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Buchrezension von Detlef Hedderich: Simbeck, Kathrin – Soziale Arbeit mit Arbeitssuchenden. Aspekte handlungswissenschaftlich-orientierter Sozialer Arbeit im Kontext der Hartz-IV-Problematik.

Simbeck, Kathrin
Soziale Arbeit mit Arbeitssuchenden

Aspekte handlungswissenschaftlich-orientierter Sozialer Arbeit im Kontext der Hartz-IV-Problematik

Verlag :      Tectum
Website: http://www.tectum-verlag.de
ISBN :      978-3-8288-2439-3
Einband :      Paperback
Preisinfo :      24,90 Eur[D] / 24,90 Eur[A] / 38,10 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang :      ca. 110 S. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 09.2010

Medien :
Inhaltsverzeichnis(PDF)

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„Die“ wollen ja nicht arbeiten, oder?! Arbeitslosigkeit ist seit geraumer Zeit ein enormes gesellschaftliches Problem, das ganze Bevölkerungsteile nachhaltig ausgrenzt. Soziale Arbeit besitzt das Potenzial, gesellschaftliche Notlagen zu erkennen und – unter Berücksichtigung der veränderten Lebenswirklichkeit Arbeitssuchender nach der Hartz-IV-Reform – effektive Hilfe anzubieten. Wie also kann Soziale Arbeit in Zeiten von Hartz IV für und mit Arbeitssuchende(n) gestaltet werden?

Soziale Arbeit kann mehr sein als nur „Staatsgehilfe“: Anhand des handlungswissenschaftlich-orientierten Ansatzes nach Silvia Staub-Bernasconi, Werner Obrecht und Kaspar Geiser zeigt Kathrin Simbeck beispielhaft auf, was Soziale Arbeit leisten kann, wenn sie über das hinausgeht, was an Vorgaben von Politik, Gesetzgeber, Trägern und anderen an sie herangetragen wird.

BUCHREZENSION:

Kathrin Simbeck beschäftigt sich mit ihrer Bachelorarbeit, die Grundlage dieser Publikation darstellt, mit  Aspekte handlungswissenschaftlich-orientierter Sozialer Arbeit im Kontext der Hartz-IV-Problematik, so auch der Untertitel dieses Buches. Gegliedert ist ihr Buch in elf Unterkapiteln, die hier kurz angerissen werden sollen.

In der Einführung erklärt die Autorin die Grundlagen dieses Buches und auf welche anderen Quellen ihr Wissen fußt, die dann am Endes des Bandes unter Literaturverzeichnis, Tabellen-/Abbildungsverzeichnis und verschiedene Anhänge als Belege genannt sind.

Interessant ist hier der Hinweis, dass die Auseinandersetzung mit Erwerbslosigkeit und Hartz IV im Studium häufig zu kurz kommen würde, was zudem begleitet wäre von einem Mangel an professionellen wissenschaftlichen Handlungskonzepten oder Leitlinien für die Thematik. Ebenso fänden sich zu den Auswirkungen der Erwerbslosigkeit – insbesondere zu Hartz 4 – nur sehr wenige Forschungsarbeiten.

Im zweiten Teil, welcher sich mit den Grundlagen handlungswissenschaftlich-orientierter Sozialer Arbeit beschäftigt, ist vor allem der Abschnitt zum Verständnis Sozialer Arbeit interessant. An dieser Stelle zitiert die Autorin einen interessanten Textabschnitt: „(…) Berufliche Soziale Arbeit fördert Wandel Problemlösungen in menschlichen Beziehungen und Empowerment  sowie die Befreiung von Menschen um ihr Wohlbefinden zu verbessern. Indem Soziale Arbeit Theorien menschlichen Verhaltens und sozialer Systeme anwendet, interveniert Soziale Arbeit an den Punkten, an welchen Menschen mit ihrer Umwelt in Interaktion treten. (…)“

Interessant ist hier noch der Hinweis der Autorin, dass Prestigeprobleme die Konformität Sozialer Arbeit gegenüber dem vorherrschenden Zeitgeist begünstigen würde.

Der dritte Teil beschäftigt sich mit dem deutschen Sozialstaat und seiner Politik.

In diesem Kapitel erklärt die Autorin: „Ziel ist es, die zusammenwirkenden gesellschaftlichen Subsysteme wie Arbeitsmarktpolitik, Sozialpolitik, die Arbeitsgemeinschaften (…) und auch Individuen – unter Bezugnahme wichtiger Basisdiziplinen – zu verstehen. (…)“

In diesem Kapitel wird dann auch die Hartz-IV-Problematik zusammen mit ihren Auswirkungen auf die Soziale Arbeit mit Arbeitssuchenden dargestellt.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit der Erwerbslosigkeit in Deutschland und versucht Erklärungsansätze für die Ursachen der Arbeitslosigkeit zu benennen: „Im neoliberalen Ansatz liegt der Grund für die Erwerbslosigkeit in der umfassenden Fürsorge. Individuen handeln nach bestimmten Präferenzen, wie „lieber mehr Freizeit als mehr Arbeitszeit“ (…) Die staatliche Fürsorger wirkt sich also negativ aus. Fraglich bleibt jedoch, ob dieses Menschenbild den Tatsachen entspricht. (…)“

Die weiteren Kapitel beschäftigen sich dann mit der Bedeutung von Geschichte und Gegenwart, Sozialer Diagnose und schließlich münden diese in die Handlungsleitlinien und Arbeitweisen und enden letztlich in die Gedanken zur Umsetzbarkeit des Ansatzes der vielen Grundlagen zum Thema, die anfänglich durch Ihre Quellen in dem Buch vorgestellt wurden.

Insgesamt ist das vorliegende Werk eine wissenschaftliche Arbeit, somit keine leichte Kost und sollten vor allem diejenigen Leser interessieren, die sich eingehend mit dem Themenkreis des Titels beschäftigen möchte. Als oberflächlicher Lesestoff  taugt der Band nicht, wenn auch zu erwähnen ist, dass natürlich selbst für den Laien interessante Einzelheiten und Zusammenhänge von Interesse sein dürften. In wie weit man sich in diesen schwierigen Themenkreis reinzulesen bereit ist, muss jeder Leser selbst entscheiden. Als kleine Entscheidungshilfe dient da möglicherweise der Link mit dem Inhaltsverzeichnis (pdf). Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass diese Bachelorarbeit leider einer der wenigen momentan lieferbaren Bücher ist, die sich mit diesem Themenkreis ernsthaft beschäftigen.

Vielleicht wäre es interessant hier irgendwann einen Titel lesen zu dürfen, der auch den Leseansprüchen des „normalen“ Lesers entspricht und die doch sehr wissenschaftliche Sprache für den interessierten Laien  übersetzt. Warten wir es ab, was der Buchmarkt in der Zukunft diesbezüglich zu bieten hat.

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6 Comments

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  1. Interessiert das hier wirklich keinen?

  2. Meiner Meinung nach ein klassischer Fall von Selbst-ins-Knie-geschossen. Bei so einem Titel – und schlimmer noch – so einem Untertitel ist die Begehrlichkeit nach so einem Buch doch … äh, ein wenig eingeschränkt. Das ist schon immer ein Manko wissenschaftlicher Veröffentlichungen gewesen: Aktuelles oder brisantes Thema, meinetwegen noch mit akutem Handlungsbedarf in ein extrem langweiliges Cover mit sehr sprödem Charme gepackt. Ich fürchte, die Auflage wird nicht besonders hoch klettern.
    Und ich betone: Das hat nicht mit dem Inhalt zu tun, der mag top aufgearbeitet und dargestellt sein. Ich will ja auch kein Foto von einer Warteschlange in der Arbeitsagentur und schon recht nicht ein Hartz-IV-Klischee-Foto, aber das kann man auch anders machen.

    Mit galaktischen Grüßen
    galaxykarl :-I

  3. Schade ist einfach nur, dass es im Moment keine aktuellen Titel am Buchmarkt zu diesem Themkreis gibt. Offenbar traut man sich nicht solch ein Thema hier in aller Öffentlichkeit anzusprechen!

  4. sorry, auch wenn ich deine Rezension jetzt mehrfach gelesen habe, versteh ich nicht, was dieses Buch jetzt für einen Zweck erfüllt. Gibt es theorien, aussagen, die etwas neues zur Problematik hinzufügen, oder innovative Lösungsansätze oder nur in schön akademiker Deutsch verpacktes Geschwafel?
    Nicht gegen die Autorin, als Bachelorarbeit mag dieses Traktat sicher seine berechtigung haben, aber deiner Rezension kann ich jetzt keinen allgemeingültigen Nutzen entnehmen.

  5. Aber es gibt doch Bücher, die das Thema ähnlich, aber vielleicht auch verständlicher, angehen. Beispielsweise, um nur eins zu nennen:
    „Hartz IV – und der Tag gehört dir: Über das Schicksal Langzeitarbeitsloser, den Zerfall unseres Sozialsystems und das Milliardengrab ARGEn/Jobcenter von Björn Lange“
    Ansonsten muss ich – sorry – Simone Wilhelmy wirklich vollkommen recht geben.

  6. Ich werde mich in zukunft bei diesem Themenkreis mehr bei Büchern umschauen, die für ein breiteres Leserspektrum geschrieben sind. Diese Buchrezi war Grundlage einer Schreibübung in einer Schreibwerkstatt, in der ich im Moment einen 12monatigen Kurs belege. Auch dort wurde das Buch letztlich als zu wissenschaftlich für den normalen Leser angesehen und aus der Veröffentlichungsliste der dortigen Homepage gestrichen.

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