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RAUCHEN IST MORD – RAUCHER SIND MÖRDER – Eine Kurzgeschichte von Wolfgang G. Fienhold

RAUCHEN IST MORD – RAUCHER SIND MÖRDER

Eine Kurzgeschichte

von

Wolfgang G. Fienhold

Krimi–Seher wissen es schon lange: Der Mörder fährt Jaguar und raucht.

Nicht einmal Jerry Cotton raucht oder trinkt mehr, den Jaguar haben ihm die beschnittenen Serienschreiber aber noch nicht genommen.

Kommt noch, keine Bange. In einigen Jahren wird er mit einem solar angetriebenen Toyota auf Verbrecherjagd gehen. Das wird schwer, denn die Bösen fahren Jaguar.

Andererseits leicht, denn sie rauchen und müssen deshalb anhalten, um Zigaretten zu kaufen.

In den Medien werden Raucher schon lange pauschal als Süchtige bezeichnet, unvorstellbar inzwischen, dass jemand auf dieser Welt etwas aus Genuss tut.

Na, sich in Luft sprengen, um 72 Weintrauben zu zerkauen (mit was eigentlich?). Mohammed mochte keinen Alkohol und Zigarren kannte er nicht. Ich bin aber sicher: Er hätte sie verdammt.

Und im Verdammen sind sich Religionen meist einig, eben alles, was Spaß machen könnte.
Doch ich schweife ab.

Bomben entwickeln ebenfalls Rauch, man muss also zwischen Rauch und Rauch differenzieren. Bomben = Guter Rauch, Zigaretten = Übler Rauch, eine zumindest für Militaristen akzeptable Formel.

Bei Braunkohlekraftwerken streiten sich Geister ebenso wie bei anderen Rauchentwickelungen.

Nur bei den Rauchern sind sich fast alle Nichtraucher einig: Raucher sind Mörder, wenigstens Totschläger oder Körperfresser, Körperverletzter.

Die Beschaffungskriminalität ist enorm; täglich, weltweit gesehen sekündlich überfallen Raucher Tankstellen, Supermärkte, Banken und alte Omas, um sich Nikotin spritzen zu können.

Das sieht auch noch ekelhaft aus und deshalb dürfen sie auch nicht mehr in öffentliche Gebäude oder Gaststätten.

Im Sommer 2007 hatten Stammtischraucher noch gewitzelt: „Siehst du die Toten dort im Tal? Das sind die Raucher von Reval. Siehst du die Leichen hinterm Strauch? Nichtraucher sterben auch.“

Außerdem stinken Raucher (-leichen) wie Iltisse, dummerweise wissen die Normalbürger nicht wie sehr Eisbären stinken, das würde die Zuneigung für Knuts und Flockes relativieren.

Da kann bald das Geruchsfernsehen Abhilfe schaffen, eher nicht, fällt mir da ein, denn Normalbürger gucken auch Dschungelcamp, Oliver Geissen und anderen Scheiß. Dieser Scheiß ist guter Scheiß.

Bleiben wieder nur die Raucher.

Das Problem mit den Zigarettenautomaten löste sich fast von selbst, seit der Einführung der Alterserkennung und der umständlichen Handhabung wurden die Geräte kaum noch genutzt.

Den Rest rissen die „Milizen aufrechter Bürger“ einfach runter.

Bald darauf brannten die Tabakwarenläden, angenehme Gerüche lagen über den Städten.

Doch die Mafia schreckte nicht davor zurück, die Suchtkranken weiterhin mit chinesischen oder moldawischen Rauchgenüssen zu versorgen.

Von rund 20 Millionen Rauchern in Deutschland hatten 10 Millionen ohnehin aufhören wollen und die Furcht hatte ihren Vorsatz beflügelt.

Mit den 10 Millionen Übrigen würde man auch noch fertig werden, verkündeten die Milizen, schließlich habe man gelernt im letzten Weltkrieg entartetes Menschenmaterial in noch höheren Zahlenbereichen ausgemerzt.

Autos ohne Feinstaubplaketten und dicke Geländewagen wurden im Rahmen der kolateralen Säuberung plattgemacht.

Manchmal saßen noch die Fahrer in den Wagen, wenn die in die Luft flogen, aber das war die gewünschte Hauptwirkung.

Vor Risiken und Nebenwirkungen hatte man ja lange genug gewarnt.

Ein wenig Widerstand formierte sich, hauptsächlich in den Ballungsgebieten. Parolen wurden an die Wände gesprüht: Einstein war Raucher oder Hitler war Nichtraucher, Vegetarier und Abstinenzler. Doch damit erreichte man er das Gegenteil vom Erwünschten.

Und die Raucher waren leicht zu finden in ihren nur noch wenige Quadratmeter großen Ghettos, denn das Rauchen war in Privatwohnungen schon lange nicht mehr gestattet.

Selbst der in die Luft geblasene Rauch war den Hardlinern noch zu giftig.

„Wir haben die Erde nur von unseren Urenkeln geliehen“, riefen sie. Zuerst kam es nur zu massiven Handgreiflichkeiten, doch bald herrschte die Meinung vor, dass man potentielle Mörder präventiv auslöschen sollte. Und so geschah es.

Politik, Polizei und Bundeswehr schauten schulterzuckend zu.

Die reichen Raucher setzten sich in die Schweiz ab, den ärmeren war jedes Land von Polen bis Kanada genehm. Deutschland war schneller rauchfrei als je gedacht.

Doch die Gesundheitsapostel gaben sich nicht zufrieden, jetzt standen die Adipösen auf der Abschussliste.

Die überlegten nicht lange und verschwanden ebenfalls ins Ausland.

Die Nascher und die wenigen noch verbliebenen Freunde geistiger Getränke waren die Nächsten. Auch sie absentierten wort- und widerstandslos.

Nach dem Schweinefleisch kam auch das Rindfleisch- und Eierverbot.

Der Exodus der Landwirte und sogar der der Muslime war die Folge. Endlich war Deutschland veganisch und absolut clean.

Die Freude unter den verbliebenen Gesundheitswahnsinnigen war riesig.

Doch bereits in der zweiten Generation brach die Logistik gänzlich zusammen und die Städte verfielen.

„Zurück zur Natur, das haben wir doch immer gewollt“, frohlockten sie und zogen in die Wälder.

In der vierten Generation waren nur ein paar Hunderttausend Fanatiker übrig, die aber unfähig waren, sich von Beeren zu ernähren, giftige von ungiftigen Pilzen zu unterscheiden und zu blöde, um winterfeste Behausungen zu bauen.

Und so viele Höhlen wie nötig fanden sie nicht.

Die sechste Generation gab es erst gar nicht.

Die Dummheit hatte zwar gesiegt, aber sich fast gleichzeitig eliminiert.

Deutschland war menschenleer. Wer dachte, nun würden die Kinder der Auswanderer zurückkehren, sah sich getäuscht.

Nur ein paar Ostler schauten herein und nahmen alles noch Brauchbare mit, bleiben wollten selbst sie nicht in diesem verfluchten Land von dem seit 200 Jahren fast nur Unheil ausgegangen war.

Heute sitzen drei Chinesen mit dem Kontrabass auf der Rheinbrücke bei Remagen und kein Polizist fragt sie was.

Sie warten auf ein paar Millionen Nachzügler, denn Deutschland ist ein Paradies.

Freilaufende Hunde und Katzen, wohin man blickt und auch alles andere Getier hat sich prächtig vermehrt.

EU und UN haben alles abgesegnet, wer will sich schon mit einem Zweimilliardenvolk anlegen, dem nichts heilig ist?

Höchstens ein schönes Feuerwerk, eine gute Zigarette danach und ein fetter Hund in Pfanne, ob verrückt oder nicht.Copyright (C) 2008 by Wolfgang G. Fienhold

Bildrechte: Eingangsgrafik “Rauchen” (Rauchen1.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de

Bildrechte: Coverillustration “SkurileGeschichten1.jpg ” (SKURILE GESCHICHTEN-SPIRALE-20110114083935-8edac2f8) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

Zombies Welt Gedichtband als Taschenbuch – 1. Juli 2007
von Wolfgang G. Fienhold (Autor)

Taschenbuch: 122 Seiten
Verlag: Verein zur Förderung des Literaturschaffens und des kulturellen Austauschs zwischen Deutschen und Polen e.V. (1. Juli 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3940640050
ISBN-13: 9783940640055

 

Beschreibung
Ungeachtet aller etymologischen Deutungen toben Dämonen durch meine Eingeweide und meine Hirne glauben nicht an Jenseits Götter oder auch nur halbe Gärungsprozesse. Die älteste Interpretation des damals nicht Erklärbaren ist die wahrscheinlichste. Ich altere gärend. Die Verwesung naht. Es tröstet wenig dass im Paralleluniversum mein anderes Ich noch gutgelaunt bei einem Konzert von Jimi Hendrix sitzt. Auch ohne Gott sind wir alle unsterblich genug für eine kurze Zeit.

Autor
Wolfgang G. Fienhold, geb. in Darmstadt, lebte in Frankfurt am Main. Abgebrochenes Studium der Sozialwissenschaften. Anno Tobac Herausgeber der Zeitschriften GUMMIBAUM und NONSENF. Mitarbeit an Hunderten von Anthologien. Die üblichen Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften und im Funk, Lyrik, Prosa, Reportagen, Rezensionen und Hörspiele. Bisher eine Handvoll Literatur- und Förderpreise. Schrieb u.a. den Roman DIE FLAMBIERTE FRAU, der mit Gudrun Landgrebe verfilmt wurde.

Titel erhältlich bei Amazon.de

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