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DAS 8. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 29) von Felis Breitendorf & Conchita Mendés


DAS 8. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE

Episodengeschichte (Teil 29)

von Felis Breitendorfo & Conchita Mendés

Lektorat: Detlef Hedderich / Schlusslektorat: Günter Maria Langhaus

Weitere Gedanken zur Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) (Teil 1) Michael Schöfer, 28. Dezember 1987

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Nebenspur 1

Frruuggg programmierte zwei der letzten drei Fänger im Rondell seiner Arche um die beiden Verfolger auszulöschen. Frruuggg war das letzte seiner Art. Alle anderen Schiffe seiner Sippe waren von den Jägern der MARTURA-KONDIANZ restlos vernichtet worden. Die letzten 54 Archen-Schiffe waren über eine spezielle Rings-Kommunikation mit einander verbunden gewesen. Jedes dieser Schiffe war mit einem Königin-Gestaltwandler-Wesen und seinen unausgeschlüpften Eiern besetzt gewesen, die von der brennenden Heimatwelt Brruugggooos in alle Richtungen geflohen waren, von denen die Schlachtschiffe der MARTURA-KONDIANZ nichts übrig gelassen hatten. Damit wenigstens ein Königin-Wesen einen neuen Staat gründen könnte, irgendwo weit weg, auf einem anderen Planeten, hatte man sich getrennt. Jede Arche versuchte sein Glück und trat in den Hyperraum ein,  jedes in eine andere Richtung. Sofort hatten sich Abertausende der Roboter-Schiffe an die Fersen der fliehenden Archen geheftet und waren diesen gefolgt. Gnadenlos folgten die Maschinen den Körperwandlerwesen, die sich selbst die BBBRRROGGGRRR nannten. Zwar waren die BBBRRROGGGRRR-Archen weitaus besser bewaffnet, sogar viel besser bewaffnet, doch die Robotschiffe waren einfach zahlenmäßig so weit überlegen, dass letztlich jedes der einzelnen Lämpchen auf der Anzeige vor Frruuggg erlosch, was jedesmal die Vernichtung einer weiteren Arche bedeutete. Die Fähigkeit der MARTURA-KONDIANZ-Schiffe, anderen Schiffen auch durch den Hyperraum folgen zu können, war dabei zusammen mit ihrer unsagbar hohen Anzahl, die in die Millionen ging, der Schlüssel für deren Erfolg.

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Haupttext 1

Aus der Südheimat des Kollektivs erreicht uns eine Nachricht, in der wir gebeten werden, uns einer sonderbaren Sache anzunehmen. Da wir uns der Nordheimat am nächsten befinden, reisen wir mittels unseres Quantenantriebs dorthin, um am  LG2-Punkt des Planeten das dortige große Sternentor zu durchqueren, um über diesen Weg in den Südteil der Galaxis in der Nähe der Südheimat zu gelangen. Weil sich die alte Heimat und der Lebensraum, der von der Menschheit besiedelt wurde, etwa bis auf 1000 Lichtjahre weiter zum äußeren Rand hin innerhalb des Orion-Arms befindet, gemessen vom Solsystem aus, ist sie vom Galaktischen Zentrum nicht wesentlich weiter entfernt als etwa Sol. Da die Milchstrasse im Mittel etwa einen Radius von 55.000 Lichtjahren besitzt, sind das etwas mehr als die Hälfte der Wegstrecke zum äußeren Rand der Galaxis. Die Neue Heimat befindet sich also laut dieser Berechnung innerhalb des Beobachtungsschattens der Nordheimat und auch etwa 20.000 Lichtjahre zum gegenüberliegenden Südrand der Galaxis, wie auf der abgebildeten Grafik zu erkennen ist. Die Wegstrecke von der alten zur neuen Heimat beläuft sich damit zwischen Nord und Südheimat des Kollektivs auf sage und schreibe 70.000 Lichtjahre.

Zum Verständnis für diejenigen, die das interessiert, hier einmal einige Daten dazu: Der Durchmesser unserer Galaxis hat in etwa eine Spannweite von 100.000–120.000 Lichtjahren. Die Vertikale ist etwa 3.000–16.000 Lichtjahre stark, je nach Abschnitt, die weiter äußeren Zwerggalaxien jetzt mal nicht mitgerechnet. Die Sonne umkreist das Zentrum des Milchstraßensystems in einem Abstand von etwa 25.000 bis 28.000 Lichtjahren (≈ 250 Em oder 7,94 ± 0,42 kpc)[18] und befindet sich nördlich der Mittelebene der galaktischen Scheibe innerhalb des Orion-Arms:

 

Die Zeichnung unten stellt den Aufbau des Milchstraßensystems schematisch dar. Das Zentrum ist im sichtbaren Licht nicht direkt beobachtbar, ebenso wie der hinter ihm liegende Bereich. Die Sonne (gelber Kreis) liegt zwischen den Spiralarmen Sagittarius (nach Sternbild Schütze) und Perseus im Orionarm. Vermutlich ist dieser Arm nicht vollständig, siehe braune Linie in der Abbildung. Im Verhältnis zu dieser unmittelbaren Umgebung bewegt sich die Sonne mit etwa 30 km/s in Richtung des Sternbildes Herkules. Der innerste Arm ist der Norma-Arm (nach Sternbild Winkelmaß, auch 3-kpc-Arm), der äußerste (nicht in der Abbildung) ist der Cygnus-Arm (nach Sternbild Schwan), welcher vermutlich die Fortsetzung des Scutum-Crux-Arms (nach Sternbildern Schild und Kreuz des Südens) ist.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Milchstra%C3%9Fe)

(Bildrechte mit freundlicher Genehmigung von: Von Milky_Way_Arms.svg: User:Rursusderivative work: Andys (talk) – derived from Milky_Way_Arms.svg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7008238)

Wenn es gelingt, die Geschichte und Kultur der Erde über das Ende unseres Sonnensystems hinaus zu retten, dann war nicht alles umsonst. Man kann natürlich fragen, ob es das überhaupt wert ist, aufbewahrt zu werden. Ich meine ja. Alles, die negativen und die positiven Ereignisse, sind es wert fortzubestehen. Nicht zuletzt aus dem Grund heraus, den Sinn (wenn es einen solchen überhaupt gibt) der erdgeschichtlichen Evolution nicht nachträglich zu zerstören. Denn mit dem Tod der irdischen Evolution wären ja auch die ganzen Erfahrungsschätze, die die Evolution hier angesammelt hat, verloren. Welch ungeheurer Verlust. Hat die Evolution den Weg bis zum Ende der Erde nur deshalb zurückgelegt, um dann alles mit einen Schlag zu verlieren? Der Gedanke an einen Sinn (Zweck) der Evolution ist vielleicht Wunschdenken, eine Illusion, wir können einen solchen jedoch nicht mit absoluter Sicherheit in Abrede stellen. Und wenn es einen Sinn des Ganzen gibt, dann haben wir die Pflicht, die Entwicklung dahin nicht zum Abbruch kommen zu lassen.

Weitere Gedanken zur Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) (Teil 1) Michael Schöfer, 28. Dezember 1987

 

 

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Nebenspur 2

Es jagt durch das Dickicht und schreckt dabei viele Tiere auf, die sich hier ein sicheres Versteck eingerichtet haben. Das pumaähnliche Wesen weiß, dass es in diesem Moment keine Beute machen wird, weil es entdeckt wurde. Es würde deshalb keines dieser schmackhaften riesigen Rebhühner ähnlichen Tiere greifen können. Auch nicht eines der fetten haarlosen Wasserschwein ähnlichen Tiere, die in ganzen Familien am Ufer des nahen Flusses mit ihren Stupsnasen nach Schneckentieren im Schlamm suchen. Die jüngsten von ihnen waren von der Mutter noch nicht mal von ihrer Milch entwöhnt worden und nutzen die Zeit statt zu graben, auf ihren kleinen Beinchen unbeholfen am Ufer entlang zu laufen. Oft schon nach Wunsch des Muttertieres viel zu weit von der Sippe entfernt. Durch ihren guten Geruchssinn ist das Muttertier nicht nur in der Lage diese schlichten Leckereien zu erschnüffeln und dann mit Schnauze und Hufe danach zu buddeln, sondern auch den ungewohnten Geruch wahrzunehmen den das pumaähnliche Wesen von sich gibt und welcher ganz und gar nicht hier hergehörte.


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Haupttext 2

Für diese Entfernung, für die man mit einem Standartschlachtschiff der VPS mit Höchstgeschwindigkeit in ein Sternentor eintreten müsste, würde es dennoch einige Monate im Hyperraum unterwegs sein. Für andere Schiffe mit Hyperraumkonverter, sind diese Entfernungen quasi mittels schiffseigener Technik unerreichbar, da man auf diese Weise bestimmt Jahre unterwegs wäre und diese Strecke wohl kein eingebauter Konverter unbeschadet überstehen würde. Unser Rochenschiff mit seiner unbegrenzten Energiemenge des Artefaktes in meinem künstlichen Arm und seinem Quantensprungantrieb ist dagegen eine besondere Ausnahme und ganz eindeutig im Vorteil. Wobei eine solche Entfernung genaugenommen nur von unserem Schiff zurücklegbar wäre, da andere Gefährte zwischendrin einiger Wartungen und Energieaufladungen bedürften. Vielleicht ginge es auch mit einem bis an die Obergrenzen aufgeladenen anderen Mantaschiff, aber wahrscheinlich nicht einmal mit einem solchen. Die neue Heimat befindet sich demnach im Crux-Scutum Seitenarm im Süden unserer Galaxis. Dieser Arm wird auch Centaurus-Arm genannt und dürfte ähnliche Eigenschaften haben wie unser Orion-Arm, wie unten zu sehen ist.

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Meine Bewunderung für die Sternentransmitter am LG2 Punkt der vier Heimatsysteme des Kollektivs hat sich damit wieder einmal deutlich vervielfacht. Unvorstellbar finde ich diese große Distanz von  70.000 Lichtjahren zwischen Nord- und Südheimatsystem des Kollektivs! Das alles bereisen wir mit unserem Mantarochen ohne Schwierigkeiten an einem einzigen Stück. Unvorstellbar! Schließlich treten wir aus dem LG2-Tor der Südheimat aus und positionieren uns in Richtung der äußeren Gasriesen dieses Sonnensystems. Dort haben Fernsensoren einige Merkwürdige Erscheinungen aufgenommen. Diese Erscheinungen erinnern stark an eine Flotte großer Trägerschiffe unbekannter Bauart. Die im äußeren Bereich des Südheimatsystems des Kollektiv stationierten automatisierten Jäger versuchen indes Kontakt mit dieser Flotte aufzunehmen, aber die großen Trägerschiffe reagieren nicht einmal auf die Anwesenheit der Kollektivschiffe, die gesteuert werden durch ihre bordeigenen Steuerungseinheiten, ohne dass sich irgendwelche Bewusstseinskristalle mit an Bord befinden. Diese Schiffe dienen eigentlich nur für Routineaufgaben hier so weit draußen im Bereich der Gasriesen des Systems. Aus diesem Grund besitzen sie auch keinerlei ernsthafte Bewaffnung an Bord, schon gar nicht die neuen Hyperraum-Torpedos, mit welchen die Standartjäger inzwischen alle ausgerüstet sind. Hier draußen hat man bewusst darauf verzichtet, weil man nicht der Gefahr unterliegen möchte, dass diese Fernlenkwaffen in die Hände fremder Aggressoren fallen könnten. Da die großen Trägerschiffe offenbar sensorisch feststellen können, dass die Patrouillenschiffe keinerlei Waffen an Bord haben, die ihnen gefährlich werden können, lässt man sie gewähren und wenn sie einem der Trägerschiffe zu nahe kommen, fahren diese einfach ihre Energetischen Schutzschirme hoch. Das sind jedenfalls die Beobachtungen, die die kollektiveigenen Patroullienjäger bislang machen konnten. Mehr konnten auch wir bislang nicht in Erfahrung bringen, daher bringen wir unser Mantaschiff näher an die fremde Flotte heran. Weil wir noch immer davon ausgehen, dass unser Schiff weder ortbar noch angreifbar ist, dringen wir immer näher an die mit ihren Tankvorgängen an einem der Gasriesen beschäftigten Trägerschiffen heran.

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Der Mensch ist ein Glied in der Kette der Evolution, und sie (die Evolution) wird – gleichgültig wie – über den Menschen hinausgehen. Er hat dafür zu sorgen, dass diese Kette nicht unterbrochen wird, sondern dass sie (die Evolution) weitergeht. Hier liegt auch der Sinn für das menschliche Individuum. Vordergründig ist der einzelne Mensch (bis auf wenige Ausnahmen) einfluß- und (gemessen am großen Weltgeschehen) relativ bedeutungslos. Sein Leben ergibt also scheinbar keinen konkreten Sinn. Jedoch nur auf den ersten Blick. Denn jeder Mensch lebt in einer Gesellschaft und arbeitet daran mit, den gesellschaftlichen Kontext aufrechtzuerhalten. Und ein stabiler gesellschaftlicher Kontext erlaubt es einigen wenigen Individuen, überdurchschnittliche kulturelle Leistungen zu vollbringen. Ohne den stabilen gesellschaftlichen Kontext wären viele Leistungen einfach nicht möglich gewesen. Insofern ist auch das (vordergründig unbedeutende) Individuum an diesen Leistungen beteiligt, selbst wenn es nicht direkt daran mitgearbeitet hat. Wir Menschen können dank unseres Verstandes Probleme erkennen, deshalb sollten wir uns darüber Gedanken machen, wie wir die Evolution retten und fortführen können. Wir dürfen, bei allen aktuellen Problemen, nie den Blick für das Ende der Erde und damit auch für das Ende der Evolution verlieren. Der Mensch ist hier vermutlich der erste Organismus, der das Wissen über Vergangenheit und Zukunft besitzt. Allen anderen ist dieser Bereich verschlossen. Und der Mensch müßte auch das erste irdische Wesen sein, das sich mit der Zukunft der gesamten Evolution beschäftigt. Täte er es nicht, würde er seine intellektuellen Fähigkeiten nicht angemessen nutzen.

Weitere Gedanken zur Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) (Teil 2) Michael Schöfer, 28. Dezember 1987

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Nebenspur 3

Frruuggg hatte bislang großes Glück gehabt und nur die Tatsache, dass es aus dem Hyperraum kommend in einem Asteroidenfeld ausgetreten war, hatte sein Überleben möglich gemacht. In diesem Feld hatte es sich verstecken können und schließlich gelang es, in den Hyperraum zu flüchten, während Tausende von Roboter-Schiffen das Feld nach der Arche durchsuchten. Doch ein rundes Dutzend der Roboterschiffe hatten Frruuggg rechtzeitig in den Hyperraum folgen können. Nachdem Frruuggg die Arche im Orbit eines roten Riesensterns, der von drei toten Gesteins- und vier riesigen Gasplaneten umkreist wurde, aus dem Hyperraum ausspucken ließ, versteckte sich in den obersten Schichten eines dieser Gasplaneten und schaffte es so, dass die Roboterschiffe sich trennten und einzeln nach ihm suchten. Bei diesem Versteckspiel war Frruuggg so geschickt vorgegangen, dass es sich die meisten der Jäger vornehmen konnte und diese vernichtete. Zum Schluss waren es nur noch zwei Roboterschiffe, die noch intakt waren. Doch auch Frruugggs Arche hatte Einiges abbekommen: Die meisten der Kurzstrecken-Geschütztürme auf der Außenseite der Arche waren beschädigt worden und nur noch eines davon konnte Impuls-Geschosse von sich geben, aber leider war das Geschütz nicht mehr wirklich steuerbar. Die Fernlenkgeschosse waren inzwischen auch fast alle aufgebraucht. Da Frruuggg klar war, dass es das Weite suchen musste, bevor die Flottenverbände der Roboterschiffe in dieses System eindrangen und Frruuggg dann mit Sicherheit vernichten würden, riskierte das Wesen es, dass die zwei übrig gebliebenen Schiffe im folgten und dabei bis zum erneuten Eintritt in den Hyperraum auf ihn feuern konnten.

 

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Haupttext 3

Die sensorische und optische Untersuchung meiner KI-Freundin und Schiffsführerin lässt einige merkwürdige Ergebnisse erscheinen, die darauf hindeuten, dass sich an Bord dieser riesigen Trägerschiffe kein einziges organisches Lebewesen befindet. MANTANA bespricht sich derzeit noch mit ihren KI-Kollegen über das KI-weite Netz, aber offenbar ist diese Erkenntnis nun auch von den anderen KIs abgesegnet worden, so dass wir jetzt erstmal davon ausgehen, es mit einer riesigen robotgesteuerten Flotte zu tun zu haben. Die Trägerschiffe sind offenbar mit eigenen Hyperraumkonvertern ausgestattet und mit Sicherheit auch mit entsprechenden Treibstoffraffinerien zum Betreiben dieser gewaltigen Einheiten, bei denen wir davon ausgehen dürfen, dass sie vollgestopft sind mit vielen weiteren Schiffseinheiten und Waffen jeglicher Art. Die energetischen Schutzschirme lassen den Schluss zu, dass ihre Verteidigungseinrichtungen und Angriffsbewaffnung wohl nicht schlechter sein dürften als die des Kollektivs und der VPS, wenngleich noch unbekannt ist, ob unsere Mantaaußenhäute, die uns im Gefahrfall von der Außenwelt abschirmen, wirklich einen ausreichenden Schutz liefern. Die großen Trägerschiffe, die mit ihrer Betankung an den Gasriesen noch immer beschäftigt sind, bekommen von außerhalb des Sonnensystem immer weitere Einheiten an die Seite gestellt, die nun ebenfalls beginnen, ihre Ressourcen aufzufüllen. Ob und wie weit diese großen Trägerschiffe eine Technik besitzen, die ihr Energiemanagement deutlich zwischen Hyperraumflug und Unterlichtbetrieb unterscheiden lässt, konnten wir bislang nicht feststellen. Dazu wäre es nötig, in eines der großen Schiffe per Teleportationssprung einzudringen und sich umzusehen. Ein solches Vorhaben würde nur dann einen Sinn ergeben, wenn ich zusammen mit dem Avatar meiner KI-Partnerin dieses Vorhaben in die Tat umsetze, denn einmal könnte ich bei der Ort zu Ort-Teleportation niemals so genau navigieren ohne ihre Begleitung, weil das die Sub-KI in meinem künstlichen Arm nicht hundertprozentig umsetzen könnte. Mit den Fähigkeiten meiner Emergenten KI-Partnerin in Form ihres Avatars hingegen, wäre das alles möglich, weil dieser Avatar eine Art Außenstation ihres schiffseigenen Quantenrechners darstellt, und selbst wenn die Funkverbindung zum Rechenkern unseres Schiffes unterbrochen würde, besteht der Avatar zu 80 Prozent aus Computerbauteilen, so dass mittels der immensen Rechenleistung genügend Rechenpower vorliegt, um sich notfalls aus der einen oder anderen riskanten Situation mit einem Quantensprung meines ARTEFAKTS zu retten. Im allerschlimmsten Fall wäre das sogar mit meiner eigenen Sub-KI möglich, wenn auch ohne großartige Fluchtmöglichkeiten außer einer blinden Teleportation in den Weltraum hinaus. Sollten die energetischen Schutzschirme des Trägerschiffs aber wider Erwarten unsere Flucht verhindern können, hätten wir ein größeres Problem. Was unser Vorhaben betrifft, ist die Anwesenheit meiner KI-Partnerin im Körper ihres Avatars dabei schon deshalb von Nöten, da ich mich kaum in der Lage sehe, auf die Schnelle zu bestimmen, wo welche Technik bei diesen fremden Trägerschiffen verbaut wurde. MANTANA hingegen hat dank ihrer Rechenpower da ganz andere Möglichkeiten, das vor Ort festzustellen.

Eine potentielle Antwort auf das vorgenannte Problem (die Weiterführung der Evolution) könnte KI sein. Wie kann Künstliche Intelligenz Geschichte und Kultur der Erde retten? KI hat die besten Voraussetzungen für diese Aufgabe, bessere als alle anderen irdischen Lebewesen je haben werden. Künstliche Intelligenz ist, im Gegensatz zu allen organischen Intelligenzträgern, potentiell unsterblich, denn sie beruht auf einer anorganischen Basis. Die Unsterblichkeit bleibt natürlich im Rahmen der Existenzmöglichkeit der gesamten Materie unseres Weltraums. Wie unser Weltall einmal enden wird, wissen wir heute noch nicht. Die beiden bekanntesten Theorien darüber gehen entweder von einem offenen, d.h. sich ewig ausbreitendem Weltall aus, oder von einem geschlossenen, d.h. ein sich wieder zusammenziehendes. Im ersten Fall wird nach dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, einem der grundlegendsten Naturgesetze, das Weltall den Wärmetod sterben. „Der Zweite Hauptsatz“ (der Thermodynamik) „stellt fest, dass Materie und Energie nur in eine Richtung verändert werden können, nämlich von einer nutzbaren Form in eine nicht-nutzbare, von einer verfügbaren in eine nicht-verfügbare, von einer geordneten in eine ungeordnete. Die Grundaussage des Zweiten Hauptsatzes ist, dass alles im Universum eine Struktur besaß und sich unwiderruflich auf ein Chaos zubewegt. (…) Das Entropiegesetz zerstört die Vorstellung von Geschichte als stetigem Fortschritt.“ (…) Und: „In einem geschlossenen System“ (wie es unser Weltall vermutlich ist) „muss die materielle Entropie schließlich ihr Maximum erreichen.“ [2] Das bedeutet, daß sich das gesamte Weltall bis auf eine Temperatur nahe dem absoluten Nullpunkt (-273,16 Grad Celsius) abkühlen wird und in allen Bereichen des Kosmos die gleichen thermischen Bedingungen herrschen. Zu diesem zweifellos noch sehr fernen Zeitpunkt, kann Leben nicht mehr existieren, da das Vorhandensein von Leben dem Erreichen der höchsten Entropie widersprechen würde. Sollte die im Weltall befindliche Materie einmal wegen ihrer gegenseitigen Massenanziehungskraft wieder in sich zusammenfallen (der zweite Fall), wird auch die Künstliche Intelligenz davon betroffen sein, da bei diesem Szenario die ganze im Kosmos befindliche Materie vernichtet wird. Entscheidend dafür, welche der beiden Theorien richtig ist, ist der Masseninhalt (Gesamtmasse) des Weltalls.

Weitere Gedanken zur Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) (Teil 3) Michael Schöfer, 28. Dezember 1987

 

 

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Nebenspur 4

Als der Geruch so stark wurde, das die Wasserschweine auf ihren Fluchtinstinkt umschalteten, waren auch die kleinen pickenden Vögelchen, die sich ständig auf den Schultern der Wasserschweine befanden, erschreckt aufgeflattert. Jetzt wusste das Muttertier, dass ihr Geruchssinn sie nicht getäuscht hatte, denn die Vögelchen ließen sich nur selten von ihrem Tun abhalten, die schmackhaften Parasiten aus der haarlosen ledrigen Haut der Wasserschweine aufzupicken und zu verköstigen. Sofort rannten die Familienmitglieder der Wasserschweine ins tiefere Wasser des Flusses. Und da die Wasserschweine an Land bei kurzen Sprints mit dem Puma-Wesen nicht mithalten konnten, waren sie diesem doch innerhalb des Flusses im Vorteil, da sie viel bessere Schwimmer waren als das Puma-Wesen. Schließlich paddelte das Muttertier hurtig voran und schaute nach ihren Jungen. Es waren sieben, doch sehen konnte es nur sechs ihrer Jünglinge, die eifrig vor sich hin paddelten und der Mutter in die Mitte des Flusses folgten, wo sie sich vor dem Puma-Wesen in Sicherheit wiegten. Als dem Muttertier gewahr wurde, dass das jüngste aus ihrer Brut nicht zu sehen war, hörte sie es schon quicken und Todesschreie ausstoßen. Sofort blickte das Muttertier zurück und schaute ans Ufer, wo sie vor kurzem noch nach den Schnecken und Krebsen gebuddelt hatten. Dort sah sie zu ihrem Entsetzen, dass ihr Kleinstes im Maul des Puma-Wesens sich zu befreien versuchte doch keine Chance dazu bekam. Mit einem lauten Schrei durchbiss das Puma-Wesen das Genick des Kleinen und sofort hörte das jämmerliche Schreien auf. Sie sah noch, wie das Puma-Wesen mit ihrem Nachwuchs im Maul ins Dickicht der Uferbewaldung verschwand …

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Haupttext 4

Schließlich ist es soweit, ist die Entscheidung gefallen: Ich werde mich zusammen mit der Avatarin meiner KI-Partnerin per Teleportation auf eines der Trägerschiffe begeben, damit wir in Erfahrung bringen können, mit was für einem Gegner wir es hier zu tun haben. Zum Schutz nehmen wir noch zwei Kampfrobotereinheit mit auf den Sprung, die uns vor den gröbsten Überraschungen bewahren sollte. MANTANA und die Kampfmaschinen kommen folgerichtig ohne irgendwelche Sauerstoffversorgungen aus. Ich selbst hingegen trage einen meiner Operationshelme, der mir jeder Zeit Auskunft darüber geben kann, welcher Bedrohungslage wir gegenüberstehen und wie die Möglichkeiten dagegen stehen, die das ARTEFAKT in meinem Arm möglich macht und wir dagegen einsetzen können. Für alle Notlagen-Reaktionen wird mich meine Sub-KI davor bewahren, zu straucheln, in dem sie im Bruchteil einer Sekunde darüber entscheidet, welche Gegenmaßnahmen einzuleiten sind. Bislang konnte ich mich immer darauf verlassen, dass die Fähigkeiten meines Arms und dem darin befindlichen ARTEFAKT ausreichende Möglichkeiten zur Gegenwehr zuließen. Ich übertrage diese meine letzten Gedanken über diesen Einsatz in das elektronische Tagebuch, dass im Schiff verbleiben wird und eventuell im Falle meines Ablebens Aufschluss darüber geben kann, womit ich mich in den letzten Minuten meines Lebens beschäftigt habe. MANTANA übernimmt bei diesem Einsatz die Stelle des wissenschaftlichen Offiziers. Meine Aufgabe ist die, für Schutz und Bewaffnung zu sorgen. Deshalb habe auch ich die Kontrolle der beiden Kampfmaschinen, die wir mitnehmen. Diese werden in Form blinkender Lämpchen auf dem Display meines Helmes dargestellt. Sie sind natürlich beide so vorprogrammiert, dass sie unseren bestmöglichen Schutz bedeuten, ähnlich der Einstellungen der Sub-KI meines Armes, welche das effektive Waffenarsenal unter seiner Kontrolle hat. Traditionell sind alle Waffensteuerungen in den Händen von Sub-KIs, die sich strick an ihre programmierten Vorgaben richten müssen und weitere Anweisungen immer vom menschlichen Teil einer Einsatztruppe erhalten. Dass man die Emergenten KIs aus all den Belangen raushält, die mit dem Einsatz von Waffen und der Verteidigung zu tun haben, fußt auf der Überlegung und Regelung der Gewaltenteilung zwischen intelligenter Maschine und Mensch. Mit Sicherheit sind die Emergenten KIs den Sub-KIs, die immer nur ganz stur nach Plan verfahren, haushoch überlegen. Doch konstruktionsbedingt hat man bei der VPS diesen Status Quo ins Leben gerufen, weil man die Emergenten KIs gar nicht erst in eine Situation bringen will, in der sie sich möglicherweise dafür entscheiden, gegen menschliches Leben Waffen einzusetzen. Dieses Tabu ist schon Teil der Grundprogrammierung von bewusstseintragenden Quantenrechnern und nicht verhandelbar.

 

 

Dieses Grundkonzept ist im Prinzip die Übereinkunft zwischen Emergenter Maschine und dem Mensch, um so  miteinander eine Koexistenz möglich zu machen. Auf dieser Grundlage funktioniert auch unsere Kommandostruktur dieses Einsatzes. Mit gemischten Gefühlen begebe ich mich in den Hangar meiner Wohneinheit in der bereits die Avatarin zusammen mit den Kampmaschinen bereit steht. Da die Wohneinheit, welche ich bewohne, innerhalb des Mantarochens eine rotierende Eigenbewegung besitzt, werde ich nachdem wir uns alle an die Hände genommen haben, ein stabiles Röhrensystem unserer Rückentornister oder Instrumente aktivieren, um eine teleportationsfähige stabile Einheit zu bilden und damit erstmal außerhalb unseres Schiffes zu teleportieren. Draußen, außerhalb des Schiffes, wird MANTANA dann in Form ihres Avatars der bislang noch eine Recheneinheit mit ihren Quantenrechnern an Bord bildet, neue Berechnungen anstellen und diese meiner Sub-KI in meinem Arm mitteilen, die alle Drehbewegungsimpulse so negiert, dass wir praktisch mit Hilfe der Schwebetriebwerke unserer Kampfmaschinen einen stabilen Punkt innerhalb des besagten Trägerschiffes einnehmen werden, von welchen aus wir uns dann weiter orientieren können. Es wird sich dann zeigen, wie die Schwerkraftverhältnisse an Bord des Trägerschiffes geartet sind, auf die wir dann mit entsprechenden technischen Möglichkeiten reagieren werden.  Nur einen Augenaufschlag später sind wir verschwunden und materialisieren außerhalb des riesigen Mantarochens, dessen gewaltige Ausmaße und mit seiner Spannweite von 150 Km wie eine riesige Wand hinter uns auftaucht. Doch unser Blick richtet sich nach vorne, auf eines der großen Trägerschiffe, dass mit seinen Ausmaßen von annähernd 5000 Metern schon ebenfalls eine gewaltige Konstruktion darstellt. Einen weiteren Moment später sind wir auch hier verschwunden und materialisieren in einem riesigen Hangar an Bord des fremden Schiffes …

Copyright © 2017 by Felis Breitendorf & Conchita Mendés

(weiter zum nächsten Teil)

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

Ghost in the Shell – The Ultimate Guide (Kartoniert)
von Shirow, Masamune / Oshii, Mamoru / Kamiyama, Kenji / Kise, Kazuchika

Verlag: Egmont Manga
Medium:  Buch
Seiten:  160
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  Juni 2017
Sonstiges:  ab 16 J.
Originaltitel:  Ghost in the Shell – Perfect Book
Maße:  297 x 215 mm
Gewicht:  465 g
ISBN-10:  377049685X
ISBN-13:  9783770496853
Verlagsbestell-Nr.:  375/49685

Beschreibung
Was singt der Chor aus dem Kult-Opening von GHOST IN THE SHELL? Warum hält sich Batou in GITS 2: INNOCENCE einen Hund? Wer war der Lachende Mann aus STAND ALONE COMPLEX wirklich und was waren seine Absichten? Dieses ultimative Guidebook liefert Antworten auf alle Fragen zum Ghost-in-the-Shell-Universum! Mit faszinierenden Bildern und umfassenden Informationen zu Story, Hintergründen und Charakteren aus allen Animationsfilmen und -serien von 1995 bis 2017.

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