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DIE WÜRDE DES MENSCHEN – Dystopische Zukunftsgeschichte von Miguel de Torres

DIE WÜRDE DES MENSCHEN

Dystopische Zukunftsgeschichte

von

Miguel de Torres

Nachdem er die Tür des Antiquariats hinter sich geschlossen hatte, blieb Frank Küffner stehen und holte tief Atem. Trotz der schneidenden Kälte standen dicke Schweißperlen auf seiner Stirn. Ängstlich, beinahe gehetzt, sah er sich um. Die Passanten – wegen des nahen Winterfestes waren mehr Menschen unterwegs als gewöhnlich – schienen ihn anzustarren, schienen sein Innerstes zu durchdringen, schienen zu wissen, was er soeben getan hatte.

Schienen zu wissen, dass er ein Straftäter war!

Nur unter Aufbietung all seiner Willenskraft gelang es ihm, die Deckung des Torbogens zu verlassen. Er schlug den Kragen seines Mantels hoch, als wolle er sich gegen den pfeifenden Wind schützen, und warf dabei einen verstohlenen Blick auf die drei Überwachungskameras, die sich in seinem Sichtbereich befanden. Er wusste: Wenn »sie« erst einmal Verdacht geschöpft hatten, würde es für ihn keine Möglichkeit des Entkommens mehr geben. Seine einzige Aussicht war, dass »sie« nie erfuhren, was er soeben erstanden hatte …

Zerrissen zwischen Furcht und Besitzerstolz tastete er nach dem Umschlag, den er unter dem Mantel versteckt hatte. Es war ja nur ein Buch, versuchte er sich einzureden, noch dazu eines, von dem die meisten der heute lebenden Menschen niemals etwas gehört hatten, das für sie niemals irgendeine Bedeutung gehabt hatte – zumindest nicht jene Bedeutung, die es einst für ihn gehabt hatte.

In seiner frühen Jugend, vor mehr als sechzig Jahren, hatte er es zum ersten Mal gelesen, hatte über seinen Inhalt und die Konsequenzen, die sich daraus für die Menschen ergaben, nachgedacht und hatte in der Schule sogar einmal ein Referat darüber gehalten. Bereits damals hatte er die Beobachtung gemacht, dass dieses Buch für die anderen nicht im Entferntesten so wichtig zu sein schien wie für ihn selbst, seine Lehrer eingeschlossen. Damals, so erinnerte er sich wehmütig, war die Lektüre des Buches noch nicht verboten gewesen, nicht einmal seine Verbreitung …

Natürlich war es kein »spannendes« Buch, wie es seine Mitschüler – sofern sie überhaupt lasen – bevorzugt hätten. Und es war auch kein dickes Buch, an dem man lange zu lesen hatte; es war im Gegenteil sogar ziemlich dünn und bestand nur aus wenigen Dutzend Seiten. Dennoch war es für ihn, der seither Tausende von Büchern gelesen hatte, zeit seines Lebens das bedeutendste von allen geblieben.

Und nun befand es sich – endlich! – wieder in seinem Besitz.

Er schritt schneller aus, den Kopf tief gesenkt, beinahe im Mantel vergraben, nicht nur gegen den Wind. Als er den Eingang zu einer U-Bahn-Station bereits passiert hatte, blieb er stehen und überlegte, ob er nach Hause fahren solle. Öffentliche Verkehrsmittel waren teuer, private wegen der darauf erhobenen Steuern beinahe unbezahlbar. Könnte er nicht doch, an diesem besonderen Tag …? Dann schüttelte er den Kopf und nahm seine Wanderung wieder auf. Es waren ja nicht einmal zehn Kilometer nach Hause! Er war zwar alt, aber keineswegs gebrechlich. Davon abgesehen … Abermals blieb er stehen, als eine Idee in ihm aufglomm. Das Geld, das er durch den Fußmarsch sparte, konnte er doch, sozusagen zur Feier des Tages, in eine Flasche billigen Weines »investieren«! Seine erste seit beinahe einem Jahr!

Er nickte und setzte sich wieder in Bewegung. Ja, das würde er tun! Dieser Abend sollte ein ganz besonderer werden – sein Abend! Er würde sich mit einem Glas Wein in seinen alten, hundertmal geflickten Lehnstuhl setzen und bei energiesparendem Kerzenschein in dem Buch blättern. Natürlich würde er es auch lesen – später. Doch zunächst würde er es einfach nur in die Hand nehmen, mit den Fingern über den alten, an einigen Stellen zerrissenen Einband streichen, es Seite für Seite durchblättern und sich an den gedruckten Buchstaben, dem schönen Layout und dem hochwertigen Papier erfreuen.

Ein Schatten fiel über ihn. Unmittelbar vor ihm, als wäre er aus dem Boden gewachsen, war ein großer, breitschultriger Mann aufgetaucht. Frank Küffner blieb abrupt stehen; sein Herzschlag dröhnte heftig in seinen Ohren, seine Hände und seine Knie zitterten. Er wollte etwas sagen, suchte nach Worten, um seine Tat – seine Straftat – zu rechtfertigen, doch seine Kehle war mit einem Mal so ausgetrocknet, dass er kein Wort herausbrachte. Tränen traten in seine Augen, als er die rechte Hand erhob, um den Mantel aufzuknöpfen und das kostbare Buch herauszugeben.

Der andere murmelte eine Entschuldigung und trat zur Seite.

Frank Küffner benötigte mehrere Minuten, bis er sich wieder so weit in der Gewalt hatte, dass er weitergehen konnte. Er hätte es nicht tun dürfen, niemals! Sein ganzes Leben lang hatte er sich bemüht, ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zu sein, hatte auf Fleisch verzichtet, als es die Kommission für geraten hielt, hatte Fleisch gegessen, als die Kommission dies für geraten hielt, hatte sein privates Fahrzeug, wenn auch mit einem weinenden Auge, aufgegeben, als die Kommission empfahl, dies »freiwillig« zu tun … und nun dies! Ein Augenblick der Schwäche, um einer Jugenderinnerung willen, und sein bislang so mühselig zusammengehaltenes Leben war dabei, im Strudel des Verbrechens zu versinken!

Doch tief in seinem Inneren wusste er, dass er es nicht nur einer romantisch verklärten Jugenderinnerung wegen getan hatte. Da war noch etwas anderes … Da war sein 75. Geburtstag, den er in wenigen Wochen – nein, nicht etwa feiern, dazu gab es gewiss keinen Grund, aber … begehen würde. An diesem Tag erreichte er das gesetzliche Renteneintrittsalter, und da sein Ruhegehalt nicht hoch genug war, um Miete und Krankenversicherung bezahlen zu können, würde er tags darauf in eine der zahllosen Rentnersiedlungen eingewiesen werden, die sich in den letzten beiden Jahrzehnten im Süden der Stadt ausgebreitet hatten.

Und dann würde es zu spät sein …

Er schüttelte den Kopf, als könne er damit gleichzeitig seine trüben Gedanken von sich abschütteln, und beschleunigte seine Schritte.

Er hatte noch einen weiten Weg vor sich.

*

Überwachungszentrale EU-Zentrum/4728, Abteilung Bürgerschutz, Unterabteilung 27, Halle 490, Arbeitsplatz 4901885:

»Ich hab sie! Meine erste Straftäterin!«

Gerd Peska sprang so schnell von seinem Arbeitsplatz auf, dass sein Stuhl einige Meter zurückgeschleudert wurde, ehe die Elektronik abbremsen und das Sitzmöbel zurück an seinen angestammten Platz steuern konnte.

»Ich hab meine erste Straftäterin erwischt!«, wiederholte Peska beglückt. Er setzte sich wieder, rutschte aber unruhig hin und her und warf seinen beiden Nachbarn triumphierende Blicke zu.

Will Prokop und Erwin Hutterer, die in der riesigen Halle die beiden Arbeitsplätze links und rechts neben Gerd Peska innehatten, lachten amüsiert und sahen von den vor ihnen stehenden dreidimensionalen Computerdisplays auf.

»Herzlichen Glückwunsch!«, sagte Prokop, der zu Peskas Linken saß. »Was hat sie denn angestellt? Rauchversuch?«

Gerd Peska, der sein Glück immer noch nicht zu fassen schien, verneinte. »Da hätten wir sie ja schon vorher erwischt – Beschaffung einer illegalen Droge! Nein, sie hat ein typisch weibliches Delikt begangen: Sie hat versucht, ihre zweijährige Tochter außerhalb der Besuchszeiten in der Kinderkrippe aufzusuchen! Als man sie nicht einließ, hat sie einen ziemlichen Aufstand veranstaltet, aber bevor der von den Angestellten alarmierte Bürgerschutztrupp eintraf, ist sie abgehauen und seitdem untergetaucht.«

»Wann war das?«, erkundigte sich Erwin Hutterer.

»Gestern Abend.« Peska deutete auf den Bildschirm vor ihm. »Ich habe natürlich zunächst die Wohnungen all ihrer registrierten Freunde und Bekannten überprüft, aber ohne Ergebnis. Und jetzt hat der Computer sie in einem billigen Hotel in einer der Vorstädte aufgetrieben.« Er lachte – das glückliche Lachen eines Mannes vor einem Karrieresprung. »Wahrscheinlich dachte sie, da wären keine Kameras installiert …«

»Ja, die meisten Straftäter sind ziemlich dämlich«, pflichtete Prokop bei. Er deutete auf Peskas Bildschirm, auf dem das Innere eines kleinen, schäbigen Hotelzimmers zu sehen war – eines leeren Hotelzimmers. »Aber wo ist sie jetzt?«

»Sie ist nur mal kurz ins Badezimmer gegangen.«

»Und?«, fragte Prokop mit einem scharfen Unterton in der Stimme. »Gibt’s da vielleicht keine Kameras? Man merkt, dass du neu hier bist! Nach dem Gesetz zur Förderung der Bürgerehrlichkeit von 2024 …«

Gerd Peska errötete wegen der Nachlässigkeit, die er in seinem Überschwang begangen hatte, und nahm hastig einige Schaltungen vor. Im nächsten Augenblick zeigte sein Bildschirm das Innere des kleinen Bads aus drei verschiedenen Blickwinkeln.

»Na bitte, hier ist sie!«, seufzte er erleichtert. Einen Moment lang hatte er tatsächlich befürchtet, sie wäre durch das Fenster entkommen, wie man es manchmal in jenen wenigen alten Filmen sah, die von der Kommission nicht auf die Liste der bürgergefährdenden Medien gesetzt worden und damit verboten waren. »Ich alarmiere die Truppe!« Er drückte eine rote Taste. Dann wandte er sich an seinen Nachbarn zur Rechten, dessen Bildschirm eine schier endlos lange Mauer zeigte. »Was hast du für einen Fall?«

Erwin Hutterer machte eine abwehrende Handbewegung. »Nichts halb so Interessantes wie du; nur das Übliche … So ein alter Furz treibt sich seit einer geschlagenen halben Stunde in Rentnersiedlung ›Abendsonne 437‹ in der Nähe der Mauer herum. Er macht sich fast in die Hosen vor Angst, aber er überlegt wohl, ob er einen Ausbruchsversuch riskieren soll.«

»Soll ich den Bürgerschutztrupp informieren?«, erbot sich Peska diensteifrig.

Hutterer winkte ab. »Nein, warte noch, ich will sehen, ob er tatsächlich versucht, über die Mauer und den Stacheldrahtverhau zu klettern. Das wird ein Spaß!«

»Drei zu eins, dass er es nicht tut!«, mischte sich Will Prokop wieder in die Unterhaltung ein.

»Die Wette halte ich!«

Während alle drei gespannt auf Hutterers Bildschirm starrten, erzählte Peska beiläufig: »Wir machen am Sonntag eine kleine private Feier anlässlich des bevorstehenden Winterfestes. Willst du mit deiner Frau nicht kommen?«

»Nein, das geht leider nicht«, antwortete Hutterer. Ein feuchter Schimmer trat in seine Augen. »Am Sonntag ist Besuchstag in der Kinderkrippe. Seit Florian drei Jahre alt ist, dürfen wir ihn jeden Monat besuchen. Beim letzten Mal hat er uns, glaube ich, sogar wiedererkannt!«

»Vielleicht könnt ihr doch kommen«, überlegte Peska. »Die Feier findet natürlich erst nach Einbruch der Dunkelheit statt! Schließlich ist Ramadan und wir wollen niemanden diskriminieren …«

Prokop warf ein: »Mein Vater hat mir erzählt, dass das Winterfest früher ›Weihnachten‹ hieß und es irgendwie mit der christlichen Religion zu tun hatte …«

Eine schneidende Stimme klang hinter ihm auf: »Dann richten Sie Ihrem Vater mal aus, dass er vorsichtiger sein soll mit seinen Äußerungen, wenn er möchte, dass sein Filius weiter hier arbeitet! Solche Aussagen können, bei genauer Betrachtung, den Tatbestand der Diskriminierung Andersgläubiger erfüllen!«

Prokop schrak zusammen und fuhr herum. »Ich … er … er hat es gewiss nicht so gemeint, Zweiter Bürgerschützer!«, stammelte er. »Ich kann bezeugen, dass er ein konsensbereiter und gesetzestreuer …«

Mit einer unwirschen Handbewegung schnitt der Zweite Bürgerschützer Prokops Rechtfertigungsversuch ab. »Dazu kommen wir später! Jetzt haben wir einen Straftäter, um den Sie sich kümmern müssen! Code 2X86/ZA13!«

Hastig tippte Prokop den Code ein. Das Bild auf dem Computerdisplay wechselte und zeigte nun eine eng in einen dünnen Mantel gehüllte Gestalt, die gebückt durch eine verschneite Straße stolperte.

»Frank Küffner«, eröffnete der Zweite Bürgerschützer. »Alter: 74 Jahre. Er hat soeben im Antiquariat ›Fundgrube‹ ein verbotenes Buch gekauft. Nach dem 34., nachgebesserten Gesetzespaket zum Kampf gegen den Terrorismus von 2026 ist das eine schwere Straftat. Er ist schon der Zweite in diesem Monat. Veranlassen Sie alles Notwendige!«

»Jawohl!«, beeilte sich Prokop zu versichern und drückte einige Tasten. »Ist schon so gut wie erledigt!«

»Entschuldigung …«, sagte Gerd Peska mit einem scheuen Seitenblick. »Erlauben Sie eine Frage?«

Der Zweite Bürgerschützer nickte gnädig.

»Wenn bekannt ist, dass das Antiquariat ›Fundgrube‹ mit verbotenen Büchern handelt, warum kommt dann sein Inhaber nicht in den Knast?«

»Erstens«, setzte der Zweite Bürgerschützer an, und seine Stimme grollte wie Donner, »heißt es schon lange nicht mehr ›Knast‹, sondern ›Einrichtung zur Förderung der sozialen Kompetenz‹, merken Sie sich das! Und zweitens …« Sein sonst so strenges, verkniffen wirkendes Gesicht floss in die Breite und drückte nun bodenloses Vergnügen aus. »Wer würde dann noch verbotene Bücher kaufen?«

*

Zielgerichtet und rasch, aber unauffällig bewegte sich der Greifer durch die Menge. Nichts unterschied ihn von den ihn umgebenden Menschen, die, soweit sie sich dies leisten konnten, dabei waren, Geschenke für das Winterfest einzukaufen. Diejenigen, die sich dies nicht leisten konnten – und diese bildeten die Mehrheit –, beschränkten sich darauf, sehnsüchtig in die bunten, mit farbigen Lichtern und blitzendem Zierat geschmückten Auslagen der Geschäfte zu starren. Der Greifer war nicht alt genug, um sich daran zu erinnern, dass es in dieser Zeit des Jahres einst Sitte gewesen war, Tannenbäume oder deren Zweige als Schmuck zu verwenden.

Er passierte ein ausgebombtes Restaurant, dessen zersplitterte Fensterfront mit Brettern verrammelt war. Verständnislos schüttelte er den Kopf. Es gab immer wieder vereinzelte Verrückte, die trotz des Diskriminierungsverbots versuchten, ihre Gaststätte während des Ramadans bei Tageslicht zu öffnen. Kein Wunder, dass sich die solcherart gedemütigten Anhänger des Propheten zur Wehr setzten!

Nun hatte der Greifer sein Ziel, einen Block von billigen Mietskasernen, beinahe erreicht. Er sah sich langsam um. Die Miniaturkamera in dem Knopf an seiner Mütze übertrug jeden seiner Schritte in die Überwachungszentrale. Noch hatte er keine Rückmeldung des Computers über den Chip, der in der Nähe seines Gehörgangs implantiert war, erhalten; das Objekt war also noch nicht in Sicht. Während er sich unauffällig in die Arkaden einer Ladenfront zurückzog, dachte er daran, dass alles viel einfacher gewesen wäre, wenn das Objekt, wie die meisten Bewohner Großeuropas, einen PID-Chip getragen hätte. Seit mehr als zwanzig Jahren wurden diese Chips allen Neugeborenen und solchen Erwachsenen, die auf irgendeine Weise auffällig geworden waren, in den Nacken implantiert, wodurch sie mit der Hilfe des GALILEO-3-Satellitenpulks stets und überall lokalisierbar waren.

Doch dies war ein Problem, das die Zeit lösen würde – eines nicht allzu fernen Tages würde es keine Menschen ohne PID-Chip mehr geben. Aber es ging auch so; bereits heute gab es keinerlei Kleinkriminalität mehr und nur noch sehr wenige Morde, meist begangen im Affekt. Das einzige Problem war die dramatische Zunahme von Amokläufen; »Schlitzer« nannte man in der Überwachungszentrale die Leute, die – in Ermangelung einer geeigneteren Waffe – unversehens mit Küchenmessern auf andere Menschen losstürzten und die völlig Überraschten niederstachen. Natürlich drang von solchen Vorkommnissen nichts an die breitere Öffentlichkeit, dies – wie auch jede andere Berichterstattung über Straftaten – verhinderte das Gesetzespaket zum Schutz der Bürger vor Nachahmungstätern von 2019. Nur unter vorgehaltener Hand flüsterten die Leute, doch der Greifer war zuversichtlich, dass die Kommission bald einen Weg finden würde, auch dieses unerwünschte Geflüster zu unterbinden. Wie er wusste, wurde bereits intensiv daran gearbeitet.

Ein akustisches Signal in seinem Gehörgang informierte den Greifer darüber, dass sich das Objekt in seinem Sichtbereich befand. Er hob den Kopf. Richtig – keine fünfzig Meter von ihm entfernt näherte sich eine gebeugte Gestalt in einem dünnen Mantel.

Langsam setzte sich der Greifer in Bewegung, verließ die Deckung der Arkaden und ging wie zufällig auf das Objekt zu. Er hatte es beinahe erreicht, als es aufschrak. Ein von üppigen, schneeweißen Haaren umrahmtes, faltiges Gesicht blickte ihn an. Die wasserblauen Augen stellten eine stumme Frage, dann weiteten sie sich in ebenso stummer Erkenntnis. Ein dünner Arm, der eine Flasche billigen Weines hielt, hob sich zur Abwehr.

Mühelos packte der Greifer den Arm und brach ihn mit einem einzigen Ruck. Das Objekt heulte auf, die Flasche entglitt seiner Hand und zerschellte an der Kante des Bürgersteigs.

»Das Buch!«, zischte der Greifer.

Das Objekt wimmerte etwas Unverständliches, dann deutete es mit seinem unverletzten Arm auf den Mantel. Der Greifer riss ihn entzwei; ein brauner Umschlag fiel in den Rinnstein, ein Büchlein glitt heraus. Mit einem Aufschrei warf sich das Objekt zu Boden und griff danach, doch der Greifer brachte den Alten mit einem Fußtritt außer Reichweite. Der dünne, bereits beschädigte Umschlag des Buches riss ab und gab den Blick auf die erste Seite frei.

Dort stand:

GRUNDGESETZ DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

Artikel 1

Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

-ENDE-

Copyright (c) 2012 by Miguel de Torres und www.HARY-PRODUCTION.de

 

Bildrechte: “Vintage (Steampunk5.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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Zu dem Titel, in welchem die vorliegende Story enthalten war:

AD ASTRA 014 Buchausgabe: Der Sinn von alldem (AD ASTRA Buchausgabe) [Kindle Edition]
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Kurzbeschreibung
– Witziges und Aberwitziges von dem erfolgreichen STAR-GATE-Autor Miguel de Torres!Inhalt:
1. Der Sinn von alldem
2. Überdruck
3. Alles ist gut
4. Der allererste Wettbewerb
5. Staatsfeind Nummer eins
6. Die Würde des Menschen
7. Finsternis
Titelbeispiele

AD ASTRA – die Rückkehr der Science Fiction!
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http://www.hary.li/aabrdetail001.htm

ProduktinformationFormat: Kindle Edition
Dateigröße: 184 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 78 Seiten
Verlag: www.HARY-PRODUCTION.de (2. August 2012)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
ASIN: B008S3GHDK

 

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2 Comments

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  1. Eine meiner seltenen „ernsten“ Geschichten. (Eigentlich sind alle im Kern ernst, es ist nur eine lustige Schale um diesen herumgestrickt.) Ich schrieb sie für den Marburg-Award 2007, wo sie dann den 2. Platz belegte — das einzige Mal, daß ich an diesem Wettbewerb teilgenommen habe. Das Thema lautete „Verbotene Bücher“, und da mußte ich dann, anläßtlich der schon damals absehbaren Entwicklung in Deutschland, nicht lange nachdenken. Und ich finde, die Geschichte ist heute aktueller denn je. Leider.

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