sfbasar.de

Literatur-Blog

STRASSENFUND – Eine visionäre Erzählung (überarbeitete Fassung) von Mona Mee und Martina Müller (Überarbeitung)

STRASSENFUND

Eine visionäre Erzählung

(überarbeitete Fassung)

von

Mona Mee und Martina Müller (Überarbeitung)

Ich bin mit dem Van unterwegs, komme von einem kleinen Besäufnis mit den Kumpels vom Bau. Mein Alkoholspiegel ist wohl an der oberen Grenze. Weil mir vor Erschöpfung und Müdigkeit fast die Augen zufallen, hätte ich beinahe das Teil vor mir auf der Fahrbahn übersehen. Ich gehe voll in die Eisen, ohne es zu überrollen. Mit der Taschenlampe aus dem Handschuhfach springe ich aus dem Auto. Das Hindernis ist offenbar in eine Plane eingewickelt, nicht ganz transparent, so dass sich nicht genau erkennen lässt, um was es sich  handelt.

Ich leuchte mit der Taschenlampe drauf. In Umrissen sehe ich einen kleinen Körper. Ich angle mein Schweizer Messer aus der Tasche und schneide die Plane auseinander. Es durchfährt mich ein regelrechter Schock. Vor mir liegt ein verdrecktes und abgemagertes totes Baby. Ich zücke mein Handy, um auf dem Polizeirevier anzurufen.  Der Akku ist leer! Mit einer Kordel aus meinem Wagen knote ich das Bündel zusammen und lege es auf die Ladefläche. Ich wende und mache mich auf den Weg zum Polizeirevier.

Dort empfangen mich zwei Beamte, eine Polizistin und ein Polizist, die auch gleich mit mir vor die Tür gehen. Ich öffne vorsichtig die Ladetüren des Vans. Die beiden leuchten mit ihren Taschenlampen auf die Plastikplane, in der sich jedoch nichts befindet. Ich leuchte in alle Ecken des Vans und hüpfe hinein um wirklich sicher zu sein, dass das Baby nicht irgendwo hingerutscht ist. Doch es ist nichts zu finden. Die beiden schauen sich fragend an und einer der Polizisten meint: „Haben Sie getrunken?“

Ich antworte: „Ja schon, aber nicht so viel, dass ich mir sowas einbilde!“

Die Polizistin: „Bestimmt sind sie nur überarbeitet und ihre Sinne haben Ihnen einen Streich gespielt.“

Ich nicke nur, denn ich möchte nicht als Spinner oder Verrückter gelten, der ihnen den Feierabend zu verderben vor hat.

Der Polizist: „Naja, da wollen wir mal auf eine Alkoholprobe verzichten, wenn sie versprechen, sofort nach Hause zu fahren.“

Ich nicke nur, bedanke mich kurz und steige ein. Die Beamtin verabschiedet sich und gibt mir noch mit auf den Weg: „Morgen werden Sie sehen, dass alles nur ein Irrtum gewesen ist und selbst drüber lachen.“

Nachdem ich wieder auf der Landstraße bin, muss ich in mich hineinlachen. So etwas ist mir noch nie passiert. Ich biege von der Landstraße in den Feldweg ein, der direkt zu meinem Anwesen führt. Ein schönes Haus mitsamt Nebengebäuden, groß genug für Frau und Kinder. Aber irgendwie hat es sich nie ergeben. Der Job hat es nicht zugelassen. Als ich so vor mich hinsinne, spüre ich plötzlich eine Hand auf meinen Rücken. Wie elektrisiert halte ich sofort an. Hinter dem Fahrersitz steht ein etwa 8-jähriges Mädchen mit total verschmutztem Gesicht.

Nachdem ich die Kleine auf dem Beifahrersitz festgegurtet habe, bemerke ich, dass ich mich mit dem Alter verschätzt habe. Sie ist wohl eher 10 oder 11 Jahre alt. Ich hole aus dem Handschuhfach einen Schokoriegel. Das Mädchen verschlingt ihn regelrecht. Zum ersten Mal lächelt es mich an. Es hat ein schönes Gesicht trotz des Schmutzes und ein sehr schönes Lächeln. Ich überlege, ob ich kehrt machen und zurück zum Polizeirevier fahren soll. Doch ich bin verunsichert. Wie sollte ich die plötzliche Existenz der Kleinen erklären? Würde man mir nach dem ersten Zwischenfall noch irgendetwas glauben? Ich entschließe mich dazu, erstmal nach Hause zu fahren.

Als ich vor dem Haus die Beifahrertür öffne, fällt mir auf, dass es alleine aussteigt und unmöglich 10 oder 11 Jahre alt ist, eher 14 oder 15. Wir gehen ins Haus und ich zeige ihr das Badezimmer. Auf einem Hocker neben der Badezimmertür deponiere ich noch eine alte Jeans und einen Pulli .

In der Zwischenzeit richte ich etwas zu Essen her. Als ich damit fertig bin, kommt das Mädchen aus dem Bad. Die alten Sachen passen ihr zwar nicht wirklich, sind aber besser als  ihr verdreckter Overall, den ich inzwischen in die Waschmaschine geworfen habe. Trotz der zu weiten Klamotten sieht das Mädchen niedlich aus. Wieder muss ich meine vorherige Schätzung auf 18 oder 19 Jahre erhöhen. Als es das Essen sieht, stürzt es sich darauf. Nachdem es seinen Teil verdrückt hat, während ich nicht mal die Hälfte von meinem Teller gegessen habe, schaut es noch immer hungrig aus, so dass ich ihr meinen Rest rüberschiebe.

Anschließend mache ich das Sofa im Wohnzimmer zurecht, so dass sich die junge Frau erst einmal ausschlafen kann. Nachdem ich den Tisch abgeräumt habe, liegt sie bereits unter der Decke und hat die Augen geschlossen. Wieder muss ich meinen Eindruck von ihrem Alter auf 21 bis 22 Jahre revidieren. Ich lösche das Licht und begebe mich ins Bad. Als ich mich unter den heißen Wasserstrahlen entspanne, lasse ich den Tag revue passieren. Nachdem auch ich endlich ins Bett falle, schlafe ich sofort ein.

Als ich einige Zeit später im Dunkeln ein Geräusch höre, öffne ich ein Auge, denn richtig wach bin ich nicht. Ich sehe, dass die junge Frau langsam auf mein Bett zukommt und dabei nichts an hat. Ich denke zuerst, dass mir meine Sinne wieder einen Streich spielen, als die junge Frau sich zu mir ins Bett legt und ganz dich zu mir rückt. Sie fasst mich überall an und ergreift meine Hände, legt sie auf ihre Brüste und in ihren Schoss. Anschließend massiert sie mein Geschlechtsteil, so dass ich eine gewaltige Erektion bekomme, wie schon seit Jahren nicht mehr. Ich schaue ihr ins Gesicht. Als sie sich auf mich setzt, erkenne ich, dass diese Frau mindestens 3o bis 33 Jahre alt sein muss und phantastisch aussieht und einen tollen Körper besitzt, den sie meisterlich einzusetzen weiß. Nach einigen Stößen ereilt mich ein gewaltiger Orgasmus, so stark, wie ich ihn im ganzen Leben nicht hatte. Während sie stöhnend ihre Schenkel an mich presst, spüre ich, dass sie ebenfalls ihren Höhepunkt erreicht hat. Wir begeben uns in Löffelchenstellung und ich schlafe zufrieden ein.

Die Sonnenstrahlen, die zwischen der Gardine und dem Vorhang hervorlugen, wecken mich. Ich blinzle, kann mich aber nicht dazu durchringen, die Augen völlig zu öffnen. Ich drehe mich auf die Seite und spüre einen Körper neben mir, der sich klebrig und nass anfühlt. Ich reiße die Augen auf und schaue ins Gesicht einer etwa 40-jährigen Frau, die mich mit starrem Blick ansieht. Ich schaue an ihr herunter und sehe die erschlafften Brüste, die mit Blut besudelt sind. Ich bin so geschockt, dass ich einen Moment brauche, um aus dem Bett zu springen. Ich ziehe die Bettdecke von dem Körper der Frau zurück. Ich kann es kaum glauben: In ihrem Bauch steckt eines meiner Steakmesser und aus vielen Löchern tropft Blut heraus. Ich drehe der Leiche den Kopf, so dass ich ihr ins Gesicht schauen kann. Die etwa 50 jährige Frau hat den Mund wie zu einem Schrei weit geöffnet. Sie ist eindeutig tot! Ich bin in Panik. Weiß nicht weiter. Ich decke den Körper wieder zu, ich kann den Blick ihrer toten Augen nicht ertragen.

Nachdem ich mich ein wenig beruhigt habe und die letzten 24 Stunden im Geiste an mir vorüberziehen lasse, finde ich keine Erklärung für all das. Entweder bin ich verrückt geworden oder jemand spielt mir einen fürchterlichen Streich. Aber wer würde einen solch widerlichen abartigen Scherz mit mir abziehen? Mir fällt niemand ein, dem ich das zutrauen würde. Zuerst überlege ich noch, die Leiche zu entsorgen und danach sauber zu machen. Ich weiß aber, dass die Forensik  so weit fortgeschritten ist, dass das alles nichts nützen würde. Und wenn jemand hier in der Gegend vermisst werden würde, würde man dank meines Auftretens gestern Abend im Polizeirevier sicher auch an mich denken und die Sache eingehend untersuchen. Letztlich entscheide ich mich, auf dem Revier anzurufen, auch wenn das möglicherweise heißt, für die nächsten 20 bis 30 Jahre ins Gefängnis zu müssen. Nach einigem Zögern greife ich zum Telefon und benachrichtigte die Polizei. Ich erkläre dem Beamten am Telefon die gesamte Situation und auch, dass ich gestern Abend bereits auf dem Revier war. Der Mann reagiert etwas betreten und teilt mir mit, dass er mir seine Kollegen vorbeischicken werde, um die Sache zu klären.

Ich sitze im Wohnzimmer, hatte mich vorher gewaschen und vernünftig angezogen, sogar eine kleine Reistasche hatte ich gepackt mit allem, was man meiner Meinung nach für einen Gefängnisaufenthalt benötigt. Dann male ich mir aus, wie mein Leben weitergehen würde in einer Zelle sitzend. Als die Klingel schrillt, wirft mich das Geräusch aus meinen Gedanken. Ich gehe zur Tür und lasse das halbe Dutzend Polizisten und Forensik-Beamten hinein. Einer der Männer spricht mich an und fragt nach der Leiche. Ich gehe mit ihm zur Schlafzimmertür und schaue ihn mitleidig an; der Anblick der Toten wird ihm mit Sicherheit den Tag verderben. Ein anderer Beamter mit offenbar psychologischer Ausbildung nimmt mich zur Seite und bedeutet mir, nicht mit in das Zimmer zu gehen. Ich bin einverstanden und sehe, wie die Polizisten und die Forensiker ins Schlafzimmer gehen und die Tür hinter sich schliessen.

Nach geschätzten zehn Minuten kommt der führende Beamte ins Wohnzimmer und schaut mir ins Gesicht. Er scheint verunsichert. Ich kenne den Blick bereits von den Beamten vom Vorabend und fragte frei heraus: „Keine Leiche zu finden?“

Der Beamte verkneift sein Gesicht und antwortet: „Doch, es gibt eine Leiche.“

Für mich bricht die Welt zusammen.

„Aber“, sagt er, „die Dame ist nicht heute Nacht gestorben. Genaugenommen nicht mal diese Woche oder diesen Monat. Möglicherweise nicht mal dieses Jahr.“

Ich schaue dem Beamten, der vor mir steht, von meinem Sitzplatz auf der Couch ins Gesicht und stammle etwas Undefinierbares.

Der Beamte faßt mir an die Schulter und bewegt mich, aufzustehen. Dann führt er mich ins Schlafzimmer. Als er die Decke von der Leiche hebt, sehe ich den verschrumpelten Körper einer uralten Frau, die bestimmt ihre 80 bis 90 Jahre auf dem Buckel haben dürfte. Dabei wirkt sie auf mich wie eine ausgetrocknete Mumie, so wie man das aus dem TV kennt. Der Beamte bemerkt: „Wie sie sehen, kann diese Frau unmöglich hier gestorben sein. Und wie Sie sicher schon bemerkt haben, ist auch kein Blut zu sehen.“

Ich schaue genauer hin. Und tatsächlich, die Laken sind nicht von Blut durchnäßt. Eher schmutzig, erdig, als wenn sich jemand an der Mumie zu schaffen gemacht hat. Mich schüttelt es und ich muß würgen. Der Beamte stützt mich, da mir die Beine wegknicken als mir klar wird, dass ich es wohl war, der sich mit dieser Mumie im Bett vergnügt hat. Der Beamte bemerkt: „Sie wissen sicherlich, dass das eine strafbare Handlung ist, oder?“

Ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll und nicke nur kurz.

Er erklärt mir: „Das ist zwar nicht so schlimm wie ein Mord, trotzdem müssen sie wegen Störung der Totenruhe mit einer Strafe rechnen. Sie müssen sagen, woher die Tote stammt, wo haben sie die alte Frau ausgegraben?“

Ich antworte nur: „Ich weiß es nicht mehr…“

Er erklärt mir noch: „Ich rate Ihnen dringend zu einer Therapie!“

Ich bin froh, keinen Mord begangen zu haben. Doch das Ganze ist ein absolutes Mysterium für mich. Ich kann nicht begreifen, wie das alles geschehen konnte…

Ende

Copyright (C) 2012 by Mona Mee und Martina Müller (Überarbeitung)

Bildrechte: Untot – Wiedergänger-, Gespenster-, Geister- & Zombiegeschichten” (Zeichnung untot.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Coverillustration “TräumeundVisionen” (20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “TräumeundVisionen-86-minus72-minus16.jpg” (Originaltitel: 20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Bildrechte: Coverillustration “SkurileGeschichten1.jpg ” (SKURILE GESCHICHTEN-SPIRALE-20110114083935-8edac2f8) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Leseempfehlung der Autorin:


Chance, Karen
Verlockend untot

Roman

Übersetzt von Brandhorst, Andreas
Verlag :      Piper
ISBN :      978-3-492-26851-6
Einband :      Paperback
Preisinfo :      9,99 Eur[D] / 10,30 Eur[A] / 14,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 15.06.2011
Seiten/Umfang :      496 S.
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      13.01.2012
Aus der Reihe :      Piper Taschenbuch 6851
Fantasy  6851

Cassie Palmer ist zurück! Nun muss sich die Seherin der magischen Gemeinde mit den Problemen herumschlagen, die so ein Job mit sich bringt. Nach einer Zeremonie wird ihre Macht sich nämlich erst vollständig entfalten – doch so weit wollen es ihre Feinde am liebsten gar nicht kommen lassen. Sie versuchen, Cassie vorher zu töten, und gehen dabei nicht gerade zimperlich vor: Ein Dämon bemächtigt sich Cassies Körper, und es erfordert all ihre Tricks und die Kräfte ihrer Freunde, allen voran eines gewissen attraktiven Kriegsmagiers Pritkin, um sie aus den Klauen ihres Peinigers zu befreien. Und wenn möglich, bevor der Dämon sie in ihrer eigenen Badewanne ertränkt.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens 1 Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

4 Comments

Add a Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme