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EINE REISE ALTER HELDEN – Leseprobe (Teil 2) aus dem Science-Fiction-Roman “D9E – Die neunte Expansion – Eine Reise alter Helden” von Dirk van den Boom

EINE REISE ALTER HELDEN

Leseprobe (Teil 2) aus dem Science-Fiction-Roman “D9E – Die neunte Expansion – Eine Reise alter Helden”

von

Dirk van den Boom

Als Skepz ihm seinen Becher in die Hand drückte, roch Thrax daran, lächelte säuerlich und nahm einen Schluck. Gut, er war heiß und es gab Koffein darin, und das nicht zu knapp. Thrax beschloss, etwas Dankbarkeit zu zeigen dafür, dass Skepz ihm den Becher gebracht hatte.

Er lächelte sie an. Seine rechte Wange bestand aus Synthohaut, die nicht besonders gut verheilt war. Sein Lächeln war sehr schief, wirkte auf den unvorbereiteten Beobachter eher abstoßend, ja erschreckend. Skepz war nicht unvorbereitet. Sie hob ihren Becher in einem scherzhaften Salut und trank, und ihr so apartes Gesicht verzerrte sich für den winzigen Moment, in dem sie darum rang, den Geschmack des Gesöffs zu ertragen.

»Meinst du, dass die Hondh noch auftauchen werden?«, fragte sie dann.

Thrax zuckte mit den Achseln.

»Das wissen wir doch nie.«

»Es wäre schön, wenn wir nach so langer Zeit endlich einmal etwas Definitives über unsere Feinde erfahren würden«, murmelte Skepz und schaute in ihren Becher, als ob sich darin die benötigten Informationen finden lassen würden.

»Die Hondh haben daran offenbar kein Interesse.«

»Ich bin es aber leid.«

Thrax schwieg. Diese Seite von Skepz kam in letzter Zeit immer öfter zum Vorschein. Es war eine Art von fatalistischer Ermüdung, die viele, selbst die Besten, nach all den Jahren des Kampfes überkam. Skepz schien dagegen in der Vergangenheit eher gefeit zu sein. Thrax zeigte es nicht, aber er begann, sich um sie Sorgen zu machen. Er war auf seine Stellvertreterin und ihre geistige Gesundheit und Selbstdisziplin mehr angewiesen, als er sich selbst gegenüber zugeben wollte.

Entweder war sie mindestens so urlaubsreif wie er oder die allgemeine Anstrengung hatte eine Stufe erreicht, die schlicht ihre Kräfte überforderte – und dann würde auch der anstehende Urlaub das Unausweichliche nur aufschieben. Wenn der Burn-out drohte, dann war die Konsequenz eine Versetzung in den Verwaltungsdienst, ein Ort, an dem Skepz sicher ganz hervorragende Arbeit leisten würde.

Aber was sollte er nur ohne sie anstellen?

Thrax wollte gar nicht daran denken.

Er zwang seine Konzentration auf den Rest des Kaffees, den er mit großer Mühe runterbrachte. Dann warf er den Becher in den Abfallschacht und wusste, dass die Verzögerungstaktik nicht weiterhelfen würde: Seine Schicht war vorbei.

»Ich übergebe das Kommando.«

»Leg dich hin, Commander.«

Thrax lächelte schief, erhob sich aus seinem Sessel und drückte sich an Skepz vorbei. Die Brücke war eng. In Kampfeinsätzen saßen hier fünf Offiziere, außer ihm und Carlisle noch Skepz als Erste Offizierin, der Waffenoffizier Lt. Lachweyler und der Zweite Ingenieur Lt. Thaddeusz. Weitere fünf Besatzungsmitglieder waren auf der Interceptor verteilt: Der Erste Ingenieur saß zusammen mit einem Techniker im noch engeren Maschinenraum, die Bordärztin hockte in dem, was auf der Interceptor als Krankenstation durchging, und zwei weitere Mannschaftsdienstgrade saßen in den Waffenkuppeln des Kreuzers, um nötigenfalls die Offensivfähigkeiten des Schiffes auch ohne zentrale Steuerung auslösen zu können. Eine kleine Besatzung auf einem Raumfahrzeug, das ursprünglich für eine Normbemannung von 32 Personen gebaut worden war. Doch es gab kein qualifiziertes Personal mehr. Niemand wollte zur Flotte und dort sterben, denn niemand sah darin noch einen Sinn. Zwangsrekrutierungen hatten sich als sinnlos erwiesen, da die Einsatzbereitschaft der gepressten Soldaten gegen null ging. Also arbeitete die Flotte mit einer stetig dünner werdenden Personaldecke, immer älteren Schiffen und immer mehr handgebastelter Automatisierung, die nicht einmal mehr jene durchschauten, die sie installiert hatten. Würden nicht fortlaufend hochwertigere KIs entwickelt, die Verteidigungslinie gegen die Hondh wäre bereits vor fünfzig Jahren zusammengebrochen.

Thrax war ein Relikt, das wusste er wohl. Und als er sich durch die engen Gänge der Interceptor auf seine Kajüte zuquälte, fühlte er sich auch so. Es gab kaum einen Teil seines Körpers, der nicht irgendeine Art von Schmerz ausstrahlte. Thrax hielt die Responsivität der Medsuite in seinem Nacken so gering wie möglich, da er ein großes Interesse daran hatte, auch zu fühlen, dass er noch lebte. Der Schmerz war auszuhalten, und während des nahenden Urlaubs würde er eine vierwöchige Kur bekommen, davon drei Tage in einem Bad aus Heilgel im Nährschlaf. Das war teuer, aber nicht so teuer wie die Suche nach einem geeigneten Ersatz für einen erfahrenen Führungsoffizier wie ihn.

Er dachte an Carlisle. Vor sieben Jahren hatte der Navigator nach dem Ausbrennen seines Vorgängers das Schiff betreten, damals ein schmächtiger Bursche, frisch von der Akademie. Anfangs hatte er sich noch im Schiff bewegt, war auf Landgang gegangen, hatte sogar was mit einer Dockarbeiterin angefangen. Doch je mehr er sich in den für normale Menschen unverständlichen Tiefen des Menger-Raums und dessen ganz eigener Ausstrahlung verfing, desto längere Zeit brachte er in seinem Sessel zu, bis er ihn irgendwann nicht mehr verlassen hatte. So erging es allen Navigatoren mit der Zeit. Sie glaubten, Gott in den Wurmlöchern zu erblicken, sowohl in den natürlichen als auch in den durch die Generatoren erzeugten. Thrax hoffte, dass Carlisle damit recht hatte. Es wäre ein nur gerechter Ausgleich für das kurze, erbarmungswürdige Leben, das diese Menschen führten.

Er erreichte seine Kabine, ein winziges Kubikel von drei mal drei Metern. Eine aufklappbare Liege, ein aufklappbarer Tisch, ein aufklappbarer Stuhl, ein aufklappbares Terminal – sein aufklappbares Privatleben verborgen in einem winzigen Schrank, den er seit Wochen nicht mehr geöffnet hatte. Er verharrte für einen Moment in der Mitte des leeren Zimmers, wie er es immer tat, holte tief Luft, klappte das Waschbecken auf und warf sich warmes, leicht säuerlich riechendes Recyclingwasser ins Gesicht. Dann holte er die Liege hervor. Wie immer vermeinte er, ein leichtes Quietschen seines künstlichen rechten Hüftgelenks zu hören, als er sich niedersetzte.

Natürlich alles Einbildung.

Als er lag und die Augen schloss, konnte er sich auf all die Schmerzen konzentrieren. Die brennende Synthohaut in seinem Gesicht. Das Pulsieren des Elektromotors in seinem rechten Ellenbogen, der hin und wieder unkontrollierte Stromstöße abgab und seinen Arm zum Zucken brachte. Der permanente Kopfschmerz durch den Kortikalstecker oder das mit den Jahren etwas instabil gewordene NeuroLAN, mit dem er sich während des Kampfes mit der KI verbinden konnte. Seine Muskeln, mal unterstützt, mal natürlich arbeitend, die oft verkrampften und nicht wussten, ob sie der Herr des Körpers waren oder nur Anhängsel all der Ersatzteile, die sie umgaben.

Thrax konnte sich jederzeit ein Schlafmittel verabreichen, aber er zog es vor, auf natürlichem Wege einzunicken. Das dauerte zwar länger und hatte meist wilde, oft erschreckende Träume zur Folge, aber auch das erinnerte ihn daran, dass er ein Mensch war.

Urlaub, dachte er.

Bald hatte er Urlaub.

Er war so, so müde.

(…)

Copyright © 2013 by Dirk van den Boom. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Wurdack Verlags
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Bildrechte: Coverillustration “Evolution. – Menschheitsgeschichten” (Evolution2.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: “Künstliche Menschen” (Zeichnung-Cyborgs.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Wer wissen möchte, wie es weitergeht, der kann den Titel des Autoren hier bestellen:

Boom, Dirk van den
D9E – Die neunte Expansion

Eine Reise alter Helden

Umschlaggestaltung von Preuss, Alexander
Verlag :      Wurdack Verlag
ISBN :      978-3-95556-010-2
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,95 Eur[D] / 13,40 Eur[A] / 18,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 07.02.2013
Sonstige Preise :      10,00 Eur[D] Gültig bis 15.09.2013 / 10,30 Eur[A] Gültig bis 15.09.2013 / 14,90 CHF UVP Gültig bis 15.09.2013
Seiten/Umfang :      ca. 256 S. – 21,0 x 13,2 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 12.10.2013
Gewicht :      280 g
Aus der Reihe :      D9E – Die neunte Expansion 1

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D9E – Die neunte Expansion
Die heimatliche Milchstraße, weit in der Zukunft. Schon vor Hunderten von Jahren brach der Widerstand der Terranischen Hegemonie gegen die Hondh endgültig zusammen. Die Menschheit wurde zum Vasallen eines Imperiums, dessen Ziele und Absichten bis heute niemand begriffen hat. Außer den Abtrünnigen, die eine neue Heimat außerhalb des Machtbereichs der Hondh gefunden haben, gibt es keine freien Menschen mehr.

Als ein beschädigtes Hegemonie-Kampfschiff, dessen Besatzung in Stasis versetzt war, nach endlosem relativistischen Flug zur Erde zurückkehrt und mit einer Kultur konfrontiert wird, die sich unter der Herrschaft der Hondh gut eingerichtet hat, beginnt ein Prozess mit unabsehbaren Folgen.

Auch außerhalb des Hondh-Imperiums glauben viele nicht daran, dass der letzte Eroberungsfeldzug der fremdartigen Wesen auch ihr letzter gewesen ist. Doch niemand hat je mit einem Hondh gesprochen, geschweige denn einen gesehen. Und genauso wie jene, die Angst vor einem neuen Eroberungskrieg haben, gibt es solche, die die Gefahr nach Hunderten von Jahren des Friedens für vernachlässigbar halten – oder die sogar begonnen haben, Aliens wie mythische Gestalten anzubeten.

Vor diesem Hintergrund startet im Oktober 2013 die neue SF-Reihe aus dem Wurdack-Verlag. Geplant sind vier Romane im Jahr.

Als „shared universe“ konzipiert, schreiben die beteiligten Autorinnen und Autoren eigenständige Romane mit selbständigen Plots und Charakteren, die sich aber gemeinsam vor einer kontinuierlichen Hintergrundgeschichte entwickeln.

Eine Reise alter Helden

Das schwer beschädigte irdische Kriegsschiff Interceptor flieht nach einer verlorenen Schlacht vor den rätselhaften Hondh und kann die heimatliche Erde erst nach einem langen Unterlichtflug erreichen. Während auf dem Schiff nur wenige Jahrzehnte verstreichen, sind auf der Erde fast 500 Jahre vergangen. Jetzt, in ihrer Zukunft, muss die Mannschaft feststellen, dass die Aliens den Krieg für sich entschieden haben und die Menschheit ihren neuen Herren seit langer Zeit Tribut und Gehorsam schuldig ist. Die müden Soldaten stehen vor einer wichtigen Entscheidung: sollen sie jetzt ihren persönlichen Frieden suchen oder den verlorenen Krieg 500 Jahre in der Zukunft wieder aufnehmen?

Der Autor
Dirk van den Boom, geb. 1966, arbeitet eigentlich als Consultant und ist Professor für Politikwissenschaft. Als Science-Fiction-Autor hob er die Serie »Rettungskreuzer Ikarus« aus der Taufe. Neben seinem Engagement für »Die neunte Expansion« veröffentlicht er regelmäßig weitere Romane in seinem Military-SF-Zyklus um den Tentakelkrieg sowie der alternative-history-Serie um die Kaiserkrieger. Darüber hinaus ist er als Übersetzer tätig.

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Updated: 26. Dezember 2013 — 17:31

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