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GESCHICHTEN AUS DER ALTEN WELT – VOR DEM UNTERGANG DER SELBEN (Teil 1) Aus der Feder der beiden Autorinnen Tröpfchen Kakadu und Mona Mee

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GESCHICHTEN AUS DER ALTEN WELT – VOR DEM UNTERGANG DER SELBEN

Aus der Feder der beiden Autorinnen Tröpfchen Kakadu und Mona Mee

(Teil 1)

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In Gedanken versunken stand Michael Hoffmeister vor dem düsteren Felsmassiv an der Grenze zum Schauinsland und dachte schaudernd an die Zeit, als er allein und verloren in den Gängen des Atombunkers umhergeirrt war. Aus eigener Kraft hätte er dort nie wieder herausgefunden, doch eine Gruppe von Soldaten hatte sich seiner angenommen und ihm die Rückkehr ans Tageslicht ermöglicht. Nun wollte er sein Versprechen einlösen und ihnen die versprochene Belohnung zukommen lassen. Gestern Abend hatte er eigenhändig einen Eber geschossen, und dieser lag nun fertig zerlegt auf dem Grill vor dem versteckten Zugang des Atombunkers. Schon seit einiger Zeit wartete Michael darauf, dass einer der Soldaten erschien.

»Wer weiß, wann diese Soldaten kommen«, gab Hauptmann Jürgen Icksebigse wieder einmal zu bedenken, so wie öfters in den letzten Stunden. »Ihr habt Euren guten Willen bewiesen, Herr Hoffmeister, wir sollten wirklich zurück zum Lager gehen.«

»Nein«, erwiderte Michael mit Bestimmtheit, »ich habe diesen Soldaten mein Leben zu verdanken und möchte mich nun erkenntlich zeigen. Wenn ich das Fleisch einfach so hier liegen lasse, schleppt es am Ende ein Bär oder Wolf fort, und das wäre nicht richtig.«

Seufzend ließ sich der alte, grauhaarige Hauptmann auf den Boden sinken und schickte sich an, sein vom häufigen Gebrauch schon recht schartiges Repetiergewehr zu polieren. Die Dunkelheit brach herein, und die beiden Männer setzten sich ans Lagerfeuer, wo sie sich leise über Michaels Zeit im Reich der Schönheitsköniginnen unterhielten. Die Verwunderung über viele der Dinge, die Michael aus dieser Zeit erzählte, stand dem Hauptmann noch immer offen im Gesicht geschrieben. Sein ganzes, nun schon über sechzig Sommer dauerndes Leben hatte er diesen ganzen Kram mit der Schönheit für übersteigerte Hysterie gehalten, und auch Michael war dieser Auffassung gewesen. Erst die Begegnung mit diesen Königinnen hatte den damals jungen Mann schließlich dazu bewogen, seine Meinung zu revidieren. Er erzählte dem Hauptmann eine Anekdote aus dieser Zeit, als Im Mai des Jahres May Myat Noe zur Schönheitskönigin gekürt wurde. Für kurze Zeit war sie Miss Asia Pacific World. Es hätte der Beginn einer steilen Karriere werden können, doch es kam alles anders:

Der Plan war ursprünglich, die hübsche Frau zu einem Popstar zu machen. Aus diesem Grund spendierte man ihr eine Brustvergrößerung im Wert von umgerechnet rund 7.500 Euro. Aber auch andere operative Verbesserungen kamen in Frage: „Wenn sie eine schiefe Nase hat, dann würden wir sie, sofern sie das möchte, operieren lassen. Wenn es die Brüste sind, dann eben die“, gab der damalige Mediendirektor David Kim zum Besten.

Im Anschluss wurde May Myat Now und ihrer Mutter seitens der Organisatoren eine zehntägige Reise nach Seoul gesponsert, allerdings weitete sich diese schnell zu einem Trip von drei Monaten aus und Miss Asia Pacific World verursachte immer mehr Kosten. Die Konsequenz: Man zog einen Schlussstrich und entthronte die Schönheit. Sie habe immer wieder „gelogen“ und „hatte keinen Respekt gegenüber den Organisatoren, dem Direktor, dem Manager, den Medien oder ihren Fans, die sie zur Gewinnerin wählten“, heißt es in einem Statement der Schönheitsorganisation.

Allerdings fehlt von der einstigen Miss Asia Pacific World darauf jede Spur. Den eigentlichen Flieger aus Seoul habe sie nicht genommen, sondern sei Medienberichten zufolge mit einer früheren Maschine geflogen, und ans Telefon gehe die Ex-Schönheitskönigin auch nicht. Mit ihr verschwand damit auch die wertvolle Tiara, die sie als Zeichen der Krönung erhalten hatte. Diese ist mit Swarovski-Steinen besetzt und soll einen Wert von umgerechnet rund 75.000 und 150.000 Euro besitzen.

Mittlerweile wurde ihr Bild auf der Webseite der Organisation geschwärzt und mit dem Wort überschrieben: „Entthront“. Myanmar, in dem die Militärdiktatur erst vor wenigen Jahren endete, nimmt an internationalen Schönheitswettbewerben erst seit 2012 wieder teil. Bereits zwei Jahre später holte Noe den Titel.

Mediendirektor David Kim sagte, für Noe seien Gesangsauftritte und Videoaufnahmen organisiert worden. Aber die Organisatoren hätten außerdem eine Änderung ihres Teenageraussehens gewünscht. „Wir dachten, sie sollte schöner aussehen. Also schickten wir sie nach ihrer Ankunft für eine Brust-OP in ein Krankenhaus. Das ist unser Verantwortungsbereich.“ Sponsoren hätten die Implantate ausgewählt. „Falls sie keine schöne Nase hätte, dann könnten wir vielleicht ihre Nase operieren. Wenn es die Brüste sind, dann die Brüste.“

Aus diesem Vorfall resultierten angeblich die Schwierigkeiten. Die Schönheitskönigin hatte ihre Mutter mit nach Seoul gebracht. Aus dem zehntägiger Besuch wurden aber drei Monate, was den Organisatoren zusätzliche Kosten beschert habe. Noe habe gelogen und nie Respekt gezeigt, die sie zur Siegerin gemacht hätten…

*

Funken sprühten auf, als der Hauptmann einen weiteren Ast ins Feuer warf, und auf einmal nahm er am Rande des Felsmassivs eine kleine Gruppe von vier Soldaten wahr, die neugierig ins Feuer schauten. Langsam, um die Typen nicht zu erschrecken, erhob er sich und meinte: »Fleisch – für euch«. Die Soldaten kamen näher und reichten Michael als auch dem Hauptmann die Hand und setzten sich auf einen der liegenden Baumstämme oder eine der Getränkekisten, die Michael hierhergeschafft hatte.

Schließlich schnappten sich die Soldaten, erst zaghaft dann bestimmt rasch die Fleischbrocken und ließen es sich schmecken.

»Was hattet Ihr gerade besprochen, meinte einer der vier Soldaten schmatzend? «

»Ach nur eine Geschichte von früher. Damit man nicht vergisst, was man aus der alten Welt gelernt hat.“

»Aha, meinte der Soldaten schmatzend? Und kann man da mitmachen und selbst eine Geschichte erzählen? «

»Aber immer“ meinte Michael und bewegte seine rechte Hand einladend, sie zu erzählen.

Der Soldat, er hieß Harald Werner und erzählte aus den früheren Jahren von einem 15-jährigen Mädchen, das an diversen Fehlstellungen von Gelenken litt. Ein Bein wurde ihr bereits abgenommen. Um sich ihren Traum von der Teilnahme an den Paralympics 2016 zu erfüllen, ist die 15-Jährige bereit, sich auch das zweite Bein amputieren zu lassen. Das Mädchen hieß Michelle Bradysshaw und litt von Geburt an, an einer beidseitigen Fehlstellung der Hüfte, einer sogenannten Hüftgelenkdysplasie und einer Fehlbildung des rechten Knies. Ihr rechtes Bein konnte die 15-Jährige nie benutzen – immer war sie auf einen Rollstuhl oder Krücken angewiesen.

Im Alter von elf Jahren entschied sie sich zu einem radikalen Schritt. Mit ihrer Bitte an die Ärzte, ihr das rechte Bein komplett zu amputieren, überraschte sie nicht nur ihre Familie sondern auch ihre Freunde und selbst die Mediziner, die einen solchen Wunsch vorher noch von keinem Patienten jemals vernommen hatten. Doch nach langen Diskussionen wurde dem Mädchen schließlich ihr Wunsch gewährt.

„Sie war schon immer an Sport interessiert und wollte aktiv sein“, zitierte der „Daily Express“ den Stiefvater des Mädchens.

Schon kurz nach der Operation im September 2010 erhielt Danielle eine auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Prothese, die in der Optik stark an die Hightech-Prothesen von Paralympics-Star Oscar Pistorius erinnert.

„Sport ist einfach ihr Leben“, sagt ihr Stiefvater nach einigen Monaten zu einer anderen Zeitungsreporterin stolz über seine Teenager-Tochter, die mittlerweile im Sprint, aber auch im Diskuswerfen und Kugelstoßen antrat und auf nationaler Ebene bereits einige Medaillen einheimsen konnte.

Doch nun behindert das linke, das „gesunde“ Bein das Mädchen in ihrer sportlichen Entwicklung. Den hohen Belastungen ist das Bein einfach nicht gewachsen. Die Zehen an ihrem linken Fuß sind verformt, die Bänder ernsthaft beschädigt. Michelles Ziel sind die Paralympischen Spiele 2016 in Rio, doch durch die Schmerzen in ihrem „richtigen“ Bein haben sich ihre Leistungen zuletzt ziemlich verschlechtert.

„Sie muss jeden Tag Medikamente nehmen, trägt unterstützende Bandagen an Knie und Knöchel. Das alles macht sie langsamer“, teilt ihr Stiefvater der Presse mit. „Danielle will einfach nur laufen und lässt sich dabei von niemandem aufhalten – auch nicht von ihrem Fuß.“

So kam es eben zu dem außergewöhnlichen Wunsch der 15-Jährigen sich nun auch noch das linke Bein amputieren lassen, um dann auf zwei Prothesen zu laufen um so ihren Traum von Wettkämpfen auf Topniveau bei den Paralympics zu verwirklichen.

„Nichts wird mich davon abhalten, meinen Sport zu machen“, sagt Michelle forsch. So forsch, wie sie nach Erzählungen ihres Stiefvaters auch den Arzt um die neuerliche Amputation „bat“. „Wenn er es nicht täte“, so der Stiefvater, „würde sie eben zu einem anderen Arzt gehen.“

Die Familie hoffte daraufhin, dass das Krankenhaus innerhalb des nächsten Monats eine Entscheidung über die gewünschte Amputation trifft. So verrückt kann das Leben sein.

(Weiter mit Teil 2)

Copyright (c) 2016 by Tröpfchen Kakadu und Mona Mee

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BUCHTIPP DER AUTORINNEN:

Amerikas Krieg gegen die Welt (Gebunden)
…und gegen seine eigenen Ideale
von Roberts, Paul Craig

Verlag:  Kopp Verlag
Medium:  Buch
Seiten:  256
Format:  Gebunden
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  Juli 2015
Maße:  216 x 141 mm
Gewicht:  415 g
ISBN-10:  386445221X
ISBN-13:  9783864452215

Amerikas Krieg gegen die Welt.
Beschreibung

„Mit ihrer Politik öffnen die USA dem Dritten Weltkrieg Tür und Tor!“

Die Europäer müssen die NATO abschaffen, wenn die Welt und die Europäer selbst überleben wollen – mancher reibt sich angesichts dieser Aussage jetzt vielleicht verwundert die Augen, denn diese Erkenntnis stammt nicht etwa von einem Altlinken, sondern von Dr. Paul Craig Roberts, einem amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler, der einst als Staatssekretär für Wirtschaftspolitik im US-Finanzministerium unter Präsident Ronald Reagan diente. Für den heute 76-jährigen Roberts bewegt sich die Welt mit atemberaubender Geschwindigkeit auf einen atomaren Schlagabtausch zwischen den USA einerseits und Russland andererseits zu. Und die Hauptverantwortung für diese extrem gefährliche Weltlage sieht er in Washington – und nicht, wie heute allerorten in den Mainstream-Medien zu lesen, zu hören und zu sehen ist, in Russland, dessen Präsidenten Wladimir Putin er ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und diplomatischer Zurückhaltung attestiert.

Aus Sicht der USA sind die Länder Europas und viele andere auch nicht mehr als Vasallen Washingtons. Und jede Bestrebung, eine Politik der eigenen Souveränität zu betreiben, wird als Bedrohung des imperialen Machtanspruchs gesehen und entsprechend bestraft. Verfolgt Europa eine an seinen Interessen orientierte Außenpolitik? Nein, dies ist Europa verboten. Und während der amerikanische Handel mit Russland trotz der Sanktionen blüht und wächst, müssen die Europäer Exporteinbußen in Milliardenhöhe hinnehmen.

Für die Gleichschaltung der westlichen Medien hat Roberts nur Hohn und Spott übrig. Medialer Einheitsbrei und stereotype Propaganda prägen heute die Medienlandschaft, die von wenigen Konzernen kontrolliert wird.

Ein oberflächlicher Leser vermutet hier vielleicht seichten „Antiamerikanismus“. Das Gegenteil ist der Fall. Seit der Clinton-Regierung haben sich die USA von ihren Idealen entfernt und sind zu Verfechtern einer rein imperialistischen Doktrin des Strebens nach alleiniger Weltherrschaft verkommen.

Früher waren die USA für viele Menschen die Verkörperung eines Ideals: Jeder, der fleißig, erfindungsreich und lernbegierig war, konnte es hier zu Wohlstand in Freiheit bringen. Wie anders sieht die heutige Realität aus. Im Inneren entwickeln sich die USA immer mehr zu einem Überwachungs- und Polizeistaat.

Lesen Sie Roberts‘ eindringliche Warnungen und erfahren Sie in einer Reihe von aktuellen Essays, wie die Welt der Gefahr eines nuklearen Armageddons ausgesetzt wird, weil in den USA „wildgewordene Persönlichkeiten, Psychopathen und Soziopathen“ das Sagen haben.

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