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DAS KORRIGIERTE LEBEN – Kurzgeschichte von Mona Mee

DAS KORRIGIERTE LEBEN


Kurzgeschichte

von

Mona Mee

Kennt Ihr das, wenn man am Rande seines Blickfeldes eine Bewegung zu sehen glaubt? Doch wenn man hinschaut, dann ist da einfach nichts. Absolut nichts! Ich schaue auf und sehe in den Mustern der Blümchentapete des Wohnzimmers meiner Mutter wie sich die Blumen bewegen, sich umgruppieren. Doch immer geschieht es am Rande meines Blickfeldes, niemals wenn ich direkt hinschaue, dann ist wieder Stillstand und die heimtückischen Blumenmuster grinsen mich an als wenn nichts gewesen wäre. Es ist grausam, so wie bei einem gebrochenen Bein, wenn es unter dem Gipsverband juckt wie verrückt, aber man nicht kratzen kann, weil der Gips so eng anliegt, dass oft nur eine lange Stricknadel, die man an der Innenwand des Verbandes entlang bis zur juckenden Stelle schiebt, die Qual lindern kann.

Ich schaue auf den großen TV-Apparat, der klobig mit seiner ganzen Wucht auf vier schmalen engen stelzenartigen langen Beinen steht. Meine Mutter steht auf Retro, daher war sie überglücklich als sie das alte Gerät aus den späten 60ern bei einem Antiquitätenhändler für eine wirklich unanständig hohe Summe erstehen konnte. Ich habe den Ton leise gedreht und sehe Politiker, die sich streiten, ob des finanziellen Aufwands, der entstehen wird, wenn man nicht endlich die Klimagesetze verabschiedet. Inzwischen ist die Erderwärmung dermaßen vorangeschritten, dass die Welt nicht mehr so ist wie zu Zeiten als das alte TV-Gerät, in das ich blicke, entstanden ist. Ich bin ziemlich genervt im Moment, denn auch die Bilder im TV scheinen zu spinnen.

Wenn ich einem der Politiker zuhöre und ihn anschaue, dann scheint es mir als ob sein Kopf ganz langsam anfängt zu schrumpfen und als bald so klein geworden ist, dass es ulkig aussehen würde, wenn das Ganze nicht so furchterregend wäre. Also schaue ich einfach auf mein Essen vor mir, in dem ich lustlos herumstochere, denn es ist nicht gerade mein Lieblingsgericht, denn auch bei der Essensauswahl und dem Kochen lebt meine Mutter ganz und gar in der Welt ihrer Urgroßmutter.

Sie liebt solche Gerichte, die man stundenlang im Dampfgarer totkocht, wo keine Vitamine und Vitalstoffe mehr vorhanden sind. Sauerkraut, Eisbein und Kartoffelbrei aus selbstgestampften Kartoffeln hatte mir Mutter in die Micro gestellt. Niemand macht so was mehr, niemand isst so was mehr zu heutigen Zeit. Nur meine Mutter, die hat ihre Freude an so was. Ich schaue in das Kraut und wenn ich kurz zur Seite oder auf blicke, dann  denke ich eine Bewegung darin vernehmen zu können. Ich bin ziemlich angenervt davon, dass jetzt sogar das Essen auf dem Tisch mich verrückt machen kann und so steche ich kraftvoll in das Kraut, doch zu meinem Schrecken, weicht es aus und ich steche ins Leere. Als ich kurz die Augen schließe und wieder auf den Teller schaue steckt meine Gabel aber doch in dem Zeug und ich frage mich, ob ich mir das wieder mal nur eingebildet habe.

Mir ist der Appetit vergangen und so trage ich den Teller in die Küche zurück. Als ich wieder ins Wohnzimmer gehen möchte, da kommt Mutter zur Wohnungstür herein und begrüßt mich. Sie fragt mich, wie es mir ginge und ich schildere ihr, dass ich offenbar irgendwelche Wahrnehmungsstörungen habe und ob sie mich nicht vielleicht zum Arzt bringen möchte. Doch meine Mutter nimmt mich kurz in den Arm und drückt mich ganz fest, dabei gräbt sie ihre Finger ihrer rechten Hand in meine Haare und plötzlich verschwindet die Welt…

Die Frau dreht mit dem Fingernagel ihres Zeigefingers vorsichtig den Korrekturbutton unter dem Haarschopf des Kindes weiter nach rechts um das Betriebsystem des Androiden neu zu starten. „So was blödes“, denkt sie, „hätte ich doch einfach mal auf meine Freundin Judie gehört und ein teureres Modell gekauft, dann müsste ich nicht ständig das Kind neu booten!“

-Ende-

Copyright © 2011 by Mona Mee

Bildrechte: Coverillustration “roboter-cover1.jpg” (Originaltitel: robotwalk.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “robotwalk080minus.jpg” (Originaltitel: robotwalk.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Letzte Preisänderung am 17.03.2011
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Updated: 3. April 2017 — 15:08

10 Comments

Add a Comment
  1. Das nenne ich mal ein preisgünstiges Büchlein! 😉

  2. Liebe Mona Mee,

    sehr schön, hat mir gut gefallen. Ein wenig von Spielbergs „A.I. Künstliche Intelligenz“ und „Der 200-Jahre-Mann“ mit Robin Williams. Sehr melancholisch und am Schluss tragisch. Ein wirklich gelungener Beitrag zur Anthologie.

    mgg
    galaxykarl 😉

  3. Huch, hat der Galaxy Drogen genommen? Er lobt tatsächlich unsere kleine Radikale?

  4. Galaxy
    Danke für deine lobenden Worte, ich hatte eigentliche ein robustere Geschichte reinstellen wollen, doch DH hat es nicht erlaubt!

    Corinna
    Bin doch nicht radikal, eher eine kleine Wilde!

  5. Liebe Mona,

    irgendwie war das nicht meins. Mir war ein wenig zu viel Umgangssprache drin und es war teilweise auch ein wenig holprig zu lesen. Aber der Schluss war irgendwie gut, regte zum Nachdenken an. Und die Kleinigkeiten, wie die Sache mit der Blümchentapete waren ganz nett gemacht.

    Lieber Gruß
    Nicole

  6. Für eine 13jährige ist die Story aber tragbar, oder Nicole?

  7. ja, für eine 13jährige schon…
    Da steckt echt Potential drin.

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