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SKOTENPACK – aus: “Die Spiegelkrieger des Druiden” Fantasy-Roman von Cameo Flush

Erstellt von Cameo Flush am Mittwoch 1. September 2010

Der nachfolgende Beitrag stammt aus “Die Spiegelkrieger des Druiden”
Das römische S.P.O.R.-Zeichen steht dem Kapitel deshalb vorangestellt, da diese Skotengruppe im Dienste Roms steht. (Anm. d. Redaktion)


Kapitel VII
180 n. Chr., Mai
„Skotenpack“

Die Gruppe, die durch den Wald hastete, bestand aus neun kräftigen Männern. Vor rund einer Stunde hatten sie die Sicherheit des Kastells – und unmittelbar darauf auch die des Hadrianswalles – hinter sich gelassen. Nicht das sie viel darauf gegeben hätten, denn nach ihrer Meinung bedürfte es nur einer ausreichend starken Kriegsmacht, um den Wall zumindest an einer Stelle durchbrechen zu können. Aber sie wussten, dass die Caledonier und Pikten sich nicht auf die Farbe von Scheiße einigen konnten, so zerstritten waren sie. Auch sie selbst, Skoten von der irischen Nachbarinsel, hatten kein Interesse an brüderlichen oder friedlichen Beziehungen zu ihren britannischen Vettern. Eirik, ihr Anführer und seine acht Begleiter waren weit mehr gedungene Mörder, denn bezahlte Söldner.

Sie alle hatten die Macht Roms erlebt und sahen ihre einzige Überlebenschance darin, sich dem Stärkeren anzuschließen. Und die Römer zahlten gut. Niemand von ihnen hatte mehr auch nur einen Tag Hunger gelitten, seit er im Dienste Roms stand, niemand musste fürchten, einen harten Winter nicht zu überleben. Stattdessen genossen sie die Annehmlichkeiten, die eine Weltmacht bieten konnte. Freien Zugang zu Waffen und Lebensmitteln, Wein und Weibern. Als Gegenleistung erfüllten sie… Aufgaben. Alle in ihrer Gruppe hatten schon viele Männer gemordet, Frauen geschändet, auch Kinder zählten zu ihren Opfern. In beiden Kategorien. Und das allerbeste war noch, dass sie dafür auch noch bezahlt wurden. Jeder der Skoten trug einen gut gefüllten Beutel Goldstücke mit sich und in ihren Unterkünften im Kastell lagen der Dinge mehr, die einem skrupellosen Mann zufielen, wenn er den Willen Roms zur Zufriedenheit des Präfekten ausführte.

Auf ein stummes Zeichen Eiriks mit der Faust, hielten sie an und verschnauften verhalten. Alles an ihnen drückte Gewalt aus und das war auch so beabsichtigt. Narben und alte Verwundungen wurden nicht durch Kleidung oder Gürtel verdeckt, sondern sollten jeden Gegner von der ständigen Kampfbereitschaft der Männer überzeugen. Die Waffen, die sie trugen, waren an den Schneiden blitzblank und höllisch scharf geschliffen, die Griffe und Stiele jedoch zeigten überdeutliche Gebrauchsspuren und makabre Markierungen, welche die Anzahl der damit Getöteten dokumentierten. Und keine einzige Kerbe oder Strich war geprahlt. Die Hälfte der Truppe hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, diese Vertiefungen mit dem Blut der Opfer zu verzieren, andere trugen abgeschnittene Ohren an einer Schnur um den Hals, einer hatte sich auf Zungen in gleicher Weise verlegt. Und Eiriks Körperschmuck bestand aus einem dichten Gürtel aus abgeschnittenen Penissen. Er machte sich sogar die Mühe, sie in Salz auszutrocknen, bevor er sie seinem Gürtel zufügte. Zwischen Lederstücken, ein wenig Fell hier und da, zierten kohleschwarze Streifen und Ornamente ihre Haut. Sie wollten sich auch durch die Farbe ihrer Bemalung von den blauen Pikten unterscheiden. Alle neun hatten sich ein drei Finger breites Band aus schwarzer Farbe auf Augenhöhe ins Gesicht gemalt, Das Weiß der Augen kontrastierte effektvoll mit dem finsteren Band und den eingebetteten Pupillen.

Mit ruhiger Geste deutete Eirik durch die letzten Reihen des Waldstückes, aus dem sie gekommen waren. Dahinter lag ein weites, längliches Tal und wiederum dahinter erhoben sich die nächsten bewaldeten Bergketten. Dichter Nebel stieg allerorten aus dem dunklen, blaugrünen  Wald. Wie tausend tanzende Geister hoben sich die Nebelschwaden faserig aus den Bäumen. Wie ausgemergelte, mehrfach gebrochene Finger, die sich langsam dem Himmel entgegenreckten und ihn nie erreichen würden, da die baldige Sonne sie vorher auflösen würde.

Cullum, Eiriks bester Krieger, trat zu diesem und hob eine Hand zum fernen Wald. Sein ausgestreckter Finger schien einen der Nebelfinger aufzuspießen. Diese graue Säule stieg zu kompakt und gerade nach oben. Ihr fehlte die Zufälligkeit und die Männer erkannten dies augenblicklich. „Das ist kein Nebel“, sagte Cullum überflüssigerweise.

Eirik nickte nur und spreizte die Finger einer Hand auseinander. Ohne ein Wort verteilten sich alle in einer weit gezogenen Linie, blieben aber an der Grenze zum freien Tal stehen.
Für einige Minuten standen sie still und beobachteten die Nebelfinger. Tatsächlich verhielt sich einer der grauen Schleier ungewöhnlich; er strebte kerzengerade nach oben. Anstelle sich aufzufasern und zu verschwinden, stieg er stetig auf. Auch war seine Farbe ein wenig schmutziger als die grauweißen Fahnen des Morgennebels. Eirik hob beide Arme und spreizte jeweils drei Finger ab.

Sofort folgten sechs seiner Männer dem Befehl und huschten in losen Dreiergruppen in das Tal hinein. Nur wenige Büsche und vereinzelte Felsbrocken dienten ihnen als Deckung, aber diese nutzten sie konsequent und näherten sich rasch der Mitte des Tales, das von einem breiteren Bach, fast schon einem Flüsschen, durchzogen wurde, dessen eiskaltes Wasser munter plätschernd das Gefälle hinunter sprang. In diesem Augenblick riss die Fahne des Lagerfeuers abrupt ab, denn nichts anderes konnte der ungewöhnliche Rauch gewesen sein.

„Man hat uns gesehen“, murmelte Cullum seinem Anführer zu und beobachtete, wie seine sechs Kameraden dies ebenfalls registriert und sofort sich in die kleinste Deckung geworfen hatten, die sie finden konnten.

„Vielleicht… vielleicht auch nicht“, antwortete Eirik und wie zu seiner Bestätigung trat eine Frau am gegenüberliegenden Waldrand aus den Bäumen und schritt den Hang zum Bach hinab.

Sie trug einen braunen, langen Einteiler, der um ihre Hüften mit einem Seil zusammengebunden war. Ihr Haar hatte die gleiche Bräune wie der grobe Stoff und der tönerne Krug, den sie trug, war nur um eine Nuance dunkler. Ihre Schritte waren kräftig und zielstrebig, zwar blickte sie sich um, aber jede ihrer Bewegungen drückte Sorglosigkeit aus. Ihr Weg war eine schmale Linie und erst jetzt fiel Eirik die dünne Spur niedergetretenen Grases auf, die vom jenseitigen Waldrand fast gerade zum Bach hinunter verlief. Nur noch wenige Schritte trennten die Frau von hinter einem Grasbüschel liegenden Skoten, doch sie bemerkte ihn erst, als dieser sich bewegte und mit drei, vier schnellen Schritten bei ihr war und sie am Haar packte. Sie schrie vor Schmerz und Schrecken auf und der Krug fiel zu Boden und zerbrach in mehrere Stücke. Das Lachen des Skoten, der sie am Haar zerrte, hallte durch das Tal.

„Dieser Idiot“, sagte Eirik nur und rannte mit Cullum und dem dritten Skoten im Wald ebenfalls ins Freie und auf den Bach zu. Sie hatten das wild raufende Paar noch längst nicht erreicht, als aus Richtung der Rauchsäule ein Mann mit zwei älteren Jungen aus dem Wald herausstürzte. Alle drei hielten sie einfache Jagdspeere in den Händen und brüllten aus vollen Kehlen. Die drei hatten bisher nur den Skoten bemerkt, der die Frau – allem Anschein nach das Eheweib und die Mutter der drei – drangsalierte und nun versuchte, ihr den Stoff vom Leib zu reißen. Er war scheinbar damit so beschäftigt, dass er das Gebrüll in seinem Rücken zwar hörte, jedoch ignorierte. Erst als ihn die drei Jäger fast erreicht hatten, stieß er die Frau in einem Bogen von sich und zog blitzschnell sein Krummschwert. Beide Bewegungen gingen fließend ineinander über und mit einem hässlichen Grinsen wandte er sich den Gegnern zu.

„Graigh ist doch kein Idiot. Er weiß, dass die Frau zuerst mir gehört“, grinste Eirik und verfiel in langsameren Schritt. Cullum und der andere Skote taten es ihm gleich. Ruhig gingen sie den Hang hinab, langsam ihre Schwerter und Messer ziehend. Nachdem das Angstgeschrei der Frau in ein Weinen gewechselt und die Jäger ihr Gebrüll eingestellt hatten, da sie sich nun vier statt einem Gegner gegenüber sahen, klang das Ziehen der Klingen unnatürlich laut im sonst stillen Tal.

Cullum zog eine zweite Klinge und ließ beide Schneiden provozierend langsam aneinander entlang schleifen.

Man sah es den Jägern förmlich an, wie ihnen eisige Schauder den Rücken hinunterliefen und sie sich gegenseitig in die Augen sahen. Es war ihnen klar, dass sie gegen vier professionelle Kämpfer keine Chance haben würden. Der ältere Mann rief seiner am Boden liegenden Frau irgendein Wort zu und sie griff zu einer Tonscherbe am Boden. Gleichzeitig bildeten er und seine Söhne einen engen Kreis um Graigh, der mit halb gebeugten Knien in Kampfstellung sich auf der Stelle drehte. Eirik und seine beiden Begleiter blieben stehen und auch die immer noch in Deckung liegenden Skoten rührten sich nicht.

„Das wird interessant“, grinste Cullum und senkte beide Arme mit den Klingen.

„Du magst Graigh nicht“, sagte Eirik, ließ aber die Jäger und seinen Kämpfer nicht aus den Augen.

„Du hast Recht, er ist ein Arschloch. Nie weiß er, wann er seinen Verstand benutzen sollte, anstelle seines Schwanzes.“

„Du glaubst Graigh hat Verstand?“ Eirik lachte hart, doch plötzlich rief der Jäger seinem Weib wieder ein kurzes Wort zu und dann ging alles blitzschnell.

Die Frau schleuderte die Tonscherbe mit aller Kraft und einer Zielgenauigkeit, welche die Skoten, Graigh allen voran, völlig überraschte. Die Scherbe traf ihn am Kopf und schnitt die Haut von der linken Augenbraue bis zum rechten Haaransatz der Stirn auf. Blut strömte sofort daraus hervor und blendete Graigh für einen Augenblick. Bevor er auch nur eine Hand erheben konnte, um das Blut wegzuwischen, traten alle drei Jäger im gleichen Augenblick auf ihn zu und rammten ihm die Speere in den Leib. Sie schrieen dabei wild und behielten die Klingen in dessen Körper, ja sie machten noch einen weiteren Schritt auf den Aufgespießten zu, sodass die Spitzen ihrer Speere den Skoten durchdrangen und auf der anderen Seite wieder austraten. Sie brüllten immer noch, als sie mit einem Ruck die Schäfte drehten und dann aus dem Gegner heraus rissen. Graigh knickte wie ein halb leerer Sack Kartoffeln haltlos in sich zusammen und blieb mit zuckenden Gliedern am Boden liegen.

Dies war das Signal für den Rest der Skotengruppe und alle erhoben sich und stürmten von allen Seiten auf die Jäger zu. Deren nur für Sekunden aufblitzender Triumph wandelte sich in blankes Entsetzen, als sie nun acht schwarz gestreifte Mörder auf sich zukommen sahen.

Der Mann zerrte die Frau in ihre Mitte und die drei Speerträger bildeten einen kleinen Ring um sie, doch der Kampf währte nur kurz. Innerhalb von einer Minute waren die Speere unter der Wucht der erprobten Kämpfer zersplittert, die beiden jungen Männer fanden einen gnädigen, weil raschen Tod. Nur der Ehemann stand noch eine halbe Minute länger mit gespreizten Beinen über seiner am Boden liegenden Frau, sein Blut tropfte aus einem Armstumpf auf sie herab. Seine verbliebene Linke hielt sinnlos den klingenlosen Schaft seines Speeres und in seinen Augen mischte sich körperlicher Schmerz mit der Pein der Gewissheit, was nach seinem Tod mit seiner Frau geschehen würde. Sein letzter Blick fiel nicht in ihre Augen, sondern auf das kurze Messer, dass in seinem alten Gurt noch steckte, dann schnitt ein Axthieb durch seinen Hals und sein abgetrennter Kopf flog in hohem Bogen ins Gras.

Bevor die Frau das Messer aus dem Gürtel ziehen konnte, traf sie der harte Fußtritt Cullums, der den Blick ihres Mannes ebenfalls gesehen hatte und sofort verstand, was sie vorgehabt hatte.

„Keine Chance, Weib. Wir brauchen dich noch.“ Mit einem weiteren Fußtritt schleuderte er das Messer in unerreichbare Distanz und packte sie dann am Genick. Mit brutaler Kraft riss er sie auf die Beine und stieß sie Eirik entgegen.

Das erneut entfachte Lagerfeuer der toten Jäger wärmte nun die Skoten, die sich an der Beute derselben gütlich taten. Ein Rehkitz hatten sie schon verspeist, ein größerer Bock würde ihrer aller Hunger stillen. Die Frau lag mit geschundenen Gliedern und vielfach vergewaltigt mehr bewusstlos als schlafend an einen Baum gebunden in der Nähe. Ihr Kopf hing nach vorn, ihr wirres Haar bildete einen gnädigen Vorhang vor dem geschwollenen Gesicht, das übersäht war von blauen und grünen Flecken und Bissspuren an Wange und Hals. Ihr braunes Kleid lag zerrissen abseits und kündete von der Qual, die sie anfangs mit zähem Widerstand bekämpft, nach harten Schlägen aber rasch mit erschöpfter Teilnahmslosigkeit erlitten hatte.

Cullum hatte zwei der Männer beauftragt, die Leiche Graighs verschwinden zu lassen und sie hatten ihn hastig in einem Erdloch verscharrt, um die Frau noch bei Bewusstsein für sich in Anspruch nehmen zu können. Doch Eirik alleine hatte sie mehrfach mit aller Brutalität genommen, so dass der Rest der Truppe mehr eine halbtote Puppe, als eine Frau zu ihrem Vergnügen bekam.

Jetzt saßen und lagen alle träge um das Feuer herum und nagten an den letzten inneren Fleischstücken des Bockes, die mehr roh als gebraten waren. Achtlos warf ein Mann seinen Knochen ins Feuer und das Fett zischte in der Glut. Funken stoben auf und gesellten sich zu den Glühwürmchen, die allenthalben durch die Büsche und Bäume flogen.

„Hey, du Schwachkopf, lass das bleiben! Ich will, dass vor Einbruch der Nacht das Feuer gelöscht wird“, sagte Cullum und Eirik beobachtete genau das Verhalten der Männer.

„Aber es wird kalt werden“, klagte der gleiche Mann.

„Dann wird es eben kalt. Besser in der Nacht ein wenig zu frösteln, als am Morgen als kalte Leiche zu erwachen.“ Cullum musste gegen seine Absicht selbst über seinen Scherz lachen und der Haufen Männer fiel in das Lachen ein.

Auch Eirik lachte kurz, brach dann aber abrupt ab. „Löscht das Feuer mit Erdreich. Und achtet darauf, dass kein Blattwerk dazwischen kommt. Wir wollen doch nicht den gleichen Fehler wie dieses dumme Jägerpack machen, nicht wahr?“

Wieder lachten die anderen und befolgten den Befehl ihres Anführers, der sich langsam erhob und zu der Frau hinüber lief. Mit den Fußspitzen stieß er ihr in die Seite, aber sie reagierte nicht. Er wiederholte seinen Weckversuch und trat fester zu. Die Frau stöhnte und wäre zur Seite gefallen, hätten die Stricke sie nicht gehalten.

„Wasser“, kam es leise und brüchig zwischen ihren aufgeplatzten Lippen hervor.

„Das ist eine gute Idee, Frau.“ Eirik drehte sich herum und deutete auf den Mann, der sich über die kommende Nachtkälte beschwert hatte. „Du, geh zum Bach und hol Wasser!“

Der Angesprochene griff sich einen leeren Lederschlauch und stapfte wortlos davon. Nach wenigen Minuten kam er mit prall gefülltem Schlauch zurück und wollte der Frau davon zu trinken geben.

„Lass das!“ Schon wieder hörte er diese Worte und ratlos blickte er zu seinem Anführer. „Wasch die Schlampe!“

Der Mann grinste und schüttete sich Wasser in eine Handschale und schmierte damit auf der Haut der Frau herum. Ale er nach der zweiten oder dritten Ladung Wasser nur mehr fummelte als wusch, traf ihn ein Fußtritt Eiriks und beförderte ihn ins Moos.

Ohne lange zu zögern, schnitt Eirik die Frau vom Stamm und schubste sie bäuchlings über einen großen, bemoosten Stein, auf dem er bei seiner Mahlzeit gesessen hatte. Unter dem Beifall seiner Männer schob er seinen Lederschurz beiseite und drang von hinten in die Frau ein. Jeden seiner Stöße begleiteten die Männer mit rhythmischem Klatschen und je schneller er ackerte, desto schneller wurde ihr Beifall und Gegröle.

Die Nacht senkte sich langsam über die Szene und mit einem Mal waren alle Glühwürmchen verschwunden. Doch keinem der Skoten fiel dies auf. Warum auch? Sie hatten besseres zu tun und ihre Begeisterung für die Schandtat steigerte sich, als Eirik mit der Frau fertig war und den nächsten Mann herbeiwinkte. Der Anführer der Söldnerbande wollte sich gerade zum Bach aufmachen, um sich zu waschen, als von einer Sekunde zur anderen das Gejohle abstarb. Misstrauisch drehte er sich herum und sah seinen Nachfolger immer noch in gleicher Stellung wie er zuvor in der Frau stecken. Doch mitten aus dessen Brust ragte ein kurzer Wurfspieß hervor und sein neuer Besitzer senkte ungläubig den Kopf, um das Ende des Schaftes zu betrachten. Noch bevor er langsam rückwärts umfiel, hatten die anderen begriffen und sich ihre Waffen geschnappt.

Geistesgegenwärtig traten Cullum und ein anderer das ohnehin schwache Feuer aus und schoben Erdreich darüber. Sie wollten durch das spärliche Licht der Glut nicht auch noch ein gutes Ziel abgeben. Eirik schob sich zwei Schritte beiseite, sodass ihm ein dicker Stamm als Rückendeckung und ein Mann vor ihm – ohne dass dieser es bemerkte – als Schutzschild nach vorne diente. Die anderen verlegten sich darauf, in Bewegung zu bleiben, wobei sie angestrengt in die Dämmerung blickten. Erst jetzt in dieser Stille registrierten sie die absolute Ruhe des Waldes. Kein Blatt rauschte, kein Vogel zwitscherte, nicht der geringste Windhauch flüsterte.

In unbestimmter Entfernung hörten alle ein kurzes, trockenes Schnalzen und Cullum wollte gerade etwas sagen, als der Mann neben ihm mit einem erstickten Gurgeln niedersank, einen gefiederten Pfeil im linken Auge. Ohne auf ihren sterbenden Kameraden zu achten, wechselten die anderen rasch ihre Positionen und versuchten den Ausgangspunkt des Schusses zu finden. Doch ihre eigenen Schritte verdeckten die leisen Sprünge des Schützen.

Einem erneuten, dieses Mal näherem Schnalzen folgte der Aufschrei eines weiteren Mannes, dem ein Pfeil in die linke Schulter gefahren war, und der nun versuchte, diesen abzubrechen. Doch das war ein Fehler, denn dabei blieb er stehen und ein zweiter Pfeil, nur wenige Zentimeter neben dem ersten, bohrte sich mitten in sein Herz. Jetzt erst besannen sich die Skoten ihrer Kriegskunst und warfen sich zu Boden, hinter Büsche oder umgestürzte Stämme in Deckung.

„Was meinst du, Eirik, wie viele sind es?“, keuchte Cullum zwischen wütend verzogenen Lippen hervor und verfluchte die zunehmende Dämmerung. Er war noch nie ein Freund des Zwielichts gewesen. Eine schwarze Nacht war ihm immer lieber gewesen als ein heller Tag. Konnte er doch die Nacht als Schutz für seine Vorlieben und Tätigkeiten besser nutzen, als gelben Sonnenschein. Cullum ahnte, dass dieses Mal die Nacht womöglich nicht sein Freund sein würde. Wie zur Bestätigung, wurde einer der am Boden liegenden Männer von einem langen Speer mitten ins Rückgrat getroffen und blieb tot liegen.

„Aarrrh!“, schrie Eirik in die Dunkelheit des Waldes. „Du feiger Hund, komm heraus und kämpfe mit mir!“

Zu seiner Überraschung erschall eine tiefe Stimme und er erschrak, wie nahe sie ihm sein musste. „Du nennst mich einen Feigling? Vergewaltiger einer wehrlosen Frau.“

Cullum, Eirik und die beiden letzten verbliebenen Skoten suchten die Stelle, aus der die Stimme zu kommen schien, doch nur wenige Wimpernschläge später kam ein Pfeil aus einer anderen Richtung und blieb eine Handbreit vor einem Mann zitternd in einem Baumstamm stecken. Mit vor Schreck geweiteten Augen warf dieser sich nieder. „Ein Waldgeist! Ein Dämon!“, rief er und nestelte an seinem Gürtel herum. Sein zweites Langmesser hatte sich verfangen und wollte einfach nicht in seine Hand.

„Blödsinn! Das ist ein Mensch. Steh´ auf und kämpfe, du Memme!“, sagte sein Kamerad und bückte sich zu ihm hinunter. Als er sich wieder aufrichtete, sah er zwischen zwei Bäumen eine Gestalt stehen, mit aufgezogenem Pfeil in einem überlangen Bogen. Noch bevor er einen Warnruf ausstoßen konnte, traf ihn der Pfeil mitten in die Stirn und er brach über seinem zitternden Kumpan zusammen.

„Das waren es ihrer nur noch drei!“, erklang die dunkle Stimme, die längst nicht mehr zwischen den beiden Stämmen stand, von wo aus sie geschossen hatte.

Mit einem Mal sprang der Zitternde auf die Beine und rannte aus dem Wald in Richtung Bach davon, alle seine Waffen liegen lassend, bis auf das Messer, das er vergeblich hatte ziehen wollen.

Cullum sah Eirik in die Augen und im gleichen Augenblick entdeckte er den Bogenschützen hinter seinem Anführer aus dem Dunkel des Waldes treten. Der Bogenschütze war nicht im Entferntesten das, was er erwartet hatte. Kein Pikte, kein Caledonier oder Epidier. In der Sekunde, als er den ersten kurzen Wurfspieß in der Brust seines Kampfgenossen gesehen hatte, hatte er sogar an Verrat und römische Soldaten gedacht. Doch das hier war völlig unerwartet. Der Bogenschütze war ein Druide. Doch Druiden kämpfen nicht, sie sind Weise, Heiler und Priester, dachte er verwirrt.

Aber der Druide, der nun auf die beiden letzten Skoten mit festem Schritt zukam, war eindeutig ein Kämpfer. Er ließ gerade achtlos seinen Bogen fallen und Cullum bemerkte, dass sein Köcher auf dem Rücken leer schien und er nun deswegen seinen weißen Umhang beiseite schob und gleichzeitig zwei römische Kurzschwerter zog. Alleine wie der Druide die Schwerter leicht schräg von sich hielt, verriet den geübten Schwertkämpfer.

Die ganze Zeit über – in Wahrheit waren es nur wenige Augenblicke – hatte sich Eirik scheinbar nicht gerührt und Cullums Augen und Reaktionen darin scharf beobachtet. Seine Hände jedoch hatten sich um den Stiel einer Streitaxt gekrümmt, die er mit seinem Körper verbarg und er wartete nur darauf, dass sein Feind in ihre Reichweite kam.
Cullum überlegte nur kurz und traf eine Entscheidung.

Anstatt Eirik bessere Chancen im Kampf zu verschaffen, hielt er die Idee, seinen Anführer als Rückzugsgarantie zu benutzen, für sein eigenes Überleben als Erfolg versprechender. Das Unglauben in Eiriks Augen nahm er als letzten Eindruck mit in die nun endgültig hereingebrochene Nacht, als er herumwirbelte und mit wenigen Sprüngen in der Nacht verschwand.

„So bist du nun allein, Vergewaltiger!“, sagte der Druide und erlaubte seiner Stimme die Befriedigung auszudrücken, die er empfand. „Acht Krieger gegen einen einfachen Jäger, seine Frau und seine beiden Söhne.“ Er verriet damit, dass er die Leichen gefunden hatte und erst in der Dämmerung auf sie gestoßen war und den Anfang des Mordens und der Vergewaltigungen nicht mitbekommen hatte.

„Wer bist du, Druide? Sag mir deinen Namen!“

Beide standen noch fünf Schritte voneinander entfernt und jeder behielt die Waffen des anderen im Blick und ließ sich weder durch Worte, noch durch die Augen seines Gegners davon ablenken.

„Warum sollte ich dir meinen Namen verraten? Ich bin kein berühmter Mann, also was kümmert es dich? Auf deinem Weg in den Abgrund des Hades benötigst du diese Information nicht. Du glaubst doch an den Hades, oder? Römersklave!“ Das letzte Wort spuckte er förmlich heraus.

Eirik war nun völlig verwirrt. Sein Gegner benutzte römische Schwerter und Wörter und beschimpfte ihn im gleichen Augenblick als Römersklave. Vielleicht war er doch ein Pikte?
„Du hast römische Schwerter… im Grunde zeigst du damit, dass dir bewusst ist, dass das Römische Imperium deinen tätowierten und bemalten Halbaffen hundertfach überlegen ist.“

Die grenzenlose Wut, die nun aus den Worten des Druiden klang, machte Eirik klar, dass hinter diesem Mann weit mehr steckte als Heilkunst und priesterliche Tätigkeiten. „Nein, es zeigt einfach, dass mir jedes Mittel Recht ist, Abschaum wie dich ins Jenseits zu befördern.“

Beim letzten Wort schritt der Druide entschlossen auf Eirik zu und stach blitzschnell mit einem Schwert in Richtung Herz, mit dem anderen machte er einen fürchterlichen Hieb, den Eirik nur mit beidhändig geführter Axt abblocken konnte.

So war es dem Skoten nicht möglich zu verhindern, dass ihn das erste Schwert einen tiefen Stich in den linken Oberarm versetzte. Er war zwar nicht bedrohlich, doch konnte er damit die Axt nur noch mit einer Hand führen. Er hatte keine Zeit mehr, die schwere Streitaxt gegen ein leichteres Schwert zu tauschen, denn noch bevor er die Axt zu einem eigenen Schlag erheben konnte, fuhr ihm das rechts geführte Schwert des Druiden von unten in die Gedärme.

Ohne auch nur im Streich innezuhalten, drehte der Druide das Schwert im Bauch des Gegners und stieß den linken Schwertknauf mit aller Wucht gegen die kraftlos gehaltene Axthand.

Eirik stürzte zu Boden, seine flatternden Hände versuchten die Därme am Herausgleiten aus der tiefen Wunde zu hindern und konnten die Flut doch nicht bändigen. Zwar konnte Eirik im Sterben sehen, wie sich die Lippen seines Widersachers bewegten, doch die Worte hörte oder verstand er nicht mehr.

„Du bist zwar kein Römer, aber einer ihrer Speichellecker. Du bist eine Schande für dein Volk, und deine britannischen Vettern sind im Grunde meine Brüder. Du jedoch, bist nichts als irisches Skotenpack!“

Copyright © 2010 by Cameo Flush

Buchtip der Redaktion:

Diefenthal, Werner
Das Schwert der Druiden

Verlag :      Acabus Verlag
ISBN :      978-3-941404-68-7
Einband :      Paperback
Preisinfo :      13,90 Eur[D] / 13,90 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang :      236 S. – 19,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 09.2010

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Eigentlich ist der siebzehnjährige Michael ein ganz normaler Teenager. Doch als er nach dem Tod seines Großvaters in dessen Zimmer ein geheimnisvolles Schwert entdeckt, wird sein Leben plötzlich auf den Kopf gestellt: Er findet sich in einer fremden Welt wieder und erfährt, dass er der “Erlöser” ist, der letzte in einer langen Reihen von Kriegern und dazu ausersehen, eine alte Prophezeiung zu erfüllen und die Menschen Arcradias vor einer finsteren Bedrohung zu schützen. Und es bleibt ihm nicht viel Zeit, um seiner Aufgabe nachzukommen, denn das schwarze Schloss ist bereits zum Leben erwacht und dunkle Mächte rüsten sich zum Schlag gegen Arcradia…

Werner Diefenthal erschafft eine faszinierende Welt, mit der es ihm von der ersten Seite an gelingt, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Atemberaubende Spannung entsteht, wenn sich der Kampf zwischen Gut und Böse entfaltet und das Schicksal einer ganzen Welt auf dem Spiel steht. Wird es Michael gelingen, die finstere Herrscherin Xenia zu besiegen und die Menschen Arcradias vor dem sicheren Untergang zu bewahren? Eine schöne Aufmachung mit aufwendig gestalteten Initialen machen “Das Schwert der Druiden” zudem auch optisch zu einem echten Highlight für jeden Fantasy-Fan.

Werner Diefenthal wurde 1963 im Rheinland geboren und ist seit zehn Jahren in Oberfranken wohnhaft. Nach einer Ausbildung im Schlosserhandwerk und einer späteren Weiterbildung im Qualitätsmanagement ist er seit 1998 in diesem Bereich tätig. Seine Liebe zur Schriftstellerei entstand in der letzten Dekade des 20.Jahrhunderts. Die Idee zum Buch “Das Schwert der Druiden” entwickelte sich während eines Trödelmarktbesuchs, als ihm ein altes Schwert ins Auge fiel. Das erste Manuskript war noch handschriftlich und entstand im Jahr 1993 in einem Bistro bei vielen Tassen Kaffee. Werner Diefenthal ist verheiratet und hat mit seiner jetzigen Frau eine Tochter sowie eine weitere Tochter aus erster Ehe. In seiner Freizeit liest er gerne, fährt Fahrrad und schreibt. Ein weiteres Hobby des Autors ist das Kochen.

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4 Kommentare zu “SKOTENPACK – aus: “Die Spiegelkrieger des Druiden” Fantasy-Roman von Cameo Flush”

  1. Detlef Hedderich sagt:

    Klasse, die Geschichte macht neugierig auf den gesamten Roman. Scheint ja ein blutige Angelegenheit zu werden, denn spannend erzählt.

    Ich denke, du hast damit ins Schwarze getroffen und eine gute Chance auf den Hauptgewinnn des Story-Wettbewerbs hier im sfbasar.de, da du dieses Kapitel deines zukünftigen Romans ja als Wettbewerbsbeitrag nominiert hast.

    Allerdings konnte ich bislang noch keine echten Fantasy-Elemente entdecken, kommen die noch im weiteren Verlauf des Romans noch vor oder bleibt es eher historisch orientiert?

  2. Cameo sagt:

    Hallo Detlef,

    vielen Dank für dein Lob; hört man immer gerne.

    Die Fantasy-Elemente sind: Ein dämonisches Rezept auf einem uralten Stein aus dunklen Epochen. Durch Blut wird der Text auch für Menschen lesbar und ein Trank für Tote wird gebraut. “Die Spiegelkrieger des Druiden” sind eine Armee aus wiedererweckten Toten und liefern (m)eine Erklärung für die historische Tatsache, dass die Pikten um 180 n.Chr. den römischen Hadrianswall überrannt haben.

    Ja, es ist und wird an vielen Stellen brutal, gnadenlos, blutrünstig, aber so waren Kriege eigentlich schon immer. Ich würde den Roman als Dark-Fantasy bezeichnen; sogar mit einem Element veränderten Geschichtsverlaufes. Denn ich spiele mit dem Gedanken, die Pikten ganz Britannien von den Römern zu befreien, was ja so in der Realität nicht stattgefunden hat.

    Von etwa 21 oder 22 Kapiteln sind 9 geschrieben, das Konzept des ganzen Romanes ist fertig. Was nicht heißt, dass mir nicht noch das eine oder andere einfällt… vielleicht:
    “Amazone der Spiegelkrieger” und
    “Das Reich der Spiegelkrieger” als zwei mögliche Fortsetzungen.
    In Wahrheit ist eine Geschichte nie zu ende, denn das Leben an sich und die Zeit enden nie.

    Cameo

  3. Cameo sagt:

    Hab noch ein paar Kleinigkeiten zum Feintuning gefunden, mach das aber im Roman.

    Cameo

  4. sfbasar.de » Blog Archiv » Autorenporträt Werner Karl sagt:

    [...] überarbeitet) Die Spiegelkrieger des Druiden (als Cameo Flush; in Arbeit; aktuell 400 Seiten) Leseprobe “Skotenpack” siehe Rubrik Storys Leseprobe “Kreuz und Pfahl” siehe Rubrik [...]

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