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DIE VERBOTENE WELT – Leseprobe Teil 2 aus dem gleichnamigen Roman: “Rettungskreuzer Ikarus 51 (Gamorrha-Trilogie 1)” von Irene Salzmann

DIE VERBOTENE WELT

Leseprobe Teil 2 aus dem gleichnamigen Roman:
“Rettungskreuzer Ikarus 51 (Gamorrha-Trilogie 1)”
von Irene Salzmann

(Zum vorigen Teil)

Kroil Wenga blieb in der Nähe des Schotts stehen, um sich sogleich in den Maschinenraum begeben zu können, wenn die kurze Besprechung vorbei war.

Commander Dane Hellerman, der Kapitän der Phoenix, stand neben seinem Sitz, die Hand auf der Lehne, während er seinen Blick über die Crew schweifen ließ. Er war hochgewachsen, fast schon hager und trug das rote Haar als Bürstenschnitt. Seine hellblauen, durchdringenden Augen fixierten kurz jeden der Anwesenden.

Yeni Alaya saß vor der Steuerung, hatte seinen Sessel jedoch in Richtung Hellerman gedreht und sah ihn gespannt an. Aus seiner Hosentasche lugte das Papier eines Schokoriegels. Ein anderes lag zusammengeknüllt auf einer Konsole. Der Alarm hatte ihn offenbar beim Naschen gestört.

Reela Coy hatte sich zu den anderen Ärzten – Laini Singer und Melton Carlyle – gesellt.

Sie alle waren ein eingespieltes Team, und jeder von ihnen verfügte über ein zweites nützliches Spezialgebiet, so dass sie sich für diese Posten qualifiziert hatten: Sie waren nicht nur Piloten, Ingenieure oder Ärzte sondern auch Bergungsspezialisten.

„Ihre Reaktionszeit ist erfreulich kurz“, stellte Hellerman nüchtern fest. „Wäre das ein Probealarm gewesen, hätten Sie sich großes Lob verdient – aber der Alarm ist leider echt, und wir befinden uns bereits auf dem Weg zu den Koordinaten, die der Computer anhand des Funkspruchs ermittelt hat. Bitte begeben Sie sich nach der Besprechung an Ihre Plätze und bereiten Sie sich auf einen Außeneinsatz vor.“

„Wo geht es hin, Commander?“, erkundigte sich Alaya.

Mit einem Stirnrunzeln hatte er die Daten zur Kenntnis genommen und den Holoprojektor aktiviert, der jenen Ausschnitt der Galaxis zeigte, der ihr Ziel war. Seiner Miene war anzusehen, dass er einen Verdacht hatte und darüber wenig glücklich war.

Wenga konnte mit der Abbildung nichts anfangen. Er war Ingenieur und Fachmann für komplizierte Bergungen; seine Kenntnisse als Pilot beschränkten sich darauf, dass er ein Schiff zum nächsten Landeplatz fliegen oder es an einer Station respektive einem anderen Raumer andocken konnte. Alayas Verhalten ließen alle Alarmsirenen in ihm schrillen.

Die Ärzte schienen ebenfalls keine Ahnung zu haben.

Hellerman wechselte einen Blick mit Alaya. „Sagen Sie es uns.“

„Sperrgebiet?“

„Richtig.“

Alaya schluckte. „Das Gamorrha-System.“

„Nie gehört“, sagte Wenga.

Carlyle zuckte mit den Schultern. Er war ein ruhiger, leicht untersetzter Mann, dessen blondes Haar sich bereits lichtete. Auffallend dunkelgrüne Augen zogen jeden Blick auf sich.

Laini und Reela betrachteten neugierig die Projektion, die ein System mit drei Sonnen zeigte: einen blauen Riesen vom B-Typ, dessen Schwerefeld eine hellgelbe G-Sonne und eine kleine rote K-Sonne, einen braunen Zwerg, eingefangen hatte. Sie stabilisierten gegenseitig ihre konzentrischen Bahnen. Allein die gelbe Sonne wurde von vier Planeten umlaufen. Der dritte war bewohnbar und verfügte über zwei Monde. Man hatte die Sonnen und Planeten – wie so oft, wenn es keine Siedler gab – der Einfachheit halber Gamorrha B, G und K getauft, die Planten durchnummeriert und den Monden die Bezeichnung IIIa und IIIb verpasst. Falls Eingeborene entdeckt wurden, zu denen sich der Kontakt herstellen ließ, übernahm man gern die Eigennamen für die Sonnen, Planeten und Monde.

„Was wissen Sie darüber?“ Hellerman sprach immer noch mit Alaya.

„Nichts. Habe bloß ab und zu Gerüchte aufgeschnappt.“

„Welche Gerüchte?“

„Dass Gamorrha III gefährlich sei und noch nie jemand lebend oder gesund von dort zurückkehrte. Darum ist das System als Sperrzone ausgewiesen und das Betreten der Welt verboten. In den Datenbanken finden sich darüber hinaus keine näheren Informationen.“

„Korrekt, Mr. Alaya.“

Wenga kam sich vor wie in der Schule. Hellerman fragte stets den Wissensstand seiner Crew in Lehrermanier ab, bevor er die relevanten Informationen, über die nur er verfügte, preisgab. Wie enervierend!

„Trotzdem hat irgendein Idiot das Gesetz gebrochen, und wir sollen seinen Arsch retten“, ahnte Carlyle.

„Auch das ist richtig“, sagte Hellerman. „Vermutlich eine Gruppe Idioten.“

„Aber was veranlasst jemanden, eine Welt anzufliegen, die einen solchen Ruf hat?“, wollte Laini Singer wissen und strich den Pony ihrer kurzen rotbraunen Haare aus den graublauen Augen.

„Die Aussicht auf wertvolle Bodenschätze, Tierhäute, Pflanzen und andere exotische Dinge, für die Unternehmen und private Sammler auf dem Schwarzmarkt ein Heidengeld zahlen“, erklärte Wenga. „Ich vermute, das Raumcorps verfügt über geheime Dateien, die uns mehr über Gamorrha III verraten. Anderenfalls befürchte ich, dass die Mission zum Desaster werden könnte.“

Bevor Hellerman darauf antworten konnte, fauchte Reela Coy:

„Sir, müssen wir wirklich auf den Funkspruch reagieren? Wer ihn geschickt hat, ist zweifellos ein Verbrecher, der seine Notlage selbst verschuldet hat. Retten wir ihn, können wir uns nicht um Personen kümmern, die unsere Hilfe viel dringender brauchen – und sie auch verdient haben.“

Dass sie an die Crew der St. Domina dachte, obwohl sie von dem unbekannten Hilfesuchenden sprach, war Wenga klar. Verlegen trat er auf der Stelle.

Glücklicherweise sprang Hellerman, der nichts von dem unglücklichen Gespräch der beiden  wusste, ein: „Es steht uns nicht zu, darüber zu entscheiden, welche Notleidende wir retten oder nicht – oder wem eine Rettung mehr zusteht. Sobald uns ein Funkspruch erreicht, gehen wir ihm nach. Das ist unsere Aufgabe. Außerdem haben wir keine Ahnung, aus welchen Gründen die Betroffenen in diese Situation gerieten. Erreichen uns gleichzeitig mehrere Signale, müssen wir abwägen, wo wir besonders viel bewirken können, und das ist – glauben Sie mir, Dr. Coy! – in der Regel keine einfache Wahl.“

Die Ärztin schluckte die Rüge kommentarlos und sandte lediglich einen flammenden Blick in Wengas Richtung.

„Nun“, fuhr Hellerman fort, „uns erreichte ein Hilferuf. Andere Anfragen liegen nicht vor. Wir fliegen das Gamorrha-System an und sehen nach, was dort passiert ist. Wie Mr. Wenga bereits anmerkte, existieren tatsächlich gesicherte Daten über unser Ziel. Ich habe die Informationen frei gegeben und bitte Sie, diese aufmerksam zu lesen.“

Die Crewmitglieder wandten sich den nächsten Monitoren zu.

Es war noch weniger, als Wenga befürchtet hatte.

Gamorrha III war eine Dschungelwelt mit einem relativ ausgewogenen Land-Wasser-Verhältnis und einer etwas geringeren als der Norm-Schwerkraft. Ein Tag war gut 31 Stunden lang. Wegen der drei Sonnen nie richtig dunkel. Der Planet umrundete die G-Sonne in knapp 270 Tagen. Ausgeprägte Jahreszeiten gab es keine. Es existierte eine humanoide Spezies, die sich Falanges nannte. Sie hatten ein steinzeitliches Niveau erreicht und lebten als Jäger und Sammler in Sippenverbänden. Über Flora und Fauna war nichts Näheres bekannt, doch galt sie als aggressiv.

Dürftig, fand Wenga. „Ist das wirklich alles? Wenn jemand diese Informationen hatte liefern können, dann müssten doch weitere Details vorliegen.“

„Jeder, der auf Gamorrha III war, kam dort um oder wurde verrückt“, erwiderte Hellerman trocken. „In Folge sind die Berichte tatsächlich sehr spärlich, widersprüchlich oder völlig unglaubwürdig.“

„Jeder ist gestorben oder hat den Verstand verloren?“, hauchte Laini Singer. „Und da sollen wir hin?“

„Erst vor Ort entscheiden wir, ob auf Gamorrha III, unter Berücksichtigung sämtlicher Sicherheitsvorkehrungen, tatsächlich gelandet werden muss.“ Hellerman klang geduldig, aber es war ihm anzumerken, dass er erwartet hatte, die Crew würde die entsprechenden Schlussfolgerungen selber ziehen. „Wahrscheinlich müssen wir lediglich die Besatzung eines Raumers bergen.“

„Gibt es Unterlagen darüber, wer seit seiner Entdeckung auf dem Planeten war und überlebt hat?“, erkundigte sich Carlyle.

Hellerman zögerte.

Ja, dachte Wenga und setzte nach: „Um wen handelt es sich?“

Ein unergründlicher Blick Hellermans traf ihn. „Sie kennen ihn.“

In der plötzlich herrschenden Stille hätte man eine fallende Stecknadel aufschlagen hören können.

„Der ehemalige Septimus der Konföderation Anitalle: Junius Cornelius.“

***

Der Terminplan für den bevorstehenden Tag rang Junius Cornelius eínen tiefen Seufzer ab. Es gab Tage, die relativ angenehm verliefen, und solche, an denen die schrecklichsten Diplomaten – wie er fand – einen Termin bei Pakcheon wünschten. Seit er als Berater des vizianischen Gesandten fungierte1, wusste er die Arbeit, die persönliche Sekretäre leisteten – einst auch für ihn geleistet hatten, als er noch den Rang eines Septimus‘ innegehabt hatte -, umso mehr zu schätzen.

Cornelius Aufgabe bestand in erster Linie darin, Pakcheon über die Personen zu informieren, die ein Gespräch erbaten. Da die Vizianer erst vor zwei Jahren ihre selbst gewählte Isolation aufgegeben hatten, waren sie mit den politischen Begebenheiten innerhalb der Galaxis so gut wie gar nicht vertraut. Tatsächlich waren sie an diesen auch nicht interessiert. Nichteinmischung lautete die oberste Devise – und vor allem kein Technologietransfer, der eine Kettenreaktion auslösen würde, wenn ein Reich befürchten musste, von einem anderen aufgrund vizianischer Hilfeleistungen annektiert zu werden.

Pakcheon weilte als ständiger vizianischer Botschafter auf Vortex Outpost und sah sich als reiner Beobachter. Er fand es äußerst faszinierend, die vielen Wesen zu studieren, die die Station besuchten. So wie andere Raummarken sammelt er Daten, vermutete Cornelius. Womöglich waren sie alle in Pakcheons Augen so unterhaltsam wie ein Aquarium voller Nexxies. Und standen auf einer vergleichbaren Entwicklungsstufe, verglichen mit den Vizianern.

Obwohl Pakcheon freundlich und unverbindlich blieb, niemals Zusagen machte oder gar Verträge unterschrieb, standen die Repräsentanten der verschiedenen Völker Schlange an seiner Tür. Jeder hoffte, etwas anbieten zu können, das vielleicht eine Meinungsänderung bewirkte; und selbst wer genau wusste, dass es keinerlei geheime Absprächen geben würde, wollte wenigstens einen Blick auf den attraktiven Vizianer werfen und eine Prise seiner berüchtigten Pheromone inhalieren – wollte herausfinden, ob sie wirklich … so wirkten, wie behauptet wurde.

Man konnte es eigentlich nur als einen gemeinen Streich des Schicksals bezeichnen, dass ausgerechnet die xenophoben und soziophoben Vizianer Pheromone produzierten, die sie unwiderstehlich machten für nahezu jede Spezies. So mancher Empfang artete für Pakcheon daher zu einem Spießrutenlauf aus, da Männer und Frauen jeglicher Art und jeglichen Alters sich um ihn scharten, ihn zu berühren versuchten.

Cornelius‘ Präsenz hielt die meisten auf Distanz, da die Gerüchte um ihrer beider Beziehung nicht verstummen mochten und Pakcheon weder dementierte noch bestätigte, sehr zu Cornelius‘ Verdruss. Nicht dass es etwas zu bestätigen gegeben hätte, schon gar nicht in letzter Zeit, nachdem ein Pflanzenwesen bestrebt gewesen war, Pakcheon zu Vermehrungszwecken zu benutzen und ihn nebenbei zu verspeisen2. Seither war der Vizianer noch vorsichtiger geworden und hatte sogar das spielerische Flirten mit Cornelius aufgegeben.

Eigentlich hätte Cornelius darüber erleichtert sein müssen, schließlich war er ausschließlich an Frauen interessiert, aber … ihrer Freundschaft fehlte etwas. Und ob es jemals wieder so sein würde wie zuvor …

Er schob die bedrückenden Gedanken zur Seite und konzentrierte sich auf den Namen des ersten Besuchers.

Wawa Guarani vertrat die Xavanthische Liga, ein kleines Sternenreich, das sich mit einigen anderen zusammengetan hatte, um nicht in den Konflikten der größeren Nachbarn, der Heineken-Allianz und dem Trimaran-Imperium, aufgerieben zu werden. Cornelius war ihr erst einmal begegnet, zu kurz, als dass er sich ein konkretes Bild von ihr hätte machen können.

Die Xavanthische Liga setzte sich aus sieben besiedelten Systemen zusammen, die weniger als zwanzig Lichtjahre von der Sonne Xavan und der Hauptwelt Nedoba entfernt waren. Regiert wurde die Liga von einem Senat, der von jeweils drei Vertretern aller Welten gebildet wurde, die durch Mehrheitsbeschlüsse über die innen- und außenpolitischen Belange entschieden.

Den Systemen kam keinerlei strategische Bedeutung zu, abgesehen davon, dass sie sich am Rand der Interessensphären der Heineken-Allianz und des Trimaran-Imperiums befanden. Der Abbau von Rohstoffen diente fast ausschließlich der heimischen Industrie. Wichtigste Handelsgüter waren verschiedene Getreidesorten. Vier Systeme verfügten über klimatisch begünstigte Farmplaneten, die das ganze Jahr über reiche Erträge lieferten. Die Überschüsse wurden vorzugsweise gegen Maschinen, Arzneimittel und diverse Luxusprodukte getauscht.

Nach Ende der Wanderlustseuche, die zwei der Xavanthischen Welten gestreift hatte, waren viele Lebensmittelrationen von der Liga zur Verfügung gestellt und zu Planeten geschafft worden, die dringenden Bedarf hatten. Auf diese Weise hatten sie sich die Freundschaft von mehreren Völkern gesichert.

Cornelius hatte bereits vor einigen Tagen ein Dossier über die Xavanthische Liga und seine Botschafterin verfasst. Die Informationen stammten größtenteils aus der Datenbank von Vortex Outpost und waren von ihm ergänzt und kommentiert worden. Auf heikle Gesprächspartner wies Cornelius Pakcheon bereits am Vortag hin.

Über die weniger komplizierten Fälle setzte er den Freund unmittelbar vor dem Treffen in Kenntnis. Da Pakcheon über ein fotografisches Gedächtnis verfügte, genügte ihm das als Vorbereitung.

Cornelius schickte die Datei, die er aufgerufen und ein letztes Mal überprüft hatte, an Pakcheon.

Einen Moment später meldete die Automatik Wawa Guarani. Überpünktlich.

Cornelius schloss die Datei, erhob sich und öffnete persönlich das Schott. Er verneigte sich leicht.

„Botschafterin Guarani.“

„Mr. Cornelius.“

Wawa Guarani war eine hochgewachsene Frau, fast so groß wie Cornelius, vollschlank und mit einem Teint, der die Farbe von Milchkaffee hatte. Ihr dichtes schwarzes Haar verbarg sie unter einer turmartigen Haube, der Habac. Die traditionelle Kopfbedeckung bestand aus einem kunstvoll gefältelten und drapierten Stoff von violetter Farbe mit einem dezenten Fischgrätmuster. Dieses fand sich auch an den Säumen ihres fließenden Gewandes, das seine Schlichtheit durch den Faltenwurf wettmachte, der ihm im Wechsel matt-blaue und türkis schimmernde Bahnen verlieh. Lange, silberne Ohrhänger und drei schwere Silberringe an der linken Hand waren die einzigen Schmuckstücke. Cornelius fand die Botschafterin sehr elegant.

Er lächelte sie an. „Pakcheon wird sie gleich empfangen.“

„Ich bin nicht in Eile.“ Wawa Guarani lächelte zurück. „Es wäre mir eine große Freude, mit Ihnen ein wenig zu plaudern. Darum bin ich einige Minuten früher gekommen.“

„Natürlich.“ Cornelius führte Wawa Guarani zu der kleinen Sitzgruppe und bat sie, Platz zu nehmen. „Darf ich Ihnen etwas anbieten? Tee, Kaffee …“

„Danke, nein.“

Erst jetzt ließ sich Cornelius in den Sessel ihr gegenüber sinken und wartete, dass sie ihm ihr Anliegen mitteilte – falls sie nicht bloß ein wenig Small Talk im Sinn hatte.

Seit er nicht mehr der Septimus der Konföderation Anitalle war, hatte sich das Verhalten der meisten seiner einstigen Kollegen ihm gegenüber drastisch geändert. Die einen, denen er von jeher ein Dorn im Auge gewesen war oder die keinen Nutzen darin sahen, weiterhin den freundlichen Kontakt zu pflegen, ignorierten ihn oder machten keinen Hehl daraus, dass sie Cornelius für Pakcheons Betthäschen hielten. Die anderen, die ihn geachtet hatten oder davon ausgingen, dass er immer noch über einen nicht zu unterschätzenden Einfluss verfügte, gaben sich ihm gegenüber unverändert.

„Ich hatte noch keine Gelegenheit“, begann Wawa Guarani, „mich bei Ihnen für Ihre Hilfe und vor allem für Ihre Diskretion zu bedanken. Als Sie mir die gestohlenen Unterlagen zukommen ließen3, war ich zu verblüfft, um angemessen reagieren zu können. Sie ahnen gar nicht, welch unschätzbaren Dienst Sie der Xavanthischen Liga geleistet haben.“

Cornelius blickte ihr voller Ernst in die dunkelbraunen Augen. „Ich habe lediglich getan, was, wie ich meine, das Richtige war. Dafür müssen Sie mir nicht danken.“

Unbeirrt fuhr die Botschafterin fort: „Wären die Dokumente in die falschen Hände gelangt, hätte das die Situation für uns und für unsere Verbündeten noch schwieriger gemacht. Sie haben etwas gut bei mir – und das ist nicht nur so daher gesagt. Mir ist klar, dass Sie sehr vorsichtig sein müssen, in Ihrer jetzigen Situation mehr denn je, aber es gibt viele, die bedauern, dass Sie nicht länger die Konföderation Anitalle vertreten.“

„Sie sind sehr freundlich, Botschafterin -“

„Wawa. Meine Freunde nennen mich Wawa. Es wäre mir eine Ehre, Sie zu meinen Freunden zählen zu dürfen. Auch das ist kein leeres Gerede. Und natürlich müssen Sie nicht befürchten, dass meine Freundschaft von Gefälligkeiten abhängig ist.“ Sie beugte sich ein wenig vor. „Ich trenne immer Privates vom Beruflichen.“

Bevor Cornelius etwas erwidern konnte, öffnete sich mit einem leisen Zischen das Schott zu Pakcheons Büro. Das telepathische Äquivalent eines Räusperns war zu hören. Gleichzeitig intensivierte sich der allgegenwärtige Duft nach Sandelholz und Patchouli.

Wawa Guarani nickte Cornelius zu  und stand auf, um Pakcheon zu begrüßen.

Das linke Auge des Vizianers zuckte leicht; ein untrügliches Zeichen, dass er angespannt war. Offenbar gefiel ihm nicht, was er gesehen und gehört hatte.

Die Tür summte hinter den beiden an ihren Platz.

Cornelius lehnte sich zurück und schloss für einen Moment die Augen. Obwohl er geglaubte hatte, sich an die Pheromone seines Freundes gewöhnt zu haben, musste er sich eingestehen, dass die nicht der Fall war. Er war lediglich besser auf ihre Wirkung vorbereitet als andere.

Er erhob sich und kehrte an den Schreibtisch zurück, öffnete die Datei, fuhr aber nicht gleich mit seiner Arbeit fort. Versonnen betrachtete er das Foto von Wawa.

Wow!, dachte er. Eine tolle Frau.

In Cornelius‘ Leben hatte es viele Frauen gegeben. Affären, nichts Ernstes. Jeder hatte seinen Spaß gehabt, und als kleines Extra war ihm so manche wichtige Information zugeflüstert worden. Seit er Pakcheon begegnet war, führte er jedoch, ohne selbst so recht zu wissen wieso, beinahe ein so keusches Leben wie ein Eunuch im Kloster der hingabevollen Asketen zu Ru’rards Ehren. Lag es daran, dass er sich nie sicher sein konnte, ob man ihn um seiner selbst willen oder nur aufgrund von Pakcheons Pheromonen, die an ihm hafteten, begehrte? Wegen seiner Freundschaft zu Pakcheon, an den man über Cornelius‘ Bett zu gelangen hoffte?

Oder war es die Freundschaft zu Pakcheon, zu seinem Bruder im Geist, selbst …?

Diese Frage hatte Cornelius immer verdrängt. Nach wie vor wollte er sie nicht beantworten.

Aber … er war ein Mann. Mit ganz normalen Bedürfnissen. Die er viel zu lange unterdrückt hatte.

Wawa war schön und stolz. Sie hatte nicht versucht, mit ihm zu flirten. Das gefiel ihm.

Sie gefiel ihm.

Und der violette Habac hatte verraten, dass sie eine Witwe und in Folge frei war. (…)

(zum nächsten Teil)

Copyright (C) 2012/13 by Irene Salzmann, Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

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Autor: Irene Salzmann

Preis: 2,99 EUR inkl. Mwst.
Erschienen: Atlantis Verlag 2013, ca. 106 Seiten *
Kategorie: Rettungskreuzer Ikarus

Format:
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Format: Kindle Edition
Dateigröße: 390 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 125 Seiten
Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung

Verlag: Atlantis Verlag Guido Latz (16. April 2013)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
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Die Wanderlustseuche wurde besiegt, aber es wird noch lange dauern, bis die Galaxis sich von den Folgen erholt hat. Der Rettungskreuzer Phoenix ist eines der Schiffe, die auf die Notrufe Bedürftiger antworten und Hilfe zu bringen versuchen. Ein Funkspruch führt die Crew der Phoenix zu einem havarierten Raumer; dessen Besatzung hat eine verbotene Welt besucht und das Grauen mit an Bord gebracht …

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