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DAS MÄDCHEN (Teil 1) – Leseprobe aus dem Fantasy-Roman „Der letzte Engel“ von Zoran Drvenkar (sfb-Preisträger “Beste Leseprobe Winter 2012″)

DAS MÄDCHEN (Teil 1)

Leseprobe aus dem Fantasy-Roman

„Der letzte Engel“

von Zoran Drvenkar

Die Männer kamen im Morgengrauen. Sie stiegen über die Klippen zum Haus hoch, nur einer von ihnen nahm die Küstenstraße. Sein Name war Dimitri Lazar und er leitete die Jagd seit vier Jahrzehnten. Lazar war einundsechzig Jahre alt und bewegte sich wie ein Sportler, der täglich trainiert. Er ging betont aufrecht und hielt die Armbrust so selbstverständlich an seiner Seite, als wäre sie ein Teil seines Körpers.

Links von ihm breitete sich die karge irische Felslandschaft aus, rechts lagen die Klippen und eine aufgehende Sonne, die aussah, als hätte sie die Nacht durchgemacht und wäre zu erschöpft, um sich voll und ganz aus dem Meer zu erheben. Jeder andere hätte einen Moment verweilt und sich das angeschaut, Lazar hatte nur Augen für das Haus und die dunklen Fenster. Er suchte nach einem Zeichen, dass ihre Ankunft bemerkt worden war.

Kein Rauch stieg aus dem Kamin auf, es war zu früh, die Fenster blieben schwarz.

Am Vorabend hatte Lazar den Lageplan mit seinen Söldnern ein letztes Mal studiert – zwei Stockwerke, eine Treppe, ein Dachboden, ein Keller und zehn Zimmer. Die Raumaufteilung war ihnen vertraut, es war nicht das erste Haus, das sie stürmten, dennoch wünschte sich Lazar, sie hätten mehr Zeit für die Vorbereitung gehabt. Ein Tag reichte einfach nicht. Dabei war es der Keller, der Lazar am meisten Sorgen machte. Sie würden im Erdgeschoss anfangen und sich hocharbeiten.

Der Keller kam immer zum Schluss.

Lazar brauchte ein paar Sekunden, um die Haustür aufzubrechen. Danach stand er im Vorraum und lauschte in die Stille. Die Armbrust lag schwer in seiner Hand. Lazar spürte den Herzschlag im Hals. Er war ausgelaugt von der Jagd, hätte es aber nie zugegeben.

Das Haus blieb still.

Lazar stellte die Funkverbindung her und gab den Befehl.

Lautlos traten seine Männer ein.

Die letzten zwei Jahrhunderte hatte sich im Haus der Kormorane kaum etwas verändert. Bücher und Kleidung kamen per Post, die Lebensmittel wurden zweimal in der Woche geliefert. Die Bewohner waren nicht rückständig. Sie hatten Fernsehen und Internet. Sie lebten in der Gegenwart, ohne ein Teil von ihr zu sein. Zeit hatte hier eine andere Bedeutung. Wer die Zeit akzeptiert, dem ist die Ungeduld fremd, lautete das eingemeißelte Motto über dem Eingang. Geduld war ihre oberste Pflicht. Sie bewahrten das Erbe, sie boten ihm Schutz, ihre Zahl war immer dieselbe.

Acht Mädchen, acht Gouvernanten und eine Hausherrin.

Sobald die Mädchen neunzehn wurden, nahmen sie den Platz der Gouvernanten ein. Es gab ein Fest, es wurde Abschied genommen und acht neue Kinder kamen dazu. Kein Mädchen im Haus der Kormorane wusste, wohin die Gouvernanten danach verschwanden, so wie auch keine von ihnen wusste, woher die Säuglinge kamen.

Die Mädchen teilten sich einen Schlafraum und hatten tagsüber die Zimmer des Hauses zur Verfügung. Die Gouvernanten waren rund um die Uhr zur Stelle und unterrichteten sie. Niemand wollte, dass die Mädchen weltfremd aufwuchsen, und so wurden ihnen keine Informationen vorenthalten.

Wenn jemand nachfragte, bekam er zu hören, es sei ein Waisenhaus. Aber kaum jemand fragte nach oder wusste, wie sich das Haus auf den Klippen finanzierte. Es lag am äußersten Ende einer Landzunge und blieb von Touristen unberührt. Der Landstrich galt als unwirtlich, nicht einmal Schafe verirrten sich hierher. Es gab keine Anlegestellen, es gab nur die Klippen und das Meer.

Das Haus der Kormorane war ein sicherer Ort für das Erbe.

Lazars Söldner arbeiteten sich vom Erdgeschoss hoch. Sie sprachen kein Wort miteinander, während sie von Zimmer zu Zimmer gingen. Fünf der Mädchen starben an der Seite ihrer Gouvernanten innerhalb der ersten zwei Minuten. Sie wurden im Schlaf überrascht. Die Männer waren lautlos, ihre Bewegungen aufeinander abgestimmt. Auf dem Weg nach oben begegneten sie ihrem ersten Problem.

Stella O’Niven war Mitte vierzig, einen Meter achtzig groß und wog keine sechzig Kilo. Die O’Nivens arbeiteten schon seit Generationen für das Haus der Kormorane und kümmerten sich um den Gemüsegarten, strichen die sturmgepeitschte Fassade im Frühjahr neu und erledigten anfallende Arbeiten. Als Haushälterin machte Stella jeden Morgen dieselbe Runde – heizte ein und setzte Teewasser für das Frühstück auf, holte den vorbereiteten Teig aus dem Kühlschrank und formte Brötchen. Sie deckte dann den Tisch und nahm eine Dusche, während die Brötchen backten und die Mädchen langsam erwachten. Jeder Tag hatte denselben Rhythmus. Nur an den Wochenenden übernahm eine der Gouvernanten die Aufgaben der Haushälterin. In dieser Zeit kümmerte sich Stella um ihre Mutter und ihre zwei erwachsenen Söhne. Sie erledigte Einkäufe, ging spazieren und spielte Karten im Club. Alles in ihrem Leben verlief in einer geordneten Bahn.

Auch dieser Morgen fing so an.

Stella war zwei Minuten vor sechs angezogen, hatte sich das Haar hochgesteckt und verließ ihr Zimmer. Sie hörte das Wasser im Badezimmer laufen, sie hörte flüsternde Stimmen und versuchte zu erraten, welche der Mädchen wach waren.

Im Halbdunkel erinnerte Stellas kerzengerade Gestalt an eine strenge Lehrerin, aber sie war alles andere als streng. Stella war die gute Seele für die Mädchen. Wann immer es Schwierigkeiten gab, kamen sie zu ihr und holten sich Rat. Stella mochte diese Rolle. Sie hatte keine Tochter, und so fühlte es sich an, als wäre sie die Mutter von acht Mädchen.

Am obersten Treppenansatz angelangt, blieb Stella für einen Moment stehen und genoss die Ruhe des Hauses. Sie kannte jede knarrende Diele und jede Ritze, durch die der Wind an den stürmischen Tagen pfiff. Es war so sehr ihr Zuhause, wie es das Zuhause der Mädchen war. Als die Standuhr im Erdgeschoss den sechsten Glockenschlag von sich gab, war Stella bereit, nach unten zu gehen.

Die fünf Männer im Eingangsbereich erstarrten und sahen zu ihr hoch.

»Aber …«

Mehr konnte Stella nicht sagen. Der Schalldämpfer gab ein sanftes Ploppen von sich. Die erste Kugel durchschlug das Herz der Haushälterin, die zweite riss ein Loch in die Hand, die sie schützend vor sich hielt. Stella war auf der Stelle tot.

Zwei der Männer fingen ihren Sturz ab und standen danach wieder still.

Niemand rührte sich.

Sie lauschten, sie hörten das Knarren von Dielen über sich, sie hörten hastige Schritte.

Lazar gab ein Zeichen, die Männer eilten die Treppe hinauf.

Alles musste jetzt schneller gehen.

Vier der Gouvernanten hatten mit Hilfe der Hausherrin die Tür zum Hauptsaal verbarrikadiert. Sie zögerten nicht, sie reagierten sofort, als wären sie auf einen Angriff vorbereitet gewesen. Lazars Männer versuchten nicht, die Tür aufzubrechen. Sie legten eine Sprengladung neben dem Türrahmen an und kamen durch die Wand.

Eine Gouvernante fehlte.

Ennis war neunundzwanzig Jahre alt und stand mit zwei der Mädchen im Badezimmer, als Lazars Männer die Wand zum Hauptsaal sprengten. Sie dachte keine Sekunde an Widerstand, sie hatte nur Flucht im Kopf und ergriff die Mädchen bei den Händen. Lautlos stiegen sie über das Balkongeländer und kletterten am Rankengerüst hinunter. Sie trugen noch ihre Schlafanzüge, und als sie unten ankamen, klatschten ihre bloßen Füße auf den Felsen.

Die Mädchen hießen Mona und Jasmin, sie waren zehn Jahre alt und beste Freundinnen. Ennis befahl ihnen, nicht zurückzuschauen. Ihr Ziel waren die Stufen, die zu den Klippen hinunterführten. Ein Pfad lief am Wasser entlang, und wenn sie dem Pfad folgten, würden sie zum Hof der O’Nivens kommen, und dort wären sie sicher, versprach die Gouvernante und schob die Mädchen vor sich her.

Sie hätten Schuhe tragen sollen.

Jasmin rutschte nach zwanzig Metern auf den nassen Stufen aus und fiel. Mona zog sie wieder hoch, als Jasmin aber versuchte aufzutreten, knickte ihr Fuß weg und sie brach in Tränen aus. Ennis nahm sie auf den Arm und hätte beinahe selbst losgeheult, weil sich Jasmin so sehr an ihr festklammerte. Es fühlte sich an, als hätte das Mädchen überhaupt kein Gewicht.

»Keine Sorge«, sagte die Gouvernante. »Wir werden jetzt …«

Das Brechen von Glas war zu hören. Ennis schaute zurück. Sie hätte sich nicht umdrehen sollen. Eine Rauchwolke stieg aus dem Dachstuhl des Hauses auf und wuchs dem Himmel entgegen. Auch Mona blieb stehen. Sie hätten einfach weiterlaufen sollen. Der Pfeil kam aus dem Nichts und durchschlug Jasmins Nacken mit solch einer Wucht, dass die Spitze unter ihrem Kehlkopf wieder hervortrat. Jasmin schaute Ennis ungläubig an und hustete. Ein feiner Nebel aus Blut bedeckte das Gesicht der Gouvernante, dann schloss Jasmin die Augen und ihre Arme lösten sich von Ennis’ Hals und fielen leblos herab.

Die Gouvernante spürte, wie ihre Knie nachgaben. Das Gewicht auf ihren Armen schien sich verzehnfacht zu haben, als hätte das Mädchen all die Tage mit in den Tod genommen, die sie jetzt nicht mehr leben durfte. Ennis konnte Jasmin nicht mehr halten und legte sie auf die Steine. Sie wollte sich setzen und das tote Mädchen festhalten, da riss Mona an ihrem Arm. Ennis taumelte einen Schritt auf sie zu, und der zweite Pfeil zerbrach an dem Felsen, vor dem die Gouvernante eben gestanden hatte.

»Wir müssen weiter«, sagte Mona.

»Aber …«

»Komm!«

Und so sind sie zum Strand runtergerannt und haben die Pfeile ignoriert, die mit einem knallenden Echo von den Felsen wiederhallten und die Kormorane aus ihren Nestern schreckten. Ihr Ziel war das Meer, und sie sahen kein einziges Mal zurück, während hinter ihnen ihr Zuhause in Flammen aufging. (…)

(wird fortgesetzt!)

Copyright (C) 2012 by Zoran Drvenkar. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autoren und des cbj/cbt Bertelsmann-Jugendbuchverlag

Bildrechte: “Sagen” (Zeichnung-Sagen.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Wer wissen möchte, wie die Geschichte beginnt und wie sie auch endet, kann über die beigefügten Bestellinks oder mit Klick auf das Buchcover den Titel bestellen! Anbei zur Orientierung noch zwei Buchrezensionen:

Zoran Drvenkar
Der letzte Engel

cbj, 2012
ISBN 978-3-570-15459-5
Fantasy, Thriller, History, Jugendbuch
Hardcover mit Schutzumschlag
Umfang 448 Seiten
Umschlaggestaltung: Zeichenpool, München
Das abgebildete Cover zeigt das unkorrigierte Vorab-Exemplar

www.cbj-verlag.de
www.drvenkar.de
www.randomhouse.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Vorwort:

„Motte“, der eigentlich Markus heißt, bekommt eine anonyme E-Mail mit folgendem lapidaren Inhalt:

sorry für die schlechte nachricht
aber wenn du aufwachst, wirst du tot sein
wir wollten nur, dass du das weißt

Dieses Zitat aus dem Roman hat genügt, um meine Neugier anzufachen. Ich war sehr gespannt auf den Werkstattband (und wurde nicht enttäuscht), den wir im sfbasar vor Kurzem vorgestellt haben, dazu ein kleines Interview mit dem Autor. Hier der Link für diejenigen, welche diesen Beitrag vielleicht übersehen haben: http://sfbasar.filmbesprechungen.de/fantasy/zoran-drvenkar-der-letzte-engel-%e2%80%93-werkstattband-und-interview/

Zum Titel:

Wenn man kein gläubiger Mensch ist, tut man sich schwer, an mystische Wesen wie Engel zu glauben. Noch mehr, wenn man ein Teenager von 16 Jahren ist und einem alles Mögliche durch den Kopf geht und das Interesse an Religion, den Tod und Engel – sagen wir mal – gering bis praktisch nicht vorhanden ist. Da ist der Schock, dass es Engel wirklich gibt, enorm. Noch viel mehr, wenn man feststellt, dass man selbst zum Engel geworden ist, komplett mit Flügeln. Nun ja, komplett trifft es nicht ganz: Motte vermisst seine männlichen Geschlechtsteile, schließlich sind echte Engel weder Mann noch Frau.

Doch das ist nicht sein einziges Problem. Motte wird gejagt und weiß nicht von wem und warum. Und auch sein wirklich trauernder Vater verhält sich seltsam: Motte belauscht – tot, wie er ist – ein Telefonat, in dem sein Vater jemandem vorwirft, dass sein Sohn 3 Jahre zu früh gestorben sei. Dad hat also damit gerechnet, nein, erwartet, dass Motte im Alter von 19 Jahren stirbt?

Natürlich ist das nur der Auftakt zu einer Reise durch die Welt … und längst vergangene Zeitalter. Zwei Gruppen zeigen mehr Interesse an Motte, als ihm lieb sein kann. Zum Einen ist da „Die Bruderschaft“, die mordend und brennend durch viele Länder der Erde zieht und besondere Häuser heimsucht, dort alle Bewohner massakriert und dann die Flammen die Spuren verwischen lässt. Zum Anderen „Die Familie“, welche bemüht ist, sich dem Zugriff der Bruderschaft zu entziehen und seit zwei Jahrhunderten ein Ziel verfolgt, dass ein Christ wohl befürworten würde … und das ich hier nicht verrate.

Mein Eindruck:

Ich möchte hier an dieser Stelle den weiteren Verlauf der Handlung nicht vorwegnehmen, aber so viel sei gesagt: Es gab in den letzten Monaten nur wenige Bücher, die mich gleichermaßen gefesselt haben. Und das meine ich wörtlich. Ich bin kein besonders schneller Leser, aber „Der letzte Engel“ habe ich innerhalb von zwei Tagen verschlungen.

Am Anfang sind die beiden sich abwechselnd verwendeten Schreibstile Gegenwart und Vergangenheit verwirrend, zumal sie aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten die Handlung zeigen. Dazu kommt noch, dass der Autor häufig Zeitsprünge nach vorn und hinten vollführt, die manchmal Stunden, manchmal Jahre auseinanderliegen können. Erst nach und nach verdichtet und klärt sich, was eigentlich passiert. Und das ist nach dem ersten Drittel wirklich suchterzeugend. Also nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, sondern unbedingt dranbleiben!

Den besten Satz, den ich in dem Buch gelesen habe, war auch der Letzte: „Ende vom ersten Buch“. Und was Drvenkar auf der letzten Seite angedeutet hat, lässt mich nur zu dem Schluss kommen, dass der zweite Band mindestens genauso spannend wird wie dieser erste Teil.

Nachwort:

Es ist ein seltsames Gefühl, ein „unkorrigiertes Vorab-Exemplar“ zu lesen. An manchen Stellen fragt man sich: „Bleibt das so oder wird das noch geändert?“ Über kleinere Tippfehler sieht man hier jedoch eher hinweg, als bei einem fertigen Buch, das dann einfach einen schlampig gemachten Eindruck hinterlässt. Nachdem der Verlag cbj allerdings sogar ein Hardcover mit Schutzumschlag auflegt, dürften in der Endfassung sicher alle Kleinigkeiten ausgemerzt sein.

Copyright © 2012 by Werner Karl

… und noch eine Rezension:

Zuerst schenkt Motte der mysteriösen E-Mail keinen Glauben, die seinen baldigen Tod prophezeit. Doch zu vorrückender Stunde wird er zunehmend nervöser. Schlussendlich beschließt er einfach nicht zu schlafen, so kann er ja auch nicht am nächsten Morgen tot sein. Doch Motte verliert den Kampf gegen den Schlaf und schläft beim Lesen eines Comics ein. Am nächsten Morgen erwacht er – leider tot. Kein Puls mehr und mit nichts bekleidet als Boxershorts. Außerdem wachsen seltsame flügelähnliche Gebilde auf seinem Rücken. Motto muss mit erschrecken feststellen, dass er nun ein Engel ist. Auch eine weitere Erkenntnis erschüttert ihn bis ins Mark: Er hat seinen Körper auf seinem Bett zurückgelassen und für seinen Vater ist er unsichtbar. Dieser nimmt die Nachricht von seinem Tod anders auf, als Motte das vermutet hätte, fast erscheint es so, als hätte er seinen Tod erwartet.

Zu seinem Glück kann ihn wenigstens sein bester Freund sehen, den er leider ziemlich schnell aus den Augen verliert. Als dieser Motte dann wiederfindet, ist es für den Engel schon fast zu spät …

Fazit

Die ersten paar Kapitel waren zugegebener Maßen gewöhnungsbedürftig. Schnelle Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit und zwischen den Perspektiven aus denen erzählt wurde, überforderten den Leser, der sich auf eine leichte Kost im Sinne des Jugendromans eingestellt hatte. Hatte man sich jedoch erst einmal an diese recht ungewöhnliche Handhabung des Handlungsstrangs gewöhnt, ließ einen das Buch nicht mehr los und das, obwohl der Autor einen recht neutralen Schreibstil an den Tag legt. Streckenweise kam es einem schon vor, als würde man einen Bericht lesen und nicht einen Roman. Dies dürfte vor allem männliche Leser begeistern, die mit dem zugegebenermaßen gefühlsbetonten Schreibstil von Frauen wenig anfangen können. Wem der Schreibstil nicht liegt, den entschädigt die Handlung um so mehr, schnell wird einem klar, dass hier literarische und gesellschaftliche Grundmotive gut verpackt wurden.

Schnell findet man sich mitten in einem Machtkampf der verschiedenen Glaubenssysteme wieder, ohne sagen zu können, wer den nun “richtig” liegt. Dies macht die ganze Geschichte sehr realistisch, beschäftigt doch die Frage nach dem “richtigen” Glauben die gesamte Welt. So verschwimmen in der Geschichte sehr schnell die Grenzen zwischen gut und böse, richtig oder falsch, der Rettung der Welt und der Herbeiführung ihres Untergangs. Der Roman macht auf jeden Fall Lust auf mehr und ich bin schon sehr gespannt, wie es im Fortsetzungsband weitergeht.

Ein Roman, der einen bis zur letzten Seite überraschen und fesseln kann.

Copyright © 2012 by Yvonne Rheinganz

Titel erhältlich bei Amazon.de
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Titel erhältlich bei Libri.de

Updated: 20. März 2013 — 19:48

9 Comments

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  1. Hoffentlich hat es sich gelohnt. Ich wollte nämlich genau diesen Teil des Buches „das Mädchen“ gerne als Leseprobe für den Award hier drin haben. Das hat sich etwas schwierig gestaltet, aber letztlich mit viel Arbeit gelohnt, meine ich jedenfalls. Wen macht meine Auswahl als Leseprobentext zu diesem Buch neugiereig auf das Werk? Und wen garnicht? Bitte mal um Meldungen und Meinugen!

  2. Jetzt habe ich mir soviel Arbeit damit gemacht und keiner sagt was dazu… 🙁

  3. Die heißt ja wie ich! 😀 😀 😀

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