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Literatur-Blog

“Exodus 26 – Magazin für Science Fiction Stories & Phantastische Grafik” erschienen

Erstellt von Galaxykarl am Samstag 10. April 2010

René Moreau, Heinz Wipperfürth, Olaf Kemmler (Hrsg.)
Exodus 26
Magazin für Science Fiction Stories & Phantastische Grafik

Exodus 26, (D) 3/2010
ISSN 1860-675X
Umfang 102 Seiten
DIN A4, Softcover und 8 Grafiken vollfarbig
s/w-Illustrationen von Gerd Frey, Klaus G. Schimanski, Chris Schlicht,
Hubert Schweizer, Crossvalley Smith, Robert Straumann und Helmut Wenske

www.exodusmagazin.de
www.wenske-hyde.com

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Als ich diese 26. Ausgabe des Magazins in die Hände bekam, erlebte ich eine freudige Überraschung. Zum Einen, dass es trotz Internet, Online-Magazinen und karger Zielgruppe immer noch einige Science-Fiction-Magazine in gedruckter Form gibt. Zum Anderen, dass Exodus aus der Gruppe derer, die beharrlich auf Papier erscheinen, auch noch positiv herausragt.

Das fängt schon mit dem Cover an: vollfarbig im 4-Farb-Rasterdruck und nicht s/w auf einem farbigen Papier gedruckt. Dies sind die Segnungen des Digitaldruckes, der Farbdrucke auch in Einzelstücken oder kleinen Auflagen kostengünstig ermöglicht. Auch Nachbestellungen in gewünschter Stückzahl sind mit dieser Drucktechnik machbar. Vor der Digitaldrucktechnik hätte ein im klassischen Offsetdruck erstelltes Magazin immer die üblichen Probleme gehabt. Kleine Zielgruppe ergibt kleine Auflage bei gleich hohen Vorkosten wie Satz, Layout, Filmerstellung, Druckplattenherstellung, Einrichten der Druckmaschine und dann der Druck einer relativen kleinen Auflage. Was schlussendlich zu hohen Kosten führte, welche das Ganze entweder zu einem Verlustgeschäft für die Herausgeber machte und/oder sich in hohen Verkaufspreisen für die SF-Fans äußerte. Die Folge: Ein Magazin nach dem anderen starb, oft genug trotz hoher Qualität, oder wanderte ganz in das Internet ab. Vielleicht erleben wir hier ja eine Trendwende.

Aber bei aller Verliebtheit in moderne Technik, welche man gerade Fans der verschiedenen phantastischen Genres unterstellen darf, ist es doch etwas anderes, eine Geschichte am Bildschirm zu sehen oder lieber gedruckt in Händen zu halten, in aller Ruhe zu lesen, die Grafiken und Illustrationen zu genießen und schließlich liebevoll seiner Sammlung hinzuzufügen. Das dürfte für die kreative schreibende und zeichnende Zunft noch viel mehr gelten. Es ist ein besonderes Gefühl, sein Werk physikalisch in der Hand zu halten, als im digitalen Nirwana des Internets untergehen zu lassen, auch in der ständigen Furcht, dass ein Mausklick, ein Systemabsturz, das Pleite gehen des website-Betreibers u.v.m. dem eigenen Werk den digitalen Tod erleiden lässt.

Doch auch der Inhalt hat mir so manche Freude bereitet. Bleiben wir erst mal noch beim Optischen: Das Cover und 9 weitere farbige Grafiken stammen aus der Hand von Helmut Wenske. Wer Wenske noch nicht kennen sollte, dem sei der Artikel von Uwe Anton – auch kein Unbekannter – auf Seite 46 und ein Beitrag des Künstlers selbst ab Seite 57 oder dessen eigene website zu empfehlen. Viele werden seine Zeichnungen als Covers aus dem Insel-Verlag, Suhrkamp, Moewig, Heyne und der Edition Phantasia kennen. Psychedelisches mit Anklängen von Hyronimus Bosch und Salvador Dali sind unverkennbar.
Die Abbildungen zu dieser Rezi sind einige Beispiele davon.

Dann ein Potpourrie aus einem Dutzend Stories (bzw. einem Gedicht) die in ihrer Vielseitigkeit schon beispielgebend sind:

„Triff Adenauer in Cöln“ von Uwe Post. Im Jahr 1960 ist Deutschland noch immer ein Kaiserreich, das 3. Reich hat nie stattgefunden. Doch es ist nicht die gerettete „gute alte Zeit“, sondern es ist eine schlimme Parallelwelt. Sehr gut, sehr böse, gut vorstellbar!

„Purpurgras“ von Olaf Kemmer (Mit-Hrsg.). Seine Geschichte zeigt eine perverse Art, Drogen zu gewinnen. Ohne zu viel zu verraten, hakt die bitterböse Story nur an einem logischen Fehler, ohne den der Plot allerdings nicht funktioniert hätte: Wenn der Staat eine Jagd rigoros reglementiert und extrem selten Ausnahmegenehmigungen erteilt, braucht es auch Kontrolleure. Schließlich will man sich ja das Geschäft mit den Lizenzen nicht selbst abgraben. Trotzdem gut, sogar brutal.

„Letzte Trendansage“ von Horst Pukallus. Bitte nicht böse sein, Horst. Rundum pervers: Die Gesetze, die „Vergnügen“ der Gesellschaft, die Verlogenheit der Politiker (nun ja, das kennen wir). Aber eine Ministerin, die sich die Mühe macht, 4 Kleinkriminelle in Augenschein zu nehmen?

„Mörderland“ von Hans Joachim Alpers. Teil 3 der Stories mit dem Prädikat „Pervers/Brutal“: Ein Computerspiel das Mörderland heißt, fehlt uns gerade noch (oder gibt’s das schon zu kaufen? Gott bewahre). Es gibt in der realen Welt schon mehr Geisteskranke und Perverse, als wir ahnen (böse, wer jetzt hier an die aktuellen Fälle in beiden Kirchen denkt). Hier streift SF die Grenze zu Horror, diese Sparte hat überraschend viele Fans, die Story wird sicher seine Anhänger finden.

„Die Zeitwüste“ von Christian Weis. Was soll man tun, wenn die Welt eine globale Katastrophe erlitten hat? Sie vergessen? Sie verdrängen? Um die Überlebenden vor einem Schock, einer Depression, einer Wiederholung zu schützen? Ich will hier nichts verraten, schließe mich aber der Meinung des Autors an.

„Der Korridor“ von Martin Baresch. Die einzige Story, deren sinn sich mir nicht ganz erschlossen hat; vielleicht kann mich ja ein anderer Leser mittels Kommentar aufklären.

„Zu viele Reptilienärzte“ von Helmut Ehls. Eine meiner Lieblingsgeschichten dieser Exodus-Ausgabe. So richtig schön… nein, nichts verraten. Lesen!

„9,81 m/sec²“ von Axel Kruse. Generationenraumschiffe auf der langen Reise zu einer neuen Welt. Und wie immer geschieht, womit niemand rechnet. Mal sind es die Reisenden, mal andere, welche überrascht werden. Sehr gut.

„Der Fluch“ von Frank G. Gerigk. Tja, man sollte sich schon überlegen, ob man etwas tut, was andere vielleicht mit einem Fluch ahnden. Allerdings, ob der Verfluchte so lange rummarschieren könnte, ohne das jemand von außen…?

„Der ganz normale Wahnsinn“ von Reinhard Kleindl. Ein Mix aus Jules Verne, Sigmund Freud und Baumarktschrott? Hat mir ebenfalls mehrfach ein Grinsen beschert.

Alles in allem eine gelungene, schöne runde Sache, der man noch ein langes Leben wünschen darf. Wenn auch die folgenden Ausgaben dieses Niveau halten können, bin ich mir dessen sicher.

Copyright © 2010 Werner Karl

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EXODUS verlost 10 Exemplare des von Helmut Wenske signierten Kunstbandes »Gesichte des Athanasius Pernath«. Mehr Infos in der aktuellen Ausgabe 26 und auf www.exodusmagazin.de


Empfehlung der Redaktion:

Maler: Helmut Wenske
Gesichte des Athanasius Pernath

Verlag :      Richter, Robert
ISBN :      978-3-932442-04-9
Einband :      Leinen
Preisinfo :      15,00 Eur[D] / 15,50 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang :      ca. 54 S. – 20 x 18 cm
Gewicht :      196 g

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6 Kommentare zu ““Exodus 26 – Magazin für Science Fiction Stories & Phantastische Grafik” erschienen”

  1. Detlef Hedderich sagt:

    “Stories” schreibt man in Deutschland: “Storys”

    :P

  2. Detlef Hedderich sagt:

    René hab sie selig!

  3. Galaxykarl sagt:

    Und ich mag kein Denglisch. Wenn jemand Science Fiction, also englische Wörter benutzt, folgt darauf ebenfalls ein Englisches, hier plutal “Stories”. Alles andere klingt für mich wie Madame Chantal-Jaqueline Hinterhuber, bäh!
    Wir sollten – wenn wir konsequent sein wollen – in unseren Rubrikreitern dann auch das Wort “Home” durch Startseite ersetzen, dann würde auch unser eingedeutschtes “Storys” in einer sauberen Reihe stehen.
    Ja, ja ich weiß, ich die alte Korinthe.

    Mit galaktischem Gruß ;-) )))
    galaxykarl (huch, auch ein denglisches Wort, aber verzeihbar, da eben ein Nickname… “nicknäim” gesprochen)

  4. Felis Breitendorf sagt:

    Dann sollte man aber konsequent sein und dann nicht “Phantastische Grafik” dazu schreiben. Sondern den entsprechenden Analogen Begriff zu “Stories” – Wenn schon, denn schon! Oder?

  5. Galaxykarl sagt:

    Jepp, z.B. “Fantastic Grafics” oder “Fantastic Pictures”.

  6. sfbasar.de » Blog Archiv » Autorenporträt Werner Karl sagt:

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