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FEINDKONTAKT – Leseprobe Teil 3 aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“ von David Weber

FEINDKONTAKT

Leseprobe Teil 3
aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“
von David Weber

(Zum vorherigen Teil)
Der morastige Boden ließ die Pferde mit ihren Reitern nur langsam vorankommen, während unablässig Pfeile auf sie niedergingen. Im Gegensatz zu den Rittern trugen die Pferde nur einen metallenen Kopfschutz, der Rest des Körpers war ungeschützt, und so sackte ein Tier nach dem anderen tödlich getroffen zusammen und bildete für die nachfolgenden Reiter ein zusätzliches Hindernis. Schlimmer jedoch waren die Pferde, die verletzt wurden und in Panik gerieten. Viele von ihnen gehorchten ihren Reitern nicht mehr, sondern bäumten sich vor Schmerzen auf und versuchten davonzugaloppieren. Die Attacke gegen die Engländer hatte sich innerhalb weniger Augenblicke in ein Chaos aus Verwirrung, Schlamm, Blut und Leibern verwandelt. Da die Kavallerie sich außerstande sah, auch nur in die Nähe der Engländer zu gelangen, trat sie den Rückzug an. Der ohnehin schon morastige Untergrund war inzwischen in eine Schicht aus Matsch verwandelt worden, in der tote und verwundete Pferde wie Riffe im Meer dalagen.

Henry beobachtete, wie die französische Kavallerie kehrt machte, und gestattete sich ein flüchtiges Lächeln. Er wusste nur zu gut Bescheid über den aufreizenden Effekt des Bogenschießens. Selbst ein noch so gut in eine Rüstung gehüllter Ritter konnte von einem Pfeil getötet oder zumindest verletzt werden, wenn die Umstände gegen ihn sprachen. Die Narben in seinem eigenen Gesicht waren die Folge eines Pfeils, den ein walisischer Rebell auf ihn abgefeuert hatte, als der dem erst sechzehn Jahre alten Prince Henry in der Schlacht von Shrewsbury gegenübergestanden hatte. Im Gegenzug war der Befehlshaber der Rebellen, Sir Henry Percy, ebenfalls von einem Pfeil ins Gesicht getroffen worden, was in seinem Fall allerdings tödlich geendet nach sich gezogen hatte.

Der König sah nur wenige Männer in ihren Rüstungen auf dem Schlachtfeld liegen, doch bei den meisten von ihnen waren dafür nicht die Pfeile der Engländer verantwortlich, sondern ihre eigenen Pferde, die sie bei ihrem Sturz in den Morast mit sich gerissen und unter sich begraben hatten. Aber die Franzosen würden wahrscheinlich nicht einfach dastehen und warten, während sie von den Engländern beschossen wurden. Selbst wenn es ihnen gelang, wieder Ordnung in ihre Formation zu bringen und ihre eigenen Schützen in Stellung gehen zu lassen, hatten die mit ihren Armbrüsten keine Chance gegen die Langbogen seiner Männer. Das bedeutete folglich . . . Garsul konnte die entsetzte Fassungslosigkeit der anderen deutlichspüren. Es erschien einfach lachhaft und völlig unmöglich, dass eine solche Masse von schwer bewaffneten Kriegern durch nichts weiter als angespitzte Holzstäbchen abgewehrt worden war, die man mit bloßer Muskelkraft auf sie abgefeuert hatte. Aber die berittenen Einheiten stellten nur einen Teil der französischen Streitmacht dar, und es war offensichtlich, dass die Kameraden der Reiter diese Schmach nicht ungesühnt lassen würden.

Der ursprüngliche Schlachtplan von Charles d’Albert hatte sich inzwischen als hinfällig entpuppt. Unter diesem beständigen Pfeilhagel war es ihm einfach nicht möglich, seine eigenen Streitkräfte neu zu organisieren. Das lag zum einen natürlich an den gefährlichen Geschossen selbst, zum anderen aber auch daran, wie sich seine Armee zusammensetzte. Die Adligen und die Ritter wollten zu viele Niederlagen gerächt sehen, ihre zahlenmäßige Überlegenheit war schlicht erdrückend, und dazukamen dann noch die spöttischen und verächtlichen Rufe, die ihnen von den englischen Bürgerlichen mit ihren Langbogen bei ihrem Rückzug an den Kopf geworfen worden und für die Blaublütigen über jedes erträgliche Maß hinausgegangen waren. Also rückten sie auf eigene Faust gegen die Engländer vor. Die erste Welle der Franzosen, die aus fast fünftausend Rittern und Waffenknechten bestand, wurde von Conn´etable d’Albert persönlich befehligt, begleitet von Marschall Boucicault, Duc de Orl´eans und Duc de Bourbon, während der Comte de Vendˆomeund Sire Clignet de Brebant das Kommando über die unterstützenden Kavallerieflügel hatten. Die zweite Welle unterstand der Befehlsgewalt von Duc de Bar und Duc d’Alen¸con sowie von Comte de Nevers, dicht gefolgt von Comte de Dammartin und Duc de Fauconberg als Befehlshaber der dritten Welle.

Insgesamt standen zehntausend Waffenknechte bereit, um ihre gut fünfzehnhundert Pendants auf englischer Seite niederzuringen. Wenn sie erst einmal aus dem Weg geräumt waren,würde man mit den Bogenschützen kurzen Prozess machen. Allerdings . . .

»Das glaube ich einfach nicht«, rief Kurgahr.

»Vielleicht liegt das daran, dass wir schon so lange über unsere Technologie verfügen«, gab Garsul zu bedenken, der seinen Blick noch immer nicht von dem Bildschirm abwenden konnte. »Wie lange ist es her, seit einige tausend Barthoni das letzte Mal versucht haben, ein morastiges Feld zu überqueren? Vor allem eines, in dem man so im Schlamm versinkt wie da?«

Die von Regenwasser getränkte, umgepflügte Erde war von den Hufen der französischen Pferde bereits zu einem morastigen Brei zertreten worden, und nun verwandelten Tausende von Füßen das Ganze in eine noch weichere Masse, die das Vorankommen umso beschwerlicher machte. Was unter normalen Umständen schon mühselig gewesen wäre, entwickelte sichso zu einem Albtraum für die Männer, die fünfzig bis sechzig Pfund schwere Rüstungen am Leib trugen, unter denen sich die Luft staute. Einige von ihnen, die sich in der Mitte des Felds befanden, mussten sich durch knietiefen Schlamm kämpfen, nd bei jedem Schritt, den sie zustande brachten, schlug ihnen das Trommelfeuer der englischen Pfeile entgegen.

Henry verfolgte mit unerbittlichen Blicken das Geschehen, während er über die Narben in seinem Gesicht strich. Die schweren Kettenhemden und Rüstungen der Franzosen mochten zwar die Pfeile seiner Bogenschützen abwehren, aber es waren auch diese Pfeile, die die Angreifer dazu zwang, die Visiere ihrer Helme zu schließen und sich zu ducken, damit keinem von ihnen das widerfuhr, was Henry und Percy bei Shrewsbury erlebt hatten. Aus eigener Erfahrung wusste Henry, wie sehr die Sicht bei geschlossenem Visier eingeschränkt war. Sogar das Atmen erwies sich durch die wenigen Löcher im Metall als Tortur – vor allem, wenn man sich durch knietiefen Morast kämpfen musste und dabei in dem heißen, verschwitzten Gefängnis der eigenen Rüstung steckte. Erschöpfung war ein wichtiger Faktor, ging es ihm ohne Gefühlsregung durch den Kopf, und das galt auch für Gedränge. Je weiter die Franzosen sich vorkämpften, umso schmaler wurde der Streifen Land zwischen den Wäldern. Die Männer mussten zwangsläufig näher zusammenrücken, was sie noch langsamer werden ließ, als sie es ohnehin waren.

Und nicht einmal die beste Rüstung war in der Lage, jeden Pfeil abzuwehren. Immer wieder gingen Männer zu Boden – manche von ihnen tot, andere verwundet, während wieder andere lediglich den Halt verloren hatten und hingefallen waren –, die alle dafür sorgten, dass der Platz für ihre Kameraden noch enger wurde. Indem sie versuchten, einen Bogen um die Gestrauchelten zu machen, damit sie die nicht noch tiefer in den Morast drückten,  geriet dann auch noch die ursprüngliche Formation aus den Fugen. Wer sich noch auf den Beinen halten konnte, der wurde immer wieder von irgendeinem der Tausendevon Pfeilen getroffen, die zwar nur in seltenen Fällen die Rüstung durchdrangen oder jenen schmalen Freiraum fanden, der das Fleisch darunter ungeschützt ließ. Aber ein mit einem Langbogen abgeschossener Pfeil konnte mit der Wucht von rund hundertvierzig Pfund und manchmal sogar zweihundert Pfund auf sein Ziel treffen, und ein solcher Aufprall hatte etwas von einemTreffer mit dem Vorschlaghammer. Diese schmerzhaften Schläge, die neben allem anderen den Franzosen zu schaffen machten, mussten irgendeine Wirkung zeigen.

Garsuls Haut zuckte vor Unbehagen. Das war kein Schock mehr, den hatte er bereits hinter sich gelassen. Nein, das war ein dumpferes, fast schon betäubendes Gefühl.

Aller Gegenwehr zum Trotz erreichte der schleppende Vormarsch der Franzosen schließlich die englische Verteidigungslinie. Mittlerweile standen die Krieger so gedrängt, dass keinervon ihnen noch einen Schritt nach vorn machen konnte, wenn sich nicht die Menge insgesamt bewegte. Nach Garsuls Schätzung war ihr Vorrücken um mindestens siebzig Prozent allein aus dem Grund verlangsamt worden, dass sie keinen Platz hatten. Und doch hatten sie diese dreihundert qualvollen Yards zurückgelegt, die der Feind von ihnen entfernt gewesen war.

Die französischen Waffenknechte waren erschöpft, Henrys Männer dagegen ausgeruht und zum Kampf bereit. Die kurze Front seiner eigenen Waffenknechte war nur vier Reihen tief, während die Bogenschützen von ihrer Position am Rand aus nun die Flanken des Gegners unter Beschuss nahmen, bis ihnen buchstäblich die Pfeile ausgingen. Als dann aber die vorderste Linie der Franzosen auf die Engländer traf, mussten die vor der geballten Wucht des Gegners zurückweichen – zwar nicht weit, aber es genügte die Tatsache, dass sie zurückgedrängt wurden. Dennoch kämpften sie mit aller Energie, um jeden Yard so lange wie möglichzu verteidigen, ehe sie ihn aufgaben. Die Formation der Franzosen stand so dicht gedrängt, dass die einzelnen Soldaten nicht genug Freiraum hatten, um ihre individuellen Waffen zum Einsatz zu bringen. Dann rückte auch schon die zweite Welle heran, und das Gedränge wurde noch schlimmer.

Das war auch der Moment, da die Bogenschützen alle Pfeile aus ihren Köchern verschossen hatten. Sie gaben ihre Position an den Flanken auf und griffen zu Äxten, Schwertern, Dolchen, Spitzhacken und Hämmern. Zwar trugen sie keine Rüstung, doch dadurch waren sie viel beweglicher als ihre schwerfälligen und mit Morast überzogenen Widersacher, und auch wenn sie nicht das Gesicht mit einem Visier schützen konnten, wurde ihre Sicht zum Ausgleich durch nichts behindert. Und während sie sich bis dahin körperlich nicht so hatten anstrengen müssen, waren viele Franzosen vom Marsch durch den Morast, von der Hitze und von der verbrauchten Luft in den engen Helmen so abgekämpft, dass sie kaum in der Lage waren, ihre Waffen hochzuheben. (…)

Copyright (C) 2012 by David Weber. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autoren und des Bastei Lübbe Verlages

Bildrechte: Coverillustration “Invasionsgeschichten1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Wer wissen möchte, wie die Geschichte beginnt und wie sie auch endet, kann über die beigefügten Bestellinks oder mit Klick auf das Buchcover den Titel bestellen!

Weber, David
Der Widerstand

Roman

Verlag :      Bastei Lübbe
ISBN :      978-3-404-20673-5
Einband :      Paperback
Preisinfo :      15,00 Eur[D] / 15,50 Eur[A] / 21,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 22.06.2012
Seiten/Umfang :      528 S. – 21,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 22.06.2012
Aus der Reihe :      Science Fiction. Bastei Lübbe Taschenbücher

Mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung stirbt in den ersten Minuten. Die Feinde kommen aus dem Nichts. Sie nennen sich die Shongairi und haben die Menschheit von einer Sekunde auf die andere in einen brutalen Krieg gestürzt. Die meisten Städte liegen in Trümmern, radioaktiv verseucht. Das Militär ist versprengt und versucht, sich wieder zu organisieren. Eines ist gewiss: Über kurz oder lang werden die Aliens die Menschen vernichten. Doch die Menschen haben Verbündete. Im
Dunkeln. Die neue Serie vom Schöpfer der Honor-Harrington-Reihe vereint auf geniale Weise grandiose Abenteuer-SF mit Horror-Elementen!

David Weber ist einer der bedeutendsten und bestverkauften Science-Fiction-Autoren der Gegenwart. Mit “Schwerter des Zorns” ist ihm nun auch der Durchbruch im Fantasy-Genre gelungen.

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Updated: 2. Dezember 2013 — 21:45

6 Comments

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  1. Ich bin nach wie vor begeistert von dieser Leseprobe und auch von dem Buch, auch wenn dieser Titel bei der Kritik und dem Leserpublikum schlecht kam. Zu unrecht meiner Meinung nach. Was meint Ihr?

  2. Schade, schade dass das so schlecht weg kam. Meiner meinung nach eine ideale Vorlage für eine Verfilmung!

  3. Da ich bekennender David-Weber-Fan bin, werde ich diesen Roman wohl endlich lesen müssen/dürfen, damit ich evtl. was dazu sagen kann.

    Auf jeden Fall gehören Webers Serien Nimue-Alban und Honor-Harrington zu meinen Lieblingsromanen (auch wenn es zwischendurch Längen zu überstehen gilt); die Plots – und die Erzählweise Webers – sind einfach klasse. Als paranoider Fan/Rezensent/Autor vermute ich bei einigen Romanen der HH-Serie unbenannte Co-Autoren, die´s halt nicht so drauf haben wie Weber selbst.

    mgg
    Werner 😉

  4. Ich finde den vorliegenden Roman einfach genial. Aber ich hatte ja schon immer einen eher absonderlichen Geschmack, nicht unbedingt massentauglich! 😉

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