sfbasar.de

Literatur-Blog

Autorenwerkstatt – Schreibtipps

Erstellt von Galaxykarl am Mittwoch 20. Juli 2011

Schreibtipps

An dieser Stelle möchte ich sporadisch den einen oder anderen Schreibtipp einstellen, der mir – und vielleicht auch anderen – das Schreiben erleichtert. In Klammern stehende und/oder mit einem Pfeil versehene Begriffe verweisen auf den entsprechenden Schreibtipp.

Inhaltsangabe (wird ständig aktualisiert):

  • Am Anfang steht eine Idee
  • Prämisse
  • Ambiente
  • Recherche
  • Texte laut und mit Betonung sich selbst vorlesen
  • Lektorat / Korrekturzeichen

****************************************************************************************************************

  • Am Anfang steht eine Idee

Eine Idee? Ja, eine gute oder sehr gute Idee trägt einen guten Teil einer Geschichte. Aber kann sie wirklich als eine einzige Idee den Leser bei der Stange halten? Eher benötigt man um die Hauptidee herum (siehe Prämisse) eine ganze Reihe an Einfällen. Ein Romanautor sollte eben sehr viel Fantasie, Einfalls- und Ideenreichtum mitbringen und diese um die Hauptidee herumbauen.

Nun verlangt niemand, dass Sie sich hinsetzen und plötzlich nur so sprühen von genialer Ideenvielfalt. Viel einfacher und beruhigender ist es, sich alle Ideen in einer Datei zu sammeln. Ob dies nun Namen, Begriffe, kleine Szenen oder andere Dinge sind. Sammeln Sie diese in einer Ideen-Datenbank. Lieber 50 Ideen sammeln und nach einiger Zeit die weniger tollen wieder streichen, als um eine vermeintlich gute Idee, die sich dann doch als Flop herausstellt, mühsam einen Text zu schaffen, der irgendwann im Sand verläuft. Oder eine wirklich zündende Idee vergessen und sich schwarz ärgern.

Natürlich kann es dem Schicksal gefallen haben, dass schon jemand vor Ihnen die gleiche Idee hatte. Die Gefahr eines Plagiats schwebt ja über jedem Kreativen. Da hilft nur die Recherche oder die einfache Tatsache, dass Sie aus der Idee – ob nun schon vorhanden oder nicht – etwas Neues machen, sie in eine andere Richtung weiterentwickeln, als das evtl. schon Existierende.

  • Prämisse

Was zur Hölle ist eine Prämisse? Und wie antworten Sie, wenn Sie eine Agentur, ein Lektor, ein Verlag nach Ihrer Prämisse für Ihr aktuelles Romanprojekt fragt? Keine Antwort? Sehr gefährlich …

Eine Prämisse ist etwas „Vorausgeschicktes“, eine Annahme, der Gag, die Idee, auf der Ihr Roman beruht. Sie kennen die Eingangsfloskel: „Ich schicke ´mal voraus, Sie wissen, dass Wasser keine Balken hat.“ Und dann kommt eben die Handlung, die darauf beruht, das Wasser keine Balken hat … oder eben vielleicht doch. Wenn dies Ihre Prämisse ist. Denn eine Prämisse kann auch falsch sein! Wichtig ist nur, dass sie in sich stimmig ist und so ihre Romanhandlung ermöglicht. Beispiele? Aber bitte sehr:

Schicken wir voraus, dass es – sagen wir einmal – einfacher wäre, eine giftige Atmosphäre, z. B. die der Venus, in eine für uns atembare durch Atmosphärenwandler zu verändern, anstelle auf einem anderen Planeten, z. B. dem Mars, eine völlig fehlende Atmosphäre erst mühsam künstlich zu erschaffen. Vorausgesetzt wir hätten solche fantastischen Atmosphärenwandler. Wenn diese Prämisse verwendet wird, dann ist eine Besiedlung der Venus wahrscheinlicher, als die des Mars, der ja ohne Atmosphäre die harte Strahlung auf die Kolonisten nicht abwehren könnte.

Schicken wir voraus, es gäbe tatsächlich Vampire, dann hätte die Menschheit ein wirklich schreckliches Problem. Wenn, ja wenn da nicht die Annahme wäre, dass es eine Handvoll effektiver Mittel gäbe, wie man dieser Bedrohung Herr werden könnte und man die Viecher wieder dorthin schickt, wohin sie gehören. In einen Sarg.

Schicken wir voraus, dass es wirklich so etwas wie Zauberei gäbe, dann wären eben Zauberer mächtige Wesen und allerlei Unheil und auch Gutes könnte unseren Protagonisten passieren.

Sie sehen also, dass sogar die fantasievollsten Prämissen nichts mit der Realität zu tun haben müssen. Nur in sich müssen sie stimmig und mit einem oder zwei Sätzen beschreibbar sein.

  • Ambiente

In welcher Umgebung sind Sie am kreativsten? Können Sie schreiben, wenn das Radio, der Fernseher läuft? Wenn Familienmitglieder im Raum sind und irgendwelche lärmenden Dinge tun oder sie in ein Gespräch verwickeln wollen? Oder permanent fragen: „Schatz, hast du Hunger?“, „Was macht denn dein alter Freund Willy?“ und „Wann gehen wir mal wieder aus?“

Schreiben ist ein einsamer Job. Denn ich unterstelle einmal, dass ich nicht der Einzige bin, der nur dann effektiv, kreativ und mit Lust schreiben kann, wenn er Ruhe hat. Darüber hinaus entwickelt man fast automatisch bestimmte Rituale, um sich in Schreiblaune zu versetzen: Alle elektronischen Ablenkungen sind abgeschaltet, das Telefon und die Türklingel in der Toter-Mann-Stellung (also: Stecker raus) und ein entspannendes Glas Rotwein – oder was auch immer Sie bevorzugen – steht griffbereit auf dem Schreibtisch.

Ich habe gehört, dass auch andere Autoren sich diese Ruhezeiten und -zonen mühsam einrichten, ja sogar von ihren Lieben erkämpfen müssen. Die Einen schreiben nur nachts, Andere in Tabuzonen oder schlichtweg außer Haus. Egal, trotz all der stimmigen Bedingungen kann es dann passieren, dass man vor dem Blatt Papier oder dem Computer sitzt und es läuft einfach nicht.

Entweder ist es dann zu lange her, dass Sie das letzte Mal an Ihrem Text gearbeitet haben (Sie sind „draußen“) oder es stört noch irgendetwas. Ich mache in so einer Situation einfach Fleißarbeit: Recherche, eine der Überarbeitungen (von denen man eh´ nie genug machen kann), stöbere in meiner Ideen-Datenbank oder Ähnliches. Und schwupp: Nach kurzer Zeit hat mich das Fieber wieder gepackt und ich steige am Ende des bisherigen Textes ein und haue in die Tasten.

Wenn die Buchstaben dann wieder förmlich aus den Fingerspitzen schießen, spielt ein neuerlicher Störenfried mit seinem Leben. Kleiner Tipp: Sprechen Sie mit Ihrem Partner über so eine Gefahrensituation und entschuldigen Sie sich besser schon vorher.

  • Recherche

Ob Sie nun ein Sachbuch oder einen Roman schreiben: Das, was drin stehen wird, sollte auch der Realität, den Fakten, einem stimmigen Zusammenhang entsprechen. Das gilt für fiktive Geschichten genauso wie für fantastische Abenteuer. „Was“, sagen Sie? „Warum soll ein Science-Fiction Roman reale Fakten enthalten, ist doch eh´ alles nur erfunden?“ Schon, aber bestimmte Dinge müssen einfach stimmen, sonst verlieren Sie an Glaubwürdigkeit. Auch Superman kann in Chicago nicht auf das Empire State Building hüpfen, denn dieses steht in New York im Stadtteil Manhattan. Spidermans Haut besteht nicht aus Schuppen, denn er ist ja von einer Spinne gebissen worden und nicht von einem Fisch. Sie verstehen, was ich meine? Natürlich.

Und trotzdem fallen mir als Rezensent in manchen Romanen Behauptungen auf, die so nicht stimmen können, Zauberei, Fantasy und obskure Erklärungen hin oder her. Auch für Romanautoren gilt, Objekte, Umstände, reale oder fiktive Orte genau zu recherchieren oder zu konstruieren. Und dazu ist ein gerüttelt Maß an Recherche unerlässlich. Der modernen Kommunikationstechnologie sei Dank, können wir dazu das scheinbar unerschöpfliche Internet nutzen. Vorbei die Zeiten der aufwändigen Büchersuche in Bibliotheken und Archiven. Die schönste Variante der Recherche sind natürlich Reisen an die Orte der Handlung. Aber wer hat so viel Zeit und kann sich das auch finanziell leisten?

Ernüchternd ist es aber dann doch, wenn man die gesuchte Information partout nicht finden kann, entweder, weil sie niemand weiß oder sie noch nicht ins Netz gestellt wurde. Suchen Sie z. B. mal nach Informationen zur Sprache der schottischen Pikten. Da wird die Luft schon dünn im World Wide Web. Trotzdem ist das Internet Autors Liebling: In der Regel schnell, billig und jederzeit verfügbar.

  • Texte laut und mit Betonung sich selbst vorlesen

Gestern Abend ergab sich im Gespräch mit meiner Familie, dass sie der Meinung war, Texte können stumm nur ohne Betonung gelesen werden. Ich meine, dass dies sehr wohl auch stumm funktioniert und mehr Lesespaß verursacht.

Selbst geschriebene Texte – die ja stumm eingetippt werden – fehlt in der Sekunde des Schreibens aber ein wesentlicher Bestandteil: Emotion. Auch als gefühlvoller Mensch werden sie just nicht dann weinen, wenn es Ihre Heldin tut, sie werden kaum Mordgelüste empfinden, wenn Ihr Killer gerade sein Opfer angreift. Sie werden (leider) nicht die Exstase erleben, die Ihr Liebespaar in diesem Moment in einen Sinnesrausch versetzt. Wer sich seine Texte aber abschnittsweise selbst laut vorliest, kann hören, ob der Satz klingt. Ob das, was man mit Worten ausdrücken will, als Laut auch bestätigt oder unterstrichen wird. Drückt die Zeile die Verzweiflung, die Angst, die Freude aus, die der Protagonist gerade empfinden soll? Man merkt recht schnell, dass die vermeintliche Leidenschaft einer Szene plötzlich gar nicht mehr so leidenschaftlich rüberkommt, wie man gedacht hatte.

Natürlich mache ich das nur dann, wenn niemand in der Nähe ist. Sozusagen im stillen Kämmerlein. Da ist es nicht peinlich, wenn man eine weinerliche, entschlossene, mutige, drohende, verführerische Betonung auch ein wenig übertreibt. Ist das Liebesgeständnis des Verehrers ehrlich gemeint, oder ist er ein Schleimbolzen, der die Jungfer nur abschleppen will? Ist das Versprechen ernst gemeint oder ist der Redner ein Lügner? Plötzlich gewinnt eine Figur an Profil, sie entspricht besser dem verabreichten Charakter und auch Wandlungen im Verlauf der Geschichte können so subtil vorangetrieben werden.

Sogar die Rechtschreibung profitiert von einem laut ausgesprochenen Satz. Man wird eher akustisch einen Fehler entdecken, als dass man ihn sofort optisch wahrnimmt. OK, die „automatische Rechtschreibfunktion“ Ihres Textverarbeitungsprogramms tut Einiges, aber eben halt nicht alles.

Weiterhin wird das eigene Sprachgefühl trainiert. Klingt der Satz rund, harmonisch und vor allem: Ist er sprachlich gut? Nach dem einzelnen Satz kann man sich einen ganzen Abschnitt vorlesen und fühlt dabei, ob diese Szene sozusagen aus einem Guss ist. Wer an spätere Lesungen denkt, kann hierbei auch seine eigene Stimme trainieren und wird dann auch vor Publikum seine Betonungen, das Auf und Ab einer Geschichte, seinen Sprechrhythmus besser rüberbringen können.

  • Lektorat / Korrekturzeichen

Sie haben es geschafft! Eine Agentur oder ein Verlag hat Ihr Manuskript gelesen und angenommen. Herzlichen Glückwunsch! Sie glauben jetzt, dass Sie als Autor nun fertig sind? Dann liegen Sie falsch. Denn Sie können noch so gut sein, auch Sie werden Fehler übersehen haben und ein Teil der Arbeit eines Lektors ist die Perfektionierung Ihres Textes. Auch in Sachen Rechtschreibkorrektur, Duden Korrektor hin oder her.

Sie erhalten in der Regel Ihr komplettes Manuskript, oder nach und nach in Teilen, mit zahlreichen Korrekturzeichen versehen zurück. Der Lektor merkt nur an! Er verbessert nicht Ihre Fehler. Schließlich haben Sie als Autor das Urheberrecht auf Ihre Arbeit und die wird in Deutschland Gott sei Dank in der Regel respektiert und geachtet. Ergo haben Sie die Ehre diese Fleißarbeit zu erledigen. Kennen Sie alle Korrekturzeichen und Ihre Bedeutung? Ich kannte nicht alle. Hier ein hilfreicher Link: http://www.textup.de/index-4.html Sehr schön gemacht von Text’up Lilian Kura

Wie heißt es so schön in Hollywood?
to be continued …

Copyright © 2011 by Werner Karl

5 Kommentare zu “Autorenwerkstatt – Schreibtipps”

  1. Felis Breitendorf sagt:

    Hallo Werner, finde ich richtig gut was du da machst in der Autorenwerkstatt, hoffe wir lesen hier noch mehr in diese Richtung?

    Was meinen denn die anderen Community-Autoren dazu?

  2. Galaxykarl sagt:

    Hallo Felis,

    hab schon vor, hier noch weitere kleine Hilfen zu geben. Das ist für mich zum Teil Eigentherapie (ich kehr also sozusagen vor meiner eigenen Haustür) und Solidarität mit all jenen, die ebenfalls den steinigen Weg zum berühmten und stinkend reichen Autor (siehe Artikel “Schritte”) nehmen wollen. Warum soll ein Newcomer immer wieder die gleichen Fehler und Erfahrungen machen müssen, wenn man über die schlimmsten Kardinalfehler sich mit meiner kleinen Hilfe locker hinwegbewegen kann?

    Und ich bin nicht so abgestumpft, dass ich nicht in der Lage wäre, von erfahreneren AutorInnen weitere Tipps anzunehmen. Wenn ich es so überschlage, werden es wieder wohl so um die 25-30 Tipps werden, Ende natürlich offen und immer erweiterbar.

    Das Einzige, was mich an manchen der Tipps selbst ein wenig stört, ist die Tatsache, dass jeder Mensch schlicht und ergreifend anders arbeitet. Und ich will vermeiden, dass ich sage, es gehe NUR so oder so. Allzu starre “Regeln” sind eher kontraproduktiv. Schließlich sind wir alle Individualisten. Aber wo ich konkret werden kann, tue ich es als alte Korinthe dann aber auch. Es werden auch noch mehr Links eingebaut werden. Allein das Thema “Korrekturzeichen” finde ich von Lilian Kura toll aufgearbeitet. Ich hoffe, bei anderen Tipps ähnlich Hilflinks zu finden.

    Trotzdem dankeschön für das Lob.

    Mit galaktischen Grüßen
    galaxykarl ;-)

  3. Günther Lietz sagt:

    Sehr schöner Artikel, hat mir gut gefallen und ich denke, der wird dem ein oder anderen auch ein wenig auf die Sprünge helfen. :)

  4. Detlef Hedderich sagt:

    Ich finde deine Arbeit hier, was die Schreibtipps angeht, inzwischen als wichtigen Bestandteil der sfbasar-Autorenwerkstatt, und danke dir für deinen Einsatz.

    Was meinen denn unsere anderen angehenden Autoren? Haben Euch Werners Tipps schon ein bisschen geholfen?

  5. sfbasar.de » Blog Archiv » Autorenporträt Werner Karl sagt:

    [...] Autorenwerkstatt – Schreibtipps (2. überarbeitete Fassung) (wird ständig akualisiert) Was kann ich tun, um ein berühmter Autor zu werden? Das Jahr 2010 – [...]

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>