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GESCHICHTEN AUS DER ALTEN WELT – VOR DEM UNTERGANG DER SELBEN (Teil 2) Aus der Feder der beiden Autorinnen Tröpfchen Kakadu und Mona Mee

GESCHICHTEN AUS DER ALTEN WELT – VOR DEM UNTERGANG DER SELBEN

Aus der Feder der beiden Autorinnen Tröpfchen Kakadu und Mona Mee

(Teil 2)

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Auch einer der anderen drei Soldaten berichtet von einer Geschichte aus der alten Welt, nachdem er sich das Eberfett mit seinem Ärmel vom Mund gewischt und einen Schluck aus der Bierpulle genommen hat:

Also seine Geschichte handele von einem Saukerl von Mann, der gerne Sex mit einer 14 Jährigen haben wollte. Wenn man bedenkt, dass heute kein Mensch mehr auf der Welt Sex hat, weil uns das große Unglück diese Fähigkeit genommen hat, was letzten Endes zum Auslöschen der menschlichen Rasse führen wird, irgendwie auch schon sowas wie ein Anachronismus.

Im Internet hatte er nach ihr gesucht, in Flirtchats diejenigen angeschrieben, die jung waren oder so aussahen. Er bot ihnen Geld, das er nicht hatte. Eins der Mädchen, nennen wir sie mal Liana, erst 14 Jahre alt, willigte ein. Ihre Mutter sei schwer krank und sie brauchte das Geld. Der 51jährige nutzte das aus. Vor Gericht bekommt er dafür aber eine sehr harte Strafe.

Als man später seinen Computer sichtete, war dieser voll mit Bildern nackter Mädchen. Aber der 51jährige wollte nicht nur Bilder anschauen, er wollte endlich auch mal selbst seinen Penis in eines dieser Kinder reinstecken und in ihr zum Orgasmus gelangen. 15 000 Euro oder mehr sollte Liana für den Sexakt in einem Hotelzimmer bekommen. Der 51jährige fand das nur 14 Jahre alte Mädchen über eine Flirtapp und schrieb sie später über den Messengerdienst Whatsapp an und machte ihr sein Angebot. Vor Gericht ließ der Amtsrichter den gesamten Chatverlauf bei der Verhandlung verlesen um die Perfidie des Angeklagten zu offenbaren:

Ob sie schon mal Sex gehabt hätte, fragt der 51jährige sie darin. – „Nein, ist das schlimm?“ Sie nehme das Angebot nur an, weil sie Geld brauche. „Meine Mama ist im Krankenhaus und arbeitet nicht. Wir sind pleite.“ Sie müsse auf ihre kleine Schwester, die erst 9 Jahre als ist, aufpassen, der Vater kümmere sich nicht und ist jetzt schon seit einem halben Jahr auf Sauftour in einem anderen Land, wozu man ihn eingeladen hatte. Was in der Zeit mit seiner Familie wäre, war diesem Vater ganz und gar gleichgültig, so das 14jährige Mädchen. Wenn sie kein Geld bekomme, müsse sie ins Kinderheim und ihre kleine Schwester auch, schrieb Liana.

Er will unbedingt erst mal Erotikbilder von ihr, um zu sehen, ob sie ihn überhaupt erregen kann. Sie schickt ihm welche. Wie sie sich ihr erstes Mal vorstelle? Liana weiß darauf keine Antwort. Warum er denn so viel Geld für Sex ausgeben würde, fragt sie ihn. „Ich möchte dir damit helfen“, schreibt er zurück.

Er sei selbstständiger Finanzberater, behauptet der arbeitslose Buchbinder. Er könne ihr einen Ferienjob in einem seiner Hotels in einem Badeparadies, das er auch sein eigen nennen darf, anbieten, damit sie ihre Mutter etwas unterstützen könnte. Ihre kleine Schwester könne sie dann auch mitbringen, sollte die Mutter bis dahin nicht aus dem Krankenhaus zurück sein. „Das ist sehr anständig von dir, so was gibt es heute kaum noch“, schreibt ihm die 14jährige – „Das mach ich doch gerne.“ Später dürfe sie sich auf eine Praktikumsstelle freuen, so seine Antwort darauf.

Drei Tage später kommt es zum Treffen in einem Hotel in Unterföhring. Der 51jährige, der sich vor Liana „Martin Winterkorn“ nennt, bringt einen Pseudo-Vertrag mit, in den er handschriftlich „20 000 Euro“ einträgt. Das Geld soll Liana ein paar Tage später in bar bekommen. Diese Absicht hatte der 51jährige jedoch nie. Auch ihm war das Schicksal des Mädchens, dessen Schwester und der Mutter vollkommen egal.

„Bist du in mir gekommen?“, fragt sie ihn danach.

Martin Winterkorn steckt für die Gerichtsverhandlung in einem blaugrünen Hemd, das sehr groß ist und trotzdem an manchen Stellen spannt. Er will wohl einen auf seriös machen. Er ist weich und weiß, nur die Ohren werden manchmal feuerrot und entlarven seine vielen Lügen und Peinlichkeiten. „Ich kann mir das nicht erklären“ ist seine entschuldigende Antwort, die er oft gibt oder „ich habe nicht daran gedacht“. Nicht daran, was es bei einem Mädchen auslöst, wenn es so seine Unschuld verliert. Nicht daran, ein Kondom zu benutzen.

„Bist du in mir gekommen?“, fragte Liana nach dem Treffen über Whatsapp. „Nein, ich habe aufgepasst. Außerdem kann ich keine Kinder zeugen“, antwortete der 51jährige. Er log.

Die inzwischen 15-Jährige wird in einem Monat ihr Kind bekommen. Von Herrn Martin Winterkorn.

Sie wollte es nicht abtreiben, weil sie nicht damit leben könne, wenn sie „jemanden zerstöre“. Liana ist bei der Verhandlung nicht da. Nur ihre Mutter, die bei den Plädoyers mit den Tränen kämpft.

Der Richter gibt dem Angeklagten dreieinhalb Jahre. Das Höchste, was er überhaupt geben kann in einem solchen Fall. „Wir tun das für Sie“, sagt er zu dem angeklagten, „damit Sie Zeit zum Nachdenken haben“. Darüber, was er anderen antut. Mit einem „unfassbaren Ausmaß der Niedertracht“, so der Richter. Wenn er rauskommt wird er vielleicht klüger sein und hoffentlich begreifen, was er getan habe.

Nachdem der Soldat fertig ist mit seiner Geschichte meldet sich einer der beiden noch verbliebenen Kameraden, der noch nichts von sich gegeben hatte:

Meine Geschichte hat auch mit Sexualität zu tun und auch mit einem Mann, der über die Grenzen schlug:

Vier Tage lang habe es ein Mann mit 13 stählernen Penisringen ausgehalten – dann ging er in ein Münchner Krankenhaus, weil er die Ringe nicht mehr abbekam und die Schmerzen unerträglich wurden. Doch die Mitarbeiter der Notaufnahme konnten dem 52-Jährigen nicht helfen und forderten die Feuerwehr an. Mit zwei kleinen Trennschleifern entfernten die Einsatzkräfte nach eigenen Angaben in «äußerst vorsichtiger Arbeit» eine Stunde lang Ring für Ring. Ringe dieser Art sollen die Dauer der Erektion verlängern, indem sie den Blutrückfluss hemmen. Irre, oder?

Jetzt meldet sich auch der vierte Soldat, eine Soldatin, mit ihrer Geschichte:

Wie viele Frauen habe ich früher, bevor ich Soldatin wurde, sehr oft die Zeitschrift „Cosmopolitan“ gelesen, die sich gerne als Lifestyle-Guides für emanzipierte Frauen darstellte. Dabei förderte aber gerade sie ein sexistisches Frauenbild durch und durch. „Fun, fearless, feminist“, heißt zum Beispiel ein Artikel in einer der Ausgaben der Cosmopolitan. Das Wort Feminismus sei wieder in aller Munde – ohne „männerhassendes Emanzengeschrei“, dafür aber mit „Sex-Appeal“. Sex-Appeal scheint für Cosmo-Feminist_innen Priorität zu haben. Die Cosmopolitan will Entertainment für eine selbstbestimmte Frau sein – ist sie aber gar nicht.

Etwa indem man Frauen erklären müsse, dass man auch mit rasierten Beinen und Lippenstift für Frauenrechte einstehen könne, schreibt die Zeitschrift. Frauen sollten aufhören, sich gegenseitig in den Rücken zu fallen. Genau das tut dieses Magazin jedoch, wenn es den Kampf von Feminst_innen als „männerhassendes Emanzengeschrei“ abtut. Eigentlich müsste man sich freuen, dass die Cosmopolitan sich feministischen Themen widmete. Sie könnte damit auch Frauen erreichen, die sich bislang kaum damit beschäftigten.

Aber für die Magazine blieb das Ideal einer Frau hübsch, wollüstig und hetero. Auch im Feminismus. Sexiness sei keine Bremse, sondern der Motor der feministischen Einstellung. In schönheitsfixierten Lifestyle-Guides lässt sich Feminismus wohl nur in Einklang mit einem knackigen Po befürworten. Warum? Niemand von der Cosmopolitan hat sich jemals dazu geäußert.

„Frauenzeitschriften bedienen die Unterstellung, dass Frauen vor allem auf das Ästhetische geeicht sind“, sagte einmal Paula-Irene Villa, ihres Zeichens Professorin für Soziologie und der Gender-Studien an der Uni München. Die Cosmopolitan und andere Magazine zeigten Frauen als selbstermächtigt in ihrer Sexualität und bei ihrer Karriere. Aber „das Ziel ist eine heterosexuelle, sehr traditionelle Form von Beziehung“, sagt Villa. Eine Beziehung also, in der klassische Rollenbilder vorherrschen. Mit Selbstbestimmung habe das wenig zu tun.

Marion Welke,  Ressortleiterin beim Magazin Jolie, sagte, dass die meisten ihrer Leser_innen „etwas konservativ“ seien. Die Redaktion geht dann davon aus, dass die Mehrheit ihrer Leser_innen heterosexuell ist. Ihre Geschichten sind entsprechend aufgebaut. Sie werben mit Sex-Strategien und damit, dass sie wissen, was Männer wirklich wollen. Lesbische und transsexuelle Frauen kommen in Zeitschriften wie Jolie, die damals eine verkaufte Auflage von 215.000 Stück hatte, und Cosmopolitan, mit einer verkauften Auflage von 243.000 Stück, so gut wie nicht vor. „Wir sind im Rahmen unserer Möglichkeiten schon auch gesellschaftskritisch“, betonte Marion Welke, „aber natürlich sind wir nicht die gleiche Plattform wie zum Beispiel die Emma.“ Sex solle Spaß machen und nicht so eine „ernste Sache“ sein.

Die Geschichten können durchaus mit einem „Augenzwinkern“ gelesen werden, sagte auch die Genderforscherin Villa. Unterschätzen dürfe man den Einfluss dieser Lifestyle-Magazine aber nicht.

In einem Artikel der Onlineausgabe der Cosmopolitan zum angeblich „besten Sex deines Lebens“ empfehlen die Redakteur_innen, beim Blow-Job zu schlucken. Für Männer sei die orale Aufnahme ihres Spermas nämlich der Beweis absoluter Hingabe. Die Autor_innen erklärten: „Männer lieben enge Vaginas.“ Deswegen solle man beim Sex die Beckenbodenmuskulatur zusammenziehen. Frau soll machen, damit Mann Spaß hat. Das ist weder witzig noch fortschrittlich.

Außerdem solle frau summen, wenn sie sich den Würgereiz beim Blasen abgewöhnen wolle, sagt eine Jolie-Expertin in einem „Sex-Booklet“ in der April-Ausgabe von 2015. Das habe nämlich den schönen Nebeneffekt, dass die Frau den Mann mit zusätzlichen Vibrationen verwöhnen würde. „Wir machen Geschichten aber nie so, dass es nur darauf hinausläuft, dem Mann gefallen zu wollen. Wir sagen den Frauen: Nehmt euch, was ihr braucht“, sagte Marion Welke. Davon ist leider viel zu wenig zu spüren.

In den 1960er und 70er Jahren war das Selbstverständnis der Kategorien „männlich“ und „weiblich“ noch unangefochten. In dieser Zeit wandelte sich die schon im 19. Jahrhundert gegründete Cosmopolitan zu einer Frauenzeitschrift. Sie brach regelmäßig mit Konventionen, sprach offen über Themen wie Sex und Karriere aus Sicht einer Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft. Weiterentwickelt hat sich die Zeitschrift seither allerdings nicht. So jedenfalls meine Einschätzung, gibt die Soldatin zu bedenken.

(Wird Fortgesetzt)

Copyright (c) 2016 by Tröpfchen Kakadu und Mona Mee

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BUCHTIPP DER AUTORINNEN:

Himmel auf Erden und Hölle im Kopf (Gebunden)
Was Sexualität für uns bedeutet
von Ahlers, Christoph Joseph / Lissek, Michael

Verlag:  Goldmann Verlag
Medium:  Buch
Seiten:  448
Format:  Gebunden
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  September 2015
Maße:  221 x 147 mm
Gewicht:  712 g
ISBN-10:  3442313783
ISBN-13:  9783442313785

Himmel auf Erden und Hölle im Kopf

Beschreibung
Ein neuer, ungewöhnlicher und aufregender Ansatz zum Thema Sexualität.

Sex ist etwas Überwältigendes. Kein anderer Lebensbereich bietet eine vergleichbare Vielfalt an Erlebnis- und Erfahrungsmöglichkeiten. Aber was bedeutet Sexualität eigentlich wirklich für uns? Der Klinische Sexualpsychologe Christoph Joseph Ahlers betrachtet das Thema auf eine ungewohnte Art und Weise: Sex als intimste Form von Kommunikation, als intensive Möglichkeit, psychosoziale Grundbedürfnisse körperlich und seelisch zugleich zu erfüllen. Im Gespräch mit dem Journalisten Michael Lissek und der Lektorin Antje Korsmeier gibt Ahlers in diesem Buch einen Gesamtüberblick über das Phänomen der Sexualität – von schmerzlichen Abgründen über gewöhnliche Alltagsprobleme bis hin zu absoluten Glücksmomenten.

Kritik
„ein hochspannendes Buch über das überwältigende Glück, aber auch die Probleme und Abgründe der Sexualität“ dpa

Autor
Dr. Christoph Joseph Ahlers ist Sexualwissenschaftler und Klinischer Sexualpsychologe. Seit zwanzig Jahren hat er an der Berliner Charit‚ und in seiner eigenen Praxis für Paarberatung und Sexualtherapie hunderte Einzelpersonen und Paare untersucht, beraten und behandelt. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher und medialer Publikationen.

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Updated: 16. März 2016 — 23:18

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