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DIE SPEERE GOTTES – Leseprobe (Teil 2) aus dem gleichnamigen Roman von Daniel Loy

DIE SPEERE GOTTES

Leseprobe (Teil 2) aus dem gleichnamigen Roman

von Daniel Loy

(Zurück zum vorherigen Teil)
Es war spät, als Bregars Trupp zurück nach Alzerat kam. Sie lagerten nicht bei den übrigen Rittern in den Zelten, sondern hatten Quartier auf einem Gutshof genommen. Der Hausherr hatte für die hohen Gäste die Nebengebäude räumen lassen, und eine riesige Scheune diente als Unterstand für die Pferde.

Linos, Bregars jüngster Sohn und sein Knappe, ritt hoch zu Ross durch das zweiflügelige Tor in den behelfsmäßigen Stall, Abalonde, das Pferd seines Vaters, am Führstrick hinter sich. Es war längst dunkel, und Linos döste schon halb. Er blickte kurz auf und wunderte sich, dass das Tor noch offen stand.

Ein Schatten raste aus der Finsternis auf ihn zu.

Erschrocken duckte sich Linos im Sattel. Er versuchte, auszuweichen und sein Pferd als Deckung zwischen sich und den Angreifer zu bekommen … doch seine unentschlossene Bewegung verwirrte das Tier nur, und es tänzelte schnaubend auf der Stelle.

Das Ding aus dem Dunkel traf Linos mit der Wucht eines Hammerschlags mitten auf die Brust. Die Luft wich aus seinen Lungen, und er keuchte. Rücklings flog Linos aus dem Sattel und landete auf dem Gesäß. Er spürte den Aufprall die Wirbelsäule hoch bis in die Zähne. Der Geruch nach Blut fuhr ihm in die Nase, und benommen tastete er mit den Händen nach einem Halt.

Mit einem schrillen Schrei sprang eine schlanke Gestalt aus der Scheune, trat ihm mit bloßen Füßen gegen den Oberkörper und drückte ihn zu Boden. Linos spürte kaltes Eisen an seiner Kehle.

»Geworfen, Herr Ritter!«, rief eine helle Stimme triumphierend.

Instinktiv fuhren Linos’ Hände zu der Waffe an seinem Hals. Seine Fingerspitzen ertasteten die Zähne eines Rechens. Sein Blick klärte sich, und ganz langsam schälte sich ein Gesicht aus dem Nebel, der seit dem Sturz seinen Blick trübte.

Schmutzige Wangen, langes, schwarzes Haar, das wirr in alle Richtungen abstand … Eine dürre Gestalt stand mit dem Stiel des Rechens in der Hand da. Ein Mädchen, etwa vierzehn Jahre alt, und es grinste triumphierend. Über ihre Schulter hinweg erblickte er ein Strohbündel, das an einem Strick vor dem Scheunentor baumelte. Jetzt wusste er auch, was ihn getroffen hatte.

Linos hustete und würgte. Das Mädchen zog den Rechen zurück und ließ ihm ein wenig Luft.

»Niki!«, stieß er hervor. »Was machst du hier?«

»Ich kümmere mich um die Pferde. Was sonst?«

Wie es aussah, hatte sie seine beiden Pferde stattdessen vertrieben. Linos seufzte. »Wir ziehen in den Krieg«, erklärte er. »Du bist ein Mädchen. Da hat dich bestimmt keiner mitgenommen.«

»Ich bin einfach selber mitgekommen.« Sie hielt Linos die Hand hin. »Hab ich dich überrascht?«

Linos beschloss, erst einmal liegen zu bleiben und darüber nachzudenken, welcher Teil seines Körpers nicht schmerzte.

»Überrascht trifft es nicht ganz«, sagte er.

Niki beugte sich vor. Sie fasste ihn an der Hand und zog ihn gegen seinen Willen hoch. »Komm schon«, sagte sie. »Ein Ritter muss immer aufmerksam sein. Ich dachte mir, wir könnten uns ein wenig im Kampf üben, bevor wir in die Schlacht reiten. Seite an Seite als Knappen, die sich ihre Sporen verdienen.«

»Du bist Stallmädchen«, sagte Linos.

»Nun.« Sie stemmte die Hände in die Hüften. »Dann muss es dir aber sehr weh tun, dass ich dich geworfen habe, Herr Knappe!«

Linos streckte sich. »Glaub mir, es tut weh«, sagte er. Er ging ein paar Schritte und schaute sich um. Zum Glück standen die Pferde noch in der Nähe. Abalonde war die Lieblingsstute seines Vaters, ein ausgebildetes Streitross von ausgeglichenem Gemüt. Die ließ sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen, und Linos’ eigenes Tier folgte gottlob deren Beispiel.

»Im Ernst«, sagte er. »Du willst nicht wirklich mit in den Westen kommen.«

»Warum nicht?«, erwiderte Niki. »Ich habe deinen Vater reden hören. Es ist der größte Krieg seit dem Ende des Alten Reiches. Das bietet ganz ungewöhnliche Gelegenheiten. Dein Vater hofft auf einen frühen Ritterschlag für dich. Und wenn solche Wunder erwartet werden, dann kann ich mich gewiss auch als Knappe verdient machen.«

»Du bist nicht von Stand«, sagte Linos.

»Ach?«, fragte Niki. »Und wie ist dein ehrbarer Name?«

Linos hätte die Zähne aufeinandergebissen, wenn die ihm nicht von dem Sturz noch Schmerzen bereitet hätten. Als Priesterin und Ordensritter war seinen Eltern eine formelle Ehe verwehrt geblieben. Normalerweise sah man das nicht so eng – die Bastardsöhne von Edlen galten überall genug, um in den Ritterstand einzutreten. Niemand hätte etwas eingewandt, wenn sie den Namen eines Elternteils annahmen, der Ritter von Geburt war.

Aber Linos’ Eltern entstammten beide einer fürstlichen Familie, und mit dem Eintritt in den Orden hatten sie den Geburtsstand abgelegt und waren Ritter geworden. Da war es undenkbar, dass sie den eigenen fürstlichen Namen an ihre Kinder weitergaben, die von niederer Geburt waren. Linos würde beim Ritterschlag einen Namen annehmen müssen. Doch ob er diesen frei wählte oder ob er in irgendeinem Nebenzweig seiner Verwandtschaft etwas fand, woran er sich anlehnen konnte – am Ende blieb seinem Namen nur die Ehre, die er sich selbst verdiente.

Linos hatte sich oft gefragt, ob das wohl der Grund dafür war, warum so viele Ordensritter so verwegen darauf aus waren, durch ihre Taten zu glänzen. Als Ordensritter ließ man seine Familie hinter sich wie ein Priester und führte sie auch nicht in Kindern fort. Der persönliche Ruhm, der sich mit dem eigenen Namen verband, war das Einzige, was durch die Jahrhunderte von einem bleiben mochte.

Aber er würde Niki niemals eingestehen, dass sie einen wunden Punkt getroffen hatte. »Außerdem bist du ein Mädchen«, sagte er einfach nur.

»Na und?« Sie hob den Rechen wieder an und fuchtelte mit den Zinken vor Linos’ Gesicht herum. »Es sind schon Frauen aufgenommen worden.«

Linos hob die Hände und wich einen Schritt zurück, aus Sorge um seine Augen. »Die meisten Damen treten als Priesterinnen in den Orden ein«, sagte er.

»Trotzdem gibt es Ritterinnen!«

»Ja, ja«, murmelte Linos. »Es soll schon vorgekommen sein. Es gibt kein heiliges Gesetz, das es verbietet. Aber man braucht Kraft, um in voller Rüstung zu kämpfen.« Er musterte Niki von Kopf bis Fuß.

Sie schnaubte und erwiderte den Blick. »Du siehst auch so aus, als könntest du die Armschiene deines Vaters als Brustpanzer tragen. Trotzdem nehmen sie dich als Knappen mit.«

Linos seufzte. Was sollte er ihr sagen? Eine Frau mochte vielleicht Ritter werden, wenn sie es durchsetzen konnte. Doch es gab heilige Gesetze, die verhinderten, dass ein Stallmädchen je in einen Orden aufgenommen wurde – zumindest ungeschriebene.

»Ich habe nicht um dieses Schicksal gebeten«, sagte er stattdessen. »Wenn ich es mir aussuchen dürfte, dann würde ich in Barratain bleiben und studieren und Priester werden. Aber mein Vater …«

»Dein Vater … dein Vater …«, äffte sie ihn nach. »Dich will er mitschleppen. Mich will er nicht dabeihaben. Aber ich bin trotzdem hier. Tust du etwa immer, was dein Vater will? Geh, sag es ihm einfach: Herr Vater, tut mir leid. Ich bin ein schwächlicher Bücherwurm, den jedes Stallmädchen mit einem Strohballen vom Pferd werfen kann. Ich will lieber bei meiner Mama bleiben und Bücher lesen …«

»Du …!« Er packte den Rechen und riss ihn ihr aus der Hand. Sie sprang zurück und kicherte.

Er lief hinter ihr her und stach mit dem Stiel in ihre Richtung, aber sie wich aus und tauchte ins Dunkel der Scheune ein. Er hob den Rechen und sah sich nach ihr um. Wer weiß schon, was für eine Teufelei dieses Mädchen noch ausgeheckt hatte?

Er dachte an ihre gemeinsamen Fechtübungen auf dem Hof des Ordenshauses in Barratain. Sie hatte ihn dazu überredet. Hatte er sie durch diese Spiele etwa erst bestärkt in ihren wahnsinnigen Plänen?

»Hast du mit ihm gesprochen?«, fragte er und blickte sich weiter suchend nach ihr um. Er sah nur die Pferdeleiber als Schattenrisse in der Finsternis, aufgetürmtes Stroh und Ausrüstung auf Holzböcken.

»Ich bin doch nicht verrückt.« Die Stimme erklang hinter ihm. Lautlos war sie an ihn herangeschlichen, und jetzt spürte er die Spitze eines Messers im Rücken.

»Wir reiten zwei Monate, heißt es«, flüsterte sie ihm ins Ohr. »Zeit genug, einen Ritter zu finden, der ein wenig zugänglicher ist als dein alter Herr. Dem geh ich lieber aus dem Weg.«

Der Druck der Messerspitze verschwand, und im nächsten Augenblick stand Niki neben ihm. Sie hielt kein Messer in der Hand, sondern eine Schere – ein grobes Gerät, mit dem man sonst den Pferden die Mähne stutzte.

»Ich habe mir also überlegt, dass ich lieber nicht auffallen sollte, wenn ich im Tross mitreise. Ich wollte dich fragen, ob du mir die Haare schneiden kannst, damit ich ein bisschen mehr nach einem Stallknecht ausschaue?«

***

Bregar und Hragaud trafen sich auf einem Feld mit Winter­gerste, ein paar Wegstunden von beiden Lagern entfernt. Bregar hatte darauf gedrungen. Je weniger die Ritter aus dem Westen, die Hragaud hergebracht hatte, von ihrer Begegnung erfuhren, umso weniger fragten sie nach den Hintergründen.

Hragaud brachte einen Karren, seinen Knappen und mehrere Knechte mit. Die bauten ein Zelt am Rand des Feldes auf, und Hragaud ließ sein erstes Schlachtross zäumen und kleidete sich umständlich in seine schwere Stechrüstung.

Bregar war schon früher eingetroffen. Auch er hatte Knech­­te dabei, und Linos begleitete ihn. Er trug nur ein Kettenhemd, das ihm bis zu den Knien reichte und so kunstvoll geflochten war, dass die Brünne sich fast wie ein weicher Stoff an seinen Körper schmiegte. Ungeduldig wartete Bregar am Feldrain, während sein Gegner sich bereit machte und auch sein eigenes erstes Schlachtross, Lundar, in eine gepanzerte Schabracke gehüllt wurde.

Für sich selbst mochte Bregar zwar eine leichte Rüstung gewählt haben. Aber seine besten Pferde wollte er nicht für einen bloßen Schaukampf aufs Spiel setzen.

Er sah zum Himmel auf, wo Bponurs Antlitz unbarmherzig gen Mittag wanderte. Die meiste Zeit hüllte es sich in Wolkenschleier, und die Luft war kühl und trocken. Bregar war deswegen zwiegespalten. Ein Lanzengang im Schlamm wäre für beide Kämpfer gleichermaßen mühsam gewesen, insgesamt allerdings rechnete Bregar sich auf unsicherem Grund einen Vorteil aus. Ein wärmerer Tag hätte gleichfalls zu seinen Gunsten gewirkt. Doch wie es schien, wollte Bponur im Vorfeld nicht Partei ergreifen und keinen der Kämpfer begünstigen.

Die Vorbereitungen waren beendet. Die Kontrahenten trafen sich ein letztes Mal zum gemeinsamen Gebet in der Mitte des Platzes. Hragaud stapfte schwerfällig heran und sank, gestützt von seinem Knappen, auf die Knie. Bregar hielt Abstand von ihm. Die Führer der Orden, die das Gottes­urteil bezeugen sollten, versammelten sich um die beiden Ritter, genau wie ein paar weitere Ritter und Fürsten von Barrat, die sich Bregar angeschlossen hatten. Ein Fürstkomtur im geistlichen Rang eines Prälaten las eine kurze Messe und erbat Bponurs Segen für diese Begegnung.

Die Bauersfamilie, der das Feld gehörte, verharrte unglücklich abseits der Ritterschar. Als der letzte Choral verklungen war, schickte Bregar seinen Sohn Linos mit einer kleinen Börse zu den Landleuten und ließ die Knechte die Bahnen abstecken.

Dann wandte er sich Hragaud zu, der inzwischen wieder aufgestanden war. Hragauds Rüstung war geschwärzt und so eigentümlich geschliffen, dass sie gleichmäßige Streifen in unterschiedlichen Schattierungen aufwies. Auf der Brust blitzte ein Flammensymbol, als wäre es aus winzigen Edelsteinen gefügt. Aber Bregar nahm an, dass Hragaud nur Schmucksteine aus Glas in die Panzerung hatte einsetzen lassen – schmückende Pracht ohne Substanz, wie es zu der Stadt Horome passte, in der sein Gegner die letzten Jahre verbracht hatte.

»Du kleidest dich leicht«, stellte Hragaud fest.

Bregar musterte das ergrauende Haar und den Bart seines Gegners. Er dachte daran, wie lange es her war, dass sie zuletzt gegeneinander geritten waren. »Ich verlasse mich auf Bponurs Schutz«, sagte er. »Und darauf, dass du die Lanze noch so geschickt zu führen verstehst wie einst. Brust und Helm und Schild sind die Ziele eines Ritters, und wenn ich mich recht entsinne, verfehlst du dein Ziel niemals.«

»Fünf Treffer also?«, fragte Hragaud.

»Nein«, sagte Bregar. »Das ist kein Turnier. Ich kämpfe um die Zukunft des Reiches. Der Kampf ist erst vorüber, wenn einer sich ergibt oder sich nicht mehr erheben kann.«

Hragaud schwieg.

»Ich nehme an«, fügte Bregar hinzu, »du möchtest deine Pläne ebenso ungern aufgeben wie ich die meinen. Oder hast du es dir überlegt und schließt dich mir an?«

»Nein«, erwiderte Hragaud. »Ich plane diesen Feldzug schon seit Jahren. Es ist ein Heiliger Krieg. Wenn du ihn mir verwehren willst, musst du mich erst zu Boden strecken.«

»Das dachte ich mir.« Bregar nickte. »Nur abzuzählen, wie oft die Lanze auf ein Stück Eisen knallt – das ist ein Spiel. Was ich mit Bponurs Hilfe erreichen möchte, das ist es nicht.«

Ohne ein weiteres Wort schritt Hragaud zu seinem Pferd zurück. Seine Knechte eilten geschäftig um ihn herum, zogen Schnallen nach und halfen ihrem Herrn. Bregar ließ sich noch eine Halsberge und einen Brustpanzer anlegen. Letzterer war aus einer einzelnen Stahlplatte getrieben und bedeckte die Vorderseite vom Hals bis zum Bauch. Er war ein wenig schräg gearbeitet, so dass Lanzenstiche am Körper und an den Gliedmaßen vorbeigeleitet wurden. Neben dem schweren Stechhelm war dies Bregars einziges Zugeständnis an seine Sicherheit beim Lanzengang.

Bregar saß auf. Er zog den Helm an, der ohne die volle Rüstung viel zu klobig wirkte. Die bloße Halsberge auf den Schultern fühlte sich ungewohnt an. Normalerweise trug er sie nur in Verbindung mit weiteren Rüstungsteilen, die ihr zusätzlich Festigkeit gaben. Bregar hoffte, dass sie trotzdem hielt.

Die Knechte reichten ihm Schild und Lanze, doch Bregar gab seinem Pferd die Sporen und drehte erst einmal eine Runde über das Feld. Lundar brauchte die Bewegung. Der Hengst war längst nicht so ruhig wie die Stute Abalonde, Bregars zweites Ross, und dazu war das Tier so schwer und so kräftig, dass es selbst mit einem voll gepanzerten Ritter auf dem Rücken alles andere als schwerfällig war.

Gerade deswegen liebte Bregar das Tier. Aber er ritt es nur im Kampf, und er spürte, wie Lundar nun auf die ungewohnt leichte Last mit Übermut reagierte. Also trieb Bregar den Hengst an und ließ ihm ein wenig Auslauf. Dabei prüfte er die Sicht durch den Helm und genoss den Luftzug im Trab und im kurzen Galopp.

Sie hatten sich für das Feld entschieden, weil es einen guten Untergrund bot. Die Gerste stand nicht so hoch, dass sie die Reiter behindert hätte. Zugleich hatte sich das Feld den Winter über gesetzt und bot nun eine leidlich ebene Fläche. Erdklumpen und kleine Gerstenbüschel flogen von den Hufen auf.

Auch Hragaud prüfte die Kampfbahn. In der Mitte des Feldes, zu beiden Seiten der abgesteckten Bahn, trafen sich die Kontrahenten.

»Bist du bereit?« Hragauds Stimme klang dumpf, und Bregar hatte das Gefühl, dass sie in der schweren Rüstung widerhallte. Er sah die Augen hinter den schmalen Schlitzen des Topfhelmes wie zwei Funken in der Finsternis.

Bregar versuchte zu nicken, aber der Helm ließ die Bewegung nicht zu. »Soll Bponur über unsere Sache entscheiden«, sagte er.

Er wendete das Pferd und trabte zum Ausgangspunkt zurück. Hragaud folgte seinem Beispiel. Als Bregar sich wieder zu seinem Gegner drehte, war Hragaud bereit – trotz voller Rüstung stand er Bregar an Beweglichkeit zu Pferde kaum nach.

Beide Kämpfer hielten kurz inne. Dann legten sie die Lanzen ein und ritten aufeinander zu. Bregar sah Hragaud heranpreschen. Wie ein eiserner Berg saß der im Sattel. Bregar nahm den Schild hoch und beugte sich ein wenig vor. Er zielte mit der Lanze und versuchte dabei, Hragauds Waffe im Blick zu behalten.

Im letzten Augenblick, unmittelbar vor dem Zusammenprall, sah er die Lanzenspitze aufblitzen. Er zuckte zusammen und verriss die eigene Waffe. Seine Lanze stellte sich quer, schrammte ungerichtet über Hragauds Rüstung und wurde Bregar aus der Hand geschleudert. Er schlug Hra­gauds Lanze mit dem Schild zur Seite, wich mit dem Oberkörper aus und wäre seiner Lanze fast hinterhergeflogen. Er hörte das Schnauben von Hragauds Pferd, das Donnern der Hufe, das Schlagen der Rüstung. Dann waren sie aneinander vorbei.

Hragaud benutzte keine Lanzenkrone!

Bregar sah, wie sein Knecht über das Feld lief, die Lanze aufhob und sie ihm wiederbrachte. Kurz blickte er auf die Spitze seiner Waffe. Dort saß die Krone fest auf der Spitze und machte die Lanze stumpf. Er hatte selbst gesagt, dass dieser Waffengang für ihn kein Spiel war, sondern ein ernsthafter Kampf. Anscheinend hatte Hragaud das wörtlich genommen.

Egal.

Bregar machte sich bereit. Er musste sich an seinen Plan halten.

Wieder ritten sie aufeinander zu. Hragaud benutzte eine spitze Lanze, aber er zielte genau auf Bregars Oberkörper und den Schild. Er gebrauchte die scharfe Waffe nicht, um einen Vorteil aus Bregars leichter Rüstung zu ziehen. Die unverhüllte Spitze war nur eine Geste, und zum Glück verfehlte Hragaud selten sein Ziel.

Bregar musste nur die Nerven behalten, damit er nicht durch eine unbedachte Bewegung selbst einen Unfall herbeiführte. Je schneller er den Kampf beendete, umso geringer die Gefahr, dass etwas fehlschlug.

Wieder legte er die Lanze ein und zielte nachlässig auf Hragauds Körpermitte. Er richtete das Augenmerk ganz auf seinen Schild und auf die Lanze des Gegners. Er zog die Füße in den Steigbügeln zurück, bis er nur noch mit den Stiefelspitzen darin stand, und im Augenblick des Aufpralls richtete er sich ganz leicht auf.

Seine Lanze erwischte Hragauds Leib und glitt über den Panzer. Hragauds Lanze traf Bregars Schild. Der Aufprall riss Bregar nach hinten, und die Spitze schrammte über den Stahl.

Und Bregar stieß sich ab und ließ sich fallen.

(…)

(wird fortgesetzt)

Copyright © 2014 by Daniel Loy

Mit freundlicher Genehmigung der Bastei Lübbe AG · Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Sarah Fußhoeller.

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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Die Speere Gottes (Kartoniert)
von Loy, Daniel

Verlag:  Lübbe
Medium:  Buch
Seiten:  525
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  November 2014
Maße:  139 x 216 mm
Gewicht:  641 g
ISBN-10:  3404207769

ISBN-13:  9783404207763

Beschreibung
Der Kaiser ist tot, und der Westen des Landes versinkt im Bürgerkrieg. Die mächtigen Ritterorden des Ostens wittern ihre Chance und wollen das Reich unter einem König im rechten Glauben vereinen. Unerkannt lauert die wahre Gefahr jenseits der Grenzen: die gefürchteten Steppentrolle. Ritter Hragaud an Dantuir ist der einzige, der ihnen entgegentritt. Die Rettung des Reichs hängt von ihm ab. Doch die Trolle sind nicht nur unglaublich stark, sondern auch noch in der Übermacht …

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Interview mit Daniel Loy zu seinem bei Lübbe erschienenen Titel „Die Speere Gottes“

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Updated: 2. Juni 2015 — 11:14

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