ABSCHIED – Kurzgeschichte von Sascha Ladra
Erstellt von Sascha Ladra am Mittwoch 1. Dezember 2010
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Abschied
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Eine Kurzgeschichte
von
Sascha Ladra
>>Liebster, was bist du so traurig? Uns war beiden klar, dass einer von uns zuerst gehen wird. Du warst immer der stärkere von uns beiden. Du wirst auch auch ohne mich klar kommen.<<
Ein Beben geht durch den Körper des alten Manns, der einsam an einem offenen Grab steht.
Seine sonst so aufrechte Gestalt ist müde zusammengesunken und die Schultern hängen herab. Die kleine Lichtung ist völlig leer. Nur zwei hochgewachsene Kiefern leisten ihm in dieser Einsamkeit Gesellschaft.
>>Es schneit …
Sieh nur Liebster, wie schön der Schnee herab sinkt. Der erste Schnee des Jahres … Du hast mir nie gesagt, warum es dir der liebste Tag des Jahres ist. Aber ich wusste es von Anfang an.<<
Ein kurzes Lächeln huscht über das Gesicht des Mannes. Flüchtig wie die Eisblumen im Licht des Morgengrauens, doch die Trauer übermannt ihn schnell wieder. Kraftlos schlägt er die Augen nieder und die Tränen, welche er bisher mühsam zurückgehalten hat, fließen nun unaufhaltsam. Sein Weinen ist still und Erdbeben-artig wird sein Körper wieder und wieder von Emotionen durchgeschüttelt.
>>Ja ich weiß es und aus dem selben Grund liebe auch ich den ersten Schnee. Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern. Der Schnee fiel ganz sacht. Ich versuchte ein paar Flocken mit dem Mund zu fangen, bin gestolpert und musste mit den Armen rudern, um den Halt nicht zu verlieren. Dann bin ich direkt in deine Arme gefallen. Und ich vergesse nie, was du zu mir gesagt hast.<<
Der Witwer hebt das Gesicht in den Federschnee. Mit geschlossenen Augen spürt er, wie die Flocken auf seiner warmen Haut landen und in den Spuren seiner heißen Tränen schmelzen.
>>Ich werde mich in dich verlieben.<<, murmelt der Mann in den wispernden Wind.
>>Ja, das hattest du gesagt. Von deinem schelmischen Grinsen sind mir die Knie ganz weich geworden. Wenn du mich nicht gehalten hättest, wäre ich gefallen.<<
Der alte Mann holt ein weißes Taschentuch hervor und wischt sich über das blasse Gesicht. Dunkle Schatten liegen unter seinen Augen. Aus der anderen Manteltasche nimmt er eine Blüte. Eine hellblaue kleine Aster.
>>Ich habe diese Geschichte wieder und wieder erzählt. Und du bist nie müde geworden mir zuzuhören …
Ich werde dein Lächeln vermissen, mein Liebster.<<
Stumm starrt der Mann ins Grab. Die Hände sind zu Fäusten geballt. Die Blüte ragt daraus hervor wie ein winziges Schwert.
>>Du musst Abschied nehmen. Du kannst nicht ewig hier stehen bleiben. Wir haben schon einmal eine Zeit ohne den anderen erlebt. Du bist stark, du wirst es wieder schaffen. Wie habe ich mir die Augen nach dir ausgeweint, als du zum Studium nach Oxford gegangen bist. Auf meinem Nachttisch stand das Bild von dir vor dem Blackwell’s Bookstore und ich habe es jede Nacht vor dem Einschlafen angesehen. Aber es waren deine Worte beim Abschied, die mich aufrecht gehalten haben.<<
Ein Schluchzen hallt über die einsame Wiese, unerhört laut gegen die Stille des Tages. Nur langsam öffnet er seine Hände und lässt die Blume in das offene Grab fallen.
>>Ich werde immer bei dir sein.<<, flüstert er mit gebrochener Stimme.
Zögernd dreht er sich um und geht.
>>Und ich immer bei dir, Liebster.<<
Copyright © 2010 by Sascha Ladra
Buchempfehlung der Autorin:
Byron, Emily
Auserwählt
Die Linie der Ewigen
Verlag : Books on Demand
ISBN : 978-3-8391-9118-7
Einband : Paperback
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Erscheinungsdatum : 3. Aufl. 19.07.2010
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Wenn Sie herausfänden, Sie wären auserwählt, die acht Kinder des Todes zu gebären… wie würden Sie reagieren? Aline Heidemann hat keine Ahnung, wer der Fremde ist, den sie zufällig im Park kennenlernt.Der sie nachts auf dem Balkon besucht.Und dessen Haut nach Erde und Wald duftet…Sie hat keine Ahnung, weshalb dieser Mann so eine unglaubliche Anziehungskraft auf sie ausübt, bis zu dem Tag, an dem einer seiner Brüder sie beinahe vergewaltigt.Ab diesem Zeitpunkt muss Aline erkennen, dass all das, woran sie bisher geglaubt hat – Himmel und Hölle, Gott und Teufel, Leben und Tod – nie mehr so sein wird, wie es einmal war.Aline ist eine Bewahrerin, auserwählt die nächste Generation der Ewigen zu gebären. Doch bis es soweit ist, muss sie sich nicht nur ihren eigenen Dämonen stellen und all das hinter sich lassen, was sie bisher als normal erachtet hat. Sie muss auch erkennen, dass Daron, ein Ewiger, weitaus mehr vor ihr verbirgt, als sie ahnt.Ohne Vorwarnung findet Aline sich plötzlich mitten in einem Machtkampf wieder, der nicht nur den Fortbestand der Ewigen gefährdet, sondern auch ihr eigenes Leben und das ihrer Freunde.Ein Kampf, an dessen Ende sich entscheidet, wen Aline retten wird – sich selber… oder ihre große Liebe.
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Freitag 26. November 2010 um 23:14
als Buchvorschlag hab ich da:
Auserwählt: Die Linie der Ewigen von Emily Byron
Samstag 27. November 2010 um 14:30
Das ist ein Books on Demand und daher nicht zu gebrauchen für ein Gewinnspiel, bitte wähle einen Titel aus von einem anderen Verlag!
Samstag 27. November 2010 um 15:02
bei den anderen Büchern war auch kein Gewinnspiel. Ansonsten hab ich keinen Vorschlag, dann musst du selbst was finden. Schade.
Samstag 27. November 2010 um 17:55
Es klappt ja auch nicht bei jedem Buch mit dem Gewinnspiel, aber wenn wir von vornherein Titel nehmen, bei denen es so gut wie keine Chance dazu gibt, macht das ja auch nicht viel Sinn.
Ich schau mal, wenn ich Zeit habe recherchier ich mal und setzte die Story samt Buchvorschlag noch mal nach ganz oben…
Freitag 3. Dezember 2010 um 14:13
Also die Geschichte verstehe ich nicht! Ist die Geliebte tot oder nicht? Und wenn ja, wie kann er dann so darüber sprechen? Wer weiss rat?
Freitag 3. Dezember 2010 um 15:40
Ich verstehe sie so: die Geliebte ist gestorben (er steht ja vor dem Grab), und er führt mit ihr einen Dialog in Gedanken. So wie er sie in Erinnerung hat, lässt er sie reagieren, argumentieren und ihn trösten.
Die Geschichte geht für mich in Richtung Lyrik, eher ein Gedicht in Prosa. Daher fehlt mir persönlich auch noch was zu einer Geschichte. Es wird ja “nur” eine Stimmung transportiert, ein Gefühl.
Also eher ein Schlaglicht, eine Skizze? Unter diesem Aspekt, aber sehr schön. Der Stil gefällt mir recht gut.
Ich sollte vielleicht nicht zu dogmatisch denken
Freitag 3. Dezember 2010 um 17:03
ja, eine Skizze ist schon richtig. Eine Kürzestgeschichte nennt man das heutzutage. Es soll eine Momentaufnahme sein, die die Fantasie anregt zu eigenen Geschichten im Kopf. Du hast es sehr gut getroffen, danke
Freitag 3. Dezember 2010 um 18:49
Huch, bin ich unromantisch!
Freitag 3. Dezember 2010 um 20:24
@Kenny
*schmunzel*
Freitag 28. Januar 2011 um 13:36
Das ist einer der Geschichten, die ich in meine Abstimmung aufnehme…
Freitag 28. Januar 2011 um 17:37
Das kann ja heiter werden!
Donnerstag 3. Februar 2011 um 20:55
Wo spielt diese Geschichte eigentlich?
Es gibt ein “Blackwell’s Bookstore” also gehe ich einmmal davon aus, dass das ganze offenbar in Oxford spielt?
Ich habe auch ehrlich gesagt, nicht verstanden, woran die Frau gestorben ist.
Donnerstag 3. Februar 2011 um 21:10
das ist alles völlig schnuppe.
das ist keine Geschichte, die eine Handlung erzählen will.
ausserdem steht doch da, dass das Studium des Mannes in Oxford war und daher das Bild des Bookstore stammt. Wo das Grab ist, ist nicht wichtig, ebenso woran die Frau gestorben ist.
Für mich wars einfach Altersschwäche.
Donnerstag 3. Februar 2011 um 23:00
Huch hatte ich wohl überlesen. Aber so richtig funzt es bei mir wirklich nicht, bei dieser Story, sorry!
Freitag 4. Februar 2011 um 00:10
ist wohl nicht wirklich eine “Männer” Story
Aber es kommt dem, was über dir steht schon nahe, ist halt keine Handlung, sondern eher ein Gefühl, deshalb geht es für Micha wohl eher in Richtung Lyrik. Finde ich übrigens sehr schön und schmeichelhaft, diesen Bezug.
@Helmut, was meinst du mit “Das kann ja heiter werden!” ?
Freitag 4. Februar 2011 um 17:30
Dass zwischen den Meinungsbildern von Männern und Frauen wiedermal eine solch starke Polarisierung zu Tage tritt.
Dienstag 8. November 2011 um 19:03
Sascha, was meinst du, passt diese Story von dir in meine Anthologie “Träume und Visionen”?
Dienstag 31. Januar 2012 um 10:40
Hallo Sascha,
eine sehr bewegende Geschichte! Gefällt mir sehr.
Ein alter Mann am Grab im inneren Dialog mit seiner großen Liebe. Man spürt auch unausgesprochen das lange, gemeinse, efüllte Leben…
Da ich neu hier bin begehe ich jetzt vielleicht einen Fauxpas. Aber es gäbe da auch kleine (konstruktive, wie ich hoffe) Kritikpunkte:
Du erklärst dem Leser das Offensichtliche.
Beispiele:
“Die kleine Lichtung ist völlig leer. Nur zwei hochgewachsene Kiefern leisten ihm in dieser Einsamkeit Gesellschaft.”
Statt dessen:
“Die kleine Lichtung ist völlig leer. Nur zwei hochgewachsene Kiefern leisten ihm Gesellschaft.”
Die Einsamkeit kommt unausgesprochen durch die Situation und das “nur” rüber.
Oder:
“Sein Weinen ist still und Erdbeben-artig wird sein Körper wieder und wieder von Emotionen durchgeschüttelt.”
Statt dessen:
“Sein Weinen ist still und erdbeben-artig wird sein Körper wieder und wieder durchgeschüttelt.”
Kein Leser glaubt, dass er von einer Hustenattacke durchgeschüttelt wird.
In diesem Sinne meine ich “Kritik”: überleg dir das bei Gelegenheit noch mal in Ruhe…
Liebe Grüße, Carl Reiner
Mittwoch 1. Februar 2012 um 21:44
Danke Carl Reiner und Kritik ist sicher kein Fauxpas.
Ich gib dir recht. Beide Beispiele sind offensichtlich, auch wenn ich bei der Einsamkeit das Gefühl habe, dass das “aussprechen” das Wortes, den Eindruck verstärkt. Aber es kann auch gut sein, dass ich mein “Werk” spontan erstmal nur verteidigen will.
wobei, ich seh gerade, nur 2 sätze drüber benutze ich das Wort einsam ja schon, dass sollte wirklich reichen.
Danke dir
Schön, dass dir die Geschichte gefällt, sie gehört auch zu meinen persönlichen Lieblingen.