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EIN LASTTAXI-FAHRER AUF ABWEGEN – eine Kurzgeschichte von Detlef Hedderich

EIN LASTTAXI-FAHRER AUF ABWEGEN

eine

Kurzgeschichte

von

Detlef Hedderich

Ich mochte meinen Job. Ich wäre wirklich unglücklich gewesen,  hätte ich in einer Werkstatt oder einem Büro arbeiten müssen. Es war zwar nicht immer sicher, dass ich genügend Geld heimbrachte um meine Ausgaben wie Miete, Strom und Telefon bezahlen zu können, doch für nichts in der Welt hätte ich meinen Job als Lasttaxifahrer gegen einen anderen eingetauscht. Dazu war der Job einfach viel zu abwechslungsreich und zu spannend. Man wußte nie genau, welchen Auftrag man von der Funkzentrale bekommen würde. Ob der sich dann lohnen würde oder ein Flop war, blieb unbestimmt, bis man das Geld in den Händen hielt und seine Kilometer und die Arbeitszeit abgerechnet hatte.

Als ich an diesem Abend überlegte, ob ich Feierabend machen sollte oder nicht, meldete sich die Zentrale bei mir und fragte mich nach der Größe meines Autos mit dem ich unterwegs war. Die Frage, ob ich wirklich ein halbes Dutzend Koffer einladen könnte, beantwortete ich mit ja und freute mich, dass ich bei diesem Auftrag nicht nur das Geld der Taxiuhr für Kilometer und Zeit aufschreiben, sondern auch den Zuschlag fürs größere Auto plus Arbeitszeit fürs Kofferschleppen einheimsen konnte.

Mein Auftrag stand jetzt auf meinem Block: Vier große Koffer und zwei Taschen verschiedener Größe von einer Geschäftsfrau aus dem Villenviertel in Frankfurt zum Flughafen bringen und diese dort für die Dame als Übergepäck aufgeben, den Flugschein, der am Schalter hinterlegt war, zurück nach Frankfurt bringen, da der Flug erst am nächsten Tag stattfinden würde. Prima! So konnte ich die Taxiuhr hin und zurück durchlaufen lassen, denn der Flughafen galt als Stadtgebiet und daher würde der Kunde Hin- und Rückfahrzeit und -Kilometer zahlen müssen.

Als ich mit meinem Ford Transit am Tor der Villa an der Sprechanlage klingelte wurde sofort aufgedrückt und ich fuhr direkt vor den Dienstboteneingang. Hier klingelte ich erneut worauf die Tür ebenfalls aufgedrückt wurde. Ich schaute micht um, am Ende eines langen Ganges schimmerte Licht durch eine Glastür auf die ich zuging. Vorsichtig klopfte ich und sofort wurde mir von einer etwa 30jährigen Frau, die in ein Kostüm gekleidet war, geöffnet.

Die Dame schaute mich gutgelaunt lächelnd an, begrüßte mich freundlich und bugsierte mich zu einer geschmackvoll eingerichten Sitzecke, auf dessen Tisch sie mir eine Flasche Kola und eine  kleine Schüssel mit Kartoffelchips stellte und mich aufforderte, zuzugreifen. Ich nahm dankend an und sie meinte noch, dass sie mich rufen würde, nachdem sie ein kurzes Telefonat erledigt hätte.

Zufrieden mit mir und der Tatsache, dass meine Taxiuhr in meinem Auto ertragreich vor sich hintickte genoß ich meine Chips und das kalte Getränk, doch schon hörte ich die Lady rufen. Sofort sprang ich auf und folgte dem Ursprung der Stimme.

Nachdem ich auf sie traf winkte sie mir kurz ihr zu folgen. Wir betraten ein sehr geschackvolles Schlafzimmer mit einem riesigen Umkleideteil in welchem sie stehenblieb und ihre halblangen Haare hinten am Hals mit der Linken anhob und mich aufforderte, ihr den Reißverschluß ihres Pullis aufzumachen. Als das geschen war, war der Reißverschluss ihres Rockes dran. Nachdem sie sich der beiden Kleidungstücke entledigt hatte, forderte sie mich auf, ihr zum Bett zu folgen.

Das Bett war ein Wasserbett von enormer Größe. Sie setzte sich auf eine Ecke und deutete neben sich, so das ich mich ebenfalls aufs Bett setzte. Als sie anfing, mich auszukleiden, klingelte es plötzlich an der Sprechanlage, die direkt neben dem Bett angebracht war. Dort konnte man auf einem kleinen Bildschirm sehen, wie ein junger Mann vor dem Tor  draußen stand und in die Sprechanlage sprach: „Ich komme vom Callservice und bin heute ihr Begleiter!“

Erschrocken schaute mich die Dame mit großen Augen an und stieß geschockt hervor: „Sie sind der Lasttaxi-Fahrer…!“

ENDE

Copyright (c) 2011 by Detlef Hedderich

Bildrechte: Coverillustration “Überraschungsgeschichten-der-besonderen-Art1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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Abendstern, Tom
Tagebuch eines Lkw-Fahrers

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Während seiner langjährigen Tätigkeit als Lkw-Fahrer quer durch Europa machte Tom Abendstern die unterschiedlichsten Entdeckungen und Erfahrungen: von merkwürdigen Zeitgenossen und seltsamen Begebenheiten bis hin zu Korruption und Schieberei. Seine Geschichten beruhen auf Tatsachen und handeln von amüsanten, kuriosen und manchmal auch gefährlichen Situationen. Der Autor schildert auch in der freien Marktwirtschaft gängige Vorgehensweisen, die nur selten an die Öffentlichkeit gelangen. Seine gute Beobachtungsgabe und sein Sinn für Humor machen dieses Büchlein zu einer unterhaltsamen Lektüre, sowohl für Insider als auch für diejenigen, die mit der Fernfahrer-Welt nicht vertraut sind.

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20 Comments

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  1. Das ist ja süüüüüüüüüß! 😀

  2. Köstlich. Erzähle doch mehr Annekdoten 😉

  3. Ist mir echt passiert als ich 24 Jahre alt war!

  4. Also da bin ich ehrlich gesagt froh, dass meine Jobs nicht ganz so abwechslungsreich sind.
    Kann mir aber schon vorstellen, dass man als Taxifahrer allerlei seltsame Dinge erlebt.

  5. Detlef, es sollte auch heißen „… noch mehr Annekdoten …“. Ich dachte mir schon, dass du das selbst so oder so ähnlich erlebt hast.

    Also ich könnte noch mehr von solchen Geschichten vertragen 🙂

  6. Weiss nicht, Galaxikarl ist ja der Meinung, dass man nicht zuviel aus dem eigenen Leben in eine Story packen soll…

  7. 🙂 Solche Taxigeschichten kenne ich auch von einem Freund – sehr cool!

    Ich denke, wir alle verpacken in unseren Geschichten, mehr oder weniger bewusst, immer Dinge, die wir selbst erlebt haben …

  8. Die Geschichte ist mir zu sehr Klischee.

    ach und einen Pullover mit Reißverschluss am Rücken? Sehr extravagant. Allerdings hattest du Geschrieben, dass sie in ein Kostüm gekleidet ist.

  9. Felis Breitendorf

    Meinte bestimmt so ein Kostüm aus den 70ern wo man einen hauchdünnen Pulli zu trug, kennste die nicht, Simone?

  10. *g* Meine Mode waren die späten 80-ziger 😉

  11. Der Pulli wurde unter dem Kostüm getragen, ich muss es wissen, ich habe den Reissverschluss geöffnet! 😉

  12. Felis Breitendorf

    Ich sage nur: Kleider machen Leute!

  13. War schon ne heisse Sache damals!

  14. 😀

    Kann so richtig die Gedanke des Kutschers hören „Mist, konnte der nicht später klingeln!“

    *daumenhoch*

  15. Weißt du Vera, es war auch so ganz schön spannend, natürlich wäre es mit einem Abschluß noch viiieeelll besser gewesen, aber so blib halt auch viel Raum zum erinnern und träumen, wie es wohl hätte weitergehen können… Du weißt doch: das stärkste Sexualorgan ist das Gehirn – so gut wie dann der Sex in der weiteren Vorstellung war, konnte er in Wirklichkeit nie werden, denke ich!

  16. Da hast du auch wieder Recht Detlef. Ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb ich gerade die Filme z.B. mag bei denen nur angedeutet wird, dass das Paar ins Bett geht (oder gehen könnte) und mich es langsam anstinkt, dass selbst in 30min Soaps 5-10Min sich miteinader bewegende Körper gezeigt werden – einfach um die zeit zu überbrücken (bei den anfängen hat es doch auch gereicht, dass alles nur angedeutet wurde).
    Ja, ja Detlef ich weiß „Sex sells!“ Ich finds nur interessanter, wenn es nur angedeutet wird (ok, wenn der Film mindestns 1Std. lang ist und dann 10-15Min Sexszenen dabei sind kann ich auch damit leben) und Pornos ohne Sex wären, keine Pornos *lach*

  17. 😀 Herrlich.

  18. Felis Breitendorf

    Ich finde es gut, wenn Frauen auch mal zeigen, dass ihnen Sex etwas wert ist und nicht nur den Männern!

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