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EIN WEIHNACHTSENGEL AUF VIER HUFEN – eine Kurzgeschichte von Aileen P. Roberts (sfb-Preisträger Platz 3 im Storywettbewerb 1/2011)


EIN WEIHNACHTSENGEL AUF VIER HUFEN

eine Kurzgeschichte

von

Aileen P. Roberts

»Das wird garantiert nichts mehr mit der weißen Weihnacht, die der Wetterbericht versprochen hat.« Missmutig blickte Ciaran in den strömenden Regen hinaus, während Deana noch immer begeistert Weihnachtsgeschenke für ihre Freunde und Familie einpackte.

»Ach was, das Wetter ändert sich bei uns in Schottland schnell, das solltest du doch inzwischen wissen«, meinte Deana unbekümmert und beobachtete ihren Freund schmunzelnd, der so angestrengt aus dem Fenster sah, als wolle er den Regen allein mit seinem finsteren Blick vertreiben. Plötzlich sprang er auf. »

Endlich ist die Post da!« Schon rannte er hinaus und kam kurze Zeit später mit deutlich entspannterem Gesichtsausdruck zurück. Seine langen schwarzen Haare klebten ihm allerdings klatschnass am Kopf und das Päckchen sah auch ein klein wenig lädiert aus.

»Was ist denn da drin?«, wollte Deana wissen und streckte ihren Kopf interessiert vor, aber Ciaran stupste sie nur auf die Nase.

»Sei nicht so neugierig.«

»Ist das mein Weihnachtsgeschenk?«

»Wer weiß.« Ganz offensichtlich kostete Ciaran die Ungeduld seiner Freundin so richtig aus und eilte dann die knarrenden Stufen des kleinen Cottages hinauf.

Deana schob die Unterlippe vor, als er wieder ins Wohnzimmer kam. »Du bist gemein.«

»Es wäre ja keine Überraschung, wenn du schon wüsstest, was drinnen war«, meinte er und verwuschelte ihr die rotblonden Locken, woraufhin sie empört aufschrie. »Komm, Deana, wir müssen die Pferde noch füttern.«

Wenig begeistert zog sich Deana ihre Regenjacke und die Gummistiefel an, aber als sie ins Freie traten, hatte der Regen zumindest etwas nachgelassen, auch wenn die bleigrauen Wolken heute so tief hingen, dass man nicht einmal die nahe Bucht sehen konnte. Der dichte Nebel, der sich über das Land senkte, verlieh der einsamen Highlandszenerie direkt etwas Gespenstisches.

Deana musste an die vielen Geschichten aus dem Feenreich denken, die ihre Großmutter ihr als Kind erzählt hatte, und heute hatte sie das Gefühl, geisterhafte Wesen würden über ihre Wange streifen, als sie an Ciarans Seite den Berg hinauf zur Farm ihres Onkels Cameron wanderte.

Dieser lag lauthals fluchend unter seinem Traktor und kam mit ölverschmiertem Gesicht darunter hervor, als er die beiden hörte.

»Das dumme Ding hat seinen Geist aufgegeben.« Der kräftige Mann mit den kurzen rötlichen Haaren behielt seine düstere Miene deutete jedoch nicht lange bei, sondern deutete lächelnd auf die prächtige Kiefer, die unweit der Pferdekoppel am Zaun lehnte. »Zumindest konnte ich den Weihnachtsbaum noch aus dem Wald holen.«

Deana musste schmunzeln, als sie das Gesicht ihres Onkels sah, welches sie jetzt an einen kleinen Jungen erinnerte, und sie wusste, dass er trotz der rauen Schale, die er häufig zur Schau stellte, die Weihnachtszeit sehr liebte.

»Der Baum ist wirklich toll«, lobte sie deshalb. »Es wird sicher ein schönes Weihnachtsfest.«

Als Ciaran skeptisch in den wolkenverhangenen Himmel sah, stieß sie ihn in die Seite. »Komm schon, alter Pessimist, lass uns die Ställe ausmisten.«

Ein lautes Wiehern ließ Deana die Weide hinaufblicken, und da kam auch schon ihre Highlandponystute Rhanna in halsbrecherischem Galopp den Berg hinab gestürmt.
Das Pferd mit dem dichten, gräulich braunen Winterfell erinnerte an einen Teddybär, als es schließlich bei Deana am Zaun stand und sich genüsslich den Hals kraulen ließ.

»Du bekommst später dein Heu«, versprach Deana und verstrubbelte Rhanna den schwarzen Schopf, bevor sie Ciaran zu der Scheune folgte, in welcher die Stuten mit Fohlen untergebracht waren.

Nachdem sie unzählige Schubkarren voll Mist auf den nahen Misthaufen gefahren, vorwitzige Highlandponyfohlen gestreichelt und Heu in den Boxen verteilt hatten, setzten sie sich auf einen großen Strohballen und überlegten gemeinsam, ob sie auch wirklich alle Geschenke beisammen hatten, bis sie ein lauter Schrei aus ihrer Unterhaltung riss.

Sie sahen sich kurz an und rannten dann hinaus. Draußen bot sich ein bizarrer Anblick.

Wie ein Rohrspatz schimpfend stand Tante Maude am Zaun und rang mit Rhanna um die kläglichen Überreste des Weihnachtsbaumes.
Das Pony hatte sich wie ein Hund in die Spitze verbissen und Deana musste ihren aufsteigenden Lachreiz unterdrücken, denn Rhanna und Tante Maude erinnerten sie plötzlich an zwei Kontrahenten beim Tauziehen auf den Highlandgames. Aber jetzt schob sie solche Gedanken beiseite und spurtete los.

»Lass unseren Weihnachtsbaum los, du haariges Ungetüm«, tobe Tante Maude, und ihr rundliches Gesicht mit den kurzgeschnittenen grauen Haaren färbte sich röter und röter.

Deana sprang über den Zaun, fuchtelte hektisch mit den Händen und Rhanna ließ los – leider etwas zu abrupt, denn Tante Maude landete mitsamt des Baumes auf ihrem ausladenden Hinterteil – mitten in einer schlammigen Pfütze.

Rhanna hingegen suchte, wilde Bocksprünge machend, wohlweißlich das Weite und Deana konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich ein triumphierender, schelmischer Ausdruck auf ihrem Ponygesicht breit machte, als sie ein Stück entfernt stehen blieb und laut schnaubte.

Gerade half Ciaran der tobenden Maude auf die Füße, die sich, wie ein Bierkutscher fluchend, vergeblich den Schlamm von der Wollhose rieb.

»Den Baum können wir vergessen«, stellte Ciaran praktisch fest, nachdem er den mehr als mannshohen Nadelbaum, dessen Spitze fehlte, und der an einer Seite komplett abgenagt war, aus der Pfütze gezogen hatte.

»Dieses Pferd ist das Chaos in Person, wir sollten Rhanna statt des Truthahns als Festbraten auftischen!« Tante Maude stapfte davon und Ciaran sah ihr besorgt hinterher.

»Oh je, jetzt ist sie aber wirklich wütend.«

Deana hingegen winkte ab. »Ach was, sie regt sich immer furchtbar über Rhanna auf, aber ich habe sie schon oft gesehen, wie sie ihr heimlich Karotten füttert oder sie streichelt, wenn sie am Zaun steht. Tante Maude ist wie ein schottischer Regenschauer, heftig wenn er niedergeht, aber Minuten später auch schon wieder vorüber.«

Mit skeptischem Blick betrachtete Ciaran den Baum. »Was machen wir denn jetzt.«

»Wir sollten Onkel Cameron bitten, einen neuen zu holen.« Das war das Einzige, was Deana einfiel.

Wie nicht anders zu erwarten, war auch Onkel Cameron nicht gerade begeistert von Rhannas Aktion, andererseits gab er zu, dass es nicht sehr klug gewesen war, den Baum an den Koppelzaun zu lehnen, und so versprach er, sein Bestes zu tun, um den Traktor zu reparieren und morgen rasch einen neuen Baum zu besorgen.

Am nächsten Tag erinnerten die Highlands an eine Märchenlandschaft, denn über Nacht war der Nebel gefroren, und Raureif hatte Bäume und Büsche in bizarre, an phantastische Wesen erinnernde Gebilde verwandelt, die in der hervorbrechenden Sonne glitzerten.

»Keine weiße Weihnacht aber gar nicht so übel, oder?«, meinte Deana, als sie mit Ciaran am Morgen zur Farm lief. Die Straße war tückisch vereist und sie mussten aufpassen, damit sie nicht hinfielen.

»Der Traktor läuft, aber es ist viel zu glatt.« Kopfschüttelnd blickte Onkel Cameron auf das Baumskellet. »Das war mal wieder eine Glanzleistung von Rhanna.«

»Wir werden sehen, dass wir zumindest ein paar Zweige aus Granny Anabells Garten bekommen«, lenkte Deana ein.

»Weihnachten ohne Baum, das hatten wir noch nie«, brummte

Onkel Cameron missmutig, hob dann jedoch resigniert die Arme und versprach, gegen 17 Uhr zur Weihnachtsfeier zu kommen.

Am Abend war das gemütliche alte Cottage von Granny Anabell festlich mit Zweigen geschmückt, und auch wenn sich Deana einiges wegen des fehlenden Baumes anhören musste, so waren letztendlich doch alle zufrieden.

Der Truthahn brutzelte im Ofen und verbreitete bereits einen verlockenden Duft. Deanas Eltern Alisha und Roderick, ihre Schwester Jeanie, Ciarans Großvater Brandon O’Connell, sowie Tante Maude und Onkel Cameron saßen im Wohnzimmer und ließen sich Granny Anabells Weihnachtsplätzchen schmecken.

Eigentlich hätten noch Deanas Cousin und Cousine mit ihrer Familie kommen sollen, aber die Straßen waren noch immer so vereist, dass sie abgesagt hatten.

»Die Kirche werden wir heute wohl ausfallen lassen müssen«, stellte Roderick MacLennan fest und fuhr sich mit der Hand über seinen Vollbart.

»Macht nichts, dann gibt’s eher Geschenke«, meinte Jeanie, Deanas drei Jahre jüngere Schwester, vorwitzig.

»Du warst ohnehin nicht brav«, knurrte ihr Vater, »du bekommst nichts vom Weihnachtsmann.«

»Weihnachtsmann!« Die Sechzehnjährige mit den blonden Engelslocken und dem ebenmäßigen Gesicht, welches darüber hinwegtäuschte, dass sie es faustdick hinter den Ohren hatte, blies die Backen auf. »Dad, ich befürchte, du hast verpasst, dass ich schon seitdem ich fünf bin nicht mehr an ihn glaube.«

»Man sollte sich nie zu sicher sein, was Mythen und Legenden betrifft«, rügte Granny Anabell. »Ich kenne da eine Geschichte aus der Zeit, als die Clans in den Highlands noch gemeinsam Weihnachten feierten …«

Sofort beugten sich alle gespannt nach vorne, selbst die Erwachsenen, denn Granny Anabell war eine hervorragende Geschichtenerzählerin, die jeden in ihren Bann ziehen konnte. Allerdings klopfte es nur Augenblicke später an der Tür. Mit einem bedauernden Achselzucken öffnete Granny Anabell und kurz darauf stand Ron Murdock, ein Fischer mit buschigem schwarzem Bart, in der Tür.

»Hier haben wir unseren Weihnachtsmann«, kicherte Jeanie und Deana grinste zustimmend. Das Lachen verging ihr allerdings kurz darauf, als Ron mit seiner heiseren Stimme bellte: »Da ist grad ’n Pferd die Straße in Richtung Ardmore entlang getrabt. Wollte euch nur bescheid sagen.«

»Verflucht noch mal, können die pelzigen Biester einen nicht einmal an Weihnachten in Ruhe lassen«, ereiferte sich Tante Maude, war jedoch eine der ersten, die nach ihrer Jacke griff. »Deana, Ciaran, ihr fahrt mit mir. Cameron, du nimmst Roderick und Alisha mit. Brandon bewacht das Telefon«, sie fuchtelte in Richtung ihrer Schwiegermutter, »und du achtest auf den Truthahn.«

»Wie gut, dass wir »General Maude« haben«, bemerkte Granny Anabell kopfschüttelnd.

»Wir müssen erst noch ein Halfter holen«, wandte Deana ein. »Nimm das hier«, Ciaran hielt ihr sein Geschenk entgegen, »ich habe dir das Lederzaumzeug für Rhanna geschenkt, das du dir schon so lange wünschst.«

Eilig riss Deana das Papier auf und lächelte Ciaran dankbar an, als sie das weiche Lederzaumzeug in der Hand hielt. Insgeheim befürchtete sie ohnehin, dass Rhanna der Ausreißer war, denn ihr Pony verschwand häufig auf bisher unerforschten Wegen aus der Koppel.

Schon rannten alle aus der Tür und stiegen in die Autos. Die Straße war wirklich sehr rutschig und Maude musste ganz vorsichtig fahren, um nicht von der Fahrbahn abzukommen.

»Wer weiß, ob sie nicht in eine der Weiden abgebogen ist«, jammerte Deana und starrte angestrengt in die Nacht. Zumindest war der Himmel klar und der Mond und die Sterne spendeten ein klein wenig Licht, aber von einem Pony war keine Spur zu sehen.

»Dann steigt ihr aus und ich fahre langsam weiter, später hole ich euch ab, wenn ihr nichts findet«, bestimmte Tante Maude. »Habt ihr ein Handy?«

Ciaran nickte und schnitt dann eine Grimasse. »Sofern hier ausnahmsweise mal Empfang ist.« In den Highlands war es häufig ein Glücksspiel, mit einem Mobiltelefon telefonieren zu können.

Kalte Luft schlug ihnen entgegen und Ciaran legte Deana tröstend einen Arm um die Schultern. »Wir finden das Pferd schon.«

»Es ist Rhanna, ich bin mir sicher«, schniefte sie. »Wenn sie auf der glatten Straße ausrutscht und sich ein Bein bricht …«

»Hey, mach dir keine Sorgen«, Ciaran drückte sie an sich, »deine Granny sagt doch immer, Rhanna sei ein kleiner Kobold und sie wird ganz sicher von den Feen beschützt.«

Seufzend hob Deana die Arme, dann machten sie sich auf den Weg. Sie suchten jeden Feldweg ab, schauten in jede geöffnete Weide, Deana rief den Namen ihres Ponys, aber sie konnten das Pferd einfach nicht finden.

Nach einer Weile rief Onkel Cameron an und bestätigte, dass Rhanna nicht auf ihrer Koppel gewesen sei.

»Ich habe es gewusst«, schimpfte Deana und eine Falte bildete sich auf ihrer Stirn.

Als sie sich schließlich mit Tante Maude trafen, meinte diese: »Wir brauchen mehr Leute, wir klingeln einfach die Nachbarn raus, die sollen helfen.« Schon walzte sie auf das erste kleine Cottage zu, dessen Fenster einladend erleuchtet waren.

»Die Leute werden sicher nicht sehr erfreut sein, wenn wir ihre Weihnachtsfeier stören«, bemerkte Ciaran kritisch.

»Hier bei uns hilft man sich in Notlagen, das geht schon in Ordnung.« Auch Deana eilte los, den skeptischen Ciaran an ihrer Seite, der sie noch immer davon abhalten wollte, die Dorfbewohner zu stören. Er war in einer Großstadt aufgewachsen und lebte erst seit kurzem hier auf der Isle of Skye, daher kamen ihm viele Eigenarten der Hochlandschotten seltsam vor.

Nachdem sie allerdings an drei Häusern geklingelt, und sich sofort mit Taschenlampen bewaffnete Nachbarn ihrer Suche angeschlossen hatten, war er ein wenig beruhigter. Von überall her waren leise Rufe zu hören, Taschenlampen, hier und da sogar Fackeln, leuchteten in der Nacht auf, nachdem sich alle auf die Suche nach dem entflohenen Pony machten.

»Bei so vielen Helfern sollte es ein Kinderspiel werden«, meinte Ciaran aufmunternd, vor seinem Mund bildeten sich beim Sprechen weiße Wolken und er rieb die Hände aneinander.

»Jeanie wollte dir Handschuhe schenken.« Deana schnitt eine Grimasse. »Leider ist Rhanna vor der Bescherung ausgebrochen.«

Sie stapften über vereiste Weiden weiter in Richtung Ardmore, ganz am Ende der Inselzunge Waternish, und langsam gab Deana wirklich die Hoffnung auf. Vielleicht war Rhanna auf irgendwelchen Umwegen schon wieder nach Hause gelaufen und sie suchten hier vergeblich die ganze Gegend ab.

»Sieh mal!«, rief Ciaran urplötzlich und deutete auf ein einsames Haus, welches abseits der Straße am Meer lag. In der Ferne konnte man erkennen, dass im Eingang Licht brannte und Deana glaubte, die Silhouette eines Pferdes zu erahnen.

»Ich dreh ihr den Hals um, so weit ist sie noch nie gelaufen«¸ schimpfte Deana und rannte los.

Ihr Verdacht bestätigte sich. Mit umwerfend unschuldiger Miene stand Rhanna am Eingang des kleinen, einstöckigen weißen Hauses und ließ sich von Mrs. MacPherson mit Äpfeln füttern. Deanas wütendes Gesicht wandelte sich allerdings, als sie sah, wie verzückt die kleine, hutzelige Frau war.

Mit zärtlicher Stimme redete sie in gälischer Sprache auf Rhanna ein, streichelte ihr liebevoll über die volle schwarze Mähne und lachte, als das wuschelige Pferd mit dem Kopf nickte.

»Guten Abend, Mrs. MacPherson, mein Pony ist ausgerissen.«

»Ach, so ein liebes Tier. Allerdings bin ich ganz schön erschrocken, als sie plötzlich ihre Nase an meinem Fenster plattdrückte«, gab sie leise lachend zu. Wehmütig streichelte sie über Rhannas Nüstern, die sich ihr in Erwartung eines neuen Leckerbissens entgegenreckten. »Sie ist ein kleiner Weihnachtsengel und heute mein einziger Besuch.« Mrs. MacPhersons Stimme klang traurig, als sie dies sagte.

»Als Engel bezeichnet Rhanna normalerweise kaum jemand«, grummelte Deana, während sie dem Pferd ihr neues Zaumzeug überzog, dann runzelte sie die Stirn. »Sonst kommen doch immer ihre Kinder über Weihnachten zu ihnen, Mrs. MacPherson.«

»Ja, das stimmt, aber sie wollten erst heute gegen Abend losfahren und die Straßen waren zu glatt«, seufzte die alte Frau betrübt.

»Oh, das tut mir leid.«

»Möchtet ihr eine Tasse Tee zum Aufwärmen?«, schlug Mrs. MacPherson vor und lächelte dabei so freudig, dass Deana es ihr nicht abschlagen konnte.

»Ich sage rasch den anderen Bescheid, wo wir sind«¸ meinte Ciaran und lief auf der Suche nach Empfang im Garten auf und ab.

Nach und nach versammelten sich die fleißigen Helfer im Garten von Mrs. MacPherson, sie lachten über Rhanna, die zufrieden und mit dick aufgeplustertem Fell zwischen ihnen stand und versuchte, ihre Nase in Tassen mit Tee oder heißem Whisky zu stecken.

Bald standen an die dreißig Männer, Frauen und Kinder vor dem Haus, unterhielten sich angeregt, und ließen sich ihr Getränk schmecken, während Mrs. MacPherson mit strahlenden Augen und geröteten Wangen umher eilte und Getränke und Plätzchen verteilte.

Einige Fackeln steckten inzwischen im Boden, die Sterne funkelten so nah und prächtig vom Himmel, dass es trotz der Kälte richtig gemütlich war.

Ciaran schlang seine Arme von hinten um Deana. »Ich glaube, Rhanna ist wirklich ein kleiner Weihnachtsengel. Wäre sie nicht ausgerissen, hätte Mrs. MacPherson den Abend ganz allein verbringen müssen, und jetzt ist halb Waternish bei ihr im Garten versammelt.«

Lächelnd lehnte sich Deana an ihn. »Da hast du Recht, es ist wie in der Geschichte, die Granny vorhin begonnen hat. So ähnlich muss es gewesen sein, als die Clans früher zusammen gefeiert haben. Irgendwie gefällt es mir.«

»Warum frieren wir uns hier eigentlich den Hintern ab?«, durchbrach Tante Maudes energische Stimme die romantische Stimmung. »Roderick, mach den Pub auf, wir sollten dort alle gemeinsam feiern, Anabells Truthahn reicht ohnehin für eine halbe Kompanie.«

Deanas Vater stimmte nur zu gern zu, und viele der Nachbarn meinten, sie würden ihre Kinder nur noch zu Hause abholen, und später Essen und Getränke mitbringen. Maude nahm die alte Mrs. MacPherson gleich im Auto mit, nur Deana und Ciaran liefen durch die sternenklare Nacht zurück zu Onkel Camerons Farm und sperrten Rhanna vorsichtshalber in eine Box.

»Ich glaube nicht, dass sie noch mal ausreißt«, meinte Ciaran und zwinkerte Deana zu. »Wer weiß, ob ihr nicht wirklich eine kleine Fee ins Ohr geflüstert hat, dass heute jemand sehr einsam ist.«

© Aileen P. Roberts 2010

Bildrechte: Besinnliche Momente und Reflexionen” (Besinnlich-die-zweite.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Besinnliche Momente und Reflexionen” (BESINNLICHE MOMENTE-SUBCOVER-100-minus-140-0) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Weitere Geschichten aus den schottischen Highlands und von Deana, Ciaran und Rhanna gibt es in der Jugendromanreihe „Deana und der Feenprinz“ von Aileen P. Roberts


Buchtrailer auf Youtube

Updated: 9. Oktober 2012 — 20:16

21 Comments

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  1. Erinnert mich ein bisschen an James Herriot für Jugendliche. Sehr schön 🙂

    Aber ich weiß nicht, ob ich solche Geschichten meinen Kindern später mal zum Lesen geben würde. Nicht weit von uns gibt’s Pferdehöfe. Ich schätze, die wären (wenn sie mal älter sind) nicht mehr von dort fort zu kriegen.

    „Papi, Papi, ich wünsche mir ein Pferd.“ Holla, vor dem Tag graut mir.

  2. Danke, Micha 🙂

    Na ja, du kannst ja schonmal vorbauen, und ihnen gleich ein Pferd kaufen, dann ersparst du dir das „Papi, ich will ein Pferd“, und kannst ihnen gleich die Bücher kaufen 🙂 🙂
    Mal abgesehen davon ist Reiten, Umgang mit Pferden usw. gut für die Entwicklung … „Reitpädagogin auspack“ 😉

  3. Habt Ihr Euch eigentlich schon mal gefragt, warum 95 % der Kinder auf solchen Pferdehöfen Mädchen sind?

  4. Ich frag mal bei Gelegenheit. Ich denke aber, wegen der Uniformen 😉

    @Aileen
    Kaufen könnte ich eh keins, und wenn sie ihre Reitstunden machen, habe ich auch nichts dagegen. Meiner Großen (5) würde das sicherlich Spaß machen, aber drängen tue ich sie nicht.

    Du siehst, bis zum Selbstlesealter (oh mann, was für ein Wort!) dauert’s noch ein bissl 😉

  5. Uniformen für Mädchen beim Reiten??

  6. Reitstiefen, Reithose, Helm und Gerte. Ok, Jacke oder Pulli ist wurscht 😉

  7. Aber warum interessiert das kaum Jungs?

  8. Ach, ihr armen im Geiste! Es ist schon lange eine bekannte Tatsache, dass pubertäre Mädchen vom Reiten sexual erregt werden. Die genaueren medizinischen Details erspare ich mir hier, aber das ist doch nun wirklich uralter Toback.

    Was natürlich nicht heißt, das denen alle bei Reiten äh, nun ja, ihr wißt, was ich meine. Und außerdem macht es einfach ja auch noch Spaß.

    Und dass es nur 5% Jungen gibt? Ist doch klar: Wer will sich schon stundenlang Geschlechtsteile prellen? Vor allem bei diesem albernen Auf- und Abgehopse, bei dem sich die Mongolen und Indianer wohl krumm gelacht hätten, geschweige denn, während des Galopps mit Pfeil und Bogen hätten schießen können.

    Mit galaktischen Grüßen
    galaxykarl ;-))

    P.S. Bin ja gespannt, wie viele Frauen jetzt entrüstet aufheulen werden und hier feurige Gegenkommentare schreiben.

  9. Oh weh,

    also die Erklärung ist etwas dürftig, einfach weil schon weitaus jüngere Mädchen sich genauso dafür begeistern. Weder ich noch meine Nichten waren mit sieben oder acht Jahren in der Pubertät. Es dürfte wohl eher daran liegen, dass manchen Jungs eher die Ruhe fehlt, mit Pferden umzugehen. Da kann man nicht mit einer solchen Haudraufmentalität ankommen, wie bei den Sachen, die Jungs in der Regel machen. Haudraufmädchen, die es ja auch gibt, reiten dagegen genauso selten, während eher ruhigere Jungs sich wiederum mehr dafür und für Pferde interessieren. Was vermutlich auch eine Rolle spielt sind Sätze von Vätern, Onkeln, Brüdern, Freunden – wie etwa „Reiten???? Das ist doch was für Weicheier und Mädchen!!!!“ Welcher Junge traut sich denn da noch zu sagen, dass er reiten will?

    Und die Erklärung der 5%: Mal ehrlich, wenn du dich als Mann/Junge auf den armen Pferderücken einfach durchplopsen lässt, brauchst du dich über eine Prellung nicht zu wundern (und das Pferd nicht über einen drohenden Bandscheibenvorfall). Wozu hat man denn Muskeln in den Oberschenkeln? Die Bewegung sollte (genau wie bei anderen Sportarten – etwa Aerobic, Thai Bo, etc.) eine kontrollierte Bewegung sein. Uuuuund, genau wie die Mongolen hatten die Indianer ursprünglich keine Sättel, sondern nackten Pferderücken. Wenn du heutzutage mal einen Reiter ohne Sattel siehst, sieh mal genau hin, wie der draufsitzt. Dagegen gab es allerdings eine Technik bei bestimmten Stämmen. So eine Art Verschnürung, mittels derer die Reiter quasi stehend mit durchgedrückten Beinen auf dem Pferderücken Halt fanden und so auch beim schnellem Galopp sehr gut schießen oder stechen können. Andere haben wiederum durch schiere Muskelkraft in den Beinen einen vergleichbaren Effekt erzielt. Eine ähnliche Haltung (das Stehen im Sattel) kann man auch deutlich bei Rhodeos und ähnlichem sehen.

    Und wer das vermeiden möchte, könnte sich noch einen Isländer oder … wie heißt diese andere Pferderasse noch? Egal, beide haben eine spezielle Arttypische Gangart, bei der Reiter nicht so durchgeschüttelt werden :D. Also Männer, rauf auf die Pferde!

    Insoweit:

  10. Bei Galaxykarls Erklärung mit der Pubertät habe ich sowieso angenommen, dass er ein Späßle gemacht hat ;-). Denn Pubertät fängt, wie du schon gesagt hast, nicht mit 4 oder 5 an.

    Wie wär’s damit: Mädchen haben mehr Körpergefühl und das braucht man offensichtlich, genau wie beim Tanzen. Naja, stimmt wohl auch nicht.
    Es wird wohl zum Großteil gesellschaftlich geprägt sein. Bei uns an den Pferdehöfen gibt’s nur Frauen und Mädchen. Welcher Junge würde dann überhaupt auf die Idee kommen, da mitmischen zu wollen … ohne sich nachher mit Jod abreiben zu müssen 😉

    D.h. wie auch immer das angefangen hat, ändern kann man es wahrscheinlich eher schwer.

    Und ehrlich gesagt, ich habe die Gäule auch lieber auf dem Zeichenblock als unter dem Hintern.

  11. Ich vermute ja, dass junge Mädchen damit ihre aufkeimenden Muttergefühlen und -Rollen gerecht werden, oft auch auf unbewußter Ebene. Wenn man zum Beispiel Vorschulkinder spielen sieht, dann sind es fast immer Mädchen, die Mutter und Kinder oder Familie nachspielen und sich um die kleinen kümmern wollen. Den Jungs ist bei solchen, oft von den Mädchen zugedachten Rollen, das nicht so geheuer und spielen diese Spiel meist nur widerwillig mit. Ich denke also, es ist der Bemutterungstrieb der kleinen Mädchen, die üben, einmal Kinder aufzuziehen.

  12. Praktisch also eine Mischung zwischen Trieb, gesellschaftlicher Konvektion und eigener Rollenfindung.

  13. Also das mit den verschiedenen Reitstilen ist doch wirklich Bullshit! Ihr glaubt doch wohl nicht im Ernst, dass nomadisierende oder Büffel jagende Indianer auf dem Pferderücken herumgehopst sind wie neumodische Reiter? Und wochenlang im Sattel sitzende Cowboys auf Viehtrieb zum Verkaufsort schon gleich gar nicht. Mir geht es nicht um kurze Reitstunden, wo mal schon mal so verfahren kann, sondern um LEBEN UND ARBEITEN IM SATTEL! Das sind Menschen, die sich Reiter nennen dürfen. Alles andere ist Sport oder Hobby.

    Und nebenbei bemerkt: Ich bin fest davon überzeugt, dass es auch ein Pferd nicht schätzt, wenn ihm jemand ständig sozusagen ins Kreuz hüpft. Ich möchte die Wirbelsäule eines Pferdes sehen, dass Tag für Tag, Stunde um Stunde so malträtiert würde. Die Mongolen, die Indianer und die Viehtreiber haben sich schon etwas gedacht, bei der Art, wie sie auf ihren Pferden saßen, ob im Schritt, im Trab oder im Galopp.

    Mit galaktischen Grüßen
    galaxykarl 🙂

  14. na, galaxy, du hast das falsch aufgefasst: Durch ihre Haltung auf den Pferden gibt es da gar nichts zu hopsen. Und wenn du mal Reiter draußen siehst, wirst du feststellen, dass da auch nicht jeder von denen diese „Hopser“ macht, die dich die Prellungen befürchten lassen. Und wenn die Bewegung richtig ausgeführt wird, dann hüpft man dem Pferd nicht ins Kreuz. Kontrollierte Bewegung bedeutet absetzen und abheben, erfolgt durch die Oberschenkel und nicht durchs Plopsenlassen und wieder zurückgefedert werden.

  15. Felis Breitendorf

    Bin ich froh, daß meine Vespa nicht hopst!

  16. Na, da hat der liebe Galaxykarl ja was losgetreten *g*
    Also, ich muss gestehen, dass ich noch nie sexuell erregt war beim Reiten, weder als Jugendliche noch jetzt 😉 und wie Ati so schön sagt, auch kleinere Mädels begeistern sich ja dafür.
    Mal abgesehen davon gibt es im „großen Reitsport“ jede Menge Männer, du die müssen ja auch irgendwann mal angefangen haben, denn die fallen ja auch nicht mit 25 plötzlich vom Himmel (oder doch???)
    Die Kids, die bei mir reiten – ja ich habe auch Jungs 😉 – lernen alle ohne Sattel reiten, und erst wenn sie freihändig traben oder galoppieren können, gibts überhaupt Zügel oder dann mal einen Sattel, und sie hopsen daher dem Pferd auch nicht im Kreuz rum – oder nur zu Anfang minimal. Aber das ist natürlich eine ganz andere Sache, WIE man seinen Unterricht aufbaut, und in „normalen“ Reistunden sieht man in der Tat leider viele Hopser 🙁

  17. Felis Breitendorf

    Muss hier:

    »Weihnachten ohne Baum, das hatten wir noch nie«, brummte

    nicht ein Punkt hinter brummte?

    So, jetzt habe ich die Geschichte komplett gelesen und zu anfang dachte ich: „Man was für eine schnulzige Story!“

    Doch als ich damit fertig war, mußte ich bemerken, (hüstel), dass ich doch tatsächlich Tränen in den Augen hatte!

    Wie peinlich!! Und dass als starker Mann! 😉

  18. Häha, was bin ich doch für ein Dreckskerl. Eine provokante Bemerkung und schon purzeln hier fast zehn neue Kommentare ein.

    Aber wenn ihr mal den verklärten Blick von Teenagern gesehen habt, wenn sie auf Pferden hopsen – nicht reiten – dann werdet ihr auch misstrauisch.

    mgg
    galaxykarl 😉

  19. Ich bin für Schuluniformen und auch welche für Reiterinnen!

  20. Ist ja köstlich, wenn man solche Kommentare hier nochmal liest, klasse! 😀

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