SEKHMETS RÜCKKEHR – Teil 1 – “Die Skarabäen” Kapitel 1 – eine Fantasy-Fortsetzungsgeschichte von Barbara Wegener
Erstellt von Barbara Wegener am Samstag 22. Oktober 2011
SEKHMETS RÜCKKEHR
Teil 1
“Die Skarabäen”
Kapitel 1
eine
Fantasy-Fortsetzungsgeschichte
von
Barbara Wegener
„Es ist Zeit.“
Das Flüstern riss mich aus meinen Gedanken.
„Muss das wirklich sein? Noch nie habe ich mich so glücklich gefühlt wie hier.“
Ich hatte Angst. Fürchterliche Angst. Nichts war mehr so wie früher.
„Du musst gehen. Es ist vollbracht.“
Die Dunkelheit, diese wundervolle, heimelige Dunkelheit, wich einem Dämmerlicht. Langsam spürte ich meinen Körper. Ein tiefes, lautes Rumoren ließ mich zusammenfahren.
Hunger. Ich hatte Hunger.
„Geh. Du musst Nahrung zu Dir nehmen.“
Nahrung. Ich dachte an meine letzte Mahlzeit. So viel Zeit war vergangen. Blut. Ich hatte Blut getrunken. Damals. Ich musste mich angeekelt schütteln, als ich daran dachte. Wie merkwürdig. Ich hatte diesen Trunk immer genossen. Und jetzt? Vater. Er hatte mich in diese Höhle gebracht, als ich ihm zu mächtig wurde. Wie viel Zeit wohl vergangen war?
Langsam kehrten meine Erinnerungen zurück.
Sekhmet, die Mächtige, die Herrin des Zitterns, hatte mich erhoben. Ich wurde nicht getötet wie andere Menschen, sondern durfte mich ihr anschließen. Wir waren zunächst nur eine kleine Gruppe. Tagsüber schliefen wir in den herrlich dunklen Grabhöhlen der ehemaligen Herrscher, nachts dann labten wir uns gemeinsam am Blut des ägyptischen Volkes.
Dann war Sekhmet plötzlich verschwunden. Die Kräfte, die sie uns hinterlassen hatte, sorgten aber dafür, dass niemand uns aufhalten konnte.
Wir waren wie Götter. Unsere Macht wuchs stetig, so auch die Zahl unserer Anhänger. Sie brachten uns Menschen, deren Blut wir trinken konnten. Die treuesten unserer Anhänger verwandelten wir in unseresgleichen.
Dann kam der Tag, der alles veränderte.
Mein Vater und die übrigen Priester hatten unsere Schlafstätten entdeckt. Ich hörte die Schreie der Brüder und Schwestern. Die Priester hatten Feuer in den Höhlen gelegt. Das einzige Mittel, uns zu vernichten. Ich konnte nicht helfen. Die Sonne stand noch am Himmel und ihre Macht war genauso verheerend für einen Vampyr, wie das Feuer. Dann hörte ich sie kommen. Mit Fackeln in den Händen stürmten sie meinen Unterschlupf. Es waren zu viele Gegner für mich. Zumindest, bis die Nacht hereingebrochen war. Dann hatte ich meine volle Macht. Ich blickte in das harte, entschlossene Gesicht meines Vaters. Mir war klar, dass ich keine Gnade erwarten konnte, also versuchte ich nicht, um mein Leben zu flehen.
Sie stürzten sich aber nicht mit ihrem Feuer auf mich. Reglos blieben sie in einem Halbkreis vor mir stehen und warteten.
Dann, ich hoffte schon, dass sie mich meiner Kräfte wegen verschonen würden, öffnete sich die Menschenmauer und eine geöffnete schwarze Holzkiste wurde vor mich geschoben.
Erstaunt blickte ich meinen Vater an. Aber sein Gesicht zeigte keine Regung. Er zeigte lediglich auf die Kiste.
„Steig hinein!“
Was sollte das? Nun, wenn sie meinten, mich in solch einem zerbrechlichen Behältnis gefangen halten zu können, sollten sie sich wundern. Zwei Priester trieben mich mit ihren Fackeln auf die Kiste zu. Mir blieb nichts anderes übrig, als hinein zu steigen. Diese Unverschämtheit würden sie bald bereuen. Ich spürte, dass der Sonnenuntergang nicht mehr lange auf sich warten ließ. Mit einem lauten Poltern schloss sich der Deckel. Dann spürte ich, dass die Kiste angehoben wurde.
„Beeilt Euch!“, hörte ich Vaters gedämpfte Stimme rufen „Bald geht die Sonne unter und wir haben noch einen weiten Weg vor uns.“
Ja. Bald geht die Sonne unter und ihr werdet für euren Frevel blutig bezahlen. Die Kiste wurde auf einen Pferdewagen gehoben und schon setze er sich in Bewegung. Nicht mehr lange und meine Zeit war gekommen. Ich spürte meine Kräfte wachsen. Der Wagen hielt an und die Kiste wurde heruntergehoben.
Ich roch drei Menschen. Roch ihre Anstrengung, roch ihre Angst. Recht so. Die Angst war berechtigt. Nur noch wenige Minuten und ich war frei. Und sie mein Frühstück.
Die Kiste wurde abgesetzt und die Menschen entfernten sich.
Es war soweit.
Die Sonne war untergegangen und ich verfügte über meine vollen Kräfte. Ohne Anstrengung konnte ich die Kiste öffnen und heraus steigen. Ich befand mich in einer großen Höhle. Vor der kleinen Öffnung standen die drei Menschen und schienen abzuwarten. Sie warteten offenbar auf ihren Tod. Gut. Sollte er ihnen zuteil werden.
Ich fletschte meine Zähne und stürzte mich auf die Frevler. Und wurde von einer unsichtbaren Wand zurück geworfen. Irritiert hörte ich das erleichterte Aufatmen der Menschen.
„Der Weise Mann hatte also Recht. Aus dieser Höhle kann kein Vampyr entkommen. Lasst uns gehen. Wir haben das Übel besiegt.“
Ohne mich noch einmal anzusehen drehten sie sich um und gingen zurück zu ihren drei Pferdewagen, die in wenigen Metern zur Höhle standen. Ich wollte ihnen hinterher rufen. Wollte bitten, flehen, drohen. Doch kein Laut drang über meine Lippen. Der Eingang zur Höhle wurde kleiner und kleiner. Trotz meiner scharfen Augen konnte ich nichts erkennen.
Dann überfiel mich bleierne Müdigkeit.
Ich fiel in einen tiefen Schlaf, aus dem ich von Zeit zu Zeit aufschreckte, wenn die Albträume von meinen Untaten keinen Schlaf mehr zuließen. Aber auch die Albträume verschwanden.
Ich verlor jegliches Zeitgefühl. Aber ich bemerkte, dass sich mein Körper veränderte. Was genau mit mir geschah, kann ich nicht sagen. Ich verspürte keinen Hunger. Die Höhle nährte mich. Alles Körperliche viel von mir ab. Mir blieben nur meine Gedanken.
Fünf tausend Jahre nur Gedanken.
Dann kam das Flüstern.
„Geh. Sekhmet ist zurückgekehrt. Suche die, die so sind wie du und vernichte die verderbte Brut der Herrin des Zitterns. Begleiche Deine Schuld. Erfülle Dein Schicksal. “
Der Eingang zur Höhle, der seit tausenden Jahren verschlossen war, öffnete sich.
Helles Tageslicht flutete in die Höhle und nahm mir für Augenblicke die Fähigkeit zu sehen.
Die Hitze des Tages vertrieb die angenehme Kühle, die ich jahrtausende gewohnt war. Trotzdem fröstelte es mich. Sekhmet war wieder zurückgekehrt. Das Grauen begann von neuem.
Ich verließ mit unsicheren Schritten die Höhle.
Zum ersten Male, seit fünftausend Jahren.
Und da sah ich ihn.
Er lehnte völlig entspannt an seinem dunkelroten Humer und grinste mich an.
Fünftausend Jahre hatte ich kein anderes Lebewesen erblickt. Und wen sah ich als erstes?
Eric. Ausgerechnet Eric.
Autsch! Das hat wehgetan.“
Ich rieb mir den Arm, gegen den Eric mich geboxt hatte.
„Ist doch war. Fünftausend Jahre Einsamkeit. Es gibt so viele gutaussehende, nette Männer auf dieser Welt. Und wer erwartet mich? Du!“ Ich grinste ihn an. „Tja. So hab ich ihn getroffen. Ehemaliger Vampyr und ehemaliger Werwolf begegnen sich in der Wüste.
Haben wir noch nen Kaffee?“
Ich hielt Steffi meinen Kaffeebecher hin. Steffi. Perle des Unternehmens. Ohne sie würden wir im Chaos versinken. Sie hatte stets Heftpflaster, Gute Ratschläge, tröstende Worte, Kaffee und Munition für unsere Waffen zur Hand. Außerdem hatte sie einen guten Draht zum Chef. Das war auch nicht zu verachten.
„Ich glaub, ich muss neuen kochen. Jens hat den letzten genommen und mal wieder vergessen neuen zu machen. Augenblick. Nicht weitererzählen. Ich will auch alles hören.“ Eilig verließ Steffi das Zimmer. Ihr hüftlanges, pechschwarzes Haar wehte wie eine Fahne hinter ihr. Immer erwartete ich, dass es in einer zuschlagenden Tür hängen blieb. Aber ihre Haare schienen ein Eigenleben zu führen. Kurz bevor die Türen sich schlossen, wellten und ringelten sie sich und Steff verließ unbeschadet jeden Raum.
Erstaunlich. Vielleicht sollte der Professor dieses Phänomen einmal untersuchen. Ich musste bei der Vorstellung lächeln, ihm diesen Vorschlag zu machen.
„Für wann hast du die Pizza bestellt?“ Fragend sah ich zu Eric hinüber, der mittlerweile lässig auf dem braunen Ledersofa im Erker des Raumes saß und in einem seiner heiß geliebten Mangas las.
„Für halb sieben. Ich hoffe, dass die andern dann schon zurück sind. Ansonsten müssen wir uns opfern und die doppelte Portion vertilgen.“ Er grinste mich an. „Ich sehe schwarz für Deine Hüften.“
Er hatte damit gerechnet, dass ich etwas nach ihm werfen würde und fing das Feuerzeug, das auf ihn zugeschossen kam, geschickt auf.
Steffi drückte die Tür mit ihrem Rücken auf. In ihren Händen hielt sie ein Tablett mit Kaffeekanne, Tassen, Zucker- und Milchdose. Und einem Computerausdruck.
Vorsichtig stellte sie das Tablett vor mir auf den niedrigen Glastisch.
Mit den Worten: „Das ist grade gekommen. Ich hab’s Dir ausgedruckt“, reichte sie Eric das Blatt Papier.
„Mist!“ Eric gab mir den Ausdruck. „Die Pizza können wir wohl abschreiben. Hoffentlich sind Janny und Sven bald da. Wir müssen sofort los.“
„Gelsenkirchen. Wir müssen also ins Ruhrgebiet. Ich sag schon mal in Trollenhagen bescheid, dass das Flugzeug fertig gemacht werden soll.“ Ich wählte die Nummer des Flughafens. Wie immer beschwerte sich Tobias, dass er nicht früher informiert wurde, wie immer würde das Flugzeug aber bereit sein, wenn wir am Neubrandenburger Flughafen ankämen.
„Ich mag diese kleine Maschine nicht“, beschwerte sich Eric.
„Du magst gar kein Flugzeug. So ein großer, starker Mann und hat Angst vorm Fliegen.“ Augenblicke später konnte ich mein Feuerzeug, das er mit Wucht zurückwarf, wieder einstecken.
„Dann werd ich wohl heute deine Geschichte nicht zu hören bekommen.“ Steffi seufzte. „Ich war schon so gespannt zu hören, wie du ein Werwolf geworden bist.“
„Wenn wir vom Einsatz zurück sind.“ Eric blickte ernst drein. „Falls wir jemals zurückkommen“, murmelte er fast unhörbar.
Ich musste innerlich lachen. Eric legte sich mit jedem Monster an, das ihm über den Weg lief. Aber vor dem Fliegen hatte er tatsächlich eine Höllenangst.
„Jemand zuhause?“ Svens tiefe Bassstimme dröhnte aus der Eingangshalle zu uns herauf.
„Wir haben den Pizzaboten vor dem Haus getroffen. Ich bekomm von jedem 12 Euro.“
Dann hörten wir polternde Schritte auf der Treppe und der Geruch nach frischer Pizza drang uns in die Nase.
Augenblicke später standen die Beiden vor uns. Sven, groß wie ein Bär, mit dichtem Bart und fast schulterlangen, braunen Haaren und Janny, zierlich wie eine Puppe, blond und fast kahl geschoren. Ein sehr ungleiches Paar, das aber eine innige Liebe verband.
„Mit dem Essen werden wir uns beeilen müssen. Ein neuer Auftrag.“ Eric wedelte mit dem Stück Papier, das Steffi ihm gereicht hatte. „Skarabäen in der Veltins-Arena. Wir müssen sie aufhalten, bevor sie noch irgendwen auffressen.“
„Die Viecher sind in nem Fußballstadion aufgetaucht? Ist ja mal was Neues.“ Genüsslich biss Janny in ein Stück Thunfischpizza. So leicht ließ sie sich durch nichts aus der Ruhe bringen.
„Ich mag keine Krabbeltierchen. Die sind eklig“, nuschelte Sven mit vollem Mund.
„Du magst kein Tier, das kleiner ist als du“, neckte ihn Janny. „Du magst also gar keine Tiere.“
„Unsere Männer sind nun mal Angsthasen“, grinste ich und griff nach meiner Pizzaschachtel.
Schnell war die Pizza vertilgt und wir packten unsere Taschen für den Einsatz. Steffi hatte mittlerweile für das Taxi gesorgt, das uns zum Flughafen bringen sollte.
Es war früher Morgen und die Fahrt ging schnell voran. Binnen kürzester Zeit waren wir in Trollenhagen. Das Taxi fuhr auf den Sandparkplatz direkt neben der Rollbahn.
„Huhu, Toni! So früh schon auf den Beinen?“ Sven grüßte einen Plane-Spotter, der mit glänzenden Augen und einer Canon EOS1000D in den Händen an seinem schwarzen Mazda lehnte und unser Flugzeug beobachtete.
„Moin, Eric. Ich lass mir doch keine Dassault Falcon 2000 entgehen, wenn das Teil schon mal hier steht.“
Wir winkten Toni noch einmal kurz zu und stürmten dann über das Rollfeld zum Flugzeug, wo der Pilot schon ungeduldig auf uns wartete.
Ende
(wird fortgesetzt! – Das nächste Kapitel folgt voraussichtlich im November 2011)
Copyright © 2011 by Barbara Wegener
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* 2011
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Samstag 22. Oktober 2011 um 22:13
Die Geschichte macht neugierig und klingt nach einem interessanten Abenteuer! Weiter so!
Samstag 22. Oktober 2011 um 22:13
Ich habe drei Tippfehler gefunden und gleich in Ordnung gebracht!
Sonntag 30. Oktober 2011 um 09:42
@Barbara
Meinst du mit “Humer” vielleicht ein Hummer (Fahrzeug)? Nein, vermutlich nicht. Warum sollte das im Wohnzimmer stehen
.
Hinter “Das hat weg getan!” steht ein einsames Gänsefüßchen
. Ein paar Zeilen darunter auch nochmal.
In “Ist doch wahr.” fehlt ein “h” in “war”.
Huch, erst in der Höhle, dann irgendwo in Deutschland … (Minuten Später) … Moment, kapiert
. Obige Gänsefüßchen und der Szenenwechsel hängen offensichtlich zusammen. Vielleicht hättest du da einen erklärenden Satz einfließen lassen können, in der Art: “Ich unterbrach meine Erzählung, als mich Eric in den Arm knuffte.”, damit klar wird, was da passiert. Und Absätze innerhalb der direkten Rede finde ich verwirrend. Das sieht echt so auch, als hätte man da Satzzeichen vergessen.
Den ersten Teil habe ich sehr interessiert gelesen und war ganz gespannt darauf, wie’s weiter geht
. Leider ist im zweiten Teil die Luft ein bisschen raus mit dem Pizza-Geplänkel, dem lässigen Umgang mit dem Skarabäen-Auftrag und so.
.
Ich stehe eigentlich nicht auf Vampir-Geschchten, aber in der Art des 1. Teils würde ich gern mehr lesen
Sonntag 30. Oktober 2011 um 16:30
Man kann solche Texteinschübe auch krusiv machen, Micha!
Sonntag 30. Oktober 2011 um 16:31
kursiv
Sonntag 30. Oktober 2011 um 17:18
Du meinst die Erzählung der Protagonistin? Ja, genau. Manche machen auch einen Szenentrenner (ich weiß nicht wirklich, wie man das nennt). Ich meine z.B. “***” oder “—” oder irgendwelche Schnörkel, damit man die Erzähl-Perspektive wechseln kann.
Mittwoch 2. November 2011 um 01:36
Da kann man ja gespannt sein wie die nächsten Kapitel und Teile sind, ich finden auch den Übergang in die heutige Zeit recht drastisch, 5000 Jahre einfach so?
Freitag 4. November 2011 um 20:05
Gefällt mir.
Gerade gesehen, das der Buchtipp auf ein eBook mit DRM hinweist. Schade, ist dann nic für meinen Reader.
Samstag 5. November 2011 um 18:14
Hah! Wasser auf meine Mühlen. Das ist doch genau einer der Punkte, warum ich die Dinger nicht mag. Wer es genau wissen möchte, soll mal alleine zum Punkt “E-Book-Formate” diesen kleinen Artikel lesen: http://www.ebooknet.de/uebersicht-vergleich-ebook-formate
Und wer es noch nicht gelesen hat, meinen zum Gesamtthema E-Book / E-Reader: http://sfbasar-blog.taysal.net/allgemein/ebooks-%e2%80%93-sinn-und-unsinn-neuer-elektronik/
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