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Literatur-Blog

ZEIT ZU GEHEN – Shortstory von Susan Ott

Erstellt von Susan Ott am Mittwoch 18. Januar 2012

ZEIT ZU GEHEN

Shortstory

von

Susan Ott

Schon wieder dieser fürchterliche Lärm. Können die nicht einmal Rücksicht nehmen? Klar. Ich bin nur ein Untermieter. Noch dazu mit einem befristeten Mietverhältnis.
Aber, muss das sein?

Warm ist die Wohnung ja. Aber ich habe das Gefühl, dass der Raum immer enger wird.
Naja, ich habe hier freie Kost und Logis. Sogar eine Art Pool ist vorhanden, in dem ich mich die ganze Zeit aufhalte.

Aber ich habe keinen Einfluss auf das servierte Essen. Was ich gestern Abend vorgesetzt bekommen habe… Ich sollte wirklich bald ausziehen.
Und jetzt hat jemand draußen auch noch eine fürchterlich helle Lampe angemacht.

Das ist Folter.
Mir reicht es nun endgültig.
Ich will hier raus!

Bisher habe ich noch keine Tür in meiner Behausung entdeckt. Und drehen kann ich mich nicht mehr. Der Raum ist viel zu eng. Seit heute morgen kommen die Wände ständig näher und dehnen sich dann wieder aus. Das ist eine Zumutung!

Da!
Eine Öffnung!

Sie ist zwar nur sehr klein, fast winzig, aber ich werde versuchen mich hindurchzuquetschen.
Wieder stoßen diese dummen Wände mich an.

Vorsicht, die Ohren. Ha! Mit dem Kopf bin ich durch.
Was ist das?

Oh, Mann. Hier ist es ja noch enger. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Ordnungsamt solch einen Notausgang genehmigt.

Also weiter.  Und dunkel ist das hier. Irgendwo muss es doch hier raus gehen.

Ah. Da vorne ist Licht. Also weiter.

Autsch! Meine Schultern. Ich glaub, ich muss mich etwas drehen.

Ja. So geht’s.
Jetzt geht’s leichter. Da drückt einer von hinten.
Oh! Mit dem Kopf bin ich durch. Der Rest kommt nach.

Geschafft. Hab meine Unterkunft verlassen.

„Wääääääh!“

Toll. Ich kann Töne von mir geben.

„Wäääääh!“

Kalt. Es ist kalt hier. Ich will wieder zurück! Wo geht’s wieder rein?

Mist. Da trägt mich einer von meiner Wohnung weg.

„Wääääh!“

Jetzt lieg ich auf etwas weichem. Wo bin ich? Was ist das?
Den Herzschlag kenn ich doch. Den hab ich in den letzten Monaten ständig gehört.

Ist ja doch nicht so schlecht hier.

Da schaut mich jemand an.

Diese Augen! Ich hab mich verliebt.

Mutti!

Hier bleib ich. Hier fühl ich mich wohl.

Welt, ich bin da! Ich werde dich erobern!
Aber nicht jetzt.

Morgen.

Jetzt bin ich müde…

Copyright © 2012 by Susan Ott

Bildrechte: “Skurrile Geschichte” (SKURILE GESCHICHTEN-SPIRALE-20110114083935-8edac2f8.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Skurrile Geschichte” (Originaltitel: 20110114083935-8edac2f8.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Buchtip der Autorin:



Janus, Ludwig
Der Seelenraum des Ungeborenen

Pränatale Psychologie und Therapie

Verlag :      Patmos-Verlag der Schwabenverlag AG
ISBN :      978-3-8436-0057-6
Einband :      kartoniert
Preisinfo :      14,90 Eur[D] / 15,40 Eur[A] / 21,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Seiten/Umfang :      ca. 240 S. – 2,0 x 1,3 cm
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      2. Aufl. 31.05.2011

Erkenntniss der Pränatalen Psychologie zeigen, dass Ungeborene über ein eigenständiges elemantares Gefühlsleben verfügen und die Zeit der Schwangerschaft sowie der Geburt affektiv miterleben. Ludwig Janus präsentiert die neuesten Forschungsergebnisse der Pränatalen Psychologie, die immer mehr bestätigen, dass vorgeburtliche Erlebnisse einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung und das spätere Leben eines Menschen haben können. Der Autor zeigt dabei anschaulich, wie die Kenntnisse der Prä- und Perinatalen Psychologie für die psychotherapeutische Behandlung nutzbar gemacht werden können.

Dr. med. Ludwig Janus ist Psychoanalytiker und ärztlicher Psychotherapeut in eigener Praxis in Heidelberg seit 1975, außerdem Lehranalytiker am Institut für Psychoanalyse Frankfurt. Zahlreiche Veröffentlichungen von ihm widmen sich vor allem der pränatalen Psychologie und der Psychohistorie.

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8 Kommentare zu “ZEIT ZU GEHEN – Shortstory von Susan Ott”

  1. Nicki sagt:

    armes Kind, kennt schon das Ordnungsamt bevor es auf die Welt kommt.
    Wird bestimmt mal ein Amtsschimmel.

  2. Micha sagt:

    Witzig :-) . Schade schon, dass man als Windelzwerg nur blubbern und schreiben kann und die ganzen Gedanken, die einem im Kopf rumschwirren nicht artikuliert bekommt ;-) .

  3. Corinna Klebe sagt:

    Auf der anderen Seite: “Erkenntniss der Pränatalen Psychologie zeigen, dass Ungeborene über ein eigenständiges elemantares Gefühlsleben verfügen und die Zeit der Schwangerschaft sowie der Geburt affektiv miterleben…” (Janus, Ludwig)

  4. Detlef Hedderich sagt:

    Ist ja echt süß die Vorstellung! :)

  5. Michael Pick sagt:

    Schöne Idee nicht minder schöne Geschichte, wenngleich ich nicht mehr aus eigener Erfahrung mitsprechen kann.

  6. Corinna Klebe sagt:

    Was Ihr erinnert euch nicht mehr daran, bin ich mit meiner Erinnerung an die Geburt aus Kindessicht anders als andere? ;)

  7. sfbasar.de » Blog Archiv » SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Skurrile Geschichten” sagt:

    [...] ZEIT ZU GEHEN – Shortstory von Susan Ott [...]

  8. Irene Schmidt sagt:

    Echt kurios! ;)

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