sfbasar.de

Literatur-Blog

Christina Meldrum: Bittere Wunder – DREIMAL IM PREISRÄTSEL AUF SFBASAR.DE!

Christina Meldrum
Bittere Wunder

Madapple, USA, 2008
cbj-Verlag, München, 02/2013
PB mit Klappbroschur
Jugendbuch, Drama, Thriller
ISBN 978-3-570-40161-3
Aus dem Amerikanischen von Antoinette Gittinger und Friedrich Pflüger
Titelgestaltung von Kathrin Schüler, Berlin nach dem Original von Jonathan Barkat und Lisa Thornberg, istockphoto
Vignette von Lisa Thornberg, istockphoto

www.cbj-verlag.de
www.christinameldrum.com
www.jonathanbarkat.com

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei eBook.de

Die 20-jährige Aslaug Hellig steht vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, zwei Menschen vergiftet und eine Kirche in Brand gesteckt zu haben. Einige Jahre zuvor war sie schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten, als man sie verdächtigt hatte, ihre Mutter vergiftet zu haben. Aslaug bestreitet alles bis auf das Legen des Feuers und behauptet außerdem, dass sie ein Kind hatte, welches ihr weggenommen wurde. Die übrigen Prozessteilnehmer sind sich nicht sicher, ob die junge Frau schuldig ist, in einer Fantasiewelt lebt und gar nicht weiß, was sie getan hat oder ob sie sehr wohl zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann. Vielleicht ist sie aber auch unschuldig …

Aslaug wächst völlig isoliert im Haus ihrer Mutter Maren Hellig auf. Sie besucht nicht die Schule, sondern wird von der Mutter unterrichtet, lernt archaische Sprachen, wird mit vielen Mythen vertraut gemacht und erfährt, wie man Wildpflanzen als Nahrungs- und Heilmittel zubereitet. Freunde hat Aslaug nicht. Über den Vater wird nicht gesprochen; angeblich gibt es keinen anderen als Gott. Aslaug ist 16 Jahre alt, als die Mutter überraschend stirbt. Die Gerichtsmedizinerin entdeckt eine giftige Substanz in ihrem Körper, weist jedoch nach, dass die Frau an Krebst gestorben ist. Weil Aslaug minderjährig ist und keine Verwandten bekannt sind, soll sich eine Sozialarbeiterin um sie kümmern. Aslaug läuft jedoch davon und findet im Nachbarort die Kirche wieder, die ihre Mutter ihr einmal gezeigt hatte.

Dort lernt Aslaug ihre Tante Sara, ihre Cousine Susanne und ihren Cousin Rune kennen, die sie einladen, bei ihnen zu bleiben. Endlich erzählt ihr jemand etwas über ihre Familie, aber vieles ist widersprüchlich, und Aslaug weiß nicht, was sie glauben soll. Sehr schnell fühlt sie sich zu Rune hingezogen und träumt eines Nachts, dass sie miteinander schlafen. Kurz darauf bemerkt sie, dass sie schwanger ist. Aber es war doch nur ein Traum. Oder hat Rune sie vergewaltigt? Davon wollen die anderen nichts hören und reden Aslaug ein, dass ihr Kind – wie sie selbst – ein Wunder sei und von Gott stammt, und wenn sie schon nicht der Messias ist, dann wird es dieses Kind sein. Damit sie nicht wie ihre Mutter fliehen kann, wird Aslaug eingesperrt, denn Sara und Susanne wollen das Kind um jeden Preis haben …

„Bittere Wunder“ ist ein sehr ungewöhnliches Drama mit vagen Krimi-Elementen. Im Wechsel schildert die Autorin, was in der Gegenwart passiert und was in der Vergangenheit zu der aktuellen Situation geführt hat. Die Gegenwartshandlung spielt sich im Gerichtssaal ab und besteht ausschließlich aus Zeugenbefragungen durch den Staatsanwalt und den Verteidiger. Es wird eine sehr nüchterne Atmosphäre erzeugt, indem lediglich die Dialoge gelistet sind ohne beschreibenden Text. Knapp und präzise werden die Fakten dargelegt, können jedoch die Protagonistin weder überzeugend be- noch entlasten.

Die wesentlich ausführlicheren Rückblenden, in denen Aslaug erzählt, wie ihr von vielen unbeantworteten Fragen geprägtes Leben ablief, enthüllen nach und nach, was wirklich geschehen ist, erhalten aber ebenfalls lange Zeit so manche Zweifel im Leser. Man erfährt, wie Aslaug unter der Isolation und der Unberechenbarkeit einer Mutter, die ihr wenig Liebe entgegenbrachte, litt, wie Maren Hellig starb, wie das junge Mädchen von ihren schwärmerisch-religiösen Verwandten aufgenommen wurde und sich das Schicksal ihrer Mutter bei ihr gewissermaßen wiederholte – was schließlich eine neuerliche Tragödie nach sich zog. Die Frage, was wirklich passiert ist, wird erst ganz am Schluss beantwortet. Hingegen wird das vermeintliche Wunder um Aslaugs Geburt nicht restlos aufgeklärt, und der Leser muss sich selbst eine Meinung bilden, welchen der beiden möglichen Väter er für den richtigen halten möchte. Der Prolog erlaubt bereits zu spekulieren. So oder so ist es für die Familie schwer, mit dem Wissen zu leben, dass vielleicht Marens Schwager oder ihr eigener Vater, sich an dem damals jungen Mädchen vergangen hat.

Auf den sehr wahrscheinlichen Inzest und Kindesmissbrauch wird jedoch nicht näher eingegangen, denn die Angehörigen haben den Kontakt zu beiden Männern abgebrochen, sich mehr oder weniger der religiösen Schwärmerei hingegeben und angefangen, an Wunder zu glauben. Nachdem dieser Hintergrund aufgedeckt wurde, kann man leichter die verqueren Denk- und Handlungsweisen der Helligs nachvollziehen. Tatsächlich erweist sich auch Aslaug, nachdem sie die Wahrheit durchaus erkannt hat, als unfähig, sich aus dem Bann der Mysterien zu lösen. Sogar für sie ist es einfacher, dieses Wissen zu verdrängen. Als ein Familienmitglied ausbricht, wird eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die schließlich in die Gegenwartshandlung mündet.

Inhaltlich und formal weiß „Bittere Wunder“ zu überzeugen. Die Charaktere sind sehr detailliert, individuell und glaubwürdig aufgebaut. Die Handlung konzentriert sich nicht allein auf die Geschichte selbst, sondern ist zudem gespickt mit botanischen und mythologisch-religiösen Ausführungen, die das Denken und Handeln der Protagonisten logisch unterstützen. Sehr kritisch wird die religiöse Schwärmerei dargestellt, der Auslöser dafür im Fall der Hauptfiguren leider weniger; er geht praktisch unter. Insgesamt ist dieses lesenswerte Drama keine leichte Kost für junge Mädchen, sondern eher an ein reiferes Publikum ab 16 Jahre adressiert.

Copyright © 2013 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei eBook.de

Preisrätsel 3 x 1 Exemplar: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte, einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): In welchem Jahr erschien der Titel? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 300 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! BITTE NICHT VERGESSEN, DIE ANSCHRIFT UND E-MAIL-ADRESSE MIT ANZUGEBEN!


GEWINNER: Kunigunde Tegtmeyer, Hinrich Loesecke, Axel Moehring. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND SPONSOREN!

Updated: 21. Mai 2013 — 20:03

2 Comments

Add a Comment
  1. Ganz toller Titel, der schon auf meiner Wunschliste steht. Da hoffe ich mal auf meine Glücksfee 🙂

  2. GEWINNER: Kunigunde Tegtmeyer, Hinrich Loesecke, Axel Moehring. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND SPONSOREN!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme