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Der ewige Initiationsritus des Mannes zwischen Ohnmacht und Macht, Viel – und Eindeutigkeit – über seine Ursachen und seine Folgen. – Ein Artikel von Bernd Holstiege

Initiationsriten beim Übergang vom Knaben zum Mann sind in vielen Kulturen, vor allem in archaischen Kulturen und Stammesgesellschaften verbreitet. In unserer westlichen hoch entwickelten Kultur wird dieser Begriff weniger verwendet. Trotz vieler Gemeinsamkeiten hat jede Kultur ihre eigenen Bedeutungen von Männlichkeit. Der Drang, die eigene Männlichkeit zu beweisen, kann sogar lebenslangen Suchtcharakter annehmen. Diesen Vorgang könnte man als den ewigen Initiationsritus bezeichnen. Der Unterschied ist, ich bin ein Mann oder ich muß es beweisen. Dieser Drang lässt sich darauf zurückführen, dass diese Männer ihrer Männlichkeitsanerkennung zu wenig in sich haben und deswegen immer wieder erneut beweisen müssen. Es geht vordergründig um das narzisstische Selbstbild als Mann und dessen Anerkennung im Sozialraum, auf der tieferen Ebene um ganz andere Dinge, um Macht auf dem Hintergrund von Ohnmacht und Eindeutigkeit auf dem Hintergrund von Widersprüchlichkeit, Verwirrung und Zerrissenheit.

Dieser Männlichkeitsbeweis kann auf verschiedenen Wegen erfolgen, oft in mehreren Bereichen, die allesamt zu einer starken Belastung der Persönlichkeit und als Folge zu Krankheiten führen können. Männlichkeitsbeweise können Perfektionismus, der Status, der Erfolg im Leben, im Beruf, die oberen Etagen in der Hierarchie, Macht und Geld, dicke, schnelle Autos, im Bett als guter Liebhaber oder in der hohen Potenz, sogar andere unter den Tisch zu saufen oder ein Sportass zu sein. Sogar der männliche Bauch kann ein Statussymbol sein „ein Mann ohne Bauch ist nur ein halber Mann!“. Für diese Ziele sind alle Mittel recht, auch mit dem Risiko, sich ins Unglück zu stürzen, etwa mit Schulden, lebensgefährlichem Leichtsinn und Krankheitsanfälligkeit. Diese Ziele nicht zu erreichen, können eine Entwertung oder Demütigung im Männlichkeitsbild in den eigenen und in fremden Augen bedeuten.

Einige Männer sind mit ihren Erfolgen und Beweisen zufrieden, stehen dann mit sich im Einklang, fühlen sich in ihrem eigenen Selbstbild und durch die Achtung des Umfeldes anerkannt und integrieren nachträglich ihre Männlichkeit. Andere sind jedoch nie zufrieden. Alle Männlichkeitsbeweise erfordern neue Beweise. Die Hintergründe und Gründe mögen darin liegen, dass alle Beweise beweisen, dass man es nötig hat und doch kein richtiger Mann ist. Vorwiegend diesen Fällen soll dieser Artikel gewidmet sein. In einem unendlich komplexen Geschehen können natürlich nur einige rote Fäden nachgezeichnet werden.

Vater-Sohn-Beziehung

Wie mag es dazukommen, dass Männer es so stark nötig haben, ihre Männlichkeit zu beweisen? Sie sind nicht einfach Männer, tragen die Männlichkeit in und mit sich herum, sondern müssen sie ständig und erneut beweisen.

Eine große Rolle spielt die Vaterbeziehung. Väter, die zu wenig in sich die anerkannte Männlichkeit tragen, neigen dazu, ihre negativen Seiten in ihrem Sohn zu sehen, also eine Projektion und ihn dadurch runter und fertig zu machen. Dadurch fühlen sie sich gestärkt, und der Sohn ist der Versager, die Memme, der Softie, das Weichei oder verkörpert in ihren Augen ein anderes Negativbild. Die Väter beziehen ihre Selbstbilder aus dem kulturellen Umfeld, noch viel mehr von ihren eigenen Vätern, so dass die männliche Entwertung über Generationen hinweg weiter vererbt werden kann.

Wie das biblische Beispiel von Kain und Abel zeigt, kann Achtung und Missachtung auf zwei Söhne verteilt, sozusagen aufgespalten werden. Da der missachtete Sohn noch um die Anerkennung des Vaters ringt, die er für seine Selbstachtung benötigt, muß er seine Wut und seinen Hass auf den Vater auf den Bruder umleiten, den er erschlägt. Im biblischen Mythos von „Abraham und Isaak“ bietet sogar Abraham die Opferung seines Sohnes Isaak an, um die Anerkennung von Gottvater zu erringen. Gemäß dem Spruch „aus der Not eine Tugend machen“ könnte man auch annehmen, er wandele seine Wut und seine Angst vor dem Vater in ein heiliges Opfer um.

Entwertete Söhne bemühen sich um Anerkennung, zuerst einmal dort, woher die Missachtung kommt, also bei ihren Vätern, doch noch den Anforderungen der Väter gerecht zu werden und deren ausgesprochene Erwartungen zu erfüllen. Diese Bemühungen sind jedoch eine Beziehungsfalle, zum einen, weil ihre Väter aus Selbstregulationsgründen es nötig haben, ihre eigenen negativen Anteile im Sohn zu sehen, denn sonst wären sie selber ein Versager, zum anderen, weil ein Mann, der sich ständig auf die untere Ebene begibt, sich entwürdigt, somit als „Arschkriecher “ gesehen und nicht geachtet wird. Ein Vater möchte nämlich andererseits stolz auf seinen Sohn sein, weil dies sein Männlichkeitsbild aufwertet, und das kann er durch dessen Bemühungen nicht. Bei der Erniedrigung des Sohnes handelt es ich um unausgesprochene Erwartungen und Ansprüche nach Demütigung und Unterwerfung. Insofern geraten Väter in eine selbst gesetzte Beziehungsfalle und beziehen ihre Söhne in dieses Drama ein. Dann müssen Vater und Sohn anderweitig ihr Männlichkeitsbild aufpolieren.

Die Rolle der Mutter in der Dreierkonstellation

Normalerweise wächst ein Sohn nicht alleine mit seinem Vater auf, sondern die Mutter spielt in einer Dreier- oder Mehrfachkonstellation eine noch gewichtigere Rolle. Viele Frauen haben Probleme mit ihrer Weiblichkeit, etwa Maria, die Mutter Gottes als Jungfrau, und schon alleine dadurch Probleme in ihrer Beziehung zum Mann. Sie sehen ihre Missachtung als Frau in ihn hinein und fühlen sich von ihm missachtet. Ihren noch ungeprägten Sohn können sie in viel stärkerem Maße beeinflussen, so daß ihre Söhne viel mehr auf sie hören als ihr Männer, und müssen den Sohn nicht so fürchten. Als Folge wird der brave Sohn mehr anerkannt als der Ehegatte, meist in dem Maße, in dem er sich unterwirft, wird er wie zu einem Gott hochgehoben. Sie fühlen sich durch einen Sohn vermehrt anerkannt, sehen das Gute in den Sohn und das Böse in den Mann hinein. Der missachtete Vater muß mit seinem hoch gelobten Sohn in Konkurrenz treten, auf ihn neidisch und eifersüchtig sein und ihn zur Selbstaufwertung entwerten. In diesem Fall ist der Ausgangspunkt die Selbstentwertung der Frau, häufig in kulturellen Bildern vermittelt, während oben als Ausgangspunkt die Selbstmissachtung des Vaters steht, die sich gegenseitig bedingen.

Bei vielen Frauen sind von vorneherein der Sohn oder die Kinder wichtiger als ihr Partner. Der Vater ist nur als Erzeuger wichtig, spielt eine sekundäre Rolle und hat das Geld zu verdienen, während sie ihren Sohn auf den Sockel hebt und mit ihm oder den Kindern in einer Dualunion lebt. Oft wird der brave Sohn als verlängerter Arm der Mutter in den Kampf gegen den Vater eingesetzt.

Diese Beziehungsverhältnisse sind in Mythen fest gehalten. Ein biblisches Beispiel ist die heilige Familie, wo der Sohn der Gott ist und der Vater Joseph für die Dualunion Mutter – Sohn bescheiden im Hintergrund das Geld zu verdienen hat. Dazu sagte mir ein Pfarrer mit wegwerfender Handbewegung „der Josef, schwache Figur!“ Jedoch sind nicht alle Väter so friedlich wie Josef. Er ist ja eine Idealisierung auf dem Hintergrund des alltäglichen Gegenteils. Wenn der Vater die Vergöttlichung des Sohnes mit trägt wie Josef und nicht ein eher realistisches Gegengewicht und Vorbild darstellt, an dem der Sohn sich orientieren kann, dabei der Mutter sozusagen den Kopf zurecht setzt, wird der Sohn zusätzlich vom Vater zu einem göttlichen Selbstbild verführt, dass im späteren Leben keinerlei Realitäten stand hält, und er immer wieder seine Göttlichkeit beweisen muß.

Ein anderes mythisches Beispiel, das noch heute auf den Alttag zu übersetzen ist, wird in der Ödipussage dargestellt. Der Sohn heiratet die Mutter und erschlägt den Vater. Vorausgegangen war nach vorherigen schlimmen Ereignissen eine Orakelbefragung, vermittelt durch blinde Seher, hellsichtig und blind zugleich, als deren Folge der Vater zur Verhinderung der Prophezeiung den Sohn umzubringen versuchte. Diese allegorische Erzählung spiegelt die alltäglichen Gegebenheiten wieder; zuerst das Unglück, dann auf dessen Hintergrund der Zukunftsentwurf, anschließend die Verhinderungsstrategie, der aber gerade durch diese ihre Erfüllung findet. Ohne die Prophezeiung und Verhinderungsstrategie wäre das Unglück nicht passiert. Die unbewussten Motive werden insofern dargestellt, daß Ödipus die früheren Unglücke, die Prophezeiungen, Verhinderungsstrategie und Vater und Mutter nicht kannte, und das Geschehen wie von dunklen Mächten gesteuert trotzdem schicksalhaft seinen Ablauf nahm. Die Folgen für Ödipus spiegeln weiterhin den schicksalhaften Ablauf ab, seine Selbstblendung, um seine Schuld und Schande im Umfeld nicht zu sehen, und daß das Umfeld, die Bürger von Theben seine Schuld nicht so wie er sahen. Infolge der schicksalhaften ursprünglichen Opferrolle und des verinnerlichten Glaubens – vereinfacht gesagt, der Mensch lebt nach dem, was er glaubt, was ist – wird der Sohn zum Täter, und ein Täter muß an seinem Verhalten schuld sein. Der Leser wird fragen, was die Ödipussage mit dem Männlichkeitsbeweis zu tun hat. Ohnmacht und Ausgeliefertsein an die Umstände müssen als Verhinderungsstrategie in Macht, sogar Tötung umgewandelt werden.

Aufgrund des Neides der Väter auf den Sohn, dass dieser von der Mutter mehr anerkannt wird als sie selber, hacken die Väter auf diesem herum, sozusagen der Sohnesmord. Er ist der Blitzableiter für ihre Wut, von der Partnerin nicht anerkannt zu werden. Dann ist die Tragik des Sohnes, daß er infolge der Nichtanerkennung des Vaters vonseiten der Mutter vom Vater gerade nicht anerkannt wird. Der Sohn bekommt von der Mutter die Gratifikationen und vom Vater die Entwertung.

Aber auch der Neid einer entwerteten Mutter auf den hoch gelobten Sohn, der so viel mehr als sie selbst, nicht zuletzt von ihr, anerkannt wird, kann zur Entwertung des Sohnes durch die Mutter beitragen. Dann können sich beide Eltern auf Kosten des Sohnes wiederum einig sein. Oft schwingen Mutter und Vater zwischen beiden Polen hin und her, so daß ein Sohn zwischen Vergöttlichung und Verteufelung in Verwirrung gerät.

Ein auf den Thron gesetzter Sohn hat natürlich Ansprüche auf dementsprechende Honorierung und Rückspiegelung an die Umwelt, die das Umfeld aber nicht erfüllen kann. In ihr wird er auf Normalmaß zurecht gestutzt. Gemessen an den eigenen verinnerlichten Ansprüchen muß er jedoch sich entwertet vorkommen. Wenn dieser Sohn sein überhöhtes Selbstbild auch noch nach außen trägt, wie etwa Jesus Christus, eventuell sogar von einer Anbetergemeinde zusätzlich angebetet und verführt wird, wird sein Höhenflug von einem noch heftigeren Absturz begleitet sein. Jesus wurde gekreuzigt.

Muttersöhnchen

Die starke Verstrickung des Sohnes mit der Mutter und sein Leben nach den Bildern der Mutter, führen in den meisten Kulturen zur Entwertung des Sohnes und des Mannes. Bei uns heißt es beispielsweise „Muttersöhnchen „. Ein Muttersöhnchen wird von den meisten Männern nicht anerkannt und kann sich selbst nicht anerkennen. Hinzu kommt die Wut des Vaters, dass der Sohn mehr auf die Mutter bezogen ist und mehr auf sie hört als auf ihn. Diese Wut bekommt der Sohn und nicht als Teilursache die Mutter ab, weil der Vater auch um die Anerkennung der Mutter ringt und diese nicht aufs Spiel setzen will. Oft stellen sich die Mütter schützend vor ihren Sohn, was die Wut und Entwertung durch den Vater steigert. Er ist ja der Böse. Ein Vater der um die Anerkennung seiner Partnerin ringt und sie nicht einfach hat, sieht sich in seiner Männlichkeit entwertet, und der Kreislauf geht von neuem los.

Da die Beeinflussung durch und die Verstrickung mit der Mutter ein weit verbreitetes Phänomen ist, finden andere Jungen Gelegenheit, ihre latente Scham und ihre Wut auf sich selbst an jemanden, bei dem dies besonders offensichtlich ist, abzuleiten und zu delegieren. Durch diese Gruppendynamik gerät er dann noch zusätzlich für die Anderen mit in eine Opferrolle und wird bloß gestellt und lächerlich gemacht.

Identifizierung mit dem Männlichkeitsbild des Vaters

Da der Vater meist der erste Mann im Leben eines Sohnes ist, wird durch ihn das Männlichkeitsbild vermittelt. Aber noch mehr als vom Vater selbst wird dieses von der Mutter weiter gegeben und sich zu eigen gemacht, da diese meist viel mehr anwesend ist und dadurch Bewertungen und Bedeutungen vermittelt, die in das Selbst- und Weltbild eingeschrieben werden. Ist der Vater entwertet, sieht sich der Sohn durch die Identifizierung mit dem Vaterbild in seinem eigenen Männlichkeitsbild entwertet. Der Sohn sieht den Vater und sich selbst mit den Augen der Mutter. Liest man diese Widersprüche und Kreisläufe, kann der Eindruck des Kuddelmuddels entstehen. Aus dieser Verwirrung und Zerrissenheit kann dann der Weg der Macht, Eindeutigkeit und Widerspruchslosigkeit heraus führen.

Traumatisierung

Entwertungen und Demütigungen in der Kindheit, vermittelt durch die Familien- und Beziehungskonstellationen und die erlebten Erfahrungen, werden als (Psycho-)Traumatisierung bezeichnet, die das Kind in seinem Reifungsprozess überfordern und es auf einer unreiferen Stufe stehen lassen. Diese unreifere Stufe wird auch in der körperlichen Hirnstruktur, in den Neuronen und deren Verästelungen, eventuell im Sinne der Epigenetik (Ab- oder Anschaltung von Genen durch Erfahrungen und dessen Vererbung) in den Nervenzellen eingeprägt und verfestigt. Seele und Körper sind eng miteinander verknüpft. Seelische Prozesse wie Angst haben körperliche Begleiterscheinungen, und körperliche Prozess seelische Folgen, teils in einem Teufelskreislauf. Die Traumatisierung ist also nicht nur ein seelischer und psychosozialer Prozess, sondern auch ein körperlicher. Da diese Prozesse je nach Aggressions-, Angst und Schamgrad umso heftiger körperlich und seelisch eingeprägt werden und oft im späteren Leben weiter bestehen, spricht man auch von einem posttraumatischen Belastungssyndrom (PTBS). Das Trauma muss mit allen Mitteln ausgeglichen und die Männlichkeit bewiesen werden. Aber gerade diese Mittel können wie in der Ödipussage zum eigentlichen Trauma werden. Jegliche Beweise und Beweisversuche bestätigen die Unmännlichkeit, ansonsten wären sie nicht nötig. Zusätzlich muß die Angst mit schwingen, die Kompensationen und Wiedergutmachung nicht zu schaffen. Zum einen die ständigen Ängste, zum anderen die Bemühungen können zu einem unendlichen Stress werden und total überfordern.

Kompensation in der Außenwelt

Ein Mann, der die Entwertung in sich sieht, steht als Ersatz für die erlebten Erfahrungen und die eigenen Eltern unter dem Zwang, ständig seinen Erfolg und Status in der Außenwelt nachzuweisen. Dies braucht er für sein narzisstisches Selbstbild, um mit sich als Mann im Reinen zu sein. Die Außenwelt soll befriedigen und kompensieren, was in der Kernfamilie nicht geschehen ist. Dafür mag ihm jegliches Mittel recht sein. Er mag sich, um seinen Erfolg nach außen darzustellen, in Schulden stürzen. Viele Statussymbole werden durch Schulden erreicht. „Große Klappe und nichts dahinter“ das Durchschauen und die Bloßstellung müssen gefürchtet werden. Die weltweite Finanzkrise ist durch das gierige finanzielle Erfolgsstreben hervorgerufen worden. Ein Mann, der ständig seine Potenz nachweisen muss, kann durch die Angst vor dem Versagen impotent werden. Die Angst wird zu einer sich selbst erfüllen Prophezeiung, nicht allein durch die Angst, sondern stärker noch durch den Glauben an die Bedrohungen, nach dem gelebt wird.

Alterung

Der Alterungsprozeß kann für jemanden, der ständig seine Stärke und Männlichkeit beweisen muß, ein zusätzliches Problem werden. Das Aussehen, oft die Attraktivität, und die Kraft lassen in verschiedenen Bereichen des Lebens nach. Wenn nicht Klugheit und Weisheit des Alters und der wohlverdiente Ruhestand hinzu gewonnen werden, ist Alterung der reinste Entwertungsprozess. Deswegen führt das Alter zu vermehrten Erkrankungen. Zum Ausgleich muß der Alternde ständig die Jüngeren demütigen und unterdrücken. Die Alterung und der Neid auf Jugend und Attraktivität mag auch ein Mitgrund für die Entwertung des Sohnes durch den alternden Vater sein.

An alternden leistungsambitionierten Rennradfahrern ist mir der ewige Initiationsritus besonders deutlich aufgefallen. Sie müssen ständig ihre Kraft und Stärke, die Rangfolge in der Hierarchie als Symbol ihrer Männlichkeit beweisen, nicht nur im Wettkampf, sondern auch oft im Training. Die Losung heisst, „das Beste geben, die eigenen Grenzen übertreffen“. Wenn im Alter ihre Kräfte nachlassen, versuchen sie durch zusätzliches hartes Training ihre Schwäche zu kompensieren. Die Schwäche, nicht mehr mithalten zu können, ist für manche die größte Demütigung. Mit dem Spruch „man gönnt sich ja sonst nichts!“ wird das beste und teuerste Rennrad, immer auf dem neuesten Stand, und teuerste Outfit gekauft. Wer da nicht mithält, ist unten durch. Infolge des ewigen Stresses, körperlicher Überforderung und Angst zu versagen, ist es kein Wunder, wenn Stresssymptome auftreten. Sie und das Umfeld wundern sich, obwohl sie immer Sport getrieben und nie geraucht haben, auch noch fit erschienen, daß gehäuft Herzerkrankungen (Herzinfarkt, Rhythmusstörungen, Bypass, Stunt) an der Altersgrenze mit etwa 60 auftreten. Kommt das verbreitete Doping noch hinzu, gefährden sie sich um der Männlichkeit und Leistung willen noch stärker. Der alternde Körper und vor allem die Psyche halten das nicht mehr aus. Sie gönnen sich nicht das Wesentliche wie eine altersgerechte ruhige, entspannte Sportausübung. Der Geist im Körper sagt „nein“ bis zum in Erkrankungen verdeckten Suizid, wenn er kein anderes Mittel findet. Natürlich spielen noch andere Hintergründe eine Rolle. Auch bei den Bodybuildern und anderen Sportlern spielen ähnliche Mechanismen eine ähnliche Rolle.

Autoaggression

Meines Erachtens trägt zur Erkrankung neben körperlicher und seelischer Überforderung, Angst vor dem Versagen und Bloßstellung noch mehr die Autoaggression bei. Die Autoaggression ist die Aggression gegen die früheren verinnerlichten Bezugspersonen bzw. Objekte. Da diese sich durch die Verinnerlichung und Übernahme von Erfahrungen, Bewertungen und Bedeutungen in der eigenen Person befinden, richtet sich die Aggression gegen das eigene Selbst. Die ursprüngliche Aggression gegen die Eltern, entwertet und vereinnahmt zu werden, Ansprüchen ausgesetzt zu sein und diese nicht erfüllen zu können, zwischen den Fronten als Blitzableiter zu dienen, wird zur Autoaggression. Der Mensch geht auf sich selbst, seine Seele etwa in Depressionen, Angsterkrankungen und seinen Körper etwa als Schmerz-, Herz-, Stoffwechsel- oder Krebserkrankungen los. Durch die Autoaggression entsteht die selbstzerstörerische Komponente.

Bei einer Mutter, die schon beim Fötus im Mutterleib, beim Säugling und Kleinkind unter Ängsten und Spannungen, etwa etwas falsch zu machen, dazu noch im Konflikt mit dem übrigen Umfeld wie dem Vater oder den Omas steht, sich überfordert sieht etwa in der Vereinbarkeit von Beruf und Betreuung, Aggressionen auf das Kind hat, weil es dauernd schreit und deswegen schreit es umso lauter und aggressiver, übertragen sich diese Spannungen auf das Kind. Hinzu kann kommen, dass die Mutter ihre positive Aufmerksamkeit wegen einer eigenen seelischen oder körperlichen Erkrankung wie einer Depression nicht auf das Kind richten kann. Das Kind findet bei der Mutter nicht die zur Reifung nötige Wärme, Geborgenheit und Sicherheit. Es ist in einer Dualunion ohnmächtig ausgeliefert. Aber trotzdem entstehen in dem Kind Aggressionen, die in diesem frühen Lebensstadium als solche nicht fassbar sind und sich gegen die eigene Person richten. Mütter und das weitere Umfeld erleben zusätzlich verschärfend die Gründe oft nicht in sich, sondern im Kind, beschuldigen dieses „Du machst mir Ärger, Kummer und Sorgen“, die das Kind als Schuld in sich hinein nimmt. Da diese Prozesse oft über Generationen hinweg ablaufen, sind sie in der biblischen Schöpfungsgeschichte als Erbsünde erfasst.

Das Kind gerät in eine abgrundtiefe Verunsicherung und Verwirrung. Es kann nicht zwischen sich und der Mutter und dem Umfeld unterscheiden. Um aus der Ohnmacht heraus zu kommen, setzt es vor allem im späteren Leben auf Macht, sicherlich nicht als bewusster, sondern als unbewusster, automatischer Ablauf, und um aus der Verwirrung herauszukommen, Eindeutigkeit, Objektivität und Klarheit dagegen. Oft wird dies von den Eltern noch gefordert. Aus dieser Perspektive können objektive Wissenschaften und deren Macht, die nichts anderes gelten lassen, also die Folge schwerer frühkindlicher Störungen sein. Der männliche Status, der Erfolg, die Macht bis zum Despoten und Alleinherrscher sind derartige Macht- und Eindeutigkeitssymbole.

Da die Welt aber komplex und widersprüchlich ist, ist diese männliche Eindeutigkeit nie oder nur beschränkt zu gewinnen. Die Einen jubeln zu, die Anderen lehnen das ab, so dass umso mehr die Deutungshoheit gesucht werden muss. Bei allen Männlichkeitsbeweisen schwingen die Entwertung, Angst, Scham, Aggression und Autoaggression in einem Teufelskreislauf mit.

Die Macht des Kindes

Wenn das Kind sich nicht brav und angepasst verhält, sondern trotzig rebelliert, verweigert oder sabotiert, gerät die Mutter und das Umfeld in Sorge, Ärger und Kummer. Dadurch hat das Kind Macht über die Befindlichkeit der Mutter. Dann ist es kein Wunder, dass die meistgelesenen pädagogischen Bücher von dem Orthopäden Schreber Ende des 19. Jahrhunderts die Maxime vertraten „der Wille des Kindes ist um jeden Preis zu brechen“. Wir wissen, was Generationen von gebrochenen Menschen angestellt haben, zwei Weltkriege, Genozid an den Juden und noch viel mehr. Dort haben sie scheinbar ihre Macht wieder erlangt.

Wenn die Aggression nicht in Kriegen, Zerstörung oder Rowdytum nach aussen abgeleitet werden kann, kann sie sich als Krankheiten auswirken. Am Krankheitsbild der Pubertätsmagersucht (Anorexia nervosa), aber auch anderen Krankheiten, wo sich alle Sorgen machen, ist der Zusammenhang zwischen Rebellion, Ohnmacht, Macht und autoaggressiver Selbstzerstörung besonders gut zu studieren.

Nachträglichkeit

Zuerst einmal laufen diese Dinge einfach ab. In jedem Stadium und jeder Situation, auch bei einer schweren Erkrankung, besteht die Chance, Reifungsschritte zu machen. Um aus dem Teufelskreislauf heraus zu kommen, gilt es, sich sozusagen in die 3. Position zu bringen und wie von aussen die Abläufe zu betrachten, die sogenannte Triangulierung. Werden die Abläufe betrachtet und können sie ausgesprochen werden, sind sie nicht mehr so schlimm. Ausgesprochenes ist nicht so schlimm wie unaussprechliches. Wichtig ist auch wahrzunehmen, dass man selbst Opfer von früheren Verhältnissen ist, wofür man nichts kann und nicht schuldig ist, aber durch die Verinnerlichungen und Prägungen zum Täter wird. Auch wenn man sich selbst aufgrund dieser Bilder nicht selbst achten kann, sich für einen Versager hält wie etwa ein Hartz4-Empfänger, ist es wichtig, sich trotzdem anzuerkennen und zu mögen. Dann kann man auch mehr andere anerkennen und hat bessere soziale Beziehungen.

Weitere Reifungsschritte können sein, die eigenen Grenzen anzuerkennen und nicht nach den höchsten Zielen zu streben, also Loslassen oder Verzicht wie die mönchische Bescheidenheit. Nicht umsonst steht am Apollotempel in Delphi die Inschrift „gnothi s’auton“, erkenne dich selbst, und zwar als Mensch und nicht als Gott.

Wichtig ist, eigenen Grenzen zu schaffen und aufrecht zu erhalten, und andere Menschen als Personen zu sehen, die ein eigenes Innenleben und eigene Motivationen in sich haben, auch eine Form der Triangulierung. Das bedeutet, Entwertungen und Vorwürfe als Ausdruck des Innenlebens und der Bewertungen des Anderen zu sehen. Bei Vorwürfen zeigt der Zeigefinger offen auf den Anderen, und verdeckt unter der Hand zeigen drei Finger zurück. Diese kommen auch nur an, wenn sie sich in der eigenen Person befinden, also auf fruchtbaren Boden fallen. Aber auch dann besteht noch die Chance, im Falle von Rechtfertigung und Entschuldigung, die eigenen Bewertungen zu erforschen und gerade dadurch dazu zu lernen. Bei Vorwürfen besteht oft nur Abwehr und nicht mehr die Offenheit, was der Andere zu sagen hat und was in der eigenen Person los ist.

Und wie ist das mit den Frauen? Sie wachsen oft unter ähnlichen Umständen auf. Was müssen sie in unserer Kultur beweisen – etwa zu sein wie die Männer oder ihre Weiblichkeit in Attraktivität, Mütterlichkeit, Fürsorglichkeit oder anderen weiblichen Bereichen und Tugenden auszutoben? Männer sind nicht weniger fürsorglich als Frauen, verwirklichen dies nur in einer anderen kulturellen Rolle, wofür der Männlichkeitsbeweis der Klarheit, Macht und Eindeutigkeit dienen kann, um aus dem Labyrinth und Dickicht der Unklarheit, Vieldeutigkeit und Undurchdringlichkeit heraus zu kommen.

Copyright © 2011 by Bernd Holstiege

http://bholstiege.bh.funpic.de/

www.bholstiege.de

Kaufempfehlung der Redaktion:


Rohr, Richard
Die Männer-Bibel

Meditationen auf dem Weg zur Freiheit

Im Buch blättern

Übersetzt von Spannbauer, Christa
Verlag :      Kösel
ISBN :      978-3-466-37020-7
Einband :      gebunden
Preisinfo :      19,99 Eur[D] / 20,60 Eur[A] / 28,50 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 21.11.2011
Seiten/Umfang :      400 S. – 21,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      03.10.2011

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Richard Rohr, weltbekannter Autor und spiritueller Lehrer, zeigt Männern, wohin die Freiheit lockt: Raus aus engen Rollenklischees und falschen Erwartungen. Raus aus einem Denken, das nur Gewinner und Verlierer, entweder-oder kennt. Mit knappen Meditationen und täglichen Impulsen zeigt Richard Rohr, dass Veränderung möglich ist. Schritt für Schritt entdecken Männer sich und ihr Umfeld neu, nehmen sich mit Leib und Seele wahr. Sie beschreiten dabei einen Weg der Initiation, an dessen Ende sie nicht „echte Kerle“, sondern wahre Männer sind.

Richard Rohr, geb. 1943, Franziskanerpater, internationaler Redner und Exerzitienmeister und ein bekannter Vorkämpfer der spirituellen Erneuerung. Gründer der Lebensgemeinschaft New Jerusalem in Cincinatti und des Zentrums für Aktion und Kontemplation in Albuquerque/ New Mexico. Mit dem Thema Initiation beschäftigt er sich bereits seit vielen Jahren.

Christa Spannbauer, geb. 1963, studierte Anglistik und Germanistik mit Schwerpunkt in Geschlechterforschung und feministischer Theorie. In ihren Arbeiten setzt sie sich insbesondere mit der Konstruktion von Männlichkeit und der aktuellen kritischen Männerforschung auseinander. Seit 2003 Assistentin des Benediktiners und Zen-Meisters Willigis Jäger und Öffentlichkeitsbeauftragte des Benediktushofes, eines Zentrums für spirituelle Wege in der Nähe von Würzburg. Vorstandsmitglied der Stiftung West-Östliche Weisheit und Journalistin.

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32 Comments

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  1. Wer möchte gerne zu dem Artikel was sagen? Oder zum vorgestellten Buch? Nur Mut, wir fressen niemanden auf! 😉

  2. Mich würde mal eine Studie interessieren, die Zahlen nennt. Von einer Million normaler, körperlich und geistig gesunder Männer sind wieviel o.g. Blödsinn zuzurechnen? Wie klein oder wie groß ist der Anteil an Menschen – Männern und Frauen – auf die irgendwelche psychoanalytischen Fehlverhalten zutreffen? Wenn man obigen Artikel liest, könnte man den Eindruck haben, JEDER hätte einen „Batscher“, wie wir Franken sagen.

    Und für mich ist längst nicht Fakt, dass ein unmenschlich behandelter Mensch automatisch – sozusagen zu 100% zuverlässig vorprogrammiert – sein Leid an seine Nachkommen weiter reicht. Es gibt sicherlich eine Mehrheit, die ihr Leid in sich hineinfrißt, weder daran zugrunde gehen oder eben gestärkt daraus hervorgehen und ihre eigenen Kinder gerade deswegen völlig normal – vielleicht sogar überbehütet – erfolgreich aufziehen.

    Behauptungen kann jeder aufstellen, schöne Theorien, die auf eine kleine Anzahl zutreffen mag. Aber daraus eine generelle Lehre abzuleiten ohne Daten, Zahlen, Fakten zu nennen, ist für mich unseriös.

    mgg
    galaxykarl 😉

  3. Was sagst du zum Buchtipp, den ich drunter gestellt habe?

  4. Oje, was soll ich da sagen, ohne den Autor in kleine Stücke zu hauen?

    Mal völlig davon abgesehen, dass ich nicht der Meinung bin, wir Männer würden nur in Schwarz/Weiß-, Gewinner/Verlierer-, Kerl/Weichei-Polarismen denken, brauche ich weder einen Psychologen noch einen Franziskanerpater, um zu erkennen, dass das leben eben vielschichtiger ist als o.g. Zweigleisigkeiten. Für wie armselig sehen denn solche „Spezialisten“ uns Männer denn? Wären wir wirklich so, würde ich jeder Frau völlige Geschmacksverirrung vorwerfen müssen. Aber weder die Frauen, noch wir Männer sind so einfach zu beschreiben.

    Gewiss mag es Prolos geben, die solchen Typisierungen entsprechen, aber dies so zu verallgemeinern ödet mich an. Diese „Spezialisten“ betonieren das schwachsinnige Bild des heutigen Manes, dass uns die aktuelle Werbung tagtäglich weißmachen will: Wir sind ahnungslos, völlig vertrottelt und bedürfen der Hilfe von Kindern, Ehefrauen und Müttern, um uns die Schuhe zubinden zu können. Angeblich scheitern wir an Küchengeräten und am Kochen („Seit wann kann Papa Kuchen backen?“).

    Mal (m)eine Botchaft an die Werbeindustrie: Wir Männer verdienen das Geld, das ihr haben wollt. Und dafür stellt ihr uns als verweichlichte Hausmanntrottel hin? Ohne die Mamifigur, die uns an der Hand nimmt, sind wir nicht fähig, 1 und 1 zusammenzuzählen? Dann hört mal gut zu: Wir kaufen nur das was wir brauchen und zwar gezielt in einem Fachgeschäft und nicht in irgendeinem Teleshopping-Kanal. Wir sind kritisch, misstrauisch und bezahlen gerne mehr für Top-Qualität. Klappriger Plastikmüll interessiert uns nicht die Bohne, so billig er auch sein mag. Und erst recht brauchen wir keine Frau beim Einkauf, denn wir haben längst unsere Windeln abgelegt. Und noch etwas an die Fernsehsender direkt: Es nützt auch nichts, die Lautstärke in der Werbung hochzufahren, das schreckt uns ab und wir zappen konsequent weg, anstelle uns euren Blödsinn anzuhören.

    Einen Mann interessieren Fakten, Daten und Argumente und keine schöne Schleife um ein wackeliges Dingsbums.

    Und nun zurück zu den Psychologen: Ihr habt keine Ahnung von uns aber davon eine ganze Menge.

    mgg
    galaxykarl :-I

  5. Na Detlef, zufrieden?

    Ich unterstelle dir mal, dass du mich schon zu gut kennst. Mich zu Psychobüchern zu fragen, ist genauso wie eine stinksaure Klapperschlange am Hals zu kitzeln. Und du weißt: Ich nehme kein Blatt vor den Mund.

    mgg
    galaxykarl 😉

    P.S. Schon wieder in der Leidenschaft einige Tippfehler reingehauen …

  6. Ich kann dir in den meisten Fällen nur recht geben, deshalb habe ich den Buchtipp ja reingestellt, um mal zu sehen, wer sich damit anfreundet und wer nicht! Das wir Männer aber unmündig sind,w as Geschmack und Stil angeht ist eine weit verbreitete Meinung! Vor allem von Frauen, die sich als absolut toll empfinden und Männer im allgemeinen fast schon auf dem Stand von Tieren sehen. Daher gibt es auch viele Frauen, die, wenn sie gefragt werden, ob sie einen Mann oder Freund hätten, oft antworten: “ Nee, im Moment habe ich was besseres, einen Kater! Der macht zwar auch was er will, läßt aber seine Socken nicht überall rumliegen“!

    Wenn ich sowas höre, bekomme ich richtig Wut auf solche eingebildete Schönchen!

  7. Zahlen und Fakten würden mich auch interessieren, die das Männer-, Frauen-, Beziehungsbild, das der Artikel beschreibt, auch belegen. Für mich ist das alles, sorry, ziemlich windschief und an den Haaren herbeigezogen. Sollte ich nicht davon wissen, wenn unter meinen Bekannten solche bejammernswerten Gestalten lebten? Ich denke schon. Wenn nicht, wären sie gut im Kaschieren oder ich zu dumm, das zu bemerken. Oder sie wissen es selbst nicht … weiß ich es womöglich auch nicht, dass ich dazu gehöre? Naja, wenn ich einen Psychologen brauche, der mir Probleme aufdeckt, die mich vorher gar tangiert haben, dann brauche ich auch keinen Psychologen.

    Jede Wissenschaft lebt von Fakten, Hypothesen und vor allem Beweisen. Alles andere sollte den Zusatz „Was zu beweisen ist“ erhalten – oder gehört ins Reich der Mythen ;-).

  8. Mit dem Wissen ist es so wie mit der Krebsvorsorge, viele Menschen bekommen Panik, wenn man ihnen sagt, dass es einen Befund gibt, der sich Krebs nennt. Tatsächlich sind diese Ergebnisse aber mit Vorsicht zu genießen, denn viele viele von diesen Ergebnissen sind falsch und nur leere Luft, oder es handelt sich um eine harmlose Sache, die unbemerkt gebielben, gar keine lebensbedrohende Masse annehmen würde. Wenn man aber diesen eher harmosen Krebs bekämpft, dann kann der sich wehren und zu einer aggresiven Form werden.

    Das ist wie mit den Grippe-Impfungen, wo man angeblich geschätzt hat, dass ohne Impfung 20000 Leute in Deutschland sterben. Als man dann aber mal wirklich nachgezählt hat waren 245. Ich glaube ja, dass da viel Wirbel gemacht wird, wenn es Leute gibt die daran gut verdienen.

    Wie mit den Schätzungen, dass rund die Hälfte aller Opreationen unnötig sind und nur aus Habgier genacht werden. Es ist halt alles immer Lobbyx, Lobby, Lobby in unserem Gesellschaftssystem. Trauen kannst du keinem mehr, dass man dir die Wahrheit sagt, selbst Ärzten nicht, wenn die an den Impfungen verdienen. Die werden einen Teufel tun und sagen, dass sie überflüssig sind.

    Man hat mal überprüft, ob mit dem Anstieg der Grippeimpfungen die Krankenhaustage bei Grippe-Erkrankten abnimmt, das Gegenteil ist der Fall, ein leichter Anstieg sogar. Wirken also die Grippe-Impfungen garnicht? Ist das nur Geldmacherei? Wenn die Impfungen wirken würden, müssten doch die Krankehaustage bei Grippepatienten zurückgehen, oder liegt das daran, dass man Geld bekommt für belgete Betten? Ich dachte das hätte man abgeschafft?

  9. Eben! Beweise – Fakten – (verlässliche) Zahlen, die am besten aus anderen Quellen bestätigt werden können.

    Wie heist es so schön im Bankenjargon? „Ich traue nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe.“

    Es gibt ja tatsächlich Psychologen, die Ahnung haben; aber ich befürchte, das sind keine 5% dieser Branche. Schlimmer noch sind diese Mediatoren: Noch weniger Ahnung, blubbern dumm daher und wollen Menschen, die sich jahrelang in- und auswendig kennen, erklären, wie der andere tickt. Nutzlos wie ein Kropf.

    Und passt du nicht in ihr Schema F, dann sagen sie: „Tut mir leid, da kann ich Ihnen nicht helfen.“

    Gottlob brauchte ich noch weder einen Psycho, noch einen Mediator. Aber leider musste ich beobachten, wie Familien und Paare nach solchen Sitzungen noch verwirrter, noch orientierungsloser und noch beziehungsunfähiger waren wie zuvor.

    mgg
    galaxykarl 🙁

  10. Nochwas:

    Ich muss kein Pschologe sein, um zu erkennen, was ein leidender Mensch braucht: Aufmerksamkeit, Zuhören können, Hilfsbereitschaft, gesunden Menschenverstand und Nächstenliebe. Punkt. Und das kann jeder normale Mensch, egal wie alt (OK, Kleinkinder und ganz junge Teenager natürlich nicht), egal welches Geschlecht.

    mgg
    galaxykarl 😉

  11. Na, ja, viele Erwachsene können es aber auch nicht, jedenfalls sind das meine Erfahrungen… Bestes Beispiel sind einige Nachbarn in meinem Haus, die würde ich eher zu denen zählen, die dafür völlig blind und taub sind um zu erkennen, wenn einer leidet. Das ist ja ein Grund von vielen warum ich mich hier so entfremdet fühle und hoffe, das die Mieten in dem Gebiet weiter steigen, damit solche Leute dann lieber ausziehen, weil ihnen wohnen nicht wirklich was wert ist.

  12. Ah ja, mein brankaktuelles Leid: Scheinbar liest jeder nur noch quer und denkt nicht darüber nach, was klar und deutlich schwarz auf weiß geschrieben steht: „… jeder normale Mensch …“.

    Die Trottelfraktion ist damit natürlich nicht gemeint. Ich muss dir recht gegen: Der Anteil an Schwachköpfen scheint nicht zu sinken, sondern zu steigen.

    Und trotzdem sage ich als unverbesserlicher Optimist, das früher oder später die Dummen aussterben.

    mgg
    galaxykarl 😉

  13. Droht da nicht dass die Schwachköpfe so überhand nehmen, dass sie damit zu der größten Gruppe werden und damit zu den normalen?

    Die Dummen werden nicht aussterben, ganz im Gegenteil. Die Dummen sind es, die sich wie die Fliegen vermehren. Die Gegenseite hingegen nimmt zahlenmäsig ab. Stündlich verliert die Bundesrepublik 17 Menschen an der Bevölkerung. Die die dazumommen sind schon abgezogen und die sind leider zum größten Teil Dumme! Ist ganz normale Mathe!

  14. Was also wieder einmal unterstreicht, wie wichtig Bildung ist. Für jeden Schmarrn geben wir Geld aus, für Bildung immer weniger.

    Vielleicht sollte man bildungsfernen Familien pro Jahr mindestens 15-20 Bücher schenken. Leider heist das ja noch nicht, dass sie diese dann auch lesen; wahrscheinlich würden sie sie eher vertickern. Ich bin da leider auch etwas ratlos. Aber ich denke weiter drüber nach und kann nur versuchen, es in meiner Familie und meinem Umfeld positiver zu beeinflussen. (Jeder kehre zunächst vor seiner eigenen Tür).

    mgg
    galaxykarl 😉

  15. Vielleicht sollte man einfach ein Belohnungssystem einführen, für die bildungsfernen Schichten, die genau dann belohnt werden, wenn sie etwas tun, was die Intelligenz fördert und auch vor allem die Bildung. Da könnte ich mir vorstellen, dass man etwa coole Trendkleidung und dergleich spendiert, wenn man zeigt, dass man auch für Bücher oder ähnlichem zugänglich ist. Wie wäre es mit Bildungstaschengeld, für die, die sich bemühen. Wobei nicht die Leistung bewertet werden sollte sondern die Bemühungen der Leute! So das jeder mit gutem Willen belohnt wird und nicht nur wieder die Eliten, so wie bei ähnlichen Projekten!

  16. Als ich Trendkleidung las, dachte ich erst, das ist Satire. Aber wenn man ein wenig nachdenkt, macht das sogar mehrfach Sinn. Es gibt ja leider Spacken, die auf Markenkleidung stehen und auf Menschen herabblicken, die sich diese nicht leisten können. Also würde so eine Belohnung für Bildungsversuche (und hoffentlich in der Folge natürlich auch Erfolge) die finanzschwächeren Personen zumindest aus dieser Aussenseiterollen führen. Schick aber arm. Und in Zukunft ein klein wenig schlauer. Und Kleidung kann jeder gebrauchen.

    Je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir dies Idee.
    Wir sammeln die besten 50 und schicken Sie an das Sozialministerium und bitten um Einführung.

    Vielen Dank Carmina 😉

    mgg
    galaxykarl 😉

    P.S. Sicher wird es wieder welche geben, die uns Naivität vorwerfen. Aber nur 10 solcher sinnvoller Ideen richtig und konsequent umgesetzt, ist besser, als der Schmarrn, der aktuell den HartzIVern aufgedrückt wird.

  17. Da kann ich dir nur recht geben! 8)

  18. Sorry, von so einer Idee halte ich gar nichts. Bildung – oder was anderes, kann auch Gesundheit sein – durch etwas zu belohnen, was so überhaupt nichts damit zu tun hat. „Wenn du deine Hausaufgaben schön machst, bekommst du ein Schaukelpferd/Schlittschuhe/Diesel Jeans.“ Das würde nur in den Fällen funktionieren, in denen Nicht-Bildung kostet. Im Falle der Gesundheit und den Bonussystemen, die manche KKn anbieten, hilft das offensichtlich, Kosten zu senken. Darum wird’s gemacht.

    Im Vordergrund sollte immer der Nutzen für den Einzelnen stehen: „Wenn ich lerne, mich bilde, habe ich bessere Berufschancen … Lernen ist geil usw.“

    Wenn sowas eingeführt wird, dann bitteschön mit irgendeiner Art von Kontrolle. Wenn nur z.B. die Trendkleidung im Vordergrund steht, geht’s doch in erster Linie nur ums „Abgreifen“.

  19. Ich hätte mir denken können, daß ich mit diesem Artikel in ein Wespennest oder auf Ignorierung stoße. Jeder Leser hat seinen Filter bzw. seine selektive Wahrnehmung, mit der er liest und was er entnimmt. Ich habe versucht, mehrere häufige Möglichkeiten des Schicksals eines Kindes, die daraus folgenden Prägungen und Probleme des Mannes zu veranschaulichen. Der Ruf nach harten Fakten entspricht meinem Titel der Eindeutigkeit.

    Es gibt zwar harte Fakten in den Familienbeziehungen, aber diese entziehen sich meist der bewussten Wahrnehmung, laufen unbewusst, automatisch, unreflektiert wie selbstverständlich ab. Die harten Fakten der Männlichkeitsstörungen und Krankheiten werden ursächlich wiederum verschieden gedeutet wie etwa in der naturwissenschaftlichen Medizin als Gene, Hormon- oder Transmitterstoffwechselstörungen, körperliche Varianten und Verschleiß oder essentiell, d.h. der Arzt weiß es nicht. Die weichen Fakten werden zu harten Fakten.

    Das Ausgeliefertsein und die Prägung in der Kindheit scheint eine der größten Kränkungen in der Souveranität des Mannes zu sein, deswegen die abwehrenden und entwertenden Reaktionen wie „Blödsinn“, „Behauptungen“, „Schwachköpfe“. Ich schreibe lediglich über meine Meinungen und Erfahrungen aufgehängt an gewählten Themen, ohne wissenschaftlichen Anspruch, (deswegen halte ich die Rubrik „Wiss. Spekulationen“ für gut), hier der letzte Artikel, von denen jeder halten mag, was er will, und dann auf die Barrikaden gehen kann. Von manchen Lesern erhalte ich Zustimmung, von anderen Ablehnung. Dieser trifft wohl ziemlich ins männliche Mark.

    Wie jeder Mensch habe auch ich eine Kindheit gehabt und brauche Jahrzehnte, um mir über dieses und jenes klar zu werden. Wenn ich schreibe, wird mir es leichter klar. Mir jedenfalls hat die Selbstwahrnehmung in der Psychotherapie, das ist auch Bildung, gut getan, vielleicht mich sogar vor einem früheren Tod gerettet. Jedenfalls hing ich als Mann ganz schön in den Seilen, wenn auch nicht äußerlich erkennbar. Außerdem macht es mir Spaß, dieses oder jenes herauszufinden, mir so die Welt zu erklären, verbringe damit als Hobby viel Zeit und andere teilhaben zu lassen.

    Bernd

  20. Lieber Herr Holstiege,

    mit „Schwachköpfen“ habe ich nicht Psychologen gemeint, und definitiv nicht Sie persönlich, sondern Personen, denen der gesunde Menschenverstand fehlt. Speziell Eltern, die nicht fähig sind, ihren Kindern ein Vorbild zu sein und noch nicht mal die minimalsten Moral- und Anstandsregeln kennen oder beachten. Sei es aufgrund Alkoholabhängigkeit, Nicht-Bildung usw.

    Schön, dass Sie sich die Welt so zusammenreimen, dass es Ihnen hilft zu überleben. Aber gerade das, was Sie hier von sich geben, ist für mich gefährlich und grenzwertig. Ihren Worten entnehme ich, dass Sie Psychologie nicht studiert haben (was das Mindeste ist, was ich von dieser Berufsgattung erwarte und voraussetze). Aber als Hobbypsychologe anderen Menschen
    Ratschläge zu geben, überschreitet dann nun wirklich die Grenze der Seriosität. Nun wird auch klar, warum Sie nicht mit Fakten dienen können. Diesen Mangel aber widerum mit Ausreden zu erklären und aus „weichen Fakten werden harte Fakten“ ist wirklich unglaublich. So nach dem Motto: „Wenn ich es nur oft genug und lange genug behaupte, wird es zur Wahrheit. Beweise brauche ich nicht dafür.“ Das ist nicht Wissenschaft, das ist Scharlatanerie.

    Und genau der Grund, warum man Menschen vor solchen „Spezialisten“ warnen sollte.

    Und (meine) Ablehnung solcher Thesen dann mit einer unterschwelig mir angelasteten eigenen negativen Prägung durch meine Eltern zu bewerten, ist dann entgültig das Letzte.

    Ich bedanke mich trotzdem bei Ihnen. Es ist nämlich schön, wenn man seine Erfahrungen (nicht Vorurteile!) und das lange gewachsene Misstrauen für eine bestimmte „Berufs“Gruppe immer wieder bestätigt bekommt.

    mgg
    galaxykarl 🙁

    P.S. Und Sie haben mit Ihrem Artikel nicht in ein Wespennest gestochen, sondern Sie sind halt hier in unserem Forum auf Menschen gestoßen, die noch selbst denken können. Vielleicht liegt es daran, dass hier eine Community aktiv ist, die deutlich mehr als die durchschnittlichen 2,1 Bücher pro Jahr liest.

  21. Hallo Galaxykarl,

    mit Hobby meinte ich das Schreiben. Ansonsen bin ich Arzt, habe zur Kassenzulassung eine psychotherapeutische Ausbildung durchlaufen und arbeite seit 41 Jahren als Psychotherapeut, seit 37 Jahren in eigener Praxis. Ich arbeite tiefenpsychologisch und psychoanalytisch. Es mangelt also nicht an Erfahrungen, und aus diesen heraus versuche ich mitzuteilen.

    Natürlich unterliege auch ich dem Mechanismus, Vorannahmen bzw. Vorurteile aufgrund von Erfahrungen zu haben, sie laufen meist unreflektiert ab, und dann diese bestätigt zu sehen. Wie jeder Mensch reime ich mir die Welt zusammen. Wegen dieses menschlichen Zusammenreimens besteht ja der Ruf nach Fakten und wird die Naturwissenschaft als harter Faktenlieferant favorisiert. Vor ein paar Jahren habe ich mal Artikel über den Aberglauben geschrieben und in eiem 2. Teil über den neuen Aberglauben „Naturwissenschaft“, sozusagen als Erlösermythos, ähnlich wie der christlich-religiöse Mythos von einer Erlösung durch Jesus Christus aus der Erbsünde und dem irdischen Jammertal. Harter Fakt ist, daß Milliarden Menschen seit Jahrhunderten, -tausenden fest daran glauben.

    Andererseits hat die Naturwissenschaft vor allem technisch große Fortschritte gemacht, in der Medizin aus dem Geisterglauben des Mittelalters heraus geführt, obwohl dieser auf der unteren Ebene durchaus noch vorhanden ist. Dieser Fortschritt erweist sich wiederum als Bedrohung für die Menschheit etwa beim CO2, der Erderwärmung und Nuklearindustrie.

    Sfbasar beschäftigt sich mit Literatur, also weichen Fakten. Den Dank erwiedere ich, jede Rückmeldung zeigt mir, wie meine Sachen ankommen und die Menschen ticken. Trotzdem bin ich immer wieder erstaunt, wie weit Menschen von der von mir so erkannten Realität entfernt sind und andere so nah sind und diese bestätigen.

    mgg
    Bernd

  22. Genau, ich bin der Durchgeknallte, fern jedweder Realität. Wer Fantasy und Science Fiction liest, hat ja sowieso nicht alle Tassen im Schrank.

    Vielen Dank auch.

    mgg
    galaxykarl

  23. Es tut mir ja leid.

    Aber wenn ich so richtig stinksauer bin, dann vergesse ich immer die wesentlichen Punkte:
    Ob Psychologe oder nicht, es fehlen immer noch die Beweise, die Fakten, die harten Zahlen.
    Und Milliarden gläubige Christen herzunehmen, um seine eigenen Thesen zu unternauern, ist sehr fadenscheinig.

    Ich esse auch nicht Sch… Oder denken Sie, dass Milliarden Fliegen nicht irren können in ihrem Geschmack? Bullshit, Oberbullshit.

    mgg
    galaxykarl :-I

  24. hier geht es ja ziemlich zur Sache! Ist das so ein Jungsding? Vielleicht habe ja beide recht und jeder lebt in Wirklichkeit in einer anderen Welt und die Menschen haben nur Schnittpunkte, bei denen ihre Realitäten sich berühren. Vielleicht gibt es gar keine Wahrheiten oder Realitäten und wir Menschen sind total auf dem Holzweg und beide liegen falsch. Oder anders ausgedrückt, wer behauptet die Quantentheorie vollständig verstanden zu haben, kann sie nicht verstanden haben. Ich bin zwar nur eine Frau, aber für ist es nicht so wichtig wer recht hat oder ob ich selbst recht habe. Für mich sind andere Sachen wichtig. Wenn ich es auf den Punkt bringen wollte, würde ich sagen, dass es nur eine Sache gibt, die wir menschen absolut wissen, nämlich, dass die Möglichkeit besteht, dass wir garnichts wissen und alle Erkenntnis egal aus welcher Quelle, nur ein riesengroßer Betrug ist, der uns glauben machen will, wir würden irgendwas wissen. Vielleicht ist ja dass das Ding, dass es so läuft, dass wir glauben sollen, das wir wissen oder durchblicken, was das Ganze, das Universum und der ganze Rest, ist und wie alles funktioniert. Es ist wie mit den Moslems, die haben dem naturwissenschaftlichem Westen gegenüber einen riesen Vorteil, Sie haben ihre Vorurteile zur absoluten Dogtrin erhoben und dsmit das Leben auf der Erde nur als Vorleben zum wirklichen Leben deviniert. Oder sagen wir es einfach mit den Worten: Sie leben für ein Leben nach dem Tode, in dem sie glauben, ins Paradies überzuwechseln. Das mag auf den ersten Blick absolut dumm und abergläubisch zu sein, doch betrachtet man so eine Zielsetzung genauer, merkt man schnell, dass sie für diese Menschen keine Enttäuschung bereit halten kann. Das liegt daran, dass sie entweder nach dem Leben und dem Tode tatsächlich im Paradies aufwachen. Oder dass es gar kein Paradies gibt. Doch dann werden sie das niemals erfahren, sie werden niemals diese große Enttäusch erleben müssen, diese Schmach, dass ihr ganzes Leben eigentlich sinnlos war und nur ein Zaubertrick! Vielleicht geht es uns Menschen im Westen analog dazu auch eigentlich im Leben darum, etwas zu erreichen oder besser Ziele zu erreichen. Doch wie of habe ich schon erlebt, dass die wenigen Menschen, die ihre wichtigsten Ziele wirklich erreicht haben, anschliessen eher unglücklicher dabei waren als vor dem Moment, bevor sie diese Ziele ereicht haben. Was lhrt uns das? Na? Natürlich, es ist nicht wie wir glauben, die ganze Welt und alles ist nur ein Zaubertrick, und wir lassen uns davon hinters Licht führen!

    Ok, vielleicht ist das für zwei Männer nur das dumme Gesabbel einer Frau, aber denkt doch einmal trotzdem über meine Worte nach!

  25. Und sorry für die vielen Tippfehler, aber es ist schon reichlich spät, drei Weingläser nach Flasche! 😉

  26. @Martina
    „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, „Je mehr Antworten gefunden werden, desto mehr Fragen tun sich auf“. Das sind alles Gedanken, die tief in der Naturwissenschaft verwurzelt sind, zumindest bei denen, die sich intensiv damit beschäftigen (oder beschäftigt haben).

    In diesem Sinne hast du natürlich vollkommen recht. Möglicherweise ist wirklich alles nur Schein, und es bringt nicht wirklich weiter, neues Wissen zu sammeln. Willst du einfach nur gut leben oder anderen Menschen gutes tun? Das alles schließt sich nicht aus. Aber es kommt immer auf die individuellen Ziele an.

    @Bernd
    Milliarden Menschen glauben seit Jahrhunderten/Jahrtausenden was? An die „Religion Naturwissenschaft“ oder an echte Religionen? Ersteres sicherlich nicht. Aber mit der „Ersatzreligion“ ist das nicht ganz falsch. Die meisten Menschen, die nicht in irgendeiner Weise an einem Prozess teilnehmen, der naturwissenschaftliche Erkenntnis mehrt, „glauben“ in gewisser Weise die Sachen, die sie darüber lesen/hören. Anders geht’s auch nicht. Nur der Prozess selbst, in dem diese Erkenntnis oder das Wissen entsteht, steht vollkommen diametral zu den Aussagen, die im Allgemeinen eine Religion vorgibt. Dort gibt es auch in dem Sinn keine neuen Erkenntnisse.

    Im Prinzip ist alles Wissen auf diese Weise nachvollziehbar (wenn auch insbesondere die Mathematik teilweise schwer zu durchdringen ist.) Und genau das unterscheidet diesen Prozess von eigenen Theorien/Hypothesen/Welterklärungen. Die können vielleicht die Welt hinreichend gut erklären, aber eben nur in den engen Grenzen der eigenen vier Wände. Wenn sie allerdings zur Religion erhoben werden oder Allgemeingültigkeit beanspruchen und auch noch Zuspruch finden, wird’s – wie Galaxykarl bemerkt hat – richtig gefährlich.

    Natürlich bin ich durch meine naturwissenschaftliche Ausbildung geprägt, ganz klar. Aber gerade deshalb reagiere ich mitunter allergisch auf unreflektierte Behauptungen.

    Wie hieß der Mann doch gleich … Gaukelin, glaube ich. Der wollte Astrologie wissenschaftlich erklären. Er die Eigenschaften von tausenden von Leuten gesammelt und eine Statistik daraus gemacht. Diese Statistik hat Planetenstellungen, Jahreszeit usf. als Grundlagen. Natürlich bekommt er tolle Kurven und tolle Aussagen wie: „Die Skorpione sind öfter krank als die Waage-Geborenen“. Mit der Vorgehensweise kann ich dummerweise alles behaupten. Vorhersagen konnte er selbstverständlich nicht machen. (Ich muss gestehen, dass mich das Buch anfangs ziemlich fasziniert hatte ;-))

  27. Gaukelin? Das erinnert mich an den Satz: „Ich glaube nur den Statistiken, die ich selbst gefälscht habe!“

    Was ist denn jetzt mit den Neutrinos und dem Durchbruch der Lichtgeschwindigkeit? Die Wissenschaftler sind völlig aus dem Häuschen, aber was bedeutet das für unser Leben in einer wissenschaftlichen Welt? Lösen sich jetzt doch noch die Grenzen der Wriklickeit auf und zerfliessen in Unbestimmtheit?

  28. Gauquelin heißt er, ich habe nachgeschaut ;-).

    So, wie ich das mitgekriegt habe, scheint es da Unstimmigkeiten bei der Messung gegeben zu haben?!

    Keine Angst, die Wirklichkeit zerfließt nicht, was auch immer neu entdeckt wird ;-), selbst wenn die Lichtgeschwindigkeit tatsächlich überschritten worden wäre. Aber vieles müsste neu interpretiert und würde anders gesehen werden.

    Was das für unser Leben in einer „wissenschaftlichen Welt“ (ist die Welt nicht immer gleich?) bedeutet? Das, was es immer bedeutet hat. Unsere Erkenntnis ist ständig im Wandel. Was es für den einzelnen bedeutet, bleibt dem/derjenigen überlassen.

  29. Für mich zählt nur was ein Liter Milch kostet und ob ich mir das weiterhin leisten kann. Was diese Neutrodinger machen ist mir piepegal! 😉

  30. Eine lebhafte Diskussion! “Ich weiß, dass ich nichts weiß”, “Je mehr Antworten gefunden werden, desto mehr Fragen tun sich auf”. Sokrates ! Das gilt in meinen Augen nicht nur für die Naturwissenschaft, sondern auch für die Geisteswissenschaft. Trotzdem halte ich für sinnvoll, das Wissen zu erweitern. Dadurch weiß man mehr, worauf man sich beziehen kann, wo man dran ist, und das Leben wird interessanter und offener. Mit den harten Fakten kann es sein wie mit dem großen erreichten Ziel, wie Martina erwähnte, ich stehe unglücklich mit leeren Händen da – weil die Offenheit und Unsicherheit verloren gegangen sind und das Leben sozusagen zu und geschlossen ist. Karl wird auf die Barrikaden gehen. Früher hatte ich mal einen Tagtraum, ich gelange ins Schlaraffenland (oder Paradies). Ich bekam Angst, nichts damit anfangen zu können. Das gab mir damals sehr zu denken.

    Auch die harten Fakten werden vom Menschen mit seinen Augen gesehen und interpretiert. Insofern sind sie letzlich subjektiv. Auch die naturwissenschaftlichen Gesetze wurden mit menschlichem Geist und Händen heraus gefunden und verändern sich nach neuen Kreationen dieses Geistes. Ich halte es für das Schicksal des Menschen, an etwas zu glauben und dann danach zu handeln. Nichthandeln gibt es für den Menschen nicht, auch wenn er den ganzen Tag im Bett liegt und die Decke über den Kopf zieht, um die böse Welt nicht zu sehen. Dann handelt er eben so. Sich nicht zu entscheiden, ist auch eine Entscheidung. Im absoluten Sinne begegnen wir Menschen uns trotz vieler Gemeinsamkeiten anscheinend letzlich nur an Schnittstellen. Teilen wir eine Meinung, teilen sie wir auch nicht und umgekehrt.

    Zur Statistik fällt mir nicht nur ein „glaube nur an die Statistik, die du selbst gefälscht hast“, sondern auch „die Statistik ist wie eine Hure, die sich dem zuneigt, der das meiste bezahlt“. Ja, die Moslems haben es gut, sie haben die Hoffnung auf ein 2. besseres Leben, erfüllt sich dieses nicht, bekommen sie es nicht mehr mit. Die armen Christen sehen überall Sünden und Fettnäpfchen, die den Weg dorthin verbauen, und müssen alles tun, um diese zu vermeiden, und dann tuen sie gerade diese – und müssen den Schein wahren. Deswegen galt/gilt bei Lesben „wenn Du ein Kind willst, ohne einen Mann an der Backe zu haben, nimm dir einen Priester. Die Kirche zahlt gut.“

    Für viele Menschen ist der Schein, Status, Erfolg das Wichtigste – und die größte Angst durchschaut zu werden. Deswegen sind die (Tiefen-)Psychologen auch so beliebt. Jetzt genug des Guten (oder Schlechten).
    Bernd

  31. Ihr habt ja echt ein Durchhaltevermögen zu so einem Thema. Das ginge mir total ab. Ich wüßte nicht, was mir solche Gedanken helfen würden, meinen Tag zu überstehen, der geprägt ist von Menschen die mir zumeist auf die Nerven gehen, ob in der U-Bahn, beim Supermarkt oder abends in der Kneipe. Immer ist es dasselbe – ich fühle mich mißverstanden, veralbert, ausgenutzt odere einfach nur genervt oder – noch schlimmer – abgestoßen. Liegt es Aan mir? Oder geht es allen so, dass sie ihre Mitmenschen so wenig mögen oder sich mit ihnen eins fühlen?

  32. Liebe Corinna,

    sei versichert: du ist nicht allein. Wenn man all die Dummheiten eines Tages in Geräusche umsetzen könnte, dann müssten wir alle einen Lärm aushalten, der wirklich an die Substanz gehen kann. Das zu überstehen und trotzdem dem Leben positiv zugewandt zu sein, ist für mich ein schöner Teil der Kunst, dieses Leben zu bewältigen.

    Scheinbar gehören wenigstens du und ich zu dem kleinen Teil der Menschheit, die noch fähig ist hinzusehen und hinzuhören. Darüber hinaus: nachzudenken! Wenn ich all die abgestumpften und obeflächlichen Prols um mich sehe, entwickle ich einen Blick und ein Gespür für Menschen, die es noch wert sind diese Bezeichnung tragen zu dürfen. Irgendwie erinnert mich das an Metropolis von Fritz Lang. Die tumbe Masse schreitet in die Sklavenarbeit. Doch irgendwann erwacht sie und fegt die dekantente – und unnütze – Oberschicht hinweg.

    Natürlich haben all die letzten Kommentare nichts mit Herrn Holstieges Artikel zu tun. Sondern nur mit der Tatsache, wie sich Menschen unterscheiden. In diejenigen, die nachdenken können, und diejenigen, die das nicht mehr können. Und damit manipulierbar sind. Von Agitatoren, von Blendern, von Scharlatanen und anderen Verführern.

    mgg
    galaxykarl 😉

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