sfbasar.de

Literatur-Blog

TELL (Leseprobe Teil 1) von Thomas Vaucher

 buchcover_tell

TELL (Leseprobe Teil 1)

von

Thomas Vaucher

Waffentod445
PROLOG
1355
Mulinhuson, Habsburg

Der latente Geruch des Todes machte sich in der ärmlichen Hütte bereits breit, als Pater Jakob eintrat. Unwillkürlich rümpfte er die Nase und sah sich um.

Die Strohhütte, in welcher der Dichter hauste, war eines Menschen eigentlich nicht würdig. An der rechten Wand stand ein Tisch, dem ein Bein fehlte, davor ein schräg stehender Hocker. Der Tisch war übersät mit vollgekritzelten Pergamenten.

Ein umgekipptes Tintenfass lag darauf, der schwarze Inhalt hatte sich über die Tischplatte und die Pergamente verteilt. Linkerhand befand sich eine Kochnische, die aussah, als ob sie schon seit längerem nicht mehr benutzt worden wäre, und am hinteren Ende des einzigen Raumes dieser Behausung ein Strohsack, auf dem der
Sterbende lag.

Pater Jakob trat näher und unterdrückte den Drang, sich zu übergeben. Vor dem Strohsack stand ein Eimer, der vor menschlichen Ausscheidungen überquoll, und auf den Beinlingen des Sterbenden zeichneten sich rund um die Hüften dunkle Flecken ab. Schweiss stand dem Mann auf der Stirn.

«Johannes?» Er berührte den Schlafenden an der Schulter. «Johannes!» Pater Jakob musste ihn leicht schütteln, ehe der Angesprochene die übrigen Augen öffnete.

«Pater … Jakob?», stöhnte er. «Gott sei Dank, Er hat meine Gebete erhört!»

«Was ist mit dir passiert? Wo ist dein Weib?»

Johannes gab ein krächzendes Lachen von sich. «Mein ehrenwertes Weib hat meine letzten Münzen genommen und ist abgehauen. War es wohl leid, meinen Nachttopf zu leeren und meinen stinkenden Körper zu waschen.»

Ein Hustenkrampf durchfuhr ihn, und er spuckte Blut.

Pater Jakob schüttelte mitleidig den Kopf. Er kannte den Dichter seit vielen Jahren, und er hatte ihn stets gemocht. Es versetzte ihm einen schmerzhaften Stich, ihn in diesem Zustand zu sehen, doch er war es gewohnt, Leute sterben zu sehen. Hunderten hatte er schon die letzte Beichte abgenommen und die Sterbesakramente erteilt.

«Danke, dass du gekommen bist», flüsterte Johannes, «im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.»

«Gott, der unser Herz erleuchtet, schenke dir wahre Erkenntnis deiner Sünden und Seiner Barmherzigkeit»,
erwiderte Pater Jakob, zog sich den schrägen Hocker heran und setzte sich.

«Amen.»

Eine Weile war es ruhig. Johannes hatte die Augen geschlossen und atmete tief.

Jakob dachte schon, er wäre eingeschlafen, doch dann öffnete der Sterbende seine Augen wieder, seufzte und sah ihn eindringlich an.

«Pater, ich habe gelogen.»

«Worüber, mein Sohn?»

«Über Tell und Gessler. So wie ich es den Menschen stets erzählt habe, so war es nicht.» Johannes hustete, und sein Gesicht verzog sich schmerzerfüllt. Seine Augen schienen in weite Ferne zu schweifen. «So war es nicht.»

 

ERSTER TEIL
1275

1. Kapitel
Spiringen, Uri

Helm hatte die Armbrust schon viele Male gesehen und bewundert. Einige Male hatte er sie auch schon getragen. Er hatte damit kaum mehr als ein paar Schritte geschafft, ehe der schwere Hornbogen, der vordere Teil der Ware, zu Boden gesunken war und sein Vater sie ihm lachend aus der Hand genommen hatte.
Seine Finger strichen liebevoll über die Säule der Waffe. Diese war mit Intarsien aus gefärbtem Holz verziert, die zwei Bilder zeigten. Auf der einen Seite waren ein grosser Mann und ein noch grösserer Bär abgebildet, die miteinander rangen. Es sah beinahe so aus wie die freundschaftlichen Kämpfe, die sich die Jungen am Dorffest
jeweils lieferten. Auf der anderen Seite sah man den erschöpften Mann neben dem toten Bären knien.

Helms Finger wanderten weiter, über den gemusterten Birkenrindenüberzug des Hornbogens. Sein Vater und dessen Vater hatten die Verzierungen selbst angefertigt.

Woher die wundervolle Waffe ursprünglich stammte, wusste niemand.

«Eines Tages wirst auch du deine Geschichte in diese Waffe schnitzen, mein Sohn.» Der Bärentöter war hinter ihn getreten, ohne dass Helm ihn bemerkt hatte, und legte ihm seine kräftigen Arme auf die Schultern.

«Hast du den Bären wirklich mit deinen blossen Händen getötet, Vater?» Helm zeigte auf den mächtigen Bärenkopf, der an der Wand über dem Esstisch hing.

Der Bärentöter sah Helm einen Moment lang verdutzt an, dann lachte er so laut, dass es schien, die ganze Hütte würde beben.

«Wenn du alt genug bist, werde ich dir die Geschichte unseres Kampfes erzählen.»

Er strich seinem fünfährigen Sohn liebevoll über den Kopf. «Doch nicht heute.

‚Heute gehe ich auf die Jagd.»

«Auf Bärenjagd? Darf ich mitkommen?»

«Nein, du bleibst hier.»

«Aber ich bin doch kein Mädchen, ich bin ein Junge, ein … Mann!»

Der Bärentöter konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und fuhr Helm durch dessen dunkle Haare, dann ergriff er die Armbrust.

«Wenn du diese Waffe spannen kannst, Helm, bist du ein Mann, eher nicht.» Er bückte sich zu Helm hinab und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. «Falls ich bis heute Abend nicht zurück bin, machst du ein Feuer und stellst die Reste des Eintopfs von gestern darauf. Denk daran, das Haus zu verriegeln, wenn du zu Bett gehst, und lass
niemanden herein, den du nicht kennst. Wolf wird dich beschützen.»

Der braune Schäferhund sah auf und wedelte erwartungsvoll mit dem Schwanz, als er seinen Namen hörte. Der Bärentöter zwinkerte Helm noch einmal zu, ergriff den hölzernen Bolzenköcher, der mit borstenbesetztem Wildschweinsleder überzogen war, und ging.

Wenn du diese Waffe spannen kannst, bist du ein Mann.

Vielleicht würde er diese Armbrust nie spannen können. Helm wusste von vielen Männern, die es versucht hatten, doch ausser seinem Vater war niemand dazu imstande gewesen. Weshalb sollte er sie je spannen können? Und wenn nicht, bliebe er für alle Ewigkeiten ein Junge?

 

2. Kapitel

Helm war es gewohnt, für sich selbst zu sorgen. Er konnte vieles, was andere Fünfjährige nicht zustande brachten. Der Tod seiner Mutter im Kindsbett hatte seinen Vater dazu gezwungen, ihn zur Eigenständigkeit zu erziehen.

Doch als Helms Vater auch nach zwei Tagen nicht von der Jagd zurückgekehrt war, begann sich Helm langsam Sorgen zu machen. Es war zwar nicht das erste Mal, dass sein Vater auf der Jagd weite Wege ging und am Abend nicht zurückkehrte, aber er war noch nie zwei Tage fort gewesen. Deshalb ging Helm am zweiten Morgen, an dem er das Bett seines Vaters leer vorfand, zum Nachbarn und bat ihn um Hilfe.

Bernhard war ein gutmütiger Mann, der Helm gegenüber immer zu Spässen aufgelegt war. Darum mochte Helm ihn von allen Erwachsenen am liebsten. Abgesehen von seinem Vater natürlich.

Bernhard holte Hans Gisler dazu, dessen Hütte eine halbe Wegstunde oberhalb Spiringens lag. Obschon Helm ihn nicht mochte, weil er ein schweigsamer, verbitterter, alter Mann war, den alle nur den alten Gisler nannten, war Helm froh, dass er dabei war, denn er kannte das Schechental und den Klausenpass wie kein anderer.

Gisler meinte, dass man Anselm mitnehmen sollte, da dieser Helms nächster Verwandter sei, und so wanderte Bernhard mit Helm zunächst nach Burgelon zur Mühle dessen Oheims.

Wolf, der Welpe, den Helm seit einigen Monaten hatte, lief freudig vor ihnen her und liess Helm fast vergessen, dass der Anlass, weswegen sie nach Burgelon gingen, ein trauriger war.

Anselm machte keinen Hehl daraus, dass er nicht die geringste Lust verspürte, seinen umtriebigen Bruder zu suchen und dafür seine Arbeit liegenzulassen, doch schliesslich willigte er grummelnd ein. Er nahm zudem seinen Sohn mit, den achtjährigen Erhardt, und so machten sie sich gegen Mittag alle Richtung Klausenpass
auf, wo Helms Vater zwei Tage zuvor hingegangen war.

Helm hielt sich stets an Bernhards Seite, trotz allem genoss er es, mit ihm in die Wildnis zu ziehen. Bernhard kannte alle Tiere und Pflanzen des Schechentals. Er machte ihn auf die zirpenden Grillen aufmerksam, benannte die zwitschernden Vögel und die Schmetterlinge, die ihren Weg kreuzten. Er zeigte Helm Fussspuren, wo Rehe, Gämsen oder Wildschweine entlanggegangen waren, und erklärte ihm, wie man einer Spur folgen konnte, selbst wenn der Boden für einige Zeit steinig war.

Zunächst folgten sie einem Trampelpfad in langen Wendungen bergauf. Oberhalb von ihnen türmte sich der Gamperstock auf, auf der anderen Seite des Tales der Gross Spitzen. Wenn man sich umwandte, konnte man bis ins Tal nach Sachdorf sehen. Auf beiden Seiten waren die Steilhänge stark bewaldet und boten ihnen so zumindest etwas Schutz vor den starken Sonnenstrahlen, denn obschon es erst Mitte Mai war, schien diese bereits erbarmungslos vom Himmel herab.

Als sie eine gewisse Höhe erreicht hatten, konnte Helm in der Ferne schneebedeckte Berge sehen und davor einen grossen Wasserfall, der sich über Hunderte von Schritten schäumend aus einem Steilhang ins Tal ergoss.

Dann und wann kamen sie an Alphütten oder weidenden Kühen vorbei oder trafen Hirten, bei denen sie sich nach dem Bärentöter erkundigten. Doch niemand wollte Helms Vater gesehen haben – bis auf einen alten Mann etwa auf halbem Weg zum Klausenpass. Der Bärentöter sei vor zwei Tagen hier vorbeigekommen und in
Richtung Pass weitergegangen.

Sie bewegten sich nun nahe der Baumgrenze. Oberhalb von ihnen wuchsen nur noch vereinzelte kleine Tannen. Brennnesseln und Disteln säumten den Pfad, die Wiesen waren mit grossen Steinen und Felsblöcken von Steinschlägen übersät. Dann und wann waren Kuhglocken von weidenden Kühen zu hören.

Auf einmal erspähte Helm in der Ferne weisse Vögel, die über ihnen ihre Kreise zogen. Er beschattete die Augen und versuchte, sie genauer auszumachen. Sie sahen aus wie Möwen, doch die hatte Helm noch nie in den Bergen gesehen. «Du hast gute Augen, kleiner Helm», sagte der alte Gisler. «Das sind tatsächlich Möwen.»

«Hier oben? Wie kommen die denn hier herauf?»

«Vermutlich sind sie geflogen.» Bernhard lachte. «Die kommen vom Luzerner See», erklärte der alte Gisler.

«Kommt ab und zu vor, aber eher selten. Habe schon lange keine Möwen mehr hier oben gesehen. Das letzte
Mal muss vor mehr als zehn Jahren gewesen sein.» Er kratzte sich am Kopf und betrachtete das gute Dutzend Möwen, das sich nun rasch entfernte.

Der alte Gisler hoffte, dass sie nicht bis zum Klausenpass zu gehen brauchten, denn in dem Fall müssten sie gut tausend Schritt an Höhe überwinden. Doch seine Hoffnung wurde enttäuscht.

Es war schon später Nachmittag, Helm war hundemüde und mochte kaum noch gehen, als sie die Passhöhe erreichten. Die Aussicht war wunderbar. Wenn man zurück nach Westen blickte, hatte man einen atemberaubenden Ausblick auf die Urner Alpen. Rechts von ihnen waren auf den Hängen noch einige Schneereste auszumachen, und auch die schneebedeckten Berge waren nun deutlich näher gekommen.

Auf ihrer linken Seite erhob sich dagegen eine graue Felswand, die Helm wie eine Burgmauer vorkam, die direkt in den Himmel zu wachsen schien. Sie zog sich scheinbar endlos dahin, und Helm betrachtete sie staunend.

Nach einer kurzen Pause trieb sie der alte Gisler weiter, bis sie eine gute Viertelstunde später auf der anderen Seite des Passes ins Tal hinunter sehen konnten. Links von ihnen erhob sich in der grauen Felswand ein riesiger Felsbrocken in den Himmel,  der aussah wie ein Wachturm. Als ob jemand von dort die beiden Täler östlich und westlich des Klausenpasses überwachen würde. Gott vielleicht?

Bernhard musste lächeln, als Helm ihm seine Gedanken verriet.

«Wer weiss», sagte er, «vielleicht hast du Recht, und das ist tatsächlich der Sitz Gottes. Viel näher am Himmel kann er jedenfalls nicht mehr sein.»

«Ob der Bärentöter wirklich noch weiter gegangen ist?» Der alte Gisler kratzte sich am Kopf und sah ins Tal nach um Mercheren hinunter.

«Der Bärentöter?» Helms Vetter Erhardt sah Gisler gespannt an. «Wer ist der Bärentöter?»

«Na, dein Oheim, Junge, Helms Vater …»

Anselm fuhr dazwischen: «Lass das dumme Geschwätz, wir alle wissen, dass mein Bruder diesen Namen nicht verdient hat.»

«Nicht verdient? Ich war dabei, ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie …»

«Es reicht, Hans. Ich will nicht, dass mein Junge sich diesen Unsinn anhören muss. Wenn ich schon einen Tag meiner kostbaren Zeit opfere, um meinen närrischen Bruder zu suchen, muss ich mir von euch nicht auch noch seine erlogenen Heldentaten anhören.»

Der alte Gisler und Bernhard sahen sich verwundert an, schwiegen jedoch.

Während sie weitermarschierten und auf der anderen Seite des Passes ins Tal hinuntergingen,  liess sich Anselm mit seinem Sohn etwas zurückfallen und ging jedem Gespräch aus dem Weg.

«Glaubst du, dass meinem Vater etwas passiert ist?», fragte Helm Bernhard. Das Hochgefühl des Abenteuers mit den Erwachsenen und die Zuversicht, den Vater rasch zu finden, waren verschwunden und müden Beinen gewichen. Doch Bernhard lachte und schüttelte den Kopf.

«Nein, Helm, das glaube ich nicht. Wenn selbst ein Bär es nicht mit ihm aufnehmen konnte, wer dann? Ich kenne keinen, der so stark ist wie er.»

Der alte Gisler war weniger zuversichtlich. «Mutter Natur. Vielleicht ist er von einem Felsen gestürzt oder von einem Steinschlag erfasst worden.»

Doch daran wollte Helm nicht einmal denken.

Sie hatten Mercheren, die kleine Alpsiedlung östlich des Klausenpasses, fast erreicht, als sie in der Ferne am Rand eines Wäldchens Krähen kreisen sahen. Mit einem unguten Gefühl im Magen beschleunigten sie ihre Schritte. Wolf begann zu bellen, rannte voraus und verschwand aus Helms Sicht. Als sie den Waldrand endlich erreichten, blieben sie bestürzt stehen.

Helms Vater lag blutüberströmt inmitten von drei weiteren Leichen am Boden.

Offenbar hatte hier ein Kampf stattgefunden. Das rechte Auge des Bärentöters fehlte, und Teile seines Gesichts waren schon den Krähen zum Opfer gefallen. Er lag auf dem Bauch, hatte tiefe Schnittwunden am rechten Bein, am linken Arm und im Rücken, und unter seiner Brust ragte ein schwarzgefiederter Pfeil hervor. Zudem war sein Schädel vom Hieb einer grossen Waffe gespalten.

Die drei anderen Leichen waren Männer, die sie nicht kannten. Einer hatte einen Bolzen in der Stirn, die anderen beiden eingeschlagene Schädel.

Helm schrie entsetzt auf, stürmte auf seinen Vater zu und nahm dessen verunstaltetes Gesicht in seine Arme.

Das viele Blut war eingetrocknet, und ein starker Verwesungsgestank drang ihm in die Nase, doch das war ihm egal. Er drückte ihn an sich und wollte ihn nie wieder loslassen. Schluchzer drangen aus seinem kleinen Mund, und sein Körper wurde von einem Weinkrampf geschüttelt. Wolf trat neben ihn und leckte ihm übers Gesicht, aber Helm merkte es kaum.

«Wer mag das getan haben und aus welchem Grund?», hörte Helm Bernhard wie aus weiter Ferne fassungslos sagen.

«Räuber, Söldner, Wegelagerer, such dir was aus», brummte Anselm, doch man sah ihm an, dass das Schicksal seines ungeliebten Bruders auch ihn nicht kaltliess.

«Er hat drei von ihnen mitgenommen», murmelte der alte Gisler. «Die beiden da muss er mit seiner Armbrust erschlagen haben.»

«Wo ist sie überhaupt, diese unselige Armbrust?», murrte Anselm.

Helm sah aus tränenden Augen auf. Die drei Erwachsenen schritten das Schlachtfeld ab, während Erhardt angewidert etwas weiter weg stehenblieb, aber sie fanden weder die Armbrust noch sonst welche Waffen oder Rüstungen.

«Vermutlich haben die Räuber sie mitgenommen», meinte der alte Gisler.

«Was geschieht nun mit dem Jungen?» Bernhard sah Anselm an.

Dieser durchsuchte die Taschen der toten Männer und tat, als hätte er die Frage nicht gehört. Sogar vor Helms Vater machte er nicht Halt.

«Lass meinen Vater in Ruhe!», brüllte Helm und versuchte nach Anselm zu schlagen, doch der wich aus, zuckte die Schultern und erhob sich, sichtlich enttäuscht darüber, dass die Räuber alles Wertvolle mitgenommen hatten.

«Der Junge hat nun keine Mutter und keinen Vater mehr», flüsterte Bernhard Anselm zu, doch Helm verstand jedes Wort. «Du bist sein nächster Verwandter.»

«Na und? Was kann ich dafür, dass mein Bruder einen Sohn in die Welt setzt, um den er sich nicht kümmern kann? Irgendwo wird sich sicher eine Grosstante finden, die ihn aufnimmt.»

«Wer den Jungen nimmt, kriegt auch den Hof seines Vaters», meinte der alte Gisler.

Anselm sah ihn nachdenklich an.

«Hm. Wenn ich’s recht bedenke, könnte ich vielleicht einen zweiten Gehilfen in der Mühle brauchen.»

Aber Helm wollte nicht zu Anselm in die Mühle. Er wollte mit seinem Vater nach Hause gehen. Wieder rannen ihm Tränen über die Wangen, und sein Vater tauchte vor seinem inneren Auge auf.

«Wenn dir nach weinen zumute ist, mein Junge, dann lach. Verwandle die Tränen des Schmerzes und der Trauer in Freudentränen und beobachte die Alten um dich herum, denn es gibt nichts Schöneres, als die Verwirrung in ihren Gesichtern zu sehen.» Der Bärentöter lachte sein mächtiges Lachen und klopfte Helm auf die Schulter.

«Alten! Denn nichts anderes sind wir, merk dir das, mein Junge.»

Doch Helm war nicht nach Lachen zumute …

Copyright © 2016 by Thomas Vaucher

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Summe über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

 

Tell (Gebunden)
Mann. Held. Legende.
von Vaucher, Thomas

Medium:  Buch
Seiten:  320
Format:  Gebunden
Sprache:  Deutsch
Erscheint:  Oktober 2016
ISBN-10:  3727279001
ISBN-13:  9783727279003

buchcover_tell

Klappentext:
Eine Weile war es ruhig. Johannes hatte die Augen geschlossen und atmete tief. Jakob dachte schon, er wäre eingeschlafen, doch dann öffnete der Sterbende seine Augen wieder, seufzte und sah ihn eindringlich an.
«Pater, ich habe gelogen.»

«Worüber, mein Sohn?»

«Über Tell und Gessler. So wie ich es den Menschen stets erzählt habe, so war es nicht.» Johannes hustete, und sein Gesicht verzog sich schmerzerfüllt. Seine Augen schienen in weite Ferne zu schweifen. «So war es nicht.»

Buchtrailer:
https://www.youtube.com/watch?v=FJ16bthpNSA

Medienmitteilung Stämpfli Verlag:
Vergessen Sie alles, was Sie bisher über Wilhelm Tell zu wissen glaubten …

Thomas Vaucher erzählt in seinem neuen historischen Roman «Tell – Mann. Held. Legende.» einerseits die Geschichte der Jugend des grossen Schweizer Volkshelden, andererseits die Legende vom sagenhaften Rütlischwur und vom Apfelschuss – aber in neuem Licht.

Nach dem Mord an seinem Vater wächst Wilhelm als Müllergehilfe bei seinem tyrannischen Onkel in Burgelon heutiges Bürglen UR) auf. Da gibt eines Tages die hübsche Anna Korn zum Mahlen in Auftrag und es ist um Wilhelm geschehen. Doch als er sie am Johannisfest zum Tanz ausführt, kommt es zu einer folgenschweren Schlägerei mit dem reichen Hermann von Spiringen. Wilhelm sieht sich dazu gezwungen, seine Heimat zu verlassen und sich als Söldner zu verdingen. Er erlernt in einer Söldnerkompanie das Armbrustschiessen, verschafft sich unter den rauen Burschen rasch Respekt und steigt in der Hierarchie bis zum dritten Stellvertreter des Hauptmanns auf. Doch dann begegnet er eines Tages dem Mörder seines Vaters …

Die «wahre» Geschichte über Wilhelm Tell wird Freunde von historischen Romanen ebenso begeistern wie Mittelalterfans.

Thomas Vaucher, 1980 in Freiburg (CH) geboren, ist seit je vom Mittelalter-Genre begeistert. 2009 erreichte er mit der Kurzgeschichte «Tyrions Wacht» beim Deutschen Phantastik Preis den 2. Platz. Es folgten die historischen Romane «Der Löwe von Burgund» und «Winterhelden». Thomas Vaucher ist auch als Sachbuchautor für Historisches, Drehbuchautor von Theaterstücken und Musicals sowie als Schauspieler und Musiker aktiv. Er ist Mitglied der Heavy-Metal-Band Emerald, die mittlerweile auf sechs Alben und eine Europatournee zurückblicken kann.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme