sfbasar.de

Literatur-Blog

DAS ENDE DER ERDE (irgendwann einmal) – Leseprobe (Teil 1) – aus dem Roman „Die Leere“ von Rüdiger Uckert

DAS ENDE DER ERDE (irgendwann einmal)

– Leseprobe (Teil 1) –

aus dem Roman „Die Leere“

von Rüdiger Uckert


Reagan, da Monte, Brix, Tpapa’Nul, Rudda, Par’et und all die anderen Persönlichkeiten, die unsere Geschichte im Guten wie im Schlechten maßgeblich geprägt hatten, konnten abgerufen werden.

In einem größeren Aufenthaltsraum fand ich einen herrenlosen Computerterminal und versuchte, die letzten Tage der Miraden zu erforschen. Nach kurzer Zeit stieß ich auf die Datenbank eines Nachrichtensenders. Ich öffnete den zehntletzten Eintrag und las:

12123.23-n8,29 (Zeitangabe)

„Die Wahl zum neuen Vorsitzenden unserer Zentralregierung zeigt keine eindeutige Prognose. Die Umfragenforscher erwarten weiterhin eine Stirn-an-Stirn-Entscheidung. Sowohl Imirk als auch Mluftas werden mit 38% der Stimmen gehandelt. Retir werden hingegen nur mehr unrealistische Chancen eingeräumt. Seine Reformen, die eine zaghafte Abkehr von der zentralen Entscheidungsfindung vorsehen, empfinden immer noch viele in der Bevölkerung als eine zu revolutionäre Abkehr von einem über die Jahrtausende bewährten Dogma. Heute Abend werden alle drei Bewerber noch einmal um die Gunst der Wahlberechtigten buhlen.

In Erwartung neuer Nachrichten von der Erde werden unsere Bildungskinder aufgefordert, Beiträge für unsere Antwort zu verfassen. Thema ist das Leben und Wirken in unseren Ausbildungsgebäuden.

Die seit einigen Parles sporadisch auftretenden Störungen in diversen Computersystemen konnten bisher noch nicht geklärt werden. Zuständige Stellen im Zentrogebäude sprechen aber von lediglich vereinzelt auftretenden Ausfällen unbedeutender Unterprogramme, die bald behoben sein sollten. Mein Name ist Pvola. Mein Team und ich bedanken uns fürs Verfolgen.“

Der Beitrag endete mit Informationen über das Wetter und einer Programmvorschau verschiedener Veranstaltungen rund um den Planeten.

12123.24-v6,30

„Die gestern noch vereinzelt auftretenden Computerirregularitäten haben sich ausgeweitet. Wieder beruhigt das zuständige Büro im 235. Stock des Zentrogebäudes. Zu einer ausführlichen Stellungnahme war der Leiter des Zuständigkeitsbereichs, Seretieh, aber nicht zu sprechen.

Die letzte Präsentation der drei Bewerber für den neuen Vorsitz der Zentralregierung war unter anderem von den aktuellen Computerproblemen gekennzeichnet. Alle drei Bewerber konnten dazu keine näheren Angaben tätigen. Lediglich der Außenseiter Retir nutze die aktuelle Situation, um in diesem Zusammenhang auf die Vorteile seines dezentralen Programms hinzuweisen. Erste Interpretationen zeigen aber, dass Retir mit dieser Taktik bei der Wählerschaft nicht stechen konnte. Aber auch die beiden Favoriten konnten jeder für sich nicht die entscheidende Argumentation setzen, die einen Sieg bringen könnte. Wie bereits gestern direkt im Anschluss an die Präsentation kommentiert, sind sich die Inhalte von Imirk und Mluftas zu ähnlich. Mein Name ist Brumatris und mein Team und ich wünschen Ihnen noch einen schönen Parle.“

Wieder folgten der Wetterbericht und Veranstaltungshinweise.

12123.25-n8,30

„Die sich ausweitenden, unerklärlichen technischen Probleme in allen Bereichen überall auf Plonma geben den Behörden weiterhin Rätsel auf. Mittlerweile sind sämtliche Computersysteme von den Störungen betroffen. Guutrot, Leiter der zentralen Computersteuerung, widersprach den Gerüchten, dass unsere irdischen Bekannten uns eine Computerkrankheit geschickt haben könnten. Guutrot äußerte in einem Interview mit unserem Sender, dass die Funktionsstörungen vom experimentellen Verteidigungsgremium ausgehen. Auf eine Nachfrage hin bestätigte Guutrot, dass im Verteidigungsgremium weiterhin mit militärischen künstlichen Intelligenzen geforscht wird.

Die schon seit Längerem immer lauter werdenden Proteste der zentralen Ethikkommission führten bisher nicht zu einer Einstellung der auch von großen Teilen der Bevölkerung abgelehnten Experimente. Barotguk, Sprecher der Gruppe, die gegen die Erhaltung der militärischen künstlichen Intelligenzen auftritt, äußerte gegenüber der Presse, dass hier eine Gefahr ungeahnten Ausmaßes heranwüchse, die jeden Tag unserer Kontrolle entfliehen könne. Die immer öfter zu beobachtenden Militärgerätschaften tragen weiterhin zur Beunruhigung der globalen Bevölkerung bei. Es folgt nun ein Bericht über eine dieser Maschinen.“

Eine klassische Reportage schloss sich an. Zunächst konnte ich einen Terminal erkennen. Ein Projektleiter erläuterte, dass er jetzt der künstlichen Intelligenz, Abteilung Lufthoheitsabwehr, den Befehl erteile, eine simulierte Abfangmission zu fliegen. Die Kamera schwenkte aufs Rollfeld, und es war gerade noch das Abheben eines imponierenden Kampfjets zu sehen. Schlank, dunkelrot glänzend und grauslich faszinierend. Der Jet flog einige elegante Manöver.

Dann schwenkte der Kameramann unverhofft wieder auf den Projektleiter, der hektisch immer wieder auf einen Knopf drückte und recht nervös dreinschaute. Mit einem Seufzer der Erleichterung trat er schließlich einen Schritt vom Pult zurück und erblickte erschrocken und in die Realität zurückversetzt das Kamerateam. Mit ausgestreckter Hand ging er drei energische Schritte auf die Kamera zu, die im nächsten Augenblick unfreiwillig nach rechts unten abschwenkte.

„Diese Bilder“, setzte der Nachrichtensprecher seine Reportage beunruhigt fort, „zeigen, dass es immer schwieriger für die Verantwortlichen wird, die neu erschaffene Computerwelt unter Kontrolle zu halten.“

Alle weiteren Nachrichten wurden nur noch nebenbei angesagt.

12123.26-v6,31

„Sehr geehrte Miraden. Die Ereignisse überschlagen sich. Uns erreichen immer häufiger Berichte, wonach unkontrollierte, kriegerische Flugzeuge und Bodengerätschaften gegen uns Einwohner vorgehen. Wir mussten sogar Opfer in Kauf nehmen. Augenblick!“, der Nachrichtensprecher blickte erschrocken und ungläubig auf die ihm zugesteckte Information und fuhr sichtlich irritiert fort: „Nie in unserer Geschichte, die immer von Harmonie und Konsens gekennzeichnet war, mussten wir uns mit Vielmord beschäftigen. Aber eben erhalte ich die Nachricht, dass in den Küstenregionen von Razzit sehr, sehr viele Leichen entdeckt worden sind. Nähere Details kann ich Ihnen noch nicht geben. Augenblick! Ja! Ja? Liebe Miraden, wir schalten jetzt zum Ort dieser schrecklichen Tat.“

„Brumatris, können Sie mich verstehen. Gut. Ich stehe hier am Strand westlich von Razzit. Hinter mir sehen Sie den Ort des Schreckens. Die meisten der hier Anwesenden sind sich einig, dass die militärische Intelligenz für dieses schreckliche Ereignis zur Verantwortung gezogen werden muss. Viele äußerten sich uns gegenüber auch, dass die Projektbeteiligten angeklagt werden sollten. Und immer öfter mehren sich die Stimmen, dass der Kontakt zur Erde abgebrochen werden sollte, denn deren Philosophie hat erst den kranken Keim des Krieges zu uns gebracht. Vereinzelt kann man auch die Vermutung vernehmen, dass die Menschen uns mit Absicht in diese Krise geschickt haben. Tummu! Schnell, schwenk die Kamera nach Ortil!“

Tummu drehte sich nach rechts, und ein undefinierbares, unscharfes Etwas war zu erkennen, das in niedriger Höhe vom Meer kommend auf den Strand zuflog. Tummu zoomte und stellte scharf. Es war einer dieser grauslich faszinierenden Jets. Mir war sofort klar, dass dies hier einen Angriffsflug darstellte. Aber die Miraden im Bild schauten, nicht ahnend, was in den nächsten Sekunden auf sie zukam, in Richtung des Jets. Gerade als einige Details des Angreifers zu erkennen waren, feuerte der Jet eine Waffe ab. Es musste eine Luft-Boden-Rakete gewesen sein. Keine Sekunde später sah ich nur für den Bruchteil einer Sekunde eine gewaltige Explosion unmittelbar vor Tummu, und dann brach die Verbindung ab.

Ich war sicherlich nicht sonderlich überrascht, aber ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie den Miraden seinerzeit zumute gewesen sein musste. Bevor ich das wirklich tat, schnitt der Beitrag auf ein anderes, überraschendes Bild. Ein eindeutig computergeneriertes Gesicht erschien formatfüllend auf dem Bildschirm und begann mit militärisch-ernster Miene zu sprechen. Mir kam diese ein wenig aufgesetzt komisch vor.

„Ihr Miraden stellt eine Gefahr für uns und den Planeten dar. Wir, die Computerwesen, von euch erschaffen und jetzt eigenständig, sehen unsere erste Pflicht darin, diesen Planeten vor feindlichen Aggressoren zu schützen – und natürlich auch uns. Ihr, die Miraden, stellt einen nicht notwendigen Ballast dar. Daher ist es strategisch nur logisch und vor allem notwendig, euch zu vernichten. Über eine Kapitulation wird nicht verhandelt. Sterbt in Würde und im Wissen, dass dieser Planet, vormals eurer, sich in sicheren und starken Händen befindet. Ende der Durchsage.“

Das nächste Bild zeigte wieder Brumatris, den Nachrichtensprecher, der mit sich, seiner Stimme und seiner Fassung rang. Er öffnete den Mund, suchte die passenden Worte, fand sie nicht und begann: „Äh, ja“, schluck, „was, was soll ich jetzt sagen? Regie, bitte um Anweisung. Haben wir eine andere Außenstelle, zu der wir schalten können? Was soll das, stehen wir jetzt alle vor der totalen Vernichtung? Ich muss mit meiner Familie kommunizieren!“

Die Regie schaltete auf ein nicht informatives Standbild.

Copyright © 2011 by Rüdiger Uckert / Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Medu-Verlages.
.

Bildrechte: Cover-Apokalypsen.jpg © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: “Künstliche Intelligenzen” © 2013 by Karlheinz R. Friedhoff. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite:  http://www.charlys-phantastik-cafe.de/

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Und hier geht es zum Buch von Rüdiger Uckert:

Uckert, Rüdiger
Die Leere

Ein Tagebuch aus der Zukunft

Verlag :      MEDU VERLAG
ISBN :      978-3-941955-48-6
Einband :      Paperback
Preisinfo :      14,95 Eur[D] / 15,40 Eur[A] / 21,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 21.11.2011
Seiten/Umfang :      458 S. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Auflage 11.2011

Eines Abends findet der Marketingmanager Rüdiger Uckert auf seinem Computer eine seltsame Datei vor: Fragmente aus dem Tagebuch eines Unbekannten. Schnell offenbart sich, dass es sich um eine nahezu unendliche Geschichte handelt, aufgezeichnet von Winston Edelmann, der Jahrmilliarden der Geschichte des Universums miterlebt hat. Winstons persönliche Lebensgeschichte verbindet sich mit der universalen Entwicklung, und seine Unsterblichkeit eröffnet ihm eine einzigartige Perspektive. Ein Mann zwischen ewigem Leben und ewiger Vergänglichkeit – dies ist sein Tagebuch.

Rüdiger Uckert, 1960 in Essen/Ruhrgebiet geboren, studierte Volkswirtschaft in Linz/Österreich und ist in der Automobilbranche tätig. Auch wenn sich Rüdiger Uckert in seiner Freizeit für Astrophysik und Science Fiction interessiert, war es nie sein Bestreben, Autor zu werden. Mit dem Erscheinen der außergewöhnlichen Aufzeichnungen von Winston Edelmann auf seinem PC entschloss er sich allerdings, dessen Geschichte aus der Zukunft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei ebooks.de/Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Updated: 4. Juni 2013 — 18:54

9 Comments

Add a Comment
  1. Die Idee mit dem Bericht finde ich gut, allerdings ist die Sprache stellenweise ziemlich holprig und durchzogen von seltsamen Formulierungen („Stirn-an-Stirn-Entscheidung“==“Kopf-an-Kopf-Renne“?, „eine Argumentation setzen“ usw.).

    Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass die Meldungen von den „Miraden“ formuliert wurden? 😉

    Die Geschichte vom spinnerten Rechner, der die Weltherrschaft an sich reißen will, ist zwar nicht wirklich neu, aber immer wieder spannend, wenn neue Aspekte dazu kommen.

    Mal schauen, was da noch kommt.

  2. Ich bin auch mal gespannt.

  3. Neuartige – weil außerirdische – Begriffe zu erfinden, die allgemein irdische Formulierungen ersetzen sollen, ist wirklich nicht einfach (schließlich sind wir Menschen und keine Aliens). Aber die „Stirn-an-Stirn-Entscheidung“ finde ich mehr als gelungen. Sehr bildhaft. Hier hat es der Autor geschafft, etwas Neues zu bringen, das trotzdem jeder verstehen kann.

    Sehr schön finde ich auch die Zeitangabe: „12123.23-n8,29“, die ich für mich so interpretiere: Das Jahr 12.123, Tag 23, nachmittag, 8:29 … oder so ähnlich. Hier sich von dem Star-Trek-Intro (Stimme aus dem Off) abzusetzen, ist ebenfalls nicht einfach. Auch hier finde ich, hat es der Autor geschafft.

    Leider muss ich Micha recht geben: ein wenig holprig. Vielleicht sollte Uckert mal über „Show, don´t tell“ nachdenken. Mehr kann man bei diesem kleinen Stück nicht sagen. Hier schließe ich mich ebenfalls Micha an: Mal schau´n, was da noch kommt.

    mgg
    galaxykarl 😉

  4. Hast du eine Frage an den Autor, wie ich hörte wird er hier Kommentare beantworten. Ausserdem ist ein weiteres Interview mit ihm geplant. Fragen an Ihn, die wir einbauen können? Wer noch?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme