sfbasar.de

Literatur-Blog

STERN (1) – Eine Fantasygeschichte von Günther K. Lietz

STERN

Eine Fantasygeschichte
von
Günther K. Lietz

Kapitel 1: Die Herausforderung

Mit einer letzten Kraftanstrengung seiner überarbeiteten Muskeln zog sich der dunkelhäutige, hagere Mann an der hölzernen Querstange hoch, um sich dann erschöpft zu Boden fallen zu lassen. Die Beine versagten ihm den Dienst und er landete auf seinem Hintern. Müde wischte er sich mit der linken Hand den Schweiß von der Stirn. Er atmete unkontrolliert und seine Muskeln schmerzten, aber der Hagere war mit sich zufrieden.

Er hatte den ganzen Morgen in der Arena an den Bauten geübt. Die Arena war ein großer Kreis, der aus hohen Steinblöcken gebildet wurde. Es gab nur einen Zugang, der durch ein Holztor versperrt werden konnte. Nun stand das Tor offen. Wenn es in der Arena Kämpfe gab stand die blutgierige Meute auf den Steinen und klatschte jedem guten Hieb Beifall. Der unterlegene Kämpfer erhielt in dem Fall nur Spott und Hohn. Jetzt stand auf der Mauer nur ein feister Kerl, der den Hageren beobachtete.

Der feine weiße Sand war vom letzten Kampf noch unordentlich. Dort wo ein Gladiator den Tod gefunden hatte waren braune Flecken zu sehen, die von eingetrocknetem Blut stammten. Der Geruch nach Tod und Verderben lag in der Luft, dazu der Duft von gebratenem Fleisch von außerhalb der Mauer. Raues Lachen und einzelne Hammerschläge waren zu hören.

Der Feiste klatschte kraftlos in die Hände. „Eine gute Vorstellung, Sandfels“, rief er müde nach unten. „Aber Du solltest dich nicht verausgaben.“

Sandfels sah blinzelnd zum Feisten hoch, der gegen die Sonne stand. „Ich weiß meine Kräfte einzuteilen, Grasmann. Sorge dich nicht um mich. Schau lieber nach dem Essen. Ich habe Hunger,“

„Wir haben vieles gemein“, erwiderte der Feiste und machte sich an den Abstieg. Unbeholfen ließ er sich von der Mauer gleiten und landete hart im heißen Sand. Eine braune Frauenhand legte sich auf Grasmanns Schulter und stützte ihn.

„Vorsicht“, kicherte eine zierliche junge Frau, die in ein azurblaues Gewand gehüllt war und einen karmesinroten Schleier aus Seide trug. Ihre anmutige Haltung verriet dem Betrachter sofort ihre edle Herkunft. „Achte auf Deine Schritte, mein Gebieter. Sonst werde ich mir bald einen neuen Meister suchen müssen. Wobei ich nicht weiß ob so fette Hälse leicht brechen können.“ Ihre Sprache stand im Gegensatz zu ihrer Haltung und ließ hinter dem Schleier eine Gassenhure vermuten.

„Achte auf Deine Worte, Wüstenhauch. Sonst werde ich mir eine neue Sklavin suchen.“

„Ja, mein Meister.“ Wüstenhauch ließ Grasmann los und trat einen Schritt zurück. Sie verneigte ihren Kopf demütig. „Entschuldigt. Ihr habt recht. Ich werde eine gehorsame Sklavin sein und Euch Bratfleisch bringen, damit ihr Euren Wanst füllen könnt, mein Gebieter.“ Sie drehte sich um und tippelte mit kleinen Schritten ins Zeltlager.

Das Lager bestand aus fast zwei Dutzend niedrigen bunten Zelten die mit Seidentüchern versehen waren. Sie waren ohne jegliche Ordnung aufgebaut worden und bildeten ein farbiges Wirrwarr, in dem irgendwo ein kleines Feuer brannte auf dem das Fleisch briet.

Zwischen den Zelten waren mehrere Männer mit ihrer Arbeit beschäftigt. Sie trugen weiße oder schwarze Kaftane, blaue Turbane und rote Schleier. Sie waren mit kostbar aussehenden Krummschwertern bewaffnet, die in kunstvoll verzierten Lederscheiden staken.

Etwas abseits des Lagers standen Kamele, deren Vorderfüße mit kurzen Stricken zusammengebunden waren. Dadurch waren die Tiere nur in der Lage kleine Schritte zu machen und entfernten sich nicht weit vom Lager.

Leises Gemurmel drang an Wüstenhauchs Ohren, als sie das Lager betrat. Sie ging zum Feuer, wo der Koch gerade dabei war gare Fleischstücke vom Feuer zu nehmen und frisches Fleisch nachzulegen. Der Duft des Fleischs war angenehm und vermischte sich mit dem Geruch verschiedener Gewürze und Öle, die auch als Waren mitgeführt wurden.

Als der Koch Wüstenhauch erblickte leuchteten seine Augen auf. „Liebliche Tochter des Sandes und Idol aller Frauen, es ehrt mich Dich an meinem Feuer zu sehen. Das Fleisch der Echse ist gut und sehr schmackhaft. Schönste der Frauen, nimm Dir soviel du möchtest und erfreue mich mit Deinem Anblick.“

„Mein Meister wünscht zu speisen. Gib mir ein zähes Stück ohne jeglichen Geschmack.“

„Dein Wunsch ist mir Befehl, o liebliche Blume der Wüste.“ Der Koch nahm ein kleines hölzernes Brett zur Hand und legte unter Zuhilfenahme eines scharfen Messer zwei große Stücke Bratfleisch darauf. „So zart wie Ihr es wünschtet.“

Wüstenhauch nahm das Brett entgegen und verneigte sich kurz. Dann wandte sie sich vom Feuer ab und ging zurück zur Arena.

Grasmann und Sandfels hatten sich vor dem Tor niedergelassen und waren in ein ernstes Gespräch vertieft. Als sie Wüstenhauch bemerkten schwiegen sie und warteten bis ihnen das Holzbrett gereicht wurde.

„Hab Dank, Sklavin.“ Grasmann zog einen kleinen Dolch und schnitt sich ein mundgerechtes Stück vom Fleisch. Sandfels folgte seinem Beispiel und bot Wüstenhauch ebenfalls Braten an. Schon bald saßen die drei kauend im Sand.

„Worüber habt ihr euch vorhin unterhalten, mein Herr?“ fragte Wüstenhauch zwischen zwei Bissen.

„Über den bevorstehenden Kampf. Sandfels glaubt es genügt einfach in die Arena zu treten und Schattenklinge zu erschlagen. Ich dagegen bin der Meinung, dass es einer genauen Planung bedarf.“

„Schattenklinge ist eine gute und schnelle Kämpferin, die ihren Namen zu recht verdient“, entgegnete Wüstenhauch. „Es genügt nicht sie einfach erschlagen zu wollen. Nur wer mit dem ganzen Herzen dabei ist und dessen Willen dem Gegner überlegen ist wird siegen.“

Sandfels schloss versonnen die Augen. „Ich bin was ich bin. Schattenklinge mag zwar gut sein, aber ich bin besser. Und wenn die Sonne mich zu sich ruft, werde ich ihrem Ruf eben folgen.“

„Gut“, meinte Grasmann. „Du hast gelernt Dich selbst zu akzeptieren. Das ist die wichtigste Voraussetzung, um den Kampf bestehen zu können. Falls Du siegst, solltest Du nicht überheblich werden, sondern so bleiben wie Du bist.“

„Falls ich siege? Ich hoffe das ist kein Misstrauen in meine Fähigkeiten. Ich werde Schattenklinge töten und Stern an mich nehmen.“

„Keine Selbstzweifel, dass wird Dir beim Sterben helfen. Du wirst erst Angst bekommen wenn es zu spät ist“, meinte Wüstenhauch spöttisch und spuckte ein zähes Stück Fleisch aus. „Und ich werde zu meinen Vater zurückkehren.“

„Er war froh Dich loszuwerden“, erinnerte Grasmann Wüstenhauch. „Er wird Dich mit offenen Armen empfangen und durch die Hintertüre an den nächsten Händler übergeben. Und der ist dann vielleicht nicht so freundlich wie ich.“

„Sklavenhalter sind nie freundlich“, erwiderte Wüstenhauch trotzig. „Nur mein Wort bindet mich an Dich.“

„Und mein Gold“, schnaubte Grasmann. „Immerhin habe ich Dich nie angerührt. Du solltest mir dankbar sein.“

„Dein Silber verschwindet sobald Sandfels tot ist. Und wer mich anrührt bestimme noch immer ich.“

„Weil ich Dir deinen Willen lasse und ihn nicht breche. Sollte Sandfels verlieren geht mein Vermögen an Schattenklinge über. Und Du gehörst dann ihr.“

„Ich weiß es und habe mich darauf vorbereitet, Meister.“

„Wähne Dich nicht in Sicherheit weil Schattenklinge eine Frau ist. Sie könnte deine Unschuld trotz allem beflecken.“

„Sie kommen“, rief Sandfels plötzlich aus und sprang auf die Füße. Seine rechte Hand umklammerte dabei die einfache Scheide seines Krummsäbels. Sein Blick war starr nach Norden gerichtet. „Seltsam, ich sehe nur einen Reiter.“

Grasmann legte das Holzbrett zur Seite und erhob sich ebenfalls. „Du hast recht. Der Zeitpunkt stimmt, aber es müssten viel mehr Reiter sein. Das Land um die Arena herum ist gefährlich. Niemand kann sich alleine gegen die Sandbestien wehren.“

Wüstenhauch kicherte leise. „Glaubt Ihr wirklich, dass die Trägerin von Stern auf die Hilfe anderer Leute angewiesen ist?“ Die beiden Männer kannten die Antwort und ihnen war nicht ganz wohl bei dem Gedanken daran.

Grasmann schickte Wüstenhauch ins Lager, um die Männer zu informieren. Er selbst und Sandfels blieben am Tor stehen und erwarteten die Ankunft von Schattenklinge.

Die Reiterin war in gelbes Tuch gekleidet und reiste mit leichtem Gepäck. Ihr Gesicht war nicht verschleiert und verriet, dass sie nicht aus der Wüste stammte. Schattenklinge hatte weiße, fast bleiche Haut und wirkte kränklich. Sie saß auf einem klapprigen Kamel, das jeden Moment umzufallen drohte.

„Das Kamel wird den Rückweg nicht schaffen“, meinte Sandfels.

„Das braucht es auch nicht. Entweder Schattenklinge stirbt oder sie übernimmt mein Eigentum. Immerhin habe ich für Dich gebürgt. Du bist zwar ein fähiger Kämpfer, aber arm wie die Bettler in Kristallhort. Ich stehe mit meinem Vermögen für Dein Schwert.“

„Und ich bin Dir auch Dankbar dafür, Grasmann. Vertraue mir, ich werde siegen.“

Die Reiterin ließ dem Kamel sein eigenes Tempo und sie ritt gemächlich zum Tor. Sie stoppte erst kurz vor Sandfels und betrachtete ihn ausgiebig. „Du bist also der diesjährige Herausforderer?“

Sandfels nickte kurz. „Ich nehme mir das Recht um Stern zu kämpfen.“ Schattenklinge wirkt jung, obwohl sie über vierzig Sommer alt sein muss, dachte er. So haben es mir die Mönche von Hochfels berichtet. „Der Sieger bekommt alles, der Verlierer den Tod.“

„Und Du bist der Mann der sein Vermögen als Pfand einsetzt?“ wandte sich Schattenklinge an Grasmann. „Ich hoffe Du hast Dir das gut überlegt.“

„Das soll nicht Eure Sorge sein, meine Dame. Ihr habt nicht viel Gepäck?“

„Mach Dir keine Sorgen um den Preis. Stern ist mehr wert als du Dir vorstellen kannst. Werden noch weitere Leute eintreffen?“

„Nein, niemand weiß das es zu einem Kampf um Stern kommen wird. Wir waren sehr verschwiegen, so wie es die Tradition verlangt.“

„Ihr habt euch einen abgelegenen Platz zum kämpfen ausgesucht. Was ist der Grund dafür?“

„Sobald Sandfels Stern besitzt werden wir nach Palmenhain reisen und ein Schiff nach Kristallhort besteigen. Die Arena liegt auf dem Weg und die diesjährigen Kämpfe haben schon stattgefunden.“

„Du bist Dir sehr sicher, dass Dein Schützling gewinnt, Grasmann. Aber in den letzten Jahren haben mich viele Kämpfer gefordert und noch immer trage ich Stern.“

„Irgendwann kommt für jeden die Zeit Stern abzugeben“, erklärte Sandfels. „So war es einst auch bei Deinem Schwertträger.“

Schattenklinge lächelte grimmig und zuckte kurz zusammen, als wäre sie von der Erinnerung an einen alten Kampf überwältigt worden. „Du hast recht, aber ich fühle meine Zeit noch nicht gekommen.“ Sie saß ab und ließ das Kamel seiner Wege gehen. Unter ihrem Gewand lugten die Griffe zweier Schwerter hervor. Der eine Griff war aus Elfenbein gebildet und mit einem grünen Smaragd verziert, der andere Griff war aus mit Leder umwickelten Holz gefertigt und wirkte schäbig.

„Wir wählten den Ort und Du entscheidest über den Zeitpunkt“, erklärte Sandfels.

„Ich kenne die Regeln der Herausforderung“, wies ihn Schattenklinge unwirsch zurecht. „Achte lieber darauf, dass Du Deinen Kopf behältst. Der Kampf wird zu einem Zeitpunkt meiner Wahl stattfinden. Jetzt will ich meinen Durst stillen und etwas von dem Fleisch essen, das man viele Meilen weit riecht. Ihr solltet Wachen aufstellen, der Geruch könnte Gesindel anziehen.“

„So kurz nach den Kämpfen ist die Arena verlassen und niemand hält sich in ihrer Nähe auf.“

„Du setzt vieles voraus was vielleicht nicht stimmt. Denke an meine Worte wenn Dein Leben bedroht ist.“ Schattenklinge wandte sich von Sandfels ab und schritt mit weiten Schritten auf das Lager zu. Sie folgte ihrer Nase und gelangte zielstrebig zum Lagerfeuer.

Dort saß Wüstenhauch neben dem Koch und sah Schattenklinge neugierig an. „Du bist wohl die legendäre Kämpferin mit dem Zauberschwert?“ fragte sie und fügte hinzu: „Natürlich, wer sonst würde so stolz in ein fremdes Lager gehen, ohne um sein Leben zu Bangen.“

Schattenklinge ließ sich Wüstenhauch gegenüber nieder. „Gib mir Fleisch und Wasser!“ befahl sie dem Koch, der widerspruchslos gehorchte. „Und wer bist Du?“

„Ich bin Wüstenhauch, eine Sklavin Grasmanns.“

„Sklavin?“ Schattenklinge zog erstaunt die Augenbrauen hoch. „Grasmann gehört zum Volk der Nordmenschen. Sie sind dafür bekannt die Sklaverei zu verachten.“

„Nun, der Dicke hat mir damit eher einen Gefallen getan. Ich komme von zu Hause weg und er darf sich Herr nennen.“

Der Koch grinste und reichte Schattenklinge ein Brett mit Fleisch und einen Schlauch mit Wasser. Sie befeuchtete ihre Hände mit dem warmen Nass und benetzte dann ihre Stirn, ohne einen Schluck zu trinken. Dann schnitt sie sich mit einem feinen Messer ein kleines Stück Braten ab und warf es hinter sich in den Sand, bevor sie zu essen begann. „Etwas fade. Der Duft macht ein Versprechen, das er nicht hält.“

„Ich finde es lecker“, verteidigte Wüstenhauch den Koch.

„Du musst noch viel lernen, Sklavin. Gehst du mit dem Schwert so plump um wie mit den Worten?“

„Ich habe noch nie ein Schwert in der Hand gehalten“, entgegnete Wüstenhauch mit zornigem Blick ihrer dunklen Augen. „Ihr seid recht unhöflich.“

„Du urteilst über andere, ohne Deine eigenen Fehler zu erkennen. Das ist nicht gut.“

„Sandfels wird euch zeigen wer seine Fehler nicht erkennt. Er ist ein fähiger Kämpfer, der beste den ich je gesehen habe.“

„Ich glaube Du bist unter dem Schleier wunderschön. Warum entstellst Du dein Antlitz durch Zorn? Verlief dein Leben bisher so unzufrieden?“

Wüstenhauch hob impulsiv die Hand zum Schlag. Doch bevor sie Schattenklinges Wange berührte hielt sie inne. Ihre Hand zitterte vor Anspannung und Wut. „Haltet Euch aus meinen Belangen heraus. Mein Leben geht Euch nichts an.“

Schattenklinge beachte die knapp vor ihr schwebende Hand nicht und lächelte freundlich. „Es wird an Deiner Familie liegen. Diese Ausrede benutzen auch die anderen Unzufriedenen.“

„Meine Familie geht Euch ebenfalls nichts an“, stieß Wüstenhauch grimmig hervor und nahm ihre Hand zurück. Es kostete sie viel Mühe, sich unter Kontrolle zu halten. Sie mochte Schattenklinge nicht und hoffte Sandfels würde siegen.

„Wenn dein hagerer Freund sich ebenso in der Gewalt hat wie du es gerade gezeigt hast, so kann er vielleicht die ersten Minuten überleben. Aber siegen wird er nicht. Stern wählt sich seinen Träger selbst. Und Sandfels ist nicht würdig die Klinge zu führen. Der Nordmensch wird sein Vermögen an mich abtreten müssen. Und ich bin kein gnädiger Sklavenhalter.“

Wüstenhauch wollte etwas entgegnen, riss sich aber zusammen. Sie verabscheute Schattenklinges Art, weil sie in ihr einen Teil des eigenen Ichs entdeckte. Und das machte sie wütend. Wüstenhauch gierte danach die Kämpferin für diese Ähnlichkeit zu bestrafen, aber sie wusste das ihr keine Möglichkeit blieb gegen Schattenklinge zu bestehen. Sie musste andere Wege suchen und warten bis sich eine Gelegenheit ergab. Vielleicht würde Sandfels dafür Sorgen das Schattenklinge ihre Strafe erhielt. Jedenfalls hoffte Wüstenhauch es. Sie stand mit der ihr angeborenen Geschmeidigkeit auf und ging zu ihrem Zelt. Sie wollte in Ruhe nachdenken.

Schattenklinge blickte Wüstenhauch lächelnd noch lange nach. Sie fühlte ein Band der Verbundenheit und wusste wie die Sklavin in diesem Moment fühlte und dachte. Sie war ihr ähnlich. Es hatte Zeiten gegeben, da hatte sie diese Ähnlichkeit als Herausforderung betrachtet jemanden zu töten. Doch diese Zeiten waren lange vorbei. Schattenklinge sehnte sich nach Ruhe. Sie hatte das andauernde kämpfen satt und war froh, dass Stern bald einen neuen Träger hatte. Es würde ihren Tod bedeuten, aber nur in dieser Welt. Und das machte sie froh und stolz. Stern würde sein letztes Versprechen halten und sie unsterblich machen.

Grasmann und Sandfels standen beieinander und blickten auf das Lager. Sie schwiegen eine Weile, dann richtete Sandfels das Wort an Grasmann: „Sie ist so selbstsicher. Es wird ein schwerer Kampf.“

„Lass diesen Gedanken keinen Raum in Deinem Herzen, Sandfels. Zweifel bedeuten Tod.“

„Müssen wir unser Leben ständig dem Kampf widmen? Können wir nicht in Frieden leben? Alles scheint sich nur auf das Schwert und den Tod zu stützen.“

„Hast du etwa Angst?“ fragte Grasmann erschrocken. „Denk an deine Träume.“

„Das mache ich. Aber trotzdem kann ich den Sinn meines Lebens in Frage stellen. Vielleicht leiten mich meine Träume in die Irre.“

„Du hast dich gesehen wie du Stern begleitest. Seit deinem zehnten Sommer hast du regelmäßig diesen Traum. Und alles ist geschehen wie du es gesehen hast. Aus diesem Grund vertraue ich auf dich und deine Fähigkeiten.“

„Der Händler, die Sklavin, der Tod und das Schwert. Nur noch der letzte Teil des Traums muss sich bewahrheiten und alles ist wie ich es sah. Aber was kommt danach?“

„Was meinst du?“

„Grasmann, ich sehe mich das Schwert begleiten, aber was folgt ist für mich so Ungewiss wie für dich.“

„Vielleicht ist es Deine Bestimmung das Schicksal neu zu schreiben und die Träume anderer zu leben, aber nicht Deine eigenen. Du besitzt die Gabe in die Zukunft zu träumen. Auch wenn sie nicht weiter reicht als bis zu diesen Tagen. Du wirst siegen.“

„Ich weiß, Grasmann. Ich weiß. Aber was wird danach?“

„Die Mönche berichteten uns, das Stern sich seinen eigenen Weg sucht. Wenn das stimmt, so wird sich alles ergeben. Nach Deinem Sieg werden wir Kristallhort aufsuchen und weiter sehen.“

„Was ist mit den Gerüchten die von einem neuen Tempel berichten?“

„Gerüchte. Und selbst wen sie stimmen, was soll uns das kümmern?“

Sandfels dachte nach. „Die Götter bestimmen die Geschicke unserer Welt. Ein neuer Gott ist geboren und wir sollten versuchen seine Botschaft zu verstehen und in seinem Sinne zu handeln.“

„Wir bestimmen unsere Geschicke selbst. Für einen Mann des Wüstenvolks denkst Du sehr viel über die Götter nach. Es sind von den Priestern erfundene Idole denen wir nacheifern sollen.“

„Vielleicht hast Du recht, vielleicht auch nicht. Wenn wir in Kristallhort eintreffen werde ich einen Priester aufsuchen und mit ihm ein ernstes Gespräch führen. Dem Träger von Stern dürfen sie keine Antwort verweigern.“

„Dann ist dies vielleicht Deine Bestimmung. Zu erkennen, dass die Götter eine Erfindung der Menschen sind.“

„Vielleicht.“ Sandfels deutete auf das Lager. „Sie kommt.“ Schattenklinge hatte ihr Mahl beendet und ihre Kleidung geordnet. Sie hatte einen grauen Umhang übergeworfen und die Schwertgriffe freigelegt. Auf ihren Lippen lag ein wissendes Lächeln.

„Ich habe beschlossen, dass wir sofort gegeneinander antreten, Sandfels. Du bist bereit?“

„Es ist etwas überraschend, aber ich bin bereit. Lasst uns die Männer rufen und die Arena betreten.“

„Du willst Zuschauer dabei haben?“ fragte Schattenklinge neugierig.

„Sie sind auf meiner Reise zu guten Bekannten geworden und ich will ihnen diesen Kampf nicht verwehren.“

„So sei es.“ Schattenklinge schritt mit erhobenem Kopf an Sandfels vorbei und betrat die Arena. Sie musterte kurz das von Sandfels provisorisch errichtete Trainingsgerät und suchte sich dann einen festen Stand im Zentrum der Arena. Beide Hände lagen locker auf den Schwertgriffen und die Sonne stand in ihrem Rücken.

Sandfels kam ihr nach und schloss das Tor der Arena. Er ließ sich auf den Boden nieder und begann mit einfachen Atemübungen, während Grasmann das Lager alarmierte, dass der Kampf bald beginnen würde.

Bald war alles auf den Beinen und kletterten die Felsen hoch. Grasmann und Wüstenhauch hatten sich einen Platz nahe des Tors gesucht. Sie beobachteten neugierig Sandfels und Schattenklinge.

Die Wüstenleute waren aufgeregt und versuchten die Kämpfer einzuschätzen. Es wurden noch schnell einige Wetten abgeschlossen. Viele waren lange Zeit mit Sandfels gereist und trauten ihm einen Sieg zu, aber es gab auch andere Meinungen.

Sandfels erhob sich und stellte sich zwei Schwertlängen vor Schattenklinge auf. „Ich, Sandfels, beanspruche Stern für mich. Ich fordere Euch, Schattenklinge, zu einem Kampf um das Schwert und die…“

„Lass es gut sein“, unterbrach ihn Schattenklinge und warf einen gelangweilten Blick zu den Zuschauern hoch. „Ich habe die Worte schon oft gehört. Ich kenne die Worte und nehme deine Herausforderung an.“ Mit einer geschmeidigen Bewegung trat sie einen Schritt zurück und hielt beide Schwerter in den Händen. Niemand hatte gesehen wie sie die Waffen zog und von den Felsen waren ungläubige Rufe zu hören.

Sandfels ging in eine einfache Abwehrhaltung und beobachtete Schattenklinges Bewegung. Man hatte ihn gelehrt aus kleinsten Muskelbewegungen zu schlussfolgern was der Gegner als nächstes unternahm, aber bei dieser Frau war es schier unmöglich. Ihre beiden Waffen blitzten im Sonnenlicht. Das kunstvolle Schwert lag in ihrer rechten Hand und besaß eine lange, gebogene Klinge. Das andere Schwert lag in der linken Hand, besaß eine kurze zweischneidige Klinge und wirkte schäbig.

Schattenklinges Augen ruhten auf Sandfels Gesicht. Sie wirkte entspannt und selbstsicher. Keine unwillkürliche Regung oder Bewegung ließ ihren Körper auch nur für einen Wimpernschlag zucken. Und dann, so schnell das es kaum zu sehen war, stieß sie vor und schlug zu. Sandfels hob instinktiv sein Schwert und wehrte die große Klinge ab. Die kleine Klinge schnitt ihm den linken Oberarm auf. Schattenklinge war unmenschlich schnell.

Blut floss aus der Wunde und Sandfels versuchte verzweifelt den Schmerz zu ignorieren. Angst wollte sich in ihm ausbreiten, doch er schaffte es dieses Gefühl zu verdrängen. Sandfels sah seine Rettung darin selbst anzugreifen und tat es auch. Sein Schwert schnitt in verschiedenen Bewegungen durch die Luft. Aber entweder verfehlte er sein Ziel oder wurde abgewehrt. Schattenklinge war eine Kämpferin wie es keine zweite gab.

Wüstenhauch beobachtete die vergeblichen Versuche von Sandfels von den Steinen aus. Sie wusste, dass die Frau ihren Gegner erst mürbe machte und dann irgendwann selbst zuschlagen würde. Wüstenhauch wurde speiübel und dem ansonsten eher ruhigen Grasmann ging es nicht anders. Beide beobachteten wie der hagere Kämpfer vorgeführt wurde und wussten, dass ihr Leben hier eine Wendung nehmen würde.

Sandfels versuchte eine Finte und schleuderte mit seinem Fuß Sand hoch, aber Schattenklinge wich elegant aus. Sie ließ die herannahende Klinge mit dem rechten Schwert ins Leere laufen und brachte Sandfels Arm einen weiteren Schnitt bei. Mit einem wissenden und überlegenen Lächeln tänzelte sie zurück. Sie wusste das der fremde Kämpfer am Ende war, doch sie durfte ihn nicht töten. Sandfels war der Schlüssel zum Sieg.

Mit einer geschmeidigen Drehung brachte sie sich in Sandfels Rücken und ihm einen Kreuzschnitt bei. Den Angriff wiederholte sie nochmals bei der Brust und Sandfels Oberkörper glich einer einzigen blutenden Wunde. Er litt unter großen Schmerzen, aber gab nicht auf. Das gefiel ihr. Sie drang auf ihn ein und drückte sein Schwert zur Seite. Ihr Knie kam hoch traf ihn hart im Magen. Mit einem lauten Schmerzensschrei torkelte er nach hinten.

Sandfels blinzelte benommen. Die Schmerzen machten ihn fast rasend, aber er wusste das er die Kontrolle behalten musste. Waren die Träume ein Irrtum, fragte er sich selbst. Nein, antwortete er sich selbst. Mit einem lauten Schrei stürmte Sandfels nach vorne. Er wollte jetzt siegen oder sterben.

Mit zwei schnellen Schritten brachte sich Schattenklinge außerhalb seiner Reichweite in Sicherheit. Sie warf das kurze Schwert mit einer gekonnten Bewegung auf Sandfeld und die zweischneidige Klinge bohrte sich in dessen rechten Schenkel. Der hagere Kämpfer brach in die Knie und fiel nach vorne über. Dabei verlor er sein Schwert und es gelang ihm nur mit Mühe sich im blutrot verfärbten Sand abzustützen.

„Du bist am Ende, Kämpfer“, rief Schattenklinge aus und näherte sich ihm. „Es wird jetzt sehr schnell gehen. Habe keine Angst.“

Blind vor Wut und Schmerz rollte sich Sandfels zur Seite und griff dabei nach seinem Schwert. Das Schwert in seinem Oberschenkel wurde dabei in der Wunde gedreht und ließ ihn vor Schmerzen brüllen. Sandfels fühlte sich erniedrigt und geschändet, dass gab ihm den Auftrieb den er brauchte. Mit einer letzten Kraftanstrengung rammte er sein Schwert nach vorne. Er fühlte einen Widerstand und drückte nach. Sein Schwert durchbrach irgendeine weiche Barriere, doch er konnte nichts sehen. Aber die Rufe der Zuschauer ließen ihn ahnen, dass er endlich getroffen hatte.

Schattenklinge war zu unvorsichtig gewesen. Als sie schon zum letzten Hieb ausholte hatte sich der Hagere nochmals aufgerafft und mit seinem Schwert zugestoßen. Die breite Klinge war durch Schattenklinges Gewandung und in ihre Seite gedrungen. Verwundert starrte sie auf die Wunde, aus der langsam Blut sickerte. Sie wusste was geschehen würde wenn Sandfels das Schwert drehte oder aus ihrem Körper zog.

Sie unterdrückte den Schmerz durch eine einfache Konzentrationsübung und trat Sandfels Hand vom Griff seines Schwerts. Mit der schweren Waffe im Körper ging Schattenklinge einen Schritt vor und trat gegen den am Boden knienden Feind. Sandfels seufzte nur und sank bewusstlos zu Boden.

„Mach deinen Frieden mit den Göttern!“ rief Schattenklinge aus und hob ihre Rechte zum tödlichen Schlag.

„Nein!“ gellte es schrill von der Arenaumfassung. Wüstenhauch war aufgesprungen und hatte ihren Schleier vom Gesicht gezogen. Ihr Gesicht ließ eine Schönheit erkennen die ihresgleichen suchte. „Verschone sein Leben, Schattenklinge! Zeige dich großzügig!“

Die Kämpferin wandte ihren Kopf spöttisch zur Seite und blickte zu Wüstenhauch hoch. „Warum sollte ich?“ fragte sie fast gelassen.

„Weil … er ein Freund von mir ist und ich … seinen Tod nicht ertragen würde“, erklärte Wüstenhauch stockend. „Bitte, verschone sein Leben.“ Sie hatte nicht oft um etwas gebeten und das merkte man ihr an. Schattenklinge war im ersten Augenblick gerührt, doch dann erinnerte sie sich an ihre Aufgabe.

„Ich kann ihn nicht verschonen. So will es die Regel.“

„Aber du kannst sie doch brechen. Du bist doch die Regel.“

Schattenklinge verharrte. „Du hast recht, aber ich will die Regel nur biegen, nicht brechen. Ich erlaube dir Sandfels Platz in diesem Kampf einzunehmen. Etwas andere kannst Du von mir nicht verlangen.“

Wüstenhauch wusste zu jenem Zeitpunkt nicht warum sie es tat. Vielleicht weil sie sich nicht damit abfinden konnte Sandfels Träume seien ein Irrtum gewesen. Sie ließ sich an dem Felsen hinunter gleiten und kam leicht auf.

Schattenklinge ließ nun von dem bewusstlosen Sandfels ab und näherte sich ihrer nächsten Gegnerin. Grasmann stand oben auf den Felsen und beobachtete stumm das Schauspiel. Er wusste nichts zu sagen. Seine Händlerseele war froh das Schattenklinge einen anderen Gegner akzeptiert hatte, denn so verlor er nichts von seinem Vermögen. Aber sein Herz blutete in dem Gedanken daran Wüstenhauch sterben zu sehen. Sie war ihm zwar oft ein Dorn im Auge, aber ihre respektlose Art hatte ihm schon immer gefallen.

Beide Frauen gingen aufeinander zu. Wüstenhauchs Gesicht hatte sich vor Angst verzerrt und man sah ihr ihre Unsicherheit an. Schattenklinge würde leichtes Spiel haben. Aber als die Kämpferinnen nur noch drei Schritte voneinander entfernt standen sank Schattenklinge plötzlich in die Knie. Ihrer Kehle entrann dabei ein lautes Stöhnen.

Wüstenhauch sah jetzt eine Möglichkeit anzugreifen, doch es kam ihr falsch vor. Sie war keine Kämpferin und wusste nicht was zu machen sollte.

Schattenklinge lächelte plötzlich und sah zu Wüstenhauch hoch. Schweiß stand auf ihrer Stirn. „Du hast mich wohl besiegt“, flüsterte sie. „Trage Stern im Geheimen, denn du bist keine Kämpferin. Sandfels soll meine Schwerter erhalten und dir dienen.“

Es roch plötzlich nach verbranntem Stoff. Wüstenhauch starrte auf Schattenklinges Brust. Irgend etwas brannte sich seinen Weg durch die gelbe Gewandung. Es dauerte nur Sekunden, dann war ein kleiner, sternenförmiger Kristall zu erkennen der in das Fleisch der berühmten Kämpferin eingelassen und wie eine Tätowierung anzuschauen war.

Dieser Stein strahlte nun ein grünes Licht aus und brannte sich seinen Weg aus Schattenklinges Körper. Wüstenhauch war starr vor Schreck und nicht in der Lage sich zu rühren. Gebannt ruhten ihre Augen auf dem Kristall und sie begriff, dass alle Herausforderer einem Irrtum unterlegen waren. Stern war keine Waffe, sondern ein grüner Kristall.

Der Kristall löste sich plötzlich. Doch statt zu Boden zu fallen schwebte er auf Wüstenhauch zu. Die schöne Wüstentochter starrte auf Stern als er sich seinen Weg durch ihre Kleidung brannte. Als der glühende Kristall ihre Haut zwischen den Brüsten berührte überkam sie ein stechender Schmerz. Mit einem gequälten Schrei fiel sie nach vorne. Es wurde ihr schwarz vor Augen, aber die erlösende Bewusstlosigkeit stellte sich nicht ein. So schnell der Schmerz gekommen war, so schnell verschwand er wieder. Wüstenhauch blieb mit geschlossenen Augen liegen und versuchte an nichts zu denken. Sie fühlte sich verraten und missbraucht, ohne zu wissen was der Grund dafür war.

Grasmann und die Wüstenmänner hatten die Szene beobachtet. Wüstenhauch hatte ihnen den Rücken zugewandt, so das niemand etwas genaues sah. Sie alle erkannten zwar ein grünes Leuchten, wussten aber nicht was es bedeutete.

„Schnell, wir müssen zu ihnen!“ rief Grasmann als er aus seiner Erstarrung erwachte. „Eilt euch!“ Der dicke Händler ließ sich auf den Bauch fallen und rutschte dann am Felsen herunter. Die Männer folgten ihm. Er wollte zuerst nach Sandfels sehen, aber ihm war klar das der geübte Kämpfer mehr einstecken konnte als Wüstenhauch. „Ich kümmere mich um die Sklavin, ihr seht nach Schattenklinge und Sandfels.“

Als Grasmann Wüstenhauch erreichte lag sie auf der Seite. Er fasste sie an der Schulter und drehte sie zu sich herum. Auf den ersten Blick schien Wüstenhauch unverletzt. Auf den zweiten Blick bewunderte Grasmann ihren wohlgeformten und festen Busen.

„Nimm Deine Blicke von mir“, knurrte Wüstenhauch und erschreckte Grasmann. Sie schlug die Augen auf und starrte den Händler an. „Es gibt für Dich nichts zu sehen“, sagte sie wütend und raffte ihr Gewand über ihrer Blöße zusammen. „Ich habe es überlebt und mir geht es gut. Was ist mit Sandfels?“

Grasmann blickte Wüstenhauch offen ins Gesicht. Unter dem Schleier lag ihre Schönheit verborgen, aber das war es nicht was ihn fast magisch anzog. Es waren ihre Augen. „Sie sind grün“, murmelte er verwundert. „Deine Augen sind grün.“

„Rede keinen Unsinn, Dicker. Meine Augen sind schwarz. Aber ich wusste schon immer, dass Du kein Auge für Farben hast. Und jetzt hör auf mir ins Gesicht zu starren. Du beleidigst mich damit.“

„Aber es stimmt, ihre Augen sind grün“, flüsterte er zu sich selbst als er sich von ihr weg drehte. „Schau nachher in einen Spiegel, dann wirst Du es sehen.“ Grasmann erhob sich und ging zu Schattenklinge hinüber.

Der Koch hockte neben ihr und besah sich neugierig eine sternenförmige Wunde in der Brust der Toten. „Sieh nur Herr, die Frau mit dem schnellen Schwert ist tot. Aber ich weiß nicht wie sie von deiner wunderschönen Sklavin getötet wurde. Die Wunde ist nicht sehr tief, aber dafür wirkt sie wie eingebrannt. Und die Augen der Toten, o großzügigster aller Gebieter, sie haben eine andere Farbe angenommen.“

Grasmann beugte sich über Schattenklinge und starrte ihr in die gebrochenen Augen. Einst waren sie grün gewesen, doch nun waren sie hellblau. Es hieß in den Augen der Toten spiegelte sich nach dem Tod für wenige Augenblicke die unsterbliche Seele. Wenn dies stimmte so hatte die Kämpferin nie eine besessen. „Schließ ihr die Augen. Und zu den anderen Männern kein Wort. Es soll Dein Schaden nicht sein.“

„Ich verstehe, Meister Grasmann“, erwiderte der Koch. Mit geübtem Griff schloss er die Augen der Toten. „Kein Wort über ihre Augen wird über meine darben Lippen kommen, die von Eurem Gold versiegelt sind.“

„So ist es“, bestätigte Grasmann grimmig. Er hoffte die Geldgier des Kochs würde nicht so weit gehen wie es zu vermuten war.

Grasmann kümmerte sich nun um Sandfels, während Wüstenhauch sich erhob und zum Lager ging. Der hagere Kämpfer war schwer verwundet, aber er kam schon bald wieder zu sich. Sein Stolz schien mehr verletzt als sein Körper.

„Was ist mit Schattenklinge?“ fragte er kraftlos und strengte sich bei jedem Wort an.

„Tot“, berichtete Grasmann. „Aber nicht durch deine Hand, Sandfels.“

„Wer dann?“

„Es war – Wüstenhauch.“

„Was?“ fragte Sandfels überrascht und hustete schwer.

„Sie wollte nur dein Leben retten. Wie sie Schattenklinge besiegte weiß ich nicht zu sagen.“

Sandfels schloss müde die Augen. Er hatte immer geglaubt Stern würde ihm gehören. In seinen Träumen hatte er das prächtige Schwert geführt und Stern mit seinem Leben beschützt. „Nimm die Schwerter und überreiche sie Wüstenhauch. Sie hat gewonnen. Damit muss ich mich abfinden.“

Grasmann nickte langsam. „Ich werde Dir gehorchen, mein Freund. Aber jetzt ruhe Dich aus. Wir bringen Dich ins Lager und versorgen Deine Wunden. Ruhe Dich jetzt aus.“

Ende Kapitel 1

(vor zu Kapitel 2)

Eingangsgrafik und Text Copyright (c) 2003/2014 by Günther K. Lietz, all rights reserved

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Buchempfehlung:

Die Zeitengängerin
von P. C. Cast

Mira Taschenbuch Verlag
Format: Kartoniert
Sprache: Deutsch
Erscheint: März 2015
ISBN-13: 978-3956491078

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Wie weit gehst du zurück, um mit deiner große Liebe vereint zu sein? P.C. Casts großer Roman über die schicksalhafte Reise einer Zeitgängerin in die Zeit der keltischen Krieger.

„Komm zu mir “ Mit pochendem Herzen erwacht Alexandra aus einem Traum. Der tiefe Wald, in dem sie sich befand, der Mann, der sie gerufen hat das war erschreckend real! Ihr ist, als müsse sie seinem Ruf folgen. Und dann hat sie dieses schlangenhafte S gesehen, wie ein magisches Zeichen einer vergangenen Gottheit. Was hat das zu bedeuten? Das erfährt Alex, als sie auf die Militärbasis in Tulsa zu einem geheimen Auftrag bestellt wird: Sie soll in der Zeit zurückreisen, nach Briton, 60 Jahre vor Christi Geburt. Wo sie das Amulett der Kriegskönigin Boudica finden muss. Und wo der keltische Druidenkrieger Caradoc auf eine Frau wartet, die ihm bestimmt ist – auf Alexandra.

2 Comments

Add a Comment
  1. Buchtipp und Cover sind jetzt drin. Die Geschichte ist etwas länger als gewöhnlich, aber dass muss ja auch mal sein. Vor allem wollte ich mal „altes Zeug“ herauskramen und damit wieder ein wenig herumspielen. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme