sfbasar.de

Literatur-Blog

DAS SCHWEIGEN DES TODES – Auktoriale Science Fiction-Kriminalkurzgeschichte von Detlef Hedderich und Marianna Müller (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 3/2014 – gedrittelter Preis)

DAS SCHWEIGEN DES TODES

Auktoriale Science Fiction-Kriminalkurzgeschichte

von

Detlef Hedderich und Marianna Müller

Sonderbar, welche Tageszeit es auch sein mag, man kommt immer auf der Nachtseite des Planeten New-Paradise an. Aber es ist egal, wie so vieles. Vollkommen egal. Nebensache. Von deinem Blickpunkt aus ist sowieso jeder Planet wie der andere. Du landest in einer Industriestadt nahe am Äquator. Shuttles, die von dort wieder starten, verbrauchen einen gehörigen Happen weniger Treibstoff, weil die Rotationskräfte hier am stärksten sind. Aber das kümmert dich herzlich wenig.

Du bist alleine, wie immer. Hat dir ja noch nie was ausgemacht. Du bist ein Einzelgänger. Gewissermaßen deine Marke. Du brauchst nichts und niemanden. Du willst in die gemäßigte Nordpolregion des Planeten zu einer Stadt namens Plegeltown. Natürlich nimmst du die unterirdische pneumatische Röhrenbahn, die dich in Windeseile dort hinbefördert. Du steigst aus im unterirdischen Bahnhof, der ein exaktes Duplikat desjenigen darstellt, an dem du eingestiegen bist, bis auf den Unterschied, dass hier alles geschmückt ist. Du kannst es lesen: Wir feiern die Planetensonnenwende!

Du haßt Städte. Ganz besonders, wenn sie sich schmücken. Wenn sie sich auf ein sogenanntes „Fest“ vorbereiten. Es bedarf bloß ein paar bunter Lichter und Bändchen und schon werden alle weich und vergessen, dass es so etwas wie Mord gibt. Dass man sich einen Feind vom Hals schaffen kann mit Hilfe eines geschickten Burschen, der sich auf dieses härteste aller Geschäfte spezialisiert hat. Du kennst dein Metier wie kein anderer, Henry Konstantino, Fachmann aus dem Lomuna-System.

Eingetragen in deinem Hotel als Sonny Blinder aus dem Kalypso-System. Dein Ausweis-Chip ist natürlich eine Fälschung, versteht sich. Voraussichtliche Dauer des Aufenthaltes: eine Woche. Geschäftsreise.

Endlich ist es soweit: Gegen Mittag nimmst du Kontakt auf. Eiskalter schneidender Wind hier im Norden des Planeten, während du zur Mosaka-Fähren-Anlegestelle gehst, um deinen Auftrag in Empfang zu nehmen. Du drückst auf die Vertiefung unter deinem Kinn und sofort verändern sich deine Gesichtszüge. Nur zur Sicherheit. Hat dich mal eine ganze Stange Geld gekostet, diese künstliche Modulationsmatrix einpflanzen zu lassen. Trotzdem werden deine Hände allmählich feucht. Was regt dich so auf? Hast du doch alles schon x-mal erlebt!

Der erste unangenehme Augenblick: Du hast eine harte Lehrzeit hinter dir und vor allem hast du eines gelernt: dass du dich nur auf dich selbst verlassen kannst. Rede dir bloß nichts ein: Sie alle hassen den Mörder, den sie mieten. Und ist es ein Wunder? Wer dich ansieht, Henry Konstantino, sieht dem Tod ins Gesicht. Er ist käuflich. Man kann ihn bei dir erwerben.

Aufpassen, Henry! Wo bleibt dein Spürsinn? Na ja, hast ja recht, bei deinem untrüglichen Instinkt wirst du den Informationsüberbringer auch dann noch erkennen, wenn er dich einfach anspricht. Die heiklen Informationen deines Auftrags hier sollten auf keinen Fall über das KI-kontrollierte Planeten-Datennetz übermittelt werden. Die Künstlichen Intelligenzen sind einfach zu clever und können sich aus fast allem einen Reim machen, deshalb besitzt du auch keinen implantierten CommChip. Solche Dinge können einen verraten.

Wieder alleine. Du kannst dich entspannen. Komisch, dass diese Kleinigkeiten dir so viel ausmachen. Hat also doch geklappt, dein Auftrag. Trotz dieser Festivitäten hier.

Das Ziel heißt Montgommery. Ist dir vom Hörensagen ja bestens bekannt. Chef des Nord-Syndikats auf dem Planeten New-Paradise. Entwickelte vermutlich ein bißchen zu viel Ehrgeiz. Die anderen Syndikatsbosse des Planeten haben das wohl nicht so gerne, deshalb soll ihm auch der Hahn abgedreht werden. Er stört einfach den Frieden und damit die Geschäfte. Man möchte nicht die VPS (VereintePlanetenSysteme) oder die ERK (ExterneRaumKontrolle) hier auf New-Paradise haben. Montgommery hat es einfach zu weit getrieben. Hat sich zu tief in den Sumpf begeben und die übelsten Geschäfte angeleiert. So richtig miese Dinge, unmenschliche Sachen. Genau solche Sachen, die andere nervös machen. Genau solche Typen wie Montgommery kannst du nicht riechen. Um so besser.

Nach außen hin gibt er sich gediegen, hat einen hübschen kleinen Bungalow in einer ruhigen Nobelgegend. Hat sich sein Leben gemütlich eingerichtet, und das auf Kosten anderer. Läßt sich jeden Morgen mit dem Gleiter von seinen zwei Leibwächter-Androiden abholen, denen man auf hundert Schritte ansieht, wer oder was sie sind. Aber trotzdem wird die Überraschung groß sein, wenn die sensationellen Schlagzeilen erscheinen werden: Syndikatschef Montgommery ermordet!

Etwas ist schon klar: Hier in der Nähe des Hauses kannst du ihn nicht abservieren. Alles viel zu leicht zu überblicken.  Verrückter Gedanke: So ein Haus könntest du dir, wenn du wolltest, auch leisten. Na klar: für umsonst ist nichts. Deine Erfahrungen, deine Geschicklichkeit, dein Scharfsinn. Na ja, du weißt eben wie. Du kannst stolz sein auf deinen Beruf, Henry. Immerhin hast du noch nie enttäuscht. Du bist ein Experte auf deinem Gebiet. Ein gesuchter Mann. Als ob das so leicht wäre. Zum Beispiel: Um mit jemanden zu leben, brauchst du ihn nicht so besonders gut zu kennen. Wenn du ihn aber unter die Erde bringen willst, mußt du ihn so gut kennen, wie deinen eigenen Bruder.

Aufpassen! Die Burschen mit dem Gleiter vor dir verlangsamen ihr Tempo. Wollen vielleicht checken, ob sie beschattet werden. Gleite lieber an ihnen vorbei. Du bist ja kein Spieler. Warum ein Risiko eingehen?

Ganz klar, wie du deine Arbeit aufbauen mußt. Vor allem Geduld haben. Ständig beobachten. Du mußt herausbekommen, ob Montgommery jemals alleine ausgeht. Wenn ja, wohin. Auf jeden Fall wird dir nicht viel Zeit zur Verfügung stehen. Das heißt: rasche und unauffällige Arbeit, während er von seinen Leibwächtern getrennt ist. Das wird ohne eine Waffe nicht gehen. Also brauchst du Ronny. Der hat dir schon damals eine Knarre besorgt, als du einen Auftrag in der Nordregion auf New-Paradise erledigt hast. Ist Jahre her. Und du haßtest den Typen schon damals. Ein widerlicher Zeitgenosse. Läßt sich aber leider nicht umgehen. Er ist hier oben dein Kontakt für das Besorgen von Totmachern. So ein Pech.

Werden deine Hände jetzt schon feucht? Unsinn, schlimmer war es doch damals, als dich die ERK durch die halbe Galaxis gejagt hat, aber glücklicherweise konntest du entkommen, wenn auch mit sehr viel Glück.

Aufpassen, Henry! Windige Ecke, Gefahrenpunkt! Soll ich dir verraten, warum deine Gedanken abschweifen? Weil du gezwungen bist, wieder mit dem dir so verhaßten Ronny Geschäfte zu machen. Das dreht dir jetzt schon den Magen um.

*

Wieder allein. Du hast eine ziemliche Summe für die Projektilwaffe bei Ronny hinlegen müssen. Dafür hast du ihm aber sein nettes Spielzeug, ein erstklassiges Vibratormesser, geklaut. Abholen kannst du die Puste aber erst in einigen Tagen bei einem anderen Kontaktmann. Du holst dir, was du benötigst und anschließend wird es entsorgt. Auf nimmer Wiedersehen. Nach der alten Devise: nichts zu besitzen. Wäre ja auch kaum möglich gewesen, eine Waffe auf den Planeten einzuschmuggeln. Viel zu riskant.

Gut, du nimmst den Faden da wieder auf, wo du ihn gestern verloren hast. Heute hast du dir einen besonders unauffälligen Gleiter gemietet. Observierst dein Hassobjekt schon eine ganze Weile. Na sieh mal, dein Plan klappt ja. Du Glückspilz.

Heute kannst du ihm auf den Fersen bleiben, während er sein Revier inspiziert. Gut, dass die Straßen im Stadtteil Keeptown belebt sind. Der Herr wünscht nicht aufzufallen. Was ist denn Henry? Deine Hände werden ja feucht! Was bedeutet dieses Gefahrensignal? Na ja, der Hass von Keeptown, du haßt sie und sie hassen dich! Automatisch. Ganz so, wie in jedem anderen Keeptown der Galaxis. So, wie in jenem, in dem du selbst aufgewachsen bist.

Konzentrier dich, Henry! Spar dir deinen schönen Hass allein für Montgommery auf. Ein lohnenderes Objekt. Denk doch mal daran, womit sich der Kerl so alles abgibt: Rauschgift, Wettgeschäfte, Mädchenhandel, Entführungen, Schutzgelderpressung, Folter von Geheimnisträgern, genügt doch. Gib dir mal ein bißchen Mühe, kann dir doch nicht so schwerfallen, diesen Dreckskerl zu hassen. Es muß ja nicht einmal gleich sein. Du hast ja noch Zeit. Ist doch immer dasselbe: Bevor du bei einem Objekt die Lichter ausdrehst, bist du mit Hass vollgestopft, würdest daran ersticken, wenn nicht etwas geschähe.

Erinnere dich, was die Schwestern im Waisenhaus in der alten Heimat auf Lomuna III immer gesagt haben: „Gott handelt auf vielfältige und undurchschaubare Weise.“ Der Meinung bist du doch auch, wie? Hör mal, oder ist das zu dumm: Hat Gott dich vielleicht dazu bestimmt, die Welt von solchen Schändern, wie Montgommery zu befreien? Ist doch eine Rechtfertigung, oder?

Dieser Banause bildet sich ein, er sieht wie ein Herr aus, wenn er einen teuren Colani-Anzug trägt. Du könntest diesen Scheißkerl schon in dieser Sekunde umlegen. Wäre dir ein Vergnügen, richtig?

Genug für heute. Immerhin kennst du jetzt das Restaurant, in dem er täglich speist. Am besten tauchst du erstmal ein Weilchen in der Menge unter.  Kannst du dich nicht ein bißchen in Feierstimmung bringen, wie all die übrigen Jemande und Niemande? Die schaffen es doch auch.

Komisch: ganz kalte Hände, wenn du an frühere Feste denkst. Taucht alles wieder auf …  Wie du damals die Nase gegen die beleuchteten Schaufenster drücktest, bis du vor Kälte Kopfschmerzen bekamst und dir etwas wünschtest. Den großen, ganz großen Wunsch hast du dir damals vorgestellt: Etwa Elektrorollschuhe, ein Elektrogleitrad oder einen Elektroschlitten oder anderes Spielzeug? Nichts von alledem. Was größeres, was wichtigeres. Etwas ganz besonderes.

Nicht viel los, man muß essen. Deine Hände sind wieder heiß. Du erinnerst dich plötzlich an die Hände von Schwester Armanda. Hallo, halt! Gefahrensignal! Träume nicht! Was habe ich gesagt? Der typische Augenblick! Aber warum gerade jetzt? Ein vertrautes Gesicht, fähig in einer Sekunde die ganze Vergangenheit hochzuspielen. Guter alter Jamie aus dem Waisenhaus aus der alten Heimat auf Lomuna III. Wie klein die Galaxis doch ist. Er hier im selben Restaurant wie du, hier im Norden auf New-Paradise. Offenbar läßt sich so was einfach nicht vermeiden, egal wie weit du von Lomuna III entfernt bist. Aber damit wirst du doch fertig, oder? Deshalb spürtest du auch diese sonderbare Hitze, als ob sie von allen Seiten kämen und dich bedrängten. Wer?  Irgend jemand und Jeder. Alle. Jamie. Auch so ein Typ, den du nicht riechen kannst. Was der zu quasseln hat, geradezu ekelhaft. Willst du ihm nicht das Maul stopfen? Du lächelst, bist höflich, die Worte streifen kaum dein Ohr: blah, blah, blah. Dieser Schwätzer, wie ein Papagei und außerdem erinnert er dich an … eigenartig, was sind schon Namen? Läßt doch sonst auch alles in den Schlund des Vergessens fallen. Aber es gibt einen einzigen Namen hier auf diesem Planeten: Liane. Der hat für dich einen ganz besonderen Klang. Sie ist auch hier. Erinnerungen kommen hoch …

Vielleicht war es doch verkehrt mitzugehen. Das Leben spielt sich für dich wieder hinter einer Milchglasscheibe ab. Schemenhafte Figuren. Sonst nichts. Es gab einmal eine Zeit, da war das anders. Da sahst du alles deutlich, aber auch hinter Glas, und du hast zugegriffen und dir die Hände zerschnitten.

Wenn du eine Frau willst, kauf dir lieber eine. Aber im Dunkeln, damit sie sich dein Gesicht nicht merken kann. Jeder Mensch, der etwas von dir weiß, ist ein Mitwisser. Oder gibt es gewisse Gründe, warum du bleibst …?

*

Montgommery hat die Feiertage wohlbehalten an Leib und Seele überstanden. Du doch auch, Henry, hmm? Er hat seine Arbeit wieder aufgenommen. Du auch. Seit dem du die fürchterlichen Feiertage hinter dir gelassen hast, fühlst du dich schon wieder viel besser.

Allmählich wird es interessant: Du beginnst die Aufregung zu spüren, die jedesmal von dir Besitz ergreift, wenn du anfängst, den Kreis enger zu ziehen. Die Witterung sagt dir, dass heute etwas passieren wird. Dieses Warten und Belauern – reine Nervensache. Da – am helllichten Tag geht dieser Dreckskerl Montgommery in ein Mietshaus! Allein. Seine Wachhunde müssen draußen warten. Perfekt, das ist ein Riesensprung nach vorn. Feststellen, was er in dem Haus tut.

Darauf hättest du auch gleich kommen können. Rätsel solcher Machart löst man mit der linken Hand – Montgommerys Einteilung hat Methode: Das Fest der Planetensonnenwende im trauten Kreis der Familie. Der Tag darauf wird mit der Geliebten verbracht. Vier Stunden hat er der fremden Dame geopfert. Ein Glück, Henry, dass dir moralische Bedenken fremd sind. Also der Ort ist klar. Gewissermaßen die Zielscheibe. Du wirst ins Schwarze treffen. Schwarzes kann bluten. Genau in die Zwölf. Du mußt ihn hassen. Mit aller Kraft hassen! Ihr seid zwei pantorganische Tiger aus dem Wildreservat vom Planeten Pantorga IV, die sich zerfleischen. Wirst ihn heute verfolgen, gehst in die selbe Bar wie er. Wirst ihn beobachten. Kannst ihn leider nicht an Ort und Stelle umlegen. Zu viele Zeugen.

Aufpassen Henry! Gefahrensignal. Verdammter Idiot. Du hättest Ronny schon sehen müssen, bevor er dich nur erahnte. Dieses fette Waffenschieberschwein. Sammelt Schlangen und Eidechsen in Käfigen in seiner Wohnung – zum Kotzen.

Montgommery mit seinem kostspieligen Flittchen; Ronny mit seinem Getier. Alles das selbe Kaliber. Und dann diese Wengo-Resonance-Trommeln in dieser Bar, die dir im Schädel dröhnen. Stechende Spotlights – wandern dir vom Hirn bis zur Zungenspitze. Du weißt, was das bedeutet. Du wirst Ronny nach Hause folgen und ihn kaltmachen. Er ist einfach zu dicht dran am Geschehen. Er sollte dir ja nur eine Waffe liefern und nicht mitmischen. Konntest ja nicht wissen, dass er mit Montgommery auf du und du sich in dieser Bar volllaufen läßt. Du wirst heute Nacht dieses Sicherheitsleck schließen.

*

Keine Angst, du bist nicht gebrandmarkt. Trägst nirgends das Kain-Zeichen. War ja auch nicht dein Bruder. Aber sonderbar, eigentlich solltest du eiskalt sein. Was ist mit dir? Du bist ja schweißnass! Hast wohl versucht, beim Null-G-Wettkampf-Schwimmen im Orbit Erster zu werden. Ja, rede dir nur ein, dass hier in deinem Hotel-Zimmer tropische Hitze herrscht. Übrigens: Die Heizung ist abgestellt. Natürlich kann man Blut schwitzen. Und in diesem Schweiß wirst du bleiben müssen, bis man Ronnys ausgeblutete Leiche gefunden hat und deine kleine sportliche Laienübung mit der Vibrator-Klinge gewürdigt wurde. Experte, du! Wenigstens warst du so gegenwärtig und hast dir vorher einen Schutzanzug übergestreift, bevor du Ronny zu den Engelchen geschickt hast. Damit man deine DNS nicht gleich überall in seiner Wohnung auffinden wird.

Schöner Schlamassel, in den du da reingeraten bist. Du müßtest dringend was dagegen unternehmen. Du kannst dich nicht konzentrieren. Bunte Lichterchen, Karussells, Schaukeln, alles dreht sich und bewegt sich. Du hältst es nicht mehr aus. Du kannst nicht länger allein sein, du brauchst einen Menschen.  Zum ersten Mal in deinem Leben.

Du denkst an Liane. Du meldest dich bei ihr. Sie serviert dich ab. So ist das mit den Frauen. Na wenn schon. Kleinigkeiten dieser Art gleiten doch einfach an dir ab, wie ein Wassertropfen an einer Lotuspflanze. Eigentlich hat sie dir sogar einen Gefallen getan: Du bist allein und bleibt es auch. So, wie es schon ewig und drei Tage war. „Fröhliches Ende der Planetensonnenwende“ hat sie dir noch gewünscht – Pahh!

Die Abkühlung hat dir gutgetan. Du mußt einen klaren Kopf behalten. Steht dir ja noch Einiges bevor. Zunächst wieder so ein ärgerlicher Augenblick: Ein neuer Kontakt. Du mußt die Projektilwaffe abholen, die der sanft entschlafene Ronny freundlicherweise für dich bestellt hat. Ob der Kontakt schon weiß, dass Ronny inzwischen Trockenfleisch ist? Und ob er sich was draus macht? Mal sehen. Hmm. Tödliche Frage.

*

Alles bestens: Entweder hat er nichts läuten hören oder es läßt ihn kalt. Wie auch immer. Entspanne dich Henry! Endlich hältst du es in den Händen: dieses schmucke Stück Eisen, das kleine Löcher in Menschen macht. Gut, dass du Fachmann bist. Hast Konstruktion und Wartung von Grund auf gelernt. Beeile dich jetzt! Mach dich auf zur Mietwohnung der Dame deines zukünftigen Opfers. Du mußt das Liebesnest in- und auswendig kennen. Jeden Gang, jede Treppe, jede Luke.

Während du aus deinem Versteck Montgommery beobachtest, kriecht dir der Hass in den Nacken. Trotzdem erfassen deine Augen, dank einer technischen Aufbesserung auf LUGA IV, gestochen scharf das Geschehen, siehst du die dunklen Räume, als wären sie hell erleuchtet. – Innerlich ist schon alles erledigt. Es muß nur noch vollzogen werden. Alles vorbestimmt. Du bist jetzt Montgommerys Schicksal.

Aha, jetzt hast du genug Zeit: Er macht einen Ausflug mit dem Gleiter mit seiner Herz-Dame. Nutze das gut aus, Henry. Konzentriere dich! Schau aus dem Fenster: Kein Gegenüber. Man wollte wohl lieber ungestört sein.

Du brauchst das Montgommery-Päckchen jetzt nur noch liebevoll mit einem blauen Schleifchen zuschnüren. Oder nimm doch besser ein schwarzes Bändchen! Und dann Adieu, weg.

Gut Henry, du hast alles überprüft. Was soll noch schiefgehen?

*

Der letzte Tag. Endlich! Noch ein paar Stunden und du hast deinen Auftrag ausgeführt. Am besten prüfst du noch einmal die Waffe, damit keine Fehler auftreten und alles glattgeht. Dein Werkzeug muß stimmen. Nur nicht nervös werden. Ein Fehler und du bist geliefert!

Es wird sowieso deine letzte Arbeit sein. Du mußt dich damit abfinden, du bist erledigt! Mach dir nichts vor, siehe den Tatsachen ins Gesicht! In sinnloser, hemmungsloser Wut hast du den Dickwanst ins Jenseits befördert. Anschliessend hast du sogar versucht, deinen Auftrag über das Planetennetz bei deinem Auftraggeber zu stornieren. Du bist weich geworden und das mögen die Leute, die dich bezahlen, gar nicht! Du stehst auf der Abschußliste, mein Junge! Sie werden dich in tausend Einzelteile zerlegen. Sie werden dich mit Bleigewichten beschweren, bevor sie dich in einen der nördlichen Seen versenken. Aber wie sagst du immer: Abwarten!

Was ist das? Kleine Schwäche? Wird gleich vorüber gehen!

Aber nein, das spielt sich ja gar nicht in deinem Schädel ab! Das ist draußen. Schau aus dem Fenster. Ein Waisenhaus! Direkt unter deinem Hotelfenster. Eine ganze Generation von kleinen Henry Konstantinos. Vergiß es nie!

Einen Mord noch, Henry, dann hast du es geschafft! Einer muß noch sterben, dann kannst du aussteigen! Du brauchst nicht mehr allein zu sein. Nie mehr allein. Du denkst schon wieder an Liane! Sie hat dich doch bereits schon einmal abserviert. Fahr nicht zu ihr hin, bleib stark, zeig keine Schwäche, indem du zu ihr gekrochen kommst!

Zu spät, du stehst vor ihrer Tür und läutest. Du willst ihr erklären, dass du mit ihr leben willst. Du willst mit ihr den Planeten verlassen. Doch sie läßt dich erneut abblitzen, sagt, dass sie deine Gefühle nicht teilen kann, nicht teilen will. Enttäuscht drehst du dich um und gehst wortlos in die Dunkelheit.

Du fühlst dich schwach, wie damals, als kleiner Junge in dem Waisenhaus auf Lomuna III.  Aufpassen Henry, Gefahrensignale: Elektrische Ströme, hundertfach! Wie Blitze. Nicht denken, keine Erinnerungen mehr. Schau einfach nicht hin, nimm es nicht zur Kenntnis. Konzentriere dich. Du hast einen Auftrag zu erfüllen. Du wirst Ihn erfüllen! Du bist ein Experte, der noch nie enttäuscht hat! Ein Mörder, der im entscheidenden Moment versagt, wird ermordet!

*

Jetzt ist es soweit: Du erledigst deinen Job! Du hast dich in der Mietwohnung auf die Lauer gelegt, nachdem du dich um die Dame des Hauses gekümmert hast. Sie wird nun, nach deiner Behandlung mit der Vibratorklinge, für immer ihren Schönheitsschlaf halten. Du haßt Zeugen und deshalb willst du auch keine hinterlassen. Wer weiß schon, was sie aussagen hinter deinem Rücken, auch wenn sie dir geschworen haben, nichts zu sagen, nichts zu verraten? – So ist es besser, ist es eine saubere, sichere Sache, eine perfekte Arbeit: Sie war einfach im falschen Moment am falschen Ort. Warum hat sie sich auch mit diesem Dreckskerl eingelassen, selber schuld!

Du hörst die Tür sich öffnen und diese blöde Visage schiebt sich in den Gang. Endlich, endlich betritt Montgommery diesen Ort. Du schießt auf ihn! Leerst dein ganzes Magazin und pumpst ihn mit Projektilen voll. Montgommery sackt zusammen und stirbt. Endlich.

*

Noch ein letzter Kontakt, um die Früchte deiner Arbeit zu kassieren. Du wirst schon mit den Auftraggebern klar kommen! Ein paar Minuten noch und du bist wirklich unabhängig. Sogar von deinen Objekten! Ein für allemal! Über das Planetennetz meldest du, dass der Auftrag erledigt ist. Dir wird mitgeteilt, dass der vereinbarte Betrag auf dein interplanetares Konto transferiert wurde. Du bedankst dich und machst dich auf den Weg zurück zum Äquator. Du benutzt wieder die Röhrenbahn. Du schaust dich um, nein Henry, bis jetzt hat sich kein Schatten an deine Fersen geheftet. Vielleicht wird man dich nicht behelligen, weil du letztlich deinen Auftrag erfüllt hast. Aber insgeheim glaubst du nicht an eine Flucht. Für deine Auftraggeber bist du ein Risiko, das sie beseitigen werden. Du schaust dich wieder um, als du am Äquator angekommen bist. Noch immer keine Seele zu sehen, die dir das Licht ausblasen will. Du fühlst dich inzwischen so richtig nackt und wehrlos, nachdem du dich deiner Waffen entledigt hast, was aber notwenig war. Denn um den Planeten zu verlassen, mußt du durch einen Personenscanner schreiten. Da geht man hier kein Risiko ein. Anschließend besteigst du sofort den Shuttle in den Orbit zur Raumstation. Von dort aus hoffst du auf einen baldigen Abflug. Nur weg aus diesem Sonnensystem!

*

Endlich sitzt du im Shuttle, schaust dich um, noch immer kein Verfolger, keiner, der dich beobachtet. Der Flug wird dir zur Tortur. In deinem Kopf überschlagen sich die Gedanken. Du kannst jetzt nur noch hoffen, hoffen, auf eine Lücke im Netz. Du bist beunruhigt. Endlich dockt der Shuttle an die Orbitalstation an und du verläßt ihn. Jetzt nur nicht nervös werden, Henry Konstantino! Du betrittst die Abflughalle für Fernreisen und begibst dich an den entsprechenden Schalter. Als du endlich dran kommst, schaut dir die Dame am Schalter direkt ins Gesicht! Du erkennst sie wieder! Es ist die besagte ERK-Beamtin, der du vor Jahren durch die Lappen gegangen bist. Sie legt dir Handfesseln an und zwei Beamte der VPS erscheinen links und rechts von dir! Du möchtest heulen! Du weißt noch ganz genau, wie sie heißt. Sie trägt den Namen: Milena Himiko Komore.

Sie nimmt dich in Gewahrsam und die VPS-Beamten führen dich weg. Was das bedeutet, ist dir sofort klar: Mörder werden von der VPS hart bestraft. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn deine Auftraggeber dich erledigt hätten. Du erfährst, dass man dich die gesamte Zeit über observiert hatte und zuschaute, was du so getrieben hast. Jetzt wird dir auch klar, warum dich deine Auftraggeber unbehelligt gelassen haben! Ob man deine Morde an Ronny, Montgommery und seinem Flittchen von Seiten der ERK nicht hätte verhindert können, erklärt man dir nicht.

Jetzt hat man dich doch noch erwischt. Nichts mehr mit einem schönen Leben im Ruhestand. Jetzt wirst du für alles büsen, was die ERK dir nachweisen kann, und das ist eine ganze Menge, Henry Konstantino!

-ENDE-

Copyright (c) 2014 by Detlef Hedderich und Marianna Müller


Bildrechte: Eingangsgrafik © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildrechte: DIE FRÜHEN FÄLLE DER MILENA HIMIKO KOMORE” (milena-antho-cover.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Coverillustration “Überraschungsgeschichten-der-besonderen-Art1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

BUCHEMPFEHLUNG DER AUTOREN:

MacKay, Malcolm
Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter

Thriller

Übersetzt von Gunkel, Thomas
Verlag :      FISCHER Taschenbuch
ISBN :      978-3-596-18939-7
Einband :      Paperback
Preisinfo :      9,99 Eur[D] / 10,30 Eur[A] / 14,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 13.03.2014
Seiten/Umfang :      ca. 384 S.
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 27.03.2014
Aus der Reihe :      Unterhaltung 18939

»Es ist schwer, einen Mann gut zu töten. Leute, die es machen, wissen das. Leute, die es schlecht machen, finden es heraus. Auf die harte Tour. Und die harte Tour hat Folgen.«

Er ist Experte. Einzelgänger. Hat einen guten Ruf bei denen, die zählen in Glasgow. Ein Treffen in einem Club. Ein Auftrag. Ein Ziel: Lewis Winter.

Fesselnd, atmosphärisch, cool: Mackay zieht uns in eine dunkle Welt, in der es Regeln gibt. Sie nicht zu kennen, ist tödlich.

Malcolm Mackay stammt aus Stornoway in Schottland. Er kennt Glasgow gut. Sein erster Roman ist für den »New Blood Dagger« nominiert. Auch die beiden weiteren Thriller seiner ›Glasgow-Trilogie‹ sind bereits Bestseller in Großbritannien. Mackay wurde mit dem »Scottish Crime Book of the Year Award« ausgezeichnet und wird von der Presse als die wichtigste neue Krimistimme Schottlands gefeiert.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

21 Comments

Add a Comment
  1. Nur die Ruhe, wird noch nachlektoriert von meiner Lektorin! Aber ein erster Eindruck kann man sich schon jetzt machen. Ist ein sehr experiemntales Werk, in dem viel Arbeit steckt. Bin mir bewußt, dass das nicht jedem gefallen wird, wenn man mit der Erzähperspektive in dieser Art experimentiert. Hatte mich aber mal gereizt sowas zu versuchen. Wer möchte was dazu sagen?

  2. Das Experiment ist gelungen. Sehr schön wie Detlef und Marianna ihre Leser mit hineinnehmen in die Gefühlswelt eines Killers.
    Die Zweifel die ihn Angesichts seiner Taten beschleichen. Das Gewissen das sich regt. Wie er dieses mehr oder minder erfolgreich unterdrückt. Was er alles machen muss um seine Taten zu vollbringen. Dazu die unerfüllte Sehnsucht nach einer Frau, die ihn von seinem eigentlichen Auftrag ablenkt. Dies dürfte bestimmt ein Grund gewesen sein warum er nicht so genau wie sonst auf seine Umgebung geachtet hat. Sein Bauchgefühl wurde so ausgeschaltet.
    Ein Abenteuer das nur aus den Gedankengängen der Figur besteht ist wirklich sehr reizvoll gestaltet worden und wird bestimmt Interesse hervorrufen. Mir gefällt es weil es wirklich mal was ganz anderes ist.

  3. Dr. Heinz-Theo Ullrichs

    Mir gefällt dieser Text ebenfalls. Ich muß aber meine Vorrednerin dahingehend berichtigen, dass es sich nicht um die Gedanken des Prota- oder Anagonisten handelt, sondern um einen Erzähler, der die Gedankenwelt und Gefühle der handelnden Person so bescheibt, wie eine Art Über-ich oder sein Seelengewissen. Ich bin erstaunt, dass man sich als Autor hier in diesem Blog dazu verführen läßt, eine solch schwierige Erzählperspektive einzunehmen. Eine ausserordentliche Leistung. Und ja, eine wirkliche sehr gelungene Arbeit. Alle Achtung!

  4. Auch ich betrachte das Experiment als äußerst gelungen. Zunächst habe ich erwartet, dass eine Story aus dieser Perspektive so mühsam zu lesen sein könnte wie das Schreiben ist, doch findet man sehr schnell hinein, auch dank des minimalistischen, realistischen Stils. Man wahrt dadurch und auch durch die knappen Rückblenden in seine Kindheit/Werdegang eine gewisse Distanz zum Mörder, der nicht zu sympathisch werden soll. Wann immer er aus der Gewaltspirale auszubrechen versucht(e) – Liane -, wurden seine Hoffnungen enttäuscht und trieben ihn zurück in sein bisheriges Leben. Einige Morde kann man als überflüssig werten, denn der Auftrag galt allein einer Zielperson, und zu viele Verbrechen erregen die Aufmerksamkeit der Behörden bzw. potentieller Opfer. Die ‚Kollateralschäden‘ verdeutlichen, dass sich der Antagonist ‚in Stimmung bringt‘, um seinen Mord letztendlich zelebrieren zu können. Folglich empfindet der Leser das Ende als befriedigend, denn der Täter erhält seine Strafe. Natürlich fragt man sich, wenn er schon seit Längerem observiert wurde, weshalb man seine Taten nicht verhindert hat. Die Antwort hierauf bleibt im Dunkeln und lässt mutmaßen, dass die Autoren keine schlüssige, kurze Erklärung fanden und auch nicht die Atmosphäre durch das Nachschieben einer Notlösung zerstören wollten, sodass sie sich für die oft schwer nachvollziehbaren Vorgehensweisen der Behörden entschieden – ? -.
    Die Illustration von Lothar Bauer veranschaulicht die Psyche des Mörders: unklar, chaotisch, zersplitternd, zerfallend.
    Der Lesetipp wirkt mit Bedacht gewählt und sehr passend.

  5. Krimi einmal anders.Vielleicht liegt es an der „auktorialen“ Perspektive, dass Spannung nicht so recht auf kommen mag – oder kann? Vielleicht sind es auch die doch recht „alltäglichen“ Sorgen und Nöte, mit denen sich der Antagonist herumschlägt.Sorry, aber nichts Neues auf fremden Planeten. In dem Zusammenhang gibt es für mich auch keinen Grund, die Story im SF-Umfeld anzusiedeln. Klar, warum nicht! Krimi, Abenteuer, Soap etc. in Raumanzüge gepackt ist auch SF. Ich hätte mir gewünscht, dass was wirklich unirdisches oder aus der fernen Zukunft eine maßgebende Rolle spielt. Wie gesagt, ja, alles kann man mit Raumschiffen ausstatten und SF nennen. Ist soweit auch ok. Allerdings kommt mir die SF in diesem speziellen Kontext ein bisschen „aufgepfropft“ vor, nach dem Motto: wir schreiben einen Krimi für die Milena-Antho, ganz wurscht was und lassen die Autos Gleiter sein u.ä. Ach ja, nicht zu vergessen: Milena selbst muss noch vorkommen. Die darf die Handschellen zuknipsen. Da hätte ich mir mehr erwartet.

    Die Erzählperspektie finde ich trotzdem recht interessant, auch wenn in diesem Fall (Krimi) bei mir keine richtige Spannung aufkommt, aber dafür war’s ja ein Experiment.

  6. Wann bekommen wir deine Milena-Story denn nun endlich mal zu Gesicht? Dann kannst du uns ja mal zeigen, wie es richtig geht! 😉

  7. Jetzt hat meine Lektorin den Text überarbeitet. Ist aber total unglücklich, weil ich auf so viele Gedankenstriche, Ausrufezeichen und Dreipunkte bestanden habe. Aber immerhin hat sie über die Hälfte davon eleminiert. Ich weiß, ich bin ein Autor, dem es schwerfällt von solchen Sachen Abstand zu nehmen, habe aber Angst, dass der Rhythmus und die Eindringlichkeit meines Textes verlorengeht.

    Aber egal jetzt: ich gebe diese Story jetzt für alle Kritiker zum Abschuß frei. Gebt es mir! 😉

  8. Woher soll ich wissen, wie es richtig geht? 😉 So genial oder lehrreich sind meine Stories auch nicht, dass ich damit irgendwas zeigen könnte. Mir ging’s nur um das, was mir bei euch aufgefallen ist.

    Aber es wäre doch schade, wenn manche, wie ich meine, berechtigte Kritikpunkte verloren gingen.

  9. Na kla. Aber dennoch wäre es schön, wenn du mal eine Milena-Story raushaust! 😉

  10. Ich habe mir das noch mal durch den Kopf gehen lassen, dass mit den drei Punkten am Ende von Absätzen und sie nun doch noch auf wiederholtem Wunsch meiner Lektorin zu überwiegendem Teil eleminiert.

    Auch einige von ihr vorgeschlagene Kürzungen und Auslassungen habe ich nun dem Text zuliebe umgesetzt. Hoffe ich bin damit nicht komplet über das Ziel hinausgeschossen.

    Wer kann sich den Text nochmal durchlesen, ob ich hier nun zu viel des Guten gelöscht habe?

    Wer ist mal so nett?

  11. Um es vorweg zu sagen: Das Beste, was du je hier fabriziert hast, Detlef. Ich selbst kann mich mit dem auktorialen Stil nicht anfreunden und er ist sehr gewöhnungsbedürftig. Aber hat man sich mal eingelesen, geht es recht gut. Hier ein paar Kleinigkeiten:

    – Es bedarf bloß ein paar bunter Lichter … / wird trotz scharfem ß lang gesprochen und verführt oft zur falschen Annahme, man müßte es mit einem s schreiben.
    – … dass es so etwas wie MORD gibt. / Wenn du in einem Satz etwas betonen willst, genugt es, das Wort kurisv zu setzen. Nur Versalien braucht es hier nicht.
    – Ausweischip / Solche Wörter würde ich lieber mit bindestrich schreiben. Ausweis-Chip liest sich leichter und verhindert Missverständnisse.
    – Doppelpunkte / Manchmal unumgänglich, aber lieber sparsam verwenden. Ich lese gerade einen David-Weber-Roman (einer meiner Lieblings-Autoren) und bin erstaunt, wie inflationär er den Doppelpunkt verwendet. Ist sicher seinem Lektor entgangen.
    – Doppelpunkt, die zweite: Mir fällt angenehm auf, dass du die Regeln für Text nach einem Doppelpunkt richtig einsetzt. Ganze Sätze beginnen mit Großbuchstaben (wie jeder Satz nach einem Punkt), Halbsätze mit Kleinschreibung.
    – Die Künstlichen Intelligenzen sind einfach zu gescheit … / gescheit ist ein wenig antiquiert; nimm clever, das passt und erweckt Respekt von den KI´s.
    – Commchip / siehe oben: Comm-Chip (Übrigens: die Schreibweise solcher Neuwörter stringent in einem Text gleich behandeln)
    – Nord-Syndikats, Leibwächter-Androiden / Super! Hier hast du es (intuitiv) richtig gemacht.
    – Ausrufezeichen / Noch zu viele. Nur bei Befehlen sind sie immer richtig. Als Betonung nicht notwendig, bei wörtlichen Reden, insbesondere Schreien, Wehlauten usw. passend.
    – Wollen vielleicht checken ob sie beschattet werden. / Checken passt besser zum allgemeinen Ton deine Auktors.
    – Das wird ohne eine Waffe nicht gehen. Also brauchst du Ronny. / Wenn du Ronny brauchst, ist Kontakt obligatorisch, braucht man also nicht sagen. Und der kurze Satz macht den Leser neugierig. Wer – zur Hölle – ist Ronny?
    – … als dich die ERK durch die halbe Galaxis gejagt hat … / Passiert mir auch oft. Erst in der Zweitlesung fallen mir solche Sachen auf. Der Satz liest sich nun flüssiger.
    – … ziemliche Summe für die Projektilwaffe … / benötigt sehe ich hier als Füllwort; weglassen.
    – Dafür hast du ihm aber sein nettes Spielzeug, ein Vibratormesser, geklaut. / Die Kunst des Weglassens.
    – … wenn nicht etwas geschähe.
    – Lomuna III
    – … teuren Colani-Anzug trägt. / Meinst du, Luigi Colani lebt noch in dieser Zeit? Als Klon? Als Nachfahre? Welche sein Werk weiterführen?
    – Deshalb spürtest du auch diese sonderbare Hitze, als ob sie von allen Seiten käme und dich bedrängte. / beides singular; bezieht sich ja auf die Hitze, nicht auf die Seiten.
    – Was der zu quasseln hat … geradezu ekelhaft.
    – Vielleicht war es doch verkehrt mitzugehen. / Kein Komma.
    – … am helllichten Tag … / auch wenn´s Scheiße ausssieht: lll
    – … pantagische Tiger … / pantagisch? Nie gehört. Gibt´s das auf Terra oder sind das Tiger vom Planeten Panta?
    – Trägst nirgends das Kain-Zeichen. / Ich kaufe dir ein d und behalte das s.
    – Natürlich kann man Blut schwitzen. Und in diesem Schweiß wirst du bleiben müssen, bis … / Das Bild von rotem Schweiß hätte ich hier eingebaut; das hat was.
    – Zum ersten Mal in deinem Leben! / M groß
    – Kleinigkeiten dieser Art gleiten doch einfach an dir ab wie ein Wassertropfen an einer Lotuspflanze (harmlose Version) … wie der Sabber eines Pennälers an einem Topmodel (anzügliche Version) … wie Alien-Glibber am nächsten Opfer (SciFi-Version). Solche Vergleiche bedienen das Kopfkino im Leser.; sparsam verwenden.
    – Ob der Kontakt schon weiß, dass Ronny längst Trockenfleisch ist? / Trifft den staubtrockenen Ton deines Auktors wortwörtlich.
    – Endlich hältst du es in den Händen … / bezieht sich auf halten nicht auf einen Hals.
    – Mach dich auf zur Mietwohnung der Dame deines zukünftigen Opfers. / Oder: Mach dich zur Mietwohnung der Dame deines zukünftigen Opfers auf.
    – LUGA IV
    – … mit einem blauen Schleifchen zuschnüren. Oder nimm doch besser ein schwarzes Bändchen! / Keine Verbesserung! Sauguter Folgesatz.

    Zu mehr hatte ich um diese Stunde keinen Nerv mehr.

    Man merkt dem Text wirllich angenehm die zweite Hand deiner Co-Autorin Marianna Müller an. Die von dir erwähnten mehrfachen Überarbeitungen machen sich bezahlt!

    Werner 😉

    P.S. Ist es jemandem aufgefallen, dass ich auch mal was positiv kommentiere? Wenn ein Text gut ist – oder Potential zeigt – bin ich der letzte, der das nicht sehen würde. Macht weiter so, Detlef und Marianna! (Huch, schon wieder ein Ausrufezeichen) 😉

  12. Marianna ist meine Co-Autorin, Werner. Meine Lektorin ist eine andere und möchte namentlich nicht genannt werden.

  13. Ok, habe alles umgesetzt ausser:

    Der „Colani-Anzug“ bezieht sich auf den selben, der auch im ersten Teil der Episodengeschichte auftaucht.

    „… als ob sie von allen Seiten kämen und dich bedrängten.“ Damit sind die Personen gemeint, nicht die Hitze, die ist bloß ein Zeichen für die Bedrängung durch die Personen auf ihn.

    So vielen dank!

    Das mit den Ausrufezeichen usw. muß ich mir nochmal anschauen, wenn ich wach(er) bin …

  14. Ach so: Vielen Dank nochmal für das Lob! Hätte ich garnicht mit gerechnet. 😉

  15. Nach dem Straffen liest sich die Story tatsächlich etwas flüssiger, zügiger, was aber nicht heißen soll, dass sie vorher wirklich (so viel) schlechter war. Als Autor ist man oft betriebsblind und merkt es nicht, wann man ‚labert‘ bzw. die Protagonisten ‚labern lässt‘. Ein B-Leser vermag das Zuviel aufzuzeigen, sodass man noch einmal glättend drüber gehen kann, wobei man natürlich nicht ins gegenteilige Extrem fallen sollte, indem man durch radikales Streichen den Figuren die individuelle Note nimmt. Den goldenen Mittelweg zu finden ist schwierig, doch hier ist das nun ganz gut gelungen.

  16. Ich glaube, die Idee, mit dem Schreiben Geld zu verdienen, werde ich nun ein für allemal begraben können. Wenn ich mir all die Stunden vergegenwärtige, die in diese Story von meiner Seite und die meiner Co-Autorin und einigen Betalesern und nicht meine Lektorin zu vergessen, dann sind das so viele Stunden, dass so eine Story einen Erlös von etwa 2000 – 3000 EUR abwerfen müsste. Da das absolut unrealistisch ist, habe ich die Geldverdienen-Idee jetzt ein für allemal abgehakt. Mann bedenke nur nal, wenn man sowas auf einen ganzen Roman hochrechnen würde, müsste der 20.000 bis 30.000 EUR einbringen. Kann man also getrost vergessen. Ich werde weiterschreiben, keine Frage, aber dann immer aus dem Aspekt „Kunst“ im Hinterköpfchen. Ein echter, lohnender Job kann es nicht werden. Jetzt verstehe ich auch die Nöte all der Autoren, die zwar veröffentlichen aber davon auch nicht leben können. Ist einfach tragisch sowas … 🙁

  17. Wie sagt Bernard Craw so schön in seinem Video auf YT: „Der Gewinner kriegt alles“. Wer das Video nicht kennt, dem spendiere ich hier den Link. 😉

    https://www.youtube.com/watch?v=ncBn8oLk55o

  18. HIERMIT MÖCHTE ICH MICH NOCHMAL BEI MEINER CO-AUTORIN „Marianna Müller“ BEDANKEN! OHNE SIE HÄTTE ICH DAS NIEMAL HINBEKOMMEN. DAS WAR WIRKLICH EIN HARTES STÜCK ARBEIT.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme