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CUBA-LIBRE MIT EINEN SCHUSS GIN UND EINEM SPRITZER ANGOSTURABITTER – Science Fiction-Shortstory von Martina Müller

CUBA-LIBRE MIT EINEN SCHUSS GIN UND EINEM SPRITZER ANGOSTURABITTER

Science Fiction-Shortstory

von

Martina Müller

(Lektorat: Michael Bahner und Barbara Wegener)

Null Schwerkraft. Ich blicke hinaus aus den Fenstern der Bar meines Alkoven-Hotels. Im Orbit von Cassiro 4, einer Wasserwelt, die nur über eine spärliche Anzahl von Inseln verfügt, nehme ich meinem Null-G-Drink in die Hand. Eine junge Frau schwebt heran und ich kann sehen, dass sie ziemlich abgebrannt sein muss. Ihr Overall ist deutlich verschlissen. Sie fragt mich, ob ich ihr einen Drink ausgeben würde, da sie keine Kredits mehr hätte. Ich nicke nur und schiebe ihr das kleine Bestellterminal herüber, nachdem ich meinen Kreditchip daran entlanggezogen habe.  Während sich das Eingabegerät magnetisch an die Theke klammert, bestellt sich die junge Frau einen doppelten Cuba libre preparado, der aus einem Cuba-Libre mit einen Schuss Gin und einem Spritzer Angosturabitter besteht. Nach nur wenigen Augenblicken schwebt eine Drohne heran und händigt ihr einen Null-G-Becher aus, den sie sofort gierig aussaugt. Ich zeige ihr kurz den Öffnungschip von meinem Alkoven und mache eine seitwärts gerichtete Geste mit dem Kopf. Sie versteht und wir trennen unsere Sicherungsleinen von der Bar, um sie zusammenzuklicken, dann hangeln wir uns an den Laufgriffen in Richtung meines Alkovens. Ich freue mich darauf, endlich mal wieder mit einem menschlichen Wesen Sex zu haben.

Als ich mich zusammen mit der jungen Frau in meinen Alkoven befinde, lasse ich von außen das “Bitte nicht stören”-Lichtschild aufflammen. Nachdem wir uns beide entkleidet haben, liebkose ich den Intimbereich meiner Gespielin. Im Gegenzug gebe ich Ihr den zu jedem Alkoven zugehörigen Ultraschallvibrator, welcher normalerweise ein schnelles und zuverlässiges Ergebnis garantiert. Das Gerät hat am Funktionsteil eine Microoberfläche und zusätzlich eine optionale antiseptische Schutzhülle, was zusammengenommen eine Ansteckung vom Vorbenutzer praktisch ausschließt. Die junge Frau kennt sich offensichtlich mit solchen Spielzeugen gut aus und schiebt mir das Teil mit rhythmischen Bewegungen in meine Vagina. Auch wenn es schon ein wenig Übung erfordert, in Schwerelosigkeit auf seine Kosten zu kommen, denn jede Bewegung lässt einen automatisch in die Gegenrichtung davonschweben, lasse ich mir den Spaß nicht nehmen. Die Klettbänder und Handgriffe innerhalb des Alkovens sind dabei wirklich Gold wert. Sich praktisch in eine starre Haltung zu bringen, ist dabei oberstes Gebot. Nachdem wir beide zum Höhepunkt gekommen sind, suche ich meine Wertgegenstände zusammen und verstaue sie in dem kleinen Tresor, mit dem jeder Alkoven ausgestattet ist.

Meinen Kreditchip, der sich an einer Kette um meinen Hals befindet, belasse ich dort, denn ich erwarte die Bezahlung meines letzten Doppelauftrages, den ich dann kurz mit einem Code bestätigen muss, sobald das Teil anzeigt, dass das Geld zum Transfer bereit steht. Der Chip selbst ist bei mir sicher, denn der ist auf meine Herzfrequenz, meine Körpertemperatur und meine DNA geeicht und würde fürchterlich zu piepen anfangen, sollte er mehr als 30 Zentimeter von mir entfernt werden. Natürlich traue ich der jungen Frau nicht, denn so pleite wie sie ist, wird sie bestimmt jede Gelegenheit nutzen, um zu etwas Geld zu kommen. Ich verspreche ihr daher, dass ich ihr am nächsten Morgen, wenn wir ausgeschlafen haben, einen anständigen Betrag zukommen lasse. Sie ist damit zufrieden und dreht sich mit dem Gesicht zu ihrer Seite der Alkovenwand und ich tue es ihr gleich und drehe mein Gesicht auf die andere Seite. Sobald ich mein Geld erhalten habe, werde ich weiterreisen und mir auch einen neuen Auftrag suchen.

*

Als ich aufwache und aus dem Alkovenfenster hinter meinem Kopf den Wasserplaneten sehe, wie dieser von seiner Sonne in ein Glitzern verpackt wird, bin ich so im Gedanken, dass ich aufschrecke, als mein Kreditchip einige Töne von sich gibt. Ich nehme ihn in die Hand, schaue noch mal zu der offensichtlich noch immer schlafenden jungen Frau herüber und gebe meinen Bestätigungcode in das Gerät ein, damit die Geldtransmission stattfinden kann …

… völlig unerwartet erhalte ich einen Schlag gegen den Hals und sacke nach hinten. Die junge Frau hatte sich urplötzlich herumgedreht und hält nun einen Handscanner in der einen Hand und in der anderen einen Ring mit einem Injektionsdorn. Als ich mich aufrichten will, bemerkte ich, dass ich paralysiert bin. Ich sehe, wie die junge Frau mit der einen Hand ihren Scanner unter meinen Kreditchip schiebt und mit der anderen meinen Daumen auf die Bestätigungtaste drückt.

Das darauf folgende Piepen zeigt, dass das Geld auf meinen Kreditchip transferiert wurde. Die Klänge ihres Scanners besagen wohl, dass dieser beim Transfer den Versender des Geldes ausfindig gemacht hat. Das schließe ich jedenfalls aus dem zufriedenen Lächeln der jungen Frau. Sie teilt mir mit, dass sie ERK-Beamtin ist und mich jetzt an das Militär der Vereinten Planetensysteme übergeben wird. Und dass man von den Morden an dem Paar auf Sintonte 3 weiß. Was das bedeutet, ist mir sofort klar: Man wird mich in ein Kryogenisches Hochsicherheitsgefängnis verfrachten, in dem ich für die Morde an dem Ehepaar die Zeit bis ans Ende meiner Tage verbringen werde, ohne Bewusstsein und ohne eine Chance auf eine Zukunft. Im besten Falle wird man mich auftauen und für das, was ich am besten kann, einsetzten, um mich anschließend entweder wieder einzufrieren oder mich aus Sicherheitsgründen aus dem Weg zu räumen …

-Ende-

Copyright (c) 2013 by Martina Müller

Bildrechte: Für alle Eingangsgrafiken © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

BUCHTIPP DER AUTORIN:

r.evolver
Pol Pot Polka

ein Fall für Kay Blanchard

Verlag :      EVOLVER
ISBN :      978-3-902910-18-9
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,00 Eur[D] UVP / 12,00 Eur[A] UVP / 18,50 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Seiten/Umfang :      ca. 170 S.
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Produktform (detailliert) :      Geklebt
Erscheinungsdatum :      06.2013

„Pol Pot Polka“ beginnt dort, wo „The Nazi Island Mystery“ aufhörte. Die sexy Agentin Kay Blanchard sieht sich wieder einmal mit einem mörderischen Setting mitten im Feindesland konfrontiert – und dabei pflastern nicht nur Leichen ihren Weg. Ohne Beischlaf, Drogen und Rock’n’Roll geht bei Kay nämlich gar nichts – soviel Zeit muss sein, genauso wie für Hardboiled-Action. In der dekadenten Lifestyle-Hölle Kambodschas lauern hinter jeder Ecke sadistische Nazis, mörderische Mutanten, brutale Killer-Nonnen und natürlich die berüchtigten Khmer Rouge. Und Sie alle machen der mit Abstand ungewöhnlichsten Mitarbeiterin des britischen MI6 – sehr zum Vergnügen des Publikums – das Leben schwer …r.evolver, der einzig denkbare Autor ultimativer Pulp-Thriller, schlägt wieder zu – und liefert mit „Pol Pot Polka“ die von Fans langersehnte Fortsetzung des Kult-Pulps „The Nazi Island Mystery“.

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16 Comments

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  1. Meine Frage an die werte Leserschaft: was meint Ihr, funktioniert die Geschichte auch so noch, oder ist der Plot nun vollkommen unverständlich?

  2. Also unverständlich ist der Plot gar nicht. Ich fand ihn flüssig …

  3. Danke, Steffen! Wir sind gespannt auf weitere Meinungen dazu! 🙂

  4. Moment mal, zu dieser Geschichte habe ich aber keine Tipps gegeben („Lektorat“). Ich habe was zu Ein doppelter Auftrag beigesteuert.

    Das hier sind doch nur ein paar kopierte Abschnitte daraus. Na, ihr seid mir vielleicht Schlitzohren.

    😉

  5. Da diese Abschnitte nicht verändert wurden haben wir dich weiterhin genannt. Sollen wir dich rausnehmen?

    Wir haben das gemacht, weil es einen Wettbewerb gibt, bei der diese Geschichte eingereicht werden soll, die aber keine Storys von zwei Autoren nehmen wollen …

    Wss sagst du? Funktioniert die Geschichte aus deiner Sicht auch weiterhin?

  6. Der Verlag will leider nichts rausrücken zum Verlosen! Schade … 🙁

  7. Hab beides gelesen bzw. alle drei und finde so getrennt wirkt das einfach nicht.

  8. Gibt es noch weitere Stimmen, die entweder Steffens oder auf der anderen Seite Petras Meinung sind?

  9. Dr. Heinz-Theo Ullrichs

    Ich bin entgegen der Meinung von Petra, dass diese Geschichte durchaus für sich funkioniert. Mir gefällt diese Idee, das eine Geschichte, die von zwei Autoren verfasst wurde, sich in zwei Module zerlegen läßt und für sich jeweils als eigenständige Kurzgeschichte funktioniert.

  10. Ich bin neu auf sfbasar lese mich grade so durch die Geschichten:

    Diese hier wirkt schon für sich allein, Vorausgegangenes wird ja angedeutet.
    Aber es würde mich schon interessieren wie die Protagonistin sich aus ihrer prekären Lage befreit. Oder vielleicht hat sie ja doch Fantasien während des Einfrierens???

  11. Lieber Günter, es gibt eine ausführlichere Version dieser Story, die dabei von 2 Autoren verfasst wurde:

    http://sfbasar.filmbesprechungen.de/allgemein/ein-doppelter-auftrag-sf-krimi-von-martina-muller-und-detlef-hedderich/

    Ausserdem gibt es eine Fortsetzung von einem dritten Autor, die vielleicht deine Fragen beantwortet:

    http://sfbasar.filmbesprechungen.de/buecher/nemesis-eine-science-fiction-geschichte-von-leon-ferri/

    Sag mal hier bescheid, ob dir das was gebracht hat.

  12. Danke für die Hinweise, Martina, haben mir sehr wohl was gebracht.
    Allerdings hätte ich mir ein anderes Ende für die Bösewichtin gewünscht, Sympathie for the devil!

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