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Hans-Ulrich Grimm – interviewt von Monika Meier und Sandra Stockem

Zum Autor: Dr. Hans-Ulrich Grimm ist Journalist und Autor, er lebt in Stuttgart. Seine jahrelangen Recherchen in der Welt der industrialisierten Nahrungsmittel bewegten ihn, sämtliche Erzeugnisse von Nestle, Knorr & Co. aus den Küchenregalen zu verbannen, zugunsten frischer Ware von Märkten und Bauern. Seine Erkenntnis: Genuss und Gesundheit gehören zusammen. Grimms Bücher sind Bestseller: Die Suppe lügt gilt mittlerweile als Klassiker der modernen Nahrungskritik. Bei Droemer Knaur sind von Hans-Ulrich Grimm erschienen: Die Ernährungslüge, Die Suppe lügt und Leinöl macht glücklich. Hans-Ulrich Grimm betreibt die Homepage www.food-detektiv.de.

Interview mit Hans-Ulrich Grimm

sfbasar (M.M.): Herr Grimm, wenn man sich heutzutage gesund ernähren will, sollte man dann hauptsächlich auf Bioprodukte zurückgreifen?

H.-U. G.:
So halte ich es jedenfalls.  Ich kaufe aber keine „Produkte“, sondern echtes Essen: Tomaten, Artischocken, Himbeeren, Hühner. Bio-Tütensuppen sind auch nicht gesünder als die von Pfanni. Echtes Bio-Essen schon.

sfbasar (M.M.): Meinen Sie, dass Werbeaussagen über die Gesundheitswirkung von Produkten, die neuerdings wissenschaftlich fundiert sein müssen, tatsächlich verhindern können, dass Verbraucher weiterhin an der Nase herumgeführt werden?

H.-U. G.: Nein. Bestes Beispiel: Becel pro.activ. Cholesterin wird nachweislich gesenkt, aber die dafür verwendeten Phytosterine können dem Herzen schaden. Das ist auch wissenschaftlich nachgewiesen. Ich habe daher geschrieben, auf der Basis einer wahren Geschichte: Cholesterin gesenkt, Patient tot.

sfbasar (M.M.): Wie kann der Verbraucher erkennen, ob sich die Backwaren, die er vom Bäcker kauft, tatsächlich von denen aus dem Supermarkt unterscheiden?

H.-U. G.:
Er müsste einen Blick auf die Säcke werfen, mit denen der Bäcker operiert, und dann beurteilen, wie viel Chemie im Spiel ist und wie viel Handwerk.

sfbasar (M.M.): Warum darf die mittlerweile zugelassene Süße „Stevia“ nur in geringem Anteil den Lebensmitteln beigefügt werden?

H.-U. G.:
Weil das Stevia-Süßpulver mit Natur nicht mehr viel zu tun hat und wissenschaftliche Nachweise über Unschädlichkeit in größeren Mengen fehlen.

sfbasar (M.M.): Warum werden manche Produkte vom Markt genommen, obwohl sie offensichtlich einem nicht geringen Teil von Verbrauchern zusagen?

H.-U. G.:
Das müssten Sie diejenigen fragen, die die Produkte vom Markt nehmen.

sfbasar (S.S.): Ist Ihnen schonmal Geld angeboten worden damit Sie ihre Ausführungen über die Nahrungsmittelindustrie auch namentlich in Ihren Büchern unterlassen?

H.-U. G.:
Nein.

sfbasar (S.S.): Umgekehrt: Sind Sie diesbezüglich schon einmal verklagt worden?

H.-U. G.:
Nein.

sfbasar (S.S.): Warum werden nur einige spezielle Konzerne in Ihrem Buch genannt, andere nicht?

H.-U. G.:
Ich nenne Beispiele, die interessant und relevant sind für meine Fragestellungen. Da kann naturgemäß nicht alles vorkommen, zwischen zwei Buchdeckeln.

sfbasar (S.S.): Wie würden Sie Lebensmittel kennzeichnen? Was halten Sie vom Ampel-System?

H.-U. G.:
In der Welt der echten Nahrung, Äpfel, Artischocken, Hühner, genügen wenige Informationen: Herkunft, Art der Erzeugung. In der Parallelwelt der industriellen Nahrung könnte die Ampel eine bessere Orientierung bieten, besser wird die Industrienahrung damit allerdings nicht.

sfbasar (S.S.): Was steht denn so auf Ihrem täglichen Speiseplan?

H.-U. G.:
Müsli, Hühnersuppe, Spaghetti Bolognese, Risotto, Gemüse aus dem Wok, Ochsenkotelett, Artischocken mit Aioli, selbstgemacht natürlich.

sfbasar (S.S.): Kochen Sie selbst?

H.-U. G.:
Ja.

sfbasar (S.S.): Welches Thema planen Sie als nächstes zur Veröffentlichung?

H.-U. G.:
Ich arbeite an einem Buch über Zucker. Höchst interessant, was der so alles anrichtet, und wie er weltweit mit Milliarden gefördert wird.

sfbasar (Red.): Herr Grimm, wir danken Ihnen für Ihre interessanten Ausführungen und hoffen, dass sehr viele Menschen dieses Interview und Ihre Bücher lesen werden und sich ihre eigenen Gedanken machen.

H.-U. G.:
Danke, das hoffe ich auch!

Copyright © 2012 by Monika Meier, Sandra Stockem und Hans-Ulrich Grimm

Hans-Ulrich Grimm
Vom Verzehr wird abgeraten

Droemer Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-27556-6
Sachbuch
Erschienen 01.03.2012
Umfang: 320 Seiten, Klappenbroschur HC

www.droemer.de
www.food-detektiv.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
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Besprechung:

Herr Grimm hebt den rechten Zeigefinger  – gegen die Nahrungsmittelindustrie, insbesondere gegen die großen Konzerne, die auch beim Namen genannte werden. Gut vermarktete und chemisch aufbereitetet Lebensmittel sowie Fertiggerichte stehen hier in der Kritik gegen naturbelassene Nahrungsmittel, die man am besten selbst auch so in der eigenen Küche verwertet.

Der Autor teilt sein Buch in mehrere Kapitel auf, die auf seine Art versuchen, dem Leser das Thema über das Schindluder mit den Lebensmitteln näher zu bringen. Hier wird auf versteckte Geschmacksverstärker, eher schädlich wirkende Vitamine sowie ungesunde Fette eingegangen, die als scheinbar gesunde Lebensmittel mit Hilfe der Werbung gut vermarktet verkauft werden. Scheinbar gesund wirkende Lebensmittel können jedoch auch schaden, wenn man sich nicht mit den Inhaltstoffen vertraut macht. Doch herrscht scheinbar gerade in Deutschland großes Vertrauen in die Nahrungsmittelindustrie, selten wird etwas vom normalen Verbraucher in Frage gestellt. Zudem sind fettarme und “Wellness”-suggerierende Lebensmittel sehr im Trend, doch das würde man vermutlich auch mit reiner Rohkost hinbekommen, natürlich ungespritzt.

Grimm prangert hier die schöne heile Welt an, die zwar nicht gut ist, aber funktioniert. Denn meines Erachtens existiert im Land ein Kreislauf: Die große Industrie und die Politiker stecken unter einer Decke, und unterstützen die finanzstarke Wirtschaft. So wird sie am Laufen gehalten. Denn dahinter steht viel Geld in Form von Umsatz aber auch Arbeitsplätze. Sowie eine Kette langer Lieferanten. Und dazu gehört auch: der Landwirt, von dem ich meine Nahrungsmittel am besten gleich selbst hole. Nun ja. Und ohne Arbeitsplätze keine Einkommen, ohne Einkommen kein Geld zum Einkauf. Und jetzt?

Mein Fazit zu diesem Buch ist, dass jeder Einzelne für seine Gesundheit selbst verantwortlich ist. Aus dieser Selbstbestimmung wird oder schränkt man sich selbst ein, sei es durch die finanziellen Hintergründe oder durch die Zeit, die man in seine Gesundheit investiert. Die sollte nicht nur in gesundes Essen, sondern auch in Bewegung und nachhaltigem Leben an sich investiert werden. Doch im Ernst, wer schafft es heutzutage, dies alles umzusetzen? Ich schätze mich persönlich als intelligent genug ein, diese Botschaften zu verstehen, doch in der heutigen Gesellschaft mit allen Anforderungen und zeitweise Druck ist es doch nicht so einfach, alles unter einen Hut zu bekommen. Ich denke, mit dem Wissen, was man isst und wie man es mischt ist man persönlich gut beraten.

Auch ich greife nach “ungesundem” Essen, doch nicht nur. Ich denke, die Mischung macht es letztendlich und das Verständnis für gute und schlechte Nahrung. Denn eines ist doch klar: Ohne Chemie schafft man es sicher nicht, Lebensmittel ein halbes Jahr oder länger so konservieren oder haltbar zu machen. Dass dies nicht mit frischen Produkten zu vergleichen ist, kann sich jeder selbst ausrechnen. Und dann noch der Geschmack, der leider ja auch nicht von allein kommt…

Das Buch hat mir die Machenschaften der Nahrungsmittelindustrie etwas näher zu dem gebracht, was man sich zuvor schon durch diverse Medien angelesen oder angesehen hat und unterstreicht dies noch. Ich glaube auch, dass manche Lebensmittel und deren Zusatzstoffe krank machen und bin selbst noch ein bisschen mehr sensibilisiert mit dem Kauf dieser. Kritisch im Buch sehe ich, dass Studien hier nur teils angerissen werden oder nicht komplett durch Zahlen belegt werden und immer nur die gleichen Firmen an den Pranger gestellt werden. Hier hätte ich mir in beiden Punkten mehr gewünscht. Auch waren mir persönlich einige Stellen/ Kapitel zu lang. Durch den Schreibstil wird versucht, das Thema interessanter und flüssiger lesbar aufzubereiten, nach einem kompletten Buch muss ich gestehen, dass mir ein sachlicher Stil lieber gewesen wäre. Die Beschreibung von dem Aussehen diverser Personen und Orte haben meines Erachtens nicht soviel mit dem Thema zu tun und schießen etwas daran vorbei.

Nichts desto trotz kann man das Buch sicher gut für Leser empfehlen, die sich mit der “modernen” Nahrungsmittelindustrie noch nicht allzu viel beschäftigt haben.

Copyright © 2012 by Sandra Stockem

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Preisrätsel 3 x 4 Exemplar (alle oben als Cover aufgeführten Titel in einem Preispaket): Wer eines dieser drei Gewinnpakete erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Wie genau heissen die vier Titel des Gewinnpaketes? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 400 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! Eine alternative Teilnahme per Kommentar findet sich hier!


GEWINNER: Katrina Antonius, Juliana Vegesack und Michael Knollhoff. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND UNSEREM SPONSOREN!

Updated: 18. Dezember 2013 — 19:57

8 Comments

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  1. Finde ich gut, so kann man sich eine Vorstellung von dem Autor machen, wie er so tickt. Mich würde interessieren, ob sich für ihn der Zeitaufwand vergrößert hat, seit er die Fertignahrung aus seiner Küche geschmissen hat? Was sagen Sie Herr Grimm?

  2. Christa Kuczinski

    Ein interessantes Thema.
    In der heutigen Zeit wird schnell mal zu Fertiggerichten oder Soßenpülverchen usw. gegriffen. Ich stelle mir gerade die Frage, wie viele Leute tatsächlich noch wissen, wie man eine echte Bratensoße herstellt. Wer es nicht weiß (und nicht lernen möchte) dem bleibt nur noch der Griff ins Regal. 😉

    War nur ein Beispiel, das mir während des Lesens in den Sinn gekommen ist. 😉

  3. Ich weiß garnicht warum die Leute alle so auf solche Soßen stehen. Wenn ich unbedingt eine Soße brauche, dann nehme ich pürierte Thomaten (pur!) und würze das mit ein wenig Tabasco und Salz und Pfeffer. Wenn die dann zu dünn ist kommt halt ein wenig Tomatenpürre (pur!) dazu. Dann habe ich auch eine geile Soße ohne jegliche Zusatzstoffe. Und sowas kann wirklich jeder herstellen, sogar meine 5jährige Nichte!

  4. Also wenn mich jemand fragen würde, ob ich weniger Zeit verbauche seit ich (so gut wie) keine Industrienahrung mehr verwende, dem kann ich nur sagen: ich spare dadurch sehr viel Zeit, denn bei dem Industriemist brauche ich unheimlich lang, bis ich die kleine Schrift auf der Packung entziffere. In der Zeit ist mein Wockgericht bereits fertig. Da kann dann Hackfleisch oder Steaks oder Tofu oder Eier (freilaufende) alles vom Bauernhof meines Vertrauens, drin sein. Je nach Wunsch und Lust von mir und meines Besuchers. Das Einzige,was ich nicht selbst mache sind noccis und Reis und Nudeln, die kaufe ich tatsächlich, aber nur ohne Zusätze. Ansonsten ist bei mir alles ohne Zusätze. Kuchen und Stückchen, Brot und Brötchen kaufe ich nur noch beim Bäcker.
    Bei Joghurt kommt mir kein Gepansche ins Haus, da nehme ich neutralen fettarmen und mische das mit Nüssen, Schokolade und verschiedenen Früchten, je nach Lust und Jahreszeit. Und Schokolade nur noch vom Erzeuger meines Vertrauens. Wer errät, wie diese Firma wohl heißt? 😉 Na, auf!?

  5. Martina Möchel

    Oh ja, Herr Grimm scheint sich ja sehr mit dem Themekreis beschäftigt zu haben, neben den 4 Titeln beim Knaur Verlag habe ich auf seinem Blog noch jede Menge weiterer Veröffentlichungen gesehen, alles irgendwie zum Thema Ernährung. Machen Sie eigentlich auch noch was anderes Herr Grimm, ausser sich mit Ernährung zu beschäftigen? Was sagt Ihre Frau daz? 😉

  6. Christa Kuczinski

    Detlef,
    wo bekommst du denn freilaufende Eier her? 😉

  7. Freilaufende Eier?

    Womit bewiesen wäre, dass das Ei vor dem Huhn da war.

    LeonidasRex

  8. GEWINNER: Katrina Antonius, Juliana Vegesack und Michael Knollhoff. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND UNSEREM SPONSOREN!

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