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DAS ULTIMATIVE EINKAUFSERLEBNIS – Shortstory von Petra Weddehage

DAS ULTIMATIVE EINKAUFSERLEBNIS

Shortstory

von

Petra Weddehage

Eines Morgens stand es da auf unserem Festplatz, einfach so, wie von Zauberhand platziert. Ein riesiges buntes Zelt mit vielen blinkenden Lichtern und einem riesigen Werbeschild mit Leuchtreklame. Hier waren Wörter zu sehen wie: „Billig, Super, Absolut Genial, Rabatte, 10% auf alles!“ Die Leute strömten neugierig herbei.

Hübsche Frauen und Männer verteilten Luftballons und Bonbons, sowie Proben von Shampoo, kleine Lippenstifte und Lose. Da es ein Samstag und somit die ganze Familie zu Hause war, beschlossen meine Eltern mit mir und meinen Geschwistern zu dem Spektakel zu gehen, das sich fast vor unserer Haustür abspielte.

Mit leuchtenden Augen schauten Brigitte und Michael auf die leuchtenden, bunten Lampen. Sogleich bekamen wir süße Lutscher geschenkt und für jeden gab es einen Luftballon. Nun fühlte ich mich mit meinen 13 Jahren doch schon zu groß dafür und beschloss ihn später meiner Mutter zu geben. Die konnte derlei Dinge immer gut gebrauchen um damit einer Geburtstagsparty den richtigen Pfiff zu verleihen. Eine schöne, schlanke Frau gab mir einen kleinen Lippenstift und zwinkerte mir lächelnd zu. Ich fühlte mich sogleich verstanden, sie schien genau zu wissen, was ich gerade gedacht hatte. ´Nun ja´, dachte ich bei mir, ´das ist halt Verkaufsstrategie´. Dieses Thema hatten wir gerade in der Schule. Wir lernten wie die Werbung uns auch unbewusst beeinflusste.

Als ich mich gerade umdrehen wollte, fiel das Sonnenlicht auf die junge Frau und ihre Augen schienen rot aufzuleuchten. Das sah doch recht gruselig aus und ich bekam innerlich eine Gänsehaut. Ich tat es als Leuchteffekt ab wie bei den Fotos auf denen die Augen der Leute auch rot aufleuchteten wenn im falschen Licht fotografiert wurde. Dafür gab es ja Bildbearbeitungsprogramme.

Meine Mutter rief: „Luzia, nun trödle nicht so herum, komm, es gibt noch viel zu sehen.“ Eilig betraten wir das Zelt. Ich blieb mit offenem Mund stehen, so etwas hatte ich noch nie gesehen. Irgendwie wirkte das Zelt im Innenraum größer als es von außen zu sein schien. Es sah ein wenig aus wie auf dem Jahrmarkt. Überall gab es Verkaufsstände mit den interessantesten Kleidern und Accessoires zu bestaunen. Sogar ein Pferdekarussell und Essensstände waren aufgebaut. Viele kleine Kinder stürzten auf das Karussell zu, da das Fahren darauf umsonst war. Allerdings mussten sie jeweils ein neues Ticket ziehen. Dies erschien mir nur fair. So konnten auch andere Kinder damit fahren und die Pferde, Kutschen und andere fantasievolle Figuren, wie die entzückenden Einhörner und der gläserne Pegasus, waren nicht dauernd besetzt.

Meine Mutter stieß einen Schrei des Entzückens aus und stürzte sich auf ein Regal voller Schuhe. Unser Vater hatte inzwischen von einem der Mitarbeiter einen Einkaufswagen bekommen. Wir Kinder wurden mit Stofftaschen in verschiedenen Farben beschenkt. Darin waren je drei Lose. Neugierig öffnete ich eins davon. ´Ein Makeup Set plus ein Styling´, stand auf meinem einen Zettel. Auf dem anderen: ´Ein Outfit Deiner Wahl` und auf dem dritten Los: ´Ein cooles Handy`. Kurz verschwamm die Schrift vor meinen Augen doch ich konnte nicht erkennen was nun darauf stand. Ein leichter Schwindel erfasste mich, so jung und schon Kreislaufprobleme, das konnte ja heiter werden, dachte ich sarkastisch. Kurz darauf ging es mir wieder gut und ich war bereit, meine Gewinne zu nutzen. Ob Mama das mit meinen Haaren wohl erlauben würde?

Ich sah mich nach meiner Mutter um, die war ganz im Kaufrausch versunken und ihr Einkaufswagen war schon gut bestückt. Mein Vater sah mit einem seligen Lächeln zu mir. Er hatte ebenfalls einen großen Einkaufswagen den er vor sich herschob. Während meine Mutter ihrem Schuhtick frönte, hatte er sich auf Werkzeuge und Sportartikel gestürzt. So langsam wurde mir die Sache unheimlich, doch noch bevor ich meine Mutter fragen konnte, ob das mit dem Styling O.K. ging, war wieder die junge Frau vom Eingang bei mir. „Nun junge Dame, was hast Du den Schönes gewonnen.“, fragte sie mich freundlich. Verdattert reichte ich ihr meine Lose. Sie stieß einen freudigen Laut aus: „Nein was bist Du für ein Glückspilz. Lucrezia“, rief sie im Befehlston, „hier ist jemand für Dich!“

Sofort und damit meine ich wirklich augenblicklich sah ich eine weitere wunderschöne Frau mit dunklem Haar vor mir. Noch ehe ich mich wundern konnte, hatte sie mich schon mit in einen anderen Bereich genommen, der von einem rosa Vorhang verdeckt wurde. Dahinter verbarg sich ein fantastischer Anblick. Kleider, Schuhe, Hüte, Taschen und unglaublich viel Schmuck, sowie tolle Haarspangen und viele Kosmetika waren da zu bestaunen. Ruckzuck war ich von drei weiteren Damen umgeben, die mir helfen wollten, meinen Gewinn einzufordern. Während ich die Haare gewaschen bekam und von einer wundervollen, einschläfernden Musik berieselt wurde, begann ich mir keine Gedanken mehr darüber zu machen, was Mama wohl zu den Farbkombinationen in meinem Haar sagen würde, wenn ich fertig umgestylt war. Ich fühlte mich wie eine Prinzessin.

Als ich fertig war, sah ich mich erstaunt im Spiegel an. Meine zottigen braunen Haare glänzten in einem dunklen mahagonibraunen Ton und die sehr poppig rosa eingeschweißten Strähnen vervollständigten meine Frisur. Mein Haar floss in sanften Wellen meinen Rücken hinunter. Hier stutze ich kurz, war es nicht länger als vorher? Mein Haar war doch nur Schulterlang gewesen. Dazu sah das Makeup einfach super aus. Natürlich passend zu dem rosa Touch, der sich auch in meiner Garderobe wiederfand. Ein Kleid mit Spitzen und Rüschen in schwarz, mit rosa Stoffrosen besetzt und mit silbernen Fäden bestickt ließen mich wie eine Gothic Prinzessin aussehen. Dazu hatte ich schwarze Schuhe an, die ebenfalls mit silbernen Fäden durchwoben waren. Die dazu passende Handtasche und eine tolle Haarspange vervollständigten mein Outfit.

Dann ging es daran mein Handy auszusuchen. Schnell fand ich eins, das meinem neuen Aussehen entsprach. Die Farben passten ebenfalls zu meiner neuen Gestalt.

Zum Schluss wurde ich mit dem gesamten Team fotografiert. Lucrezia flüsterte mir zu: „Ab und an wirst Du eine Nachricht auf Deinem Handy von uns bekommen. Ich hab Dir eigens eine App aufgespielt. So weißt Du wo wir sind und kannst Dir ab und an ein paar Proben holen oder Dir von uns schicken lassen.“ Das fand ich aber sehr nett von ihr und bedankte mich artig. Hier verzog sie kurz ihr Gesicht als wenn ihr mein Dank gar nicht so recht war.

Ich betrat wieder den Innenraum des Zeltes und sah wie meine Familie auf mich zukam. Wie ich selber hatten auch sie ein neues Outfit und nette Spielereien bekommen.

Mama hatte zudem alles bezahlt was Papa und sie sich ausgesucht hatten. Meine Schwester hatte für ihre Spielzeugautos eine Garage und eine Waschanlage sowie allerlei Zubehör gewonnen. Mein Bruder eine Ritterburg samt Drachen und Rittern mit Burgfräulein und weiterem Schnickschnack. Dazu hatten alle ebenfalls ein Handy bekommen. Mein Bruder war völlig hin und weg, da seine Glücksfee ihm zudem noch Apps mit kostenlosen Spielen geladen hatte.

Mama und Papa waren gestylt und sahen aus wie Topmodels, die sich gleich zu einer exklusiven Party aufmachen wollten.

Mama meinte erfreut: „So billig habe ich noch nie eingekauft. Ich habe für alle genug Kleidung und Schuhe für das ganze Jahr bekommen und nicht einmal einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlt.“

Als wir das Zelt verlassen wollten waren da wieder die netten jungen Männer und Frauen. „Entschuldigen sie, bitte. Wären sie so nett uns kurz zu sagen wie es ihnen bei uns gefallen hat.“ Meine Mutter schielte auf ihre neue Uhr. Der junge Mann der meine Mama angesprochen hatte sagte sofort: „Natürlich bekommen sie dafür ein kleines Präsent von uns.“ So beantworteten meine Eltern die Fragen der Verkäufer und bekamen zum Schluss noch jeder eine riesige Tüte mit Lebensmitteln geschenkt. Wir Kinder bekamen ebenfalls neue Tüten mit allerlei Süßkram.

Da hörte ich wie gesagt wurde: „Wenn sie kurz hier unterschreiben würden damit wir ihnen auch weiterhin kostenlose Proben zusenden können!“ schlich ich mich an den Verkäufer ran. Der Zettel den die Verkäufer meinen Eltern hinhielten schien vor meinen Augen zu verschwimmen und neue Sätze erschienen. Ich las etwas wie: Drei Jahre Höllenqualen, vier Jahre Kohlenschippen, Eltern haften für ihre Kinder … doch schon veränderte sich die Schrift wieder. Ich wollte mir die Augen reiben und dachte gerade noch daran, dass ich ja Wimperntusche aufgetragen bekommen hatte.

Kurz darauf gingen wir nach Hause. Wir alle waren zufrieden und ich hatte den seltsamen Vorfall mit der Schrift schon vergessen. Von meinem Fenster aus konnte ich das Zelt blinken sehen. Leute strömten hinein und kamen mit zufriedenen Gesichtern wieder hinaus. Die Leuchtreklame blinkte wie verrückt und so konnte ich nicht schlafen. Irgendwann musste ich wohl doch eingenickt sein. Irgend etwas weckte mich und ich sah neugierig aus dem Fenster. Das Zelt leuchtete immer noch, aber was ich nun sah schien einem Alptraum entsprungen zu sein. Die netten jungen Frauen und Männer hatten auf einmal Hörner und Schwänze, ihre Haut war rot und ihre Augen leuchteten gelb. Die Leuchtschrift hatte sich ebenfalls verändert hier stand nun statt der protzigen einlullenden Werbung: „Jedes verschenkte Kleidungsstück: 1 Jahr Seelenqualen. Alle Proben: 5 Jahre Höllenqualen. Pro Handy: 2 Jahre Kohlenschüppen. Eltern haften für ihre Kinder. Tretet ein und … lasst alle Hoffnung fahren.“

Copyright (C) 2013 by Petra Weddehage.

Bildrechte: Coverillustration “Überraschungsgeschichten-der-besonderen-Art1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

BUCHTIPP DER REDAKTION:

Connolly, John
Das Portal der Dämonen

Übersetzt von Koob-Pawis, Petra
Verlag :      cbj
ISBN :      978-3-570-22371-0
Einband :      Paperback
Preisinfo :      7,99 Eur[D] / 8,30 Eur[A] / 11,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 16.01.2013
Seiten/Umfang :      320 S. – 18,3 x 12,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      14.01.2013

Medien :
Leseprobe(PDF)

Der 11-jährige Samuel ist eigentlich ein ganz normaler Junge, bis seinen gelangweilten Vorstadtnachbarn nichts Besseres einfällt, als ein wenig Dämonenbeschwörung zu üben. Das klappt dummerweise überraschend gut und nun sind die dämlichen Nachbarn nicht nur von Dämonen besessen, sondern diese fiesen Gestalten auch noch hinter Samuel und seinem Dackel Boswell her. Die waren nämlich unfreiwillige Zeugen, als die Hobby-Satanisten das Portal im Universum auftaten, durch das der finstere Lord nun seine Trupps in die Welt der Menschen entsendet. So muss Samuel nun den Untergang der Menschheit verhindern – irgendwie …

John Connolly, geboren in Dublin, wurde weltweit berühmt durch seine »Charlie Parker«-Thrillerserie. All seine Romane stürmten die Bestsellerlisten und als erster Nichtamerikaner gewann er den Shamus Award. »Das Portal der Dämonen« ist sein erstes Kinderbuch.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

16 Comments

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  1. Hi Leute,
    wie gefällt Euch meine Story?!?
    Freu mich immer über Kommentare.

  2. Ab und an hab ich Kunden da wünschte ich mir Hörner und rote Augen. Grins!!!

  3. Ich finde sie gut und auch der Buchtipp paßt gut dazu. 🙂

  4. So ich hab abgestimmt!!! Also Leute ran an die Tastatur und Voten!!! 🙂

  5. @Petra

    Nun mal langsam mit den Pferden. Ich hatte noch keine Chance, auch nur eine Geschichte zu lesen; dafür haben wir doch eben diesen Abstimmungsmonat. Im ersten Monat eines Wettbewerbes können ja noch kurz vor Schluss Beiträge eingestellt werden, z. B. meiner.

    Ich bastle mir also wie immer meine Rankingliste und machen ein Herzchen bei den Beiträgen, die mir gefallen. Sind es mehr als ich Stimmpunkte zur Verfügung habe, gehts ans Aussieben.

    Du hast also deine Favoriten schon gefunden.

    mgg
    galaxykarl 😉

    P.S. Ich merke aber, dass dir die Kur gut getan hat; du scheinst ja voller Energie zu stecken; freut mich sehr.

  6. Lieber Galaxykarl

    Mein Energielevel steht leider ein wenig Richtung 0, da ich total erkältet bin. Fieber ist aber schon wieder weg. Also geht es schwungvoll weiter. 🙂 😉
    Mal sehen ob das diesmal mit den Smileys klappt. Ansonsten, grins, Zwinker, doppelgrins!!!

    …und endlich mal ein Kommentar!!!

  7. Mein Mittel gegen Erkältung: vorbeugen durch Spaziergänge (mind. 1 h) mit Schwieger-Dad bei jedem Wetter. Das härtet ab und wir quatschen dabei über Gott und die Welt.

    Mein Liebelein und Schwimu gehen shoppen und die Männer latschen durch die Natur.

    mgg
    galaxykarl 😉

    P.S. Petra, gute Besserung und viel Glück beim Wettbewerb!

  8. Apropos Wettbewerb: Detlef führt, Mona, du und ich liegen gleichauf. Ist aber noch alles drin und wir haben ja noch 3 Wochen. Bin gespannt, was sich hier im Rennen noch tut.

    mgg
    galaxykarl 😉

  9. Oh, dann auch mal von meiner Seite Gute Besserung! ^^

  10. Danke, ihr Lieben!
    …und meinen Glückwunsch an die Gewinner der Weltentor Anthologie 2013.
    Euch auch viel Glück beim Wettbewerb, im Grunde sind unsere Geschichten so vielfältig und interessant, das Detlef mal eine eigene Antho rausbringen sollte. Als E-Book wäre das doch machbar?!?

  11. Ähm… Petra, woher weißt du das mit den Weltentor-Anthos? Die Sieger stehen doch noch gar nicht fest. Bis dato steht nur fest, dass Günther, Detlef und ich dabei sind, mehr nicht. Die jeweiligen Sieger in Mystery, Fantasy und SciFi wurden vom Verlag noch nicht genannt.

    mgg
    galaxykarl 😉

  12. Dr. Heinz-Theo Ullrichs

    sieht doch gut aus.

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