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Literatur-Blog

Ein junger Verlag mit einem ganz eigenem Programm – die ed[ition]. cetera aus Leipzig

Ein Buch, das aus lauter losen Blättern besteht. Ein Autor, der seine Leser auffordert, das von ihm Geschriebene weiterzuschreiben. Ein Verlag, der die digitale Version seiner Bücher kostenlos zum Download anbietet – das alles (und noch viel mehr) bietet die ed[ition]. cetera aus Leipzig.

Anfang 2012 gegründet, hat sich der Verlag mit der Veröffentlichung des Romans „XO“ von Francis Nenik bereits einen Namen gemacht. Das Besondere an dem Buch: Es ist nicht gebunden. Seine 853 Seiten liegen in Form von 427 Blättern in einer eigens angefertigten Kartonage und werden nur durch eine Banderole zusammengehalten. Es ist somit dem Leser überlassen zu entscheiden, in welcher Reihenfolge er die einzelnen Kapitel – insgesamt sind es 125 – lesen will.

Stilistisch vereint der Roman dabei die verschiedensten literarischen Formen. Klassische Erzählpassagen stehen neben comicartigen Dialogen, schier endlose Fußnoten werden von einzeiligen Kapiteln abgelöst, alberne Gedichte duellieren sich mit noch alberneren Liedern, Lexikonartikel folgen auf seltsame Essays, und Briefe werden hier ebenso geschrieben wie theologische Traktate. Kurzum: „XO“ ist ein Roman in der Tradition des non-linearen Schreibens, ein riesiges Puzzle in 125 Teilen.

Dass die Produktion eines solchen Riesenwerkes zeit- und kostenaufwendig ist, versteht sich von selbst. Dennoch haben sich der Autor und die ed[ition]. cetera dazu entschieden, das Buch unter einer Creative Commons Lizenz zu veröffentlichen, welche es dem Leser erlaubt, das Werk zu kopieren und weiter zu verbreiten. Deshalb wurde, neben der gedruckten Version, der komplette Roman in Form einer pdf-Datei auf der Verlags-Webseite veröffentlicht und kann dort ohne irgendeine Anmeldung oder Registrierung gelesen und auch heruntergeladen werden. Sowohl der Autor als auch die ed[ition]. cetera wollen damit ein Zeichen setzen und zeigen, dass neue Vertriebs- und Urheberrechtsmodelle nicht nur diskutiert, sondern auch praktisch umgesetzt und ausprobiert werden müssen. Die hohen Downloadzahlen, aber auch die überaus positiven Reaktionen auf „XO“ in den Medien (u.a. Rezension im „Freitag“ und auf „Zeit online“) zeigen, dass es sich lohnt, eigene Wege durch die Literaturlandsachaft zu beschreiten, ja diese vielleicht sogar selbst erst zu ebnen.

Im Gefolge von „XO“ hat die ed[ition] cetera im Juli 2012 ein weiteres Buch in ihren Vertrieb aufgenommen. Es handelt sich dabei um Arthur Missas Prosaband „Formenverfuger / Formenverfüger“, der über 50 kurze Texte enthält, die mit einer je eigenen Typographie versehen sind. Das Buch wurde im Jahre 2009 für den Preis „Schönste Bücher Deutschlands“ eingereicht und kann ebenfalls auf der Verlagswebseite komplett kostenlos gelesen und heruntergeladen werden.

© Bilder: punkzebra

Preisrätsel 1 Exemplar von „Formenverfuger/Formenverfüger“: Wer das Buch erhalten möchte, einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): In der gedruckten Version von „Formenverfuger / Formenverfüger“ sind keine Seitenzahlen verzeichnet. Lediglich auf einer Doppelseite im Buch findet sich eine Angabe. WIE LAUTEN DIESE BEIDEN ZAHLEN? (Kleine Hilfestellung: Einfach hier klicken und durchs Buch scrollen.) Sobald 100 Mails eingetroffen sind, wird daraus der Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen!

XO. Roman

Verlag : ed[ition]. cetera
ISBN : 978-3-00-037594-1
Einband : ungebunden, lose Blätter in Kartonage, mit Banderole

Preisinfo : 33,90 Eur[D] (inklusive Versand) / 33,90 Eur[A] + 9,50 Euro Porto und Versand

Seiten/Umfang : 853 S. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform : B: Buch
Erscheinungsdatum : 1. Aufl. 02.2012

Titel erhältlich über die Verlagswebseite und über Tubuk

Formenverfuger/Formenverfüger. Stücke aus Prosa

Vertrieb: ed[ition]. cetera

Einband : Softcover
Preisinfo : 9,90 Eur[D] / 9,90 Eur[A] +
3,00 Euro Porto und Versand
Seiten/Umfang : 152 S. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform : B: Buch
Erscheinungsdatum : 1. Aufl. 12.2008

Titel erhältlich über die Verlagswebseite

Updated: 9. September 2012 — 13:16

20 Comments

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  1. Ich finde die Idee ja super aber dennoch frage ich mich, wie sich ein solcher Verlag finanziert? Bewirkt das kostenlose Herunterladenkönnen nicht, dass niemand das Teil für echtes Geld ersteht?

  2. Christa Kuczinski

    Die Idee ist wirklich klasse* Aber ich stelle mir ebenfalls die Frage, ob sich das so rechnet. Andererseits bin ich eher jemand, der ein solches Teil in Original in Händen halten möchte. Zudem wäre dieses Buch eine super Geschenkidee … 😉

  3. Na, dann auf die Damen, einfach mal bestellen, den Verlag wird es freuen! 🙂

  4. Christa Kuczinski

    Detlef, schon geschehen.*
    Da während des Bestellvorgangs ein Feld für „Anmerkungen“ aufgeht, habe ich natürlich nicht gezögert und darauf hingewiesen, dass ich über sfbasar, auf dieses Buch aufmerksam geworden bin. 😉

    Lg Christa

  5. Das ist schön! 🙂 Kannst ja mal mailen, ob sich der Kauf gelohnt hat für dich. Oder ist es ein Geschenk?

  6. Christa Kuczinski

    Ein Geschenk für meinen Bruder. Er wird mir mit Sicherheit Rückmeldung geben. 😉

  7. Vielen Dank für die Kommentare, Fragen und – na klar – auch die Bestellung 😉
    Was die Sache mit dem kostenlosen Lesen und Herunterladen betrifft, so ist das auch für uns ein Experiment. Die bisherigen Erfahrungen haben aber gezeigt, dass es doch viele Leute gibt, die das Buch – wie Christa bereits geschrieben hat – in den Händen halten wollen, zumal das im Falle von „XO“ aufgrund der Form und des Umfangs des Buches ein ganz besonderes Erlebnis ist.
    Ob das Modell des kostenlosen digitalen Buches auf Dauer funktioniert, wird sich zeigen. Wichtig ist für uns, dass wir diesen Weg ausprobieren, denn anders lässt sich die Erfahrung nicht machen. Außerdem bietet die kostenlose Version den Vorteil, dass jeder erstmal reinschnuppern kann. Natürlich könnten wir auch nur eine Leseprobe anbieten, da aber „XO“ in so ziemlich jedem Kapitel in einem anderen Stil geschrieben ist und das Buch auch nicht „von vorn nach hinten“ erzählt wird, wäre es schwer, da etwas Repräsentives auszuwählen. (Nichtsdestotrotzu nehmen wir natürlich mit „XO“ am aktuellen sfb-Award teil und hoffen auf viele Leserinnen und Leser.)
    Ich hoffe, das beantwortet eure Fragen. Wenn ihr noch mehr zum Verlag oder seinem Programm wissen wollt, einfach hier kommentieren oder uns schreiben.
    Achja, für alle, die mehr von Francis Nenik lesen wollen, empfehle ich seinen preisgekrönten Essay „Vom Wunder der doppelten Biografieführung“, der im aktuellen Heft der Literaturzeitschrift „Edit“ abgedruckt und dort auch als pdf zu lesen ist.
    http://www.editonline.de/wp-content/uploads/2012/07/Edit-59-Vom-Wunder-der-doppelten-Biografief%C3%BChrung.pdf

    Mit den besten Grüßen aus dem sonnigen Leipzig,
    das Team von der ed[ition]. cetera

  8. DIE GEWINNERIN LAUTET: Stephanie Reichl. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH. WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND UNSEREM SPONSOREN. DIESER WIRD DEN PREIS DIREKT AN DIE GEWINNERIN SENDEN. Ein kurzes Feedback der Gewinnerin hier im Kommentar wäre sehr nett!

  9. Glückwunsch auch von uns. Das Buch geht gleich morgen früh auf die Reise. Viel Spaß beim Lesen wünscht das Team von ed. cetera aus dem sonnigen Leipzig!

  10. Gratulation. Grins! 🙂 Vorsicht bei Gegenwind! 😉

  11. Gegenwind? Hmm, jetzt hab ich offenbar irgendwas verpasst…

  12. Martina meinte wohl, wenn man den Deckel öffnet.

  13. Ah, jetzt hab ich’s verstanden 😉 Das bezog sich auf „XO“…
    Diejenigen, die das Buch besitzen, können ja mal schreiben, ob da schon was durcheinander geraten ist 😉
    LG,
    Eyk Henze
    Leiter ed[ition]. cetera

  14. Wurde nicht das Loseblattwerk verlost? Dann habe ich da wohl was verwechselt.

  15. Liebe Frau Schmidt,

    wir haben das Buch „Formenverfuger“ verlost, aber Sie finden „XO“ auf unserer Website http://www.ed-cetera.de/ed-ition/fiction/francis-nenik-xo-roman/ komplett online, zwar nicht als Loseblattsammlung, aber immerhin gibt es eine Möglichkeit, das Buch auch online „durcheinander zu lesen“. 😉

    Mit den besten Grüßen aus Leipzig,
    Eyk Henze
    Leiter ed[ition]. cetera

  16. Hey,
    vielen vielen Dank für den Gewinn. Das Buch habe ich heute in meinem Briefkasten entdeckt und ich bin so gespannt, dass ich wohl heute noch einen ausgiebigen Blick hinei werfen muss.

    Ich freu mich!

    liebste Grüße
    Stephanie

  17. Stephanie, vielen Dank für dein Feedback! Könntest du dich hier nochmal melden, wenn du den Titel gelesen hast?

  18. Hallo Stephanie,

    leider lese ich Deinen Kommentar erst jetzt, freue mich aber, dass das Buch angekommen ist. Hast du denn inzwischen mal einen Blick reinwerfen können? Freue mich sehr über Feedback!
    Eyk von ed. cetera

  19. Heute ist Welttoilettentag. Und da es in unserem Roman „XO“ heißt: „Endlich mal ne Geschichte, in der die Leute aufs Klo gehen“, seien den Lesern des SF-Basar folgende zwei Stellen hier und heute zur Lektüre empfohlen.

    S. 333-347, wo es um einem sog. Aborterker geht, der am Haupthaus des örtlichen Ritterguts „auf Höhe der stumm vor sich hin rottenden Beletage an der Außenwand […] klebt“. Ein Ort
    , an dem es sich – soziologisch gesprochen – wunderbar über die Häufigkeitsverteilung von Häufchen diskutieren lässt. (Für nicht-soziologisch Interessierte gibt es eine leicht schräg klingende Hymne auf eine „fahlgelbe Brühe“…)

    S. 649-657, wo die theologisch höchst interessante – und bis heute nicht wirklich geklärte – Frage erörtert wird, warum Kirchen gottverdammtnochmal keine Toiletten haben.

    Und wer sich nicht durch die vielen Seiten der PDF scrollen, sondern ohne über Los zu gehen direkt aufs Klo will (oder muss), dem seien die folgenden Links dringendst empfohlen
    http://www.the-quandary-novelists.com/app/download/5665771475/45.pdf?t=1323768740 (Kapitel S. 333-347)

    http://www.the-quandary-novelists.com/app/download/5665885675/91.pdf?t=1325629538 (Kapitel S. 641-662)

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