sfbasar.de

Literatur-Blog

STONEHENGE – Leseprobe (Teil 2) aus dem gleichnamigen Band von Barbara Wegener (sfb-Preisträger “Beste Leseprobe Sommer 2013″)

STONEHENGE

Leseprobe (Teil 2) aus dem gleichnamigen Band

von

Barbara Wegener

(Zum vorherigen Teil)

„Hilfe! Hört mich jemand? Ich stecke im Aufzug fest!“

Max schüttelte den Kopf. Charly war bestimmt schon fast zuhause. Er konnte sie gar nicht hören. Selbst, wenn sie tatsächlich im Aufzug stecken geblieben wäre, hätte er sie nicht in dieser Lautstärke hören können. Er musste sich das nur eingebildet haben.

Max ging vorsichtig durch den vom Mond erhellten Flur zurück in sein Zimmer, um sich fürs Bett fertig zu machen.

„Hilfe! Hört mich jemand? Ich stecke im Aufzug fest!“

Laut und deutlich, so als wenn sie direkt neben ihm stehen würde, hörte er Charly rufen. Max lief zur Wohnungstür und riss sie auf.

„Charly?“, rief er aufgeregt und es kümmerte ihn nicht, dass er möglicherweise die Nachbarn mit seinem Rufen wecken würde.

„Ich bin hier! Hier im Aufzug!“, hörte er Charlys Stimme, nun etwas leiser aus dem Fahrstuhlschacht. „Ich stecke zwischen der zweiten und dritten Etage fest.“

„Bleib ruhig. Ich hol den Hausmeister.“ Max lief die Treppen bis ins Erdgeschoss hinunter und drückte auf den Klingelknopf von Hubert Heim, dem Hausmeister dieses Hauses, doch es folgte nicht der übliche Westminsterklang, den Heim als Klingelton gewählt hatte. Max seufzte und klopfte nun laut an der Tür.

Doch der Hausmeister öffnete nicht. Stattdessen hörte er eine Stimme aus der ersten Etage. Er hatte Oma Weinhaupt geweckt.

„Wer macht denn hier zu nachtschlafender Zeit solch einen Lärm? Wisst ihr überhaupt wie spät es ist? Gebt Ruhe, sonst hole ich die Polizei!“, rief sie aufgebracht.

„Oma Weinhaupt? Hier ist Max. Ich brauch den Hausmeister. Charly steckt im Aufzug fest“, entschuldigte sich Max zu ihr gewandt.

„Der Hubert ist nicht da. Der ist doch seit gestern im Urlaub. Spanien, glaub ich. Als Hausmeister scheint man ja ordentlich zu verdienen“, antwortete sie. „Da solltest du am Besten die Feuerwehr rufen. Oder noch besser die Polizei. Die wissen bestimmt, was zu tun ist. Warte. Ich ruf mal an. Dann musst du nicht so weit hoch laufen.“

Max hörte, wie sich ihre schlurfenden Schritte entfernten. Nach nur wenigen Augenblicken war sie zurück.

„Das Telefon geht nicht. Auch nicht das Handy, das Dörthe mir zum Geburtstag geschenkt hat. Ich versteh das nicht. Das Handy hat doch gar nichts mit unserem Sicherungskasten und mit dem Strom zu tun. Das funktioniert doch mit Batterien oder hab ich da was falsch verstanden? Immer dieser neumodische Kram“, schimpfte sie aufgebracht.

Max lief die Treppe bis zur dritten Etage hoch und kniete sich vor die Aufzugtür.

„Charly? Hörst du mich? Der Hausmeister ist nicht da. Der Strom im gesamten Haus ist ausgefallen. Die Polizei kann ich nicht rufen. Das Telefon funktioniert nicht.“

„Max, hol mich hier raus! Ich hab Angst!“ Charlys Stimme hörte sich wie ein Wimmern an.

In seiner Verzweiflung zog und zerrte Max an den Aufzugtüren. Ihm war klar, dass er sie nicht öffnen konnte. Umso erstaunter war er, als er spürte, dass sich die Türen leicht zur Seite bewegt hatten. Max spürte eine enorme Kraft in sich wachsen. Er versuchte es noch einmal. Wieder ein Stück. Nun war der Spalt bereits so groß, dass er mit seinen Fingern hinein fassen konnte. Die Türen bewegten sich immer weiter und es fiel ihm immer leichter, sie auseinander zu drücken.

„Charly? Ganz ruhig. Versuch dich hochzuziehen. Warte. Hier sind meine Hände. Ja, gut so.“ Max zog seine Freundin Zentimeter für Zentimeter aus dem Fahrstuhlschacht. Ein letzter Ruck und sie saß vor ihm auf dem Flurboden. Erleichtert schloss er sie in seine Arme.

„Sag mal, machst du heimlich Kraftsport?“ Charly sah ihn erstaunt an. „Also, ich hätte die Tür nicht aufbekommen.“

„Du weißt, dass ich Handball spiele. Klar, hab ich da ein wenig Kraft, aber die Tür hätte ich normalerweise auch nicht öffnen können. Ich hab keine Ahnung, wie ich das gemacht hab. Es ging ganz einfach. Oma Weinhaupt?“, rief er nach unten. „Können Sie kurz auf Charly aufpassen, damit ich meine Jacke holen kann? Ich werde sie nach Hause begleiten. Nach all dem, was grade passiert ist, sollte sie nicht alleine gehen.“

Max begleitete seine Freundin zum Haus ihrer Eltern und wartete davor, bis sie die Haustür hinter sich geschlossen hatte. «

*

Wulf blätterte die Seite des alten, zerlesenen Buches um. Er ging vorsichtig zu Werk, damit das brüchige Papier nicht noch mehr einriss. Die Kapuze seines braunen Umhangs war ihm vom Kopf gerutscht und gab ein uraltes, verwittertes Gesicht preis. Wulf nahm einen weiteren Schluck Met aus dem Humpen und las weiter.

*

Thomas und Daniel schlichen gebückt um die Tanksäule und beobachteten den Kassierer, der gelangweilt in einer Sportzeitung las. Um diese späte Nachtzeit rechnete er nicht mehr mit viel Kundschaft. Seufzend blickte er auf seine Uhr. Fast zwei. Noch vier Stunden bis seine Schicht vorbei war. Er freute sich schon auf seinen Schlummertrunk, sein warmes Bett, in dem Ellen auf ihn wartete und auf den freien Tag, den sie gemeinsam verbringen wollten.

Er bemerkte die beiden vermummten Gestalten erst, als das Summen der elektrischen Schiebetür ihren Eintritt in die Verkaufshalle kundtat. Die Tür hatte er vor wenigen Minuten geöffnet, damit die Putzfrau den Raum betreten konnte. Normalerweise wurden die Kunden um diese Uhrzeit über den Nachtschalter bedient und die Tür war verschlossen. Da er aber viel zu bequem war, öffnete er die Schiebetür stets einige Minuten vor dem Eintreffen der Reinigungskraft.

Wie gewohnt wollte er seine späten Kunden begrüßen, als ihn die Aufmachung der Beiden erstarren ließ. Ein Überfall. Das war nun schon der Dritte, den er miterleben musste. Sein Chef hatte Anweisung gegeben, sich in solchen Fällen nicht zu wehren, um die Verbrecher nicht gegen sich aufzubringen. Geld und Waren konnten ersetzt werden. Sie waren versichert und kein Menschenleben wert.

Schon richtete einer der Räuber eine Pistole auf ihn.

„Scheiße!“, fluchte der Kassierer verhalten und hob instinktiv die Hände. Mit dem nahen Feierabend war es wohl vorbei.

„Geld raus! Sofort!“ Thomas bemühte sich seinen Kopf gesenkt zu halten, damit er von der Überwachungskamera nicht erfasst werden konnte. „Los! Wird’s bald?“ Er hielt dem Kassierer eine Plastiktüte vor das Gesicht. Daniel umrundete die Verkaufstheke und bediente sich an den dort ausgestellten Zigarettenstangen.

Der Kassierer öffnete ergeben die Registrierkasse, entnahm die wenigen Geldscheine, die sich um diese Zeit dort befanden, und legte sie in die Tüte. Thomas griff nach ihr, nahm sich noch ein Päckchen Kaugummi aus der Auslage, stopfte einige Zigarettenstangen, die Daniel ihm reichte zu dem Geld und drehte sich zur Tür.

Kaum war er zwei Schritte gegangen, erlosch das Licht im Verkaufsraum.

„Was hast du gemacht?“, schrie Thomas wutentbrannt.

„Ich?“ Der Kassierer, der immer noch mit erhobenen Händen hinter dem Tresen stand, sah ihn angsterfüllt an. „Ich hab nichts gemacht, verdammt noch mal. Ich steh hier doch ganz ruhig.“

„Das kannst du deiner Oma erzählen.“

„Los, weg hier!“, rief Thomas seinem Kumpan zu und beide beeilten sich zur Schiebetür zu gelangen.

Die Tür ließ sich nicht öffnen. Wütend hämmerten beide mit ihren Fäusten gegen das Glas. Doch auch das nützte nichts.

Thomas drehte sich um und richtete die Waffe erneut auf den Kassierer.

„Mach das Scheißding auf!“

„Das kann ich nicht. Der Strom ist weg und ohne Strom…“

„Erzähl nichts. Du hast die Bullen gerufen.“ Thomas panische Stimme überschlug sich. Die Waffe in seiner schweißnassen Hand wurde immer schwerer. Der Kerl hatte irgendwie einen Alarm ausgelöst, aber, die würden ihn nicht erwischen!  dachte er und drückte ab.

Ungläubig starrte der Kassierer auf die Wunde in der Brust, aus der das Blut pulsierte. Sterbend glitt er zu Boden. (…)

(Zum nächsten Teil)

Copyright © 2012 by Barbara Wegener

Wer wissen will, wie es weitergeht, kann den folgenden Titel als ebook bestellen:

Eine mysteriöse Wolke ummantelt die Erde, um deren Zukunft für immer zu verändern. Das Leben, wie man es kennt, existiert fortan nicht mehr. Jegliche Technik ist unbrauchbar, stattdessen verfügen einige Menschen über Magie, andere werden zu blutrünstigen Monstern. Nach Jahrhunderten des Chaos wird endlich „Lysan“ die Auserwählte geboren, die den finsteren Machenschaften ein Ende setzen kann. Eine Mission, die Lysan und ihre Gefährten zum sagenumwobenen Stonehenge führt.

Barbara Wegener: Stonehenge (ebook)

Format: Kindle Edition
Dateigröße:
258 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe:
178 Seiten
Verlag:
Satzweiss; Auflage: 1 (30. Januar 2013)
Verkauf durch:
Amazon Media EU S.à r.l.

Titel bei amazon.de

Auch erhältlich bei thalia.at

7 Comments

Add a Comment
  1. Ich habe mal den Bestelllink in Ordnung gebracht, der führte ins Leere. Jetzt klappt alles wieder.

    Ansonsten: Geiles Teil, Barbara. Das Thema ist derzeit ja langsam am kommen und deswegen passt dein Buch super. Lässt du es übersetzen, um auch den englischsprachigen Markt zu begeistern? 🙂

  2. Danke Günther. Das lag daran, dass Amazon das Buch eine Woche lang nicht angeboten hat. Danach haben die einfach die ASIN geänerdert. Böses Amazon! 🙁 Ich glaube bei Teil 1 habe ich das geändert – muß mal nachsehen, muß dran denken, es bei Teil 3 noch zu aktualisieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme