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DER KORREKTURBUTTON – Eine phantastische Kurzgeschichte von Günther Kurt Lietz

DER KORREKTURBUTTON

Eine

phantastische Kurzgeschichte

von

Günther Kurt Lietz

Das war schon einer dieser einmaligen Zufälle, dass er diesen Button auf der Straße gefunden hatte. Er lag da einfach so herum – groß, rund und glänzend. Ein schöner Button. Und in poppigen gelben Buchstaben hatte jemand „Korrektur“ auf den Button gedruckt. Lukas hatte ihn aus Neugierde aufgehoben und sich dann ans Shirt gesteckt. Er mochte Buttons. Und dieser hier brachte vielleicht Glück.

Und tatsächlich. Lukas war ganz überrascht. Der Button brachte Glück. Nicht im herkömmlichen Sinne. Nein, das nicht. Aber der Button hatte besondere Fähigkeiten. Magische Fähigkeiten. Er konnte Fehler korrigieren.

Lukas war durch Zufall darauf gestoßen. Er hatte bei Frau Weinerl morgens Brötchen gekauft. Zum Frühstück. Frau Weinerl fragte ob er drei Brötchen mehr wollte. Kostenlos, als Geschenk. Und Lukas sagte ja. Mit einem „Danke“ hatte er die Bäckerei verlassen. Die kleine Papiertüte war prall mit den Brötchen gefüllt. Und kaum war er die zwei Stufen auf den Bürgersteig hinuntergegangen, da riss das Papier auch schon und die ganzen warmen Brötchen purzelten über den dreckigen Boden.

„Ach, es war ein Fehler drei Brötchen mehr zu nehmen.“ Kaum hatte er den Gedanken ausgesprochen, da stand er schon wieder oben auf den Stufen und in seiner Hand die Tüte mit den Brötchen. „Aber was, aber nein, aber …“ Lukas war verwirrt. Er sah in die Tüte hinein und – drei Brötchen fehlten. Der Fehler war korrigiert. Und das hatte der Button getan. Einfach so. Aber Lukas ahnte davon noch nichts.

Er wurde sich der magischen Kraft des roten Buttons mit der gelben Schrift erst richtig bewusst, als weitere Dinge in seinem Leben plötzlich korrigiert wurden. Lukas neigte dazu jedes Fettnäpfchen zu treffen, dass in seinem Weg stand oder auch daneben. Notfalls ließ ihn das Schicksal auch mal einen Umweg gehen, nur damit er mal wieder hineintrat. Doch die kleinen Fettnäpfchen, die kleinen Fehler in seinem Leben, die wurden korrigiert wenn er den Button angesteckt hatte. So wie an dem Morgen als er die Brötchen bei Frau Weinerl gekauft hatte.

Natürlich begann Lukas die Macht des Buttons zu ergründen. Er fand heraus, dass es für die Größe des Fehlers keine Grenzen gab. Auch Zeit spielte keine Rolle. Lukas musste in seinem Kopf nur an den Fehler denken und ihn ehrlich bereuen. Und es gab so einige Sachen, die er bereute. Vor allem seine Fehlentscheidungen. Und die korrigierte er nun.

Lukas war egal woher der Button kam. Oder warum ausgerechnet er ihn gefunden hatte. Stattdessen saß er in seinem neuen Büro, surfte durchs Internet und sah zu, wie seine Aktien im Wert stiegen. Die Schule zu schmeißen war ein Fehler gewesen. Und sein Leben änderte sich. Das Medizinstudium stellte sich als Fehler heraus. Und es wurde korrigiert. Einige Investitionen an der Börse waren große Fehler. Und der Button korrigierte sie. Die Sache mit dem Rennauto war sogar ein sehr schmerzlicher Fehler und wurde prompt korrigiert.

Die Macht des Buttons streichelte Lukas Ego und mit der Zeit verlor er den Bezug zur Realität. Er lebte ein Bilderbuchleben, konnte sich alles erlauben und hatte stets Erfolg. Das er manchmal mehrere Versuche brauchte, das erfuhr niemand. Das galt auch für Maritta, seine neue Freundin und Fotomodell. Der Button musste drei Tage lang die Fehler korrigieren, dann endlich hatte Lukas die Frau seiner Träume erobert. Maritta stellte sich allerdings als Fehler heraus, so wie viele andere Frauen auch. Jedenfalls war Lukas fest davon überzeugt und der Button korrigierte umgehend.

Und dann lernte Lukas Bea kennen, die süße Bedienung vom Café um die Ecke. Bea war niedlich, sensibel, hatte eine tolle Figur und Humor. Und sie betete den Boden an, auf dem Lukas wandelte. Immerhin machte er immer alles richtig und das imponierte Bea. Jedoch, irgendwann wurde sie Lukas langweilig. Wie alle anderen Frauen auch. Allerdings wollte sich Lukas noch einige Nächte gönnen, bevor er Bea als Fehler abstempelte.

Sein Verhalten änderte sich und das fiel Bea natürlich auf. Sie stellte ihn eines Abends zur Rede und Lukas‘ Antwort war ein Lachanfall. Bea war natürlich verwirrt. Vor allem als Lukas freimütig erzählte, dass er jeden Fehler in seinem Leben korrigieren könne und sich niemand daran erinnern würde. Die Menschen seien für ihn wie Spielsachen. Bea war geknickt und gab ihm eine überraschende Ohrfeige. Lukas taumelte einen Schritt zurück. Er war vollkommen irritiert. Die Beziehung mit Bea war eindeutig ein Fehler gewesen den er bereute. Und trotzdem stand sie noch vor ihm.

Lukas war nun entsetzt und tastete an sein Hemd. Der Button war weg. Durch die Wucht des Schlages hatte er sich gelöst und war zu Boden gefallen. Vorsichtig bewegte sich Lukas auf den Korrekturbutton zu. Und das machte Bea wütend. „Du liebst dieses verdammte Ding mehr als mich!“ Sie schrie ihn an, machte einen Schritt vor und hob den Button auf. „Du bist der größte Fehler meines Lebens!“ Tränen standen in ihren Augen. Sie wollte den Button Lukas gegen den Kopf werfen. Doch Lukas war verschwunden. Alles war verschwunden. Bea stand in ihrer alten Wohnung vor dem Spiegel. Es war der Abend, an dem sie Lukas kennengelernt hatte. Bea starrte auf den roten Button mit den gelben Buchstaben, die Korrektur bedeuteten.

ENDE

Copyright 2011 by Günther Kurt Lietz

Bestelltipp der Redaktion:

BA/CH Button
‚Ach was soll ich Sünder machen?‘

Verlag :      Bosworth
GTIN :      5020679577776
Preisinfo :      1,95 Eur[D] UVP / 2,00 Eur[A] UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
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Seiten/Umfang :      4,0 x 4,0 cm
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Erscheinungsdatum :      03.2011
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Titel bei amazon.de

Button steht für Englisch ‚Knopf‘, im deutschsprachigen Raum bekannt als Anstecknadeln bzw. -plaketten, mit denen man seiner Umgehung die eigene Gesinnung oder bestimmte Ansichten präsentieren kann. Bekanntestes Beispiel waren die ‚Atomkraft – Nein Danke!‘-Buttons. Von Bosworth gibt es jetzt die ‚Classics‘-Button-Serie, mit denen Sie Ihre musikalische Gesinnung präsentieren können.

Classics ist eine neue Geschenkartikelserie von Bosworth Music. Die Serie besteht bisher aus Kaffeetassen, Buttons, Kühlschrankmagneten und T-Shirts. Alle Classics wurden vom Leipziger Zeichner Schwarwel und der Agentur Glücklicher Montag entworfen.

Die Classics-Buttons sind von massiver Qualität und haben eine stabile Anstecknadel auf der Rückseite. Alle Buttons sind ca. 4×4 cm groß. Das Design des BA/CH-Buttons: Das Portrait des ehrenwerten Herrn J.S. Bach in bewährter Hard Rock-Manier, komplett mit Hörnchen und dem Zusatz ‚Ach was soll ich armer Sünder machen’ (Titel der Partita BWV 770). Auch der Namenszug ist stilecht in australischer Formatierung.

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ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

23 Comments

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  1. Wow! Du bist aber flott! 🙂 Und die Story finde ich cool 🙂

  2. Haha, super :D. Gib’s zu, du hast den Korrekturbutton und Bea ist Geschichte!

  3. Schreibt man: Weinerl Morgens Brötchen gekauft. „Morgens“ nicht klein?

    “Ach ist, es war ein Fehler drei Brötchen mehr zu nehmen.” Verstehe ich nicht: „Ach ist“?

    Lukas neigte dazu jedes Fettnäpfchen zu treffen, dass in seinem Weg stand oder auch daneben. – Sollte man nicht lieber schreiben: in jedes Fettnäpfchen hinein zu treten?

    FolgendenSatz finde ich nicht ok: Wobei, irgendwann wurde sie Lukas langweilig.

    So, ich habe die Story gelsen und finde das Ende richtig stark!

    Eine tolle Plotgeschichte!

    Was sagen denn unsere Leser und Communityautoren dazu?

  4. Habe mal was als Kauftipp reingestellt, bitte mal ansehen und kommentieren!

  5. Ich hätte ja den Duden als Kaufempfehlung genommen, aber ist schon in Ordnung. Habe auch die psd-Datei der Nacht wiedergefunden. Wer möchte kann ja ebenfalls eine Button-Story schreiben und sich zwei Farben und eine Schriftart aussuchen, dann passe ich die Grafik mit Photoshop entsprechend an.

    Der Vorteil einer Grafik im Bild ist übrigens, dass Link-Empfehlungen bei Google+ mit der Grafik versehen werden. Könnt ihr euch ja gerne in meinem Stream auf G+ oder in meinem Status auf FB (da bin ich allerdings kaum) angucken. Sieht ansprechender aus und erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Lead-In.

  6. Bekommst du Tantiemen von Google? 😉

  7. Oder vom Duden-Verlag? 😀

  8. Nein, aber Feedback und Klicks. 🙂

  9. Ich habe ja inzwischen den leisen Verdacht, dass jademond eigenttlich keinen Button sondern einen Drückknopf oder eine Taste gemeint hat, mit der sie korrigieren wollte, aber Button sagte. Habe ich recht, jademond?

  10. Hoho, Feddback und Klicks ist ja inwzischen für Viele auch schon so eine Art Währung!

  11. Natürlich ergibt der Kontext einen Knopf auf der Tastatur, aber ich fand einen Ansteckbutton spannend. ^^

  12. Das war ja keine Kritik nur ein Gedanke.

  13. Schöne Geschichte mit guter Pointe 🙂

  14. Ich habe das auch nicht als Kritik verstanden. 🙂

  15. Ich hatte an eine Schaltfläche mit Korrekturfunktion gedacht, so wie man diverse „ändern“-Schaltflächen in Foren vorfindet, mit denen man eigene Beiträge auch noch nachträglich editieren kann, finde jedoch jeden davon abweichenden Gedankengang spannend 😉

  16. Irgendwie sieht das Cover des Bach-Buchs wie das Logo von AC/DC aus. By-the-way: Ich oute mich hier als AC/DC-Fan der ersten Stunde … und auch heute noch. In meinem Musik-Spektrum hat auch Hardrock seinen festen Platz.

    mgg
    galaxykarl 😉

  17. @ Galaxykarl
    AC/DC war auch MEIN erster Gedanke 🙂

  18. Juhuu, wir tanzen unter dem Mond zu den harten Riffs von AC/DC.

    mgg
    galaxykarl 😉

    P.S. Das mit dem Headbanging klappt bei mir nicht so richtig; siehe Foto in meinem Porträt.

  19. Hä, Bach war Hardrocker? Klärt mich auf!

  20. Coole Geschichte 😀

  21. Starke Geschichte, ich würde die einfach nochmal für den Wettbewerb reinstellen. Was meint Ihr? Was meint der Autor?

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