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BROT UND SPIELE – Leseprobe aus dem historischen Roman „Marcus – Soldat Roms“ von Michael Kuhn

BROT UND SPIELE

Leseprobe aus dem historischen Roman

“Marcus – Soldat Roms”

von Michael Kuhn

Es geschah im letzten Jahr meiner Dienstzeit in Tricensima. Immer wieder überquerten fränkische Banden den Rhenus und suchten das Hinterland heim. Es gelang uns nicht, die Plünderer zu stellen und auszuschalten, weil sie in der Nacht über den Strom kamen und sich am Tage in den Wäldern verbargen.

Nach Sonnenuntergang verließen sie ihre Verstecke, die wir einige Tage später leer auffanden, und überfielen einzelne Gehöfte und Kleinsiedlungen. Immer in der Überzahl, nahmen sie mit, was für sie von Wert war und ließen schwelende Trümmer, viele Tote und wenige verzweifelte Überlebende zurück. Ehe die Garnisonen alarmiert und helfen konnten, hatten die Räuber sich längst mit Diebesgut und Gefangenen über den Rhenus in Sicherheit gebracht. Wie ein Albdruck lag die ständige Bedrohung von Besitz und Leben auf den Fluren des Niederrheins, das Land wurde nicht mehr bestellt und der Handel kam zum Erliegen. Jeder weitere Überfall verschlechterte die Stimmung in der Bevölkerung und es drohte eine Auswanderungswelle in die Sicherheit des Hinterlandes. Der Präfekt in Treveris mahnte wiederholt den Schutz des Grenzlandes an und schickte endlich Verstärkungen, so dass die Militärs in Tricensimae sich zum Handeln entschlossen und 5000 Legionäre aus Grenztruppen, Eliteeinheiten und Hilfstruppen auf ihren Einsatz brannten. Man stellte aus den besten Einheiten eine Kampfgruppe in Kohortenstärke zusammen, zu der auch mein Zug zählte. Mittlerweile hatten Späher die Lage erkundet und wir setzten unter dem Kommando eines im Grenzkrieg erfahrenen Tribunen bei Neumond über den Strom und rückten ins Barbaricum vor. Vor der Dämmerung erreichten wir eine Siedlung, die von den Kundschaftern als Ausgangspunkt der Überfälle ausgemacht worden war, und umstellten in der Dunkelheit ungesehen den Feind, der sich in Sicherheit wähnte und keine Wachen aufgestellt hatte.

Truppweise lagen wir als tödlicher Ring aus Eisen und Stahl im feuchten Gras und erwarteten die Dämmerung. Als der Mond untergegangen war und Nebelschwaden aus den Wiesen stiegen, kündete ein fahles Licht im Osten den Morgen an.

‚Na, Kamerad. Angst?’, klang es neben mir in der harten Aussprache der friesischen Auxiliaren. ’Ein guter Tag, an dem es fette Beute geben wird’, freute sich der Mann mit einem ordinären Lachen.

Ich schaute zur Seite und musterte befremdet das narbenentstellte Gesicht meines Kampfgefährten, dessen hingehaltene Weinflasche ich mit einer Handbewegung ablehnte.

‚Danke, Kamerad’, flüsterte ich, ‚aber ich möchte einen klaren Kopf behalten.’

Der Mann zuckte mit den Schultern, nahm einen tiefen Schluck und wandte sich seinen Waffen zu. Keine gute Gesellschaft, ging es mir durch den Kopf, aber man konnte sich seine Waffengefährten nicht aussuchen. Ich habe niemals etwas für Männer übrig gehabt, die sich nur wegen der Aussicht auf Plünderung und Beute den Spezialkommandos anschlossen.

Mit klammen Fingern machte ich mich zum Kampf bereit, indem ich die Spatha zog, den Sitz des Kettenhemdes überprüfte, den Helmriemen festzog und mit der Linken die Halterung des Rundschildes umklammerte.

Die ersten Vogelstimmen begrüßten den Morgen und ein blutroter Streifen stand am Horizont, als das Gellen der Signalhörner die Stille zerriss und die Anspannung der lauernden Männer löste.

Von allen Seiten stürmten brüllende Legionäre gegen den Feind, während die ersten Dorfbewohner schlaftrunken aus ihren Hütten und Häusern taumelten und verzweifelt nach Waffen und Pferden schrien.

[…]

„Imperator Felix“, las ich in großen Lettern auf einem Holzschild über der Eingangstür. Darunter das mit ungelenkem Pinselstrich ausgeführte Bildnis eines lächelnden Mannes in einer Toga, der in der Rechten einen adlerbekrönten Feldherrnstab schwenkte. Ein gleiches Bild schaukelte, an einer Eisenstange befestigt, vor der Fassade im Wind und hatte uns hereingelockt.

Auf einem Holzbord an der Wand in allen Größen Marmorbüsten römischer Kaiser, wie sie zum Regierungsantritt tausendfach in den Werkstätten hergestellt wurden: Postumus, Victorinus und Tetricus, die von Treveris das Gallische Sonderreich regierten, der Reformer Diocletian, Probus, Valerian, Alexander Severus, Decius, Maximinus Thrax, Claudius Gothicus, Tacitus, Constantinus Chlorus, der Vater des Großen Constantinus und andere, die ich nicht kannte, oder deren Gesichtszüge der „damnatio memoriae“ zum Opfer gefallen waren. Constantinus und seine Söhne waren nicht vertreten, da der Hausherr keinen Streit mit der kaiserlichen Verwaltung wollte. Es hatte sich herumgesprochen, dass Constantius II. wenig Verständnis zeigte, wenn die eigene Herrschaft oder das Schicksal seiner Verwandtschaft zum Gegenstand eines Spaßes wurden. Ein Witzbold hatte diejenigen Büsten mit einem schwarzen „X“ gekennzeichnet, deren Vorbilder eines gewaltsamen Todes gestorben waren, was bei den meisten der Fall war.

Wir suchten einen Tisch, weit genug vom gemauerten Tresen entfernt, an dem eine Gruppe lärmender Handwerker im Stehen einen Imbiss zu sich nahm.

„Seid gegrüßt, werte Herren“, wurden wir vom Wirt der Taverne persönlich empfangen. „Sagt euch das Zimmer zu? Es ist mein bestes und nur vornehmen Gästen vorbehalten.“

„Wenn Speisen und Wein von gleicher Güte sind, haben wir keinen Grund zu klagen“ erwiderte ich. „Was kannst du uns aus deiner Küche empfehlen?“

Der Wirt, ein Glatzkopf mit Doppelkinn und ausladendem Kugelbauch, wischte sich mit einem Tuch über die rosige Kopfhaut, griff sich einen Stuhl und nahm neben uns Platz.

In diesem Moment betraten zwei Frauen in den Zwanzigern die Taverne, blieben in der Nähe des Eingangs stehen und begutachteten mit einem Blick ihrer geschminkten Augen die Gäste an Tischen und Tresen.

Das Haar trugen sie offen und die Schminke verdeckte nur unvollständig die Ringe unter ihren Augen, Spuren durchfeierter Nächte mit Wein im Übermaß. Die bunten Kleider, aufgeschlitzt bis über die Knie und weit ausgeschnitten am Ansatz der Brüste, waren, wie der Messingschmuck an Armen und Fingern, Billigware von den Ständen der Tagesmärkte.

Ein Wink aus den Augen des Wirtes, unterstützt vom Wedeln der Rechten, veranlasste die Schönheiten der Straße, auf dem Absatz kehrt zu machen und die Taverne zu verlassen.

Straßendirnen, wie sie zu Hunderten in den Gassen der Kaiserstadt auf Kundenfang waren. Die meisten hatten Vereinbarungen mit den Gastwirten geschlossen, wann ihre Anwesenheit erwünscht war. Es gab Tavernenbesitzer, die gegen eine Gebühr ihren Schutz vor renitenten Freiern und ein Hinterzimmer zur Verfügung stellten und so als Zuhälter von der Prostitution profitierten.

[…]

Ohne auf das Geschehen in der Arena zu achten, spähte ich unablässig nach allen Seiten, während mein Sitznachbar, ein fetter Hafenarbeiter, mir unaufgefordert einen Vortrag über die Ereignisse der letzten Stunden hielt.

„Ihr habt was verpasst, Herr. Am besten war es, als man einen Bären gegen einen Auerochsen hetzte. Zuerst wollte der Ochse nicht, bis ihn ein Lanzenstich zur Weißglut brachte und er dem Bären seine Hörner ins Hinterteil rammte. Der brüllte vor Schmerz, erhob sich auf die Hintertatzen und riss dem Ochsen mit einem Prankenhieb den Unterleib auf, dass die Gedärme heraus quollen und er sich mit den Vorderhufen darin verfing.“

Fanfarenstöße aus der Arena brachten den Mann zum Schweigen und ersparten mir den Rest des Massakers. Erregt sprangen die Zuschauer auf, die ungeduldig dem Höhepunkt des Tages, dem Kampf auf Leben und Tod mit scharfen Waffen, entgegen gefiebert hatten.

Unter dem Jubel der Massen schritten der Lanista und seine Gehilfen in die Mitte des Kampfplatzes. Die Schiedsrichter hielten weiße Stäbe in den Händen, die bei Verstößen gegen die Kampfregeln eingesetzt wurden. Ein Muskel bepackter Arenaknecht trug lässig einen Eisenhaken über der Schulter, an dem er die Toten hinauszuschleifen pflegte.

Der Lanista gebot mit seinem Stab Ruhe und ließ seine Stimme durch das Rund schallen. Es gab nördlich der Alpen keine Arena, die über eine bessere Akustik verfügte. Bis in die oberste Reihe des zweiten Ranges war jedes Wort deutlich zu verstehen.

„Bürger von Treveris, lange musstet ihr auf den heutigen Tag warten. Aber es hat sich gelohnt. Gaius Silarius Probus, der Comes Sacrarum Largitionum, hat es sich nicht nehmen lassen, euch dieses Schauspiel zu präsentieren.“

Ein Beifallssturm für den ansonsten ungeliebten Gebieter des städtischen Steuerwesens raste durch das Rund.

„Er hat keine Kosten und Mühen gescheut, die besten Gladiatoren der Gallischen Provinzen zu verpflichten.“

Copyright (C) 2010 by Michael Kuhn. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Ammianus-Verlags.

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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Wer wissen möchte, wie die Geschichte beginnt und wie sie auch endet, kann über die beigefügten Bestelllinks oder mit Klick auf das Buchcover den Titel bestellen!

Michael Kuhn
Marcus – Soldat Roms
(inklusive Reiseführer zu den historischen Stätten des Romans)

Ammianus, 2010
ISBN 978-3-9812285-0-2
historischer Roman
gebunden
Umfang 415 Seiten
Umschlaggestaltung: Thomas Kuhn

www.ammianus.eu

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Wir schreiben das Jahr 355 nach Christus. Schwer verwundet rettet sich der Centurio Marcus Junius Maximus mit einer wichtigen Botschaft aus dem brennenden Kastell Gelduba und schlägt sich mit wenigen Getreuen nach Aachen durch. Die Kunst der Ärzte rettet sein Leben, und endlich genesen, kann er den gefahrvollen Heimweg durch die unwegsamen Wälder der Eifel in die Heimat antreten. Mit dem wegekundigen Galerius, seinem treuen Führer und Begleiter, meistert er aufregende Abenteuer und entkommt nur mit knapper Not den plündernden Horden der Franken. Er erreicht voller Glück das väterliche Weingut in der Nähe von Trier und muss leidvoll erleben, dass der Krieg ihm gefolgt ist. Es beginnt ein gnadenloser Kampf um die Heimat, und er erkennt, dass er durch den Besitz seines persönlichen Schutzzaubers, einen golden Armreif, in schicksalhafte Vorgänge verstrickt ist, deren Ursprünge weit in die Vergangenheit reichen. Tapferkeit, Liebe, Treue und die fromme Hingabe zu den alten Göttern lassen ihn gegen eine Welt bestehen, in der die ehrwürdigen Tugenden Roms verblassen und das Christentum seinen Siegeszug angetreten hat.

Ein tolles Extra ist der zweite Teil des Buches, der dem Leser die Gelegenheit gibt, sich selbst an die zum Teil noch gut erhaltenen historischen Stätten zu begeben.

Mit wissenschaftlicher Akribie hat der Autor, selber Historiker und seit Jahren in der Archäologie tätig, die Lebensumstände und politischen Ereignisse des vierten Jahrhunderts recherchiert. Das Ergebnis ist ein von der Fachwelt anerkanntes Werk, das durch die Detailgenauigkeit der Lebensumstände und die genaue Kenntnis der historischen Vorgänge an Rhein und Mosel in der Spätzeit der römischen Herrschaft besticht. Der Leser wird eingeladen, eine Zeitreise voller Spannung und Information anzutreten, und fühlt sich gleichsam in das vierte nachchristliche Jahrhundert zurückversetzt.

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Leseproben, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Updated: 29. Juni 2013 — 20:17

3 Comments

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  1. Leute kauft, kauft! 🙂 Bestllungen einfach über die Bestellinks oder das Buchcover am Ende. Und wer die Leseprobe wirklich gelesen hat, wird bemerken, dass sich die Anschaffung wirklich lohnt! Was meint Ihr?

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