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DER SESSEL – Erotische Kurzgeschichte von Günter Maria Langhaus

DER SESSEL

Erotische Kurzgeschichte

von

Günter Maria Langhaus

Sie saß in aufrechter Haltung und ließ ihre Augen über den polierten Mahagoni ihres Schreibtisches gleiten, die Maserung gefiel ihr. Aufgeräumt, vor ihr der Apple, zugeklappt, rechts daneben ein Schreibblock, exakt diagonal darauf der Federhalter mit schwarzer Tinte, links ihr ledergefasstes Notizbuch mit dem Jugendstilbildnis der Venus. Langsam hob sie den Kopf, starrte hinaus durch die riesige Glasfront die ihr Büro von der Skyline der Frankfurter City trennte.

„Behnheim, kommen Sie herein!“

Sie hörte wie der Sekretär hinter ihr den Raum betrat, das Klacken seiner Schritte war ihr unangenehm. Der Mann im dunklen Anzug, Nadelstreifen, sie verlangte es so, schob sich in ihr Blickfeld. Der obere Knopf seines weißen Hemdes war geöffnet, keine Krawatte, auch das verlangte sie so. Die dunklen Haare streng nach hinten gekämmt, mit Hairstyler stabilisiert, wie billige Pomade, ein Schauer an Ekel kribbelte über ihren Rücken.

„Madame?“

„Schreiben Sie!“

Behnheim setzte sich auf den Hocker auf der anderen Seite des Schreibtisches, schlug die Beine übereinander und legte seinen Block auf sein Knie, erwartungsvoll sah er sie an.

„Sehr geehrter Herr Dhogenfeldt“, diktierte sie, „das Büroensemble das Sie mir haben zukommen lassen entspricht nur bedingt meinen Vorstellungen. Die von Ihnen zugesagte Bequemlichkeit ist in aufrechter Sitzposition durchaus gegeben. Aber um die Effizienz der Synapsen zu steigern ist es, wie Sie sicherlich wissen, u.U. durchaus erforderlich eine entspanntere Haltung einzunehmen. Das Herunterfahren der Rückenlehne funktioniert problemlos, dabei zwingt die Kopfstütze stets zu einer angewinkelten Haltung von Hals und Kopf, ihn frei in den Nacken zu legen ist erst nach Entfernung derselben möglich. Bitte entfernen Sie die Nackenstütze.“

Behnheim sah zu ihr auf. “Wie bitte, Madame?“

„Ich habe Sie gebeten die Nackenstütze zu entfernen.“

Er legte seinen Block auf die Mahagoniplatte, erhob sich um sich hinter ihren Sessel zu begeben. Umständlich entfernte er die Halterungen und führte ihre Anweisungen aus, das abmontierte Polsterstück legte er auf den Boden und ging zurück auf seinen Platz. Mit einer eleganten Bewegung zog sie die Elfenbeinnadel aus ihrem Haar, eine sanfte Bewegung ihres Kopfes gab ihre wallende schwarze Mähne frei, die sie nun über die Rückenlehne des Sessels fallen ließ, mit geschlossenen Augen genoss sie die gestreckte Position ihres Oberkörpers.

„Auch an die Stellung der Beine haben Sie nicht gedacht“, fuhr sie fort, und Behnheim beeilte sich, seinen Block wieder in die Hand zu nehmen. „Ich bin überzeugt, dass in Ihrem Hause die Notwendigkeit einer zwischenzeitlichen Entspannungshaltung nicht erkannt wurde. Ich muss feststellen, dass bei abgesenkter Rückenlehne der Halt nicht gegeben ist, was zwangsläufig ein unschickliches Verrutschen des Rockes bedingt, von den Verknitterungen des Stoffes ganz zu schweigen. Aber wahrscheinlich sind in ihrem Betrieb keine Damen in Führungspositionen, sodass Ihnen diese Problematik fremd erscheint. Aber bitte stellen Sie sich die Peinlichkeit der vor dem Schreibtisch sitzenden Mitarbeiter vor“, und während sie ihren Body dezent nach unten rutschen ließ, hob sie den Kopf: „Haben Sie nicht gehört, Behnheim?“

„Wie bitte, Madame?“

„Wie bitte, Madame“, äffte sie ihn nach und rutschte noch ein Stückchen.

Verlegen senkte Behnheim den Blick. Ihre maßgeschneiderten Pumps berührten fast seinen Hocker und er konnte nicht umhin, ihre makellosen Beine zu bewundern, eingehüllt in dunkle Seidenstrümpfe, halterlos wie er feststellen konnte.

„Dieser Umstand erfordert es, sich mit den Füßen Halt zu verschaffen … Behnheim!“

„Ja, Madame?“

„Konzentrieren Sie sich! Dieser Umstand erfordert es“ … Behnheim kritzelte wieder in seinen Block … „ sich mit den Füßen Halt zu verschaffen, was insbesondere dann unmöglich ist wenn das Schuhwerk zwecks Entspannung abgelegt wird“, und mit diesen Worten streifte sie ihre Pumps ab. „Ich vermute es ist Ihnen nicht möglich, die emotionale Situation einer Frau in dieser Position nachzuvollziehen; dafür dürfte es Ihnen leicht fallen, in die gedanklichen Obszönitäten des vor ihr sitzenden Betrachters einzutauchen. Absatz. Halt gibt erst eine unbekleidete Fußsohle, was ein Ablegen der Strümpfe erforderlich macht.“

Sie legte den Kopf wieder in den Nacken, wartete.

„Behnheim! Sind Sie taub?“

„Nein, Madame.“

„Wiederholen Sie!“

„Halt gibt erst eine unbekleidete Fußsohle, was ein Ablegen der Strümpfe erforderlich macht“, las Behnheim aus seinem Block. Seine Adern pulsierten, Schweißperlen bildeten sich an seinen Schläfen.

„Dann tun sie das doch bitte auch!“

Er rückte mit dem Stuhl ein Stückchen nach hinten, umständlich bückte er sich und zupfte an der Spitze ihres linken Strumpfes.

„Vorsichtig! Sie beschädigen die Seide!“

Hilflos sah er zu ihr rüber, sie hatte ihren Kopf noch immer in den Nacken gelegt, deutlich wölbten sich ihre Brüste unter der weißen Bluse.

„Ist Ihnen klar“, diktierte sie wieder, „in welche Verlegenheit es eine Frau bringen kann, ihre Strümpfe abzustreifen? – Behnheim, haben Sie das?“

„Nein, Madam, ich bitte um Verzeihung. Ich schreibe“, und hastig griff er nach Schreiber und Block.

„Vermutlich nicht“, fuhr sie fort, „aber ich will es ihnen erklären: Die Strümpfe werden von oben nach unten aufgerollt. Absatz. Des Weiteren lässt es Ihre Sitzkonstruktion nicht zu, die Beine entspannt nach oben zu legen um den bei der Weiblichkeit noch vorhandenen grauen Zellen eine gerechte Durchblutung zu gewähren. Sie werden verstehen … Ich warte, Behnheim!“ kommandierte sie mit scharfer Stimme und wiederholte: „Sie werden verstehen, dass Ihr Mobiliar  …  nein, anders …“

Während sie nach Formulierungen suchte rutschte Behnheim mitsamt Block und Schreiber von seinen Schemel, auf den Knien näherte er sich unter dem Schreibtisch dem Bund ihrer Strümpfe, vorsichtig rollte er erst den linken, dann den rechten ab bis zu ihren Füßen, dunkelrot lackierte Nägel.

„Sie werden verstehen“, diktierte sie wieder, „ dass ich in dieser Art und Weise Ihres Angebotes …  Behnheim? Können Sie noch folgen?“

Verzweifelt versuchte er in seiner unbequemen Lage das Diktat weiter aufzunehmen, vor seinen Augen der durchsichtige Spitzenslip, wülstig schimmerten ihre Schamlippen durch den angefeuchteten Stoff, immer wieder berührte er in der Enge unbeabsichtigt ihre Schenkel, die sie zunehmend weiter öffnete.

„Nein,“ korrigierte sie sich, „schreiben Sie noch mal: Wenn Sie weiterhin ihre weibliche Klientel bedienen wollen, dann können Sie sich nicht auf das rein Funktionale beschränken. Sie müssen auch ihre emotionale Bedürfnislage befriedigen. Und die ist in Ihrem derzeitigen Angebot nur in stümperhafter Weise berücksichtigt … haben Sie das, Behnheim?“

„Jaja, jaja!“

„Wie bitte? Ich verstehe Sie nicht. Benutzen Sie doch bitte Ihre Lippen und Ihre Zunge wenn Sie mit mir kommunizieren!“

Und nach einer kurzen Weile in Erwartung des Genusses diktierte sie weiter: „Daher werden Sie verstehen, mein lieber Herr, dass ich mich in Zukunft an eine Anbieterin wenden werde, die sicherlich eher in der Lage sein wird, sich in meine Bedürfnislage hineinzuversetzen.“

Sie schlug ihre Schenkel zusammen, zynisch zuckten ihre Mundwinkel. Behnheim war gefangen, ihr feuchtes Fleisch raubte ihm die Luft zum Atmen, hilflos fuchtelte er mit den Armen, der Block fiel zu Boden.

„Haben Sie nicht verstanden, Behnheim? In Anbetracht Ihrer ungenügenden Fähigkeiten will ich mich an eine Anbieterin wenden!“ Und mit diesen Worten öffnete sie die Klammer ihrer Schenkel. Spöttisch lächelnd beobachtete sie, wie sich der pomadeverschmierte Schopf von unten her an der Schreibtischkante erhob, die rechte Augenbraue war verklebt, Nase und Mund mit duftendem Schleim benetzt. Welche Verschwendung, dachte sie, dieses kostbare Elixier in diesem unbedarften Gesicht.

Hastig stolperte Behnheim zur Tür.

„Ihr Block!“

Mit dem Fuß kickte sie ihn unter dem Schreibtisch hervor.

„Und bitten Sie Frau Zodiak in mein Zimmer!“

Als er draußen war stand sie auf, entkleidete sich und platzierte ihre wohlgeformten Backen stilgerecht auf der Mahagoniplatte in Erwartung des lustvollen Rausches.

-ENDE-

Copyright (C) 2014 Text und Eingangsgrafik by Günter Maria Langhaus

Bildrechte: “Erotische Abenteuer – verschiedenster Welten” (Erotik-etwas-heller.jpg) © 2014 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

Die Reise nach Namibia (Kartoniert)
Erotischer Roman
von Langhaus, Günter Maria

Verlag:  Fouque (Frankfurter) Literaturverlag
Medium:  Buch
Seiten:  243
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  September 2014
Maße:  146 x 208 mm
Gewicht:  328 g
ISBN-10:  3837214834
ISBN-13:  9783837214833

Kurzbeschreibung
53 lange Tage liegen vor einem Paar, das sich von Deutschland aus mit dem Auto auf den Weg durch Afrika macht. Der Protagonist möchte nach kurzem Aufenthalt in Lübeck zurück nach Namibia. Doch welches Geheimnis hütet seine Begleiterin? Ist sie die Rühr-mich-nicht-an, als die sie sich immer gezeigt hat? Oder eine Nymphomanin, die ihre sexuellen Bedürfnisse nur schwer unter Kontrolle halten kann? Das enge Zelt, die Hitze Afrikas und die Schönheit dieses Kontinents lassen eine intensive Nähe entstehen, in der sich die beiden Stück für Stück offenbaren können. Psychisch wie physisch legen sie Hemmnisse ab, bis sie ihre Seelen und Körper vollkommen nackt voreinander zeigen. Schamlos und frei wird die Kommunikation zur Erotik und der Sex zur Sprache. Zärtlichkeit, Abgründe aus Wut und Gewalt sowie hemmungsloser Sex unterliegen keiner Zensur.

Autor
Günter Maria Langhaus wurde 1950 in der Nähe von Köln geboren, Abitur 1971, anschließendes Studium der Biologie und Landwirtschaft an verschiedenen Universitäten Deutschlands. Seine berufliche Tätigkeit als Berater ließ ihm immer wieder Zeit für längere Reisen, unter anderem in den arabischen Raum sowie in das südliche Afrika. Diese Reiseerlebnisse einerseits und die Erfahrungen der sexuellen Revolution Anfang der Siebziger andererseits waren entscheidende Faktoren, die ihn zu seinem Erstlingswerk „Die Reise nach Namibia“ inspirierten.

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5 Comments

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  1. Vielleicht sollte ich das Gewerbe wechseln? 😉

  2. Willkommen im Kreis unserer Autoren.

  3. Ich als Frau fühle mich nicht erotisiert von dieser Kurzgeschichte. Bei Euch Männern dürfte das bestimmt anders aussehen, oder??? 🙂

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