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ETWAS BÖSES – Gedanken von Daniel Sand

ETWAS BÖSES

Gedanken
von
Daniel Sand

Etwas Böses wird in diese Welt geboren, stierend vor Angst und Zorn. Sein Fleischgeruch durchsiebt die dicke Luft, hält alles Leben für eine Sekunde des Entsetzens an.

Aus seinen Eingeweiden schreit es gellend auf, gleich einem Sterbenden, verwundeten Tier. Die hässlichen speckigen Klauen greifen ins Leere und suchen die ersten Opfer auf seinem schmerzvollen Weg durch die Zeit.

Sein geiferndes Maul sabbert den Schleim des Todes, klarer Saft rinnt den blutigen Schädel hinab. Die bösen Augen fixieren das reine Licht über der Kreatur und blinzeln vor Wut.

Pranken, an denen aufgequollene Stelzen kleben, treten umher und schlagen alles nieder, was sich in den Weg des Monsters stellt. Der Schädel gebiert seine ersten argen Gedanken, sinnt über Schlachtfeste, entsetzliche Orgien des Fleisches und brütet über Tod und Leid.

Unter dem fröhlichen Jubel der es umringenden Opfer verlassen erste Flüssigkeiten den glühenden Leib und tränken das reinweisse Laken mit Flecken, welche Risse in den Köpfen der Feinde hinterlassen.

Das Wesen gafft aus schwarz blauen Knöpfen auf das Volk, auf die törichten Narren, die ihr Ende und seine Niederkunft befeiern. Die Gedanken rasen durch den zu grossen Kopf, erbauen Städte aus Schmerz und Blut, treiben Adrenalin durch die verwunschenen Adern und lassen es lächeln.

Es bereitet sich darauf vor, zu morden und ins Unglück zu stürzen, sobald es die Maschinen der Vernichtung, Stelzen und Klauen selbständig und autonom einsetzen kann. Doch noch scheint eine höher Macht es an den Plänen der Destruktion zu hindern. Nichts funktioniert, wie es soll. Der Geist, in seiner Grösse und Tiefe unermesslich, speichert all seine kühnen Vorhaben und Rachepläne an den anderen Fleischmonstern und ergibt sich für den Moment in sein schwächliches Schicksal.

Doch nimmt es sich gleichermassen vor, rapide schnell zu wachsen, zu lernen, Wissen zu konsumieren, um sein Ziel, die totale Vernichtung, zu erreichen. Denn es bleiben nicht einmal hundert Jahre, bis der Leib aufgibt, der Geist freigesetzt und wieder genauso hilflos werden wird, wie in diesem Augenblick. Mit dem Wissen, einst wieder genauso schwach zu werden, lässt es die Prozedur über sich ergehen, den einstmals nährenden Lebensfaden zu durchtrennen. Ab jetzt kann es eigenständig leben, nicht gebunden an ein anderes unreines Wesen, und nur sich selbst gegenüber verantwortlich.

Die Kälte regt es zu weiteren Schreckenstaten an und die Hilflosigkeit erzürnt es noch mehr. Immer heftiger werden die tretenden Bewegungen, immer stärker das Sinnen nach Flucht und Rache, doch legen sie es in die Arme eines grossen Wesens, schwitzend, lächelnd und erschöpft. Und dennoch strahlt es Güte und Herzlichkeit aus, versuchend, diese Gaben auf es abzuwälzen, weiter zu geben und besänftigen.

Es klappt auf einer unterbewussten Ebene, obwohl es sich gegen die Wellen der Liebe sträubt. Doch das Wesen ist zu gross und zu stark, und sein Vorhaben gelingt; fürs erste.

Die gleichmässigen Bewegungen des Brustkorbes erfüllen es mit Müdigkeit, zu stark, um dagegen anzukämpfen. Und so verfällt es in eine Art Trance und alle Bosheit wird in die Falten des Gehirns eingeschlossen, und obwohl sie nicht verschwinden und wiederkehren, wie Lichter einer Rundfahrt, bleiben sie für den Augenblick in den Tiefen der Seele zurück.

Je eher es aus dieser für seine Aggression tödlichen Umarmung herauskommt, desto besser. Aber das kann nur durch eines erreicht werden. Wachsen! Die Zeit wird erweisen, wie es seine Ziele verfolgen kann und in die Tat umsetzt. Doch heute gilt es zu schlafen, Hass zu sammeln, auszuruhen für die Tage, die da noch kommen mögen und heraus zu finden, was der Leib zu leisten im Stande ist.

Das Wesen, genannt Mensch, verfällt in einen langen traumlosen Schlaf, saugend an der Mutterbrust, seinen Instinkten folgend und getragen von den Armen seiner Erzeugerin.

-ENDE-

Copyright © 2015 by Daniel Sand (um auf die Homepage des Autoren zu gelangen, einfach auf das Baby klicken!)

Bildrechte: Besinnliche Momente und Reflexionen” (Besinnlich-die-zweite.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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Bildrechte: Babyfoto” (Baby.jpg)Copyright © 2015 by Daniel Sand

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BUCHTIPP DER REDAKTION:


Mutige Seelen (Kartoniert)
Planen wir unsere Lebensaufgabe bereits vor der Geburt?
von Schwartz, Robert
.

Verlag:  Heyne Taschenbuch
Medium:  Buch
Seiten:  351
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  Februar 2015
Originaltitel:  Your Soul’s Plan
Maße:  188 x 121 mm
Gewicht:  285 g
ISBN-10:  3453702662
ISBN-13:  9783453702660


Beschreibung
Warum guten Menschen Schlechtes widerfährt – eine revolutionäre Sichtweise.

Was steckt hinter den schwersten Prüfungen des Lebens? Ist jegliches Leiden sinnlos oder gar gottgegebene Strafe? Nein, meint Robert Schwartz. Die Botschaft seines Buches ist ebenso tröstlich wie lebensbejahend: Schicksalsschläge sind sinnvoller Teil unseres Lebens, denn die Seele plant ihren irdischen Weg noch vor der Geburt. Jede Prüfung ist eine Chance auf inneres Wachstum und spirituelle Reifung – eine Aufgabe für wahrhaft mutige Seelen.

Autor
Robert Schwartz, von Haus aus freischaffender Journalist und Marketingexperte, beschäftigt sich seit seinem spirituellen Erwachen im Jahr 2003 mit der Erforschung des Themas Lebensplanung vor der Geburt . Der Autor ist international gefragter Referent, gibt Selbsterfahrungs-Workshops und führt individuelle spirituelle Beratungen durch.

Titel erhältlich bei Amazon.de
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Updated: 2. Dezember 2015 — 02:37

11 Comments

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  1. Interessanter Gedanke eine nicht alltägliche Idee. Der Buchtitel ist übrigens hervorragend ausgewählt worden.

  2. Ich möchte diese Gedanken mal bemerkenswert nennen. Von der Prämisse ausgehend: „Der Mensch ist böse“ ist die Schilderung konsequent. Interessant sind jedoch die Passagen, in denen die Hilflosigkeit des Wesens beschrieben wird, bedeutet das doch, dass die Definition Mensch = böse nicht zwingend unumstößlich ist. Ist das Hoffnung oder eher die Beschreibung einer Illusion?
    Wie dem auch sei, als Biologe kann ich dieser Definition des Menschen wenn überhaupt, so nur bedingt folgen. Und der Beschreibung des Neugeborenen als böse kann ich gar nicht zustimmen.
    Das wäre die schärfere Variante der von der katholischen Kirche propagierten Erbsünde. Die Entwicklung dieses Begriffs hatte ihren Ursprung in machtpolitischen Gründen der mittelalterlichen Kirche, Streben nach Abhängigkeiten usw. Und hier würde sich der Kreis sogar wieder schließen.
    Aber, wie gesagt, dem kann ich nicht folgen.
    Nun geht es hier aber nicht unbedingt um Wahrheiten sondern um Literatur. Und da sind alle Prämissen erlaubt die die Fantasie zu entwickeln in der Lage ist. Interessant wäre das sich auf die Definition Mensch = böse bzw Neugeborenes = böse aufbauende Weltbild.

  3. Günther, ich lese die Story so, dass es garkein Mensch ist, von dem hier erzählt wird, sondern von etwas anderem im Kleid eines Menschen.

    Vielleicht kann uns der Autor mal aufklären?

  4. Detlef, heute würde ich Dir zustimmen, hätte die Geschichte so verfasst, dass es sich um ein „ETWAS“ handeln würde und nicht um die Geburt eines Erdenkindes.

    Die Geschichte läuft unter der Rubrik „Gedanken“ und tatsächlich hatte ich früher viele Vorbehalte über die gute Seite in uns Menschen. Ich nahm an, dass sich seine böse Seite zeigt ab dem Zeitpunkt, in der ein Kind sein Umfeld individuell wahrnimmt und für sich interpretiert/verändert.
    Außerdem war ich damals nicht begeistert von dem Gedanken an Kinder und allgemein über unsere Ignoranz unserer Urmutter gegenüber.

    Wer von uns weiß schon, was Kinder wirklich denken? 😉
    Wir Menschen sind ja auch immer so schlau und meinen zu wissen, ob und was Tiere denken oder fühlen, obwohl das sicherlich eine ganze Dimension ist.

    Es ist am Ende immer eine Sache der Entscheidung, wenn es so etwas gibt 😀

  5. Martina Müller

    Also mir hat diese Story, oder sollte ich sagen „Gedanken“ sehr gut gefallen. Gerade, dass sich der Autor hier brainstormmäsig damit auseinandersetzt, macht für mich den Reiz aus. Für die von mir Herausgegebene Anthologie BESINNLICHE MOMENTE UND REFLEXIONEN ist dieses kurze Werk Gold wert und zeigt, was ich schon im Editorial der Anthologie angesprochen habe, nämlich, dass ich der Meinung bin, dass Literatur und vor allem auch Belletristik und natürlich auch Poesie und Lyrik ihre Stärken nicht unbedingt in dem zu erzählenden Inhalt haben, sondern die Form und das, was man hinter der Geschichte vermutet aber nicht wirklich ausgesprochen wird, eine für mich ganz besondere Form von literarischer Kunst sind, auch wenn hier einige Communityautoren da ganz anderer Meinung sind und sich dazu ja auch schon eingehend in den Kommentaren dazu geäussert haben, was ihrer Meinung nach Literatur zu sein hat und was nicht.

  6. Martina Müller

    Ich freue mich jedenfalls darauf weitere „Gedanken“ aus Daniels Schatzkästchen hier presentieren zu dürfen!“ 🙂

  7. Zuviel der Ehre edle Dame.
    Jedoch gefällt es dem Poeten, wenn er gefällt, seine Ergüsse auf ein offenes Ohr am endlosen Firmament des literarischen Himmels und er jemandem genügen konnte.
    Habt daher meinen Dank.

  8. Martina Müller

    😉

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