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FEINDKONTAKT – Leseprobe Teil 1 aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“ von David Weber

FEINDKONTAKT

Leseprobe Teil 1
aus dem Science Fiction-Roman „Der Widerstand“
von David Weber

Tief unter dem barthonischen Raumschiff stand ein junger Mann mit langer, spitzer Nase und einem brutal vernarbten Gesicht im Frühnebel. Sein Name war Henry, Duke of Lancaster, Duke of Cornwall, Duke of Chester, Duke of Aquitane, Aspirant auf den Thron von Frankreich und durch Gottes Gnaden König von England. Er war neunundzwanzig Jahre alt und – auch wenn ihm das niemand ansehen konnte – er steckte in Schwierigkeiten.

In großen Schwierigkeiten.

Es war für jedermann erkennbar, dass er es übertrieben hatte, und die Franzosen beabsichtigten, ihn dafür bezahlen zu lassen. Seine Belagerung von Harfleur war erfolgreich gewesen, aber es hatte einen ganzen Monat gedauert, um die Kapitulation zu erzwingen. Und als das endlich geschafft war, hatten in seinen eigenen Reihen zahllose Krankheiten um sich gegriffen. Dieses Problem, die Verluste auf dem Schlachtfeld und die Notwendigkeit, seine Eroberung durch eine Garnison zu sichern, hatten seine über zwölftausend Mann starken Streitkräfte auf unter neuntausend schrumpfen lassen, von denen gerade mal fünfzehnhundert Rüstung tragende Ritter und Waffenknechte waren. Die übrigen rund siebentausend Mann waren Bogenschützen, die mit ihren Langbögen auf größere Distanzen eine todbringende Armee darstellten (sofern die Umstände für den Einsatz dieser Art von Waffen günstig waren), die aber hoffnungslos unterlegen waren, wenn es dem Gegner gelang, bis auf Schwertlänge an sie heranzukommen. Und wenn man ganz ehrlich war, dann stellte Harfleur eigentlich gar kein so beeindruckendes Ergebnis für einen solchen Feldzug dar. Und deshalb schickte Henry zwei Wochen nach der Kapitulation der Hafenstadt seine Leute zurück nach Calais im Norden Frankreichs, da diese Stadtfest in der Hand der Engländer war. Dort sollten sich seine Truppen im Verlauf des Winters neu aufstellen.

Vielleicht wäre ein Rückzug der Armee auf dem Seeweg die klügere Lösung gewesen, aber Henry hatte sich für den Landweg nach Calais entschieden. Mancher mochte es als den Hochmut eines jungen Mannes bezeichnen, aber seinem jugendlichen Alter zum Trotz war Henry V. ein erfahrener Krieger, der mitsechzehn zum ersten Mal auf einem Schlachtfeld gestanden hatte. Andere mochten von Arroganz reden, aber natürlich nicht in seiner Gegenwart. Es war strategisch gesehen vielleicht sogar sinnvoll, um wenigstens etwas Beeindruckenderes als Harfleurvon dieser Unternehmung zu retten, sodass er der Curia Regis, dem englischen Parlament, etwas vorlegen konnte, wenn es im anstehenden Winter über weitere Gelder für das Militär entscheiden sollte.  Ganz gleich, was ihn auch angetrieben haben mochte, auf jeden Fall beschloss er, nach Calais zu ziehen und dabei Feindesland zu durchqueren, als wollte er beweisen, dass dieser Feind ihn nicht aufhalten konnte.

Dummerweise hatten die Franzosen etwas ganz anderes vor und stellten eine Armee auf, um der englischen Invasion den Weg zu versperren. Auch wenn diese Armee nicht mehr schnell genug ankam, um Harfleur zu retten, und auch wenn sie nur unwesentlich größer war als die Streitmacht, mit der Henry in Richtung Calais aufbrach, blieb ihr noch Zeit, sich zu vergrößern. Zudem gelang es den Franzosen, Henry am Überquerender Sommezu hindern, und tatsächlich schafften sie es, ihn vom Fluss aus ein Stück nach Süden und damit noch weiter weg von Calais zu treiben, bis er eine Furt finden konnte, wo sich ihm kein Widerstand entgegenstellte.

Zu der Zeit war die französische Streitmacht sehr zum Leidwesender Engländer auf fast sechsunddreißigtausend Mann angewachsen. Und genau das war der Grund, weshalb Henry an diesem Morgen so missmutig in den Nebel schaute. Im Angesicht einer vierfachen Übermacht des Gegners hatte er sich für eine Verteidigungsposition entschieden, bei der er davon ausging, dass sie die Franzosen innehalten lassen würde, war ihnen doch immer noch schmerzlich in Erinnerung, was sich an Orten wie Cr´ecy und Poitiers zugetragen hatte. Für den Augenblick hielt sich seine Armee am südlichen Ende eines schmalen, lang gezogenen Feldes zwischen den Wäldern von Agincourt und Tramecourt auf.  Die freie Fläche war vor Kurzem umgepflügt worden, und ihre lockere Erde hatte sich nach einem ohnehin verregneten Herbst bei einem Wolkenbruch in der vergangenen Nacht mit Wasser vollgesogen.

Die Franzosen waren den Engländern zahlenmäßig weit überlegen, sowohl was die Ritter zu Pferd und die Ritter zu Fuß als auch die Waffenknechte anging. Deren schwere Rüstungen verschafften ihnen im Nahkampf einen erheblichen Vorteil über die Bogenschützen, die keinerlei Schutz gegen Waffen aller Art vorweisen konnten, die aber mehr als achtzig Prozent von Henrys Streitkräften ausmachten. Also hatte er seine wenigen Ritter und Waffenknechte so platziert, dass sie den mittleren Abschnitt seiner Reihen schützten, während sich die Bogenschützen anden Flanken scharten.  Das Ganze ergab eine recht standardmäßige englische Formation, doch er hatte auch etwas Neues zubieten:  lange Holzpfähle, die schräg in den Boden getrieben und an der zum Feind zeigenden Seite angespitzt worden waren.  Die Türken hatten neunzehn Jahre zuvor bei der Schlacht von Nikopolis diese Taktik angewandt, um die französische Kavallerie abzuwehren, und vielleicht würde sie ihm ja auch von Nutzensein.

Der dichte Wald zu beiden Seiten des Feldes hinderte die französischen Waffenknechte daran, um seine Stellung herumzugehen und seine Leute von hinten anzugreifen, und die gesamte Breite seiner Frontlinie betrug weniger als tausend Yards. Damit blieb den Franzosen bei einem Frontalangriff – der einzigenVorgehensweise, die zur Wahl stand – nur wenig Spielraum, so dass sie ihre zahlenmäßige Überlegenheit nicht ausspielen konnten. Zudem stellte das morastige Terrain ein für den Gegner so ungünstiges Schlachtfeld dar, dass die Franzosen wohl eher von einem Angriff absehen würden. Das wiederum konnten sie sich auch leisten, da die Zeit zu ihren Gunsten arbeitete. Zwar befand sich Henrys Armee in einer hervorragenden Defensivposition, und die Franzosen hatten schlechte Erfahrungen damit gemacht, gegen gut vorbereitete Engländer vorzurücken.

Aber jetzt saß Henry praktisch in der Falle.  Es fehlte an Lebensmitteln für seine Leute, die von einem Fußmarsch von gut zweihundertsechzig Meilen in nicht mal zweieinhalb Wochen müde und erschöpft waren. Ganz zu schweigen davon, dass viele seiner Männer an der Ruhr und anderen Krankheiten litten.

Charles d’Albert, der Conn´etable von Frankreich, der die französische Armee befehligte, versperrte ihm ebenfalls zahlenmäßig weit überlegen den Weg nach Calais, und während die Schlagkraft von Henrys Truppe zwangsläufig nur noch weiter schwinden konnte, würden seine Feinde stärker und stärker werden. So konnte d’Albert in Kürze mit weiterer Verstärkung rechnen, da unter anderem die Ducs de Brebant, Anjou und der Bretagne mit jeweils zwischen eineinhalb- und zweitausend Mann auf dem Weg zu ihm waren, um sich ihm anzuschließen. Sollten die Engländer tatsächlich so dumm sein und ihre Position aufgeben, würde die französische Kavallerie sie in Stücke hauen.  Sie wussten, die Engländer steckten in einer Falle, und wenn die Zeit gekommen war, würden die Franzosen sich anihnen rächen und sie für ihre Arroganz bei vorangegangenen Schlachten bei Cr´ecy und Poitiers bezahlen lassen. Aber noch hatten es die Franzosen nicht eilig,  sondern setzten auf Verhandlungen, um auf diese Weise so lange Zeit zu schinden, bis die Verstärkungen eingetroffen waren. Immerhin gab es keinen Grund zur Eile, denn die Engländer konnten ihnen gar nicht entwischen.

Was für Henry Grund genug für die Entscheidung war, zum Angriff überzugehen. (…)

(Zum nächsten Teil)

Copyright (C) 2012 by David Weber. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autoren und des Bastei Lübbe Verlages

Bildrechte: Coverillustration “Invasionsgeschichten1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Wer wissen möchte, wie die Geschichte beginnt und wie sie auch endet, kann über die beigefügten Bestellinks oder mit Klick auf das Buchcover den Titel bestellen!

Weber, David
Der Widerstand

Roman

Verlag :      Bastei Lübbe
ISBN :      978-3-404-20673-5
Einband :      Paperback
Preisinfo :      15,00 Eur[D] / 15,50 Eur[A] / 21,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 22.06.2012
Seiten/Umfang :      528 S. – 21,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 22.06.2012
Aus der Reihe :      Science Fiction. Bastei Lübbe Taschenbücher

Mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung stirbt in den ersten Minuten. Die Feinde kommen aus dem Nichts. Sie nennen sich die Shongairi und haben die Menschheit von einer Sekunde auf die andere in einen brutalen Krieg gestürzt. Die meisten Städte liegen in Trümmern, radioaktiv verseucht. Das Militär ist versprengt und versucht, sich wieder zu organisieren. Eines ist gewiss: Über kurz oder lang werden die Aliens die Menschen vernichten. Doch die Menschen haben Verbündete. Im
Dunkeln. Die neue Serie vom Schöpfer der Honor-Harrington-Reihe vereint auf geniale Weise grandiose Abenteuer-SF mit Horror-Elementen!

David Weber ist einer der bedeutendsten und bestverkauften Science-Fiction-Autoren der Gegenwart. Mit „Schwerter des Zorns“ ist ihm nun auch der Durchbruch im Fantasy-Genre gelungen.

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Updated: 16. September 2013 — 15:08

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