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DIE REBELLIN – Leseprobe (Teil 2) aus “Vampir Gothic 21″ von Margret Schwekendiek

DIE REBELLIN

Leseprobe (Teil 2)
aus “Vampir Gothic 21″
von
Margret Schwekendiek

(zum vorhergien Teil)
Es gelang Bradley, bis ins Gebäude zu gelangen, ohne bemerkt zu werden, und sich im ehemaligen Direktorenbüro zu verstecken, wo er durch eine Glasscheibe in den Eingangsbereich sehen konnte.

In der Zwischenzeit waren weitere Autos vorgefahren, deren Insassen mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie Plankett hineingingen. Henry beobachtete den Eingang eine Weile, die Sicherheitsleute schienen nicht beauftragt zu sein, die Besucher zu überprüfen, sie mussten demnach für die Sicherheit der Insassen zuständig sein. Für den heimlichen Beobachter wurde die Sache immer rätselhafter. Mit viel Glück und einigen artistischen Verrenkungen gelang es Henry, die baufällige Feuerleiter hinaufzuklettern – ohne zu wissen, ob dieses Wagnis belohnt wurde. Doch das klare Denken und der logische Verstand hatten bei ihm schon längst ausgesetzt, er war das, was man im klassischen Sinn einen Stalker nannte. Er verfolgte Tyril aus verschmähter Liebe und der festen Überzeugung, der einzige zu sein, der sie glücklich machen konnte.

Es gab draußen niemanden, der am Gebäude hinaufschaute, sonst wäre Henry sicher bemerkt worden. Doch so gelang es ihm, in den Raum hineinzusehen, der hinter dem Fenster mit den dicht zugezogenen Jalousien lag.

Ein Mann befand sich auf einem Stuhl, mit breiten Gurten gefesselt. Die Angst sprang ihm förmlich aus den Augen, was den Sicherheitsmann an der Tür nicht beeindruckte. Zu Henrys Überraschung kam Tyril herein, sie lächelte, ihre Augen leuchteten, und die Zähne – Henry schluckte, sein Herz setzte aus, fast hätte er an das Fenster geklopft und sich damit verraten, obwohl er bis jetzt durch die dichten Lamellen nicht gesehen werden konnte. Und Tyril hatte, weiß Gott, anderes im Sinn, als aus dem Fenster zu sehen. Ihre herausragenden Eckzähne zeigten deutlich, dass sie nichts Menschliches mehr in sich trug. Kein Wunder also, dass sie nicht bereit war, auch nur einen Gedanken an eine emotionale Bindung zu verschwenden.

Tyril Plankett war eine Vampirin!

Ohne zu zögern schlug sie ihre Fänge in den Hals ihres Opfers und trank das Blut, bis der Sicherheitsmann sie beiseite drängte. Offenbar sollte das gefesselte Opfer nicht getötet werden, denn gleich darauf kam ein Mann im weißen Kittel und kümmerte sich um die Wunden des mittlerweile Bewusstlosen.

Henry kämpfte mit der Übelkeit. Wie konnte Tyril…? Wie konnte überhaupt jemand…?

Vampire waren eine Plage, die die Menschheit nun wirklich nicht brauchte. Aber das war es nicht, was Henry wieder zur Besinnung brachte.

Tyril, seine Tyril, war eine Vampirin!

Ganz sicher war sie das nicht freiwillig geworden, überlegte er sich. Aber sie hatte nicht genug Vertrauen zu ihm gehabt, um ihn um seine Hilfe zu bitten. Sie hatte ihn verraten! Dann hatte sie sich all das selbst zuzuschreiben, was er jetzt zu tun gezwungen war.

Henry überwand Übelkeit und Abscheu, dann machte er sich an den Rückzug, genauso vorsichtig, wie er gekommen war. Es gelang ihm, ungesehen seinen Wagen zu erreichen. Mit zitternden Händen fuhr er zurück in die Stadt. Doch statt sofort zur Polizei zu gehen, hielt er seine Beschattung aufrecht.

Tyril Plankett war mittlerweile wieder zuhause, wie er mit einem verstohlenen Blick durch das hell erleuchtete Wohnzimmerfenster feststellte. Sie telefonierte, nichts deutete daraufhin, dass sie in Wirklichkeit ein Monstrum war. Henry war so aufgeregt, dass er tatsächlich die ganze Nacht über wach blieb, obwohl sich Plankett gleich darauf zum Schlafen zurückzog. Schlafen? Mussten Vampire schlafen? Und waren sie nicht gegen helles Sonnenlicht allergisch?

Woher hätte Henry auch wissen sollen, dass die Zöglinge von Daria die grelle Sonne durchaus zu vermeiden wussten, aber ihren Tagesablauf den Gegebenheiten eines normalen Lebens anpassen mussten, um so wenig Verdacht wie möglich zu erwecken. Es hätte für Henry aber auch keine Rolle gespielt, wenn er es gewusst hätte.

Früh am nächsten Morgen besorgte er sich etwas zu essen und einen Kaffee, dann wartete er darauf, dass Tyril zur Arbeit fuhr. Sie war meist früh unterwegs, bevor es richtig hell wurde, und sie verließ das Verwaltungsgebäude immer erst spät. Heute würde alles anders sein, so hatte Henry beschlossen.

Auch er ging zunächst in sein Büro, rief dann aber intern den Abteilungsleiter des Ordnungsamtes an, Ellis Clark, um sofort ein persönliches Gespräch mit ihm zu führen. Clark war noch relativ jung und hatte diesen Posten durch gute Beziehungen bekommen, weniger durch seine verwaltungstechnischen oder organisatorischen Fähigkeiten. Doch er hatte sich bisher als kluger Vorgesetzter erwiesen, der die Abteilung tatsächlich im Griff hatte. Nach kurzem anklopfen trat Henry in das sachlich und nüchtern eingerichtete Büro.

„Was gibt es, Henry? Haben wir dringende Probleme in der Stadt, mit denen Sie nicht fertig werden?“

„Es – es geht um Miss Plankett“, begann Bradley.

Natürlich hatte auch Clark von den Nachstellungen Henrys gehört, wie jeder in der Verwaltung, und auch die handfeste Auseinandersetzung in der Kantine war noch immer sehr präsent.

„Gibt es Beschwerden über die Arbeit der Kollegin?“, fragte Clark sachlich.

„Nein, nein, ich glaube nicht, jedenfalls habe ich davon nichts gehört. Ich möchte stattdessen darauf hinweisen, dass Miss Plankett ein Vampir ist, und – und – unsere Stadt kann es sich nicht leisten…“

„Was sagen Sie da?“ Clark stand hinter seinem Schreibtisch auf, sein Gesicht zeigte alle Zeichen von Wut und Bestürzung.

Henry spürte die Emotionen, die ihn förmlich überrollten. „Ich – ich kann das beweisen“, sagte er leise. „Ich bin ihr gefolgt, Tyril, meine ich. Sie ist – sie ist zum alten Hatfield-Gefängnis hinaus gefahren und hat dort – hat dort… es ist so, dass dort – ich habe es mit eigenen Augen gesehen – das dort Leute festgehalten werden, um wie eine lebende Blut… Tyril war dort und hat sein Blut…“. Henrys Bericht war mehr als verworren und ergab keinen Sinn, es sei denn, man wusste genau, um was es bei dieser Erzählung ging.

Clark bemühte sich um Beherrschung, kam um den Schreibtisch herum und legte Henry wohlwollend und beruhigend eine Hand auf die Schulter.

„Sie sind sehr aufgeregt, Henry. Das alles klingt ein bisschen überdreht, finden Sie nicht? Sie sollten sich erst einmal beruhigen, dann reden wir in Ruhe über alles. Wie kommen Sie denn eigentlich dazu…“

„Aber ich habe es mit eigenen Augen gesehen“, fuhr Bradley auf. „Sie hat ihre Zähne in den Hals…“

„Ist gut, Henry, ist gut, ich habe es verstanden.“

Ellis Clark fuhr sich unbewusst mit der Zunge über die Lippen, dann schaltete er die Sprechanlage zum Vorzimmer ein. „Holen Sie Tyril Plankett her, sofort“, befahl er.

„Aber sie ist doch…“, fuhr Henry entsetzt auf. „Verstehen Sie denn nicht, was ich gesagt habe?“

„Aber natürlich, Henry, ich habe jedes Wort verstanden. Aber Sie verstehen doch sicher auch, dass sich jemand gegen so schwere Anschuldigungen auch verteidigen darf, oder nicht? Waren Sie übrigens schon bei der Polizei?“ Clark stellte die Frage lauernd.

„Nein, noch nicht, ich dachte, Sie und ich könnten zusammen – man würde mir dann vielleicht eher glauben.“ Bradley sagte nichts davon, dass ihm ein Besuch bei der Polizei das unsägliche Vergnügen nehmen würde, das Entsetzen im Gesicht von Tyril bei ihrer Entlarvung zu sehen.

„Es ist gut, Henry, Sie haben es genau richtig gemacht. Kein Mensch würde Ihnen glauben, wenn Sie mit einer solchen Beschuldigung auftauchen.“

Es klopfte kurz, Tyril kam herein. Sie sah Henry, und augenblicklich zeigte sich Ärger in ihrem Gesicht. „Was gibt es jetzt schon wieder? Henry, ich habe gesagt, dass du mir vom Leibe bleiben sollst. Willst du mir jetzt sogar Schwierigkeiten bei der Arbeit machen?“

Er wich einen Schritt zurück, sein Gesicht verzerrte sich. „Schwierigkeiten? Ganz bestimmt, meine Liebe, ich mache dir Schwierigkeiten ohne Ende. Alles hätte ich für dich getan, alles. Aber du – du bist ja gar kein Mensch, du bist eine Bestie. Ich habe dich gesehen, draußen in Hatfield.“ Seine Stimme überschlug sich, Plankett und Clark wechselten einen Blick. Tyril schüttelte den Kopf, als habe Clark lautlos eine Frage gestellt.

„Selbst in der Psychiatrie könnte es jemanden geben, der ihm glaubt“, murmelte sie. „Es tut mir leid, aber ich habe ihn wirklich nicht bemerkt.“

„Schon gut, das war ein dummer Fehler, den wir jetzt sofort berichtigen werden.“ Ellis Clark lächelte und zeigte seine prachtvollen Fangzähne. Auch Tyril öffnete den Mund. Henry begriff im gleichen Augenblick und begann zu schreien. Doch ihm blieb nicht viel Zeit, seine Handlungen zu bedauern.

Draußen im Vorzimmer war nichts davon zu hören. Das Büro von Clark war schalldicht, schließlich diente es auch dazu, vertrauliche Gespräche wie dieses zu ermöglichen.
(…)

(Zum nächsten Teil)

Copyright (c) 2014 by Margret Schwekendiek / Grafik by Lothar Bauer – Mit freundlicher Genehmigung.

Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Vampir Gothic 21. Die Rebellin (Gebunden)
von Schwekendiek, Margret

Verlag:  Romantruhe
Medium:  Buch
Seiten:  256
Format:  Gebunden
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  Januar 2015
Maße:  137 x 195 mm
Gewicht:  270 g
ISBN-10:  394081251X
ISBN-13:  9783940812513

Beschreibung
Vampir Gothic Band 21. New Orleans ist fest in der Hand von Daria, doch die Opyrikriegerin hat ihre liebe Mühe, die Stadt unter Kontrolle zu behalten. Daria befindet sich in einem inneren Zwiespalt. Auf der einen Seite ist sie ihrem Volk verpflichtet, andererseits ist sie an die geheimnisvolle Zhi gebunden. Herzog Cardif befindet sich mit den wenigen überlebenden Opyri auf der Flucht. Die Verfolger haben ihre Spuren längst verloren. Die Vampire versuchen unbemerkt das gelobte Land zu erreichen. Der Dakini-Fürst Namtar-Re wurde von Zhi aus der Zeitgruft gerettet. Nun muss er in Sicherheit gebracht werden, damit er seine Herrschaft über die Menschen antreten kann. Elmar Fuchs macht sich auf den Weg nach Jordanien, um dort Alena Labastida beizustehen. Er kann nicht ahnen, dass die Aldaaki in der Dakini-Zeitgruft eingekerkert worden ist. Aber in der Gefangenschaft ihres kalten Grabes brechen die Wälle ihres blockierten Gedächtnisses. Vor ihrem geistigen Auge steigen Dinge auf, die sich vor vielen Jahrtausenden ereignet haben. Alena ist gefangen im Netz ihrer Erinnerungen …

Autorin
Margret Schwekendiek wuchs im Ruhrgebiet und in Ostwestfalen-Lippe auf. Nach der Schule absolvierte sie eine Ausbildung zur Kaufmännischen Buchhalterin. Seit 1991 arbeitet sie als Schriftstellerin in verschiedenen Genres. Im Bereich Science-Fiction ist sie für die Stargate-Serie als Autorin und Redakteurin sowie als Lektorin für Inhalt und Ablauf verantwortlich. Bei Raumschiff Titan ist sie Autorin und Redakteurin, zum Teil zusammen mit Horst Hoffmann. Autorin und Ideenlieferatin ist sie bei Rex Corda, Rex Corda Nova und bei Sigam Agelon als Autorin und Ideenlieferantin. Im Bereich Krimi und Horror schrieb sie mehrere Romane für Larry Brent, auch unter dem Pseudonym Maran O’Connor mit Antje Ippensen. Sie arbeitet auch an der Neuausgabe der Schwarzen Fledermaus, der Krimiserie aus den 1960er Jahren. Sie verfasste mehr als 120 Heftromane für den Bastei Lübbe Verlag und den Kelter Verlag in den Genres Romantic-Thriller, Bergroman, Arztroman, Fürstenroman, Mami-Roman und für die eigene Serie „Der Alpendoktor“. Als Redakteurin ist sie für die Monatszeitschrift „Trend“, Ortsanzeiger im Kreis Gütersloh, tätig. Einige Kurzgeschichten, hauptsächlich aus dem Fantasy- und SF-Bereich, sind im Internetportal Literra zu finden. Margret Schwekendiek heiratete im Alter von 18 Jahren und hat drei Kinder. 1994 starb ihr Mann. Sie lebt mit der Familie des ältesten Sohnes in einem Generationenhaus im Westerwald.

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  1. Margret Schwekendiek wuchs im Ruhrgebiet und in Ostwestfalen-Lippe auf. Nach der Schule absolvierte sie eine Ausbildung zur Kaufmännischen Buchhalterin. Seit 1991 arbeitet sie als Schriftstellerin in verschiedenen Genres. Im Bereich Science-Fiction ist sie für die Stargate-Serie als Autorin und Redakteurin sowie als Lektorin für Inhalt und Ablauf verantwortlich. Bei Raumschiff Titan ist sie Autorin und Redakteurin, zum Teil zusammen mit Horst Hoffmann. Autorin und Ideenlieferatin ist sie bei Rex Corda, Rex Corda Nova und bei Sigam Agelon als Autorin und Ideenlieferantin. Im Bereich Krimi und Horror schrieb sie mehrere Romane für Larry Brent, auch unter dem Pseudonym Maran O’Connor mit Antje Ippensen. Sie arbeitet auch an der Neuausgabe der Schwarzen Fledermaus, der Krimiserie aus den 1960er Jahren. Sie verfasste mehr als 120 Heftromane für den Bastei Lübbe Verlag und den Kelter Verlag in den Genres Romantic-Thriller, Bergroman, Arztroman, Fürstenroman, Mami-Roman und für die eigene Serie „Der Alpendoktor“. Als Redakteurin ist sie für die Monatszeitschrift „Trend“, Ortsanzeiger im Kreis Gütersloh, tätig. Einige Kurzgeschichten, hauptsächlich aus dem Fantasy- und SF-Bereich, sind im Internetportal Literra zu finden. Margret Schwekendiek heiratete im Alter von 18 Jahren und hat drei Kinder. 1994 starb ihr Mann. Sie lebt mit der Familie des ältesten Sohnes in einem Generationenhaus im Westerwald.

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