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DAS LICHT DER STERNE – Fantasy-Kurzgeschichte von Aileen P. Roberts


DAS LICHT DER STERNE

Fantasy-Kurzgeschichte

von

Aileen P. Roberts


Tief in den Bergen von Beldesia lag das kleine Dorf Naren. Keine Straße führte dorthin, denn es lag weitab der größeren Städte. Die Dorfbewohner führten ein beschauliches Leben. Sie bestellten Felder, jagten Wild in den Bergen, so wie es Generationen vor ihnen getan hatten und wie es wohl auch ihre Nachfahren tun würden. Aber an manchen Tagen wehte ein Wind durch die Berge, der von Wandel sprach.

Tjara war mit ihrem Cousin Jón auf einer der nördlichen Wiesen damit beschäftigt, Heu einzubringen. Vor wenigen Tagen war sie sechzehn Jahre alt geworden und ihr Vater hatte sie bereits einem jungen Mann aus dem nächsten Dorf versprochen.

Tjara hatte kurz mit der Arbeit innegehalten und beobachtete einen Adler, der frei und ungezwungen über den östlichen Bergen schwebte. Sie wünschte sich, ebenso wie der Vogel, an jeden Ort fliegen zu können, zu dem sie wollte. Ein leichter Stoss traf sie in den Rücken. Jón hatte sie mit dem Stiel seiner Heugabel angestupst.

„Wenn wir so weitermachen, sind wir bis zum Mittsommerfest noch nicht fertig“, schimpfte er gutmütig. Ein sympathisches Lachen überzog sein glattrasiertes Gesicht. Jón war hochgewachsen, hatte gelockte dunkle Haare und strahlend blaue Augen. Die meisten Mädchen im Dorf waren in ihn verliebt, doch er hatte sich noch für keine entschieden.

„Und wenn schon“, rief Tjara und begann, ihn zum Spaß mit dem Stiel ihrer eigenen Heugabel anzugreifen.

Aus ihrem langen Zopf lösten sich einige dunkle Haarsträhnen. „Ich habe ohnehin keine Lust, Gromal zu heiraten.“

Lachend wehrte Jón ab und die beiden lieferten sich einen freundschaftlichen Kampf auf der abgesensten Sommerwiese.

„Gromal hat eine eigene Hütte, fünf Kühe, sogar eine Kutsche und …“, rief Jón zwischen zwei Schlägen hindurch.

Obwohl Tjara kleiner war und bei weitem nicht so viel Kraft hatte, wie ihr Cousin, schlug sie sich wacker.

„…und, er ist langweilig“, beendete sie den Satz.

Sie deckte Jón mit einer Reihe von Schlägen ein und schließlich gelang es ihr, ihren Cousin auf den kleinen Bach zuzutreiben, der die Wiese durchfloss. Prompt stolperte Jón und landete mit einem lauten „Platsch“ im Wasser.

Tjara stand am Ufer und bog sich vor Lachen, während Jón mit wütendem Gesicht und tropfenden Kleider herausgekrabbelt kam.

„Du bist ein Mädchen, du hättest verlieren sollen“, knurrte er.

„Das hast du während der letzten zehn Sommer schon oft gesagt“, erwiderte sie lachend. Tjara zappelte, als ihr Cousin sie in den Schwitzkasten nahm.

„Nachdem mit den Jungen hier nichts anzufangen ist, muss ich eben wohl oder übel mit dir Vorlieb nehmen“, behauptete er. „Und, damit du die Lust nicht verlierst, lasse ich dich eben ab und zu gewinnen.“

Allerdings wusste er, dass das nicht stimmte, denn Tjara war wirklich ziemlich geschickt.

Endlich ließ er von ihr ab und die beiden legten sich in das hohe Gras neben dem Bach, wo sich Jón von der Sonne trocknen ließ. Tatsächlich hatte in dem Dorf Naren und den wenigen umliegenden Dörfern niemand Interesse daran, Schwertkampf zu erlernen. Die wenigen Wildtiere konnten mit Fackeln oder notfalls mit dem Bogen ferngehalten werden.

Die Männer kümmerten sich um die Landwirtschaft, das Holz für den Winter, und die Frauen darum, Kinder in die Welt zu setzen. Für mehr blieb kaum Zeit. Nur der Urgroßvater von Tjara und Jón, der sollte ein Krieger aus einem fernen Land gewesen sein. Erst ziemlich zum Ende seines Lebens hatte er sich in Naren niedergelassen und heute sprach kaum noch jemand von ihm, denn ein solches Leben hielt hier niemand für erstrebenswert. Seine Geschichten waren ohnehin immer als Spinnerei eines alten Mannes abgetan worden. Als Jón und Tjara noch klein gewesen waren, hatten sie, sehr zum Missfallen ihrer Eltern, fasziniert den Abenteuern aus fernen Ländern gelauscht. Von Drachen, Zauberern, Elfen und gewaltigen Schlachten hatte Urgroßvater Belwor erzählt.

Mit kindlicher Leidenschaft hatten sie all die haarsträubenden Abenteuer nachgespielt und, unter Anweisung des alten Mannes, mit Holzschwertern ein wenig Kämpfen erlernt.

Auch nachdem Belwor, im hohen Alter von über neunzig Jahren, gestorben war, hatten Tjara und Jón mit ihren spielerischen Kämpfen nicht aufgehört. Jón träumte davon, eines Tages selbst ein großer Krieger zu werden.

Sie liefen zum Waldrand, um einige Beeren zu pflücken, als aus dem dichten Unterholz rechts von ihnen ein Reiter brach. Das große braune Pferd war schweißüberströmt und hatte einen langen Riss in der Flanke.

Es war kein normaler Ackergaul, oder keines der Bergponies, die halbwild in den Bergen lebten, sondern ein Kriegshengst. Muskelbepackt, beeindruckend und mächtig. Tjara und Jón blieben mit offenen Mündern stehen.

„Gibt es in der Nähe ein Dorf?“, fragte der Reiter, welcher nicht weniger beeindruckend wirkte. Als es im Unterholz knackte, warf er einen gehetzten Blick über die Schulter, entspannte sich jedoch, als ein Reh auf die Wiese sprang.

Der Mann war mit einem Lederpanzer bekleidet, darunter trug er ein Kettenhemd.

Außerdem hatte er ein silbern glänzendes Schwert an der Seite hängen, dessen Parierstange mit fremden Zeichen verziert war.

Seine schwarzen Haare waren, ebenso wie die des Pferdes, schweißverklebt. An der fingerdicken grauen Strähne, die seine halblangen Haare durchzog und an den grauen Augenbrauen erkannte man, dass er bereits die erste Hälfte seines Lebens überschritten hatte. Im Gesicht und an den Händen waren mehrere Narben zu sehen.

„Könnt ihr nicht sprechen?“, fuhr er die beiden jungen Leute an, die ihn wie eine Erscheinung anstarrten.

Schließlich räusperte sich Jón und deutete nach Süden.

„Etwa fünf Meilen in diese Richtung.“

Der Krieger nickte und wollte sich abwenden, doch da sprang eine schattenhafte Gestalt aus dem Unterholz und stürzte sich knurrend auf ihn.

Reflexartig zog er sein Schwert, sprang vom Pferd, und hieb mit gezielten Schlägen auf die riesige Bestie ein, die wesentlich größer und furchteinflößender wirkte, als die gewöhnlichen Wölfe der Berge.

Tjara und Jón schauten fasziniert und entsetzt zugleich zu. Der Kampf des Kriegers glich einem Tanz. Immer wieder wich er zurück, griff an und schließlich gelang es ihm, das Wesen zu treffen. Mit einem langen Riss in der Seite verschwand es nun jaulend im Wald.

Der Mann nickte zufrieden und erst jetzt sah Tjara, dass er einen blutdurchtränkten Verband um seinen rechten Oberschenkel gewickelt hatte.

„Gibt es eine Kräuterfrau in eurem Dorf?“, fragte er.

„Ja“, erwiderte Tjara, die ihre Sprache wiedergefunden hatte. „Wir können euch hinbringen. Aber was war das für ein Wesen?“

Der Fremde winkte ab und schwang sich auf sein Pferd, scheinbar wollte er nichts sagen.

„Wer ist er?“, flüsterte das Mädchen aufgeregt, als sie zum Wagen liefen.

„Keine Ahnung“, erwiderte Jón und seine Augen blitzten. „Aber er ist ein Krieger. Hast du ihn kämpfen gesehen?“

Tjara nickte und schlug dem gemütlichen Ackerpferd die Leinen auf den breiten Rücken.

Bald hatten sie zu dem Fremden aufgeholt, der im Schritt in Richtung Dorf ritt. Mit verschlossenem Gesichtsausdruck blickte er geradeaus.

„Wo kommt ihr her?“, wagte Jón nach einer Weile zu fragen.

„Aus Scedana“, erwiderte der Krieger mit der dunklen Stimme. Als er Jóns fragendes Gesicht sah, fügte er hinzu: „Die größte Stadt des Westlands.“

„Natürlich“, sagte Jón, obwohl er keine Ahnung hatte, wo Scedana liegen sollte.

Der Krieger hob, offensichtlich belustigt, die grauen Augenbrauen und trieb sein erschöpftes Pferd weiter.

Irgendwann reichte Tjara ihm mit zitternder Hand ihren Trinkbeutel. „Ihr seid sicher durstig“, sagte sie schüchtern.

„Danke, mein Name ist übrigens Arnôr“, erwiderte der Fremde und schenkte dem Mädchen ein Lächeln, bevor er durstig trank. Auf der Stelle lief Tjara knallrot an und senkte den Blick.

Verlegen nannte nun auch Jón ihre Namen.

„Tjara“, wiederholte Arnôr und wirkte überrascht, sagte jedoch nichts Weiteres dazu.

Als die Sonne am Sinken war, erreichten sie das kleine Dorf mit den fünfzehn verstreut liegenden Lehmhütten. In einer von ihnen lebten Tjaras Eltern, ihr kleiner Bruder und auch Jón, dessen Eltern vor über zehn Jahren an einem Fieber gestorben waren. Mit großen Augen blickten die Dorfbewohner den Krieger an, der mit angespanntem Gesicht auf seinem Pferd saß. Rasch spannte Jón sein Pferd ab und bot Arnôr an, auch seinen Hengst zu versorgen.

Aber der schüttelte den Kopf und meinte: „Er wird dich nicht an sich heranlassen, wenn ich nicht dabei bin. Sag mir, wo ich ihn hinbringen kann.“

„Auf die Weide“, erwiderte Jón aufgeregt. „Ich kann ihm Wasser holen.“

„Vielen Dank, junger Mann“, antwortete Arnôr und verbeugte sich leicht.

Mit dem braunen Hengst am Zügel humpelte er zum Gatter, sattelte ab und wartete, bis Jón mehrere Eimer Wasser angeschleppt hatte, welche das Pferd durstig austrank. Anschließend folgte er Tjara und Jón zu ihrer Hütte.

Tjaras Mutter stieß einen erschrockenen Laut aus, als die Tür aufging und der Krieger hereingehumpelt kam.

Jón half ihm zu einem der Stühle und Tjara rief: „Ich hole die Kräuterfrau.“ Schon war sie zur Tür hinausgeflitzt.

„Entschuldigt, gute Frau“, sagte Arnôr höflich, „ich hoffe, ich bereite euch nicht zu viele Umstände.“

Vina schien sich von ihrem Schrecken erholt zu haben. Obwohl die Dorfbewohner nicht viel zum Leben hatten, galt Gastfreundschaft als das oberste Gebot und wer in Not war, dem wurde geholfen.

„Natürlich nicht. Ruht euch aus. Ich werde euch einen Teller Suppe bringen“, sagte sie, musterte den Fremden jedoch misstrauisch aus den Augenwinkeln heraus.

Jón dagegen wirkte furchtbar aufgeregt. „Was führt euch zu uns? Was war das für ein Wesen, das euch verletzt hat und wo wollt ihr hin?“, fragte er.

Seine Tante Vina stieß ihn in den Rücken.

„Sei nicht so unhöflich! Habe ich dir keine Manieren beigebracht?“, schimpfte sie. „Lass den Herrn in Ruhe essen und dann muss sich jemand um sein Bein kümmern.“

Jón machte ein enttäuschtes Gesicht, doch Arnôr sagte lächelnd: „Es wird noch Zeit sein, deine Fragen zu beantworten.“ Er bedachte Jón mit einem durchdringenden Blick. „Es ist gut, wenn junge Leute Fragen stellen.“

Vina schnaubte. „Aber nicht zu viele. Und nun geh und hol Stroh, damit Meister Arnôr heute Nacht ein Bett am Feuer hat.“

Grummelnd machte sich Jón davon und als er kurze Zeit später mit einem großen Korb voller Stroh eintrat, war die Kräuterfrau bereits beschäftigt.

„Das muss wahrlich eine Bestie gewesen sein“, murmelte sie und betrachtete kopfschüttelnd die Bisswunde im Bein des Kriegers.

„Ein Scaarwolf“, erklärte Arnôr und unterdrückte ein Stöhnen, als die Kräuterfrau den Verband festzog.

Tjara und Jón blickten sich gleichzeitig an. Scaarwölfe, die einem finsteren Zauberer dienen sollten, gab es angeblich nur im äußersten Süden von Beldesia.

Bevor einer von ihnen etwas dazu sagen konnte, schwang die klapprige Holztür auf und Temis, Tjaras Vater, trat ein. Sein Gesicht war gerötet und er roch nach Alkohol. Wahrscheinlich war er mal wieder in der kleinen Taverne des Dorfes gewesen.

„Jón, hol Holz“, befahl er, dann fiel sein Blick auf den Fremden und er erstarrte. „Was macht der Kerl hier?“

Temis kniff die Augen zusammen. Er war ein einfacher Mann, hatte sich jedoch immer bemüht, für seine Familie zu sorgen.

„Mein Name ist Arnôr“, erwiderte der Krieger ruhig.

„Keine Sorge, ich werde nicht lange bleiben.“

Nun wirkte Temis ein wenig besänftigt und setzte sich mit an den Tisch.

Gerade war Jón mit dem Holzhacken fertig, als sein jüngerer Cousin mit einer Axt aus dem nahen Wald kam.

Dogan sah seinem Vater sehr ähnlich. Er war ebenso kräftig, hatte aber, im Gegensatz zu seiner hübschen Schwester, ein derbes Gesicht, jedoch ein gutmütiges Wesen.

Aufgeregt erzählte Jón von dem Besucher. Doch Dogan interessierte das nicht sonderlich.

„Was gibt es zum Abendessen?“, fragte er stattdessen.

Jón seufzte. Für Dogan gab es nur eines – die Landwirtschaft und Essen.

Die Familie saß bereits um den alten Holztisch. Tjara beobachtete den fremden Mann neugierig – etwas zu neugierig für den Geschmack ihrer Mutter.

Später, als sich alle ums Feuer versammelten, denn die Nächte wurden kühl in den Bergen, befahl Vina: „Komm, Tjara, wir gehen zu Bett.“

„Jetzt schon?“, fragte diese und konnte einen enttäuschten Blick nicht verbergen. Zu gerne hätte sie die Geschichte des Fremden gehört. Doch Vina nickte nachdrücklich und zog sie mit sich aus dem Raum. Wütend stieg Tjara die schmale Stiege hinauf auf den Boden, wo sie mit ihrem Cousin und ihrem Bruder unter dem Strohdach schlief. Angestrengt presste sie das Ohr an die alten Bretter, konnte jedoch kaum etwas hören. Schließlich hielt sie es nicht mehr aus und schlich wieder hinunter. Sie versteckte sich hinter dem alten Türstock.

„…Scedana wird schon seit fünf Monden belagert“, erzählte Arnôr gerade. Er saß mit Jón und Dogan am Feuer, das lange Schatten in den Raum warf.

„Der König schickte mich mit dem Auftrag Hilfe zu holen nach Galdrian, denn die Königreiche sind seit jeher in Freundschaft verbunden.“

„Galdrian, das Land östlich von Baldesia“, dachte Tjara. Ihr Urgroßvater hatte immer erzählt, dass es dort Elfen, Gnome und Zwerge gab.

„Als ich jedoch, nach einer Menge Kämpfe, die Ebenen von Flanden erreichte, erkannte ich, dass es für mich dort kein Durchkommen gab“, erzählte der fremde Krieger weiter. „Lord Eljacs Steppenkrieger bewachen die Grenze bis an den Mitgarfluss.“

„Wer ist Lord Eljac?“, hörte Tjara Jón aufgeregt fragen.

„Du weißt nicht, wer er ist?“, entfuhr es Arnôr, offensichtlich entsetzt.

Tjara konnte sich vorstellen, wie Jón nun rot wurde und Arnôr erklärte sogleich: „Er ist der Herr über die Steppe. Doch es giert ihm schon lange nach dem Thron von Scedana, der reichsten Stadt des Westlandes.

Er will der neue König werden und überzieht das Westreich schon viele Jahre lang mit Krieg.“

Die Eingangstür knarrte und Tjara zog sich rasch in den Schatten zurück, damit ihr Vater sie nicht entdeckte. Temis setzte sich mit ans Feuer.

„Was habt Ihr getan, als Ihr nicht über die Grenze gekommen seid?“, fragte Jón aufgeregt.

„Bevor ich weitererzähle“, sagte Arnôr plötzlich, „möchte ich eine junge Lady davor bewahren zu frieren. Nachdem sie bereits eine ganze Weile zuhört, kann sie sich ebenso gut zu uns ans Feuer setzen.“

Tjara erstarrte. Arnôr saß mit dem Rücken zu ihr, er konnte sie gar nicht gesehen haben. Auch Jón, Dogan und Temis wirkten offensichtlich verwirrt. Als Tjara verlegen in ihr Blickfeld trat, polterte Temis los:

„Du solltest doch…“, aber Arnôr unterbrach ihn und sagte: „Mich stört es nicht. Mit eurer Erlaubnis würde ich die junge Lady gerne ans Feuer einladen.“

Tjara errötete. Als „Lady“ hatte sie noch niemals jemand bezeichnet.

Temis knurrte etwas, traute sich jedoch offensichtlich nicht, dem Krieger zu widersprechen. So kauerte sich Tjara neben Jóns Stuhl und lauschte mit großen Augen Arnôrs Geschichten, wie er nach Norden, in die Berge abgedreht war, seinen Kämpfen mit den Steppenkriegern von Lord Eljac, Begegnungen mit Orks und schließlich dem Kampf mit den Scaarwölfen, die drei Tagesritte von hier über ihn hergefallen sein sollten. Das Gesicht von Temis war immer unleidlicher geworden, während Tjara und Jón gebannt lauschten. Dogan dagegen schnarchte bereits laut auf seinem Stuhl.

„Es gibt keine Scaarwölfe in unserer Gegend“, knurrte Temis, „und dieser merkwürdige Lord aus der Steppe geht uns nichts an.“

Arnôr musterte ihn mit einem durchdringenden Blick. „Es gibt diese Wölfe, eure Kinder haben einen gesehen. Und Lord Eljac will sich alle Reiche untertan machen.“

Temis sprang auf. „Genug jetzt, das war sicher nur ein großer Wolf. Wir gehen zu Bett. Hier hat man keine Zeit, sich um solche Dinge Gedanken zu machen. Wir müssen die Ernte vor dem Winter einbringen und morgen ist ein langer Tag.“

Tjara und Jón wollten protestieren, doch Arnôr hob die Hand. „Euer Vater hat Recht. Es ist spät geworden.“

„Er ist nicht mein Vater“, knurrte Jón, als er sich erhob.

Temis weckte seinen Sohn und scheuchte Tjara und Jón hinauf in ihr Zimmer. Die beiden konnten in dieser Nacht jedoch nicht schlafen und unterhielten sich bis zum Morgengrauen flüsternd miteinander.

Auch in den nächsten Tagen bedrängten die beiden Arnôr immer wieder, ihnen Geschichten aus fernen Ländern zu erzählen und vernachlässigten ihre Arbeiten. So berichtete er von den schlimmen Zuständen im Westland, von tapferen Kriegern, die sich in Galdrian sammelten, um gegen das Böse zu kämpfen, von Drachenreitern, Elfen und Zwergen. Arnôr bemühte sich, im Dorf anzuregen, eine Gruppe aus Kämpfern zusammenzustellen, die mit ihm nach Galdrian kam, doch niemand wollte auf ihn hören.

Eines Abends, als das gesamte Dorf am Feuer versammelt war, sagte der Krieger mit seiner dunklen Stimme: „Manchmal ist es Zeit, sein Leben zu ändern. Es wird nicht immer alles bleiben, so wie es ist.“

„Es ist gut, so wie es ist. Man sollte sich aus dem Ärger anderer Länder heraushalten“, erwiderte ein Bauer.

„Und wenn der Ärger eines Tages zu euch kommt?“, fragte Arnôr herausfordernd.

„Wir leben zurückgezogen, hierher kommt kaum jemand. Es ist gefährlich, das Abenteuer zu suchen und sich auf fremde Pfade zu begeben.“

Zustimmendes Gemurmel erfolgte.

„Sicher ist es gefährlich“, gab Arnôr zu. „Aber nicht eines jeden Schicksal ist es, in die Fußstapfen seiner Väter zu treten. Manch einer ist dazu auserkoren, eigene Fußstapfen zu hinterlassen.“

Tjara und Jón, die nicht weit entfernt saßen, glaubten, dass der Krieger dabei besonders sie ansah.

„In vielen Menschen schlummert eine verborgene Kraft, die sie selbst nicht kennen und die nur darauf wartet, freigelassen zu werden. Man muss sich nur zu dem Schritt überwinden, den scheinbar sicheren Pfad zu verlassen und ins Unbekannte aufzubrechen.“

Den beiden jungen Leuten wurde ganz merkwürdig zumute. Eine kribbelnde Unruhe ergriff sie. Doch der Dorfälteste, Godor, rief: „Das sind doch alles Hirngespinste. Wir sind Bauern, keine Krieger.“

„Niemand weiß, ob er nicht ein Krieger ist, bevor er es nicht versucht hat“, erwiderte Arnôr und erhob sich. Er ließ eine aufgebrachte Menge und zwei sehr nachdenkliche junge Leute zurück.

Am nächsten Tag nahm Temis all seinen Mut zusammen, als er Arnôr an der Weide stehen sah. Der große Kriegshengst graste in einiger Entfernung.
„Darf ich offen mit euch sprechen?“, fragte der Bauer.

Arnôr nickte.

„Ich möchte nicht, dass Ihr meinen Kindern noch mehr dieser Abenteuergeschichten erzählt und sie auf verrückte Gedanken bringt“, verlangte Temis mit gerunzelter Stirn. „Sie sind Bauern und werden immer Bauern bleiben.“

„Sind sie das?“, fragte Arnôr mit gerunzelter Stirn und dachte daran, wie die kleine Tjara ihn vor einigen Tagen schüchtern gefragt hatte, ob sie nicht seinen Hengst ein wenig bewegen dürfe. Sie hatte sich sehr geschickt angestellt und Jón hatte Talent gezeigt, das Schwert zu schwingen.

„Natürlich“, erwiderte Temis fest. „Tjara wird bald heiraten und Jón soll zusammen mit meinem Sohn unseren Hof bewirtschaften. Ihr Leben ist vorherbestimmt.“

„Vielleicht ist es das“, erwiderte Arnôr, ließ damit jedoch offen, was er meinte. Er schlug dem kleineren Mann auf die kräftige Schulter.

„Wenn ihr es wünscht, werde ich keine Geschichten mehr erzählen, aber ob es etwas ändert, das kann ich nicht versprechen.“

Der Bauer blickte den Fremden kopfschüttelnd an und fragte: „Wann werdet ihr aufbrechen?“

„Schon morgen“, antwortete Arnôr.

Temis nickte zufrieden. Wenn dieser geheimnisvolle Krieger fort wäre, würde alles wieder in geordneten Bahnen laufen.

Tjara und Jón waren enttäuscht, als Arnôr an diesem Abend verkündete, am nächsten Tag weiterzuziehen. In der Nacht schlich Tjara hinunter.

Sie wollte den Krieger noch so vieles fragen. Doch er lag nicht auf seinem Strohlager. Daher nahm sich das Mädchen einen Umhang und trat nach draußen. Der Vollmond beleuchtete die Berge im Süd-Osten und Tjara erkannte Arnôrs Umrisse, der an der Weide stand.

„Du solltest nicht alleine in der Nacht umherschleichen“, sagte er ruhig, noch bevor sie neben ihm stand.

Erneut wunderte Tjara sich über ihn, denn er stand mit dem Rücken zu ihr und sie hatte glaubt, leise gewesen zu sein.

„Eine Frage“, begann sie unsicher und blickte zu dem großen Krieger auf. „Gibt es auch Frauen, die Kriegerinnen werden?“

Arnôr seufzte. „Was soll ich darauf antworten?“

„Die Wahrheit“, erwiderte sie und ihre Augen leuchteten im Licht der Sterne.

Erneut seufzte der Krieger. „In jedem Zeitalter gab es auch einige wenige Frauen, die den Weg einer Kriegerin gewählt haben.“ Er blickt sie eindringlich an.

„Es ist ein hartes, entbehrungsreiches Leben. Als Frau ist es noch einmal sehr viel schwerer, als wenn du ein Mann bist. Du hast tagelang nichts zu essen, schläfst im Freien und kämpfst bis zur totalen Erschöpfung. Manchmal siehst du deine Freunde sterben, das ist wohl das Schlimmste.“

„Und warum habt ihr diesen Weg gewählt?“, fragte sie.

Arnôr betrachtete sie lächelnd. „Weil er mir als der Richtige erschien.“

Tjara biss sich auf die Lippe. „Woher weiß man, dass man das Richtige tut?“

Der Mann legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Das weiß man erst dann, wenn man es versucht hat.“

Tjara nickte ernst, dann seufzte sie und lehnte sich gegen den alten Holzzaun. „Ich bin noch nicht einmal erwachsen, mein Vater bestimmt über mein Leben. Ich werde einen furchtbar langweiligen Mann heiraten, ein langweiliges Leben als Bäuerin führen und jede Menge Kinder gebären.“ Sie schnitt eine Grimasse. „Irgendwann bin ich alt und fett.“

Der Krieger schüttelte lächelnd den Kopf, dann packte er Tjara bei den Schultern und sah ihr ernst ins Gesicht.

„Siehst du diese Sterne am Himmel?“

Sie runzelte die Stirn und nickte, anschließend folgte sie Arnôrs Hand, die nach oben deutete.

„So viele Sterne, wie es am Himmel gibt, so viele Möglichkeiten hast du, deinen Weg zu wählen.“

Tjara wollte ihn unterbrechen, doch er hob die Hand.

„Dein Leben mag dir vorgezeichnet erscheinen und es mag sogar sein, dass du mit dem vermeintlich langweiligen Mann ein glückliches Leben führst, selbst, wenn du dir das heute nicht vorstellen kannst. Aber vielleicht wartet auch ein anderes Schicksal auf dich. Es liegt bei dir.“

„Liegt es nicht“, rief sie und strich sich wütend eine lange dunkle Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Mein Vater wird darauf bestehen, dass ich Gromal heirate. Meine Schwester hat mit sechzehn geheiratet, meine Mutter sogar noch etwas früher, mir bleibt doch gar keine Wahl.“

Tränen der Wut schwangen in ihrer Stimme mit.

„Und nur, weil es die Frauen vor dir getan haben, musst du es auch tun?“, fragte Arnôr ruhig.

„Ja, nein… ich weiß es nicht“, rief sie zornig.

Arnôr blickte ihr erneut tief in die Augen. „Du bist stark, Tjara, das spüre ich. Denke darüber nach, was du im Leben wirklich erreichen willst. Der Weg deiner Schwester und deiner Mutter ist kein schlechter.

Du musst nur wissen, ob es auch der deine ist.“ Damit drehte sich Arnôr um und lief zur Hütte zurück.

Eine kurze Weile blieb Tjara stehen und blickte in die Sterne. Dann rannte sie ihm hinterher.

„Was wollt ihr mir denn damit sagen? Was soll ich tun?“

„Denk darüber nach“, erwiderte Arnôr nur und war nicht dazu zu bewegen, noch etwas hinzuzufügen.

Auch diese Nacht blieb für Tjara schlaflos. Am Morgen war sie todmüde und unleidlich. Jón war in ähnlicher Stimmung. Er hatte ebenfalls lange wachgelegen und überlegt, ob er Arnôr nicht bitten sollte, ihn mitzunehmen. Jetzt bot sich ihm vielleicht die Gelegenheit das zu tun, was er schon immer hatte tun wollen. Ein Krieger werden, Abenteuer erleben, fremde Länder sehen.

Auf der anderen Seite hatte er Angst. Angst davor, sein gewohntes Leben aufzugeben, etwas ganz anderes zu tun, als all die Menschen um ihn herum. Außerdem wollte er Tjara nicht alleine lassen. Unentschlossen standen die beiden jungen Leute in der Düsternis der ärmlichen Hütte, als sich Arnôr für die Gastfreundschaft bedankte.

Er lächelte Tjara und Jón an, als er sagte: „Manchmal muss man über die Schwelle treten, um das Licht zu sehen.“

So standen die beiden innerlich ziemlich zerrissen auf dem Dorfplatz, als Arnôr sich verabschiedete und im Morgengrauen nach Osten ritt.

„Du hast so viele Möglichkeiten, wie es Sterne am Himmel gibt“, dachte Tjara und Arnôrs Worte hallten in ihr wider.

In der folgenden Zeit mussten Tjara und ihr Cousin sehr häufig an den geheimnisvollen Krieger denken. War es ihm gelungen, Hilfe in Galdrian zu holen? Plötzlich erschienen Tjara die sonst so vertrauten Arbeiten auf den Feldern und im Haushalt unerträglich eintönig und sinnlos. Sie fühlte sich in dem Tal in den Bergen Baldesias eingesperrt und die bevorstehende Hochzeit erfüllte sie mit Panik.

Schließlich gelang es ihr zumindest, den Hochzeitstermin auf das nächste Mittsommerfest zu verschieben.

Ohne viel darüber zu reden, hatten Tjara und Jón begonnen, im Geheimen regelmäßig Schwertkampf zu trainieren. Jón hatte das alte Schwert hervorgeholt, welches sein Urgroßvater ihm vererbt hatte und verwundert festgestellt, dass es die gleichen Zeichen trug, wie das von Arnôr.

So ging ein Jahr ins Land und als das nächste Mittsommerfest näherrückte, wurden Tjara und Jón immer ungeduldiger. Insgeheim hatten wohl beide einen Entschluss gefasst. Jón wollte fortgehen, sobald Tjara verheiratet war und das Dorf verlassen hatte. Tjara dagegen war fest entschlossen, überhaupt nicht zu heiraten und heimlich zu verschwinden.

Es war ein nebliger Sommertag. Ein nächtliches Gewitter hatte Abkühlung verschafft und Tjara hatte Jón gebeten, mit ihr zu den alten Felsen zu kommen, die angeblich in uralter Zeit eine magische Stätte gewesen waren.

Hier im Wald war alles ruhig. Ein paar einzelne Lichtstrahlen fielen durch den Nebel und verbreiteten eine mystische Atmosphäre.

„Ich muss mit dir reden“, sagten Tjara und Jón gleichzeitig, dann mussten sie lachen.

Schließlich seufzte Jón und begann verlegen zu erzählen, was er vorhatte. Tjara lauschte mit großen Augen und als Jón geendet hatte, lachte sie erleichtert auf, was ihn in diesem Augenblick ziemlich verwunderte.

„Auch ich werde gehen“, sagte sie fest. „Ich lasse mir mein Schicksal nicht aufzwingen.“

„Bist du sicher?“, fragte Jón besorgt. „Du bist ein Mädchen, du bist noch sehr jung…“

Tjara lachte auf und erwiderte mit hochgezogenen Augenbrauen: „Und du bist natürlich schon sehr reif und erfahren.“ Sie blickte ihren Cousin ernst an.

„Mein Entschluss steht fest, ich gehe nach Galdrian und werde versuchen, Arnôr zu finden.“

Jón umarmte sie. „Dann gehen wir gemeinsam. Ich hatte das Gleiche vor.“ Er sah ihr unsicher in die Augen. „Wann sollen wir aufbrechen?“

„Ich habe mein Bündel dabei“, gab Tjara zu und deutete hinter einen der hohen Felsen.

„Ich ebenfalls“, erwiderte Jón grinsend. „Hast du auch eine Nachricht hinterlassen?“

Sie nickte und obwohl sie gegenüber ihren Eltern noch immer ein schlechtes Gewissen hatte, fühlte sie sich plötzlich unglaublich befreit.

Gerade wollten die beiden aufbrechen, als sich hinter den Felsen eine Gestalt aus dem Nebel löste. Jón stellte sich, mit dem Schwert seines Urgroßvaters in der Hand, schützend vor Tjara, die allerdings auch bereits ihr Holzschwert in der Hand hielt.

„Heute ist der Tag, an dem sich euer Leben ändern wird“, sagte eine Stimme aus dem Nebel, die beiden bekannt vorkam.

„Arnôr?“, fragte Jón ungläubig, doch der Mann, der plötzlich vor ihnen stand, war sehr viel jünger und hatte dunkelblonde, halblange Haare. Er war wie ein Krieger gekleidet und blickte sie mit einem freundlichen Lächeln an.

„Nein, ich bin Arnôrs Sohn, mein Name ist Aedan “, stellte er sich vor und bedachte Tjara mit einem Blick, der ihr einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ.

„Ich muss sagen, mein Vater hat in Bezug auf dich nicht übertrieben.“
„Wie meinst du das?“, fragte sie heiser.

Aber Aedan antwortete nicht und sah das hübsche Mädchen nur weiterhin lächelnd an. Tjara bekam weiche Knie.

„Wir sollten aufbrechen“, schlug Aedan vor und lief los.

Seine Schritte verursachten beinahe kein Geräusch. Irgendwann stieß er einen schrillen Pfiff aus und man hörte galoppierende Hufe. Wie aus dem Nichts standen drei Kriegspferde vor ihnen. Aedan bestieg einen rostbraunen Hengst mit langer dunkler Mähne.

„Sie gehören euch“, sagte er einfach und deutete auf den fuchsfarbenen Hengst und die hübsche hellgraue Stute.

„Woher wusstest du, dass wir zu deinem Vater wollen und warum bist du gerade heute hier aufgetaucht?“, fragte Jón verwirrt, während sie durch die Stille des Waldes ritten.

Aedan lächelte. „Ich wusste es nicht. Mein Vater hat gemeint, ihr würdet euch für den Weg des Kriegers entscheiden.“ Dann verzog er das Gesicht zu einer Grimasse. „Wir warten schon den ganzen Frühling hier, aber ihr konntet euch ja nicht entscheiden.“

Tjara und Jón blickten sich verwundert an. „Was, wieso? Und wer ist WIR?“

Erneut lachte Aedan und rief in die Bäume hinein: „Jetzt komm schon raus, Vlar´an. Ich höre dich seit über einer Meile.“

Bevor Tjara und Jón etwas sagen konnten, sprang eine schlanke Gestalt aus den Bäumen und landete vor ihnen auf dem Waldboden. Es war ein Elf. Schlank, mit hellblonden Haaren und einem ziemlich breiten Grinsen.

Noch niemals hatten die beiden jungen Leute einen Elfen gesehen und eigentlich auch bezweifelt, dass es sie wirklich gab.

Elegant verbeugte sich der Elf und stellte sich vor.

Anschließend schwang er sich hinter Aedan auf den Hengst und erklärte, dass sein Pferd etwas weiter östlich warten würde.

Die ganzen nächsten Tage gelang es Tjara und Jón nicht, ihre Verwunderung abzuschütteln, doch Aedan und Vlar´an stellten sich als gute Freunde und Begleiter heraus.

Während der Zeit, in der sie Rast machten, zeigten die Beiden ihnen eine Menge Tricks beim Schwertkampf und erzählten von fernen Ländern.

Bereits nach fünf Tagen hatten Tjara und Jón das Gefühl, ihr ganzes altes Leben hinter sich gelassen zu haben. Nun lebten sie in einer anderen Welt. Vlar´an machte sie auf Gnome und die winzigen Feenwesen aufmerksam, die zwischen den Sommerblumen umherflogen. Es gab Kämpfe mit Orks und eines Tages sogar mit drei furchterregenden Scaarwölfen.

„Warum haben wir das alles früher nicht bemerkt?“, fragte Tjara eines Abends, als sie mit Aedan an einer hohen Klippe saß und in ein grünes Tal hinunterblickte. Weit im Süden begannen wohl die Steppen. Gerade hatte er ihr erzählt, dass schon immer Elfen in ihren Bergen gewandelt waren und dass ihr Urgroßvater ein mächtiger Krieger gewesen war, der dem König von Galdrian gedient hatte.

„Vielleicht wolltet ihr es nicht bemerken“, vermutete er und deutete lächelnd auf einen Drachen, der weit entfernt seine Kreise zog. „Aber jetzt hat dein neues Leben begonnen. Vielleicht wirst du sogar eines Tages eine Drachenreiterin, so wie die erste Frau deines Urgroßvaters.

Sie hieß Tjara.“ Ganz vorsichtig legte Aedan ihr einen Arm um die Schulter und Tjara ließ es geschehen. Sie fühlte sich wohl und ge-borgen in seiner Nähe.

Glücklich lehnte sie sich an ihn und blickte in den Himmel, wo die ersten Sterne zu leuchten begannen.

„Vielleicht werde ich das, vielleicht aber auch nicht. Ich habe so viele Möglichkeiten meinen Weg zu wählen, wie es Sterne am Himmel gibt.“

Ende.


Copyright © 2010 by
Aileen P. Roberts

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Waffentod-74-minus-180-98.png(Waffentod41.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Diese Kurzgeschichte erschien in:

Sternenstaub
Herausgegeben von Hans S. Link


Illustriert von Mark Freier.  Bearbeitet von Elke Link.
Verlag :      NOEL-Verlag
ISBN :      978-3-940209-11-5
Einband :      gebunden
Preisinfo :      16,90 Eur[D] / 17,40 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang :      376 S. – 13,0 x 21,0 cm

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Autorenporträt Aileen P. Roberts bei sfbasar.de

Updated: 12. Februar 2012 — 16:17

7 Comments

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  1. Echt klasse!

    Hat mir sehr gut gefallen. Ich kenne zwar die anderen Geschichten aus dem Band nicht, aber bestimmt hat diese Geschichte hier zurecht den 2. Platz erhalten!

    Wann können wir auf eine neue Story von dieser Autorin gespannt sein?

  2. Liebe Aileen,

    da Erste, was mir auffiel, war die Kleidung von Arnor: Ein Lederpanzer und DARUNTER ein Kettenhemd? Ein Kettenhemd sollte im Kampf flach und schräg geführte Streiche mit Messern, Schwertern und anderem scharfem Zeug abgleiten lassen und tiefe Schnittwunden vermeiden. Gegen Stichwunden und kräftige Hiebe mit ähnlichen Waffen taugte es nicht als Schutz. Ergo muss ein Kettenhemd die oberste Schicht der Schutzkleidung darstellen, darunter ein Lederwams, widerum darunter Leinenkleidung, die verhindert, dass Leder und Metall die Haut wundscheuern.

    Danach fand ich eigentlich nur Kleinmädchen-Träume und -klischees. Das Licht der Sterne herzunehmen für die Metapher „Anything-goes“ ist als Titel irreführend; da hätte Sand auch getaugt.

    Überhaupt hat man so was schon tausende Male gelesen, gesehen und beiseite gelegt. Nichts Neues unter der Sonne. Sorry, das geht besser. Und zum 1.000sten Male Orks und Elfen und Drachen…?? Die Fantasy läuft sich tot, alles wird um und um durchgekaut, bis man selbst an guten Fantasy-Stories die Lust verliert.

    Last euch endlich mal wirklich was neues einfallen.

    Schöne Grüße :-I

  3. Mir hat die Geschichte gefallen, obwohl ich eigentlich kein Fantasy-Liebhaber bin. Ich fand die Geschichte gut, weil sie aus dem Leben armer Bauernkinder erzählt, die sich zu etwas grösserem berufen fühlen. Man stelle sich das mal vor: die Tochter wird einem jungen Mann versprochen ohne dass das Mädchen da ein Mitspracherecht hat. Alternativ kann sie ihrem Leben einen ganz anderen Sinn geben: sie kann ihrem Leben Bedeutung geben und sich zu mehr als einer bäuerlichen Gebährmaschine entwickeln. Sicher sind andere Menschen mit einem solchen bäuerlichen Darsein schon genügend mit dem am Lebenbleiben zufrieden, doch nicht jeder oder jede möchte so sein Leben führen. Und ich finde, dass das in der Geschichte ziemlich gut zum Ausdruck kommt. Das zum Schluss noch Fantasy-Elemente hinzukamen, die egentlich für die Geschichte garnicht nötig gewesen wären, stört mich nicht wirklich, für mich zählt, dass die Geschichte mich berührt, ich mit den Figuren mitfühlen kann, ihr Sehnsüchte spüre, alle anderen Dinge drumherum spielen dabei keine grosse Rolle. Im Übrigen: Ich kenne kaum eine Geschichte, egal aus welchem Genre, die nicht überquillt von Klischees. Selbst das Leben ist heutezugate ein einziges Klischee, jedenfalls kommen mir die Menschen um mich herum oft klischeehafter vor, als eine solche Fantasygeschichte, sorry!

  4. Felis Breitendorf

    Man weiss ja auch nicht, wie die anderen Storys in dem Band sind, daher finde ich es ziemlich abwegig, ein Urteil zu fällen, ob die liebe Aileen tatsächlich mit zu Besten gehörte, als dieser Band ursprüngich erschien.

    Ich finde die Story jetzt auch nicht so überwältignd, schlecht und langeilig finde ich sie aber auch nicht. So dazwischen. Ich bin aber der Meinung, man sollte auch mal bedenken, dass die liebe Aileen sich inzwischen wohl auch weiterentwickelt hat und ihre neuen Romane bestimmt schon von ganz anderem Kaliber sein werden…

  5. Vielen Dank für eure Kommentare. Dass es einem gefällt, dem anderen eher nicht, ist normal und auch kein Problem. Diese „Klischeediskussion“ kann man natürlich endlos führen. Wenn man ein Klischee sucht, wird man es überall finden, in sofern gebe ich Detlef gerne recht. Wer keine Geschichten über Orks und Elfen lesen will, der kann ja zu anderen Büchern greifen, aber es gibt eben auch Leute, die das durchaus noch wollen.
    @Mike:Was das Kettenhemd unter der Lederkleidung betrifft, in der Realität magst du durchaus recht damit haben, dass die Schutzkleidung i.d.R so getragen wird. Aber der Stich geht ohnehin durch oder auch nicht, ob jetzt das Leder oben oder unten ist. Mal abgesehen davon, in Fantsygeschichten ist das gar nicht so unüblich http://scrapetv.com/News/News%20Pages/Health/Images/gimli-lord-of-the-rings.jpg Ich konnte mich dunkel an Gimli erinnern 🙂 Dass etwas darunter getragen wird, ist selbstverständlich sinnvoll und auch wenn ich es nicht explizit erwähnt habe (bei Kurzgeschichten ist man auch an eine bestimmte Anzahl an Zeichen gebunden) so erscheint es mir doch logisch, dass Arnôr unter dem Kettenhemd nicht nackt war 😉
    @Detlef: Genau das wollte ich im Prinzip auch mit der Geschichte zum Ausdruck bringen. Seinem Leben eine andere Wendung geben, und auch mal etwas riskieren, selbst wenn es von der Norm abweicht.
    (Zitat: Selbst das Leben ist heutezugate ein einziges Klischee, jedenfalls kommen mir die Menschen um mich herum oft klischeehafter vor, als eine solche Fantasygeschichte, sorry!) 🙂 geht mir genauso ;-))

  6. Eine Lederrüstung über einem Ringpanzerhemd zu tragen macht den Träger zu einem unbeweglichen und überlasteten Ziel.

    Üblicherweise wurde ein Gambeson druntergezogen, manchmal auch als Zusatzrüstung drüber. Leder wurde bei Ringpanzerhemden an Verbindungsstellen oder empfindlichen Stellen eingesetzt (Lederprotektoren).

    Gimli trägt manchmal ein Hemd mit Wappenrock drüber, ansonsten ist es nur mit Lederprotektoren versehen.

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