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DIE QUINNS: MALCOM – Leseprobe (Teil 1) aus dem gleichnamigen Roman von Kate Hoffmann

DIE QUINNS: MALCOM

Leseprobe (Teil 1)
aus dem gleichnamigen Roman
von
Kate Hoffmann

PROLOG

Die Atmosphäre in dem kleinen Haus in Rotura war zum Zerreißen gespannt. Malcolm Quinn war zehn Jahre alt und seit er den sorgenvollen Blick seiner Mutter wahrgenommen hatte, versuchte er, seine jüngeren Geschwister abzulenken. Aber die siebenjährigen Zwillinge Rogan und Ryan spürten ebenfalls, dass etwas nicht stimmte. Nur die Jüngste, Dana, bekam mit ihren drei Jahren anscheinend nichts mit.

Ihr Vater, Maxwell Quinn, war am frühen Morgen mit einigen Sherpas vom Basislager aus aufgebrochen, um den Mount Everest zu besteigen. Es war sein vierter Aufstieg, und sollte er ihn erfolgreich absolvieren, wäre sein Score perfekt.

Max Quinn und sein Partner, Roger Innis, leiteten Expeditionen auf den Mount Everest schon beinahe so lange, wie Malcolm auf der Welt war. Vor ein paar Jahren hatten sie sich mit einer eigenen Agentur namens Outbound Adventure selbstständig gemacht – und seitdem war Max fast nie wieder zu Hause gewesen. Doch wann immer er es heim schaffte, wann immer er durch die Tür trat und seine Kinder sich auf ihn stürzen konnten, war ihr Familienleben für einen kurzen Moment perfekt. Dann wussten sie, dass es ihm gut ging – und momentan war diese Sicherheit erschüttert.

„Wie spät ist es?“, fragte Rogan.

Mal sah auf und lächelte seinem Bruder zu. „Keine Sorge. Sie haben vielleicht einfach zu viel zu tun, um anzurufen. Oder die Verbindung ist schlecht und sie kommen nicht durch – Satellitentelefone funktionieren nicht immer.“

„Aber es ist schon so spät“, sagte Ryan. „Bei Dad muss es ungefähr zehn Uhr abends sein, da sollte er doch längst wieder im Camp sein.“

„Das ist er bestimmt auch. Aber er hat ja auch viel zu regeln“, wiederholte Mal die Worte, mit denen seine Mutter ihn vor ein paar Minuten zu beruhigen versucht hatte. Er hoffte, dass sie bei seinen Brüdern besser wirkten als bei ihm.

Ryan rieb sich die Augen. „Und wenn etwas Schlimmes passiert ist?“

„Genau“, stimmte Rogan ein. „Vielleicht traut sich niemand, uns anzurufen.“

Mal schob die beiden in Richtung ihrer Betten. „Jetzt wird geschlafen. Wenn der Anruf kommt, wecke ich euch auf, versprochen.“

Zu seiner Erleichterung gingen die beiden ohne Widerstand ins Bett, und er konnte zu seiner Mutter in die Küche zurück. Lydie Quinn saß am Küchentisch und hielt die schlafende Dana in ihren Armen. Sie schien etwas zu summen, den gleichen Satz immer wieder, doch Mal konnte sie nicht verstehen.

„Mom?“

Sie starrte weiter geradeaus und wiegte sich im Takt der Melodie in ihrem Kopf.

„Mom, soll ich dir einen Tee aufsetzen?“

Mit einem Mal liefen seiner Mutter Tränen über die Wangen. Doch als er sie gerade in den Arm nehmen wollte, klingelte das Telefon.

„Geh nicht dran“, sagte sie.

„Aber ich –“

„Nicht.“ Sie schüttelte den Kopf und die Tränen rollten immer schneller über ihr Gesicht. Er hatte seine Mutter noch nie weinen sehen. Mal wusste nicht recht, was er tun sollte. Lydie hielt Dana fest umschlungen und wiegte sich hin und her.

Mal hob vorsichtig den Hörer ab. „Hallo?“

„Malcolm? Hier ist Roger, ich muss mit deiner Mutter sprechen.“

„Nein“, sagte Mal. „Du kannst mit mir sprechen.“

„Junge, hör auf mit diesen Spielchen und hol deine Mutter ans Telefon, es ist wichtig.“

„Sie möchte nicht mit dir sprechen. Sie kann es nicht, wir wissen, dass etwas nicht stimmt. Sag es mir einfach.“

Und während er dem Partner seines Vaters dabei zuhörte, wie er die Situation schilderte, wusste Mal, dass sein Leben – und das seiner Mutter und seiner Geschwister – nie wieder so sein würde, wie es mal war.

1. KAPITEL

Endlich wieder zu Hause.

Malcolm Quinn nahm seinen Mantel vom Rücksitz seines Range Rovers und warf ihn sich seufzend über die Schultern. Er hatte Grönland vor drei Tagen verlassen, nachdem er dort eine Expedition von Ost nach West, entlang des Arctic Circle Trails geleitet hatte. Sein Rückflug hatte ihn von Grönland über Island, Kopenhagen, Dubai und Sydney endlich wieder nach Auckland geführt. Die zweistündige Heimfahrt nach Raglan war der letzte Abschnitt seiner Reise gewesen, und nun, endlich zu Hause, konnte er sich zum ersten Mal seit Tagen wieder entspannen.

Er war erschöpft, über jedes Maß hinaus, doch es fühlte sich gut an – wie immer nach einer erfolgreichen Expedition. Seine Kunden waren begeistert, sie hatten mit ihm eine wunderbare Erfahrung gesammelt und die perfekte Abenteuerreise erlebt.

Wie angenehm es war, endlich nicht mehr in dicken Wintersachen herumlaufen zu müssen. Doch es war bereits Anfang April, in Nordeuropa begann jetzt der Frühling, aber hier in Neuseeland war der Winter im Kommen. Dennoch war das kein Vergleich zu den eisigen Temperaturen im hohen Norden.

Das Büro von Maximum Adrenaline war in einem kleinen weißen Häuschen an der Stadtgrenze untergebracht – ziemlich unspektakulär für ein Unternehmen, das auf Abenteuerreisen spezialisiert war. Das Haus hatte eine große Veranda mit wettergegerbten Stühlen darauf.

Mal schlug die Tür seines SUV zu und im gleichen Moment schoss Duffy auf ihn zu, der Familienhund. Dicht hinter ihm folgte seine kleine Schwester Dana. „Hey Duff, alles klar? Hey Dana.“

Vor lauter Aufregung wusste der schwarze Labrador nicht, wo er mit sich hinsollte, und als Mal sich zu ihm hinunterbeugte, riss der Hund ihn vor Freude zu Boden. Lachend gab Mal sich der überschwänglichen Begrüßung hin und rangelte ein wenig mit Duffy, bis er sich wieder aufsetzen durfte. Der Hund blieb auf seinem Schoß liegen – das war seine Art sicherzugehen, dass Mal auch an Ort und Stelle blieb.

„Wenn ich mich bewegen könnte“, sagte Mal zu seiner Schwester, „würde ich dich auch begrüßen.“

„Willkommen zu Hause“, sagte Dana. „Ich habe dich nicht vor morgen erwartet.“

„Ich habe einen früheren Flug bekommen und Martin kümmert sich um den Rücktransport unserer Ausrüstung. Man, es ist so schön, wieder zurück zu sein.“

Duffy vergrub seine Schnauze in Mals Halsbeuge. „Schluss jetzt, Duff“, sagte Mal und rappelte sich wieder auf.

„Du hast ihm gefehlt“, sagte Dana.

„So, wie du ihn bemutterst, hat er mit Sicherheit keinen Gedanken an mich verschwendet, seit ich weg bin.“

„Ich war jeden Tag mit ihm draußen, er hat in letzter Zeit sogar ein wenig abgenommen.“

Mal beugte sich zu Duffy hinunter und tätschelte ihn. „Ich brauche jetzt erst mal einen Drink und eine heiße Dusche. Danach fahre ich wieder in die Stadt – es ist viel zu lange her, dass ich es mir habe gut gehen lassen.“

Es war ein ungeschriebenes Gesetz in seinem Business, dass man nie etwas mit einem Expeditionsteilnehmer anfing – egal, wie attraktiv er oder sie auch sein mochten. Unterwegs hatte er im Grunde nur eine einzige Aufgabe: Seine Kunden heil wieder nach Hause zu bringen. Denn er trug die Verantwortung für seine Truppe, vor allem auf unwegsamem Gelände, und so war Sex auf diesen Touren eine Ablenkung, die er sich nicht leisten konnte. Außerdem war er auch ein wenig abergläubisch und wollte den Berggöttern gegenüber nicht respektlos sein.

Das bedeutete für Mal allerdings auch, dass er automatisch quasi zölibatär lebte, wenn er auf Tour ging. Doch sobald er wieder zu Hause in Raglan war, änderte sich das schlagartig. Raglan war ein sehr begehrter Surf-Spot, hier fanden sich immer gutaussehende Mädels, mit denen man unverbindlich Spaß haben konnte.

Mal und seine Brüder waren für ihr gutes Aussehen bekannt, und dennoch gab es auf der Nordinsel nicht viele Frauen, die sich langfristig für einen von ihnen interessierten. Denn wer wollte sich schon ernsthaft auf einen Mann einlassen, der gute zehn Monate im Jahr unterwegs war, egal, wie gut er im Bett auch sein mochte. Nicht, dass Mal darüber unglücklich gewesen wäre. Er hatte sich selbst auch noch nie für etwas Langfristiges interessiert, sein Leben war ziemlich perfekt, so wie es war. Und er war nicht bereit dazu, dieses Leben für eine Frau aufzugeben – egal, wie gut sie im Bett auch sein mochte.

Außerdem hatte er das Familienunternehmen zu leiten. Jede Minute, die er mit einer Frau verbrachte, fehlte ihm, um sich um neue Kunden zu kümmern, um Maximum Adrenaline bekannter zu machen und um neue Routen zu entwickeln, die er anbieten konnte.

„Irgendwelche Nachrichten für mich?“, fragte er seine Schwester, als er sich endlich von Duffy lösen konnte.

Während er auf die Haustür zusteuerte, blieb Dana wie erstarrt am Fuße der Verandatreppe stehen. Mal drehte sich zu ihr um und bemerkte erst jetzt ihren schmerzerfüllten Blick. Sein Magen drehte sich um und er zog scharf die Luft ein. Etwas musste passiert sein. „Was ist los?“

Ryan war mit einem australischen Filmteam im Himalaya und Roger in Alaska unterwegs – beide Trips hatten ihre Gefahren. Und dann waren da ja auch noch die circa hundert weiteren Guides, die über das Jahr hin für Maximum Adrenaline tätig waren. „Wer ist es?“

„Dad“, murmelte sie.

„Dad?“, wiederholte Mal ungläubig. Ihr Vater war in diesem Frühjahr seit zwanzig Jahren tot, gestorben irgendwo unterwegs zum Gipfel des Mount Everest.

Seine Schwester nickte und schien mit den Tränen zu kämpfen. „Sie haben seine Leiche gefunden.“

Mal stockte der Atem. „Wann?“

„Vor drei Wochen. Auf Gary Branbauers Tour. Die Schneedecke war dieses Jahr nicht so dick, beim Abstieg haben sie etwas Buntes im Schnee entdeckt. Das war er.“

„Woher wollen sie das wissen?“

„Sie haben ein Foto gemacht und die GPS-Daten durchgegeben, Roger Innis hat die Daten bestätigt. Die Medien sind wie verrückt seitdem.“

„Warum hast du mir denn nichts davon erzählt?“, fragte Mal ungläubig. Er und Dana hatten in den vergangenen drei Wochen mindestens vier oder fünfmal per Satellitentelefon miteinander kommuniziert. Und in den letzten zwei Tagen hätte ihn auch jede E-Mail erreicht.

„Ich wollte warten, bis du wieder hier bist. Roger und Ryan habe ich auch noch nichts erzählt – aber so, wie die Geschichte die Runde macht, wissen sie es wahrscheinlich auch schon, bevor ich es ihnen persönlich sagen kann.“

„Und Mom, weiß sie es?“

Dana nickte. „Ihr ist der Trubel etwas zu viel geworden. Die Medien wollen alle mit ihr sprechen, aber sie hat bisher jeden Kommentar verweigert. Sie wird das Wochenende bei mir verbringen.“

Dass die Medien sich auf die Geschichte stürzten wie die Geier, lag nahe. Maxwell Quinn war einer der berühmtesten Bergsteiger seiner Generation gewesen und gehörte Anfang der Neunziger zu dem kleinen Kreis derjenigen, die die Seven Summits, die sieben höchsten Gipfel der Welt, innerhalb eines Jahres bezwungen hatten. Roger Innis hatte die mediale Aufmerksamkeit nach dem Tod seines Partners genutzt und die Geschichte, dass Max angeblich bei der Rettung eines Expeditionsteilnehmers ums Leben gekommen war, geschickt zu Werbezwecken eingesetzt. Outbound Adventure war danach zu einer der führenden Outdoor-Agenturen geworden.

Erst im Nachhinein wurde offenbar, wie einseitig die geschäftlichen Vereinbarungen zwischen Max und Innis waren – und Lydie Quinn blieb nach dem Tod ihres Mannes quasi nichts von der Firma. Alles fiel an Innis, und dann stellte sich auch noch heraus, dass die Lebensversicherung, die Max über die Firma abgeschlossen hatte, seit Monaten von Innis nicht mehr bedient worden war. Lydie musste also ihr kleines Haus in Rotura verkaufen und mit ihren Kindern nach Auckland ziehen, wo sie bei Mals Großeltern unterkamen.

Die Kinder hatten das Erbe ihres Vaters jedoch nie vergessen können, und als sie alt genug waren, hatten sie ihre eigene Agentur gegründet und sie in Erinnerung an ihren Vater Max benannt – Maximum Adrenaline. Ihrer Mutter zuliebe hatte allerdings keiner von ihnen je den Everest bestiegen, was ihnen jedoch einen gewissen Nachteil auf dem Outdoor-Reisemarkt verschaffte. Vor allem verglichen mit Innis Agentur, die jede noch so riskante Tour anbot und dadurch große mediale Aufmerksamkeit bekam.

Die nun auch ihnen zuteil wurde, wie es schien.

Mal setzte sich auf die Stufen der Verandatreppe und fuhr sich nachdenklich mit den Fingern durchs Haar. „Ich weiß nicht recht, was ich sagen soll.“

„Leider werden wir uns bald etwas einfallen lassen müssen. Wir müssen eine öffentliche Erklärung abgeben, irgendwann.“

„Alles klar. Der nächste, der Fragen stellt, soll mich auf dem Handy anrufen und ich regle das.“

„Da ist noch etwas“, murmelte Dana. „Innis will eine Expedition starten und Dads Überreste bergen.“

Mal fühlte sich, als hätte ihm jemand in den Bauch geboxt. Er konnte nicht atmen. „Was zur Hölle soll das? Was fällt ihm ein? Seinetwegen ist Dad tot – denkt er, dass er es wiedergutmachen kann, wenn er ihn jetzt rettet? Das wäre vor zwanzig Jahren sein Job gewesen.“

Damals waren nach und nach Gerüchte über Innis Rücksichtslosigkeit, die Sicherheit seiner Partner betreffend, aufgekommen. Es hieß, dass es letztlich seine Entscheidungen gewesen waren, die Max Quinn in den Tod getrieben hätten. Aber das waren nur Gerüchte; niemand außer Roger Innis und Mals Vater kannte die wahre Geschichte.

Dana umarmte Mal und lehnte den Kopf an seine Schulter. „Lass ihn reden“, sagte sie. „Du weißt doch, wie er ist – er macht aus allem ein Geschäft, wenn es ihm Aufmerksamkeit bringt. Erst letzten Monat war er mit seiner Antarktis-Expedition auf dem Titel vom High Adventure.“

„Auf dem Titel?“, stieß Mal wütend hervor. „Wie zur Hölle hat er das schon wieder geschafft?“

Mal versuchte seit Jahren, im High Adventure Magazin unterzukommen. Er war überzeugt davon, dass ihm eine Reportage in dem amerikanischen Hochglanzmagazin haufenweise neue Kunden einbringen könnte. „Ich wette, dass er sich mit dieser haarsträubenden Geschichte wieder eine Titelstory erhofft.“

„Vor kommendem Frühjahr kann er den Everest sowieso nicht besteigen, dann muss er sich noch um all die Papiere kümmern und so weiter – bis er soweit wäre, ist das Interesse längst verklungen.“

„Er will an Dads Tourenbuch ran“, knurrte Mal. „Innis weiß genau, dass er es immer bei sich getragen hat. Er fürchtet sich bestimmt vor dem, was darin steht. Immerhin hat es ihn Jahre gekostet, seine Weste nach der letzten Tour mit Dad wieder völlig rein zu waschen. Das wird er um nichts in der Welt gefährden.“

Das Telefon klingelte und Dana stand auf. „Wahrscheinlich wieder so ein Journalist.“

„Soll ich mich drum kümmern?“, fragte Mal.

„Nein, du bist doch eben erst angekommen. Entspann dich ein wenig, ich sage einfach, was ich seit drei Wochen sage: Kein Kommentar. Auch wenn sie das nur noch gieriger werden lässt.“ Sie warf ihm einen nachdenklichen Blick zu. „Vielleicht sollten wir ein Interview geben, wir alle, mit Mom. Maximum Adrenaline könnte es nicht schaden – und Innis würde sich schwarz ärgern.“

„Vielleicht“, murmelte er.

„High Adventure hat übrigens auch schon dreimal angerufen in den letzten Tagen. Ich habe der Dame gesagt, dass du morgen wieder hier sein wirst – vielleicht solltest du mit ihr sprechen.“

Ein großer Artikel über ihren Vater und das Familienunternehmen könnte sie endlich aus Roger Innis’ langem Schatten heraustreten lassen. Vor allem, wenn sie sich zu einer eigenen Expedition aufmachten – und vielleicht war es an der Zeit, dass sie die Wahrheit über die verhängnisvolle letzte Tour ihres Vaters herausfanden.

Aber wollte er das denn? Es würde doch nichts ändern. Sein Vater wäre weiterhin tot. Und es würde seine Mutter dazu zwingen, alles noch mal zu durchleben. Außerdem hatte er ihr versprochen, dass weder er noch eines seiner Geschwister je den Everest besteigen würden. Es gab genug Gründe, um zu Hause zu bleiben.

Und dennoch konnte Mal sich der Frage nicht erwehren, ob die Wahrheit – die Wahrheit darüber, wie sein Vater ums Leben gekommen war – ihm und seiner Familie nicht dabei helfen könnte, einen Schlussstrich unter das Leiden der letzten zwanzig Jahre zu ziehen. Würde er die Antworten, die er suchte, im Tourenbuch seines Vaters finden? Hatte sein Vater dort vielleicht sogar Abschiedworte formuliert, bevor er in den Bergen zu Tode gekommen war? So viele Fragen.

„Ich werde Mom besuchen“, sagte Mal und stand auf. „Danach fahre ich nach Hause und hole die Dusche und den Drink nach.“

„Wolltest du nicht feiern gehen?“, fragte Dana und lächelte ihn an.

„Das muss vielleicht erst mal warten“, sagte Mal, ebenfalls lächelnd, und ging zu seinem Wagen zurück.

Er winkte seiner Schwester zu, die mit Duffy an ihrer Seite noch lange vor dem Haus stehen blieb. Mal versuchte, sein Leben relativ unkompliziert zu gestalten. Dass der wirtschaftliche Druck, der auf dem Familienunternehmen und ihm lastete, in letzter Zeit immer stärker geworden war, konnte er jedoch nicht ignorieren. Eigentlich blieb am Ende der Touren nie genug übrig. Beinahe jeden Monat musste er zusehen, überhaupt seine Miete zusammenzubekommen. Und wenn die Finanzen mal stimmten, investierte er das Geld direkt in neue Ausrüstung und Material für die Touren.

Er zog ein paar Scheine aus seiner Tasche. Es war das Trinkgeld, das er und die anderen Guides untereinander aufgeteilt hatten. Es war genug, um es sich einen Abend lang gut gehen zu lassen – den Rest würde er für offene Rechnungen beiseite legen müssen.

„Na hoffentlich wird das eine verdammt gute Nacht heute“, murmelte er. „Ich kann nämlich keinen einzigen Tag mehr wie ein Mönch leben.“

„Hey, Billy Finster! Ich brauche einen Drink – und zwar einen großen, ich bin unfassbar durstig!“

Die tiefe, männliche Stimme schallte durch den leeren Pub. Amy Engalls sah von ihrem Laptop auf und erblickte den großen Mann, der direkt auf den Tresen zuging. Er trug ein T-Shirt und ausgewaschene Jeans, seine Haare waren in frecher Unordnung, hinter seiner Fliegerbrille waren seine Augen nicht zu erkennen.

Er sah sich um und ließ seinen Blick einen Moment lang auf ihr ruhen. Amy hielt den Atem an. Konnte das Malcolm Quinn sein? Eigentlich sollte er nicht vor morgen zurück sein. Man hatte ihr erzählt, dass er und seine Brüder öfter hier waren, in Brawleys Pub, unweit seines Strandhauses. Deshalb war sie heute hier. Als er sich wegdrehte, holte sie schnell die Mappe mit ihren Rechercheunterlagen aus ihrer Tasche.

Während sie das schöne Gesicht auf dem Foto in ihrer Mappe mit dem Mann am Tresen verglich, atmete sie langsam wieder aus. Er war es.

Einen Sekundenbruchteil später kam der Barkeeper durch die Schwingtüren zur Küche hervor und bestätigte ihre Vermutung. „Mal Quinn, alter Hund, ich habe mich schon gefragt, wo du steckst. In welchem Erdteil hast du dich noch mal rumgetrieben?“

„Grönland“, sagte Mal und setzte sich auf einen der Barhocker.

Der Barkeeper zapfte ein großes Bier und stellte das Glas vor seinen Gast auf den Tresen. „Was zur Hölle gibt es denn in Grönland?“

Mal nahm die Sonnenbrille ab und legte sie auf den Tresen. „Viel Eis. Und Schnee. Und Kälte.“

„Und schöne Frauen?“

Mal lachte. „Ich habe keine gesehen. Es waren nur männliche Teilnehmer auf der Tour, keine Frau weit und breit.“

Billy nickte und schlug mit der flachen Hand auf seinen Tresen. „Und genau aus dem Grund wirst du mich nie da draußen finden. Ich halte es ohne Frauen einfach nicht aus – und sie ohne mich auch nicht.“

„Ohne deine Zigaretten und dein Bier machst du es eh nicht länger als einen Tag“, sagte Mal lachend. „Die harte Wildnis da draußen ist nichts für dich.“

Der Barkeeper runzelte die Stirn und tätschelte seinen eigenen Bauch. „Ich könnte schon in Form kommen und Bier und Zigaretten könnte ich auch ohne Weiteres aufgeben. Du könntest mir dann eine Frauengruppe zuteilen, die würde ich schon unterhalten.“

Amy hörte den beiden dabei zu, wie sie vertraut miteinander scherzten, und überlegte sich bereits, wie sie Mal beschreiben würde. Groß, stolz, gut trainiert. Er war schlank aber muskulös mit breiten Schultern. Sein dunkelbraunes Haar war etwas länger und durcheinander, mit ein paar sonnengebleichten Strähnen. Auf seinem gebräunten Gesicht lag der Schatten eines Bartes.

Ohne Frage war er einer der umwerfendsten Männer, die ihr je begegnet waren. Die Bilder, die sie vorliegen hatte, wurden der Wirklichkeit nicht annähernd gerecht und fingen nicht die Hälfte der Energie ein, die er ausstrahlte. Selbst während er mit seinem alten Freund herumalberte, wirkte er stark und irgendwie hochkonzentriert. Er war ganz offensichtlich ein Mann, der alles aus seinem Leben herausholte und den nichts aufhalten konnte. Der sich vor nichts fürchtete. Genau ihr Typ.

Sie war erstaunt von der Intensität, mit der sie sich zu ihm hingezogen fühlte. Es lag nicht nur an seinem Aussehen – er berührte etwas, das viel tiefer in ihr lag. Vielleicht war es sein starkes Auftreten? In letzter Zeit hatte sie viel darüber nachgedacht, dass ihr selbst so oft der Mut fehlte. Ihr ganzes Leben lang war sie den Weg des geringsten Widerstands gegangen, noch nie hatte sie sich für etwas, das ihr wirklich am Herzen lag, mit aller Kraft eingesetzt.

Bis jetzt, hoffte sie. Denn sie war hier, um ihr Leben zu ändern. Und diese Gelegenheit würde sie sich nicht entgehen lassen, selbst wenn das bedeutete, dass sie diesen unglaublichen heißen Typen einfach ansprechen und eventuell sogar zu etwas drängen musste, das er gar nicht wollte.

Das Telefon am anderen Ende der Bar klingelte und Billy ging hinüber um abzuheben. Amy beobachtete Mal weiterhin von ihrem Tisch aus und grübelte, wie sie ihn am einfachsten ansprechen könnte. Sollte sie einfach die Initiative ergreifen, oder lieber bis morgen warten? Aber was, wenn sie morgen keine Gelegenheit mehr dazu bekäme?

Seit sechs Jahren war sie Journalistin beim High Adventure und es war langsam Zeit für ihren großen Durchbruch. Das Problem war, dass die großen Reportagen von richtigen Abenteurern geschrieben wurden, Leuten, die draußen in der Welt unterwegs waren, die gefährliche Touren wagten und dann ihre Geschichten auch noch brillant erzählen konnten. Sie hingegen war im Vergleich dazu nur ein kleines Mädchen – das allerdings ebenfalls brillant schreiben konnte. Und das zufällig die Tochter des Verlegers war.

Amy wollte eigentlich nie für ein Outdoor- und Abenteuer-Magazin schreiben. Sie wäre glücklich gewesen, wenn sie einfach für eine der vielen Frauenzeitschriften arbeiten könnte, die ihr Vater auch verlegte. Doch es war typisch für ihren Vater, ihr ein unmögliches Ziel zu stecken und zu verlangen, dass sie es erreichte – auch wenn er davon ausging, dass sie scheitern würde. So war es mit Richard Engalls schon immer gewesen. Er wollte, dass seine Kinder sich seiner wertvollen Aufmerksamkeit als würdig erwiesen. Ihr Bruder hatte einen Top-Abschluss gemacht und war selbst ein richtiger Abenteurer geworden. Aber Amy schien da anders gestrickt zu sein. Noch immer kämpfte sie Tag für Tag darum, von ihrem Vater wahrgenommen und wirklich anerkannt zu werden.

Darum war sie ja hier. Amy erkannte eine gute Story, wenn sie vor ihr lag. Und dass sie selbst noch keine großartigen Abenteuerreisen erlebt hatte, hieß doch nicht, dass sie nicht dennoch eine großartige Abenteuergeschichte schreiben konnte, oder? Sie würde ihrem Vater beweisen, dass sie das Zeug hatte, um auf dem Magazin-Markt erfolgreich zu sein. Sie hatte ihre Ersparnisse zusammengelegt und alles auf eine Karte gesetzt. Sie würde eine Reportage über die Quinn-Brüder schreiben. Die biografischen Daten hatte sie bereits zusammen und ausformuliert, hatte die Reisen der Brüder nachrecherchiert und schon hier und da kleinere Artikel über sie geschrieben. Eigentlich boten sie alles, wonach ihr Chefredakteur suchte: eine konfliktbeladene Vergangenheit, tiefe Gefühle, tolle Reiseziele und Abenteurer mit Charakter.

Ihr Chefredakteur hatte nur verächtlich geschnaubt, als sie ihm versicherte, dass sie ein Exklusivinterview bekommen, und dass ihr Vater ihre Expedition finanzieren würde. Aber hinter seiner schroffen Art hatte sie erkannt, dass er die Idee ziemlich gut fand, und dass er sie sich bei nächster Gelegenheit unter den Nagel reißen und ihrem Vater als seine Story unterbreiten würde. Amy war den beiden jedoch einen Schritt voraus. Sie hatte zwei Wochen Urlaub genommen, Mal Quinns Reisedaten online überprüft und war in den Flieger von New York nach Auckland gestiegen.

Sie nahm allen Mut zusammen, stand auf und ging zum Tresen. Sie wollte etwas bestellen, vielleicht würde sich dabei ja ein Gespräch mit Mal ergeben. Als sie beinahe schon neben ihm stand, klingelte sein Handy. Er fischte es aus seiner Tasche, stand auf und ging hinaus.

Amy stöhnte leise auf. Das war wieder typisch. Wenn sie eine Geschichte zu schreiben hatte, konnte sie das Beste aus der Story herausholen, sie richtig spannend werden lassen. Mit Wörtern konnte sie einfach so viel besser als mit Menschen – im Gespräch mit Fremden hatte sie sich noch nie besonders wohl gefühlt. Und schon wieder hatte sie eine Chance vertan, nur weil sie zu lange gezögert hatte. Was, wenn Mal Quinn nicht zurückkam? Schlimmer noch: Was, wenn er doch zurückkam?

Sich mit gut aussehenden heißen Fremden zu unterhalten gehörte nicht zu ihren Stärken. Ihr Herz begann in diesen Momenten immer zu rasen und normalerweise verlor sie dann auch noch ihr rationales Denkvermögen. Es war ein Wunder, dass sie überhaupt schon Liebesbeziehungen gehabt hatte. Von denen bisher jedoch noch keine von besonderer Intensität oder Dauer gewesen war.

Billy, der Barkeeper, kam zurück an den Tresen und Amy setzte sich auf einen der Hocker.

„Was kann ich für dich tun?“, fragte er. „Noch eine Cola?“

„Ich – ich würde gern etwas essen. Kannst du mir was empfehlen?“

„Wir haben heute Muscheln mit Sahnesauce, Lachsauflauf und eine Krabbensuppe. Warmes Essen haben wir allerdings erst in einer halben Stunde. Ich könnte dir aber ein Sandwich anbieten oder schnell ein paar Pommes machen?“

„Ich nehme einfach eine Tüte Chips“, sagte Amy. „Und ein Bier, ein frisch gezapftes.“

Sie brauchte einen Drink, Cola würde ihr jetzt nicht weiterhelfen. Dann hörte sie, wie sich die Tür hinter ihrem Rücken öffnete. Sie wagte nicht, sich umzusehen, und versuchte, besonders locker zu wirken.

Billy stellte ein Bier und einen Korb mit Chips vor sie. „Das macht sechs Dollar.“

„Ich übernehme das.“

Amy erstarrte, als sie die Stimme hinter sich hörte. Langsam drehte sie sich um und ihre Blicke trafen sich. Verdammt, aus der Nähe war er noch viel heißer, als sie dachte. Er hatte etwas Wildes an sich, etwas Männliches. Aus der Nähe roch er bestimmt nach frischer Luft, Seife und Lagerfeuerrauch.

Amy wollte etwas sagen, ihr fehlte jedoch die Luft zum Sprechen. Hastig atmete sie ein und errötete, als er auf sie zukam. Oh ja, er roch wirklich gut.

Sollte sie seine Einladung einfach annehmen? Warum sah er sie so erstaunt an? „Ich – ich habe Geld“, stieß sie schließlich hervor.

„Ich auch“, sagte er und grinste. „Ich war einen Monat nicht hier und komme soeben mit den Taschen voller Trinkgeld zurück und möchte eine Runde schmeißen.“

„Es sind doch nur wir beide hier“, sagte sie.

Er beugte sich verschwörerisch lächelnd zu ihr. „Ich weiß. Ein perfekter Plan, oder?“

„Danke“, murmelte sie und stand mit Bier und Chips in beiden Händen auf. „Und willkommen zurück.“

(wird fortgesetzt!)

Copyright (c) 2014/15 by Kate Hoffmann

Bildrechte: “Alltagsgeschichten (en gros)” (Alltag3.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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KATE HOFFMANN
Die Quinns: Malcom

Kein Sex während einer Expedition, lautet Malcolms Grundsatz! Bis er mit Amy Engalls einen Survival-Trip durch die atemberaubende Landschaft Neuseelands macht. Und jede Regel hat ihre Ausnahme –
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Erscheinungstag: Di, 13.01.2015
Bandnummer: 41
Bestellnummer: 8014150041
Seitenanzahl: 448
ISBN: 9783733750695
E-Book Format: ePUB

Die Quinns: Malcolm
von: Hoffmann, Kate

Über diesen Roman:

Wasser, Proviant, Schlafsack: Gut ausgerüstet tritt die Reporterin Amy einen Abenteuertrip durch Neuseeland an. Der größte Nervenkitzel dabei: Tourenführer Malcolm Quinn. Der will ihr zwar partout kein Interview geben, hat aber mehr Sex-Appeal im Gepäck, als erlaubt …

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Über diesen Roman:

Ein Wintersturm zerstört Zoeys Flugpläne. Wie soll sie jetzt von Chicago nach Seattle kommen? Mit einem Mietwagen, schlägt ihr sexy Flughafenflirt Cameron MacNeil vor. Und mit ihm! Eine riskante Reise durch Schnee und Kälte beginnt – und wird erstaunlich heiß …

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Updated: 3. März 2015 — 21:39

12 Comments

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  1. Ich würde gerne mal wissen, was ihr von der Qualität dieser Leseprobe haltet? – Aber laßt Euch bitte nicht von irgendwelchen Äusserlichkeiten oder Vorurteilen beeinflussen! Was meint Ihr?

  2. Sorry, nicht mein Genre. Hat sicher seine Fans.

    mgg
    Werner

  3. Hast du das Missversteher-Gen gegessen? – Ich meinte nicht das Genre und auch nicht die Geschichte, sondern rein die Routine und Schreibfähigkeit und vor allem die Stilistik!?

  4. Hab dich schon verstanden, Detlef. Aber Sachen, Genre, Themen, die mich nicht interessieren, kann ich nicht neutral beurteilen. Wenn die Langeweile und die innere Ablehnung dominieren, würde ich den nackten Text, also das was du mit Routine/Schreibfähigkeit/Stilistik umschreibst – und ich als handwerkliche Ausarbeitung bezeichnen würde – nicht fair bewerten. Also lasse ich es.

    😉

  5. Das klingt aber sehr unprofessionell.

  6. Nein, das ist einfach nur ehrlich. Warum soll ich mich mit etwas befassen, was mich langweilt und mir meine Zeit raubt? Die innere Ablehnung eines Genre völlig auszuklammern und eine nüchterne sachliche Äußerung von sich zu geben, kostet nun mal Zeit. Und das ist es mir einfach nicht wert. Somit wäre irgendein Kommentar speziell zu dieser Leseprobe unfair, dem Text und der Autorin gegenüber. Es eben nicht zu tun, ist professionell.

    Gruß
    Werner

  7. Mir ist einfach aufgefallen, dass amerikanische Autoren wesentlich proffesioneller schreiben als die deutschen. Slebst so eine Massenware, wie der obige Titel ist meiner Meinung nach wesentlich ausgereifter und fehlerfreier als mir das bei deutschen Titel vorkommt. Irgendwas haben die Amis uns jedefalls voraus, wenn selbst so eine Massenware viel perfekter ist als die vielen Leseproben, die ich sonst so auf den Tisch bekomme!

  8. Was das Genre und die Story angeht, gebe ich dir ja recht, nur als Herausgeber muss ich solche Aufträge natürlich lesen und so ist mir einfach aufgefallen, wie perfekt da alles stimmt und ohne Fehler ist, obwohl ich von einem Roman, der mit drei anderen zusammen in Deutschland als Taschenheft verramscht wird sowas einfach nicht erwartet hätte. Ich hätte da eher sowas erwartet, wie früher die Heftromane vom Niveau her waren. Doch solche Romane von den Amis sind meiner Meinung nach viel besser geschrieben als vergleichbare aus deutscher hand. Wie auch immer können wir uns davon eine Menge abschneiden. Da sieht man mal was das ausmacht, wenn sowas in der Schule oder spätestens in der Uni als Grundfächer angeboten wird. Das war in zu meiner Zeit in Deutschland noch undenkbar, dass sowas hier angeboten wird zu lernen oder zustudieren. Als ich meine ersten Schreibkurse in den späten Siebzigern oder frühen Achtzigern besuchte, die ich privat bezahlen musste, galt ich noch als aboluter Exot. Da haben die Amis sowas bereits in SChule und Uni umsonst angeboten …

  9. Wie viele US-Romane hast du im Original gelesen? Wenn du US-Romane auf deutsch liest, dann stecken da Menschen hinter, die den Text übertragen haben und auf die Besonderheiten beider Sprachen achten. Das kann besser, aber auch schlechter sein. Alleine die Definitionsmöglichkeiten und der Detailgrad der beiden Sprachen unterscheiden sich immens. Und was die Motivation der Schreib- und Rethorikkurse an US-Schulen angeht, dass ist dann nochmals ein brisantes Thema für sich.

  10. Texte im Original lesen? Nein, das mache ich nur in Russisch, Japanisch und Chinesisch! 😉

    Mir ist bei dem Text einfach nur aufgefallen, dass er sich viel runder liest als die anderen Leseproben, die wir im Wettbewerb haben, die lesen sich dagegen allesamt einfach holprig, vielleicht bis auf den finnischen. Da war ich halt überrascht von, weil ich das nicht erwartet hatte…

    Normalerweise würde ich solche 5-Romane in einem Band nicht mit der Beisszange anfassen. Da sieht man mal was Vorurteile sind. Jetzt weiss ich es besser. Wenn sowas mal in meinen Wunschgenres erscheint, greif ich zu für den geringen Preis. Das sind dann ja nur Cent pro Roman.

    Das sich sowas rechnet liegt vielleicht daran, dass die Originalromane bereits so viele Leser haben, die Englscih lesen auf der Welt. Ansonsten scheint es so, als wenn die übrigen Leser auf der Welt ebenfalls in den Genuss kommen, da die je offenbar in 30 weitere Sprachen übersetzt werden, wie mir scheint.

    Das sowas mit Romanen aus deutscher Feder passiert, ist wohl undenkbar. Das sind dann vielleicht einzelne wie der Kehlmann vielleicht. Aber Brot- und Butter-Romane aus deutscher Feder wird man dann so gut wie keine Übersetzungen finden weltweit, schätze ich …

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