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DER UNFALL – Kurzgeschichte von Alex P. Jandra

DER UNFALL

Kurzgeschichte

von

Alex P. Jandra

Er war sicher, etwas gesehen zu haben!

Ein Kind.

Wegen der blonden Zöpfe und dem kurzen Jeansrock lag die Vermutung nahe, dass es ein Mädchen war.

Und diese Augen!

Eigentlich, so errechnete sein Gehirn, hätte der Wagen sie trotz seiner schnellen Reaktion erfassen müssen.

Hatte sein Ausweichmanöver der Kleinen das Leben gerettet?

Es wäre ein Wunder!

Er hatte einen Aufprall weder gesehen, noch gehört, nicht mal gespürt.

Er hoffte, dass ihr nichts passiert war.

Das wäre fast so schlimm, als hätte er eine seiner eigenen Töchter überfahren.

Und der Schock würde für das Kind hoffentlich eine heilsame Wirkung auf sie haben und dafür sorgen, dass die Kleine achtsamer agiert, wenn sie eine Straße überquert.

Erinnerte er sich überhaupt richtig?

Es ging alles so schnell.

Bruchteile von Sekunden entschieden anscheinend gern über Leben und Tod.

Wenn ja, war auch ihr hellbrauner Teddy in bester Verfassung, um sie zu trösten.

Und sie immer daran zu erinnern, dass auf der Straße Gefahren lauerten.

Tödliche Gefahren.

Seine Annahme, dass beide in Sicherheit waren, war tröstlich.

Obwohl er sich nur als durchschnittlich guten Fahrer sah, war es ihm trotzdem gelungen, dem plötzlich auftauchenden Hindernis auszuweichen.

Er war ein wenig stolz auf sich.

Was würden Laila und Shilaih, die etwa im Alter des Kindes mit dem Teddybären war, sagen, wenn sie von seiner „Heldentat“ erfuhren?

Er lächelte.

Wahrhaftig, er lächelte.

In dieser Situation!

Doch es waren auch Trauer und Wehmut in diesem Gesichtsausdruck vereint.

Wäre auch Karina stolz auf ihn?

Oder würde sie ihre Drohung in die Tat umsetzen, seiner Frau die Wahrheit zu erzählen, ihre Schwangerschaft zu erwähnen?

Eigentlich wollte er das Kind nicht, da die Affäre mit Karina nur diesen einen Quickie lang dauern sollte.

Er bereute seinen Fehltritt und hoffte auf die Vergebung aller Beteiligten.

Die Anspannung ließ etwas nach, die Sache war gelaufen, er konnte nichts mehr tun.

Der Blick durch die Frontscheibe erfasste nur durchgehendes Blau, glitzernd, lockend.

Immer detailreicher wurde das Bild.

Dann schlug der Wagen auf, durchbrach die Wasseroberfläche, wollte nach der Zerstörung der Leitplanke, dem „Sprung“ über die Klippe und der Schwerelosigkeit eines 36-Meter-Sturzes nicht langsamer werden.

Aber er wurde es.

Was Jack jedoch nicht rettete.

Durch die Kollision seines Kopfes mit dem Lenkrad verlor er kurz das Bewusstsein.

Doch dieser „glückliche“ Umstand währte nicht lange.

Der Schmerz seines eingeklemmten und vermutlich gebrochenen Beins holte ihn in eine Realität zurück, in welcher sein Oldtimer langsam voll Wasser lief, da das Fenster auf der Beifahrerseite zwecks Abkühlung einen Spalt offen stand.

Nun, Abkühlung gab es jetzt mehr als genug.

Wäre er doch nur langsamer gefahren.

Durch das Leben zu hetzen kostete ihn nun wertvolle Zeit, die er eigentlich einsparen wollte.

So der Plan.

Er blickte nach rechts, doch er ertrug den Blick der toten Augen, die ihn bis vor Kurzem fasziniert hatten, nur für einen Wimpernschlag.

Zumindest war jemand an seiner Seite, wenn der Sensenmann sich um ihn kümmerte.

Obwohl ihn dieser Umstand nur bedingt trösten konnte.

Dass ihm sein anderer Seitensprung, die leblos und etwas verdreht im Gurt des Beifahrersitzes hängende Gabriella, ihren vorzeitigen Tod nach achtzehn Lebensjahren verzeihen würde, nun, dies wagte er zu bezweifeln.

Junge Leute waren sehr eigen darin, was das Verschwenden ihrer Zeit betraf.

Während die vierunddreißig Jahre seines Lebens im Zeitraffer abgespult wurden, was er sich nicht ansehen wollte, weil er Wiederholungen hasste, verfluchte er sich selbst, das Glück seiner Familie für etwas verbotene Liebe, welche eigentlich nur Sex beinhaltete, zerstört zu haben.

Und er durfte sich ausgiebig Vorwürfe machen, während sein Körper den verzweifelten Versuch unternahm, für immer die Luft anzuhalten.

ENDE

Copyright © 2012/2015 by Alex P. Jandra für Text und Eingangsgrafik / -Cover zur Geschichte.

Bildrechte: Besinnliche Momente und Reflexionen” (Besinnlich-die-zweite.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Buchtipp des Autors:

Gefangen in den Träumen des Traummeisters (Kartoniert)
Band 1: Start ins Ungewisse
von Jandra, Alex P.
.
Verlag:  Elvea
Medium:  Buch
Seiten:  320
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  Print 2014 / ebook: Juni 2015
Maße:  185 x 135 mm
Gewicht:  373 g
ISBN-10:  3945600200
ISBN-13:  9783945600207

Beschreibung
Wenn man morgens aufwacht und sich in einer Höhle wiederfindet, statt in seinem Bett, dann ist das schon beängstigend. Wenn man später erfährt, dass man sich nicht mehr auf seinem Heimatplaneten befindet, sondern in den Träumen eines schlafenden Gottes, kann einen schon mal die Verzweiflung packen. Aber bei der Aufforderung, eben diesen Gott zu suchen, um ihn zu wecken, der Weg jedoch durch eine von Magie beherrschte Welt führt und offensichtlich nicht ungefährlich ist, zweifelt man an seinem Verstand. Sechs Wesen, darunter ein Kölner Student, passiert eben dies und nun sollen sie in den Träumen eines Gottes bis zu einem Ort vordringen, der TABHIRONAKEL heißt. Doch wer sind seine fünf Mitstreiter? Kann er sich auf sie verlassen?

Begleite sie auf ihrer Reise, erlebe unglaubliche Abenteuer voller Magie, Gewalt und Sex. Doch sei gewarnt: Der Tod lauert an jeder Ecke! Und in den eigenen Reihen!  Denn hier stirbt es sich schnell! Ihr wisst doch: Nichts MUSS passieren, doch alles KANN passieren!

Autor
Alex P. Jandra, geboren 1966, lebt seit 1957 in Köln. Anfang der 80-er Jahre lebt er einige Zeit in Israel bevor er wieder nach Deutschland zurück kehrte. Er mag Fantasy, Comics und begeistert sich für Musik. Start ins Ungewisse ist Band 1 der Reihe: Gefangen in den Träumen des Traummeisters.

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Updated: 2. September 2015 — 00:18

5 Comments

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  1. Diese Story finde ich richtig gut. Wie ist eure Meinung zur ersten Kurzgeschichte unseres neuen Community-Autoren?

  2. Gefällt mir auch. Am Anfang dachte ich an einen Roboter, weil sein Gehirn „errechnete“ statt einfach zu denken. Ein wenig Lektorat und das Ergebnis wäre eine richtig runde Sache. Weiter so! lg Werner

  3. Danke für das Lob.
    Was das errechnen betrifft, so gebe ich Werner nur bedingt recht.
    Das Gehirn denkt immer. Wenn es etwas Spezielles macht, z. B. etwas berechnen, dann denke ich, ist das Wort legitim.
    Ich mache ja auch Kopfrechnen und nicht nur Kopfdenken.
    Trotzdem danke für den Hinweis.

    LG
    Alex

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