lebens aus?“

„Kleines, was meinst du mit dem Wesen des Lebens?“

„Ich meine damit, dass ich mich frage, was wir überhaupt sind und aus was wir eigentlich bestehen und wofür wir eigentlich leben und es die Welt gibt, usw.“

„Langsam, Kleines, dass sind sehr viele Fragen auf einmal!“

„Opa, wenn ich zum Beispiel in der Schule in Bio danach frage was Leben eigentlich ist, habe ich immer den Eindruck, dass das der Lehrer eigentlich auch nicht weiß und er nur so tut als wüßte er das! Er leiert dann einfach den Stoff runter, so wie er auch in meinem Schulbuch steht, aber das sind ja alles bloß Äußerlichkeiten, meine Frage kann der Lehrer mir damit auch nicht beantworten!“

„Schatz, der Lehrer kann dir doch auch nur das beantworten, was er sicher weiß und Euch Schülern lehren, was der Lehrauftrag hergibt!“

„Aber dann erfahre ich doch niemals, was Seele und Geist, was Materie und Energie wirklich sind!“

„Der Lehrer wird Euch doch sicherlich erklärt haben, dass die gesamte Welt wie wir sie um uns wahrnehmen aus Materie und damit aus Atomen besteht. Und diese Atome bestehen wiederum aus Atomkernen und Elektronen.“

„Ich glaube ja, Opa. Aber woher kommen diese Atome denn, das hat er uns nicht gesagt?“

„Das kann schon sein, dass solche Fragen in deiner Klasse noch nicht dran sind. Ich kann dir nur soviel dazu sagen, dass alle Atome, die uns umgeben, aus denen alles besteht, uns eingeschlossen nichts anderes sind als der Staub von anderen Sternen.“

„Wieso Staub, Opa? Ich dachte wir wären aus Erde entstanden, aus dem, woraus die Pflanzen wachsen?“

„Das stimmt schon, Kleines! Aber alles was uns umgibt und auch wir selbst sind nicht nur aus Erde, sondern wir sind auch aus Atomen, die schon mal Bäume, andere Tiere, Häuser und selbst schon mal andere Menschen aus der Vergangenheit waren, oder zumindest darin enthalten.“

„Aha, aber was hat das mit anderen Sternen zu tun?“

„Schatz, alle diese Atome müssen ja irgend woher gekommen sein. Und bevor es die Erde gab, da gab es die Atome ja auch schon aus denen hier alles besteht. Deshalb habe ich gesagt, dass diese Atome eben auch schon mal in anderen Planeten enthalten waren, oder in anderen Sternen oder Sonnen.“

„Verstehe. Also sind die Atome schon sehr alt und kommen aus dem Weltraum. Aber wie sind sie entstanden und warum?“

„Dazu mußt du erstmal wissen, dass Atome der Schwerkraft gehorchen und sich deshalb immer dorthin begeben, wo schon welche sind, da sie sich gegenseitig mit ihrer Schwerkraft anziehen. Aber auf der anderen Seite sind die Atome auch nicht wirklich feste Körper, sondern bestehen aus Energie, die eingefroren wurde.“

„Opa, du meinst eingefroren wie die Eiswürfel im Kühlschrank?“

„Atome sind eingefrorene Energie, die Informationen versenden. Die Energie die in Atomen steckt, die kannst du erahnen, wenn du weist, das diese Energie die gigantische Energie ist, die bei einer Atombombe freigesetzt wird. Diese Kraft ist die Bindungsenergie, die in den Atomen steckt, die Kraft, die die Kerne darin zusammenhält.“

„Das mit der Atombombe habe ich schon mal im TV gesehen, da haben die das auch mal erklärt. Wie groß sind denn aber die Kerne in den Atomen, Opa? Nehmen die sehr viel Platz im Atom ein?“

„Schatz, die Atome bestehen ja nicht nur aus Kernen sondern auch aus Elektronen die sich schalenartig um die Kerne bewegen.“

„Und diese Elektronen sind wie weit von den Kernen entfernt?“

„Also da wirst du jetzt bestimmt überrascht sein. Der Abstand zwischen den Atomkernen und den Elektronen ist gewaltig!“

„Wie groß denn, Opa?“

„Der ist 99,99 % und noch viele weitere Neunen hinter dem Komma von dem gesamten Raum des Atoms entfernt!“

„Aber dann ist ja das Atom eigentlich fast völlig leer!“

„Das stimmt, Schatz, das Atom – und das gilt für alle Atome, die sich nur durch die Menge der Kerne und die Menge der Elektronenschalen unterscheiden – ist praktisch ein fast leeres Gebilde, das einen winzigen Kern hat und noch winzigere Elektronen die um sie herumfliegen und sonst ist alles leer dazwischen!“

„Das ist aber sehr komisch, dann bestehen wir ja praktisch nur aus Luft.“

„Nicht Luft, kleines, denn Luft wären ja auch Atome, sondern praktisch aus leerem Raum und Kraftfeldern.“

„Opa, das kann ich fast nicht glauben und es mir noch weniger vorstellen!“

„Ich gebe die einfach mal eine Analogie dazu, ein Beispiel. Warst du schon mal im Kölner Dom?“

„Ja da waren wir mal mit unserer Klasse und da haben wir erfahren wann der Dom gebaut wurde und aus was.“

„Und wie fandest du, dass der Dom von seiner Größe her im Vergleich zu einem Menschen ist?“

„Opa, gegen einen Menschen ist der Dom riesig!“

„Stimmt, Kleines, und jetzt stell dir mal den Dom völlig ausgeräumt vor und genau in der Mitte wäre eine Fliege!“

„Du meinst nur eine einzige Fliege in dem supergroßem Dom?“

„Genau, Kleines!“

„Opa, diese Fliege wäre ja praktisch nichts im Vergleich zum Dom“

„Richtig, Schatz, diese Fliege, wäre dann etwa so groß wie der Kern in einem Atom“

„Bohhh!!“

„Also siehst du es vor dir?

„Ja!, Wahnsinn!! Und wo sind die Elektronen?“

„Die Elektronen fliegen außen um den Dom herum und sind so groß wie ein einziges Härrchen dieser Fliege!“

„Das ist ja irre, Opi!“

„Meine ich auch. So, jetzt mußt du aber los, sonst kommst du zu spät in die Schule!“

„Vielen Dank, Opa, das du mir das so toll erklärt hast! Darf ich das meiner besten Freundin erzählen?“

„Na klar, kleines, wenn sie dir das glaubt!“

„Machs gut, Opa, ich mach dann mal los!“

Das Mädchen gab ihrem Opa einen großen Schmatzer auf die Backe und schnappte sich ihre Schulsachen und war schon aus der Tür als der Opa ihr lächelnd nachschaute…

-Ende-

Copyright © 2012 by Mona Mee

Bildrechte: “Fragen an den Opa” (FragenAnDenOpa1.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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Updated: 14. März 2013 — 20:37

17 Comments

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  1. Obwohl sich die beiden nur unterhalten, ist dennoch die Beziehung zwischen dem Opa und seiner Enkelin irgendwie herausgearbeitet. Gibt einem ein gutes Gefühl, deine Geschichte 🙂

  2. So einen Opa hätte ich auch gerne gehabt, meiner hat nur Tee getrunken, geraucht, schweigend die Nachrichten im TV angesehen und mit dem überkreuzten rechten Bein gewippt. Auf Fragen von uns Enkelkindern hat er immer nur sehr wortkarg reagiert, geschweige denn uns Erklärungen auf Fragen zu geben… 🙁

  3. Der didaktische Weg des Gespräches gefällt mir. Ich bin zwar noch kein Opa, aber ich übe gelegentlich schon mal solche Dialoge an meinem Sohn. Allerdings bekomme ich keine rechte Vorstellung vom Alter der Enkelin. Stellenweise sieht es nach Grundschulkind aus, teilweise klingen Wortwahl und Satzbau nach einer Jungendlichen.

  4. Martin, die Autorin ist 13 Jahre alt.

  5. Wie alt die Protagonistin sein soll, weiß ich allerdings nicht.

  6. Meine Frage zielte zwar auf die Protagonistin. Das Alter der Autorin kann dabei aber durchaus interessant sein. Mein Sohn ist 12 und redet manchmal erwachsen, manchmal kindlich.

  7. Scheint ein Zeichen der Zeit zu sein, dass 12 und 13jährige sich so äussern. Ich habe in dem Ater noch mit Puppen gespielt!

  8. „in dem Alter“, meinte ich natürlich!

  9. Der Dialog erinnert mich ein bisschen an Erzähl mir was vom Himmel und der Erde. Das habe ich meiner 6-jährigen Tochter vorgelesen (während sie gemalt hat). Sie fand es spannend, und klar, sie hat nicht alles verstanden. Ist auch nicht wichtig, finde ich. Das Interesse wurde jedenfalls geweckt wird.

    Für ältere Astronomieinteressierte (ab 11 Jahre oder so) kann ich Die überaus fantastische Reise zum Urknall empfehlen ;-).

    Mich hätte auch interessiert, wie alt die Protagonistin sein soll. Ich nahm der Einfachheit halber an, dass sie im Alter der Autorin ist.

    Bei dem Opa macht es meiner Meinung nach nichts aus, wenn in seinen Aussagen „Fehler“ drin sind. Ein Opa weiß sicherlich viel viel mehr als seine Enkelin, ist normalerweise aber kein wandelndes Lexikon. Wenn du, Mona Mee, dem Leser allerdings auf die Art Wissen vermitteln willst, würde ich ein Thema nehmen, das nicht ganz so komplex ist oder einfach nicht so tief einsteigen.

  10. Aber ansonsten ein sehr hübscher Dialog, der sich da entspinnt 🙂

  11. Vielleicht war das ganze eine Hausaufgabe? 😉

  12. Haha, gute Idee 😉

  13. Ich staune nur, soviel Wissen habe ich nicht mal heutzutage als Erwachsene, und sowas wissen 13jährige? Da bekommt man ja Komplexe! 🙁

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