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VON KATZEN UND MÄUSEN – KAPITEL 1: VALATANS TOD – Fantasy Erzählung von Miriam Kleve

Von Katzen und Mäusen

Kapitel 1: Valatans Tod

Fantasy Erzählung

von

Miriam Kleve


Valatan hastete durch die dunklen und engen Tunnel des großen Baus. Seine schwere Robe schleifte über dem Boden und der Saum wischte durch den Staub. Valatans Pfoten umklammerten ein paar ausgebleichte und spröde Schriftrollen, die er sich fest gegen die Brust presste, um ein versehentliches fallenlassen zu vermeiden. Die Nasenhaare der alten Bibliotheksmaus zitterten aufgeregt und ihr Schwanz zuckte des öfteren nervös unter der Robe hervor. Schnaufend bog Valatan um die nächste Ecke und schwor, in Zukunft etwas weniger vergorene Milch und fetten Speck zu sich zu nehmen.

Da plötzlich trat ein Stück vor ihm aus dem Schatten eine Maus  hervor, ein Bruder des Ordens der Schriften. Es war Esadrix, eine grobschlächtige Gestalt und für seine raue Art bekannt. Aber auch dafür, eine ziemlich hohle Haselnuss zu sein. Wo man Esadrix begegnete, war auch immer Skorpio anzutreffen.

Tatsächlich. Hinter Valatan machte Skorpio ebenfalls einen Schritt aus dem Schatten hinaus und versperrte der dicken Bibliotheksmaus den Rückweg. In den Händen der kleinen Spitzmaus wippte ein grober Knüppel drohend auf und ab. Esadrix brauchte dagegen keine Waffe. Seine mächtigen Pfoten alleine waren bereits schmerzhaft genug. Einige der Brüder munkelten gar, in seinen Adern würde etwas Rattenblut fließen.

„Was soll das?“ fragte Valatan mit ängstlicher Stimme. Aber tief in seinem Herzen kannte er die Antwort bereits. „Abt Patronius wird nicht sehr erfreut sein, davon zu hören“, wisperte die Bibliotheksmaus mit ängstlicher Stimme und fühlte, wie ihr ganz flau im Bauch wurde. „Tretet zurück und lasst mich meines Weges gehen.“

Skorpio schüttelte den Kopf. „Nein, du elende Feldmaus“, sagte er mit verächtlicher Stimme. „Du hast deine Nase zu tief in Sachen gesteckt, die dich nichts angehen. Das wird jetzt ein Ende haben.“

„Ein Ende haben?“ fiepte Valatan entsetzt. „Was meinst du damit?“

Esadrix grinste breit. „Was wohl, du dumme Maus. Damit meinen wir, das wir dir ein Ende machen. Also, damit meinen wir halt, dass wir dich erledigen. Dich solange hauen, bis du nicht mehr lebst. So ein Ende meinen wir. Verstehst du? Wir bringen dich um die Ecke. Also nicht wirklich um die Ecke. Damit ist gemeint, dass wir dich töten.“ Esadrix war gewohnt alles mehrmals und ausführlich erklärt zu bekommen. Deswegen ging er davon aus, er müsse anderen Mäusen ebenfalls alles mehrmals und ausführlich erklären.

Skorpio schüttelte den Kopf. „Er weiß was gemeint ist, Esadrix. Hör auf alle doppelt und dreifach erklären zu wollen. Wir sollten uns lieber an die Arbeit machen. Unser Herr wartet bereits auf die Schriftrollen. Oh, und Danke Valatan, dass du uns die Arbeit abgenommen und die Schriftrollen für uns gefunden hast.“

Valatan sah entsetzt drein. „Was? Die Schriftrollen gehören dem Orden der Schriften. Sie liegen seit beinahe einhundert Jahren in den tiefen Gängen unseres Baus. Gerade noch rechtzeitig habe ich sie entdeckt und muss sie Patronius vorlegen. Ihr Inhalt ist von großer Bedeutung. Und wenn ihr von eurem Herrn sprecht, wen meint ihr damit? Als Brüder des Ordens der Schriften habt ihr euch verpflichtet, dem Orden zu dienen, Wissen zu sammeln, zu bewahren und zu vermitteln.“

„Narr!“ stieß Skorpio hervor und lachte auf. „Glaubst du wirklich Mäuse wie Esadrix wären dem Orden wegen ihrer Wissbegierde beigetreten?“

Esadrix sah dümmlich zu Skorpio hinüber. Der große Mäuserich dachte darüber nach, was die Worte seines Freundes genau bedeuteten. Dann schüttelte er heftig den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben und konzentrierte sich auf die vor ihm liegende Aufgabe. „Rück die Schriftrollen heraus, dann machen wir es schnell. Ich meine damit nicht wirklich, dass du sie rücken sollst. Ich meine damit, dass du sie uns geben sollst.“

„Niemals!“ rief Valatan aus und seine Nase zitterte. Er dachte fiebrig über eine Lösung nach, einen Fluchtweg. Die Bibliotheksmaus überlegte sogar, sich Esadrix todesmutig entgegenzuwerfen. Vielleicht, wenn er die große Maus überraschen konnte… Nein, dachte Valatan. Gegen so einen großen Kerl bin ich machtlos. Und da ist auch noch Skorpio. Valatans Gedanken kreisten wild umher. Und je wilder sie kreisten, um so weniger fiel ihm eine Lösung ein.

Skorpio verlor langsam die Geduld. „Valatan, sei kein Dummkopf. Spiele nicht den Mutigen. Gib uns die Schriftrollen und du hast es dann rasch hinter dir.“

„Vielleicht sollte ich wirklich auf das hören, was du sagst“, murmelte Valatan über sich selbst erstaunt. Es war keine Zeit für Mutige, es war eine Zeit für Feiglinge. „Hilfe!“ Valatans Schrei gellte durch den Tunnel und nur Augenblicke später waren von überall her erstaunte Rufe zu hören.

Esadrix und Skorpio sahen sich überrascht an. Damit hatte keiner von beiden gerechnet. Valatan nutzte die Verwirrung seiner beiden Angreifer und machte einen großen Satz an Esadrix vorbei. So schnell er konnte rannte er in Richtung von Abt Patronius Höhle. Esadrix und Skorpio brauchten einen Augenblick, dann erholten sie sich von ihrer Überraschung und setzten Valatan nach.

Der rannte so schnell, wie noch nie in seinem Leben. Angst und Wut verliehen ihm ungeahnte Kraft und Ausdauer. Aber trotzdem geriet er schnell außer Atem und wurde langsamer. Seine Verfolger holten dagegen auf. Aus einem der Seitentunnel trat nun eine weitere Ordensmaus hervor, Bruder Albius. Eine kleine Maus mit wackliger Brille auf der Nase.

„Was ist denn hier los?“ raunzte Albius und sah an Valatan vorbei zu Esadrix und Skorpio. „Ihr kennt doch die Regeln. Kein Rennen in den Tunneln. Kein Brüllen in den Tunneln. Kein …“ Klatsch!

Skorpio war heran und schlug seinen Knüppel Albius auf den Kopf. Wie vom Blitz gefällt fiel die Maus bewusstlos um. Die Brille schlug auf dem Boden auf und zerbrach in zwei Stücke. Blut rann Albius über die Stirn. Valatan erkannte augenblicklich, dass seine Brüder keine große Hilfe waren, sondern er sie ebenfalls in Gefahr brachte. Ebenso den Abt. Solch hinterhältigen Mäusen wie Esadrix und Skorpio, solch Mäusen konnte hier niemand das Wasser reichen. Alle Brüder steckten ihre Nasen lieber in Bücher, Schriftrolle und Pergamente, als anderen Mäusen Gewalt anzudrohen und sie zu verprügeln.

Valatans Herz machte einen Satz. Er musste den beiden erst einmal entkommen und zu einem späteren Zeitpunkt Patronius die Schriftrollen übergeben. Dann hätten Esadrix und Skorpio keinen Grund, den Abt niederzuprügeln. Sie wären mit der Suche nach Valatan vollauf beschäftigt. Insgeheim kicherte die Bibliotheksmaus über ihren Plan.

Sie machte einen Sprung nach vorne und um die nächste Ecke. Und um noch eine Ecke und dann quetschte sich Valatan ins Abfallloch des Baus. Es stank zwar erbärmlich und war dreckig, aber sicherlich würden ihn seine Verfolger dort nicht suchen, dachte sich die dicke Maus. Allerdings hing Valatan auch schon fest, während er hinter sich Schritte hörte, die rasch näher kamen. Mit aller Kraft zwängte er sich weiter, flutschte durch das enge Loch und stürzte in die Dunkelheit hinein.

Oh, dachte Valatan während er fiel. Ich weiß ja gar nicht, wo das Abfallloch hinführt. Jähes Entsetzen packte ihn, dann gab es auch schon einen heftigen Schlag und ein lautes Platschen. Ein großer Schmerz jagte durch Valatans Körper. Kurz bevor er bewusstlos wurde dachte er noch: Ich bin im Wasser gelandet. Wusste gar nicht, dass Wasser so hart sein kann. Muss wohl an der großen Höhe liegen. Ich werde eine Abhandlung darüber schreiben.

***

Der Wind pfiff eisig über das Gemäuer und führte die Ahnung von Regen mit sich. Vor allem hier oben, auf der Spitze des alten Wetterturms, war es besonders kalt und feucht. Ein rostiger Wetterhahn drehte sich wild im Wind umher, denn ständig änderten die Böen ihre Richtung. Überall wuchs Moos und lag Dreck. Seit Jahren hatte sich niemand mehr um den Turm gekümmert. Somit war er genau der richtige Treffpunkt, um nicht gesehen zu werden.

Skorpio wartete bereits seit einer halben Stunde auf seinen Herrn. Der Mäuserich fror bitterlich. Er hatte die Robe zwar eng um sich gezogen, aber dennoch fuhr der Wind darunter und sein dünnes Fell war nur ein magerer Schutz. Esadrix schienen Wind, Kälte und Nässe nichts auszumachen. Er stand etwas weiter hinten und bestaunte mit großen Augen einen fetten Käfer, der an der Wand entlangkrabbelte. Dann, mit einem Schnapp, zappelte der Käufer auch schon zwischen Esadrix‘ Zähnen und war einen Augenblick später gänzlich verschwunden. Esadrix rülpste laut.

„Ich hoffe, es hat gemundet“, drang eine sanfte Stimme aus der Dunkelheit und zwei smaragdgrüne Augen flammten plötzlich auf.

Die beiden Mäuse erschraken, erkannten aber sofort, dass es sich um ihren Herrn handelte. Augenblickblick fielen beide auf die Knie und sahen ergeben zu Boden. Keiner von beiden traute sich aufzublicken, ohne den Befehl dazu erhalten zu haben.

„Ich habe dein Zeichen erhalten, Skorpio. Es gibt Neuigkeiten? Ihr habt die Schriftrollen entdeckt?“ fragte die Stimme und ein leises Schnurren war zu hören.

„Äh, ja, ich meine, nein. Es gab ein kleines Problem“, versuchte Skorpio stammelnd zu erklären. „Die Schriftrollen wurden gefunden. Aber wir haben sie nicht in die Pfoten bekommen. Ich meine, da war dieser dicke Bruder, die Bibliotheksmaus. Valatan ist sein Name. Er ist mit den Schriftrollen geflohen.“ Jetzt war es heraus.

Aus der Dunkelheit war ein wütendes Fauchen zu hören. Dann schoss eine Tatze mit ausgefahrenen Krallen hervor und spießte Esadrix auf. Wimmernd krümmte sich der große Mäuserich und wollte sich von den Krallen befreien, aber da wurde er auch schon auf den Boden gedrückt. Erstaunen lag in Esadrix Blick, während langsam das Leben aus ihm heraussickerte. Skorpio schluckte.

„Verzeiht, Herr. Verzeiht mir. Ich gab mein Bestes. Aber Esadrix, er ließ Valatan vorbeischlüpfen.“ Skorpio beschloss seinen sterbenden Freund gänzlich ans Messer zu liefern. Er konnte ihm nicht mehr helfen, aber vielleicht kam er wenigstens selbst unbeschadet aus der Sache heraus. „Ich habe dagegen Schritte unternommen, um zu verhindern, dass der Orden die Schriftrollen wieder in die Finger bekommt und gegen euch einzusetzen vermag“, beteuerte Skorpio und grinste verschlagen. „Ich habe das Korn im Bau vergiftet, ehe ich gegangen bin, um Euch Bericht zu erstatten, Herr.“

Es herrschte einige Sekunden Stille. Nur das Heulen des Windes war zu hören. Dann ergriff die Stimme erneut das Wort. „Gut“, sagte sie gedehnt. „Ich will dir unwürdigem Geschöpf Glauben schenken.“ Eine zweite Tatze griff aus der Dunkelheit nach vorne, schlug die Krallen in Esadrix und dann wurde die arme Maus in zwei Stücke gerissen. „Such nach diesem Valatan und erledige ihn. Und bring mir die Schriftrollen, elender Wurm!“

Skorpio verneigte sich unterwürfig, während er sich rücklings zurückzog und auf die Treppe nach unten zubewegte. „Ja, mein Herr. Wie Ihr befehlt. Ich werde nicht scheitern.“ Skorpio warf einen ängstlichen Blick auf Esadrix‘ toten Körper, der in einer Lache aus Blut und Eingeweiden lag. „Ich werde nicht den gleichen Fehler wie dieser Idiot Esadrix machen.“

Während von oberhalb des Turms Schmatzlaute und wohliges Schnurren laut wurden, hetzte Skorpio unten dahin. Nein, er würde keinen Fehler mehr machen. Entweder fand er Valatan und tötete diese elende Bibliotheksmaus oder er würde sich irgendwo in einem dunklen Loch verstecken. Dort, wo ihn sein Herr niemals finden würde. Skorpio schwor sich jedenfalls, kein Katerfrühstück zu werden.

***

Rasmus stach mit einem langen Stock in den nassen Körper, der am Ufer lag. „Ich glaube, der ist mausetot“, fiepste die kleine Feldmaus und piekste nochmals in den Bauch. „Ziemlich dicke Maus. Den Roben nach würde ich sagen, es ist eine Ordensmaus.“

„Woher weist du das?“ fiepste es ängstlich hinter ihm. Fiepsi steckte ihren kleinen Kopf seitlich an Rasmus vorbei. „Ich meine, dass es eine Ordensmaus ist?“

Rasmus drückte unwirsch den Kopf seiner kleinen Schwester weg. „Das habe ich in der Schule gelernt“, sagte er und versuchte dabei erwachsen zu klingen. „Ist ja kein Kinderkram, so etwas zu wissen.“

„Schule?“ Fiepsi sah ihren großen Bruder argwöhnisch an. „Wir gehen auf die gleiche Schule. Und es gibt nur eine einzige Klasse. Und im Gegensatz zu dir, habe ich nie geschwänzt. Ich kann mich an keine Stunde erinnern, in der Fräulein Haselweiß uns über die Orden unterrichtet hat.“

„Du bist ja auch ein Jahr jünger“, erklärte Rasmus verärgert darüber, bei einer Lüge ertappt zu werden. „Das war vor deiner Zeit. Da wurde einem noch etwas über die Orden beigebracht.“

Fiepsi dachte darüber nach und ihre kurzen Nasenhaare kräuselte sich leicht. „Ach ja? Und zu was für einem Orden gehört die tote Maus da vorne?“

„Du mit deinen Fragen“, maulte Rasmus und sann fieberhaft über eine weitere Lüge nach. „Natürlich zum Orden der Dickbäuche, wie du sicherlich siehst.“

„Aha“, kam es Fiepsi über die Lippen und sie beschloss, ihrem Bruder diesmal zu glauben. Immerhin hatte diese tote Maus einen ordentlichen Bauch. „Ich glaube du hast wirklich recht. Und was machen wir mit ihm? Sollen wir Fräulein Haselweiß rufen?“

Rasmus stöhnte auf. „Alle anderen würden sofort ihre Eltern rufen. Aber du denkst zuerst an deine Lehrerin.“

„Fräulein Haselweiß ist auch deine Lehrerin“, gab Fiepsi beleidigt zurück. „Immerhin ist sie eine sehr kluge Frau und hat studiert. Es ist keine Schande, eine kluge Maus um Rat zu fragen.“

„Dann kannst du ja mich um Rat fragen“, erklärte Rasmus. „Ich bin eine kluge Maus.“

Sofort war der übliche Argwohn zurück auf Fiepsis Gesicht. „Ach ja? Ich würde sagen du bist eine ziemlich verlogene Maus.“

„Ich? Ein Lügner?“ Rasmus gab seiner Schwester einen sanften Hieb auf die spitze Nase und grinste breit. „Dafür gibt es keine Beweise.“

Fiepsi seufzte. „Schon wieder eine Lüge. Denk mal daran, wie oft Paps dich alleine in der letzten Woche erwischt hat. Und Mutti. Und Fräulein Haselweiß. Und der alte Grundel von der Post. Oder denk mal an …“

„Ja, schon gut. Hör auf“, unterbrach sie Rasmus. „Aber das sind viel weniger Beweise, als es sein könnten.“

„Was?“ Fiepis sah ihren Bruder mit großen Augen an. „Lügst du etwa noch viel mehr?“

„Nein“, beteuerte der junge Mäuserich mit ehrlichem Blick. „Tote Maus“, sagte er, um von sich abzulenken.

Fiepis sah wieder zu der dicken Maus, die der Fluss ans Ufer gespült hatte. „Stimmt. Wir müssen uns noch um die tote Maus kümmern.“

„Käse“, stöhnte da plötzlich die vermeintlich tote Maus und rollte sich ächzend auf den Rücken. „Speck und ein Becher vergorene Milch“, stieß Valatan hervor und spuckte Wasser aus. „Wenn ihr euch um mich kümmern wollte, dann wäre eines von diesen Dingen ganz hilfreich. Am liebsten alles drei. Und ein warmes Feuerchen.“

Die beiden Mausekinder schrien vor Schreck auf und sprangen in den nächsten Busch, wo sie sich zitternd vor Valatans Blick verbargen. Doch der Busch zitterte wie Espenlaub und so war es für jeden ein Leichtes, das Versteck zu finden.

Valatan lächelte matt. „Keine Angst, Kinder. Ich bin eine friedliche Bibliotheksmaus vom Orden der Schriften. Ich bin wohl ins Wasser gefallen und im Fluss gelandet. Wusste gar nicht, dass unser Bau über dem Fluss liegt und wir unseren Müll da reinwerfen.“

„Ihr werft euren Müll in unseren Fluss?“ fiepste Fiepsi entsetzt aus dem Busch. „Wie eklig!“

„Ja, sicher. Das mag sein“, gab Valatan zu und setzte sich langsam auf. Seine Knochen schmerzten, aber sie waren alle heil. Er hatte den Sturz überlebt und der Preis waren nur ein paar blaue Flecken und Prellungen. „Ihr wisst nicht zufällig, wo ich hier bin, oder? Mir kommt das Ufer ziemlich unbekannt vor.“

Diesmal war es Rasmus, der sprach: „Ihr seid in der Nähe von Brachen, einer ziemlich großen Stadt in der wir leben. Wir warten hier auf unseren Vater, der als Weibel arbeitet.“

„Hör auf zu Lügen, Rasmus!“ kam es zornig aus dem Busch, sofort gefolgt von einem bedauernden „Oh!“

Rasmus war wütend. „Das du nicht mal deine Klappe halten kannst. Manchmal ist Lügen eine sinnvolle Sache.“

Valatan schüttelte belehrend den Kopf. „Nein, die Wahrheit ist das oberste Gebot, dem ihr euch verpflichten solltet Kinder. Wahrheit und Wissen.“

„Der klingt wie Fräulein Haselweiß“, stöhnte Rasmus auf. „Die erzählt auch immer so ein Zeug.“

„Euer Fräulein Haselweiß scheint eine kluge Frau zu sein“, bemerkte Valatan. Dann fiel ihm ein, warum er überhaupt durchs Loch in den Fluss gesprungen war. Valatan tastete seine Robe ab und atmete erleichtert auf. Die Schriftrollen waren allesamt noch da.

Besorgt rollte Valatan die alten Schriftrollen ein kurzes Stück auf und war beruhigt. Das Pergament war nass, aber noch immer fest und selbst die Schrift  lesbar. In Gedanken lobte er die Bibliothekare des Ordens, die sich um den Erhalt des Wissens kümmerten. Sie kannten Tinkturen und Verfahren, um jegliche Schrift für Jahrhunderte vor dem Zerfall oder anderen Widrigkeiten zu schützen. Sie hatten auch die Schriftrollen entsprechend geschützt, die Valatan nun in seinem Besitz hatte.

„Kinder, wir sollten die Spielereien lassen. Die Sache ist zu ernst, um Zeit zu vertrödeln. Ich muss mit jemandem reden, der vertrauenswürdig ist und sich an Recht und Ordnung hält. Also bitte, wo bin ich?“ fragte die alte Bibliotheksmaus und stemmte sich mühsam und schnaufend auf die Füße.

Fiepis gab Rasmus einen Knuff in die Seite und machte mutig einen Schritt aus dem Busch heraus. „Hinter dem nächsten Hügel liegt Graufell. Dort wohnen wir. Es ist ein kleines Dorf, aber wir haben eine eigene Schule mit Lehrerin. Unser Fräulein Haselweiß.“

Valatan sah die kleine Maus vor sich lächelnd an. „Und habt ihr auch einen Weibel?“

„Nein“, sagte Rasmus der einen Schritt neben seine Schwester tat und versuchte größer auszusehen, als er eigentlich war. „Aber einen alte Soldaten.“

Fiepsi verdrehte ihre kleinen Knopfaugen. „Stimmt doch gar nicht, Ras. Erzähl doch keinen Blödsinn.“ Fiepsi sah bedauernd zu Valatan. „Kein Weibel und keine Soldaten. Bei uns im Dorf passiert nie etwas. Immer nur woanders. Das erzählt uns jedenfalls der alte Grundel von der Post. Er weiß immer, was irgendwo geschieht. Er ist ein wichtiger Beamter, sagt Fräulein Haselweiß. Als Poststellenleiter steht er nämlich im Dienst des Königs.“

Valatan nickte. Nur Bauern, dachte er bei sich. Ob die es mit ein paar Schurken aufnehmen können? Er schüttelte innerlich den Kopf und sponn die Gedanken weiter: Eine Poststelle. Ich kann einen Brief an den König schreiben und ihn davon unterrichten, was geschehen ist. Sicherlich schickt er Soldaten und kümmert sich um Skorpio und Esadrix. Ich muss mich nur lange genug verstecken. Nur wo? Wem kann ich trauen?

„Ihr sagtet euer Fräulein Haselweiß fühle sich ebenfalls Wahrheit und Wissen verpflichtet?“ fragte Valatan die beiden Kinder.

Fiepsi nickte eifrig, während sich Rasmus nur ein müdes „Ja“ entrang.

„Dann möchte ich euch bitten, mich zu eurem Fräulein Haselweiß zu bringen. Ich muss mit ihr in einer sehr dringenden Angelegenheit sprechen“, erklärte Valatan mit wichtigem Tenor in der Stimme. „Und ihr dürft niemandem etwas davon sagen. Vorerst.“

***

Das Fräulein Haselweiß lebte etwas Abseits von Graufell in einem kleinen Häuschen, das stark an einen Erdhügel erinnerte. Es hatte runde Fenster, eine schmale Türe und einen kleinen Garten, in denen alle möglichen Gräser, Blumen und Kräuter wuchsen. Oft führte Fräulein Haselweiß ihre Schüler in diesen Garten, um sie zu unterrichten. Und stets genossen die Schüler den Unterricht in der freien Natur.

In diesem kleinen Häuschen saßen nun Fräulein Haselweiß und ihre späten Gäste, namentlich Valatan die Bibliotheksmaus und die Geschwister Rasmus und Fiepsi. Im Kamin prasselte ein warmes Feuer und auf dem Herd stand eine Kanne mit heißem und herrlichem Kräutertee. Valatan und die Kinder hielten in ihren Pfoten bereits kleine, mit Blumen verzierte Tassen, aus denen es warm dampfte.

Fräulein Lavendel Haselweiß saß in ihrem hohen Ohrensessel und hörte genau zu, was Valatan berichtete. Sie war eine noch junge Feldmaus ohne besondere Auffälligkeiten, aber trotz allem hübsch anzusehen und mit einem freundlichen und offenen Gemüt. Die Kinder mochten sie deswegen sehr, auch weil Fräulein Haselweiß stets ein offenes Ohr für alle hatte. Betraf es nun den Unterricht oder persönliche Nöte. Die Geschichte der alten Ordensmaus betrafen wohl letzteres.

„Und genau deshalb bat ich die Kinder, mich zu ihnen zu bringen. Unter anderen Umständen hätte ich es vermieden Unschuldige hineinzuziehen, aber die beiden haben mich nun einmal am Ufer gefunden“, schloss Valatan und nahm einen Schluck Tee. Er seufzte wohlig.

Fräulein Haselweiß nickte zustimmend. „Es ist zwar unglücklich Kinder mit hineinzuziehen, da stimme ich Ihnen zu, aber geschehen ist geschehen. Ihr Plan klingt auch ganz vernünftig und Sie können sich meiner Unterstützung sicher sein, aber dennoch habe ich einige Einwände, die vorgebracht werden müssen.“

Valatan mochte, wie gewählt sich Fräulein Haselweiß ausdrückte. „Natürlich, meine Liebe. Sprechen Sie frei heraus.“

Mit einem belehrenden Lächeln, wie es ihre Schüler nur allzugut kannten, setzte Fräulein Haselweiß zum Reden an: „Ich glaube nicht, dass der König ihren Brief persönlich erhalten wird, sondern ein Beamter von niederem Rang. Ansonsten könnte ja jeder einen Schrieb verfassen und den König mit seinen Problemen belästigen. Und dann bleibt die Frage, wie dieser Beamte den Schrieb gewichtet, denn es fehlt ja an einem offiziellen Siegel. Sicherlich, wer einen Brief schreibt wird wahrscheinlich keinen bösen Scherz planen, aber niemand kann sich dafür verbürgen. Also wird dieser Beamte erst einmal einen anderen Beamten schicken, der die Lage prüft. Und dieser wird dann entscheiden, ob die königlichen Truppen, oder wer auch immer, eingreifen müssen.“

Das waren wahre Worte, die das Fräulein Haselweiß aussprach und Valatan sann darüber nach. Und während er noch überlegte, klopfte es an der Türe.

Der Schreck fuhr den Mäusen augenblicklich in alle Glieder und sie waren sofort mucksmäuschenstill. Der Verdacht lag nahe, dass Skorpio und Esadrix den armen Valatan aufgestöbert hatten. Doch von draußen war nur die Stimme des alten Grundel zu hören, der mit eifrigem Ton nach Fräulein Haselweiß rief.

„Pst!“ machte sie in die Runde, stand auf und ging zur Türe, um diese zu öffnen. „Lieber Herr Poststellenleiter Grundel, was führt sie so spät Abends noch an meine Türe?“

„Neuigkeiten, wertes Fräulein Haselweiß. Wichtige und aufregende Neuigkeiten“, erklärte Grundel mit verschwörerischer Stimme.“Ich dachte mir, ich sollte sie ihnen zuerst berichten, denn immerhin sind Sie eine Person von gewichtigem Stand in unserem kleinen Graufell. Als Lehrerin und Schulmeisterin sollten Sie stets um die aktuelle Lage im Lande wissen.“

Fräulein Haselweiß nickte zustimmend. „Wohl war, wohl war. Sie sind ein kluger Mann, Herr Grundel. Um was geht es denn?“

Der alte Grundel von der Post entzündete sich erst einmal gemütlich ein Pfeifchen, stieß eine bauchige Rauchwolke aus lächelte dann wichtigtuerisch. „Nun, soeben ereilte mich per Eilkurier die Nachricht, dass ein schweres Verbrechen weit droben in den Hügeln geschehen ist.“

„Ach was? Sie wurden persönlich angeschrieben, Herr Grundel?“ fragte Fräulein Haselweiß mehr erstaunt als neugierig.

Grundel verschluckte sich beinahe an seinem Pfeifchen. „Nun ja, nicht direkt. Ich bekam einen Schrieb den ich weiterleiten sollte. Als Poststellenleiter ist es aber auch meine Aufgabe verdächtige Poststücke zu öffnen und zwecks Kontrolle zu lesen. Man weiß ja nie, was darin geschrieben steht.“

„Ach nein, Sie haben also einen wichtigen Schrieb geöffnet? Einfach so?“ hakte Fräulein Haselweiß nach.

„Weil er mir verdächtig vorkam“, rechtfertigte sich der alte Grundel und war verärgert, dass er plötzlich im Mittelpunkt stand und nicht die ach so wichtige Neuigkeit. „Aber darum geht es gar nicht. Was ich zu berichten habe ist von weitaus größerem Interesse. Denn stellen Sie sich vor, Fräulein Haselweiß“, und hier tat er eine Pause, um die Dramatik der Enthüllung zu steigern, „sämtliche Mitglieder des Ordens der Schriften sind tot.“

Valatan, der inmitten des Wohnzimmers und somit unweit der Türe saß, entfuhr ein unterdrückter Schrei. Seine Nase wurde ganz bleich und Tränen sammelten sich in seinen Augen.

„Was war denn das?“ fragte Grundel neugierig und versuchte an Fräulein Haselweiß vorbeizuspähen, doch sie schob die Türe ein Stück zu. „Nichts. Niemand. Vermutlich mein Teekessel, der auf dem Herd steht.“

„Müsste der dann nicht weiterpfeifen?“ fragte Grundel misstrauisch und versuchte seine Nase durch die Türe zu schieben. Aber Fräulein Haselweiß zog sie noch weiter zu.

„Nein, er ist kaputt, vermute ich. Und, oh, wie spät, ich muss ins Bett. Vielen Dank für die Nachrichten, lieber Herr Grundel. Schlafen Sie wohl.“ Mit einem Schlag war die Türe zu und Fräulein Haselweiß lehnte sich von innen mit schnell pochendem Herzen dagegen.

Fiepsi kam aus dem Wohnzimmer und ihr Blick war vorwurfsvoll. „Sie haben den alten Grundel angelogen“, sagte sie schmollend. „Das macht man nicht.“

„Manchmal muss eine Notlüge sein“, erklärte Fräulein Haselweiß und ging an ihr vorbei, um nach Valatan zu sehen. Rasmus kicherte leise in seine Tasse hinein und streckte Fiepsi dann die Zunge raus.

„Tot, alle tot“, murmelte Valatan. Ihm war schwer ums Herz. „Ich hätte nicht fliehen sollen. Ich hätte kämpfen sollen.“

Fräulein Haselweiß schüttelte den Kopf. „Sie wären vielleicht selbst ums Leben gekommen. Und Ihre wertvollen Schriften verloren. Es ist eine schreckliche, eine bedauerliche Situation. Aber sie zeigt uns, wie gefährlich Ihre Häscher sind, werter Bruder Valatan. Ich stimme Ihnen zu, dass diese Schriften dringend in die richtigen Pfoten gelangen müssen.“

„Ja, aber welche?“ fragte Valatan ratlos. „Mein Abt tot, ebenso meine Brüder. Der König nur schwer zu erreichen.“

Fräulein Haselweiß sah die alte Bibliotheksmaus eindringlich an. „Sie dürfen keinen Brief an den König schreiben. Sie müssen selber vorstellig werden. Und ihm die Schriftrollen übergeben. Als Beweis, das Ihre Geschichte stimmt. Das ist der einzige Weg, den es noch zu gehen gibt.“

Valatan schüttelte den Kopf. „Bedauerlicherweise bin ich zu alt, um diesen Weg zu gehen. Der König lebt in seinem Palast in Falarie. Wie soll ich dorthin gelangen? Ohne Pferd und Ahnung? Kein Proviant, gebrechliche Knochen und Häschern auf der Spur, die mich sofort erkennen und zur Strecke bringen würden?“

„Ja, das stimmt“, gab Fräulein Haselweiß unumwunden zu und dachte über das Problem nach. Dann, mit grimmiger Entschlossenheit, klopfte sie Valatan beruhigend auf die Knie. „Lieber Bruder, ich werde gehen.“

„Was? Sie?“ kam es gleichzeitig aus dem Mund von drei Mäusen.

Fräulein Haselweiß nickte. „Ja, ich. Ich habe in Falarie studiert und kenne mich in der Stadt aus. Der Weg ist mir wohl bekannt und ich habe etwas Geld angespart, das ich allzu gerne für eine so gewichtige Mission ausgebe. Außerdem bin ich Ihren Häschern unbekannt, Bruder Valatan. Und es dürfte niemanden verwundern, dass eine Lehrerin auf Reisen Papiere und Bücher mit sich führt. Sie, mein Lieber, bleiben in meinem Häuschen und halten sich versteckt. Die Kinder werden jeden Tag nach Ihnen sehen und ich werde ihren Eltern erzählen, sie sähen nach dem Rechten während meiner Abwesenheit. Um Diebe und Ungeziefer abzuschrecken, die sich gerne in einem leeren Häuschen breitmachen.“

Valatan dachte gut über das Angebot von Fräulein Haselweiß nach. Er wog das Für und Wider ab, erkannte, dass er keine andere Lösung fand. Also stimmte er schweren Herzens zu und es war abgemacht: Fräulein Haselweiß ging nach Falarie.

Fortsetzung folgt …

Copyright © 2013 by Miriam Kleve

Buch- und Lesetipp:

Erin Hunter
Warrior Cats
In die Wildnis I
Band 1

Zeichnungen von Hauptmann und Kompanie
Übersetzt von Klaus Weimann
Verlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-81041-0

Seiten/Umfang: 312 S., 3 schw.-w. Abb. – 21,2 x 13,7 cm
Produktform: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum:  Deutsche Erstausgabe 18.12.2012

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Ein Wald. Vier Clans. Und alle wollen überleben.

Jenseits der Menschen, tief verborgen im Wald, leben die Katzen der Clans wild und ungezähmt. Feuerpfote, der seine Zweibeiner verließ, um sich dem DonnerClan anzuschließen, genießt das stürmische Leben des Waldes in vollen Zügen. Seite an Seite mit den wilden Katzen lernt er zu jagen, seine Instinkte zu gebrauchen, er lernt den Wald zu hören und seine Feinde zu riechen. Doch das Leben stellt ihn auch immer wieder auf die Probe, denn der Platz ist eng, das Futter knapp. Blaustern, die Königin des DonnerClans, hat Zweifel, ob es der Clan schaffen wird, bis zur Blattfrische zu überleben. Da erfährt Feuerpfote von der Prophezeiung: „Nur Feuer kann den Clan retten!“ Was hat diese Prophezeiung zu bedeuten?

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Updated: 10. Mai 2013 — 22:27

6 Comments

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  1. Ist ja voll niedlich die Geschichte! Wie lang soll die denn insgesamt so werden? Soll sie auch in die Tiermärchen-Athologie oder wird das ein mehrteiliges Werk, was du anderweitig vermarkten möchtest, Miriam?

  2. Yvonne, was sagst du zu der Idee?

  3. Miriam, hast du noch einen passenden aktuellen Buchtipp?

  4. Hallo Miriam, hast du wieder mal deinen Hamster eingescannt? Ist das eigentlich gesund für das Tier? 😉

  5. Huhu!!!

    Das ist kein Hamster, das ist eine Maus.

    Den Buchtipp habe ich eingebaut. Hoffentlich gefällt es.

    Diesmal sind ja verdammt viele gute Geschichten im Wettbewerb. Ich glaube, die werden alle immer besser. Mir fällt es jedenfalls immer schwerer, meine Favoriten herauszufinden. Aber schön, dass meine Stories hier auch einen Platz finden. Bin ich stolz drauf. 🙂 🙂 🙂

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