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DIE REBELLIN – Leseprobe (Teil 3) aus “Vampir Gothic 21″ von Margret Schwekendiek

DIE REBELLIN

Leseprobe (Teil 3)
aus “Vampir Gothic 21″
von
Margret Schwekendiek

(Zum vorherigen Teil)
Jordanien/Gomorra

Sie hatte wie wild mit den Händen gegen ihr Gefängnis getrommelt, verzweifelt nach Luft geschnappt und mit allen Sinnen um Hilfe geschrien. Doch das Innere der Zeitgruft war mit Magie angefüllt und reagierte nicht. Die Gruft bewahrte, schützte und verbarg, das, was in ihr lag – freiwillig oder nicht.

Alena Labastida war in der Zeitgruft gefangen, die zuvor tausende von Jahren den Körper des Dakini-Fürsten Namtar-Re geborgen hatte.

Nach einem entsetzlichen Kampf auf Leben und Tod gegen das Geschöpf Zhi war Alena unterlegen gewesen, die Dakini hatte sie gnadenlos in die Zeitgruft gestoßen, automatisch war die magische Versiegelung angelaufen. Von außen hatten sich Felsen über die Gruft geschoben, jeder Kontakt nach außen war abgeschnitten. Hier, im Inneren der kleinen Kammer, lag Alena jetzt ganz ruhig, als wäre sie tot. Die beruhigenden Impulse sorgten dafür, dass sie sich nicht selbst verletzte. Ihr Geist aber lebte weiter, verband sich mit der Zeitmagie und wurde von den unfassbaren Kräften kontrolliert, die Magie legte einige der verborgenen Erinnerungen frei.

Alena begann zu träumen und erlebte überraschend Teile ihres früheren Lebens, die sie jedoch noch immer nicht einordnen konnte. Obwohl sie sich bewusst war, sich in einer Falle zu befinden und vielleicht nie mehr das Tageslicht zu sehen, empfand sie den Blick auf die eigene Vergangenheit als interessant und verfolgte das Geschehen aus dem eigenen Gedächtnis wie eine unbeteiligte Zuschauerin neugierig.

Vor langer Zeit auf einem abgelegenen Planeten

„Er wird das Kind doch nicht töten lassen?“, sagte eine angenehme weibliche Stimme mit ängstlichem Unterton.

„Mach dir keine Gedanken darüber, Karina“, empfahl eine andere Frauenstimme. „Wenn das Kind getötet werden muss, wird der Fürst gute Gründe dafür haben. Er ist unser Herr, wir stellen seine Befehle nicht in Frage.“

„Aber Siva, nach allem, was Fürstin Lania durchmachen musste, um dieses Kind zu gebären…“, begann Karina vorsichtigen Widerspruch.

„Sei still“, befahl Siva. „Die Fürstin hat ihren Gatten, unseren Herrn, betrogen, mit einem Aldaaki-Sklaven. Das allein ist schon unerhört, ein unglaubliches Verbrechen. Glaub mir, ihre Qualen sind nichts anderes, als eine angemessene Strafe für dieses Vergehen. Dieses Balg ist die Frucht aus dem Verrat. Der Fürst hätte noch Gnade walten lassen, wäre es ein Junge gewesen. Aber ein Mädchen?“

„Woher weißt du das alles?“, erkundigte sich Karina eifrig, während sie das Kind zärtlich im Arm wiegte.

„Das geht dich gar nichts an“, kam die schroffe Antwort.

Bei den beiden Frauen handelte es sich um zwei Dienstmägde, die allerdings reine Dakini waren. Siva arbeitete schon lange am Hofe des Fürsten Namtar-Re, sie kannte viele Geheimnisse, wusste sie jedoch auch zu bewahren. Gegenüber dem Fürsten war sie absolut loyal, sie würde auch ohne Bedenken dieses neugeborene kleine Mädchen töten, falls das sein Wille sein sollte.

Karina war noch jung, eifrig und viel zu sehr von eigenen Emotionen erfüllt. Sie hatte Mitleid mit dem unerwünschten Säugling.

Das Kind war ganz still und blickte sie aus großen, dunklen Augen an. In diesem Augenblick trat ein Mann aus einer Tür. Assianar, der Blutmagier, oberster Priester dieser Welt und nach dem Fürsten selbst der mächtigste Mann – manchmal sogar mächtiger als Namtar-Re, denn der Blutmagier sprach nach eigener Aussage mit den Göttern direkt und übermittelte ihren Willen.

Assianar kam mit wenigen Schritten auf die beiden Frauen zu. Sein Gewand zeugte noch immer davon, dass er die blutigen Opferrituale selbst durchgeführt hatte, mit dem die Götter gnädig gestimmt werden sollten, um die Geburt eines Jungen zu erreichen. Das ursprüngliches Schwarz war besudelt von milchig-trüben Flecken, Aldaaki-Blut. Viele der Sklaven hatten ihr Leben gegeben, um die Götter, ganz besonders die Gottheit des Ewigen Zwielichts, gnädig zu stimmen. Doch die Bitten des Priesters waren offenbar ungnädig aufgenommen worden, denn die Fürstin war unter unglaublichen Qualen gestorben, nachdem der Medicus das Kind aus ihrem Leib geschnitten hatte. Statt des erwarteten Jungen war ein Mädchen geboren worden. Ein Mädchen! Fürst Namtar-Re hatte das Kind keines Blickes gewürdigt und entschieden, dass er später über das Schicksal des Säuglings nachdenken würde.

Assianar schob die beiden Frauen in ein leeres Zimmer, seine Miene verhärtete sich.

„Ihr beide werdet euch von heute an um dieses Kind kümmern“, befahl er.

Siva nickte, doch er hob die Hand, seine Befehle waren noch nicht vollständig.

„Das ist noch nicht alles. Es ist der Wille der Götter, dass das Kind am Leben und gesund bleibt. Es hat später im Leben noch große Aufgaben zu erfüllen. Doch zu diesem Zeitpunkt darf der Fürst noch nichts davon erfahren, er ist im Augenblick noch emotional involviert und kann daher kein ungetrübtes Urteil abgeben.“

Er sah die Skepsis in den Gesichtern.

„Ihr zweifelt doch nicht etwa an meiner Autorität in dieser Angelegenheit? Ich spreche im Namen der Götter, und damit besitze ich die absolute Legitimation. Habt ihr etwas einzuwenden?“

„Nein, Herr, natürlich nicht“, flüsterte Karina, doch Siva blieb skeptisch und machte keinen Hehl daraus. „Verstehe ich das richtig?“, fragte sie ungerührt. „Wir sollen uns im Geheimen um das Kind kümmern, weil der Fürst es im Augenblick nicht sehen soll oder will? Aber wie soll das funktionieren? Man wird uns und das Kind bemerken, es gibt immer jemanden, dem etwas auffällt. Früher oder später wird man dem Fürsten darüber berichten.“

„Genau das habt ihr zu verhindern, bis ich den Zeitpunkt für geeignet halte, den Fürsten zu unterrichten“, donnerte der Blutmagier.

„Aber wir…“

„Ihr tut genau das, was ich euch befehle. Ihr werdet das ungenutzte, fast vergessene Gästehaus beziehen. Es liegt weit ab von der Burg, niemand geht dorthin. Ich sorge dafür, dass euch alles zu Verfügung steht, was ihr braucht – ihr und das Kind.“

„Und für wie lange?“, fragte Karina ängstlich. „Unser Verschwinden wird doch sicher auffallen, wir…“

Assianar funkelte sie an, das Mädchen bekam weiche Knie und hätte um ein Haar den Säugling fallen gelassen.

„Solange es notwendig ist“, wiederholte er heiser mit einem drohenden Unterton. „Alles andere hat euch nicht zu interessieren. Sorgt gut für das Kind, lehrt es alles, was ein Kind wissen muss, bis ich zusätzliche Lehrer schicke. Habe ich mich jetzt klar ausgedrückt?“

„Ja, Herr, ganz wie du wünscht. Es soll geschehen, wie du sagst“, erklärte Siva ruhig und nahm Karina das Kind ab.

Das Gesicht der jungen Dakini zeigte deutlich, wie sie über diese Anweisungen dachte. Karina war jung, sie hatte sich gerade frisch verliebt und wollte in der geringen Freizeit das Leben genießen. Doch jetzt würde sie wie eine Stille Schwester in der Zurückgezogenheit leben müssen, keine Kontakte mehr nach außen, keine jungen Männer für angeregte vergnügliche Stunden, keine fröhlichen Feste mehr. Assianar verlangte viel. Doch was wäre die Alternative? Der Blutmagier besaß jedes Recht, eine Person zu töten, die auch nur im Anschein stand, gegen den Willen der Götter zu handeln, was nichts anderes hieß, als gegen seinen Willen. Das zukünftige Leben sah also für Karina ziemlich trostlos aus, denn die einzigen Gesprächspartner würden vorerst nur Siva und das Kennzeichen sein. Eine beschränkte Auswahl, aber immer noch besser als der Tod. Nun, vielleicht würde es gar nicht lange dauern. Karina konnte sich nicht vorstellen, dass diese geheime Aufzucht des Bastardmädchens lange geheim bleiben konnte. Sie wagte jedoch keinen Widerspruch, sie konzentrierte sich wieder auf das Kind und nahm es Siva aus den Armen, als könnte sie allein es beschützen.

Wortlos gingen die beiden Frauen davon, um ihren Auftrag auszuführen.
(…)

Copyright (c) 2014 by Margret Schwekendiek / Grafik by Lothar Bauer – Mit freundlicher Genehmigung.

Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/


Vampir Gothic 21. Die Rebellin (Gebunden)
von Schwekendiek, Margret

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Verlag:  Romantruhe
Medium:  Buch
Seiten:  256
Format:  Gebunden
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  Januar 2015
Maße:  137 x 195 mm
Gewicht:  270 g
ISBN-10:  394081251X
ISBN-13:  9783940812513

Beschreibung
Vampir Gothic Band 21. New Orleans ist fest in der Hand von Daria, doch die Opyrikriegerin hat ihre liebe Mühe, die Stadt unter Kontrolle zu behalten. Daria befindet sich in einem inneren Zwiespalt. Auf der einen Seite ist sie ihrem Volk verpflichtet, andererseits ist sie an die geheimnisvolle Zhi gebunden. Herzog Cardif befindet sich mit den wenigen überlebenden Opyri auf der Flucht. Die Verfolger haben ihre Spuren längst verloren. Die Vampire versuchen unbemerkt das gelobte Land zu erreichen. Der Dakini-Fürst Namtar-Re wurde von Zhi aus der Zeitgruft gerettet. Nun muss er in Sicherheit gebracht werden, damit er seine Herrschaft über die Menschen antreten kann. Elmar Fuchs macht sich auf den Weg nach Jordanien, um dort Alena Labastida beizustehen. Er kann nicht ahnen, dass die Aldaaki in der Dakini-Zeitgruft eingekerkert worden ist. Aber in der Gefangenschaft ihres kalten Grabes brechen die Wälle ihres blockierten Gedächtnisses. Vor ihrem geistigen Auge steigen Dinge auf, die sich vor vielen Jahrtausenden ereignet haben. Alena ist gefangen im Netz ihrer Erinnerungen …

Autorin
Margret Schwekendiek wuchs im Ruhrgebiet und in Ostwestfalen-Lippe auf. Nach der Schule absolvierte sie eine Ausbildung zur Kaufmännischen Buchhalterin. Seit 1991 arbeitet sie als Schriftstellerin in verschiedenen Genres. Im Bereich Science-Fiction ist sie für die Stargate-Serie als Autorin und Redakteurin sowie als Lektorin für Inhalt und Ablauf verantwortlich. Bei Raumschiff Titan ist sie Autorin und Redakteurin, zum Teil zusammen mit Horst Hoffmann. Autorin und Ideenlieferatin ist sie bei Rex Corda, Rex Corda Nova und bei Sigam Agelon als Autorin und Ideenlieferantin. Im Bereich Krimi und Horror schrieb sie mehrere Romane für Larry Brent, auch unter dem Pseudonym Maran O’Connor mit Antje Ippensen. Sie arbeitet auch an der Neuausgabe der Schwarzen Fledermaus, der Krimiserie aus den 1960er Jahren. Sie verfasste mehr als 120 Heftromane für den Bastei Lübbe Verlag und den Kelter Verlag in den Genres Romantic-Thriller, Bergroman, Arztroman, Fürstenroman, Mami-Roman und für die eigene Serie „Der Alpendoktor“. Als Redakteurin ist sie für die Monatszeitschrift „Trend“, Ortsanzeiger im Kreis Gütersloh, tätig. Einige Kurzgeschichten, hauptsächlich aus dem Fantasy- und SF-Bereich, sind im Internetportal Literra zu finden. Margret Schwekendiek heiratete im Alter von 18 Jahren und hat drei Kinder. 1994 starb ihr Mann. Sie lebt mit der Familie des ältesten Sohnes in einem Generationenhaus im Westerwald.

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