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EISENARM – Kurzgeschichte von Thomas Vaucher (Basierend auf den Greyerzer Sagen, die sich um Klarimbold und Ulrich, genannt Eisenarm, und die mutigen Greyerzerinnen ranken)

EISENARM

Kurzgeschichte

von

Thomas Vaucher

(Basierend auf den Greyerzer Sagen, die sich um Klarimbold und Ulrich, genannt Eisenarm, und die mutigen Greyerzerinnen ranken)

Eisenarm strich beinahe liebevoll über die lange Narbe, die sich quer über seinen rechten Unterarm zog und seufzte. Es ging wieder los. Hatte dieser Wahnsinn denn nie ein Ende?

Seit jeher wurden die Kriege der Adligen auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen und dieser hier würde keine Ausnahme machen.

Othon d’Éverdes, ein Dienstmann von Peter IV., dem Grafen von Greyerz, hatte vor kurzem die Freiburger Schultheissin Mermeta von Maggenberg auf dem Heimweg von ihrer Hochzeit überfallen und sie ihrer Juwelen beraubt. Das hatten sich die Freiburger natürlich nicht bieten lassen und gemeinsam mit den Bernern waren sie in Richtung Greyerz vorgerückt und hatten bereits die Schlösser von Vuippens, d’Everdes und la Tour-de-Trême angezündet und fünfzig Soldaten des Grafen gefangen genommen. Doch sie hatten noch nicht genug. Ihre Streitmacht rückte weiter gegen Greyerz vor und nun würde es an ihnen liegen, sie aufzuhalten.

Eisenarm richtete seinen Blick zur Dorfmitte hin, wo die Greyerzer Frauen gerade alle Ziegen der Umgebung zusammentrieben, um sie im Falle einer Belagerung als Nahrungsquelle zu verwenden. Er hoffte, dass es nicht soweit kommen würde.

Eisenarm seufzte erneut und ergriff den langen Zweihänder, den er als Waffe führte. Dann schritt er hinunter, zur Dorfmitte hin, wo seine Frau Joséphine ihn bereits erwartete.

«Kehre heil wieder zu mir zurück, Ulrich», flüsterte sie ihm ins Ohr, als sie ihn zum Abschied umarmte.

«Das werde ich», antwortete er und erwiderte ihre Umarmung. Dann schob er sie sachte von sich, strich ihr das lange, blonde Haar aus der Stirn und lächelte zuversichtlich. Zumindest versuchte er es.

Etwas stupste ihn von hinten an. Als Eisenarm sich umdrehte, stand hinter ihm eine Ziege, die ihn aus undeutbaren Augen ansah und zu meckern begann.

«Wenn diese Ziegen nur Männer wären», seufzte Eisenarm und drehte sich wieder zu seiner Frau um. «Mit solch einer Armee könnten wir den Freiburgern und Bernern gelassen entgegentreten.»

Joséphine sah ihn verwirrt an. Er lächelte schief, drückte seiner Frau einen Kuss auf den Mund und schritt zum Tor, vor welchem die versammelten Krieger des Grafen von Greyerz bereits auf ihn warteten.

***

«Warum wurde Ulrich Eisenarm genannt?», unterbrach Etienne die Erzählung des alten Herrn Gachet. Der Junge schaute den älteren Mann erwartungsvoll an. Dieser blickte ihn ob der Störung leicht verärgert an und hob tadelnd seine buschigen Augenbrauen. Doch die scharfe Entgegnung, die Etienne erwartet hatte, kam nicht. Stattdessen lehnte sich sein Gegenüber auf der alten Couch etwas vor und seine faltigen Gesichtszüge entspannten sich, als er antwortete: «Es gibt verschiedene Theorien dazu. Die einen sagen, dass einer seiner Arme aufgrund einer schlimmen Kriegsverletzung amputiert und mit einer eisernen Prothese ersetzt worden war. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass Eisenarm mit einem Zweihänder kämpfte, ist dies eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Andere meinen, dass er mit seiner Rechten zuschlug, als wäre sie aus Eisen; doch es gibt noch eine dritte Theorie und wenn du mich fragst, mein Junge, so ist dies die einzig Richtige.»

Etienne schaute den alten Mann gespannt an. Dieser schien auf eine Frage des Jungen zu warten. Als dieser ihn nur unverwandt ansah, zuckte Herr Gachet beinahe enttäuscht mit den Schultern, fuhr aber dennoch fort: «Man erzählt sich, Eisenarm sei einst im Kampf der rechte Unterarm durchbohrt worden, doch er habe sich keinen Schmerz anmerken lassen. Ja, nicht einmal seine Waffe habe er fallen gelassen, sondern im Gegenteil seinen Gegner mit dem verletzten Arm an Ort und Stelle erschlagen. Seit damals nannten ihn alle nur noch Eisenarm, im Gedenken an seine Stärke, seine Selbstbeherrschung und seinen eisernen Willen.»

Etienne nickte zufrieden und wartete darauf, dass der alte Mann die Erzählung wieder aufnahm. Doch Herr Gachets Blick schien plötzlich in weite Ferne gerichtet zu sein. Etienne räusperte sich und wagte zu fragen: «Und wie ging es weiter?»

Herr Gachets Blick blieb ins Leere gerichtet und es schien Etienne, als würde dieser Blick direkt in die Vergangenheit reichen und die Greyerzer, Berner und Freiburger auf dem Schlachtfeld kämpfen und sterben sehen. Eine Weile lang war es ruhig und Etienne wollte sich schon ein zweites Mal räuspern und nachfragen, als der alte Mann schliesslich leise flüsterte: «Es sind einfach zu viele.»

***

Eisenarm fluchte. Ihre Feinde waren ihnen zahlenmässig weit überlegen. Glücklicherweise war dies in der Dunkelheit der einbrechenden Abenddämmerung und dem dichten Wald, in welchem die Schlacht erbittert geführt wurde, nicht so offensichtlich. Dennoch hatten einige Greyerzer ihr Heil bereits in der Flucht gesucht und die Reihen der standhaften Soldaten lichteten sich zusehends. Schritt für Schritt wurden die Greyerzer zurückgedrängt. Eisenarm schwang seinen gewaltigen Zweihänder, erschlug damit einen Angreifer, der unvorsichtig genug gewesen war, dem Hünen zu nahe zu kommen, und verschaffte sich damit etwas Luft. Neben ihm kämpfte Klarimbold, ein Freund seit Jugendjahren, der ebenfalls den langen und schweren Zweihänder bevorzugte. Ein langer, brauner Bart zierte dessen Gesicht. Eisenarm liess seinen Blick zu Peter IV., dem Grafen von Greyerz schweifen. Die Dunkelheit des nächtlichen Waldes wurde nur durch einige vereinzelte Fackeln erhellt und es war schwer, Freund und Feind zu unterscheiden, geschweige denn einzelne Personen auszumachen. Dennoch erspähte er Graf Peter schon nach kurzer Zeit. Der Graf kämpfte verbissen an vorderster Front mit und soeben wurde ihm das Schwert aus der Hand geprellt. In hohem Bogen flog es davon. Die Berner und Freiburger jubelten und drangen auf ihn ein, um ihn gefangen zu nehmen. Eisenarm stiess einen wilden Schrei aus und stürzte sich mit dem Mute der Verzweiflung auf die Soldaten, die den Grafen nun bereits umringt hatten. Klarimbold setzte ihm nach. Ihre riesigen Zweihandschwerter fuhren in die Reihen der Berner und Freiburger und lichteten diese. Im Nu hatten sie den Grafen aus deren Umzingelung befreit und sich schützend vor ihn hingestellt.

«Wir müssen uns zurückziehen», keuchte der Graf. Schwer atmend stützte er sich auf sein Schwert und schaute sich müde um.

Eisenarm sah zu Klarimbold hinüber. Dieser nickte nur bestätigend. Rings um sie herum war die Schlacht beinahe zum Erliegen gekommen. Die meisten Greyerzer waren durch die Kämpfe im ganzen Wald versprengt worden, hatten sich langsam zurückgezogen oder waren gar geflohen.

Langsam begannen sie, sich ebenfalls zurückzuziehen. Klarimbold ging voraus, während Eisenarm hinter dem Grafen ging und sich immer wieder nach hinten umsah, um von keinem Feind überrascht zu werden. Die Berner und Freiburger liessen sie vorerst ziehen. Vermutlich versuchten sie, zuerst ihre Leute in dem dunklen Wald zu sammeln, ehe sie erneut vorrückten.

Der Pfad stieg nun leicht an und wurde immer steiniger. Endlich lichtete sich vor ihnen der Wald und ein schmaler Weg führte zwischen zwei steinigen Felswänden hindurch auf die freie Ebene hinaus.

Erschöpft hielten sie einen Moment inne. Durch die schmale Lücke zwischen den Felswänden waren im Hintergrund die Lichter des Schlosses Greyerz zu erkennen. Ihre Frauen und Kinder warteten dort auf sie und bereiteten sich auf eine mögliche Belagerung vor. Doch dies durfte nicht geschehen! Die Berner und Freiburger mussten aufgehalten werden und hier bot sich ihnen die letzte Möglichkeit dazu.

Eisenarm fasste einen Entschluss. Er blickte zu Klarimbold hinüber und sah die gleiche Entschlossenheit in dessen Augen.

«Herr», begann Eisenarm, «wenn die Berner und Freiburger Greyerz angreifen wollen, müssen sie durch diesen Engpass hier. Wollen wir sie noch aufhalten, dann ist hier die günstigste Stelle dazu. Geht und sammelt Eure Männer, Herr. Klarimbold und ich werden sie solange aufhalten, bis Ihr mit Verstärkung zurückkommt.»

Im Gesicht des Grafen arbeitete es. Er schien mit sich selbst zu ringen, doch schliesslich nickte er.

«Gott beschütze euch!», raunte er Klarimbold und Eisenarm zu, drehte sich um und verschwand in der Nacht.

Klarimbold und Eisenarm zündeten zwei neue Fackeln an und steckten sie in Felsritzen zu beiden Seiten des Weges. Danach säuberten sie ihre grossen Zweihänder und lehnten sie dann ebenfalls an die Felswand.

«Wenn ich heute fallen sollte», begann Eisenarm, doch Klarimbold unterbrach ihn mit einer herrischen Geste seines linken Arms.

«Das wirst du nicht. Ich habe keine Lust, deiner Frau irgendwelche Liebeserklärungen auszurichten. Das musst du schon selbst tun!»

Eisenarm konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, doch es erlosch, als er die leichten Erschütterungen unter seinen Füssen spürte und die dröhnenden Schritte und das Klirren von Metall auf Metall vernahm.

Sie kamen.

***

Ritter Johann II. von Maggenberg trieb seine Leute unermüdlich an. Der Widerstand der beiden wackeren Greyerzer wollte einfach nicht brechen. Die zwei Hünen blockierten den Engpass zwischen den beiden Felswänden und schwangen ihre langen Schwerter so präzis und tödlich, dass niemand an sie heran kam.

Johann II. fluchte. Mehr als hundert Männer hatte er hier zur Verfügung und dennoch schafften sie es nicht, die zwei Greyerzer aus dem Weg zu räumen.

Das flackernde Fackellicht warf die riesigen Schatten der beiden Männer an die Felswände, so dass es beinahe aussah, als hätten die beiden Hünen Unterstützung von zwei Schattendämonen aus der Hölle. Die Gesichter und Rüstungen der beiden waren mittlerweile blutüberströmt, doch Johann wusste, dass es nicht ihr Blut, sondern das Blut seiner Männer war, das an ihnen klebte, und diese Gewissheit machte ihn beinahe rasend.

Wieder fiel ein Berner Soldat unter einem gewaltigen Streich des einen Greyerzers, der einen roten Wappenrock trug. Johann II. verfluchte sich insgeheim dafür, dass er keine Bogenschützen dabei hatte. Doch plötzlich stürzten sich gleich drei Männer auf einmal auf den anderen Greyerzer, in dessen Gesicht ein wilder Bart wucherte. Der Zweihänder des Mannes krachte mit tödlicher Gewalt auf den ersten Angreifer, doch den anderen beiden gelang es, unter dem gewaltigen Schwert hinwegzutauchen und nach dem bärtigen Hünen zu schlagen. Dieser drehte seinen Körper leicht zur Seite und entging so dem einen Hieb. Doch das zweite Schwert traf ihn knapp über der Hüfte und bohrte sich in seinen Bauch. Der Greyerzer liess einen Schmerzensschrei ertönen und taumelte ein paar Schritte zurück. Sofort fassten die Berner und Freiburger neuen Mut und stürzten sich auf die nun verletzbar gewordenen beiden Verteidiger. Dem anderen Greyerzer gelang es zwar noch einmal, die nächsten Angreifer zurückzudrängen, doch der Bärtige sank erschöpft in die Knie und dann waren die Männer Johanns über ihm.

Und die Pforten der Hölle öffneten sich.

Ein unheimliches Geschrei, Gezeter und Geheul erklang, dröhnte über den Waldrand hinweg und die Erde begann, sachte zu beben. Johann sah auf und erstarrte.

Von der Anhöhe hinter den beiden Greyerzern, von der Höhe, wo sich das Schloss Greyerz befinden musste, näherte sich ihnen eine wilde Horde neuer Gegner. Sie kamen rasend schnell näher und Johann konnte nun erkennen, dass ihre Köpfe Hörner trugen und von Feuer umgeben waren. Es mussten hunderte sein. Der Lärm stieg beinahe ins Unerträgliche und Johann fuhr ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Die Greyerzer mussten einen Pakt mit dem Teufel eingegangen sein! Anders konnte er sich die unheimliche Verstärkung nicht erklären. Seine Männer hatten die wilde Horde ebenfalls bemerkt und schon gellten die ersten «Rette sich, wer kann»-Rufe durch die Nacht. Im Handumdrehen verwandelte sich der ungestüme Angriff auf die beiden wackeren Greyerzer in eine wilde, panische Flucht durch den nächtlichen Wald. Johann wurde von seinen flüchtenden Leuten einfach mitgerissen, bis er sich schliesslich selbst in Bewegung setzte und rannte, als sei der Leibhaftige hinter ihm her.

Und vielleicht war er das ja auch.

***

Ächzend richtete sich Klarimbold neben Eisenarm auf und presste seine Hand auf die Wunde in seinem Bauch, um den Blutstrom zu stoppen, der sich daraus ergoss. Die wilde Horde raste immer noch auf sie zu, während auch noch die letzten Freiburger und Berner im dunklen Wald hinter ihnen verschwanden. Eisenarm presste die Finger um den Griff seines Zweihänders bis die Knöchel weiss hervortraten, während Klarimbold mit der freien Hand das Kreuz vor dem Gesicht schlug.

«Heiliger Vater, steh uns bei», murmelte er, als die Horde weiterhin auf sie zu raste.

Als die stampfende und lärmende Meute die Ebene vor dem Wald erreichte, wurde sie langsamer und begann, sich zu verteilen. Doch eine der unheimlichen Kreaturen jagte weiterhin direkt auf Klarimbold und Eisenarm zu. Eisenarm verstärkte den Griff um sein Schwert noch einmal, spreizte die Beine und ging leicht in die Knie, um sich für den bevorstehenden Zusammenprall zu wappnen.

Doch dieser blieb aus.

Das Geschöpf trottete bis vor ihn hin und sah ihn spöttisch von unten her an. Zwei brennende Fackeln waren an seinen Hörnern befestigt und um den Hals trug es eine Glocke und Schellen. Eisenarm traute seinen Augen nicht, als er sah, dass die vermeintlichen wilden Teufel nichts anderes als Ziegen waren und nun zu grasen begannen. Er brach in schallendes Gelächter aus und die Ziege schien in sein Gelächter einzustimmen, denn sie begann lauthals zu meckern. Dann, als er sich wieder etwas beruhigt hatte, riss er sich sein Hemd vom Leib und verband damit notdürftig die Wunde Klarimbolds.

«Ich glaube, die Ziegen waren heute Nacht weit mehr wert als Männer», sagte da plötzlich eine liebliche Stimme hinter ihm. Eisenarm drehte sich um und begegnete dem Blick seiner Frau, die ihn ebenso spöttisch wie zuvor die Ziege ansah. Von überall her strömten nun die Greyerzer Frauen herbei und begannen, die Ziegen wieder einzufangen und sie von den vermeintlich teuflischen Fackeln zu befreien.

«Und du und alle Greyerzer Frauen wart heute Nacht ebenfalls mehr wert als alle Männer des Grafen», erwiderte er lächelnd. Er erhob sich langsam, ging auf Joséphine zu und nahm sie in den Arm. «Euch Frauen haben wir den heutigen Sieg zu verdanken», sagte er. Als ihn von hinten etwas anstupste, war er nicht überrascht, die Ziege hinter sich zu erblicken, die ihn beinahe beleidigt ansah. «Und natürlich euch, ihr wunderbaren, kleinen, teuflischen Kerlchen», sagte er lachend und fuhr der Ziege mit seiner blutverschmierten Hand über den Kopf.

Und die Ziege begann, zufrieden zu meckern.

***

«Ich dachte immer, Graf Peter sei Klarimbold und Eisenarm mit seinen Männern zu Hilfe geeilt und hätte sie gerettet», meinte Etienne verwirrt, als Herr Gachet seine Geschichte beendet hatte. «Die Geschichte mit den Ziegen ist doch nichts anderes als eine Sage.»

«Nun, das erzählt uns die offizielle Version», meinte der alte Mann schmunzelnd. «Ich bin der Meinung, dass Graf Peter die Geschichte zu seinen Gunsten geändert hat, weil er es nicht auf sich sitzen lassen konnte, dass die Frauen und nicht er Greyerz gerettet hatten. Also verwies er die Version mit den Ziegen ins Reich der Sagen und Legenden und schrieb sich als Retter in die Geschichte hinein. Doch wer weiss», Herr Gachet runzelte gespielt verwirrt die Stirn, «vielleicht habe ich auch einfach etwas durcheinandergebracht. Wie dem auch sei, ich hoffe, die Geschichte hat dir gefallen?»

Der Junge nickte verwirrt und ging, begleitet von Herrn Gachet, zur Tür.

«Auf Wiedersehen, Etienne», sagte der alte Mann.

«Auf Wiedersehen, Herr Gachet, und vielen Dank für die spannende Geschichte», sagte Etienne und reichte Herrn Gachet die Hand. Als dieser ihm die Hand schüttelte, rutschte der karierte Pullover des alten Herrn etwas zurück und auf der Oberseite seines rechten Unterarms war für einen ganz kurzen Moment der gezackte Anfang einer langen Narbe sichtbar. Doch bevor Etienne genauer hinsehen konnte, hatte Herr Gachet den Pullover schon wieder zurechtgerückt.

Als Etienne das Haus des Alten verliess, war er nicht einmal überrascht, auf dessen Wiese vor dem Haus eine einsam grasende Ziege zu erblicken, die just in dem Moment, als Etienne an ihr vorbeiging, den Kopf hob und ihn sachte mit der Nase anstupste.

Etienne meinte beinahe, ein spöttisches Glitzern in ihren Augen zu erkennen, doch dann schüttelte er den Kopf und verwies diesen Gedanken ins Reich der Fantasie.

Als er das Grundstück des alten Mannes verliess, begann die Ziege zu meckern. Es klang beinahe so, als würde sie ihn auslachen.

Beinahe.

-ENDE-

Copyright © 2011 by Thomas Vaucher

Erstmals erschienen im Freiburger Volkskalender 2012 (Eingangscover) (Von Anton Jungo, inkl. Kurzgeschichte „Eisenarm“ von T. Vaucher
Broschiert, 200 Seiten, Erschienen bei Kanisius Verlag, November, 2011)

Vaucher, Thomas – Autorenporträt

Bildrechte: “Sagen” (Zeichnung-Sagen.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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