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EINE GESCHLECHTSIDENTITÄTSSTÖRUNG IST KEIN ZUCKERSCHLECKEN! – eine Kurzgeschichte von Mona Mee (sfb-Preisträger Platz 2 im Storywettbewerb 2/2012)

EINE GESCHLECHTSIDENTITÄTSSTÖRUNG IST KEIN ZUCKERSCHLECKEN!

eine

Kurzgeschichte

von

Mona Mee

Wir leben in einem „Sozialen Brennpunkt“, so sagte es mir jedenfalls der Lehrer als ich mich vertrauensvoll an ihn wandte, da ich nicht wußte, wem ich vertrauen konnte. Ich wollte von ihm wissen, was er davon hält, dass ich gerne Kleider trage obwohl ich doch ein Junge bin und kein Mädchen.

Mein Lehrer hat dann nachgefragt, seit wann ich diese Wünsche hege. Da habe ich ihm die ganze Geschichte erzählt, davon, dass wir im 11. Stockwerk eines Hochhauskomplexes wohnen, der aus fünf mit einander verbundenen Gebäuden besteht, in dessen Innenhof sich Kinderspielplätze, Wäscheaufhängeleinen und Sitzbänke befinden. Unsere Mutter, die Alkoholikerin ist und immer pleite, da sie das ganze Geld versäuft, hat uns drei Kinder, meine beiden älteren Schwestern und mich, alleine groß gezogen nach dem unser Vater bei einem Autounfall ums Leben kam, als ich noch ein Baby war.

Die Geschichte fing damit an, dass meine Mutter meine ältere Schwester zu einem Nachbarn schickte, um dort den wöchentlichen Umschlag abzuholen. Was genau es damit auf sich hatte sollte ich erst sehr viel später erfahren. Jedenfalls war unsere ältere Schwester immer tränenverschmiert als sie von Herrn Erwin Schuster zurückkam, der im Gebäude im 14 Stock wohnt, das sich direkt zur linken neben unserem Hochhaus befand und wo man hin und zurück gelangen konnte, ohne auch nur den Fuß nach draußen zu setzen.

Als unsere ältere Schwester dann einen Freund hatte weigerte sie sich diese ominösen Botengänge zu verrichten und so schmiß meine Mutter sie einfach raus. So weit ich dann später erfahren hatte, ist sie zu ihrem Freund gezogen und hat sich nie wieder bei uns blicken lassen. Von diesem Moment an hatte meine andere Schwester den Weg zu Erwin Schuster zu erledigen, die diesen Botendienst ohne zu murren und ohne ersichtliche äußere Veränderung ihres Gemütszustandes erledigte und nach der Rückkehr stumm den Umschlag an unsere Mutter aushändigte, die diesen sofort an sich raffte.

Was der Umschlag beinhaltete darüber konnte ich bis zu diesem Zeitpunkt nur spekulieren. Fakt war, meine andere Schwester, die einzige, die noch bei uns wohnte, war irgendwann nicht wieder von der Schule zurückgekommen. Alle Versuche sie wieder zu finden blieben erfolglos. Zu dieser Zeit betrachtete mich meine Mutter immer häufiger, um mich dann eines Tage dazu zu zwingen, die alten Mädchenkleider meiner beiden Schwestern aus dem Keller zu holen und diese anzuziehen.

Zuerst dachte ich, das ganz wäre ein lustiges Spiel, doch sehr schnell wurde aus diesem Spiel ernst, denn sie schickte mich zu  Erwin Schuster den ominösen Umschlag abzuholen. Vorher bleute sie mir ein, dass ich mich bei diesem Nachbarn unbedingt als Mädchen aus zu geben und immer die Kleider meiner Schwestern zu tragen hätte. Würde ich verraten, das ich kein Mädchen wäre, dann würde es ordentlich Dresche geben und jede Menge Hausarrest und kein Essen.

So ging ich also pflichtbewußt in Mädchensachen angezogen zu meinem ersten Botenjob los. Als ich bei Erwin Schuster vor der Tür stand, war mir aber doch ziemlich mulmig zu mute denn ich wußte ja nicht, was mich hier erwarten würde. Ich hoffte jedenfalls darauf, dass ich mich nicht verplappern würde und mir der Mädchenname, den mir meine Mutter verpaßt hatte nicht entfallen würde.

Als die Tür aufging, öffnete mir ein dicker alter Mann, der im Rollstuhl saß und irgendwie ungepflegt aussah und auch ziemlich nach Schweiß stank. Er winkte mich rein und fragte mich ob ich einen Saft trinken mochte oder vielleicht etwas anderes. Er fragte mich nach meinen Hobbys aus, was mir ziemlich schwer zu beantworten fiel, denn beinahe hätte ich Fußball gesagt, was mich bestimmt verraten hätte. Mädchen und Fußball ging ja wohl  überhaupt nicht, daher sagte ich ihm, dass ich mich sehr für Pferde interessieren würde.

Nachdem ich den Saft getrunken hatte, fragte mich Herr Erwin Schuster, ob ich denn wüßte, was meine Aufgabe hier wäre und ob meine Schwestern oder meine Mutter mir erklärt hätten, was zu tun sei von meiner Seite aus. Ich schüttelte den Kopf und machte ein unschuldige Gesicht, so dass Erwin Schuster ein wenig zu lachen begann, verlegen wurde und es ihm offenbar ziemlich schwerfiel mir zu sagen, was er von mir wolle. Er erklärte mir daher erstmal, dass er seit seinem Unfall, bei dem ihm ein Auto über die Beine gefahren war, im Rollstuhl sitzen würde und nicht mehr laufen könne, er aber sehr wohl noch etwas im Unterkörper spüren würde und nicht wie bei einer Lähmung alles taub sei.

Wäre ich nach dem was nun auf mich zukam direkt am nächsten Schultag zu meinem Vertrauenslehrer gegangen, dann wäre es mir in den nächsten Jahren bestimmt anders ergangen. Auf der anderen Seite tat mir aber auch meine Mutter leid, die ohne das Geld – wie ich in der Folge erfuhr, was in dem ominösen Umschlag an sie ging – todunglücklich geworden wäre, wenn Sie ihren Alkoholkonsum nicht mehr hätte finanzieren können.

Mein Vertrauenslehrer war dann doch ziemlich blaß, als ich ihm weiter erzählte, dass Herr Erwin Schuster von mir das selbe verlangte wie bereits vorher von meinen Schwestern… Anschließend gab er mir den Umschlag mit dem Geld und für mich noch einen 5 Euro-Schein. Ich wischte mir den Mund ab und verließ seine Wohnung. Ich dachte darüber nach, was meine beiden Schwestern hatten erdulden müssen in all den Jahren…

Als mich mein Vertrauenslehrer unterbrach bei meinen Schilderungen und mich fragte, warum ich denn damit weiter gemacht habe, erklärte ich ihm, dass ich mich für meine Mutter verantwortlich gefühlt hätte und es nicht übers Herz gebracht habe sie im Stich zu lassen. Außerdem fing ich nach und nach Gefallen an meiner zweiten Existenz zu finden, wenn ich mich als Mädchen verkleidete und etwas total Verwerfliches und Verbotenes tat. Hinzu kam, dass ich mich sehr wohl fühlte in den Kleidern und öfter und öfter heimlich das Haus darin verließ um mich in der Öffentlichkeit zu bewegen.

Es war schon ein Gefühl von Macht, wenn ich mir vorstellte, wie Erwin Schuster reagiert hätte, wenn ich ihm gezeigt hätte, das ich überhaupt kein Mädchen war. Ich hatte ein zweites Leben hinzugewonnen, eines das absolut abartig und widerlich war aber dadurch auch einzigartig und spannend. Ob das irgend jemand verstehen würde? Jedenfalls hatte ich mich endlich auch jemanden anvertraut, denn das ist etwas, was einen fertig macht, wenn man niemanden hat, den man diese Geschichte erzählen kann.

Was draus geworden war? Meine Mutter ist inzwischen in einer Klinik für Alkoholkranke und Herr Erwin Schuster an einem Herzinfarkt verstorben – und er hat es nie erfahren, dass ihm ein Junge jahrelang behilflich war! Jetzt habe ich einen neuen Freund, der mich an die Hand genommen hat und mit mir spazieren geht in der Stadt. Es handelt sich um meinen Vertrauenslehrer, der mein Geheimnis zu unserem Geheimnis gemacht hat, und der meine Vorlieben akzeptiert und sich nicht blöd dabei vorkommt, wenn er einen Jungen an der Hand führt, der in Mädchenkleidern steckt…

-Ende-

Copyright © 2012 by Mona Mee

Bildrechte: “Tabu-Brecher” (tes-tabu2.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/


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Es richtet sich an Betroffene und deren Angehörige, an Ärzte, Juristen, Sozialpädagogen, an Menschen anderer Berufe, die mit Transsexuellen in Kontakt sind, sowie an alle Interessierten, die sich aufgrund des neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisstandes eine fundierte Meinung bilden wollen.

Durch ihre fachlich kompetente, neutrale Aufklärung holt die erfahrene Psychotherapeutin und bekannte Fachbuchautorin die Transsexualität aus der «Schmuddelecke» und dem Bereich des «Schrillen».

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Updated: 23. Januar 2013 — 06:41

27 Comments

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  1. Liebe Leute, ich habe eine Weile gebraucht um diesen Text unserer Jungen Wilden so zu zügeln, dass man ihn einer Öffentlichkeit zeigen kann. Wenn Ihr wüßtet, wie der Text ursprünglich aussahr. Sogar ich wurde ab und zu rot!

    Jetzt ist er aber sozusagen „Jugenfrei“ und mich würde interessieren, ob die Geschichte noch eine gewisse Kraft besitzt oder ich dass, was Mona da rausgehauen hat, zu sehr entschärft habe. Also schreibt mal was dazu! Her mit Euren Meinungen!

  2. Ich hab die Story noch nicht gelesen, werd´s aber sicher tun. Nur so viel: Können wir eine Antho mit Jugendbegrenzung oder FSK ab 18 posten? Lieber Günther, geht das technisch? Vielleicht mit der Angabe der Personalausweisnummer und Geburtsdatum als Login (natürlich anonym für alle anderen; nur im Admin-Bereich) und nur die Zugangsberechtigten dürfen die Originalgeschichte lesen?

    Ziemlich heiß das Thema, was?!

    mgg
    galaxykarl 😉

  3. Davon würde ich unbedingt abraten, alle Freunde, die sowas versucht haben, sind letztlich zu der Erkenntnis gekommen, dass der Aufwand enorm ist und letzten Endes man sich damit nur Ärger einhandelt!

    Lasst das lieber!!

  4. Ich finde die Story absolut unproblematisch, sowas findet sich auch in Büchern ab 12 Jahren bei sehr vielen Verlagen!

  5. Ich habe den Text mit Hilfe eines befreundeten Rechtsfachmannes nochmal entschärft und werde ihn so nun stehen lassen und auch für mögliche Wettbewerbe akzeptieren. Man muß ja nicht aussprechen, was man sich auch denken kann, hat dieser mir geraten, jetzt sei das ganze jedenfalls absolut wasserdicht. Mona war dann letztlich auch einverstanden damit, dass wir den Text soweit verändern mußten, damit wir hier keine Probleme bekommen.

  6. Wie sieht es denn mit den anderen Autoren aus zu dem Thema „Transsexualität“? Werden wir irgendwann eine Anthologie mit Storys füllen können, oder was meint Ihr?

  7. Meiner Meinung nach gehörte der Text noch ein klein wenig entschärft, wenn er für 12-jährige tauglich sein sollte. Wobei ich mich sowieso frage, ob diese Art von Geschichte überhaupt für 12-jährige tauglich ist.

    Vielleicht bin ich schon zu alt dafür und kann mich nicht mehr erinnern, was Menschen in dem Alter umtreibt. Und der Nachwuchs noch zu jung.

    Transsexualität oder, wie es oben heißt, Transidentität ist auch so ein Phänomen, ähnlich wie Homosexualität, mit dem man sich in unserer heutigen Gesellschaft in der einen oder anderen Weise auseinandersetzen muss. Es hat ja nicht jeder gleich einen Schlag und muss ärztlich behandelt werden, der sich in Frauenkleidern wohler fühlt.

    Nachvollziehen kann ich das nicht, aber ich kenne auch nur wenige – wenn man hier von der Community absieht 😉 -, die verstehen, was ich an SF oder Comics finde. Wobei sicherlich nicht so viel von meiner Identität an SF bzw. Comics hängt, wie bei einem Transsexuellen. Aber wegdenken möchte ich mir das nicht.

  8. Bücher sind auch eine von den wenigen Medien, wenn nicht das einzige, für das es keine Alterskontrolle gibt – ähnlich z.B. der FSK beim Film.

    Sollte es so etwas geben? Jedenfalls bin ich auch nicht für einen kontrollierten Zugang zu „Texten ab 16/18“. Überlegt mal, welche eurer Daten dann plötzlich auf irgendwelchen Servern rumgeistern: ID des Personalausweises, Sozialversicherungsnummer, …

  9. Ich finde den Text so noch viel besser als vorher, denn tatsächlich beginnt, nun, nachdem vieles, was vorher gesagt wurde und jetzt nur noch zwischen den Zeilen steht, das bekannte Kopfkino, in dem man sich was vorstellt, was man mit Worten kaum ausdrücken könnte.

    Warum soll der Text eigentlich für 12jährige sein? Für mich ist diese Geschichte eine, die sich vor allem an Erwachsene richtet, denn die sind es ja letztlich, die verantwortungslos handeln, wenn es zu solchen Übergriffen kommt. Und ob eine Mutter sich wirklich darauf rausreden könnte, dass sie alkoholsüchtig war, lasse ich nicht gelten.

    Verantwortung haben alle Erwachsene, die erziehungsberechtigt sind für ihre Kinder. Ich gehe dabei mal davon aus, dass diese Kinder, da sie noch in die Schule gehen, noch keine 18jährigen sind.

    Die Sache mit dem Nachbarn, zu dem eine Mutter ihre Töchter schickt um mehr Geld zu haben, habe ich übrigens vor etwa einen Jahr in der Zeitung gelesen, der Mann war aber nicht im Rollstuhl und es gab keinen Sohn, der dort hingeschickt wurde.

    Ich weiß natürlich nicht, ob Mona sich daran orientiert hat und ob sie die Meldung überhaupt kannte. Jedenfalls finde ich es mutig, den Aufruf von DH, Geschichten zu diesem Themenkreis für eine mögliche spätere Anthologie zu schreiben. Shon deshalb gebührt ihr Anerkennung, egal wie gut die Geschichte geschrieben ist, oder?

  10. Da kann ich Irene nur in allen Punkten zustimmen!

  11. @ Detlef

    Ich bin jetzt erst dazu gekommen diesen Text zu lesen und mir schwant so einiges. Bitte ruf mich an, sobald Du Zeit findest.

    Lieben Gruß

    Ariana

  12. Hallo Mona!
    Ich habe gerade deine Kurzgeschichte gelesen und muss sagen, ich bin auf mehrere Weise beeindruckt. Zum einen wirkt die Geschichte sehr erwachsen und nicht wie die Story einer 13jährigen, und das nicht nur in Bezug auf den Inhalt, der natürlich alles andere als kindgerecht ist, sondern auch im Hinblick auf deinen Schreibstil. Ich finde, gerade dieser leichte Zynismus und die schnoddrige Abgeklärtheit passen sehr gut zum Thema. Natürlich ist es sehr mutig, ein Thema wie Kindsmissbrauch auf diese Weise aus der Innenansicht der Hauptfigur darzustellen, aber ich muss zugeben, dass ich auch die psychologische Seite durchaus überzeugend finde (wobei das natürlich eine gefährliche Gratwanderung ist, da sexueller Missbrauch auf keinen Fall verharmlost werden darf und eben gerade nichts Cooles oder Geiles ist, worauf man von allein Bock hat, wenn man erst mal auf den Geschmack gekommen ist. In diesem speziellen Fall finde ich die Entwicklung der Figur aber durchaus glaubwürdig, zumindest halte ich sie nicht für grundsätzlich unmöglich – wobei ich sagen muss, dass ich natürlich kein Experte für Transsexualität in ihren verschiedenen Spielarten bin.). Was mir sehr gut gefällt, ist die Indirektheit, mit der du deine Geschichte erzählst. Gerade bei diesem sensiblen Thema wären explizite Beschreibungen der stattgefundenen Sexualität sehr schnell Gefahr gelaufen, platt und reißerisch zu wirken. Auch wenn eine wichtige Regel für Romanautoren lautet: Sei spezifisch!, so ist die Kunst der Indirektheit und Andeutung doch genauso wichtig. Alles in allem finde ich, dass du mit deiner Geschichte eine Menge Potential als Autorin beweist, und ich bin gespannt, was von dir noch alles so kommen wird. Einen wichtigen Tipp hätte ich noch für dich: Nicht alles, was einem als Autor beim Schreiben einer Geschichte als Phantasie durch den Kopf geht, muss – und darf man im Interesse der Geschichte auch schreiben. Romane schreiben ist nicht nur eine Sache des Erzählens, sondern genauso sehr eine des Weglassens.

  13. Liebe Susanne, wir kennen hier zum Teil ja noch frühere Versionen der Story und ich muß ehrliche sagen, dass es mir damals die Scharmröte ins Gesicht getrieben hat beim Lesen. Ich finde diese mehrmals überarbeitete Version jetzt ebenfalls richtig gut und es hat sie enorm weitergebracht, dass nun vieles im Kopf des Lesers abläuft und nicht mehr explizit geschildert wird, so wie das noch zu Beginn, vor den letzten Überarbeitungen hier, der Fall war.

    So gesehen kann ich dir also völlig zustimmen, was du in deinem Kommentar schreibst. Dennoch solltest du wissen, dass es eben das Produkt von vielen Überarbeitungen ist, das man hier nun lesen kann. Daran sieht man doch schön, wie wichtig es ist, Leute zu haben, die das selbe Hobby oder Beruf(ung) teilen und Hilfestellung geben, vor allem wenn die Autorin noch so jung ist.

    Ich bin natürlich ebenfalls so wie du gespannt, was uns noch aus der Feder von Mona hier erwarten wird. 🙂

  14. +Irene Schmidt +1 🙂

  15. Christa Kuczinski

    Ich lese den Text ja zum ersten Mal, worüber ich nicht traurig bin, denn, er hat mir so wie er nun steht sehr gut gefallen. Ein schwieriges Thema gut umgesetzt. Toll* 😉

  16. Da hatte ich auch Stunden mit der Autorin am Rechner sitzend verbracht, war nicht ganz einfach, denn da geht es uns allen ja so: wenn jemand was kürzen will, verteidigt der Autor oder die Autorin ihre Arbeiten wie ein Löwenmutter ihre Jungen. Bin aber froh, dass nicht nur die Autorin letztlich zufrieden war sondern auch offenbar einige der Leser hier! 😀

  17. Herzlichen Glückwunsch nochmal im Speziellen für unsere Kleine. Tolle Leistung! 😀

  18. Wow, Respekt an die Autorin für diese wirklich gelungene Kurzgeschichte. Diese ist in sich absolut stimmig. Hier sollte man sich überlegen, ob man den Text nicht an weiteren Literatur-Wettbewerben teilnehmen lässt. Ich denke, da könnte sich noch einiges bewegen…
    Um auf die Beiträge hinsichtlich der Zielgruppe einzugehen: Ich finde überhaupt nicht, dass der Text in irgendeiner Form an Jugendliche gerichtet sein könnte. Gerade die Erzählperspektive, die Wahrnehmung des Jungen, gepaart mit dem abgeklärten Erzählstil ergeben ja erst diese „Schockmomente“, die den Text ausmachen. Mit welcher Intention sollte er an Jugendliche gerichtet sein, ich glaube, diese wären mehr als überfordert mit Inhalt und Art des Erzählens. Alles in allem eine sehr originelle Kurzgeschichte, die gut ist, wie sie ist. Viel Erfolg der Autorin weiterhin!

  19. Vielen dank Verena, für diesen ausführlichen Kommentar. Welche Literatur-Wettbewerbe wären denn dafür am besten geeignet?

  20. Sehr gern geschehen!
    Die Frage ist ja, ob es sich um einen Jugend- oder Erwachsenenwettbewerb handeln soll, also stellt man das (junge) Alter klar in den Vordergrund, oder lässt man es als Erwachsenentext in den Wettbewerb starten? Ich würde Variante B wählen und eine eher unkonventionelle Wettbewerbsausschreibung wählen, die oft auch in z. B. Zeitschriften zu finden sind…
    Da müsste man natürlich ein Auge auf gängige Ausschreibungen haben und dann wählen.

  21. Martina Möchel

    Das würde mich auch mal interessieren. Gibt es da auch Geld zugewinnen oder nur Orden? 😉

  22. Christa Kuczinski

    Martina,
    es gibt doch immer wieder Ausschreibungen, die in Frage kommen. Ich beteilige mich höchstens an drei Wettbewerbe im Jahr, da mir einfach die Zeit dafür fehlt und ich lieber an großen Projekten bastle.)
    Wer natürlich schon so einiges in der Schublade hat, ist klar im Vorteil. Spaß macht es auf jeden Fall 😉

  23. Komisch, ich gucke immer alle meine Schubladen durch und finde weder Storys, Geld oder leckeres Gebäck. 😉

  24. Christa Kuczinski

    Detlef, noch nicht mal altbackenes Gebäck vom Vorjahr? Das ist wirklich übel… 😉

  25. Nicht mal das – ich komme mir bald vor wie der griechische Bürger…

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