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DEIN BILD – Gedanken von Daniel Sand

DEIN BILD

Gedanken

von

Daniel Sand


Beinahe so alt wie alles hier scheint auch die Fotografie im Inneren zu sein. Sie ist über die vielen Jahre hinweg verblasst, beinahe schon glanzlos und ermattet. Sonnenstrahlen haben immer wieder an dem Bild gezehrt und es erblinden lassen.
Auf der verwitterten Kommode steht ein Bild von Dir. Der silberne Lack des gotischen Rahmens ist brüchig und blättert ab. Darunter kommt altes, trockenes Holz zum Vorschein. Wie auch der Rahmen ist auch die Kommode alt und verlebt, einem fremden Betrachter würde die Szenerie erscheinen, als lebe hier niemand mehr. In gewisser Weise trifft dies auch zu.

Es ist ein Relikt vergangener Tage, erinnert mich an eine Vergangenheit, die ich schon lange hinter mir gelassen habe, hinter mir lassen musste, die ich mittlerweile kaum noch erinnere. Dabei weiß ich nicht einmal mehr, warum ich das Bild noch nicht weggeräumt habe oder weshalb es jemals seinen Platz auf dieser Kommode fand.

Du warst zur Zeit der Aufnahme jung, jünger als ich, und vielleicht ebenso dumm wie ich es damals gewesen wäre. Genau kann ich das nicht sagen, denn als die Fotografie erstellt wurde, war ich noch nicht auf diese Welt geboren. Sie erscheint mir dennoch wie ein Fenster in eine Zeit zu sein, die ich niemals gekannt hatte und mir auch nicht sicher darüber bin, ob ich sie hätte kennen wollen.

Trotzdem gehört das Bild auch zu meinem Leben. Unsere Existenzen sind miteinander verflochten, deine Vergangenheit ist irgendwie auch meine. Wenn ich das blasse Foto in dem brüchigen Rahmen so betrachte, erscheint mir dein Antlitz vertraut, nicht unähnlich dem meinen zu sein. Du trägst dasselbe Lächeln im Gesicht wie ich, sollte ich dies jemals wirklich tun. Durch deine Adern floss dasselbe Blut wie durch meine, trotzdem scheint mir alles so wage, so unwahr zu sein.

Nicht nur die Fotografie, sondern auch die Tatsache, dass Ich Du sein könnte oder Du jemals Ich gewesen warst. Es gibt jedoch keinen Weg, dass herauszufinden. Denn von Dir ist nur noch dieses alte Foto übrig und einzelne Fragmente deiner Person in den tiefsten Winkeln meines dunklen Geistes.

Unsere Beziehung, wenn es denn je eine gab, hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Rahmen, in welchem dein Bild eingeschlossen auf die Ewigkeit wartet. Wie der Lack von den Windungen der Verzierung abblättert, so bröckelte einst auch unsere Beziehung zueinander. Verwunden und verworren waren auch unsere wenigen Gespräche.

Auf der Fotografie wirkst du unerfahren, naiv. Aber auch sehe ich weniger Sorgenfalten, so fern das ausbleichende Papier davon überhaupt noch etwas zeigen kann. Ich frage mich, was hast Du zum Zeitpunkt, an dem die Aufnahme gemacht wurde, gedacht. Wie verlief dein Leben in diesem Abschnitt. Wie konntest du so verbittert werden, wie ich dich einst gekannt hatte. Die Zeit muss dir sehr zugesetzt haben. So wie auch diesem Bild.

So sehr hatte ich mir gewünscht, Teil deines Lebens gewesen zu sein, der wichtigste Teil. Auch nur für eine lächerliche Sekunde. Doch dieser Wunsch blieb und bleibt unerfüllt. Einst hast Du mich im Stich gelassen, abgelegt wie einen alten, zerlumpten Mantel, den man achtlos in die Ecke wirft.

Beim Blick auf dein Bild kann ich nur die zeitlose Ewigkeit fragen, weshalb Du einst so gehandelt hast oder handeln musstest. Antworten wird es keine geben. Deine Stimme ist lange schon auf alle Zeiten verstummt, die Erinnerung an Dich reduziert sich auf ein schwarz-weißes, kaum glänzendes Stück Papier, hinter einen dünnen, staubigen Glasscheibe. Was von Deinem Leben übrig geblieben ist, wurde gebannt in einer Momentaufnahme in einem alten Rahmen aus trockenem Holz.

Momentaufnahme
-ENDE-
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Copyright © 2015 by Daniel Sand (um auf die Homepage des Autoren zu gelangen, einfach auf das Babybild unten klicken!)

Bildrechte: Besinnliche Momente und Reflexionen” (Besinnlich-die-zweite.jpg) und Eingangsbild „Abendrot“ © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Baby Copyright © 2015 by Daniel Sand; mit klick auf das Baby zur Seite des Autors!


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BUCHTIPP DER REDAKTION:

„Babyklappe“, „anonyme Geburt“ und „anonyme Übergabe“ (Kartoniert)
Eine Analyse der möglichen Strafbarkeit der Eltern im Rechtsvergleich zwischen Österreich und Deutschland
von Kloiber, Alexandra

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Verlag:  AV Akademikerverlag
Medium:  Buch
Seiten:  76
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  September 2015
Maße:  221 x 149 mm
Gewicht:  135 g
ISBN-10:  3639498747
ISBN-13:  9783639498745

Beschreibung
Die Arbeit „“Babyklappe“, „anonyme Geburt“ und „anonyme Übergabe“ – Eine Analyse der möglichen Strafbarkeit der Eltern im Rechtsvergleich zwischen Österreich und Deutschland“ befasst sich anfänglich mit der Entwicklung dieser drei Rechtsgebiete und betrachtet die gesetzlichen Grundlagen auf denen sie beruhen. Des Weiteren wurde die Abgabe eines Kindes in einer Babyklappe, nach einer anonymen Geburt oder bei einer anonymen Übergabe untersucht. Geprüft wurde die mögliche Strafbarkeit der Eltern in Österreich und Deutschland, welche durch eine solche Kindesabgabe entstehen könnte.

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Updated: 19. Februar 2016 — 15:21

3 Comments

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  1. Hoffe ich habe mit meinem Buchtipp den Nerv deiner Gedanken getroffen? Was meint der Autor? Daniel?

  2. Es sind die Gedanken eines Sohnes an seine Mutter, die er niemals kannte. Man kann es ummünzen auf sich, wenn man eine verblassende Erinnerung an einen einstmals geliebten, nun fremd gewordenen Menschen betrachtet.

    In dem Sinne wäre dann der Buchtipp der Gedanke einer heranwachsenden Person, die sich versucht, seiner Herkunft zu erinnern. Somit ist der Tipp also durchaus passend :).

    Um mich ist es in letzter Zeit etwas still geworden, in literaricher Hinsicht. So langsam arbeite ich daran, diesen Umstand wieder zu verändern und wieder etwas zu schreiben, die Milena Geschichte muss ich ja auch noch komplettieren *grins*.

    Danke Detlef und Martina, Euch nachträglich, ein glückliches, friedliches, gesundes und erfolgreiches 2016… Dasselbe wünsche ich natürlich auch allen meinen anderen Autoren Kollegen in diesem Blog!

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