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ERNTEZEIT – eine kurze Erzählung von Martin Ott

ERNTEZEIT

eine kurze Erzählung

von

Martin Ott

Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. […]
Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der
Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. […]
(Artikel 14 Absatz 3 Grundgesetz)

Der Höhepunkt der Grundschulzeit waren die Klassenfahrten im vierten Schuljahr. Sie führten auf einen Ponyhof, in ein Landschulheim oder ein gut ausgestattetes Zeltlager und fanden in der Woche vor den Herbstferien statt. Früher hießen diese Ferien Kartoffel- oder Leseferien. Die Kinder hatten zwei Wochen keinen Unterricht und gingen mit den Lehrern auf die Felder und in die Weinberge. Jeder musste mit anpacken und seinen Beitrag leisten. Eine zweizügige Volksschule mit acht Jahrgängen brachte es immerhin auf rund 500 zusätzliche Erntehelfer, überlebenswichtig für die Dorfgemeinschaft. Später hatte man das Gesetz geändert. Aus den Kartoffelferien wurden die Herbstferien und diese außerhalb der Erntezeit angesetzt. Kinderarbeit störte die Entwicklung und freie Entfaltung. Auch der Schulunterricht hatte sich verändert. Frontalunterricht gab es nicht mehr und Lehrer und Lehrerinnen bereiteten die Kinder in liebevoller Weise auf ihre Aufgaben in der Gesellschaft vor. Aus den modernen Schulen kamen die Kinder um 17 Uhr fröhlich und entspannt nach Hause.

Am Elternabend vor der Fahrt stellte die Klassenlehrerin den Schulpsychologen, die Betreuer und die Berater vor, die mitfahren würden. Im Wechsel erläuterten diese dann den Ablauf der  Woche. Die Kinder würden verschiedene Dienste übernehmen, in vorgegebenen Situationen einzeln oder in Gruppen Aufgaben lösen, Ergebnisse vortragen und an schriftlichen Tests teilnehmen.

“Natürlich sollen Spiel und Spaß dabei nicht zu kurz kommen“, unterstrich die Lehrerin.

Am Ende der Fahrt würden dann Beobachtungen und Ergebnisse ausgewertet und unter Berücksichtigung der vergangenen Jahre eine Profilentwicklungsprognose erstellt.

“Aus dieser Prognose“, fasste der Psychologe zusammen, “geht hervor, welchen Weg Ihr Kind nach dem vierten Schuljahr einschlagen wird.“

Das bisherige Tuscheln der Eltern ging über in ein lautes Durcheinander. Dies alles war den Eltern längst klar, und selbstverständlich hatten sie das Recht, diese Entscheidung anzufechten. Die Medien berichteten ausführlich über solche Einzelprozesse. Diese quälten sich über Monate hin und bedeuteten letztlich die Wiederholung des Schuljahres.

Als die Eltern sich wieder beruhigten, verteilte die Klassenlehrerin einige Merkblätter und ein Formular. Kaugummi und Handys waren verboten. In echten Notfällen würde sie sich melden und für den Fall der Fälle stehe ein Arzt am Ort  rund um die Uhr zur Verfügung.

“Die Gesundheitskarte geben Sie bitte direkt bei Fahrtantritt am Bus ab“, sagte sie freundlich aber bestimmt, “ohne Karte keine Mitfahrt.“

Auf der Karte wurden nicht nur alle medizinischen Daten von Geburt an gespeichert. Sie enthielt auch alle Zeugnisse, Gutachten und Beurteilung zur geistigen und sozialen Entwicklung.

Die Lehrerin nahm das Formular und hielt es hoch.

“Und dies sind die Einverständniserklärungen, die wir von Ihnen benötigen. Oben zur Teilnahme an den Aktivitäten, in der Mitte der Zugriff auf die Gesundheitskarte und unten die Erlaubnis zur Spende von Organen und Körperteilen. Bitte unterschreiben Sie hier unten und geben Sie das Blatt ihrem Kind spätestens übermorgen mit in die Schule.“

Eine Verneinung war nicht vorgesehen, zum Wohle des Kindes und der Allgemeinheit.

Den letzten Tag verbrachten die Familien gemeinsam zu Hause. Alles lag eingepackt im Flur, die Dokumente obenauf. Die Themen der letzten Schulwochen wurden noch einmal durchgesprochen und letzte Hinweise zum Benehmen gegeben. Die Kinder tobten ausgelassen und konnten es kaum erwarten. Natürlich wussten sie, dass am Ende der Woche über ihre Zukunft entschieden wird. Aber das Ende des Schuljahres schien weit weg. Und dann werden sie neue Freunde finden. So war das eben. Eltern und Großeltern versuchten ihre Anspannung zu überspielen.  Ein bis zwei Kinder pro Klasse würden am Ende der Klassenfahrt zur Ernte ausgewählt und nicht zurückkommen. In diesem Falle erhielten die Eltern eine Urkunde, eine deutlich besser bezahlte Arbeitsstelle in einer anderen Stadt, eine großzügigere Wohnung und das Recht auf ein zweites Fahrzeug.

* * *

“Die Gesellschaft braucht Denker und Lenker, aber auch solche, die ohne zu fragen
zuverlässig zupacken und mitarbeiten, und so ihren optimalen Beitrag zum
Gemeinwohl leisten. Die Profilentwicklungsprognose kann nachweisen, dass der zu
erwartende Beitrag bezogen auf die körperlichen oder geistigen Möglichkeiten
suboptimal sein wird und sich durch die Ernte unter dem Strich ein größerer Nutzen
zur Steigerung des Gemeinwohls ergibt. Durch dieses international anerkannte
Verfahren werden junge Menschen zum Wohle der Allgemeinheit als Persönlichkeit
oder als einzelne Teile optimal in die Gesellschaft eingegliedert.“
(Quelle: Ministerium für Integration,  Elternbrief “Klassenfahrten im vierten Schuljahr“)

– Ende –

© Martin Ott, 2008, erschienen in den Andromeda Nachrichten des SFCD, AN Nr. 223, Oktober 2008

Bildrechte: Coverillustration “Evolution. – Menschheitsgeschichten” (http://www.chaosrigger.org/pixel02/upload/2011/02/06/20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Cyborgs01-89-minus-114-minus54.jpg ” (Originaltitel: 20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Buchtipp von Yvonne Rheinganz:

Rabisch, Birgit
Duplik Jonas 7

Verlag :      dtv
ISBN :      978-3-423-78081-0
Einband :      Paperback
Preisinfo :      6,95 Eur[D] / 7,20 Eur[A] / 9,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 05.07.2011
Seiten/Umfang :      ca. 192 S. – 19,1 x 12,2 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      16. Auflage, August 2011
Aus der Reihe :      dtv pocket 78081

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Jonas ist ein Duplik. Er lebt mit vielen anderen Dupliks in einem sogenannten Hort, abgeschottet von der Welt, und muss nichts anderes tun als Sport treiben, sich richtig ernähren und auf seine Gesundheit achten. Nur eine Bedrohung gibt es in diesem idyllisch anmutenden Leben: den FRASS.

Eine Krankheit, die plötzlich und unbemerkt auftritt, die alle Organe befallen und die nur mit der sofortigen Entfernung des jeweiligen Körperteils »geheilt« werden kann. Die grausame Wirklichkeit, die dahinter steckt, ahnt keiner der Dupliks: Sie sind genetische Zwillinge von in der »normalen« Welt lebenden Menschen und müssen jederzeit als Ersatzteillager fungieren. Eines Tages ist auch Jonas vom FRASS befallen.

Birgit Rabisch wurde 1953 in Hamburg geboren, studierte Soziologie und Germanistik und arbeitet als VHS-Dozentin. Sie ist verheiratet und hat zwei Söhne. Neben Lyrik und einem Krimi hat sie die Romane ›Sonjas Logbuch‹ und ›Möglichkeit der Liebe‹ veröffentlicht. ›Duplik Jonas 7‹ (dtv pocket plus 78081) ist Birgit Rabischs erstes Kinderbuch und wurde mit dem Umweltliteraturpreis NRW ausgezeichnet.

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Updated: 2. September 2015 — 00:22

38 Comments

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  1. Hört sich zwar übertrieben an, ist aber leider traurige Wahrheit. Wenn ich dann noch dran denke, dass viele Eltern ganz geil darauf sind Ihre Kinder fast direkt nach der Geburt bis fast zur Heirat den ganzen Tag (wirklich den ganzen Tag) ab zu geben. Sehr traurig.
    Vielleicht kommt irgendwann mal einer auf die Idee, dass das doch nicht die Lösung ist und es noch etwas Anderes gibt als den ganzen Tag arbeiten. Ich persönlich gehe so kurz wie möglich Arbeiten und weil es Geld dafür gibt um meine Freizeit mit meiner Familie inclusive Kindern zu genießen.

  2. Sehr interessante Story! Wollte mit dir am Telefon drüber sprechen. Offenbar geht dein Telefon nicht mehr? Melde dich doch mal. Festnetznummer im Impressum!

  3. Yvonne Rheinganz

    Die Story erinnert mich an den Roman Duplik Jonas sieben. SPOILER: Nur werden dort die Leute extra zu dem Zweck der Organspende gezüchtet und wissen nichts über ihre Bestimmung. Kennst du den Roman?

  4. Horst, ich habe jetzt mal Eltern kennengelernt, die ihre 1-3jährigen in mehrere Fremdsprachen- und Musikinstrumenten-Kurse schicken. Was haltet ihre davon?

  5. Yvonne,
    vielen danke für den Buchtipp. Kannte ich nicht und sieht sehr interessant aus. In welcher Klassenstufe, Schulform und Fach wird es gelesen?

    Ich wundere mich allerdings über den „Umwelt(literatur)preis NRW“. Ob der für die Beschreibung einer „nachhaltigen Organwirtschaft“ vergeben wurde? 😉

  6. Yvonne Rheinganz

    Mal was ganz anderes: ist das nicht eher eine Kurzgeschichte als eine Erzählung? Ist ja ein offener Anfang und offener Schluss…

  7. Yvonne Rheinganz

    So jetzt mal zur Klassenstufe. Je nachdem wie fit deine Kids sind in den Klassenstufen 7,8,9 in Realschule/Gymnasium. Meist behandelt man es im Kontext mir Argumentation pro/contra, Perspektivwechsel, Zusammenfassun, Interpretation etc., also im Fach Deutsch. Man kann es aber natürlich auch fächerverbindet behandeln und Gemeinschaftskunde, Musik, Kunst und Religion/Ethik mit einbinden.

  8. Vielen Dank! Das passt vom Alter her gut. Werd’s gleich als Urlaubslektüre für Sohnemann. Im Herbst war Der Junge im Pyjama in Deutsch dran. Dazu schauen wir uns am Wochenende Auschwitz an.

    Von vielen Autoren habe ich gesagt bekommen, es sei keine Kurzgeschichte, weil erstens der Protagonist fehlt und zweitens die WEnde im Leben des Protagonisten. Also habe ich hier Erzählung als Oberbegriff für jegliches Prosa gewählt.

  9. So wie sie jetzt formatiert ist, finden ich die Geschichte richtig klasse. Was meinen die anderen dazu? Und welcher Literaturform könnte dieses Werk zugehörig sein, wenn weder Story noch Erzählung? Was meit Ihr?

  10. Der von Yvonne vorgeschlagene Buchtitel ist ein echter Hammer! Super! Was meint Ihr dazu?

  11. Christa Kuczinski

    Mir gefällt die Story sehr gut. 😉 Keine Ahnung in welche Literaturform sie gehört. Ich finde das auch nicht wirklich wichtig, sollte es diese Richtung allerdings geben, würde mich das natürlich interessieren.*

    Zu deiner Frage Detlef, @ die ihre 1-3jährigen in mehrere Fremdsprachen- und Musikinstrumenten-Kurse schicken. Was haltet ihre davon?

    Stimmt das Alter wirklich??? Wenn ja, halte ich persönlich davon überhaupt nichts. Kinder in diesem Alter gehören in ein liebevolles Umfeld (vorzugsweise der Familie) um ihre ersten Schritte unter einem Schutzmantel zu erproben und das wenn SIE soweit sind.
    Das Umfeld ist gerade in diesem Alter sehr wichtig, und ich bezweifle, dass solche Kurse, die gewünschte (von wem?) Wirkung zeigen. Oder nicht gar negative Erfahrungen hervorrufen.

  12. Das Genre ist doch völlig klar: Horror!

    Kinder als Organspender zu züchten und nach Prüfung der besten Werte einige aus der Gruppe als Spender auszuwählen – zu ERNTEN! – ist doch nun wirklich Horror. Dass ihr darüber überhaupt noch nachdenken und diskutieren müsst, erschüttert mich nicht wenig.

    mgg
    galaxykarl 🙁

    P.S. Habt ihr noch alle Tassen im Schrank?

  13. @ Detlef,

    du solltest mal dein soziales – oder soll ich sagen: asoziales? – Umfeld mal checken. Eltern, die ihre 1 bis 3-jährigen Kinder in MEHRERE! Fremdsprachen- und Musikinstrumenten-Kurse schicken?

    Hallo?????? Sind die noch ganz richtig im Kopf?

    Christa ist hier zurecht genauso baff wie ich. Ich kann es nicht glauben, was manche Eltern ihren Kinder zumuten. Aus den armen Kleinen werden auf diese Art verkorkste Erwachsene. Vollhau!
    Man stiehlt solchen Kindern die Freiheit, Zeit für Entdeckung und Entwicklung, eingezwängt in Freizeitstress, nur um das überkanditelte Selbstbild der Eltern zu befriedigen. Ich könnte kotzen!

    mgg
    galaxykarl 🙁

  14. Christa Kuczinski

    galaxykarl,
    mit Literaturform und gefällt mir, meinte ich eigentlich Martins Story. 😉
    Beruhigungstee rüberschieb*

  15. @galaxykarl,
    > nach Prüfung der besten Werte einige aus der Gruppe als Spender auszuwählen

    ömm, was? … hab‘ ich da etwas überlesen?
    Wenn ein intelligentes Bürschchen so faul ist, dass er für die Gesellschaft absehbar nicht optimal nützlich sein wird, dann sind seine einzelnen Teile insgesamt möglicherweise mehr wert für Gesellschaft.

    > – zu ERNTEN! – ist doch nun wirklich Horror.
    Nö. Das ist ein Euphemismus.

    Gruß
    Martin, Dystop

  16. Zitat:
    Die Lehrerin nahm das Formular und hielt es hoch.

    “Und dies sind die Einverständniserklärungen, die wir von Ihnen benötigen. Oben zur Teilnahme an den Aktivitäten, in der Mitte der Zugriff auf die Gesundheitskarte und unten die Erlaubnis zur Spende von Organen und Körperteilen.

    Zweites Zitat:
    Ein bis zwei Kinder pro Klasse würden am Ende der Klassenfahrt zur Ernte ausgewählt und nicht zurückkommen. In diesem Falle erhielten die Eltern eine Urkunde, eine deutlich besser bezahlte Arbeitsstelle in einer anderen Stadt, eine großzügigere Wohnung und das Recht auf ein zweites Fahrzeug.

    Mein lieber Dystop,
    Das ist doch genau die aktuelle Diskussion der Krankenkassen und einer allumfassenden Krankenkarte mit der lebenslangen Krankengeschichte, gepaart mit allen anderen relevanten Daten, die es über die betreffende Person zu wissen gibt. Der gläserne Bürger gibt sein Einverständnis dafür, dass er von allen Hackern, Geheimdiensten, Behörden, Verbrechern und Blödmännern gehackt und ausgenutzt werden kann.

    In deiner Geschichte dürften aber die Kinder selbst ihr Einverständnis dafür gegeben haben. Das haben ihre Eltern gemacht, für die Aussicht Arbeit, Wohnung und Fahrzeug (klingt übrigends sehr verdächtig nach manchen Umständen in der gottlob untergegangenen DDR).

    Und du deutest ja mit der Auswahl einiger Kinder an, dass die Daten auf der Karte genau dafür benutzt wurden.

    Und das ist für mich eindeutig (sozialer, nein ASOZIALER) Horror.

    Um es nicht zu vergessen: die Geschichte gefällt mir sehr gut. Vielleicht ein wenig sehr kurz, ist aber hier OK.

    mgg
    galaxykarl 😉

  17. Moin galaxykarl,
    einverstanden.

    gk> In deiner Geschichte dürften aber die Kinder selbst ihr Einverständnis dafür gegeben haben. Das haben ihre Eltern gemacht …

    Unterschrieben wird von den Erziehungsberechtigten. In wie weit die Kinder mit ca neun Jahren „freiwillig“ einverstanden sind, könnte ich allenfalls in Erinnerung an meine eigene Erstkommunion spekulieren: es gab ein Fest, es gab Geschenke und viel Geld. Selbstverständlich war ich damals einverstanden. Und man wollte dazu gehören, besonders die Eltern. Insofern verstehe ich Dein „Das haben ihre Eltern gemacht“.

    Gruß
    Martin

    P.S.: ich habe den zweiten Satz des Textes umgedreht. Nicht dass sich jemand wundert.
    Martin

  18. Das mit der Urlaubslektüre für die Autoreise wird wohl nix. Mein Sohn hat Duplik Jonas 7 schon halb durch.

  19. Christa Kuczinski

    Ich gebe mich geschlagen… 😉

    Martin, ich würde gleich einen ganzen Stapel auswählen, nicht das ihm während des Urlaubs langweilig wird*

    Lg Christa

  20. Galaxy: Du wunderst dich um Detlefs soziales Umfeld?

    Ich wohne ja in der selben Siedlung und ich kann dir sagen, das ist noch gar nichts. Ich glaube du lebst da in der Pfalz in einem Wolkenkuckucksheim und hast nicht die Spur einer Ahnung was in einer Sozialbausiedlung im Kern von Frankfurt so alles abgeht, wirklich nicht böse gemeint, aber DU HAST WIRKLICH KEINE AHNUNG, DU WÜRDEST ES NICHT MAL GLAUBEN, WENN ICH HIER DAVON BERICHTEN WÜRDE! 🙁

  21. @Martin

    Upps, da habe ich doch glatt das Wörtchen „nicht“ bei dem Einverständnis der Kinder vergessen. Natürlich kann ein kleines Kind solche Entscheidungen gar nicht treffen. Aber die Eltern können es und sollten dagegen aufbegehren. Eher breche ich eine Revolution vom Zaun, bevor ich wegen einer größeren Wohnung meine Kinder ausschlachten lasse.

    @Irene

    Stimmt, ich lebe nicht in der Großstadt, bin aber in einer aufgewachsen. Gottlob nicht in einem Hochhausviertel wie z.B. Nürnberg/Langwasser, was evtl. ein wenig an euer Frankfurter Ghetto rankommen könnte.

    Deshalb bin ich heilfroh, dass wir seit 24 Jahren auf dem Land wohnen, aber nicht in der Pfalz (wo es sicher auch sehr schön ist), sondern in Franken, in der Nähe des „Gottesgartens“.
    Aber auch hier gibt es äh … seltsame Bewohner. Z.B. mich: ich grille mit den Nachbarn, statt gegen sie; ich mähe meinen Rasen vor 20:00 Uhr und auch nicht zur Mittagszeit; ich grüße alle, auch die A… (man gibt ja nie die Hoffnung auf, das die mal zurückgrüßen könnten) und ähnliche unverbesserliche Optimisten-Sachen halt.

    Ich bin der unerschütterlichen Meinung, dass es so aus dem Wald zurückkommt, wie man hineinruft.
    Gegen Vollpfosten sind wir auch hier auf dem Land nicht gefeit.

    Aber eines darf ich dir versichern: Ich habe Ahnung von schrecklichen Wohnumständen; schließlich habe ich fadt acht Jahre in einer eigenen großen Wohnung in Nürnberg Alkoholismus, häusliche Gewalt, Polizeibesuche und ähnlche unterhaltsame Begebenheiten erleben und erleiden dürfen. Einmal hat ich Frau Promille das Leben gerettet, da sie beinahe in ihrer eigenen Kotze erstickt wäre. Also, Franken ist zwar mein persönlicher Garten Eden, aber die Schlange ist immer und überall präsent.

    mgg
    galaxykarl 😉

  22. Und bitte nicht mein Umfeld als Ghetto bezeichnen! 😉

  23. Die Geschichte macht betroffen – und das soll sie auch. Am Anfang hat sie auf mich ganz einfach, ja fast schon kindlich gewirkt, aber je mehr und intensiver man liest, umso deutlicher scheint das Grauen und – ja – auch der Horror durch den Text. Dass er hier und da nur angedeutet wird, macht den Text besser als wenn alles in allen Einzelheiten auserzählt wäre. Den amtliche „Elternbrief“ am Ende der Erzählung finde ich gelungen. Er zeigt, auf welch abstrakten, quasi gesichtlosen Wegen die Vorstellung, was ein Kind zu sein und was es zu leisten hat in unsere Gesellschaft kommt.
    Bin gespannt, auf mehr Texte vom Autor.

  24. Ed-Cetera,
    vielen Dank fuer den Kommentar.

    EC> Bin gespannt, auf mehr Texte vom Autor.
    siehe rechte Leiste unter Autoren.

    Yvonne,
    mein Sohn und ich haben das Buch durch. Vielen Dank nochmals fuer den Tipp.

    Gruss
    Martin mit auswertiger Tastatur

  25. Dann kannst du uns ja bestimmt was zu dem Buch hier sagen? Oder machst du eine Besprechung für buchrezicenter?

  26. Ich hatte Auschwitz zwar schon vor 18 Jahren besucht, und auch schon einige andere Lager gesehen. Aber der Besuch heute (erstmals im KL mit eigenem Kind) hat meinen Bedarf an Horror und Dystopie erstmal gestillt. Ich schaetze, „Frankenstein“ bleibt vorerst im Koffer und ich nehme die „Die Physiker“ raus. Eine bisher nur skizierte KG koennte dann wie geplant zur zynischen Komoedie werden. Verarbeitet wird Auschwitz oder besser das Grauen, irgendwann, irgendwie.

    Irene,
    ich hab gestern einen kurzen (Ab)riss im Autorenforum federfeuer.de geschrieben. Ich bin ziemlich geschafft heute, weiss nicht wie man eine Rezi schreibt und kopier es daher einfach mal hier rein, leicht editiert. Da ich selbst noch kein Buch veroeffentlicht habe, bitte ich die enthaltenen „Beanstandungen“ mit einem Koernchen Salz zu geniessen:

    = = =

    Heute ein fast einem Rutsch: Birgit Rabisch, „Duplik Jonas 7“ – dtv Taschenbuch

    Es gibt Menschen und Dupliks. Letztere werden nach der Zeugung vom Original abgezweigt und leben abgeriegelt von der uebrigen Welt in Horten. Benoetigt ein Mensch aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit Ersatzteile, werden sie seinem Duplik entnommen, der dann entsprechend weiterlebt oder auch nicht. Der Prota wacht eines Tages aus der Narkose ohne Augen auf, sein Mensch mit. Anschliessend wird der Prota fuer eine Medienkampagne gegen Duplikhaltung aus dem Hort entfuehrt.

    Das Buch ist mir von einer Lehrerin empfohlen worden. Es wird in der Schule in den Klassen 7,8 und 9 im Deutschunterricht eingesetzt. Ich haette nach Beenden des Buches auf Biologie, Ethik und Religion getippt.
    Die Sammlung diverser Fragestellungen (Was definiert einen Menschen? Fleischessen ist Mord? Wo ist mein Platz in der Gesellschaft?) gleichen mitunter einem Rundumschlag: Ueber „irgendwas“ wird man mit den Schuelern schon ins Gespraech kommen. Die Protagonisten, wenn sie ihre ehtischen Abhandlungen von sich geben, sind stellenweise im Dialog kaum von einander zu unterscheiden und gelegentlich fallen mir so Federfeuer-Begriffe ein, wie Infodump und Adjektivitis. Im ersten Kapitel scheint die Autorin mit Tempus zu experimentieren. Sie einigt sich dann irgendwann auf Praesens, was an der einen oder anderen Stelle gefuehlt nicht passt.

    Der Plot ist dennoch spannend mit ein paar netten Wendungen. Ich hatte mittendrin viel „schlimmeres erhofft“, aber es ist ja ein Jungendbuch.

    Insgesamt eine leichte Urlaubslektuere fuer einen Tag am Strand. Ich werde das Buch Duplik Jona 7 in der Familie weiter empfehlen: Waldorflehrer in Biologie, Physik, Ethik und Religion.

    = = = =

  27. Martina Möchel

    Hat mich richtig neugierig gemacht deine Buchbeschreibung, Martin. Werde mir wohl das Büchlein hier über sfbasar ordern, damit die Seite auch ein wenig was in die Kasse bekommt! Vielen Dank nochmal an alle, die hier weitermitmachen. 😀 Schade, das so viele hier offenbar das Handtuch geworfen haben obwohl so doch am Anfang so aktiv erschienen. 🙁

  28. Hallo Martin, ich wollte fragen, was du davon hällst diese Story in die Anthologie EVOLUTION – Menschheitsgeschichten zu stellen?

  29. ich schaue mir die anthologie in der nächsten Zeit mal an.

  30. Filmtipp zum Thema
    Am kommenden Freitag um 20:14, Pro7 „Die Insel“ von 2005.
    Die Inhaltsangabe bei Wikipedia liest sich wie die amerikanisierte Fassung des Buches Jonas Duplik 7.

    Und auch an dieser Stelle noch mal ein Dankeschön für eure Stimmen und für das Buchpaket. Mein Sohn ist in eines der Bücher reingefallen. Nach ein paar Stunden Lesen ohne Pause war ich knapp davor, ihn an seine Computerspiele zu erinnern. 🙂

  31. EVOLUTION – passt. War mir nicht mehr sicher, ob die Antho biologisch oder soziopathisch ausgerichtet ist. Bei den bereits vorhandenen dystopischen Geschichten ist ERNTEZEIT wohl in bester schlechter Gesellschaft.

  32. Warum so negativ?

  33. Gefällt mir gut, fällt aber aus meiner Wertung, da bereits früher teilgenommen.

  34. Alex, laut unserer Statuten, darf eine Story solange mitmachen, bis sie Geld gewinnt, dann nicht mehr. Und manche Autoren, wie auch der vorliegende – schaffen dann auch einfach nicht mehr als eine im Jahr, daher müssen sie auf alte Sachen zurückgreifen um mitzumachen. Ich finde das nicht so schlimm, vor allem wenn die Story was besonderes an sich hat, oder? 🙂

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