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Literatur-Blog

DEUTSCHE BAHN RÜSTET AUF! – Realsatire von Mona Mee

DEUTSCHE BAHN RÜSTET AUF!

Realsatire

von

Mona Mee

Ich bin Lokführer bei der Deutschen Bahn. Jetzt hat sich mein Arbeitgeber eine Reihe von neuen Maßnahmen überlegt, wie sie uns Mitarbeiter motivieren kann, etwas gegen unser Überalterung zu tun. So werden körperliche und geistige Übungen angeboten, die uns dann als Arbeitszeit gutgeschrieben werden. Wer dabei regelmäßig mitmacht, der bekommt am Jahresende einen Gutschein, mit dem man sich was leisten kann, was ansonsten kaum erschwinglich ist. Toll finde ich auch, dass unser lieber Arbeitgeber – immer dann wenn wir unterwegs sind als Lokführer – unsere Frauen von bahneigenen Mitarbeitern betreuen läßt, die dann mit unseren Frauen spezielle geistige und körperliche Übungen vollführen. Denn auch unsere Lieben sollen nicht zu kurz kommen.

Ich bin sehr zufrieden damit, fühle mich jetzt auch richtig gut. Dazu trägt auch der neue Ernährungsplan bei, den wir nun zusammen mit unseren Familienmitgliedern einhalten müssen. Wer da schlampert oder wo vielleicht das eine oder andere Kind sich nicht dran hält, bekommt für diese Zeit keine Krankenversicherung. Und da unsere Kinder und Ehefrauen durch unsere Krankenversicherung unseres Arbeitgebers mitversichert sind, ist der Anreiz Frau und Kinder auf den rechten Weg zu bringen natürlich enorm hoch.

Schön dass nun auch andere Unternehmen mitziehen und es der Deutschen Bahn gleichtun wollen und was für seine älteren Mitarbeiter tun. Schließlich wird der Demografische Wandel in unserer Gesellschaft sich noch weiter verschärfen und dann ist es ungemein wichtig, dass alle älteren Menschen, die noch am Arbeitsprozeß beteiligt sind, ihre Fitness erhalten oder sogar vergrößern. Irgendwann werden wir im Schnitt über hundert Jahre leben und dann wird sich auch die Lebensarbeitszeit weiter nach oben verschieben und wir müssen vielleicht sogar demnächst bis zum Alter von achtzig Jahren arbeiten bevor wir in den Genuss einer Rente kommen. Aber sind wir doch mal ehrlich: Ist es nicht besser, länger zu leben, auch für den Preis, dass wir eben länger im Arbeitsleben stehen, als kürzer zu leben und in Krankheit dahin zu siechen? Also ich finde es richtig, die Menschen dazu zu bewegen, etwas gegen ihr körperliche und geistige Hinfälligkeit zu tun. Die vielen kritischen Stimmen dagegen – wir würden uns in eine normierte Zwangsgesellschaft verändern – die kommen natürlich immer wieder aus der selben politischen Ecke. Wer unvoreingenommen auf die Sache blickt, der wird dann auch irgendwann verstehen, dass man Menschen oft zu ihrem Glück zwingen muß, das ist doch bekannt. Wie stehen Sie eigentlich dazu?

ENDE

Copyright © 2013 by Mona Mee


Bildrechte: Cover-Apokalypsen.jpg © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Lustige und satirische Geschichten aus dem sfbasar” (Lustige-in-schwarz.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite:  http://saargau-arts.de/

BUCHTIPP DER AUTORIN:

Richling, Mathias
Deutschland to go

Verlag :      Ullstein Taschenbuch Verlag
ISBN :      978-3-548-37525-0
Einband :      Paperback
Preisinfo :      9,99 Eur[D] / 10,30 Eur[A] / 13,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 05.09.2013
Seiten/Umfang :      ca. 272 S.
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      04.01.2014
Aus der Reihe :      Ullstein Taschenbuch 37525
Ullstein Sachbuch  37525

Mathias Richling kennt sich aus mit den Schwachstellen unseres Staates. Das Problem: Es werden immer mehr. Steuerverschwendung, Korruption und Wählerbetrug zählen längst zur Routine, um Recht und Moral scheren sich die Parteien und Banken nur noch gelegentlich. Doch es tut sich was! Der Deutsche hat aufgehört, in seiner Mitsprachlosigkeit zu verharren. Er macht Gebrauch von seinen demokratischen Rechten. Der Deutsche ist aufgestanden, nur die alte Politikerkaste klebt an ihren Sesseln. Wie lange noch? Streitlustig und pointiert seziert Richling unsere Gegenwart und wagt einen Ausblick in die Zukunft.

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Updated: 4. Juni 2014 — 23:22

10 Comments

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  1. Ich habe fast die Befürchtung, dass das viele deutsche Mitbürger nichtmal als Realsatire ansehen, sondern die Ideen der Deutschen Bahn, Maßnahmen einzuleiten mit deren Hilfe sie ihre Mitarbeiter noch stärker ausbeuten können, vielleicht sogar als gelungene Idee betrachten. Gibt es weitere Stimmen und Meinungen dazu und auch zur Qualität dieser Kurzgeschichte?

  2. Zu längerer Lebenserwartung und damit wahrscheinlich längerer Lebensarbeitszeit fällt mir nur folgender Witz ein:

    Ein Franzose, ein Italiener und ein Deutscher sterben und stehen gemeinsam vor der Himmelstür. Petrus eröffnet den Hochbetagten aber, dass momentan Überfüllung herrscht, sie noch ein paar Jährchen warten und auf die Erde zurück müssen. Wie regieren die drei alten Männer?
    Der Franzose geht in sein Stammlokal und bestellt sich eine Flasche Rotwein. Der Italiener läßt sich die Haare schneiden und schnappt sich dann ein junges Mädel. Der Deutsche geht in die Apotheke, kauft dort eine Großpackung Doppelherz und geht wieder arbeiten …

    Nein, im Ernst (und nicht als Satire) finde ich einen Satz völlig OK. Zitat: „Ist es nicht besser, länger zu leben, auch für den Preis, dass wir eben länger im Arbeitsleben stehen, als kürzer zu leben und in Krankheit dahin zu siechen? Also ich finde es richtig, die Menschen dazu zu bewegen, etwas gegen ihr körperliche und geistige Hinfälligkeit zu tun.“ Zitat Ende.

    Mitarbeitern – egal welcher Firma auch immer – aber etwas vorzuschreiben, ist nicht der Weg. Hier sollte sich der freie Wille des freien Bürgers wirklich auswirken dürfen. Wer lieber auf der Couch rumgammeln will, soll´s tun. Mancher mag aufgrund eines erschöpfenden Arbeitslebens auch nicht zu mehr in der Lage sein. Diesen sei jedes Jahr in Ruhe und Entspannung mit Respekt gegönnt.
    Alle anderen, die sich fit genug fühlen, irgendetwas zu tun, sollen es tun dürfen. Wer will einem 75-jährigen vorschreiben, dass er tatenlos herumhängt, wenn er geistig und körperlich zu mehr fähig und willens ist?
    Unabhängig davon sollte man nicht vergessen, dass gerade die aktiven Best-Agers gerades die Personen sind, die zeit ihres Berufslebens „am Ball“ geblieben sind und hier ein enormens Fachwissen verloren ginge, würde man es nicht nutzen. Die Formel alt = doof stimmt halt hier schon lange nicht (oder hat so noch nie gestimmt). Es steht nur noch nicht fest, wann dies die Jungspunde begreifen. manche Firmenchefs greifen längst auf diese jahrzehntelangen Berufserahrungen zurück un dnutzen diese Rentner als Coach und Berater für die jungen Arbeitskräfte. Eine Entwicklung, die sich hoffentlich verbreitet.

    mgg
    galaxykarl 😉

  3. Und wo bleibt der Bezug zum Milgram-Experiment: Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität? (Einfach mal auf die oberste Grafik über dem Titel klicken und Buch anschauen!) Ich denke, darauf wollte die Autorin wohl hinaus! 🙂

  4. Die moralisch hohe – und sicher schwere – Kunst des Nein-Sagens. Es fängt schon bei vermeintlich kleinen Dingen an. Hier zwei Beispiele:

    In einem aktuellen TV-Werbespot spielt Mario Adorf einen Schauspieler (der er ja auch ist) in einem Western. Sein Regisseur fordert ihn auf, allerlei Dinge zu tun und Adorf tut dies. Als er schließlich eine Zigarre mit einem Geldschein anzünden soll, sagt er: „Nein, das mach ich nicht. Mit Geld spielt man nicht!“

    Oder aus meinem Berufsleben:
    Ein scheinbar superwichtiger Manager ruft mich aus seinem SL an und fordert mich auf, ihm Fachwissen zukommen zu lassen. Schließlich brauche er das sofort und überhaupt für seine Kunden in Portugal. Der Mann war weder Kunde bei uns, hat noch keine müde Maus bei uns umgesetzt und ich soll ihm Know-How schenken, damit er im Ausland glänzen kann? Und ich ihm auch noch helfe, dort eine Konkurrenz zu MEINEN Kunden in Deutschland aufzubauen? Bin ich blöd oder was? Ich habe abgelehnt. Er war völlig konsterniert: Wir/ich seien ihm als DIE Spezialisten auf dem Gebiet genannt worden und wir würden uns nun weigern, ihm dieses Wissen zukommen zu lassen. Er hat nicht einmal im Ansatz kapiert, dass er einer derjenigen ist, die einheimische Arbeitsplätze vernichten. Nicht mit mir. Mein Chef hat mir lässig lächelnd Recht gegeben.

    Jeder Mensch, ob Arbeitnehmer oder Arbeitgeber, sollte sich hinterfragen, was er mit einer Forderung anrichten kann und noch mal in sich gehen. Auch die Bahn …

    mfg
    Werner ;-))

  5. Aber was lieber Werner, wäre gewesen, wenn du arbeitslos gewesen wärst und das Amt dich als Trainer für solche Leute, die das dann im Ausland umsetzten würden, einsetzen würde? Verweigerst du dich dann auch und nimmst hin, dass dein Geld gekürzt, vielleicht sogar gestrichen wirst. Ist deine Bereitschaft zum Nein-sagen dann noch immer da? Was ist mit all den Arbeitslosen, denen ihr Geld gekürzt wurde, weil sie nicht bereit waren, in einem Calcenter unbedarften Leuten überflüssige Produkte aufzuschwätzen oder sich weigerten in unmoralischen Berufen zu arbeiten? Wo ist die Grenze, wenn dich eine Gelsellschaft zu so etwas zwingt oder du gehst unter?

  6. Ich hätte argumentiert, dass eine solche Zwangsarbeit mehr Arbeitsplätze in Deutschland vernichtet, als dem „Sachbearbeiter“ des Arbeitsamtes klar ist … und um einen anderen Vorschlag gebeten. Hätten die sich gesträubt, kann man heutzutage immer noch an die Öffentlichkeit gehen. Schwachsinn muss man nicht unterstützen.

    Ein früherer Arbeitgeber von mir hat mal nach dem Rasenmäherprinzip 10% Personal gekappt; hat damals auch mich erwischt. Mein – naiver – Gang zum Arbeitsamt endete mit der neidischen Bemerkung des „Beamten“: „Was machen Sie hier so einen Druck? Sie bekommen doch mehr Arbeitslosengeld, als ich verdiene.“ Ich war baff. Kann doch ich nix dafür, dass die Pfeife nix Besseres gelernt hat.

    Eine neue Anstellung hab ich dann nach kurzer Zeit selbst gefunden; vom AA kam gar nichts.

    Was wieder nur unterstreicht, dass man auch gegen Behörden NEIN sagen kann, manchmal sogar muss. Die sind so was von weltfremd und haben keine Ahnung, wie die wahre Geschäfts- und Arbeitswelt aussieht.

    Eine fundierte Ausbildung, lebenslange Weiterbildung und vor allem Spaß und Engagement im Beruf sind ein guter Schutz vor Behördenwillkür und Schikane.

    Mir tun alle leid, die sich dort an der Nase herumführen lassen müssen. Ich kann jedem nur raten, sich selbst um Arbeit zu bemühen, vom AA kommt in den meisten Fällen nur Blödsinn.

    Und von meiner Seite habe ich meinen Söhnen das vorgelebt, was wichtig ist (s.o.). Beide habens mittlerweile gerafft und gehen ihren eigenen Weg. Alle Lehrlinge, die ich bisher betreuen durfte, haben bestanden und stehen in Lohn und Brot. Gerade in den letzten 4 Monaten konnte ich zwei in ihrer Anstellung unglücklichen Berufskollegen zu einer Festanstellung verhelfen. Die Firmen haben mir für die Vermittlung guter Leute gedankt, die Jungs für die wirklich guten Positionen in Vollzeit mit anständigem Lohn.

    Es hilft nicht, immer nur zu jammern und zu klagen, sondern man muss auch selbst mal was wagen und machen. Und noch mal zum NEIN-sagen: Ich habe allerdings beide Seiten auch schon mal vor windigen Partnern gewarnt. Wenn ein Arbeitnehmer säuft oder klaut, sag ich das auch der interessierten Firma. Umgekehrt rate ich von Firmen ab, die Leute nur abzocken. Im Grunde mache ich das, was das AA nicht tut: Ich kenne die Firmen und Arbeitnehmer meiner Branche und kann besser vermitteln als die Typen, die hinterm Schreibtisch hocken und einen „Computer-Kurs“ gaaaanz dringend empfehlen, bzw. vorschreiben.

    Könnte noch 20 Seiten dazu schreiben, aber ich denke, es langt jetzt.

    mgg
    Werner

  7. Macht das nicht nachdenklich, dass der Staat Leute für etwas schult und beschäftigt, die in ihrer Maße einen Haufen Geld kosten, die in großer Zahl nichts von ihrem Geschäft verstehen? Woher kommt sowas? Wollte man nicht mal mit der Umbennung des AA in Jobagentur sowas von Grundauf ändern und eine Arbeit abliefern, die den Namen Jobagentur tatsächlich rechtfertigt? Ich finde nicht, dass das wirklich auf breiter Front gelungen ist. Warum nimmt man dafür nicht Leute, die was vom Geschäft verstehen?

  8. Mir persönlich ist selten soviel Inkompetenz begegent wie auf dem AA. Statt das Geld in sinnlose Maßnahmen reinzustecken, in denen Arbeitslose gequält werden, sollte man stattdessen mit diesem Geld die Mitarbeiter der Jobagentur ausfühlich schulen. Aber auf eine solche Idee kommt man offenbar garnicht in der Politik wie mir scheint …

  9. Job ist eines meiner Hasswörter. Es suggeriert bei mir sofort die Bedeutung von kurzweiliger Beschäftigung. Frei nach dem amerikanischen Prinzip – dass leider viele deutschte Firmen aufgegriffen haben – Hire & Fire. Einen Job hat man, bekommt ihn u.U. schnell und verliert ihn ebenso schnell wieder.

    Manche Leute haben dies für sich selbst auch noch nicht verstanden. „Ich hab ´nen Job.“ hört sich immer ao austauschbar an, was es ja auch bedeutet. Entweder wechseln die Leute ihre Jobs wie andere ihre Unterwäsche oder die Unternehmer tauschen Job-Besitzer durch andere aus, hoffentlich durch besser qualifizierte. Letztere bilde i.d.R. die Stammbelegschaft eines Betriebes; sie sind das wahre Kapital eines Unternehmens.

    Einen Beruf erlernt man, übt ihn aus, man ist im Idealfall von ihm erfüllt, ausgefüllt und glücklich in ihm. Beruf kommt von Berufung. Wie ich unter Kommentar 6 schon gesagt habe, ist eine fundierte Ausbildung das beste Mittel gegen Hire & Fire.

    mgg

    Werner

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